Zurück
 

Undercover

© by Sam80853 ()

 

Disclaimer: Alle nicht meine, gehören leider DPB, CBS und PARAMOUNT, so wie Universal und NBC.
Feedback: Wäre sehr willkommen
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de)

 
Büro des Admirals
Falls Church, Virginia

 

"Admiral....Sir", bittet die Stimme von Lt. Bud Roberts.

Zusammen mit seinen Kollegen und Freunden Commander Harmon Rabb Jr. und Colonel Sarah 'Mac' MacKenzie sowie seiner Ehefrau Lt. Harriet Sims-Roberts steht er vor dem Judge Advocat General Admiral A.J. Chegwidden und sieht ihn flehend an.

"Ich bitte Sie, Sir! Gibt es niemand anderen für diese Mission?"

Der Admiral schüttelt bedauernd den Kopf.

"Leider kommt Col. MacKenzie wegen dem Opferprofil nicht in Frage und Lt. Singer ist in Urlaub...", bedauernd sieht er den Lt. an und zuckt mit den Schultern. Er kann gut verstehen, wie wenig dem Lt. die Idee gefällt, seine Frau auf eine solche Mission gehen zu sehen. Ihm selbst ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken...'Mein Gott, sie hat ihr erstes Kind in meinem Büro zu Welt gebracht...'

"Aber Sir...", versucht Bud es noch einmal.

"Bud", schaltet Harriet sich nun ein. "Ich bin ein Lt. der US Navy", sagt sie stolz, "und ich bin mir sicher, dass der Commander und der Colonel gut auf mich aufpassen werden, nicht wahr?" Mit ihren letzten Worten wendet sie sich an Harm und Mac.

"Natürlich, Harriet", kommt es von den beiden gleichzeitig als Antwort. Mit einem Lächeln nehmen sie ihre Reaktion zur Kenntnis.

"Bud, machen Sie sich keine Sorgen", versucht Harm den Lt. zu beruhigen. Er legt eine Hand auf seine Schulter und drückt sie leicht.

Bud entspannt sich etwas. Er kennt den Commander zu gut und weiß, dass seine Frau bei ihm in guten Händen ist. Aber trotzdem würde er sich noch viel besser fühlen, wenn er in Harriets Nähe seine könnte.

Leider ist das unmöglich. Der wichtigsten Fall seiner bisherigen Karriere kommt morgen vor Gericht und der Admiral würde ihm nicht gestatten, den Fall an einen andern Anwalt abzugeben.

"Da das nun geklärt ist, können Sie wegtreten", beendet der Admiral die Diskussion.

"Aye aye, Sir!", kommt es von allen 4 gleichzeitig.

Als die sich Tür zum Büro des Admirals schließt und Harm und Mac bereits in ihren Büros verschwunden sind, greift Bud nach der Hand seiner Frau.

"Bitte sei vorsichtig, Harriet!" Ernst sieht er sie an. "Klein AJ und ich, wir brauchen Dich."

"Oh, Bud", Harriet nimmt ihren Mann in die Arme und eine einzelne Träne läuft ihr über die Wange.

"Paß auf Dich auf!", bittet er erneut und küsst sie.

"Lt.'s!", kommt es spöttisch von Harm. "Es sind doch nur ein paar Tage." Langsam geht er auf die beiden zu.

"Eine Ewigkeit, Sir!", erwidert Bud und sieht seine Frau liebevoll an.

"Lassen Sie uns aufbrechen, Lt.", fordert Harm sanft und nimmt Harriet am Arm.

Als sie fast die Bullpen erreicht haben, ruft Bud ihnen hinterher.

"Passen Sie gut auf sie auf, Commander!"

Harm sieht sich um, begegnet dem Blick seines Freundes und lächelt ihm aufmunternd zu.

"Keine Sorge, Bud", er nickt leicht mit dem Kopf.

"Als wäre sie meine eigene", flüstert er, so dass der Lt. ihn nicht hören kann. Aufmerksam sieht er die Frau neben sich an und schwört, dass nichts auf der Welt ihn davon abhalten kann alles zu tun, um sie heil zurück zu bringen.

 

 
Duelles International Airport
Washington D.C.

 

"Kommen Sie, Harriet", fordert eine männliche Stimme neben Sam, bevor er eine Hand an seinem Oberarm spürt, die ihn sanft mit sich zieht.

Verwirrt sieht Sam sich um. Er befindet sich auf einem Flughafen, stellt er fest. Das Ticket in seiner Hand lässt ihn darauf schließen, dass er sich auf dem Weg irgendwohin befindet. Nur wohin? Und, wer ist er?

"Harriet?", fragend richtet Harm das Wort an ihn.

'Harriet?', überrascht sieht Sam den groß gewachsenen jungen Mann neben sich an. Er hat kurze braune Haare und besorgt blickende blaue Augen, die ihn aufmerksam ansehen. Eine weiße Uniform weist ihn als Mitglied der US Navy aus, an seiner Brust prangen Gold Wings.

'Harriet?', fragt Sam sich erneut und sieht an sich herab.

Keine Hosen...

"Oh Boy!", stöhnt Sam und lässt sich von Harm ins Flugzeug führen.

 

 
Über den Wolken

 

Unruhig suchend sieht Sam sich im Flugzeug um.

'Al, wo bist Du?', ruft er still, als sich die Hand seines Nachbarn beruhigend auf seinen Arm legt.

"Entspannen Sie sich, Harriet", aufmunternd lächelt er ihn an.

'Al!'

Wie durch ein Wunder öffnet sich in diesem Moment genau vor ihm die Imaging Chamber Tür und sein Hologramm erscheint.

Erleichtert atmet Sam aus und entspannt sich sichtlich.

Harm, der dies bemerkt, lehnt sich zufrieden in seinen Sitz zurück und schließt die Augen.

"Wir müssen uns unterhalten, Sam", sagt Al und sieht sich im Flugzeug um.

Mit dem Kopf deutet Sam in Richtung der Toiletten und erhebt sich.

"Ach, Sam", kommt es protestierend von Al.

'Hast Du eine bessere Idee?', fragt Sam stumm und verschwindet in der Toilette.

Kaum hat er die Tür hinter sich geschlossen, erscheint Al.

"Wer bin ich? Was soll ich tun?", platzen die Fragen aus Sam heraus.

Abwehrend hebt Al seine Hände.

"Ganz langsam", antwortet das Hologramm und wendet sich dann an das Handlink.

"Dein Name ist Harriet Sims-Roberts, Du bist Lt. in der Navy, verheiratet mit Lt. Bud Roberts, Mutter eines Sohnes....", spult Al die Informationen herunter.

"Was mache ich hier? Ist der Mann dort draußen mein Ehemann?"

Al schüttelt seinen Kopf.

"Dein Begleiter ist Commander Harmon Rabb Jr.. Er ist Anwalt beim Judge Advocat General..."

"Anwalt?", fragt Sam ungläubig. "Was mache ich dann...."

"Ihr seid auf einer Undercovermission", unterbricht Al die Fragen seinen Freundes. "Euer Vorgesetzter Admiral AJ Chegwidden schickt euch als Ehepaar getarnt nach Fallon, Nevada. Dort hat es auf einem Militärstützpunkt mehrere Vergewaltigungen gegeben, die ihr aufklären sollt. Du und Commander Rabb tretet als Mr. und Mrs. Fraser auf."

"Undercover....Vergewaltigungen.....", flüstert Sam schockiert.

Al nickt zustimmend.

"Bisher gibt es vier Opfer", fährt Al fort. "Es waren immer blonde, verheiratete Frauen."

Bestürzt sieht Sam in den Spiegel. Vertrauensvolle blaue Augen blicken ihn an. Halblanges blondes Haar umrahmt sein Gesicht.

"Perfekt", flüstert Al und schaut Sam über die Schulter.

"Perfekt", wiederholt Sam leise und ein leichter Schauer läuft über seinen Rücken.

"Was sagt Ziggy soll ich tun?", noch immer sieht Sam in den Spiegel.

"Tut mir leid, Sam", Al schüttelt seinen Kopf, "Ziggy ist noch dabei, einige Szenarien zu überprüfen."

Wissend nickt Sam und verlässt die Toilette, als Al durch die Imaging Chamber verschwindet.

Langsam geht er auf seinen Platz zu und setzt sich leise. Aufmerksam betrachtet er Harms entspanntes Gesicht.

'Wie steht die wirkliche Harriet zu diesem Mann? Sind sie Commander und Lt. oder Freunde?', fragt Sam sich als sich ein Lächeln auf Harms Gesicht schleicht.

"Gewöhnen Sie sich an den Anblick", schmunzelt Harm und öffnet seine Augen. "Mrs. Fraser."

Sam lächelt ebenfalls.

"Mr. Fraser", er reicht ihm seine Hand, die Harm lachend ergreift.

 

 
Flughafen
Fallon, Nevada

 

Zusammen mit Harm verlässt Sam das Flughafengebäude.

"Lt. Johnston, zu ihren Diensten", salutiert ein junger Officer.

Harm erwidert den Gruß.

"Ihr Wagen steht dort drüben, Sir", sagt der Lt. und deutet auf einen Militärjeep ein paar Meter von ihnen entfernt.

Entschlossen greift Lt. Johnston nach ihrem Gepäck und strebt auf den Wagen zu.

"Showtime", flüstert Harm und nimmt Sam bei der Hand.

 

 
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Als der Lt. Harm und Sam vor ihrem neuen Zuhause auf der Militärbasis absetzt, deutet er auf ein großes Gebäude.

"Admiral Samuels wünscht Sie zu sprechen, wenn Sie sich etwas eingerichtet haben, Sir!" Mit diesen Worten steigt er in den Jeep und fährt davon.

"Dann werden wir uns mal umsehen", sagt Harm, greift nach dem Gepäck und verschwindet im inneren des kleinen Hauses.

Sam sieht sich um.

Am Horizont sind Flugzeuge zu sehen, die zum Landeanflug ansetzen. Der Lärm ihrer Motoren ist bis hierher zu hören. 'Wie kann man nur freiwillig so leben?', fragt er sich zweifelnd und schüttelt den Kopf.

Harm steckt den Kopf zur Tür heraus.

"Kommst Du, Harriet?", ruft er.

Verwundert über die vertraute Anrede dreht Sam sich zu ihm um. Schulter zuckend beantwortet Harm seine stumme Frage und verschwindet wieder im Haus.

Als Sam die Tür hinter sich schließt, steht er inmitten eines kleinen gemütlichen Wohnzimmers. Drei Türen gehen von hieraus ab. Eine führt ins benachbarte Schlafzimmer und Sam wirft einen zweifelnden Blick auf das Doppelbett.

"Ich werde auf der Couch schlafen", sagt Harm, der Sams Blick bemerkt.

Dankbar sieht Sam ihn an.

"Harm, Sie....."beginnt er.

"Du.", unterbricht ihn Harm. "Vergiß nicht, wir sind hier als Ehepaar, Mr. und Mrs. Fraser." Er sieht Sam ernst an.

"Harriet, ich weiß, dass das hier eine ungewöhnliche Situation für Dich ist. Wenn es eine andere Möglichkeit gegeben hätte, wärst Du jetzt bei Bud und AJ....", er lässt den Satz unvollendet.

Einem Impuls folgend legt Sam eine Hand auf Harms Arm.

"Ist schon in Ordnung", Sam nickt. "Wir schaffen das schon."

"Ja." Er denkt an das Versprechen, das er Bud gegeben hat. "Ich möchte, dass Du kein Risiko eingehst."

Fragend sieht Sam ihn an. 'Bin ich nicht deswegen hier?'

"Risiko?"

Harm sieht auf seine Uhr.

"Mac landet in genau 2 Stunden", sagt er. "Sie und ich, wir werden uns hier genauestens umsehen und Du versuchst, in meiner Nähe zu bleiben und Dich sonst so wenig wie möglich allein auf dem Stützpunkt aufzuhalten."

"Allein?", Sam sieht ihn erstaunt an. 'Hat Harriet wirklich sowenig Erfahrung oder ist Harm einfach übervorsichtig?'

"Ich dachte, dass ich der Köder wäre. Das wäre der Grund, warum ich hier bin." Sam ist fast etwas enttäuscht.

Harm geht auf ihn zu, steht ganz dicht vor ihm.

"Harriet, ich werde was Dich angeht, kein Risiko eingehen", sagt er ernst und der Blick in seinen Augen duldet keinen Widerspruch.

"Aber Harm....", will Sam einwenden.

"Harriet," ist alles was er sagt und Sam nickt schweigend.

Harm geht zur Tür.

"Ich werde jetzt zum Admiral gehen", verkündet er und verlässt das Haus.

Kaum hat Harm die Tür hinter sich geschlossen, vernimmt Sam das vertraute Geräusch der Imaging Chamber Tür.

"Wo bist Du so lange gewesen, Al?", fragt Sam.

Al winkt ab.

"Hat Ziggy etwas herausgefunden?"

Einige Befehle ins Handlink tippend, läuft Al im Raum auf und ab.

"Ziggy hat herausgefunden, dass Du hier bist, um zu verhindern, dass Harm bei dem Versuch Dich zu schützen getötet wird...."

"Harm wurde....."

Al nickt.

"Morgen Abend nach einer Tanzveranstaltung in der Offiziersmesse wirst Du hier im Haus angegriffen....."

"Wo ist Harm", fragt Sam dazwischen. Nach dem Ausdruck in seinen Augen kann er sich kaum vorstellen, dass er ihn auch nur einen Augenblick allein lassen würde.

"Er trifft sich mit Col. Sarah MacKenzie...."

Fragend sieht Sam seinen Freund an.

"Sie ist auch beim JAG und führt die Ermittlungen hier vor Ort", erklärt Al. "Sie und der Commander sind Partner....leider ist sie nicht blond", fügt er noch hinzu.

"Sonst wäre Harriet nicht hier", murmelt Sam.

Al nickt.

"Was passiert dann?"

"Harm kommt gerade noch rechtzeitig, um das schlimmste zu verhindern. Leider hat der Angreifer ein Messer und....", Al sieht Sam traurig an.

"Aber ich bin nicht Harriet", sagt Sam aufmunternd. "Ich kann mich selbst schützen."

"Deshalb bist Du hier", sagt Al. "Das Leben von 5 Menschen hängt davon ab."

"5?"

"Bud, Harriet, der kleine AJ, Mac und Harms."

"Was hat Mac damit zu tun?", verständnislos sieht Sam Al an.

"Nach dem Tod des Commanders beginnt sie wieder zu trinken," Al sieht seinen Freund wissend an. Er weiß, wie schlimm es für einen Alkoholiker sein kann, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es ist so einfach, eine Flasche zu nehmen und alles zu vergessen, wenn auch nur für einen Augenblick...

"Das wird nicht passieren, Al", Sam kann deutlich die Gedanken seines Hologramms in dessen Gesicht sehen. Wie Al sieht er ihre erste Begegnung deutlich vor sich. Al, wie er völlig betrunken auf einen Automaten einschlägt....ihm war damals alles egal. Sein Leben. Sein Karriere. Einfach alles. Zu viele Dämonen, die es zu bekämpfen galt.

Al nickt. Ohne Sam, sein Vertrauen und seine Freundschaft, wer weiß, wo er heute sein würde....

"Wer ist der Vergewaltiger?", lenkt Sam von Thema ab.

"Ziggy weiß es nicht", Al schüttelt seinen Kopf. "Laut Aussage von Harriet hat sie ihren Angreifer nicht gesehen. Es war dunkel, sie hatte Angst und dann kam Harm...."

Sam nickt.

'Dann muss ich es selbst herausfinden.'

 

 
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Nachdem Harm die Begrüßung durch Admiral Samuels unbeschadet überstanden hat, sieht er sich etwas auf der Militärbasis um.

Als Ausbilder der Flugstaffel erregt es kein Aufsehen, als er suchend durch die Hangars geht und einige Fragen an die Piloten stellt.

Nach über 2 Stunden kehrt er zum Haus zurück. Natürlich hat er nicht erwartet, gleich brauchbare Informationen herauszufinden, aber er hatte die Hoffnung gehegt, beim Gespräch mit den Leuten vielleicht schon einen Verdächtigen auszumachen.

'Woran erkennt man einen Vergewaltiger?', fragt er sich. 'Was für ein Mensch muss das sein, der einer Frau so etwas antun kann...?'

Er denkt an Harriet und sein Versprechen Bud gegenüber, als er das Haus betritt.

"Ich bin zurück", ruft er und schließt die Tür hinter sich.

Sam kommt aus dem Badezimmer.

"Schon irgendetwas erreicht", fragt er.

Harm schüttelt den Kopf.

"Nein."

"Vielleicht sollte ich.....", Sam deutet zur Tür.

"Nein", Harm lehnt entschieden ab. Das letzte was er will, ist eine Harriet, die mutterseelenallein über den Stützpunkt läuft.

"Aber Harm, deswegen bin ich doch hier. Ich bin der perfekte Köder", wendet Sam ein.

Wissend schüttelt Harm den Kopf. Natürlich weiß er, warum Harriet an Stelle von Mac hier an seiner Seite steht. Sie ist der perfekter Köder, das weiß er genau. Zu Perfekt.

"Harriet, laß uns noch etwas abwarten, bevor wir diesen Weg gehen", bittet er.

Zustimmend nickt Sam. Er kann deutlich den Kampf in Harms Gesicht sehen. Er will den Täter so schnell wie möglich fassen, aber das Risiko, dass dabei für Harriet besteht, ist er noch nicht bereit einzugehen.

"Hast Du Mac schon gesehen?", schlägt Sam ein anderes Thema an.

"Nein. Wir haben ausgemacht, uns um 2100 in einer Bar ein paar Meilen von hier zu treffen", er sieht auf seine Uhr. "Sie müsste inzwischen schon auf dem Stützpunkt sein."

 

 
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Mac sieht sich um.

Die Begrüßung auf der Basis war genauso wie überall, wenn ein ermittelnder JAG Anwalt die Bühne betritt - offene Ablehnung und Misstrauen. Doch das ist für Mac nicht wichtig. Alles was zählt, ist den Täter zu entlarven und ihm seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Sie sieht auf ihre Uhr. Es ist 2030. Zeit sich auf den Weg zum Treffpunkt zu machen.

 

 
Al's Bar
Fallon, Nevada

 

So lange wie Mac Harm kennt, ist er noch nie pünktlich gewesen und auch jetzt sind 10 Minuten über dem vereinbarten Treffpunkt verstrichen, als Harm die Bar betritt.

Suchend sieht er sich um, sich vergewissernd, dass niemand hier ist, den er auf der Basis schon gesehen hat und der ihn vielleicht erkennen kann.

In der hintersten Ecke entdeckt der Mac.

"Wie immer zu spät", lächelt Mac ihn an und nimmt einen Schluck von ihrem Tonic.

"Entschuldigung", sagt Harm ohne eine Spur von Reue.

"Wie geht es Harriet?"

"Gut."

"Schon was herausgefunden?"

Harm schüttelt den Kopf.

"Und Sie?"

"Nein."

"Haben Sie schon mit den Opfern gesprochen?"

"Harm, ich bin erst seit 2 Stunden hier", wendet Mac ein.

"Ich weiß", er stimmt ihr missmutig zu.

"Was ist los?", will Mac wissen als sie seinen Gesichtsausdruck sieht.

"Gar nichts", versucht Harm abzuwiegeln.

"Harm."

"Es ist Harriet. Ich will nicht, dass wir sie einer unnötigen Gefahr aussetzen."

Zustimmend nickt Mac mit dem Kopf.

Harriet ist ihre einzige richtige Freundin und seitdem Harm seinen aktiven Flugdienst auf der USS Patrick Henry angetreten hatte, ihre einzige Vertraute. Mit ihr hat sie über den Verlust ihres besten Freundes gesprochen, an ihrer Schulter hat sie geweint. Harriet ist es gewesen, die ihr über die schwere Zeit hinweggeholfen hat. Mac kann nicht riskieren nach ihrem besten Freund auch noch Harriet zu verlieren. Natürlich, Harm ist zurück, aber es ist mit ihm nicht dasselbe wie vorher. Alles hat sich verändert. Sie sind sich irgendwie fremd geworden und so sehr sie auch versucht, den Riß zu kitten, ganz gelungen ist es ihr noch nicht.

"Was schlagen Sie vor?"

"Sie werden morgen mit den Opfern sprechen und ich werde versuchen, etwas mehr über die Leute zu erfahren."

"Aber, wenn der Täter keiner ihrer Schüler ist, wie...."; will Mac einwenden. Sie weiß genauso gut wie Harm, dass sie diese Möglichkeit bedenken müssen und das ihnen dann nur Harriet bleibt, um den Schuldigen aus seinem Versteck zu locken.

"Das weiß ich", entgegnet Harm barsch.

Mac zuckt etwas zusammen.

"Es tut mir leid", flüstert Harm als er ihre Reaktion bemerkt. "Ich wollte nicht....", er greift nach ihrer Hand.

"Ist schon in Ordnung", beruhigt ihn Mac und legt ihre Hand über seine.

Die Wärme, die von ihrer Berührung ausgeht, droht ihn zu verbrennen und er zieht rasch seine Hand zurück.

Seit er von der Patrick Henry zurückgekehrt ist, wünscht er sich nichts mehr, als dass es zwischen ihm und Mac wieder so ist wie vor seinem Weggang. Er weiß, dass er Mac mit seiner Entscheidung damals sehr weh getan hat und bereut es zutiefst. Erst dort, auf der Patrick Henry, weit weg von ihr, ist ihm bewusst geworden, dass Mac ihm viel mehr bedeutet als es die Fliegerei jemals könnte. Aber sie sind Partner und dienen unter dem selben Kommando. Das, was er sich wünscht, ist einfach unmöglich...

Mac deutet Harms Reaktion auf ihre Berührung falsch und rückt etwas von ihm ab.

Wo ist nur ihr Freund von einst geblieben?

"Sie machen sich Sorgen um sie", es ist mehr eine Feststellung als eine Frage.

"Natürlich", ist Harms knappe Antwort. "Sie hat mit so was überhaupt keine Erfahrung.....Bud und AJ...." Er schüttelt seinen Kopf. Nicht auszudenken, wenn Harriet etwas passieren würde.

"Ihr wird nichts passieren. Wir passen beide auf sie auf", Mac versucht Harm zu beruhigen. Auch ihr ist bewusst, wie sich das Leben vieler Menschen verändern würde, wenn.... Sie schüttelt diesen Gedanken ab.

"Morgen findet ein Ball in der Offiziersmesse statt, nicht?", fragend sieht Mac Harm an.

Als hätte Harm sie nicht gehört, stößt er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor:"Wir werden ihn schnappen, ohne dass Harriet den Köder spielen muss".

Er hasst den Mann nicht nur für die Taten, die er bereits begangen hat sondern auch dafür, ihn zu zwingen, vielleicht das Leben einer Freundin in Gefahr zu bringen.

Mac erkennt, dass es nicht viel Sinn hat heute Abend noch mit Harm einen Plan auszuarbeiten. Er ist viel zu wütend über die derzeitige Situation, um noch an etwas anderes denken zu können.

'Würde er auch so viel Angst um mich haben?', fragt sie sich.

"Lassen Sie uns gehen, Harm", sagt sie statt ihren Gedanken auszusprechen.

Zustimmend nickt Harm.

Zuerst verlässt Mac die Bar, ein paar Minuten später auch Harm.

 

 
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Mac kann nicht schlafen, zu viele Gedanken gehen in ihrem Kopf herum.

Langsam steigt sie aus dem Bett, schlüpft in ihre Jogginghose, zieht ein T-Shirt über und beschließt ihr morgendliches Training schon jetzt zu beginnen.

Ihre innere Uhr sagt ihr, dass es 4 Uhr morgens ist. Sie zuckt mit den Schultern und schließt die Tür hinter sich.

 

 
Harms & Harriets Haus
Militärstützpunkt

Fallon, Nevada

 

"Sam", flüstert Al nahe an seinem Ohr. "Sam, wach auf!"

Langsam beginnt Sam sich zu rühren, er greift nach seinem Bettdeck und zieht es fester um seinen Körper.

"Sam", ruft Al lauter.

Erschrocken reißt Sam die Augen auf und sieht sein Hologramm vor sich stehen.

"Al?", fragt er verschlafen. "Was ist los? Was willst Du so früh hier?"

"Steh auf, Sam", fordert sein Freund ihn auf. "Mac ist schon unterwegs und jemand schleicht ihr hinterher."

"Mac?" Mit einem Satz ist Sam aus dem Bett. Verständnislos sieht er erst auf die Uhr und dann auf Al.

"Sie joggt."

"Joggt?", noch immer kann Sam nicht begreifen, was vor sich geht.

Al nickt.

"Laut Ziggy wird sie in 13 Minuten von einem Unbekannten angegriffen und verletzt."

Sam schüttelt ungläubig seinen Kopf.

"Ist es der Vergewaltiger? Warum Mac? Ich dachte, die Opfer wären ausschließlich blond und verheiratet?"

"Was weiß ich, Sam", Al schüttelt seinen Kopf. "Vielleicht hat sich sein Geschmack geändert, vielleicht ist es auch gar nicht unser Mann, vielleicht....."

"Was soll ich tun?", unterbricht Sam den Wortschwall seines Hologramms.

"Zieh Dir einen Trainingsanzug an und schließ Dich ihr an. Dann bleibt eure Tarnung erhalten."

Zustimmend nickt Sam und macht sich auf die Suche nach passender Kleidung.

Als er sich leise zur Tür schleicht, fällt sein Blick auf den schlafenden Harm. Fragend sieht er Al an. Diese schüttelt entschieden seinen Kopf und Sam schließt die Tür hinter sich.

 

 
Militärstützpunkt - nahes Waldgebiet
Fallon, Nevada

 

Macs Nackenhaare richten sich auf und ein ungutes Gefühl macht sich in ihrem Innern breit. Irgendjemand beobachtet sie, das spürt sie genau.

Sich vorsichtig umsehend, setzt Mac ihren Weg fort.

'Was hab ich mir nur dabei gedacht, im Halbdunkel zu joggen', zweifelnd schüttelt sie ihren Kopf.

Plötzlich vernimmt sie im Dickicht rechts von ihr ein Geräusch.

Sie wendet den Kopf, bleibt aber nicht stehen. Ihr Herz rast, als sie mit jemand aus der entgegenkommenden Richtung zusammenstößt.

"Aaaaaaahhhhhhhhh", entfährt es ihr, panisch sieht sich nach einem Schutz um.

Starke Hände greifen nach ihr und Mac versucht verzweifelt sie abzuwehren.

"Mac", ruft Sam zwischen zusammengebissenen Zähne und lockert den Griff um ihre Arme.

Macs Blick wird wieder klar und sie kann das besorgte Gesicht Harriets vor sich sehen. Nur mit Mühe gelingt es ihr, den Fluch, der ihr auf den Lippen liegt zurück zu halten.

"Entschuldigen Sie, Ma'am"; sagt sie laut.

Verstehend nickt Sam.

"Schon so früh auf den Beinen?", erwidert er lächelnd.

"Ich bin Col. Sarah MacKenzie", stellt Mac sich vor und reicht Sam ihre Hand.

Er ergreift sie.

"Harriet, Harriet Fraser."

"Würden Sie mich begleiten?", fragt Mac und deutet auf den Weg vor ihnen.

"Gern."

 

 
Harms & Harriets Haus
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Harm erwacht. Langsam erhebt er sich von der Couch, er streckt sich.

'Hoffentlich muss ich nicht Wochen auf diesem Ding verbringen', bittet er und wirft der Couch wütende Blicke zu. Wie alle Möbelstücke dieser Art, ist sie um mindestens 10 cm zu kurz.

Um Harriet nicht zu wecken, schleicht er auf leisen Sohlen ins Bad.

Aus dem Spiegel blickt ihm sein erschöpftes Gesicht entgegen.

"Du siehst toll aus!", murmelt er sarkastisch und steigt unter die Dusche.

Nur 10 Minuten später kommt Harm erfrischt aus dem Bad. Er sieht auf die Uhr, es ist 0600 Uhr.

"Harriet?", ruft er vorsichtig in Richtung Schlafzimmer.

"Harriet", versucht er es etwas lauter und klopft an die Tür.

Als noch immer keine Reaktion kommt, drückt er den Türknopf herunter und öffnet die Tür.

Für einen Augenblick macht sein Herz einen Satz als er das leere Bett sieht. Furchtbare Gedanken von Entführung und Vergewaltigung kommen ihm in den Sinn.

Sein Puls beschleunigt sich, er zwingt sich ruhig durchzuatmen. Wenn jemand während der Nacht ins Haus gekommen wäre, hätte er das bestimmt bemerkt.

Harm dreht sich auf dem Absatz um und läuft zur Tür. Gerade in diesem Moment wird der Türknauf von außen gedreht. Harm hält inne.

Leise stößt Sam die Tür auf als er hinter ihr eine Bewegung bemerkt. Starke Hände greifen nach ihm, ziehen ihn ins innere des Hauses.

"Harriet", ist Harms erboste Stimme zu hören. "Wo bist Du gewesen? Hab ich Dich nicht gebeten, nicht ohne mich raus zu gehen."

Vorwurfsvoll sieht er Sam an.

"Ich war joggen", verteidigt Sam sich kleinlaut.

"Joggen?"

Bestätigend nickt Sam.

Harm lässt sich langsam auf die Couch sinken, er schlägt de Hände vors Gesicht.

"Harm...."

"Tu das nie wieder!", unterbricht er Sam. "Ich stehe auf, seh in Dein Bett und muss feststellen, dass es leer ist. Kannst Du dir vorstellen, was für Gedanken in dem Moment durch meinen Kopf gegangen sind?"

Sam kann nur mit Mühe eine wütende Antwort zurückhalten. Er ist keine 5 Jahre alt, er kann selbst auf sich aufpassen und braucht niemanden, der das für ihn tut.

"Es tut mir leid, Harm", sagt er stattdessen. "Ich hätte Dir Bescheid sagen müssen."

Zustimmend nickt Harm.

"Aber", wendet Sam ein, "ich bin ein.....eine erwachsene Frau und kann sehr wohl selbst auf mich acht geben. Ich werde nicht den ganzen Tag hier im Haus sitzen und darauf warten, dass Du nach Hause kommst. Ich erlaube weder Dir noch meinem Ehemann noch irgendjemandem sonst, mich so zu behandeln."

Überrascht sieht Harm ihn an. Mit so einer Ansprache hat er nicht gerechnet.

Für einen Moment ist er sprachlos bevor sich ein Lächeln auf sein Gesicht schleicht.

"Ich weiß, Harriet", gibt er zu. "Ich möchte nur nicht, dass Dir etwas passiert."

"Dann wäre das ja geklärt", beendet Sam das Thema und geht in die Küche.

Noch immer sitzt Harm schmunzelnd auf der Couch. Die gleichen Worte hätten von Mac stammen können.

'Mac', denkt er seufzend.

 

Nach dem Frühstück macht Harm sich auf den Weg zum Unterricht.

 

"Guten Morgen, Commander", salutiert Mac vor dem Eingang des Hauptgebäudes.

"Col.", grüßt Harm zurück.

Und schon ist ihre Begegnung vorbei.

Harm betritt den Unterrichtsraum, 15 junge Piloten erwarten ihn. Aufmerksam wandert sein Blick über seine Schützlinge.

'Ist einer von ihnen der Gesuchte?'

Während er versucht, den Piloten die Theorie der Fliegerei nahe zu bringen, kann er auf vielen Gesichtern die Langweile sehen. Lächelnd denkt Harm an seine eigene Ausbildungszeit zurück. Auch er saß lieber in einem Flugzeug, statt nur darüber zu reden...

In den Pausen kommt er mit einigen der Piloten ins Gespräch.

"Ihre Frau ist aber schon sehr früh auf den Beinen, Commander", scherzt Lt. Jameson.

Fragend sieht Harm den Lt. an.

"Einige Kameraden haben sie heute morgen schon mit dem Col. vom JAG joggen sehen", erklärt er.

Überrascht ziehen sich Harms Brauen zusammen. Harriet hat mit keinem Wort erwähnt, dass sie auf Mac getroffen ist.

"Sie haben eine sehr schöne Frau, Commander", kommt es von Lt. Peterson, der beschämt zusammenzuckt als er Harms misstrauisches Gesicht sieht. Mit einem Schlag ist Harm hellwach, genau betrachtet er den jungen Mann, von dem der Kommentar über Harriet kam. Er hat kurzes dunkles Haar, wie in der Navy üblich, seine grünen Augen blicken klug in die Welt. Im ganzen ein junger Mann, der nicht den Eindruck erweckt, eine Gefahr zu sein. Trotzdem macht Harm sich in Gedanken eine Notiz, bevor er sich lächelnd an Lt. Peterson wendet.

"Dass ihnen das aufgefallen ist", sagt er sarkastisch und erntet lautes Gelächter von den anderen.

 

 
Harms & Harriets Haus
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Tatenlos läuft Sam im Haus auf und ab als Al durch die Imaging Chamber Tür tritt.

"Al!", ruft Sam erfreut. "Hat Ziggy Neuigkeiten für mich?", fragt er hoffnungsvoll.

Das Hologramm schüttelt bedauernd den Kopf.

"Tut mir leid, Sam."

Missmutig läuft Sam durchs Haus. Untätig hier festzusitzen, gefällt ihm überhaupt nicht. Sein Blick fällt auf seine Jacke, er greift danach und wendet sich zur Tür.

"Sam, wo willst Du hin?"

"Ich werde mich etwas umsehen", erwidert Sam knapp.

"Aber Harm, er..."

Mit einem Blick aus zusammengekniffenen Augen bringt Sam seinen Freund zum Schweigen. Er wirft die Tür hinter sich zu.

Es ist ein schöner Tag und Sam beschließt, sich etwas genauer im Waldstück umzusehen, wo er heute morgen auf Mac getroffen ist. Wenn dort wirklich jemand hinter Mac hergeschlichen ist, findet er vielleicht eine Spur.

"Was suchst Du, Sam?", fragt Al als sein Freund sich gerade über ein Gebüsch beugt.

Erschrocken fährt Sam zusammen.

"Al!"

Entschuldigend sieht Al ihn an.

Ungläubig schüttelt Sam seinen Kopf. Wie oft hat er Al schon gebeten, sich nicht so anzuschleichen...

"Was erhoffst Du Dir hiervon?", fragt Al erneut.

"Ich weiß es nicht", gibt Sam kleinlaut zu. "Ich kann aber auch nicht untätig im Haus sitzen."

Mit Al an seiner Seite geht er durch den Wald.

"Al, was muss das für ein Mann sein, der zu so etwas fähig ist?", fragt Sam nach einer Weile.

Das Hologramm schüttelt seinen Kopf. Auch er weiß auf diese Frage keine Antwort.

"Wir sollten uns auf das WER und nicht das WARUM konzentrieren", schlägt er vor.

Gedankenverloren laufen sie durch den Wald als plötzlich das Handlink aufgeregte Geräusche von sich gibt.

Als Al die Informationen abliest, sieht er sich suchend um.

"Al?"

"Hier ist jemand", flüstert dieser ganz unnötig. Niemand außer Sam kann ihn hören.

Sam dreht sich ebenfalls um seine Achse, ein leichter Schauer läuft über seinen Rücken.

"Ma'am", erklingt plötzlich eine männlichen Stimme hinter ihm.

Erschrocken wendet Sam sich um. Der Mann ist ohne das leiseste Geräusch hinter ihm aus dem Wald gekommen. Er ist groß, kräftig gebaut. Seine Hände stecken zu Fäusten zusammengeballt in den Hosentaschen.

"Sie sollten nicht allein im Wald herumlaufen", kalte blaue Augen sehen Sam an.

"Sei vorsichtig", flüstert Al.

Aufmerksam sieht Sam seinen Gegenüber an. Er hat keine Zweifel, dass er es im Notfall mit ihm würde aufnehmen können.

"Hier sind in letzter Zeit schlimme Dinge passiert", fährt der Fremde fort. Seine Augen sind unverwandt auf Sam gerichtet.

"Ich habe davon gehört", erwidert Sam.

Fragend sieht der Mann ihn an.

"Ich kann seht gut auf mich aufpassen", beantwortet Sam den fragenden Blick.

Wissend und etwas missbilligend schüttelt der Fremde seinen Kopf und geht dann ohne ein Wort weiter.

Kaum ist er außer Hörweite, atmet Al geräuschvoll aus.

"Was wolltest Du damit beweisen, Sam", fragt er ungläubig.

Ohne eine Anwort geht Sam weiter.

"Sam!", ruft Al ihm hinterher. Er kann nicht glauben wie leichtsinnig sein Freund sich eben verhalten hat.

 

Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Langsam lässt Mac ihre verspannten Schultern kreisen. Die Befragung der Opfer hat keine neuen Hinweise gebracht. Keine der Frauen hat ihren Vergewaltiger gesehen. Alle sagen aus, dass er groß, kräftig und maskiert gewesen ist. Eine Beschreibung, die bis auf die Maske auf jeden hier auf der Basis zutrifft. Missmutig schüttelt Mac ihren Kopf.

'Hoffentlich hat Harm etwas mehr Glück', bittet sie still.

 

Genau in diesem Augenblick tritt Harm aus dem Hauptgebäude. Auch er ist unzufrieden mit den Fortschritten, die er bisher gemacht hat.

Als sein Blick auf Mac fällt, schleicht sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Ihr Anblick hat von Anfang an diese Wirkung auf ihn, auch wenn Mac gleich zu Beginn ihrer Partnerschaft klargestellt hat, dass das bei ihr nicht ziehen würde. Sein Grinsen wird noch etwas breiter, als er an diese Unterhaltung zurückdenkt.

Nickend grüßt er und geht auf sie zu.

Mac sieht sich prüfend um und hofft, dass niemand nahe genug ist, um zu erkennen, dass sie und Harm keine Fremden sind.

"Col."

"Commander."

Harm kann den Hauch eines Schattens unter Macs Augen sehen. Die Befragungen hatten also nicht neues ergeben. Enttäuscht lässt er seine Schultern sinken.

"Nichts neues", flüstert Mac.

Wissend nickt Harm.

"Werden Sie heute Abend auch auf dem Ball sein, Col.?", fragt Harm und sieht Mac herausfordernd an.

Überrascht blickt Mac zu ihm auf. Für einen Augenblick vergisst sie, warum sie hier sind und das der Ball nur eine Gelegenheit für den Täter ist, sich ein neues Opfer zu suchen.

Ihre Gedanken wandern zu den wenigen Gelegenheiten, bei denen es ihr vergönnt gewesen ist, mit Harm zu tanzen. Sie hat sich immer sicher und geborgen in seinen Armen gefühlt. Nichts und niemand kann ihr dort etwas anhaben.

"Col.?", Harm bemerkt ihren leicht abwesenden Blick.

'Wo bist Du, Mac?', will er fragen. Auf ihrem Gesicht liegt für einen Augenblick eine Ruhe und Zufriedenheit, die er gern öfter dort sehen möchte.

Aus ihren Träumen gerissen, sieht Mac ihn an. Sie hat Mühe sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren.

"Natürlich, Commander."

Lächelnd nickt Harm ihr zu.

"Wir sehen uns dann dort, Col.", sagt er und fügt leise hinzu: "Passen Sie auf sich auf, Mac!"

 

 
Harms & Harriets Haus
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Kaum hat Harm die Tür hinter sich geschlossen, kommt Sam aus dem Bad. Sein Haar ist nass und er trägt nur einen Bademantel.

Erstaunt sieht Harm ihn an.

"Was?", fragt Sam und sieht an sich herunter. Für einen Augenblick hat er vergessen, dass er eine Frau ist und nicht in diesem Aufzug vor Harm herumlaufen sollte.

"Entschuldige!", sagt er leise.

Ein Lächeln schleicht sich auf Harms Gesicht.

"Ich möchte nur keinen Ärger mit Bud bekommen", grinst er.

Erschrocken sieht Sam ihn an, muss dann aber lachen als er Harms spöttischen Gesichtsausdruck sieht.

"Schon was zum Anziehen gefunden?", fragt Harm.

Mit schnellen Schritten geht Sam ins Schlafzimmer und ist einen Moment später mit einem blauen Kleid in der Hand zurück.

Fragend sieht er Harm an.

Zustimmend nickt er. Im stillen zweifelt er, ob es so klug ist ausgerechnet ein blaues Kleid zu tragen, dass die Farbe ihrer Augen noch unterstreichen würde.

 

 
Offiziersmesse
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Sam fühlt sich ziemlich unwohl in seinem Kleid und seinen hochhackigen Schuhen. Er wird nie begreifen, wie Frauen es schaffen, darauf zu laufen und gleichzeitig so auszusehen als würden es ihnen überhaupt nichts ausmachen. Krampfhaft klammert er sich an Harm fest.

Fragend sieht Harm ihn an.

"Die Schuhe", flüstert Sam und entlockt Harm ein Lächeln.

 

Mac steht am anderen Ende des Raumes und beobachtet Harm und Harriet. Als sie das Lächeln auf seinem Gesicht sieht, zieht es leicht in ihrem Magen. Sie schilt sich töricht, schließlich ist es nicht ausschließlich für sie reserviert.

 

Harm spürt Macs Blicke auf sich und strebt mit Sam am Arm auf sie zu. Da die beiden Frauen schon am Morgen Bekanntschaft geschlossen haben, würde es niemanden wundern, wenn sie sich jetzt unterhalten.

"Col.", sagt Harm und deutet dann auf Harriet. "Wie ich höre haben Sie meine Frau schon kennen gelernt?"

Leicht verwirrt sehen Sam und Mac sich an. Gemeinsam hatten sie beschlossen, Harm nicht von dem Vorfall beim Joggen zu erzählen.

Sam und Mac nicken sich zu.

"Mrs. Fraser."

"Col. MacKenzie."

Als die Musik einsetzt, wendet sich Harm an Sam.

"Darf ich um diesen Tanz bitten, Mrs. Fraser?", sein berühmtes Fliegerlächeln umspielt seine Mundwinkel.

Mac sieht hilflos mit an, wie Harm und Sam die Tanzfläche betreten. Wie gern wäre sie jetzt an der Stelle ihrer Freundin.

Sam hat etwas Mühe, die Rolle der Frau einzunehmen. Immer wieder landet er unsanft auf Harms Füßen.

"Alles in Ordnung, Harriet?", fragt Harm leise.

"Entspann Dich, Sam", erklingt plötzlich Als Stimme neben ihm.

"Al", entfährt es Sam überrascht.

"Al?", fragt Harm verwundert. "Kennst Du hier jemanden?", suchend sieht Harm sich um.

"Nein", entschieden schüttelt Sam seinen Kopf und sieht sein Hologramm vorwurfsvoll an.

 

Mac bemerkt Harms suchenden Blick, wird dann aber unterbrochen als ein junger Lt. sich ihr schüchtern nähert.

"Col.", salutiert er leise. "Dürfte ich....würden Sie...", stammelt er hilflos und sieht von ihr zur Tanzfläche.

Ein Lächeln huscht über Macs Gesicht.

"Sehr gerne, Lt.", willigt sie ein und nimmt den jungen Mann am Arm als dieser keine Anstalten macht, auf die Tanzfläche zu gehen.

 

Aus den Augenwinkeln bemerkt Harm wie Mac mit einem der Piloten, Lt. Peterson, aus seiner Klasse das Parkett betritt.

Verwundert sieht er seine Partnerin an, leichte Eifersucht macht sich in ihm breit.

"Oho", ist spöttisch von Al zu hören und Sam folgt fragend Harms Blick.

"Harm?", flüstert Sam.

Als dieser darauf nicht reagiert, versucht er es etwas lauter.

"Harm, wenn Sie lieber mit dem Col. tanzen möchten...", er lässt den Satz unvollendet.

Überrascht reißt Harm den Blick von Mac los und richtet sein Augenmerk auf Sam. Dieser lächelt ihn wissend an und Harm wird etwas unwohl. 'Stehen mir meine Gedanken so deutlich ins Gesicht geschrieben?'

"Deine Nase, Sam", versucht Al Sam ein Stichwort zu geben. Amüsiert wandern die Blicke des Hologramms zwischen den beiden Paaren hin und her.

'Wenn Ziggy mal nicht eine Kleinigkeit vergessen hat...'

'Nase?', verwirrt sieht Sam seinen Freund an.

Dieser tippt mit den Fingern auf seine Nase bis Sam endlich begreift.

"Oh, meine Nase....ähm, Harm ich muss mir mal....mal die Nase pudern", stammelt er und lässt ihn auf der Tanzfläche stehen.

"Die Nase pudern?", entrüstet wendet Sam sich an sein Hologramm.

"Damen, Sam", Al wandert seelenruhig neben ihm her.

Fragend sieht Sam ihn an.

"Damen", das Hologramm deutet auf das Schild an der Tür.

Vorsichtig sieht Sam sich in der Damentoilette um. Niemand ist zu sehen.

Al ist leicht enttäuscht als Sam das Wort an ihn richtet.

"Was geht hier vor", will er wissen.

Al tippt einige Tasten auf dem Handlink. Als die Informationen nicht schnell genug erscheint, schüttelt er es ein paar mal hin und her.

"Gar nichts", sagt er und lässt das Handlink sinken.

"Gar nichts?", Sam ist erstaunt. "Harms Gesicht spricht Bände und wenn ich mich nicht täusche, ist Mac auch nicht gerade begeistert gewesen als Harm mit mir auf die Tanzfläche gegangen ist."

Fragend sieht er sein Hologramm an.

"Frag nicht mich, Sam", wehrt Al ab. "Ziggy hat keine Daten, die darauf hindeuten, dass Harm und Mac..."

"Weil Ziggy kein Mensch ist", wandet Sam ein.

 

Harm steht erstaunt zwischen den tanzenden Paaren, als Sam in der Damentoilette verschwindet.

'Harriet', lächelnd schüttelt er seinen Kopf geht dann aber auf Mac zu.

Vorsichtig tippt er Lt. Peterson, der ganz offensichtlich den Tanz genießt, auf die Schulter.

"Wenn ich bitten darf, Lt.", sagt er und sieht in Macs Gesicht.

Freudig blitzen ihre Augen als Harm ihre Hand nimmt und sie in seinen Arme zieht.

"Col.", flüstert er und sieht ihr direkt in die Augen.

"Wo ist ihre reizende Frau, Commander", fragt Mac spöttisch. Ihre Knie werden von seinem forschenden Blick ganz weich.

Ohne auf Macs Frage zu achten, zieht er sie näher an sich und bewegt sich langsam im Takt der Musik.

 

I do swear that I'll always be there.
I'd give anything and everything and
I will always care
 
From this moment life has begun
From this moment you are the one
Right beside you is
Where I Belong
From this moment on
 

Völlig entspannt, legt Mac ihren Kopf an Harms Schulter. Wieder durchströmt sie das Gefühl vollkommener Sicherheit.

'Was machst Du mit mir?', fragt sie stumm.

 

From this moment I
Have been blessed
I life only for your
Hapiness
And for your love I'd
Give my last breath
From this moment on
 
I give my hand to you
With all my heart
Can't wait to live my life with you
Can't wait to start
You and I will never be apart
My dreams came true because of you
 
From his moment as long as I live
I will love you, I promise you this
There is nothing I wouldn't give
From this moment on
 
You're the reason I believe in love
And you're the answer to my prayers
From up above
All we need is just the two of us
My dreams
Came true because of you
 
From this moment on as long as I live
I will love you, I promise you this
There is nothing I wouldn't give
I will love you as long as I live
From this moment on
 

"Sieh Dir das an, Sam", Al deutet aufgeregt auf das eng umschlungene Paar.

Von mehreren Seiten werden Sam fragenden Blicke zugeworfen als ihm plötzlich von hinten jemand auf die Schulter tippt.

"Entschuldigen Sie, Ma'am", ertönt die gleiche Stimme, die Sam schon am Mittag im Wald gehört an.

Als er sich umdreht, erkennt er die kalt blickenden Augen.

"Lt. Pearson, Ma'am", stellt er sich vor. Mit einem Blick deutet er auf Harm und Mac.

"Möchten Sie tanzen?"

Ohne auf Sams Antwort zu warten, greift Lt. Pearson nach seinem Arm und zieht ihn auf die Tanzfläche.

 

Harm genießt das Zusammensein mit Mac viel zu sehr, um auch nur an Harriet zu denken.

Sie hier in seinen Armen zu halten, in diesem Moment, ist das wichtigste. Zufrieden schließt er seine Augen und lässt sich von der Musik tragen.

 

"Ihr Mann scheint sich zu amüsieren", flüstert Lt. Pearson in Sams Ohr.

 

Ein kalter Schauer läuft über seinen Rücken, am liebsten würde er Pearson stehen lassen und einfach fortgehen, aber er weiß, dass es besser ist, wenn der Vergewaltiger sich ihn als Opfer aussucht als eine wehrlose Frau.

Als die Musik endet, sieht Sam sich Hilfe suchend nach Harm um. Dieser steht noch immer engumschlungen mit Mac auf der Tanzfläche. Die beiden scheinen nicht bemerkt zu haben, dass die Musik kurz aufgehört und das Tempo gewechselt hat.

"Noch diesen Tanz, Ma'am?", fragt Pearson und lächelt ihn kalt an.

Sam beschließt, die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen. Er windet sich aus Pearsons Griff.

"Nein, danke! Ich werde nach Hause gehen", sagt er und deutet auf Harm und Mac. "Wenn Sie mich begleiten würden, Lt.?"

Überrascht sieht Pearson ihn an, willigt dann aber ein.

Zusammen mit Lt. Pearson verlässt Sam die Offiziersmesse.

 

Es ist bereits dunkel draußen und laut schallt die Musik über den Hof.

"Sind Sie auch Pilot, Lt.?", fragt Sam und versucht sich zu entspannen. Wenn Pearson wirklich der Vergewaltiger ist, würde er sicher warten, bis sie sein Haus erreicht haben.

"Nein!", antwortet Pearson kurz. Seine Stimme ist rauh, er sieht Sam nicht an.

Da Lt. Pearson scheinbar keinen Wert auf eine Unterhaltung legt, schweigt Sam bis sie vor seinem Haus ankommen.

"Ich danke Ihnen für Ihre Begleitung, Lt." Sam geht in Richtung Tür als Pearson nach seinem Arm greift.

"Ihr Mann sollte Sie nicht allein hier herumlaufen lassen", sagt er zornig. "Es sind schlimme Dinge passiert."

Sam ist auf der Hut.

"Das sagten Sie bereits", erwidert er knapp. "Und wie ich sagte, ich kann selbst auf mich aufpassen."

Mit diesen Worten windet Sam sich aus dem Griff und geht zum Haus. Sein ganzer Körper ist gespannt, sein Pulsschlag erhöht, all seine Sinne arbeiten auf Hochtouren.

Doch nichts passiert.

Ohne ein weiteres Wort von Pearson erreicht Sam die Eingangstür.

Mit einem Seufzer der Erleichterung schließt er sie Tür hinter sich.

Als seine Hand nach dem Lichtschalter sucht, spürt er etwas kaltes an seiner Kehle...

 

 
Offiziersmesse
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

"Harm?", Mac tanzt noch immer an ihn gelehnt, ihre Augen sind geschlossen.

"Hm?".

Mac hebt ihren Kopf und sieht ihm in die Augen.

"Ich...ich...", versucht sie zu sagen. Hier, dieser Augenblick mit ihm ist die Gelegenheit endlich ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ganz egal, wer sie sieht und wo sie sich befinden. Wichtig ist nur, dass sie beide hier sind, zusammen.

"Ich bin froh, dass Sie wieder da sind", sagt sie leise. Wie oft hat sie diesen Satz seit seiner Rückkehr sagen wollen, doch nie den Mut gefunden.

Fragend und überrascht sieht Harm sie an.

'Wieder da?'

"Beim JAG, bei mir", flüstert sie.

Mac beißt sich leicht auf die Lippen, nicht sicher, wie Harm ihr Geständnis aufnimmt.

'Verstehst Du, was ich Dir sagen will'?, will sie sagen, doch kein weiteres Wort kommt über ihren Lippen.

Endlose Sekunden herrscht Schweigen. Mac hört die Musik nicht mehr und auch nicht die Gespräche der anderen.

'Warum sagt er nichts?', verzweifelt sucht sie nach einem Ausweg aus ihrer Situation als sich Harms Hände unter ihr Kinn legen und sie sanft zwingt, zu ihm aufzusehen.

"Ich habe Dich vermisst", sagt er ebenso leise wie sie vor ein paar Sekunden und zieht sie in seine Arme.

Wie zwei Ertrinkende klammern sie sich aneinander, nicht sicher, ob noch mehr Worte nötig sind.

"Ich habe Dich auch vermisst, Harm", flüstert Mac, eine einzelne Träne läuft über ihr Gesicht.

'Ich liebe Dich', setzt sie in Gedanken hinzu.

Als hätte Harm die letzten unausgesprochenen Wort gehört, schiebt er sie etwas von sich und sieht sie an.

"Was hast Du gesagt?", sein Herz macht ein Sprung.

'Hab ich die Worte eben wirklich gehört oder...' Er ist sich nicht sicher, ob die Worte aus Macs Mund gekommen sind oder aus seinem Herzen.

"Ich hab Dich vermisst", wiederholt Mac.

"Nein, Du hast...hast noch etwas gesagt", er schüttelt seinen Kopf, nicht sicher, was Wahrheit und was Fiktion ist.

'Was?', Mac ist verwirrt. 'Er kann doch unmöglich...'

Harms Augen ruhen fragend auf ihrem Gesicht. Unter seinem Blick beginnt Macs Herz zu rasen, ihre Knie werden weich.

'Sag es!', befiehlt sie sich selbst.

"Harm, ich...ich...", beginnt sie unsicher.

'Wenn diese Worte gesagt sind, gibt es kein zurück mehr, nie mehr.'

Als sie von einem anderen Paar angestoßen werden, verlieren sie für einen Augenblick den Blickkontakt und die Gegenwart holt sie wieder ein. Plötzlich wird ihnen deutlich, wo sie sind und warum sie hier sind.

"Harriet", flüstern sie gleichzeitig und sehen sich suchend im Raum um.

Ein Knoten bildet sich in Harms Magen und Mac wird blaß als sie die junge blonde Frau nirgendwo entdecken können.

'Wie konnte ich nur', verflucht Harm sich leise.

'Harriet!', ruft Mac stumm.

Für einen Augenblick treffen sich ihre Augen wieder, doch diesmal sehen sie nicht Glück und Freude im Blick des anderen sondern Angst und Schuld.

Ihre Hände finden zueinander und zusammen laufen sie aus der Offiziersmesse...

 

 
Harms & Harriets Haus
Militärstützpunkt
Fallon, Nevada

 

Kalten Stahl fühlt Sam an seiner Kehle, er wagt es kaum zu schlucken.

'Al!, flucht er leise.

"Ganz ruhig", flüstert eine Stimme nahe an seinem Ohr.

Zustimmend nickt Sam.

In Gedanken geht er seine Möglichkeiten durch. So lange der Angreifer so dicht an seinem Körper steht, bleibt ihm kaum Platz sich zu bewegen ohne zu riskieren, dass das Messer ihn verletzt.

"Ich habe auf Dich gewartet, nur auf Dich", flüstert der Mann und beginnt schwer zu atmen. Sein Griff um Sam verstärkt sich.

Nur mit Mühe gelingt es Sam, ruhig zu bleiben. Unendliche Wut macht sich in ihm breit.

"Ich tu Dir nicht weh", sagt er Angreifer leise und nestelt mit seiner freien Hand an Sams Kleid.

"Sam" erklingt plötzlich die Stimme seinea Hologramms.

"Al!", erschrocken fährt Sam zusammen. Diese kleine Bewegung reicht aus, um einen Ritz durch das Messer auf seiner Haut zu hinterlassen. Blut läuft seine Kehle entlang.

"Ruhig", schreit der Angreifer und drückt die Waffe noch fester an Sams Hals.

"Sam!", Al ist außer sich. Verzweifelt tippt er Befehle in sein Handlink als alle drei Geräusche vor der Tür hören.

Hoffnung leuchtet in Sams und Als Augen.

'Harm!', erleichtert atmet Sam auf, darum bemüht der Druck des Messers nicht zu erhöhen.

Panisch sieht der Mann sich um.

"Jetzt, Sam!", brüllt Al.

Sam reagiert ohne zu überlegen. Mit einer schnellen Drehung seines Körpers löst er sich aus der Umklammerung, greift nach der Hand, die das Messer hält. Auge in Auge steht er nun dem Angreifer gegenüber.

Für einen Augenblick kann er deutlich die Überraschung im Gesicht seines Gegenübers sehen, bevor kalte Wut an dessen Stelle tritt.

Harm und Mac treten in dem Moment durch die Tür als der Mann sich auf Sam wirft. Gemeinsam gehen sie zu Boden. Beide umklammern verzweifelt das Messer.

"Harriet!", rufen Harm und Mac gleichzeitig, bleiben aber in der Tür stehen, versuchen, die Situation zu erfassen.

Sam achtet nicht auf die beiden, er hat Mühe, seinem Gegner stand zu halten. Wut verwandelt sich in Rage und die Kraft des Mannes scheint von Sekunde zu Sekunde stärker zu werden.

Sein Atem geht schwer, Schweiß läuft in seine Augen, lässt ihn Blinzeln. Als der Mann Sam die Kontrolle über seine Hand entzieht und das Messer über seinen Kopf zum Angriff hebt, wirft Harm sich auf ihn.

Er prallt hart gegen den Angreifer, kommt unter ihm zum Liegen.

Mac eilt auf Sam zu, schließt ihn in seine Arme.

"Harriet", flüstert sie, ihre Stimme zittert während sie aus den Augenwinkeln Harm im Blick behält. Wie noch vor ein paar Sekunden Sam, kämpft er verbissen gegen die Wut des Angreifers. Seine beiden Hände umklammern das Handgelenk des Mannes, versuchen dem Messer eine andere Richtung zu geben.

"Hure, Hure, Hure...", zischt der Mann und schlägt mit seiner freien Hand in Harms Rippen.

Schwer liegt der Mann auf ihm, allein sein Gewicht drückt schon die Luft aus seinen Lungen. Die Hiebe auf seine Rippen lassen Harm Schwindeln. Unendlicher Schmerz durchfährt ihn.

Mühsam kommt Sam auf die Beine, seine Muskeln schmerzen vor Anstrengung, wollen ihm nicht gehorchen. Noch nie im Leben hat er sich so erschöpft und ausgelaugt gefühlt.

"Sam, Harm", ruft Al und deutet an dem am Boden liegenden Harm.

Suchend sieht Sam sich im Raum um. Eher er etwas geeignetes finden kann, fällt der Angreifer ohne einen Laut zu Boden.

Mit einem Stuhl in der Hand steht Mac über ihm, pure Wut steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Ihre Züge werden erst weich als sie sich neben Harm kniet und ihn in ihre Arme zieht. Zischend holt Harm Luft, jede Faser seines Körpers schmerzt.

"Harm", Mac fährt mit ihrer Hand über sein Gesicht. " Harm..."

Seine Hand legt sich über ihre, er versucht, seine Stimme ruhig klingen zu lassen.

"Mir...geht...es...gut", stößt er hervor und beugt sich dann über den bewusstlosen Mann neben ihm. Mit einem Ruck zieht er ihm die Maske vom Gesicht.

"Peterson", flüstert er und lässt sich dann gegen die Wand sinken.

Tränen laufen über Macs Gesicht als sie Harms vor Schmerz verzerrtes Gesicht sieht.

"Es tut mir leid", flüstert sie unter Tränen. "Wenn ich nicht...wenn...in der Offiziersmesse, wenn..." Schuldgefühle übermannen sie als sie daran denkt, dass sie die Schuld daran trägt, dass Harm für einen Augenblick durch sie von seiner Aufgabe abgelenkt wurde und dadurch dies alles hier erst möglich geworden ist.

"Nein!", widerspricht Harm entschieden und seine Hand schließt sich fester um ihre. "Nein, Mac! Nicht!", flüstert er.

"Aber ich...Harriet...", sie sieht sich nach Sam um, ihr Blick fällt auf das getrocknete Blut an seinem Hals und erneut schwimmen ihre Augen in Tränen.

Fragend sieht Sam sein Hologramm an. Noch ehe Al etwas sagen kann, erklingt Harms Stimme.

"Sarah!"

Ihr Vorname aus seinem Mund lässt sie aufsehen.

"Deine Worte sind jeden Schmerz wert", sagt er aufrichtig. "Ich würde noch viel mehr erdulden, um von Dir zu hören, was Du dort in der Offiziersmesse gesagt hast."

Ungläubigkeit macht sich auf Macs Gesicht breit, bevor sich ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht schleicht.

"Ich liebe Dich, Harm!"

Seine Hände greifen nach ihr, ziehen sie ganz dicht zu sich heran.

"Mir ist als hätte ich diese Worte schon einmal von Dir gehört", sein berühmtes Fliegergrinsen umspielt seine Lippen.

"Ich liebe Dich, Sarah", flüstert er und küsst sie.

 

Sam und Al stehen grinsend am anderen Ende des Raumes und beobachten die Szene vor sich.

 

"Alles in Ordnung, Sam?", fragt Al besorgt.

Sam nickt stumm, vergessen ist der Schmerz.

Er deutet mit dem Kopf auf Harm und Mac.

Al tippt einige Befehle ins Handlink.

"Um sie brauchst Du Dir keine Sorgen machen", sagt er lächelnd. "Dein Mann dagegen, wird Dich so schnell nicht wieder aus den Augen lassen..."

Noch ehe Sam darauf etwas antworten kann, spürt er den nahen Abschied und springt...

 
Ende

 
Du bist der 2794. Leser dieser Geschichte.