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Hoffnung

© by Sam80853 ()

 

Disclaimer: Die Charaktere der Serie "Quantum Leap" und "X-Files" gehören leider nicht mir. Ihre Existenz haben wir Donald P. Bellisario und Chris Carter zu verdanken.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der Akte-X-Seite

 
J. Edgar Hoover Building
Washington D.C.

 

Als Sam begann, sein Umgebung wahrzunehmen, lief er durch die langen Flure eines Gebäudes, eines großen Gebäudes nach den vielen Türen rechts und links von ihm zu urteilen.

Hektisch liefen junge Männer in dunkeln Anzügen und Frauen in konservativen Kostümen an ihm vorbei.

Vor ihm befand sich eine große Flügeltür.

Sam hatte das unbestimmte Gefühl, dass das sein Ziel war und trat ein.

Bei seinem Eintreten sprang eine junge rothaarige Frau ruckartig von ihrem Stuhl auf.

Sie sah aus, als hätte sie für einen Moment ihre Augen geschlossen, und Sam fand, dass sie mehr dieser Momente brauchte. Sie sah erschöpft aus, dunkle Ränder hatten sich unter ihren Augen gebildet.

Jetzt strich sie sich etwas verlegen ihr Haar zurück und wich seinem Blicken aus.

"Alles in Ordnung?"; fragte Sam besorgt und trat auf sie zu.

Die Frau nickte flüchtig und wandte sich von ihm ab..

"Es geht mir gut, Agent Doggett."

'Agent?', hallte es in Sams Kopf wieder und er begann außer der Frau noch andere Dinge wahrzunehmen.

Sein Geruchssinn setzte ein und er erkannte, dass er sich in einer Art Leichenhalle befinden musste - es roch nach Formaldehyd.

Hektisch sah Sam sich um.

Überall befanden sich Geräte, die man zum Obduzieren benötigte und auch die Frau stand an einer Bahre, unter der offensichtlich eine Leiche lag. Sie trug einen grünen Kittel, auf der er ein paar kleine Blutspuren erkennen konnte.

"Oh Boy!", flüsterte Sam und hoffte, dass Al sich bei diesem Sprung etwas Zeit ließ und er ihm diesen Anblick ersparen konnte.

"Ihr Toter wurde vergiftet", sagte jetzt die Frau und drehte sich mit einem Formular in der Hand zu ihm um.

Wieder sah Sam die Erschöpfung in ihrem Blick, sie wirkte klein und zerbrechlich. Und noch etwas erkannte er - Hoffnungslosigkeit in ihren Augen.

Er streckte instinktiv die Hand nach ihr aus, wollte ihr Halt geben oder ihr sagen, dass alles gut werden würde, irgendetwas doch ihr Blick hielt ihn davon ab.

Sie sah ihn als hätte er den Verstand verloren als hätte er nicht das Recht, ihr seine Unterstützung anzubieten.

Sam ließ sein Hand sinken.

"Keine X-Akte", sagte die Frau und reichte ihm den Bericht.

'X- Akte?'

Fragend sah Sam sie an.

"Eine X-Akte, Sam", Al stand plötzlich neben ihm, "beschäftig sich mit unerklärlichen Phänomenen, mit Außerirdischen..."

"Unsinn", Sam winkte ab.

Überrascht hob die Frau die Brauen, soetwas wie Zorn stand für einen Augenblick in ihren Augen. Dann schlug sie sie resigniert nieder.

Al ignorierte Sams Einwurf und begann Ziggys Informationen vorzulesen, während er einen Blick in die Runde warf.

"Das ist Special Agent Dana Scully, sie ist beim....", sein Ton wurde leiser, stockender, "F...B...I", bis er verstummte und Sam erschrocken ansah. "Wo sind wir hier, Sam?", fragte er skeptisch als sein Blick auf all die medizinischen Instrumente fiel.

Sam warf ihm einen entschuldigenden Blick zu.

Er wusste, wie Unwohl sein Hologramm sich in der Nähe von Toten fühlte. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass Al schon zu viele Tote in seinem Leben gesehen hatte. Vielleicht führte es ihm aber auch nur zu deutlich vor Augen, dass auch er eines Tages sterben würde.

Al wurde blaß, er schüttelte den Kopf.

"Sag mir nicht, dass das hier", er zeigte mit der Hand durch den Raum, "das hier....hier...", er begann hektisch einige Befehle ins Handlink einzugeben und verschwand durch die Imaging Chamber Tür.

"Al....", rief Sam ihm noch hinterher, aber es war bereits zu spät.

Etwas verlegen wandte Sam sich der Agentin zu, aber sie schien von der kleinen Unterhaltung nichts mitbekommen zu haben.

Sie stand über einen Tisch am andern Ende des Raumes gebeugt und füllte einen Bogen Papier aus. Ihre Bewegungen waren mechanisch als würde sie gar nicht wahrnehmen, was sie da tat.

"Agent Scully?", fragte Sam.

Langsam hob sie den Kopf und sah ihn fragend an.

"Keine X-Akte, nicht unser Fall", sagte sie, als Sam schwieg. "Dem Mann wurde eine toxische Substanz gespritzt, in die Fußsohle. Übergeben Sie den Fall an die Mordkommission."

Wieder wandte sie sich von ihm ab.

Sam ließ die Schulter etwas hängen.

Es war offensichtlich, dass Scully von ihm keine Hilfe annehmen würde. Vielleicht kannten sie sich nicht gut genug, vielleicht aber wollte sie nur nicht zugeben, dass sie Hilfe brauchte.

Sam beschloß, sie für den Moment allein zu lassen und verließ den Raum.

Vor der Tür erwartete ihn Al.

"Was hast Du da drinnen so lange gemacht?", fragte er und winkte gleichzeitig ab. "Sag's mir nicht!"

"Warum bin ich hier, Al?", wollte Sam wissen. "Ist es wegen Agent Scully?"

Sam hatte nicht darauf geachtet, dass er sich jetzt wieder auf dem Flur befand und dass mehrere Agenten seiner Unterhaltung lauschten und ihm misstrauische Blick zu warfen. Manche sahen ihn an und schüttelten den Kopf, als glaubten sie, dass er nicht ganz bei Sinnen war.

Etwas frustriert blickte Sam sein Hologramm an.

"Gehen wir in Dein Büro", schlug Al vor und zeigte Sam den Weg.

Etwas überrascht musste Sam feststellen, dass sich das Büro von Agent Doggett im Keller des Bürogebäudes befand. Es war winzig, hatte kein Fenster. Es hatte den Anschein als würde man ihn und seine Arbeit hier unten begraben wollen.

Fragend sah Sam Al an.

"Es liegt an den Fällen, die Dein Vorgänger und jetzt Du bearbeiten", erklärte er.

"X-Akten", sagte Sam und öffnete einen Aktenschrank.

Al nickte zustimmend.

Sam öffnete eine Akte.

'Entführung durch Außerirdische....Experimente....'

Skeptisch schüttelte Sam den Kopf.

"Glaube ich an sowas?", fragte er.

"Agent John Doggett", las Al vom Handlink ab, "wurde zu den X-Akten versetzt, um einen gewissen Agent Fox Mulder zu finden, der angeblich von Außerirdischen entführt wurde. Das war vor einem Jahr. Du, ich meine ER hat seine Aufgabe erfüllt und ist immer noch hier."

Verwundert zog Sam die Brauen hoch.

Er konnte kaum glauben, dass die Regierung Agenten auf die Suche nach Außerirdischen schickte....

"Warum bin ich hier? Ich meine, es hat doch nichts....", er deutete auf all die Akten im Schrank.

Al lächelte.

Sein Freund war Wissenschaftler, ein Arzt und Physiker, er würde nicht ohne Beweise glauben, dass es so etwas wie kleine grüne Männchen gab.

"Nein", antwortete das Hologramm. "Du bist hier wegen Agent Scully."

Etwas erleichtert atmete Sam aus.

"Sie sieht erschöpft aus", sagte er und eine Sorgenfalte zog sich über seine Stirn.

"Sie hat in den letzten eineinhalb Jahren sehr viel durchgemacht", erklärte Al. "Erst verschwand ihr Partner...

"Mulder", warf Sam ein und Al nickte.

"..., dann stellte sie fest, dass sie schwanger war - ihr Sohn William wurde von acht Monaten geboren. Mulder tauchte wieder auf und verschwand erneut..."

Irritiert schüttelte Sam den Kopf.

"Du meinst, Doggett hat ihn gefunden und jetzt ist er wieder spurlos verschwunden?"

"Die Sache ist nicht ganz so einfach", sagte Al zögernd. "Mulder glaubt an all das hier", er zeigte auf die Akten, "er ist davon überzeugt, dass es Außerirdische gibt und das die Regierung davon weiß. Sein Verschwinden im letzten Jahr wird in den X-Akten als Entführung aufgeführt. Als Doggett ihn fand, war er tot..."

"Tot?"

Al nickte.

"Scully entdeckte einen Virus unerklärlichem Ursprungs in seinem Körper - Mulder war bereits beerdigt worden, ehe man ihn wieder ins Leben zurück holte."

"Ins Leben zurück holte? Al, niemand ersteht von den Toten wieder auf!"

"Mulder schon", wandte er ein. "William wurde einige Wochen danach geboren - er ist ein Wunder, das niemand genau erklären kann."

"Noch ein Wunder?", fragte Sam sarkastisch.

Al's Informationen klangen wie ein Science Fiction Roman. Das konnte unmöglich alles wahr sein.

Das Hologramm nickte ernst und fuhr fort.

"Scully war eigentlich nicht in der Lage, jemals schwanger zu werden...."

"Genug, Al!", rief Sam und stoppte das Hologramm. "Sag mir einfach, was ich tun soll, ja?"

Al nickte.

"Agent Scully wird in einer Woche einen Zusammenbrch erleiden - physische und phsychische Erschöpfung", sagte er. "Sie wird nicht mehr in der Lage sein, ihrer Arbeit nachzugehen oder unter Menschen zu sein. Einzig ihr Sohn scheint sie noch am Leben zu halten...."

 

 
Leichenhallte
J. Edgar Hoover Building
Washington D.C.

 

Scully saß auf ihrem Stuhl und rieb sich die Augen.

Deutlich sah sie das besorgte Gesicht Agent Doggett's vor sich und sie verfluchte sich leise.

Sie hatte nie gewollt, dass man sie für schwach hielt. Dass man in ihr nur eine Frau sah, die auf die Hilfe eines anderen, eines Mannes, angewiesen war.

'Mir geht es gut!'

Scully lachte heiser auf.

Wie oft hatte sie diesen Satz zu Mulder gesagt? Nie war er unwahrer gewesen als vor ein paar Minuten.

Sie brauchte Hilfe, sie brauchte sie ganz dringend, gestand sie sich ein. Aber sie wollte sie nicht von irgendwem, sie wollte sie von Mulder.

'Mulder!'

Er war schon zu lange fort und sie war ganz allein. Allein mit der Sorge um William, die sie langsam aber sicher aufrieb.

Als Ärztin erkannte sie die Symptome eines nahenden Zusammenbruchs und doch konnte sie die Tatsache nicht ignorieren, dass es Leute gab, die ihr ihren Sohn wegnehmen wollten.

Sie wünschte, Mulder wäre bei ihr.

Er würde sie mit diesem bestimmten Ausdruck in seinen Augen ansehen, sie in den Arm nehmen und sie würde wissen, dass alles gut werden würde. Sie würde seine Nähe, sein Wärme spüren und es einfach glauben.

'Mulder!'

Er war nur 2 Tage nach Williams Geburt gegangen. Sie wusste, dass er es für ihre Sicherheit und die ihres Sohnes getan hatte und doch wünschte sie sich manchmal, dass sie die Tür öffnete und er einfach da war.

Scully erhob sich von ihrem Stuhl, ging zum Waschbecken und benetzte ihr Gesicht mit kaltem Wasser.

Alles 'würde' und 'wenn' half ihr nicht. Sie musste stark sein, für sich und für William.

 

 
Doggetts Büro
J. Edgar Hoover Building
Washington D.C.

 

"Wie soll ich ihr helfen, wenn sie meine Hilfe nicht will?", fragte Sam.

Al zuckte mit den Schultern.

"Vielleicht braucht sie Urlaub oder einfach eine Haushaltshilfe?"

"Al!", Sam schüttelte den Kopf.

So einfach war das nicht, dass wusste er. Er hatte es im Ausdruck ihrer Augen gesehen.

Was Scully brauchte, war Hoffnung und es war offensichtlich, dass er sie ihr nicht geben konnte.

"Wer steht ihr am nächsten, von wem würde sie Hilfe annehmen?", überlegte Sam laut.

"Mulder", erklang plötzlich die Stimme einer Frau.

Eine große dunkelhaarige Agentin war ins Büro getreten und sah ihn an.

"Äh....", Al gab einige Befehle ins Handlink ein, "...das ist Deine Partnerin Agent Monica Reyes", sagte er.

"Mulder?", fragte Sam.

Agent Reyes nickte.

"Sie haben doch von Scully gesprochen, oder?"

Sam nickte.

"Sie hat die Hoffnung verloren...", fuhr Reyes fort und Sam hob überrascht die Brauen.

'Wie lange hatte die Frau schon in der Tür gestanden? Hatte sie alles mitangehört?'

"....es ist dunkel um sie herum. Nur William und Mulder können das Licht zurück in ihr Leben bringen", sagte sie. "Finden Sie Mulder und alles wird vergessen sein."

Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging aus dem Büro.

Verblüfft sahen Sam und Al sich an.

"Was war das gerade?", fragte das Hologramm.

"Ich habe keine Ahnung", Sam schüttelte den Kopf. "Aber sie hat recht."

"Du willst Mulder finden?"

"Ich muss."

"Das ist unmöglich", sagte das Hologramm. "Ziggy hat keine Ahnung, wo er sich aufhält, niemand weiß es."

"Irgendjemand muss es wissen", antwortete Sam und verließ das Büro.

 

 
Scullys Apartment
Annapolis

 

Scully gab ihrem Sohn gerade etwas zu essen, als es an ihrer Tür klingelte. Als sie durch den Spion blickte und ihre Mutter sah, öffnete sie ihr mit einem etwas überrraschten Ausdruck im Gesicht.

"Mom?"

"Hallo, Dana", begrüsste sie Maggie Scully und streckte dann sofort die Arme nach ihrem Enkel aus.

Scully reichte ihn ihr und blickte ihrer Mutter verwundert hinterher als sie ohne ein weiteren Wort mit dem Jungen im Wohnzimmer verschwand.

"Mom, was führt Dich hierher?"

"Darf ich meine Tochter und meinen entzückenden Enkel nicht besuchen?", sie hob fragend ihre Brauen während sie den Jungen zärtlich liebkoste.

William gab glucksende Laute des Vergnügens von sich und schmiegte sich an sie.

Scully gab es auf.

Sie wusste, dass, wenn ihre Mutter ihr etwas nicht erzählen wollte, sie es auch nicht tat. Sie hatte eh so eine Ahnung, wer dahinter steckte und sie wurde wütend.

Sie brauchte niemanden, der auf sie aufpasste, der sie beschütze...

Scully ging in die Küche und griff zum Telefon.

Aus den Augenwinkeln beobachtete sie ihre Mutter und ihren Sohn. Die beiden verband etwas ganz besonderes, es war nicht so wie mit den Kindern von Bill oder Charlie.

"Was fällt Ihnen ein?", fragte sie ärgerlich als der Hörer am anderen Ende abgenommen wurde.

<"Ich...ich...ähm">, stotterte Sam. Er hatte gewusst, dass Scully ärgerlich reagieren würde, aber mit solchem Zorn hatte er nicht gerechnet.

"Ich brauche Ihre Unterstützung nicht! Ich kann selbst auf mich acht geben...."

<"Scully....ich....">

"Mischen Sie sich nie wieder in mein Leben ein!", rief sie und unterbrach die Verbindung.

 

Sam am anderen Ende betrachtete verdutzt das Telefon und zuckte dann mit den Schultern.

Für den Moment hatte erreicht, was er wollte.

Scully war nicht allein und sie hatte Hilfe.

 

Scully versuchte ihren Atem zu beruhigen, ehe sie wieder das Wohnzimmer betrat.

Ihre Mutter hielt den jetzt schlafenden William im Arm, liebevoll musternd betrachtete sie das Baby.

Dana hatte ihr nie erzählt, wie es zu der Schwangerschaft gekommen war und sie hatte nicht gefragt. Sie hatte sich nur für ihre Tochter gefreut, doch jetzt fragte sie sich manchmal, was dieses Baby aus ihr machen würde.

Sie hatte immer gehofft, dass Dana und Fox - sie nannte ihn immer Fox, auch wenn sie wusste, dass er seinen Namen nicht mochte - zusammenfinden würden. Doch Fox' Verschwinden und die Sorge um ihren Sohn schienen sie innerlich aufzufressen. Jedesmal, wenn sie ihre Tochter sah, schien sie kleiner und zerbrechlicher geworden zu sein, dabei war sie der stäkste Mensch, den sie kannte. Wie viel kann ein einzelner Mensch ertragen, fragte sie sich als sie das schlafende Baby betrachtete.

"Mom?", Scully unterbrach die offensichtlich grüblerischen Gedanken ihrer Mutter.

"Du siehst müde aus, mein Schatz", sagte Maggie leise.

Scully nickte, setzte sich neben ihre Mutter und nahm ihr ihren Sohn ab.

"Er ist alles, was mir geblieben ist", ihre Stimme war kaum noch ein Flüstern. "Was soll ich tun, wenn ich ihn verliere?"

Maggie sah ihre Tochter streng an.

"So darfst Du nicht denken, Dana!", sie schüttelte den Kopf.

Sie wusste, was es hieß, ein Kind zu verlieren. Sie kannte den Schmerz und die Qual und doch versuchte sie sich stets an die schönen Dinge zu erinnern, an die Freude, die ihre Tochter ihr bereitet hatte. Melissa würde nicht wollen, dass ihr aller Leben über ihren Tod in Dunkelheit versank.

"Was morgen kommt, weiß niemand", fuhr sie sanfter fort. "Du lebst heute, jetzt. Du hast einen gesunden Sohn, der Dich liebt und den Du liebst. Das kann Dir niemand nehmen."

Scully began leise zu weinen.

Sie wusste, dass ihre Mutter recht hatte, aber es war so unendlich schwer, nicht die Hoffnung zu verlieren.

"Er würde nicht wollen, dass Du aufgibst", eindringlich sah sie jetzt ihre Tochter an. "Wie soll er ohne Deine Stärke weiterleben?"

Scully nickte verstehend.

Auch wenn ihre Mutter den Namen nicht aussprach, wusste sie genau, wenn die meinte.

'Mulder!'

Er hatte immer gesagt, wie sehr er sie und ihre Stärke brauchte. Dass er verloren wäre ohne sie.

"Ich brauche ihn so sehr", flüsterte sie unter Tränen und Maggie nahm sie tröstend in den Arm.

 

 
J. Edgar Hoover Building
Washington D.C.

 

Sam hatte alles versucht, um auch nur den kleinsten Hinweis auf Mulders Aufenthaltsort zu finden. Er hatte fast das ganze Büro auf den Kopf gestellt, hatte seinen Vorgesetzten AD. Walter Skinner verärgert, er hatte alle Nummer aus seinem Telefonbuch angerufen - nichts.

Naja, beinahe nichts.

Unter einer Nummer, hinter der der merkwürdige Name Lone Gunman stand, hatte sich ein Mann gemeldet, der ihn ärgerlich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass es für Mulder und auch für ihn gefährlich sein könnte, wenn er weiter nach ihm suchen würde.

Ziemlich barsch hatte er "Hören Sie auf!" gerufen und einfach aufgelegt.

Sam war erschöpft und verzweifelt. Scheinbar hatte Al Recht behalten und es war wirklich unmöglich einen Mann zu finden, der nicht gefunden werden wollte.

Aber wusste Mulder, wie es um Scully stand? Hatte er eine Ahnung, wie dringend sie seine Unterstützung brauchte oder kümmerte es ihm am Ende gar nicht?

Mit diesem Gedanken verließ er das Büro und fuhr zu Agent Doggetts Apartment.

 

Kaum hatte er es betreten, trat Al durch die Imaging Chamber Tür.

Sam brauchte nicht zu fragen, ob sein Hologramm etwas erreicht hatte, er sah es am Ausdruck in seinem Gesicht.

"Nichts!", Al zuckte etwas hilflos die Achseln.

Sam ließ sich in einen Sessel fallen und rieb sich die müden Augen.

"Du musst Dir einen anderen Weg einfallen lassen!", sagte das Hologramm und lief im Apartment auf und ab.

"Einen anderen Weg?", Sam sah ihn vorwurfsvoll an. "Ich bin für jeden Vorschlag offen."

"Du musst an ihre Gefühle appelieren, an ihre Verantwortung für ihr Baby."

"Denkst Du, sie weiß das alles nicht?", Sam war erschöpft und seine Stimme ärgerlich. "Wie sonst schafft sie es, jeden Morgen aufzustehen und zur Arbeit zu gehen? Wie....", sein Redefluß wurde durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen.

"Wer mag das jetzt noch sein?", fragte Al und ging neben Sam zur Tür.

 

Als Sam die Tür öffnete, bot sich ihm ein merkwürdiger Anblick.

Drei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, schoben sich an ihm vorbei ins Apartment.

Einer von ihnen sah aus wie ein Regierungsangestellter. Dunkler Anzug, streng gekämmtes Haar. Der Mann neben ihm schien direkt aus der Fernsehshow "Wayne's World" zu kommen und der Dritte war ein kleiner, etwas schmuddelig aussehender Mann, der jetzt am Fenster stand und misstrauisch die Gegend musterte.

"Was glauben Sie, was da tun, Agent Doggett?", fragte er und drehte sich zu ihm um.

"Tun? Ich?", Sam sah ungläubig von einem zum anderen.

Ihm war noch immer nicht ganz klar, wer diese Männer waren und was sie von ihm wollten.

Fragend sah er sein Hologramm an, das hektisch Befehle ins Handlink eingab.

"Sie bringen nicht nur sich, sondern auch Mulder, Scully und das Baby in Gefahr", warf er ihm vor und trat drohend näher an ihn heran. "Hören Sie sofort damit auf!"

'Lone Gunman'

"Frohike hat recht", sagte jetzt der Mann im Anzug in sachlichem Ton. "Mulder wird zurückkommen, wenn es für alle sicher ist."

Sam schüttelte den Kopf.

"So lange kann ich nicht warten."

"Sam, das sind die Lone Gunman", meldete sich Al endlich zu Wort. "Langley", er zeigte auf 'Garth', "Frohike und Byers. Sie geben eine gleichnamige Zeitschrift heraus mit Theorien über Regierungsverschwörungen, Außeridischen und alles, was sonst irgendwie verdächtig ist und worüber die Öffentlichkeit ihrer Meinung nach Bescheid wissen sollte."

"Warten?", fragte Langley und sah seine beiden Partner an.

"Es geht um Scully", sagte Sam.

"Scully?", Frohike war sofort hellhörig. "Was ist mit ihr?"

"Sie wird unter dem Druck zusammenbrechen."

"Unmöglich!", riefen alle drei gleichzeitig und schüttelten ihre Köpfe.

"Wann haben sie sie das letzte Mal gesehen?", wollte Sam wissen.

Langley, Frohike und Byers sahen sich fragend an.

"Sie ist völlig erschöpft", fuhr Sam fort. "Es ist einfach zuviel, Mulders Verschwinden, die Sorge um das Baby - wie soll ein einzelner Mensch das verkraften?"

Die drei nickten zustimmend.

Sie kannten Scully, wussten, wie stark sie war, was sie alles ertragen konnte. Aber bisher war sie niemals allein gewesen - es waren immer Scully und Mulder gewesen, zusammen. Niemals jeder allein für sich.

"Warten Sie auf unseren Anruf", sagte Frohike und ging dicht gefolgt von seinen Partnern zur Tür.

"Anruf?", Sam war verwirrt.

"Wir werden tun, was wir können", sagte Langley und schloß hinter sich die Tür.

 

Sam und Al schwiegen für einen Moment. Zu unwirklich erschien ihnen das plötzliche Auftauchen und Verschwinden dieser Männer.

"Wissen sie, wo Mulder ist?"

Das Hologramm schüttelte den Kopf.

"Ich will es hoffen."

 

 
3 Stunden später
Agent Doggetts Apartment

 

Das Klingeln des Telefons riß Sam aus seinen Träumen.

"Hallo?", seine Stimme klang dunkel, verschlafen.

<"Holen Sie Scully und erwarten Sie unseren Anruf im Auto">, sagte Frohike am anderen Ende der Leitung und legte auf.

Mühsam erhob Sam sich von der Couch, auf die er völlig erschöpft gesunken war. Er rieb sich die müden Augen und sah auf seine Armbanduhr.

Es war 03.00 Uhr morgens.

Er stöhnte.

Doch der Gedanke, dass er seine Mission zu einem glücklichen Ende führen konnte, gab ihm Kraft und er verließ eilig das Apartment.

 

 
Scully's Apartment
Annapolis

 

Scully warf sich in ihrem Bett von eine Seite auf die andere als das Klingeln an der Tür sie vollständig aufweckte.

Ihre Stirn war feucht und ihre Kleidung fühlte sich klamm an. Sie schien geträumt zu haben, aber sie konnte sich nicht mehr erinnern, worum es gegangen war.

Scully sah auf ihren Wecker.

Wer würde sie morgens um 03:15 Uhr aus ihrem Bett holen?

Auf dem Flur traf sie ihre Mutter.

Maggie hatte darauf bestanden, die Nacht über bei ihr zu bleiben.

"Dana?"

"Ist schon in Ordnung, Mom", sagte Scully als sie durch den Türspion Agent Doggett erkannte.

Sie öffnete sie Tür.

"Was tun Sie um diese Zeit hier, Agent Doggett?", fragte sie etwas ungehalten.

Sie hatte ihm noch immer nicht vergeben, dass er ihre Mutter in Sorge um sie zu ihr geschickt hatte. Tief im Innern wusste sie, dass es ihr gut tat, mit jemandem über ihre Ängste zu sprechen, aber sie war nicht bereit, dass Doggett gegenüber zuzugeben.

"Ziehen Sie sich an, Agent Scully", bat Sam und betrat das Apartment. "Mrs. Scully", grüsste er als er Scullys Mutter entdeckte. "Tut mir leid, dass ich Sie geweckt habe."

Maggie lächelte verständnisvoll und ließ die beiden allein.

"Warum? Wo wollen wir hin?", fragte Scully.

Solche nächtlichen Überfälle war sie nur von einer Person gewohnt und die war nicht mehr da.

Schmerzhaft zog sich ihr Magen bei dem Gedanken an Mulder zusammen.

"Vertrauen Sie mir, Agent Scully", sagte Sam. "Es gibt da jemanden, der Sie unbedingt treffen möchte."

Scully's Augen weiteten sich vor Überraschung und eine einzelne Träne bildete sich in ihrem Augen.

Sam lächelte sanft.

"Beeilen Sie sich."

Scully nickte, sie bekam kein Wort über ihre Lippen.

Eilig verschwand sie im Schlafzimmer und zog sich um.

'Beruhige Dich, Dana', ermahnte sie sich, doch ihr Herz schlug noch immer wie wild in ihrer Brust.

"Mom?", Scully sah in das Zimmer ihrer Mutter.

"Grüß ihn von mir", sagte Maggie und lächelte.

Ein Blick in das Gesicht ihrer Tochter und sie wusste, wohin die nächtliche Fahrt ging.

"Ich passe solange auf William auf."

Scully nickte nur und verließ mit Sam das Apartment.

 

 
Auto
Washington D.C.

 

Sams Handy klingelte, kaum das sie die Autotür hinter sich geschlossen hatten.

Scully bekam von der Unterhaltung am Telefon nicht viel mit. Sie hörte nur das bestätigende Gemurmel Agent Doggetts bevor dieser den Motor startete und losfuhr.

Sie fragte nicht, wohin sie fuhren. Es war ihr egal, solange am Ende dieser Reise, Mulder vor ihr stehen würde.

 

Sam fuhr schweigend zu der Adresse, die die Lone Gunman ihm genannt hatten.

Er blickte sich ein paar Mal nach Scully um, aber sie schien tief in Gedanken versunken zu sein und Sam wollte sie nicht stören.

 

Nach einer Fahrt von dreißig Minuten hielt Sam den Wagen vor einem alten Lagerhaus.

Es war dunkel, nur eine einsam stehende Straßenlaterne spendete etwas Licht.

Als das Auto stoppte, fuhr Scullys Kopf nach oben. Hektisch sah sie sich nach allen Seiten um.

Nichts.

Sie konnte ihn nirgends entdecken - Mulder war nicht da.

Scully sank in ihren Sitz zurück. Ihr Gesicht zeiget tiefe Trauer und Resignation.

"Da ist er!", rief plötzlich Al, der durch die Imaging Chamber neben das Auto getreten war und zeigte auf eine Gestalt, die langsam aus dem Schatten in das Licht der Straßenlaterene trat.

"Scully!", flüsterte Sam und berührte sie sanft am Arm.

Agent Doggett brauchte ihr nicht zu sagen, dass Mulder doch gekommen war, sie spürte es, sie spürte IHN.

Scullys Blick heftete sich auf die dunkle Gestalt - Mulder.

Sie konnte sein Gesicht nicht erkennen, aber alles in ihr sagte, dass er es war.

Bevor sie aus dem Auto stieg, drückte sie kurz Sams Hand.

Ohne ein Wort stieg sie aus und bewegte sich langsam auf Mulder zu.

Es schien, als hätte sie Angst, dass er verschwand, wenn sie sich zu schnell bewegte.

Sam und Al saßen regungslos im Auto und beobachteten still wie Scully Mulder endlich erreichte, wie er ihr Gesicht in seine Hände nahm und sie sanft auf die Stirn küsste.

Im dämmrigen Licht der Laterene sah Sam Tränen auf Scullys Gesicht, als Mulder sie in die Arme nahm und an sich drückte. Ihre Arme umfassten seine Taille und ihr Kopf ruhte an seiner Brust.

Kein Wort war bisher gefallen.

"Geschafft!", flüsterte Al.

Sam nickte nur, Tränen glitzerten in seinen Augen als er sprang...

 
Ende

 
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