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Vertrauter Feind

© by AnnJ ()

 

Disclaimer: Nix gehört mir. Sogar Casper gibt es wirklich.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der Buffy-Seite

 
Angel

 

"WO IST SIE?"

Ich bin in Rage und weiß nicht mehr was ich tue. Das wird mir in dem Moment klar, in dem ich ihn mit aller Kraft, die ich aufbringen kann, gegen die Wand donnere. Er bleibt geschockt an der Wand stehen und sieht mich an.

Er weiß nicht wovon ich rede, fährt es mir durch den Kopf, aber noch im selben Moment, steigere ich mich in meine Wut. Ich spüre, wie mein Dämon die Kontrolle übernimmt. Mein Gesicht kribbelt und ich kann die spitzen Zähne gegen meine Unterlippe fühlen.

Er macht sich gleich in die Hose, befürchte ich nicht ohne Genugtuung. Er hat Angst vor mir und das sollte er auch haben. Er versucht was zu sagen, aber den Wohlgefallen gönne ich ihm nicht. Ich greife nach seinem Kragen und hieve ihn an der Wand entlang in die Luft. Seine Augen weiten sich in Entsetzen und ich freue mich über die Angst in seinem Gesicht. Oh ja, er hat Angst. Wieder öffnet er den Mund und diesmal können auch meine Hände an seiner Luftröhre ihn nicht vom Reden abhalten.

"Wovon sprichst du, Mann?" krächzt er und versucht in meinem Verhalten eine Erklärung zu finden.

"BUFFY! WO IST SIE?"

Er schnappt nach Luft als ich ihn auf den Boden fallen lasse. Er greift mit seinen Händen seinen Hals und hustet gequält. Ich habe wohl doch mehr zugedrückt als ich vorhatte.

Er hockt auf dem Boden und ringt nach Luft.

Um mich etwas zu beruhigen gehe ich ein paar Schritte nach hinten. Denn ich weiß, dass die Versuchung vielleicht zu groß ist, ihn einfach hier und auf der Stelle zu erwürgen.

"Ich weiß nicht wovon du redest?"

Seine Stimme klingt verzweifelt. Aber er ist einer von Ihnen geht es mir durch den Kopf und ich unterdrücke den Drang, ihn mit einer Linken ins Schlummerland zu schicken. Bewusstlos nutzt er mir nichts.

"Sie haben sie mitgenommen." sage ich wohl eher zu mir als zu ihm, aber ich sehe wie er aufhorcht.

Seine Überraschung ist gut gespielt. Doch mich kann er nicht täuschen.

Oder vielleicht hat er wirklich nichts damit zu tun?

Ich versuche mich zu konzentrieren. Eigentlich glaube ich noch nicht einmal selber, dass er mit der ganzen Sache was zu tun hat. Immerhin schwärmt Buffy nur in den höchsten Tönen von ihm. Und ich weiß dass sie einen guten Riecher hat wenn es um Männer geht, nichtwahr? Natürlich mal abgesehen von der Tatsache, dass sie sich in einen Vampir verliebt hat.

Aber ich kann es in ihren Augen sehen, sobald sein Name fällt. Es war der gleiche Blick, der mir einst gegolten hatte.

Sie liebt ihn und ich glaube, es wäre doch etwas verfrüht, wenn ich ihn einfach umbringen würde. Es wäre unfair Buffy gegenüber. Also reiße ich mich zusammen und erkläre die Situation.

"Sie wurde in ein Auto gezerrt. Von Commando Typen."

Er sieht mich sprachlos an und diesmal glaube ich dem panischen Ausdruck in seinen Augen. Er hat Angst und es hat nichts mit meinen geballten Fäusten zu tun. Er hat Angst um Buffy.

"Ich bin kein Commando mehr", versucht er zu erklären. "Ich bin draußen. Ich... ich habe nichts davon gewusst, verdammt!"

Er schüttelt seinen Kopf und erhebt sich.

"Ich... ich..."

"Was wollen sie mit ihr?" schreie ich ihn an und er zuckt erschrocken zusammen. Ich sehe es ihm an, dass er wirklich keine Ahnung hat und seine Gehirn arbeitet auf Hochtouren, als er versucht, die Hintergründe zusammen zu fügen.

"Walsh..." zischt er mit hasserfüllter Stimme und rammt seine Faust in die Wand. Es hätte mich gefreut, brechende Knochen zu hören, aber stattdessen atmet er tief in den Schmerz und flucht lauthals.

"Wer ist das!" fordere ich eine Antwort.

"Sie ist das Oberhaupt der Initiative."

Er entfernt sich von der Wand und läuft nervös in dem Zimmer auf und ab. Wir sind in Buffys Raum. Mr. Gordo sitzt auf dem Kissen ihres gemachten Bettes und ist stummer Zeuge unserer Begegnung. "Sie hat vor einiger Zeit versucht, Buffy zu töten. Deswegen habe ich die Initiative verlassen."

Mein Herz zieht sich zusammen, als ich den Gedanken weiterverfolge. Doch Riley scheint meine Gedanken lesen zu können als er mich anstarrt und meine Befürchtungen mindert.

"Nein, Walsh will sie nicht töten. Nicht mehr. Dafür hätte sie Buffy nicht entführen müssen."

Er grübelt weiter und sucht nach den richtigen Worten.

"Das erste Mal wollte Walsh sie töten, um mich in der Initiative zu halten. Ich hatte mich zu sehr von ihr und meinen Aufgaben entfernt, nachdem ich mit Buffy zusammen gekommen bin"

AU, verdammt. Das tat weh! Wieder würde ich am liebsten meine Faust in seine Visage rammen, als er erwähnt, dass er mit Buffy zusammen ist. Er scheint das zu bemerken und schielt nervös in meine Richtung.

Schnell redet er weiter.

"Sie hat keinen Grund mehr Buffy zu töten." Er hält inne.

"Vielleicht aus Rache, aber das sieht ihr nicht ähnlich."

Endlich bleibt er stehen und sieht mich an. Er ist so groß wie ich und unsere Augen sind auf gleicher Höhe.

"Wo haben sie sie hingebracht?"

Ich weiß, dass mein Ton kein "Ich weiß es nicht" duldet. Und Riley enttäuscht mich nicht. Nach einigen weiteren Metern auf dem engen Raum, bleibt er stehen und sieht mich einen Moment lang an. Ich glaube, aus seinen Ohren kommen Rauchwolken, so sehr strengt er sich an.

"Es gibt weitere Labors in ganz USA verteilt. Die Initiative in Sunnydale ist nur eine kleine Basis. Und Walsh wird kaum so dumm sein, Buffy irgendwo in der Initiative unter uns zu verstecken. Vermutlich wird sie gerade in ein anderes Labor gebracht."

Ich will mehr Informationen.

"Wo - hin?" frage ich nochmals mit Nachdruck.

Seine verzweifelte Mine sagt mir alles.

"Ich bin mir nicht sicher..."

Doch gleich darauf ändert sich sein Ausdruck der Unwissenheit in einen Ausdruck der Erkenntnis.

"Oh verdammt, natürlich...!" ruft er laut aus uns schon wieder möchte ich ihn erschlagen, weil er etwas weiß, was ich nicht weiß.

"Es gibt eine Basis in Wyoming. Das Lager ist streng geheim und untersteht höchster Sicherheitsstufe. Ich persönlich bin noch nie dort gewesen, aber ich habe viel darüber gehört. Ihre Ausstattung soll ausgereifter sein als die des FBI oder CIA. Ich vermute..." seine Stimme zittert kaum merklich bei den nächsten Worten. "Ich vermute, sie habe dort Experimente mit ihr vor."

Experimente?! Mit Buffy?! Oh das werden sie mir büßen. Hätte ich ein schlagendes Herz, würde es seit eben nicht mehr schlagen. Ich möchte schreien. Ich möchte die ganze Welt anschreien und sie zusammenschlagen, für das was sie Buffy antun wollen.

Sie ist erst seit einigen Stunden weg. Vermutlich haben sie noch nicht angefangen. Aber die Zeit vergeht zu schnell. Ich will sie am liebsten schon gestern da raus haben. Was natürlich unmöglich ist. Aber alleine schafft sie es nicht.

Ich erhebe mich von meinem Platz auf dem Bett und strebe zur Tür.

"Wo willst du hin?" fragt mich Riley und sieht mich fragend an.

Für diese dumme Frage möchte ich ihn zusammenschlagen. Irgendwie geht mir dieser Gedanke - Riley zusammenschlagen - nicht mehr aus dem Kopf. Dagegen muß ich was tun. Ich ignoriere die Frage und trete in den Korridor. Doch er folgt mir und packt meine Schulter.  

Jetzt reichts!

Ich wirbele herum und lasse meine Faust in Richtung seines Kopfes sausen. Hätte ich getroffen, wäre Riley nicht so schnell wieder aufgestanden. Doch er hat meine Reaktion vorhergesehen und duckt sich unter meinem Arm hinweg. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Mit einer Kraft, die ich ihm niemals zugetraut hätte, rammt er seine Faust in meinen Magen und diesmal bin ich derjenige, der mit dem Rücken zur Wand steht.

"Oh nein!" presst er zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. "DU gehst nicht alleine!" Seine Augen funkeln mich böse an und ich erkenne mit Erstaunen eine weitere Eigenschaft, die ich ihm nicht zugetraut hatte. Eine Tatsache, die ich ihm nicht gönne.

Liebe.

Entschlossene Liebe, die keine Ausreden duldet. Er würde für Buffy töten. Für sie sterben.

Einige Sekunden sehen wir uns in die Augen. Es gibt da etwas, was uns verbindet. Und wir müssen wohl oder übel zusammen arbeiten um diese Verbindung nicht zu verlieren: Buffy.

 

 
Riley

 

Er kann fliegen nicht ausstehen. Ich erkenne es am Zittern seiner Finger als wir unsere Plätze einnehmen. Seine erste Handlung ist das Anschnallen. Nervös sieht er aus dem Fenster und murmelt irgendwas von Gott und Flügeln.

Ein gehässiges Grinsen kann ich mir nicht verkneifen, auch wenn es die Situation eigentlich nicht erlaubt. Immerhin sind wir auf einer Rettungsmission.

Er hat vorgeschlagen, einen Flieger von Los Angelos LAX nach Salt Lake City SLC zu nehmen. Von dort aus müssen wir uns einen Wagen mieten. Ich kann immer noch nicht glauben dass es in diesem verdammtem Wyoming keinen einzigen größeren Flughafen gibt.

Die Strecke, die wir noch mal mit dem Auto fahren müssen beträgt mindestens 300 Meilen. Luftlinie wohlbemerkt. Und ich freue mich wahrlich nicht auf eine sechsstündige Autofahrt in einem kleinen Mercedes Mini Van so groß wie ein Waschmaschine mit einem Vampir auf dem Rücksitz.

Oh verdammt, ich bin viel zu negativ eingestellt.

Ich versuche meine Gedanken abzulenken, indem ich mir immer wieder sage, dass wir das nur tun, um Buffy zu helfen. Und vielleicht, wenn wir uns unter anderen Umständen getroffen hätten, dann... hätte ich ihn genauso gehasst.

Gott, ich kann noch nicht mal so tun, als ob ich etwas Sympathie für ihn empfinden könnte.

Er ist eingebildet, arrogant, feindselig, brutal, arrogant, blasiert, unfreundlich, arrogant, unsympathisch... habe ich schon erwähnt dass er arrogant ist?

Nun ja, ich kann nicht behaupten, ich wäre freundlich ihm gegenüber. Aber ich habe allen Grund dazu... ich muß ihn nur noch finden.

Nein ernstlich.

Ich weiß dass dieser Angel viele Dinge getan hat, die Buffy weh getan haben. Ich sehe es in ihren Augen wenn sie ihn ansieht. Ich sehe dort sehr viel Schmerz. Aber auch so etwas wie Liebe, auch wenn ich es nicht gerne zugebe.

Nicht die Liebe, die sie für mich empfindet, aber etwas anderes. Etwas, was vielleicht noch viel weiter und tiefer reicht, als die Liebe, die sie für mich empfindet. Es gibt da etwas zwischen den beiden, eine Art unausgesprochenes Versprechen.

Und ich befürchte ich bin schlicht und einfach neidisch. Immerhin ist Buffy meine Freundin. Und ich bin ihr treu. Kann ich da nicht erwarten, dass sie auch mir treu ist. OK, OK, ich geb's ja zu. Buffy war mir nie untreu. Trotzdem versetzt es mir immer wieder aufs Neue einen Stich, wenn es um Angel geht. Wenn sie ihn ansieht.

Wenn er sie ansieht. Es tut weh. Ich liebe sie doch. Ich liebe sie mehr als mein eigenes Leben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich vor ihr kein Leben hatte.

Naja, ein Leben hatte ich schon, aber mit Buffy ist es anders. Es ist wie beim Aufwachen an einem sonnigen Morgen. Es ist wie das Sitzen am Lagerfeuer, wenn kleine glühende Funken in der Luft über dir tanzen. Es ist wie das erfrischende Bad in einem Bergsee. Es ist lebendiger.

Am schönsten ist es, sie jeden Morgen aufs Neue in den Armen halten zu können. Sie fest an mich zu drücken. Und sie lächelt dir entgegen, als ob es nichts Böses auf der Welt gäbe.

Wahrscheinlich ist es gerade dieser Gedanke, der es mir so unverständlich macht, dass ihr Ex ein Vampir ist. Ein Vampir, der gerade neben mir sitzt und jeden Moment die Armlehnen aus den Halterungen zerrt, so verkrampft ist er. Ich gönne es ihm. Ich bin richtig schadenfroh. Ich weiß es ist kindisch und ich sollte mich nicht so verhalten. Immerhin bin ich erwachsen... mehr oder weniger.

Das Flugzeug hebt ab und mit einem metallenen Krachen hält Angel die Lehne in der Hand. Erschrocken kommt eine der Stewardessen auf uns zu und blickt Angel leicht vorwurfsvoll an.

"Geht es Ihnen nicht gut, Sir?" fragt sie in einer professionell ruhigen Stimme.

"Es geht mir gut, danke!" knurrt Angel und betrachtet peinlich die Lehne in seiner Hand. Mit einem undefinierbaren Grunzen drückt er der Frau die Lehne in die Hand und wendet sich wieder zum Fenster.

Es ist dunkel. Wie sollte es auch anders sein. Im Tageslicht wird es schwierig für Angel. Ich bin mir im Klaren darüber, dass wir uns auf eine recht riskante Mission eingelassen haben.

 

 
Angel

 

Ich kann fliegen nicht ausstehen. Wenn Gott gewollt hätte dass Menschen fliegen, hätte er uns Flügel gegeben. Natürlich ist das die schnellste Möglichkeit nach Wyoming zu gelangen. Wyoming, warum eigentlich ausgerechnet Wyoming?

Wyoming hat eine Einwohnerzahl von knapp 100.

Plus Minus einigen Bergziegen und Wölfen.

Ich bezweifle stark, dass es dort Straßen gibt, die wir befahren können. Wahrscheinlich läuft die ganze Aktion darauf hinaus, dass wir die letzten 100 Kilometer durch die Wildnis pirschen dürfen.

Kein schöner Gedanke wenn man bedenkt, dass die Sonne wohl kaum eine Ausnahme für mich machen wird und einfach nicht aufgeht. Ich könnte wetten, dass Riley auch darüber nachgedacht hat und sich schon auf den Moment freut, in dem ich in der Sonne verbrenne.

Ich kann mir lebhaft seinen gehässigen Ausdruck im Gesicht vorstellen.

Wie konnte Buffy sich nur in so einen Typen verlieben. Er ist arrogant, gehässig, dumm, arrogant, anmaßend, eitel, arrogant und außerdem viel zu jung. Habe ich erwähnt dass er arrogant ist?

Seine Blicke entgehen mir nicht und ich glaube er wäre am liebsten aufgesprungen und hätte angefangen zu tanzen als ich plötzlich die Lehne in meiner Hand hielt. Seit 243 Jahren wandle ich nun schon auf Erden und habe immer noch nicht gelernt wie man seine Angst unterdrückt.  

Das ist vielleicht auch besser so.

Hätte ich keine Angst um Buffy, hätte ich mich nie überwinden können, in diese - mit Tesafilm zusammengeklebte Blechkiste - zu steigen. Dann kämen wir vielleicht zu spät. Uuuhrg! Nicht daran denken, schelte ich mich und verdränge den Gedanke an eine gequälte und gefolterte Buffy. Es nützt ihr nichts, wenn ich jetzt wie ein kleines Kind zusammenfalle und mich nicht mehr bewegen kann aus lauter Angst- und Schuldgefühlen. Ich frage mich, ob Riley im Moment auch an Buffy denkt. Ich schiele zu ihm hinüber und sehe, dass er eingenickt ist. Wie kann er nur, verdammt noch mal? Ich könnte kein Auge zu machen. Er beginnt nervös auf seinem Platz hin her zu rutschen. Sein Kopf rollt von einer Seite zur anderen und er murmelte Satzfetzen, die ich nicht verstehe.

"Buffy!" flüstert er plötzlich leise. Seine Augen suchen hinter seinen geschlossen Lidern rastlos nach ihr. Ein Alptraum, geht es mir durch den Kopf.

Wieder ruft er leise ihren Namen. Ich kann es nicht leiden, wenn er ihren Namen sagt. Es erinnert mich immer daran, dass er Buffy kennt. Und das wiederum führt mich zu der Tatsache, dass er mit ihr zusammen ist. Eigentlich freue ich mich darüber, dass er im Moment Qualen leidet. Aber andererseits...

Sein Tonfall ist furchtbar verängstigt und Schweißperlen glänzen auf seiner Stirn. Es muß ein furchtbarer Traum sein. Vielleicht sieht er wie sie gefoltert wird oder...

Nein, das darf ich nicht länger zulassen. Buffy leidet und ich will dass es aufhört. Auch wenn es nur in seinem Traum ist. Also jage ich ihm meinen Ellebogen in die Rippen. Ups, so doll wollte ich gar nicht zuschlagen. Aber schließlich hat es seine Wirkung getan. Mit einem erstaunten Laut schreckt er auf und sieht sich um, als wüsste er nicht wo er ist. Sein Kopf dreht sich in meine Richtung und sein verwirrter Ausdruck verschwindet und wird durch Wut ersetzt.

Na das werden ein paar tolle Tage!

 

 
Riley

 

Es ist viel zu heiß hier drin. Und ich glaube, die Luft reicht nicht aus. Es ist so drückend und diese Enge macht mich fertig.

Angel hat mich aus einem Traum geweckt.

Und ich bin ehrlich dankbar dafür.

Ich kann mich nicht an die Einzelheiten erinnern, was vielleicht auch besser ist. Ich weiß nur, dass sie gerufen hat. Sie hat meinen Namen gerufen aber ich konnte sie nicht finden. Und es war so dunkel.

Die Bilder waren erschreckend und plötzlich wird mir kalt bei dem Gedanken an den Traum. Ich kann ein Schütteln nicht unterdrücken. Fragend sieht mich Angel an doch ich weiche seinem Blick aus.

Ich will nicht darüber reden.

Schon gar nicht mit ihm.

Die Stewardess von vorhin kommt an unsere Plätze und lächelt uns an. Es ist eines dieser Geschäftslächeln, die man der Ausbildung eingebläut bekommt. Ich glaube, es gibt in den Lehrbüchern sogar Kapitel mit dem Titel "Wie man richtig lächelt".

Dieses Lächeln ist weiß wie Zahncreme und berechenbar wie eine Schlechtwetterfront.

Sie nickt uns zu. Fragt, ob wir etwas wünschen.

Angel und ich, wir antworten gleichzeitig.

"Nein!"

Sie ist sichtlich vor den Kopf gestoßen und geht eingeschnappt zum nächsten Passagier weiter.

Ich versuche, meinen schmerzenden Rücken in eine bequemere Lage zu drehen. Jetzt weiß ich, wie sich Ölsardinen fühlen müssen.

Ganz ruhig atmen Kumpel, denke ich. Der Film beginnt. Irgend so ein Streifen mit Jean Claude van Damme.

Ich versteh's nicht.

Wie kann man in einem Flugzeug nur so einen Streifen zeigen?

Eine junge Mutter mit ihrem Sohn sitzt vor uns und ich höre, wie die Frau sich über die Auswahl des Filmes aufregt. Nebenbei hält sie ihrem Sohn die Augen zu und winkt nach einer Stewardess.

Die beiden Frauen diskutieren eine Weile. Doch der Film bleibt und der Rest des Fluges besteht aus Flüchen und Beschimpfungen.

Warum um Himmels Willen will die Mutter diesen nicht jugendfreien Streifen ihrem Kind nicht zeigen, um dann lautstark die Stewardess zu beschimpfen.  

"Was für ein Scheißsaftladen. So eine verdammte Unverschämtheit!"

Naja, jedem seine Erziehungsmethode.

Ich frage mich, ob Angel sich noch daran erinnern kann, wie er aufgewachsen ist. Immerhin ist das ungefähr 240 Jahre her und seine Familie ist längst tot.

Kann man sich überhaupt so lange an etwas erinnern?

Ich meine, das weit entfernteste, an das ich mich erinnern kann, ist mein vierter Geburtstag. Meine Eltern hatten einen Kindergeburtstag für mich organisiert mit Clowns und Ponys und so nem Zeug. Der Clown hatte aus diesen Kondomähnlichen Luftballons kleine Tiere geformt. Affen, Elefanten, Giraffen und Schlangen.

Naja, ich weiß nicht ob die stinknormalen aufgepusteten Ballons Schlangen darstellen sollten, aber sie waren lang und dünn. Auf jeden Fall, habe ich direkt am eingeschalteten Hörgerät meines Urgroßvaters einen dieser Luftballons platzen lassen und dafür eine Menge Ärger bekommen. Ich hatte Hausarrest für den Rest des Monats und meine Party war gelaufen.

Ich mache mir insgeheim eine Notiz, irgendwann mal Angel über diese Sache mit der Erinnerung auszufragen. Betonung liegt auf "Irgendwann mal".

Im Moment habe ich ganz andere Sorgen.

Der Film ist vorbei und kurz vor der Landung wird noch ein kleiner Snack gereicht. Angel verneint.

Oh was für ein Wunder! Ich hoffe nur, dass Angel nicht irgendwann mächtig Hunger bekommt, wenn ich in der Nähe bin. Das wäre sehr ungesund für mich.

Das Hühnchen schmeckt scheußlich. Wie versalzene Pappe. Aber endlich haben wir es geschafft.

Das Flugzeug setzt zur Landung an. Es ist drei Uhr morgens und der Flughafen ist entsprechend leer. Wir können von Glück sprechen, dass es noch eine offene Autovermietung gibt, die uns um diese unmenschliche Uhrzeit ein Auto zur Verfügung stellt. Es ist zwar nur ein alter VW Bus aber wir nehmen ihn mit Kusshand.

Natürlich nicht wörtlich. Der hintere Teil hat keine Fenster und ist somit wie für uns geschaffen. Es ist kalt und feiner Nieselregen bedeckt die Frontschutzscheibe mit einem dünnen Film.

Quietschend wischt der Scheibenwischer die Nässe beiseite. Angel sitzt am Steuer. Zielsicher, so als würde er genau wissen wo wir hin müssen steuert er den Wagen auf den Highway. Ich krame in meiner Tasche und hole eine Karte hervor.

Das laute Knistern stört unsere Schweigsamkeit. Seit wir das Flugzeug verlassen haben, haben wir kaum drei Worte miteinander gewechselt... wenn man "Klappe" und "Nicht den!" dazuzählt.

Doch jetzt bricht er das Schweigen und fragt mich: "Wo müssen wir jetzt hin?"

Meine Karte ist ziemlich ungenau und ich kann kaum mehr als raten. Ungeduldig wartet er auf meine Antwort.

"Wohin!?"

"Den Highway Richtung Casper." Ich zeige mit dem Finger in die ungefähre Richtung, in der ich Casper vermute. "Kurz vor Casper müssen wir den Highway verlassen und fahren weiter in die Rocky Mountains."

Er sieht mich an und nickt. Kurz darauf sieht er mich nochmals an.

"Du solltest dich hinlegen, solange du die Möglichkeit hast."

Seine Stimme klingt tonlos und kalt. Ich glaube nicht, dass er sich Sorgen um meine Gesundheit macht. Er ist wahrscheinlich eher an meinem Schlaf interessiert, weil ich am Tage fahren muß und er nicht in irgendeinem Straßengraben landen will, weil ich beim Fahren eingeschlafen bin.

Oder?

Ich zögere einen Moment, entscheide mich aber dafür. Angel hat recht. Erst jetzt bemerke ich wie müde ich bin. Ich lege mich auf den Boden im hinteren Teil des Wagens und schließe meine Augen. Seltsam! Ich kann nicht einschlafen. Sobald ich die Augen schließe sehe ich sie vor mir. Ihr Lächeln, ihr goldenes Haar, ihr wunderschönen Augen. Und meine Magen krampft sich zusammen, als hätte ich etwas Falsches gegessen. Ich habe furchtbare Angst um sie. Ich kann ein Schaudern nicht unterdrücken.

Ich sehe Angels angespannte Gesichtszüge durch den Rückspiegel und er sieht plötzlich zurück. Für einen Moment, wirklich nur für einen kurzen Moment gibt es so etwas wie Verständnis zwischen. Er weiß genau was ich denke und was ich fühle. Denn er fühlt genauso.

"Sie ist am Leben und wir holen sie da raus!" beruhigt er mich und klingt dabei überraschend sicher.

"Woher willst du das wissen?" frage ich schärfer als beabsichtigt.

Aber er zuckt nur mit den Schultern.

"Ich weiß es!"

Wie beruhigend.

Es ist bizarr, aber er seine Worte sind in der Tat beruhigend. Zumindest bildet sich das meine Unterbewusstsein ein. Zumindest verhilft es mir dabei, meine Augen zu schließen und in einen notwendigen, wenn auch unruhigen Schlaf zu driften.

 

 
Angel

 

Endlich schläft er. Ich kann hören, wie sich sein Herzschlag verlangsamt und sein Atem ruhiger wird. Ich kann nicht behaupten, dass mich sein Gequassel gestört hat. Zum ersten, da er nicht geredet hat. Doch alleine die Tatsache, dass er mich begleitet, um Buffy da raus zu holen, ist lobenswert.

Ich sage nicht, dass ich ihn heiraten möchte - oder dass Buffy ihn heiraten wird - aber er ist in Ordnung. Natürlich sage ich ihm das nicht ins Gesicht. Schließlich muß ich einen Ruf aufrechterhalten.

Die Einsamkeit beim Autofahren hilft mir beim Nachdenken. Die Straßen sind leer. Ich denke an Buffy und beneide Riley für seinen Schlaf. Auch wenn er sich unruhig hin und her wirft.

Ich vermute, wir werden frühestens morgen Nacht so weit gefahren sein, dass wir das Auto irgendwo stehen lassen können, um dann zu Fuß weiterzugehen. Ich hoffe inständig, dass mir die Sonne dabei nicht in die Quere kommt.

Wie wir Buffy dann aus dieser Festung holen, ist mir ein Rätsel und ich muß ganz auf Riley rechnen. Er ist mit der Initiative vertraut. Buffy hat erzählt, Riley wäre der Initiative erst vor ein paar Jahren beigetreten in dem Glauben, den Menschen zu helfen und gegen das Böse zu kämpfen.

Doch spielte er in diesem System kaum mehr als die Rolle des Versuchskaninchens. Nicht dass ich Mitleid mit ihm hätte, aber seine Absichten waren ehrenwert. Dass er sich dabei in Buffy verliebt hat, kann ich ihm noch nicht einmal verübeln.

Oder kann ich doch?

Ich suche krampfhaft nach einem Grund ihn zu hassen. Zu einem großen Teil gelingt mir das auch. Immerhin ist Riley ein eingebildeter, arroganter und dummer Junge, der noch keine Ahnung von der großen weiten Welt hat. Hätte er nur die Hälfte von dem gesehen, was Buffy oder ich erlebt haben, dann wäre er gebrochen. Für den Rest seines Lebens.

War es vielleicht diese Naivität, dieses Schwarz-Weiß Sehen, was Riley für Buffy so anziehend gemacht hat?

Ist das möglich?

Denn so gesehen ist Riley das genaue Gegenteil von mir. Mal abgesehen vom offensichtlichen - er ist blond und hat strahlend blaue Augen - ist er genau das, was ich nie sein kann und werde: sterblich. Und als Bonuspunkt: er hat Buffys Herz.

"Hey!" tönt es plötzlich aus dem Rückteil. Riley kommt nach vorn gestürmt und sieht mich erschrocken an.

"Hast du eine bestimmte Sonnencreme entwickelt, die dich vor der Sonne beschützt?"

Oh mein Gott!

Am Horizont sind die ersten Strahlen sichtbar. Es ist wunderschön - und tödlich. Mit quietschenden Reifen kommen wir auf dem Seitenstreifen zum Halten. Ich kann spüren, wie meine Haut anfängt zu kribbeln. Unbeweglich starre ich auf das rote Leuchten vor mir und komme erst wieder zu Sinnen, als mich Riley mit einem Kinnhaken aus der Starre holt.

Im ersten Moment bin ich wütend, dass er mich geschlagen hat. Immerhin hätte er es auch freundlich sagen können wie: "Entschuldige bitte, aber da ich nicht möchte, dass du dich in Asche auflöst, wäre es mir lieb, wenn du jetzt nach hinten gehst."

Stattdessen funkelt er mich wütend und ein wenig besorgt an. Ich schätze, ich hatte ihm in der Tat einen mächtigen Schrecken eingejagt. Ich mir aber auch. Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein?

 

 
Riley

 

Wie konnte er nur so unvorsichtig sein? Ich bin richtig wütend auf ihn. Nicht dass es mir was ausgemacht hätte, wenn er in diesem Moment zu Staubsaugerinnerei gemacht worden wäre. Ich hätte gejubelt, gefeiert und ... dann hätte mich Buffy eigenhändig erwürgt.

Ich sehe es an seinem verwirrten Ausdruck, dass er mindestens so erschrocken ist wie ich. Er hat sich in den hinteren Teil zurückgezogen, mit einem Stapel Decken bedeckt. Nur für alle Fälle. Ich habe das Steuer übernommen und fahre weiter Richtung Casper.

"Verdammt, mach das nie wieder!" schreie ich ihn an. Womöglich ist ihm seine Unvorsichtigkeit peinlich. Auf jeden Fall antwortet er nicht. Vorsichtshalber drehe ich mich noch mal um und vergewissere mich, dass er auch wirklich vor dem Licht geschützt ist. Ich entdecke mich bei dem Gedanken daran, ihn zu fragen, ob er in Ordnung ist.

"Alles in Ordnung?"

Habe ich das gerade laut gesagt?

Ups.

Es raschelt unter den Laken und seine gedämpfte Stimme antwortet:

"Ja, alles in Ordnung."

Stille.

"Danke!"

Habe ich richtig gehört?

Er hat sich bedankt.

Naja, immerhin habe ich ihm wahrscheinlich das Leben gerettet.

Ich fahre weiter. Und fahre und fahre.

Angel ist eingeschlafen. Unterwegs mache ich einen kleinen Abstecher in ein Kaff namens Winters Peak. Der Regen ist schlimmer geworden und inzwischen schüttet es aus Eimern. Die Tropfen bilden eine dichte Wand aus Wasser und der Himmel hat sich verfinstert. Irgendwo in der Ferne blitzt es und die elektrische Entladung taucht den Himmel für eine Millisekunde in ein grelles Licht.

Ich habe Glück mir bei meinem kurzen Sprint vom Wagen bis in das Fast Food Lokal keine Beule zu holen von den harten Hagelkörnern, die hin und wieder auf die Erde platschen. Im Innern des Lokals ist es warm und gemütlich. Die Spiegeleier sind köstlich und die Cola schon längst überflüssig.

Ich beeile mich und bin schon nach 30 Minuten wieder auf der Weiterfahrt. Angel ist einige Male aufgewacht und hatte auch etwas getrunken. Die Straßen werden kurviger, da wir immer tiefer in die Rocky Mountains fahren. Touristen verirren sich nur selten in diese Gegend, schon gar nicht während dieser Jahreszeit.

Es ist gegen sieben Uhr abends, als wir auf dem letzten Parkplatz der Strecke anhalten. Die Sonne ist vor wenigen Minuten untergegangen. Das Aussteigen verkneife ich mir vorerst, da der Boden aufgeweicht ist vom vielen Regen.

Stattdessen krieche ich nach hinten zu Angel.

"Wir müssen los!" erklärt er und packt zwei Taschenlampen in einen der beiden Rucksäcke.

"Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen noch heute Nacht auf das Gelände gelangen. Sobald die Sonne aufgeht, müssen wir hier mit Buffy in Sicherheit sein."

Er blickt mich eisern an.

"Verstanden?"

Ich glaube, er hält mich für vollkommen bescheuert. Natürlich ist mir das klar. Ich will doch Nichts anderes als er auch: Buffy in Sicherheit haben.

Natürlich wäre es mir lieber, Buffy bei Sonnenschein und strahlenden 25°C aus dem Labor zu holen. Aber das Wetter kann man sich leider nicht aussuchen. Also stehen wir nur wenige Minuten später mit unserer Ausrüstung auf dem Rücken vor dem Van und schauen in die Richtung, in der die Initiative ihre Basis haben muß. Ich vergewissere mich, dass das Auto abgeschlossen ist. Schließlich wäre es echt besch... eiden schön, wenn wir in zwölf Stunden mit Buffy auf einem leeren, autolosen Parkplatz stehen sollten.

Innerhalb weniger Minuten sind wir bis auf die Haut durchnässt. Ich friere und bei jedem Schritt machen meine Füße in den tropfnassen Schuhen patschende Geräusche.

Obwohl heute Vollmond ist, ist uns kein Licht vergönnt. Dicke Wolken hängen am Himmel und so müssen wir uns auf unsere Augen verlassen. Mit den Taschenlampen suchen wir sorgfältig nach Spuren von Sonargeräten oder anderen Einrichtungen, die unsere Präsenz verraten könnten. Bis jetzt haben wir nichts gefunden.

Angel ist still. Ich könnte mich mal wieder über ihn aufregen, aber er scheint es nicht zu bemerken. Er läuft einige Meter vor mir und schaut nicht mal zurück, ob ich überhaupt noch da bin. Halloho, er ist nicht alleine in diesem verdammten Wald. Und er gehört ihm schon gar nicht. Denn so verhält er sich: als wäre er der Einzige, der sich in einem dunklen Wald zurechtfinden kann. Irgendwo in der Ferne höre ich einen eigenartigen Vogelgesang und schrecke zusammen. Könnte es womöglich sein, dass ich paranoid werde?

"Brauchst du eine Pause?"

Und jetzt hat er auch noch die Frechheit, mich zu fragen, ob ich eine Pause brauche.

"Nein!" antworte ich ihm schroff und hoffe, dass er nicht merkt dass sich meine Beine wie Pudding anfühlen. Meine Gedanken sind bei Buffy. Und Buffy ist nicht weit, das weiß ich. Jetzt eine Pause zu machen wäre wie Barbecue mit Nachbarn während eines Atomangriffs der Russen auf Amerika.

"Gut!" erwidert er und legt noch einen Zahn zu. Wenn ich ein Vampir wäre könnte ich das auch.

Keine zehn Pferde bringen mich zum Stehen.

Aber eine Wurzel.

Mit einem - in meinen Ohren - viel zu lauten "UFF!" liege ich flach auf dem Waldboden. Mein Fuß hat sich in einer verdammten Wurzel verfangen. Hastig kommt Angel zurückgelaufen und bleibt neben mir stehen. Seine Stimme bringt zu meiner Verwunderung Besorgnis zum Ausdruck als er in die Knie geht.

"Riley? Alles in Ordnung?"

Ich beiße meine Zähne zusammen.

Nichts ist in Ordnung.

 

 
Angel

 

Er antwortet im ersten Moment nicht und ich befürchte, er ist bewusstlos oder so. Doch schließlich stemmt er sich in die Höhe und lehnt sich gegen einen Baum.

Ich weiß, dass er außer Atem ist und ich finde es bewundernswert ... und dumm... dass er mit mir Schritt gehalten hat. Doch er ist nun mal nur ein Mensch. Dazu noch ein ziemlich dummer Mensch.

Es ist bereits kurz vor elf, als wir endlich ein Anzeichen dafür erhalten, der Basis näher zu kommen. Ein primitiver Stolperdraht, der wahrscheinlich kreisförmig um das gesamte Gebiet gespannt wurde. Ich warne Riley vorsichtshalber, bevor er uns noch mit seiner Dummheit ins Verderben stürzt. Er grummelt etwas als Antwort, was ich nicht verstehe, aber ich kann mir denken, was er sagt.

"Wir machen fünf Minuten Pause!" beschließe ich.

"Ich brauche keine Pause!" entgegnet er mit trotzig.

"Hör mal Kleiner!" ich versuche es ja, ich versuche wirklich mich zusammenzureißen. "Du bist verdammt noch mal keine große Hilfe, wenn du hier ohnmächtig zusammenbrichst. Wir machen Pause!"

Das ist mein letztes Wort.

Oder auch nicht...

Riley funkelt mich wütend an.

"Glaubst du, du bist Mr. Almighty? Glaubst du, du bist der einzige harte Kerl?"

Darum geht es doch gar nicht.

"Ja das glaube ich!"

"Ach ja?"

Er ist für einen Moment sprachlos. Dann packt er seinen Rucksack wieder auf seinen Rücken und stampft weiter. Ich rolle genervt mit den Augen und greife nach seinem Ärmel. Mit einem wütenden Laut wirbelt er herum und schreit mich an.

"Fass mich nicht an!" Er atmet schwer. "Fass mich nicht an! Es ist genug, dass du mir Buffy nimmst. Nimm mir nicht noch meine Würde!"

Was?!?

Er dreht sich um und läuft weiter und ich stehe wie zur Salzsäure erstarrt und versuche zu verstehen.

Es ist doch nur logisch, oder?

Ich glaube, ich weiß was in ihm vorgeht.

Oder wahrscheinlich glaube ich es nur zu wissen.

Zumindest weiß ich etwas: er liebt sie und verfällt in Panik, weil er glaubt, ich würde sie ihm wieder wegnehmen.

"Hey!" rufe ich ihm hinterher.

"Was denn noch?"

"So ist das nicht gemeint!" versuche ich ihm zu erklären. Doch das wird keine leichte Angelegenheit. Denn Riley glaubt sich unterlegen. Ich sehe, wie seine Augen wässrig schimmern. Wie er verzweifelt einen Weg sucht, um mit dem Schmerz fertig zu werden, der ihn erfasst, wenn er mich mit Buffy zusammen glaubt.

"Wie ist es dann gemeint?"

Seine Stimme beginnt kaum merklich zu zittern. Kraftlos lässt er sich an einem Baum auf den Boden gleiten und birgt sein Gesicht in den Händen.

"Du hast ja keine Ahnung, wie es ist mit ihr zusammen zu sein, wenn ihre Gedanken bei dir sind. Es tut so weh." Beschämt wischt er sich die Tränen aus dem Gesicht obwohl das eh keinen Zweck hat. Regentropfen rieseln noch immer durch das Blätterdach über uns und benetzen unsere Gesichter. Doch die Kälte und die Feuchtigkeit sind vergessen. Jetzt beginnt mir alles klar zu werden und mein Respekt vor ihm erreicht ungeahnte Höhen. Wahrscheinlich ist es bei ihm genau andersherum. Er sieht mich als Feind und als den "verbotenen Lover" seiner Freundin. Wahrscheinlich aber ist er mehr wütend auf sich als auf mich. Ein Missverständnis, das einen Keil zwischen uns geschlagen hat, noch bevor wir uns überhaupt kennen gelernt hatten. Tja, und ich habe ihn schlicht und einfach für einen Idioten gehalten.

Ich setzte mich ihm gegenüber auf einen einsamen Felsbrocken und warte darauf, dass er noch etwas zu sagen hat. Das hat er.

"Du hast ja gar keine Ahnung, wie schwer es ist, mit dir mitzuhalten, Dead Boy."

Oh, Xander ist soooo tot.

"Tut mir leid, Xander hat gesagt, du würdest den Namen nicht leiden."

Er schielt hinter seinen angezogenen Knie mit einem traurigen Lächeln hervor.

"Du bist ihr Bezugspunkt, ihr Leben und es gibt nichts was ich dagegen tun kann."

Er erhebt sich schwerfällig und beginnt weiter zu gehen. Ich folge ihm.

"Es gibt nichts was ich gegen ihre Träume tun kann, wenn sie nachts mit deinem Namen auf ihren Lippen aufwacht. Ich tue so, als ob ich schlafe, damit sie nicht sehen muß, wie verletzt ich bin. Es ist mir sowieso ein Rätsel, wie so sie sich auf mich eingelassen hat. Ich meine sieh mich doch an!"

Einen Moment bleibt er stehen und wartet darauf, dass ich aufhole. Zusammen gehen wir weiter.

"Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Ich habe um sie gekämpft, obwohl sie sich mit Händen und Füßen gewehrt hatte."

"Mit Händen und Füßen?"

"Metaphorisch!"

"Ah!"

Eine Weile laufen wir schweigend weiter bis er wieder anfing zu erzählen.

"Und als sie dann diesen Spike heiraten wollte, hätte ich beinahe aufgegeben."

WAS?!?

"WAS?!?"

"Jep!"

Er scheint meine Überraschung gar nicht für voll genommen zu haben, da er ohne zu warten weitererzählt. Unterdessen versuche ich noch krampfhaft dieses Bild aus meinem Kopf zu verdrängen. Buffy plus Spike plus heiraten. Oh Mann kein Wunder, dass er so verwirrt ist.

"... große dunkle Typ in ihrer Vergangenheit. Ich hatte ja gar keine Ahnung, wie recht ich mit meiner Annahme hatte."

Er seufzt und dreht sich zu mir um. Ich glaube er will mir noch etwas sagen.

"Angel," beginnt er. "... wir sind da!"

"Huh?!?"

Tatsächlich! Wir stehen vor einem mindestens zwei Meter hohen Zaun. An seinem oberen Ende verlaufen spiralförmige Drähte, die mit aller Wahrscheinlichkeit mindest eine Stromspannung von 220 Volt haben. Riley hebt ein kleines Stöckchen auf und wirft es gegen diesen oberen Teil des Zaunes. Funken sprühen und der Ast kommt um einige Nuancen schwärzer wieder zurück geflogen.

"Und nun?"

Fragend sieht er mich an.

Ich sehe kurz auf die Uhr, wie viel Zeit uns noch bleibt. Es ist kurz nach Mitternacht. Wir müssen uns beeilen.

 

 
Riley

 

Vielleicht liegt es an mir, aber irgendwie scheint unsere Stimmung auf dem Nullpunkt zu liegen. Liegt bestimmt daran, dass ich ihm gerade mein Herz ausgeschüttet habe. Ich fühle mich seltsam erleichtert, obwohl ich befürchte, dass Angel mich jetzt für vollkommen durchgeknallt hält.

"Wir gehen am Zaun lang bis wir eine Stelle finden, wo wir auf die andere Seite kommen", erklärt er und läuft los.

Was? Kein Kommentar zu meiner Lebensgeschichte? Er ignoriert mich, na toll.

Ist aber ein Fortschritt... irgendwie. Zumindest will er mich nicht mehr zu Hühnerfutter zerrupfen, hoffe ich zumindest. Auf jeden Fall folge ich ihm nach einigen Sekunden. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen. Doch die Luft ist so feucht, dass es auch keinen Unterschied mehr machen würde. Was mich aber nervt ist die Kälte. Ich glaube, bei dieser Kälte erfriert sogar Gefrorenes. Angel hat damit bestimmt keine Probleme.

Weiter vorne bleibt er plötzlich stehen und lauscht. Nein Moment! Ich fasse es nicht. Er riecht. Wenn der Moment nicht so ungelegen wäre, würde ich anfangen mit lachen. Es sieht aber auch zu komisch aus wie er mit hoch erhobener Nase in die Luft schnuppert. Doch sein Gesichtsausdruck sieht gar nicht komisch aus. Er sieht sehr besorgt aus und für einen Moment glaube ich einen Hauch von Panik zu erkennen.

"Was? Was ist los?"

"Buffy!"

Er läuft los, diesmal schneller. Und ich kann nichts weiter tun als ihm zu folgen so schnell nur möglich. Was hatte er bloß damit gemeint? Ich meine, wir sind schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach Buffy, nicht wahr? Hat es echt so lange gedauert, eh das bei ihm angekommen war?

Wohl kaum. Ich meine, so doof ist noch nicht mal er.

Es muß einen Grund dafür geben, dass er so eigenartig reagiert.

Und den gibt es tatsächlich.

Um mitzuhalten muß ich ein ganz schönes Tempo einlegen und stolpere beinahe - mal wieder - über diese verdammten Wurzeln. Als Krönung renne ich ihn auch noch beinahe um, als er wie angewurzelt stehen bleibt. Er späht durch den Zaun und sieht offensichtlich etwas, was ich nicht sehe.

Doch jetzt höre ich auch etwas. Es hört sich an wie Schritte. Schnelle Schritte die fast lautlos über den Waldboden huschen. Blondes Haar taucht zwischen den Bäumen auf der anderen Seite des Zaunes auf. Ich glaube ich kriege gleich einen Herzinfarkt.

Es ist Buffy.

Aber wie... was... < Riley, hör auf zu stottern > schelte ich mich und beginne wie ein Verrückter mit den Armen zu winken. Ich glaube, ich rufe auch ihren Namen, aber ich bin mir nicht sicher. Aber ist ja auch egal. Denn Buffy hat uns bereits gesehen und kommt auf uns zu gelaufen.

Sie ist halbnackt, stelle ich erschrocken fest. Außer einem eigenartigen Kittel, der aussieht wie aus dem Krankenhaus trägt sie noch nicht einmal Schuhe. Ihre Haare sind zerzaust, ihre Haut an jeder erdenklichen Stelle zerkratzt und blutig.

"Buffy!" haucht Angel neben mir in einer Mischung aus Erleichterung und Besorgnis.

Ich kriege plötzlich keinen Ton heraus. Wahrscheinlich weil ich keine Ahnung habe, wie wir sie über diesen verdammten Zaun bekommen. Und hinzu kommen noch die anderen Gestalten, die bereits am Waldrand auftauchen. Vier oder fünf Commandos, ich kann es nicht genau erkennen. Sie tragen Tarnkleidung und Waffen. Und sie wissen damit umzugehen. Einer von ihnen drückt ab und ein blauweißer Strahl verfehlt Buffy nur um Zentimeter. Erschrocken springt sie zur Seite. Noch wenige Meter und sie ist am Zaun. Ich komme mir vor wie ein Zoobesucher, der am Rand eines Geheges steht und zusehen muß, wie ein vom Aussterben bedrohtes Tier von den Zoowärtern abgeschlachtet wird.

Hilflos.

"Buffy!"

Ich glaube, diesmal habe ich nach ihr gerufen. Ihre Finger umschlingen den rostigen Draht des Zaunes. Ihre Knöchel sind blutverschmiert und ihre Augen leuchten mit einer Mischung aus Panik und Freude über unser Auftauchen. Doch die Situation scheint aussichtslos.

"Riley? Angel? Seid ihr das wirklich?" fragt sie atemlos und sieht zu den Commandos. Sie kommen näher. Neben mir schlägt Angel verzweifelt auf den Zaun ein. Dann bückt er sich und zieht etwas aus seinem Stiefel. Es sieht aus wie eine Machete in Kleinformat.

Die Situation ist vergleichbar mit einem Unterwasserballett. Wenn alles um dich herum wie in Zeitlupe abläuft und du kannst laufen wie du willst - du kommst nicht vom Fleck. Genauso fühle ich mich in dem Moment, als die Commandos immer näher und näher kommen und Buffy sich verzweifelt mit kleinen, blutigen Fingern am Zaun festkrallt. Und nichts steht zwischen uns außer einem rostigen Zaun.

Funken schlagen, als Angel mit der Machete auf den Zaun einschlägt. Einige Drähte geben nach und geben ein Loch so groß wie eine Melone frei. Ein weiterer Strahl zischt in unsere Richtung und trifft Buffy an der Schulter. Mit einem Schmerzenslaut geht sie zu Boden und bleibt reglos vor dem Zaun liegen. Sie ist bei Bewusstsein, der Strahl hat sie nur gestreift. Sie rappelt sich auf wackeligen Beinen wieder auf. Angel schlägt weiter auf den Zaun ein und ich verfluche die Tatsache, keine Waffen mitgenommen zu haben.

Nichts außer ... ha ... !!!

Mit zitterigen Händen krame ich meine Schreckschusspistole aus meinem Rucksack. Sie kann zwar nichts gegen die Waffen der Commandos ausrichten, aber es ist ein Anfang. Ich zwänge den Lauf durch eines der Zaunlöcher und schieße. Wenigstens knallt es mächtig laut und die Commandos gehen erschrocken hinter Bäumen in Deckung. Inzwischen ist das Loch groß genug, dass Buffy hindurchkrabbeln kann. Die freien Drahtenden reißen ihr weitere tiefe Kratzer in die Haut, aber sie scheint es nicht zu bemerken. Angel und ich wir ziehen sie unter den Armen zu uns rüber.

"Komm schon, komm schon, komm schon..." wiederhole ich immer und immer wieder, bis sie mehr oder weniger sicher auf unserer Seite ist.

Sie zittert am ganzen Körper und ich kann sogar ihre Zähne klappern hören. Kein Wunder. Das Hemdchen klebt klatschnass an ihrem Körper genau wie ihre Haare und meine Sorge besteht in dem bei Gedanken, dass sie sich bestimmt eine Erkältung eingeholt hat.

Doch der Gedanke verfliegt so schnell wie er gekommen ist, als ich zu den Typen hinter den Bäumen blicke. Ein letztes Mal schieße ich in ihre Richtung um Angel und Buffy einen kleinen Vorsprung zu gewähren. Angel hat Buffy auf den Arm genommen, um schneller vorwärts zu kommen.

Nachdem ich mich vergewissere, dass die Commandos eine Weile brauchen werden um durch den Zaun zu gelangen, folge ich den beiden.

Das einzige was ich von ihnen erkennen kann, ist Buffys blondes Haar. Angel ist ganz in Schwarz gekleidet und seine Gestalt verschwimmt mit der Dunkelheit des Waldes in der Nacht. Ich habe Panikattacken, weil ich sie hin und wieder aus den Augen verliere. Mich jetzt zu verlaufen hätte uns gerade noch gefehlt. Endlich bleibt Angel stehen und sieht zurück. Er wartet bis ich aufgeholt habe und checkt inzwischen kurz Buffy. Sie ist noch immer bei Bewusstsein und sträubt sich schwach dagegen getragen zu werden. Aber Angel bleibt hart. Er scheint ihr Gewicht gar nicht zu bemerken.

"Sind sie noch da?" frage ich und folge Angels Blick in den Wald hinter uns.

"Ja, etwas 500 Meter. Wir müssen uns beeilen."

Nervös blickt durch das Blätterdach in den Himmel, der bereits einen violetten Ton annimmt. Der Sonnenaufgang ist nicht mehr fern. Es ist kurz vor sechs sagt mir meine Armbanduhr. Angel läuft weiter. Nein, er scheint zu fliegen, während ich meine liebe Mühe habe, nicht wieder über diese verdammten Wurzeln und glitschigen Moose zu stürzen. Mein Herz macht einen Freudensprung als ich durch die Baumstämme und Sträucher hindurch die Straße erkennen kann.

Ich kann bereits Angels Schritte auf dem Asphalt hören. Das ist gut. Einige Sekunden später betrete auch ich die Straße und sehe mich um. Der Parkplatz ist noch nicht in der Nähe. Wir müssen etwas vom Weg abgekommen sein. Doch in welche Richtung muß ich jetzt gehen. Ich hoffe inständig, dass Angel in die Richtung gelaufen ist. Die Chance, die richtige Richtung zu wählen steht immerhin bei fünfzig Prozent.

Also... eene meene Moppel... ach scheiß drauf. Ich laufe einfach nach rechts.

Und ich habe Glück. Hinter der Biegung kann ich Angel erkennen, wie er den Wagen erreicht. Nervös bleibt er stehen und schaut in den Himmel. Es wird hell. Die ersten Sonnenstrahlen glitzern durch das Blätterdach. Angel stellt sich mit Buffy in den Schatten des Wagens. Und ich lege einen Zahn zu, denn wie mir gerade einfällt: ich habe die Autoschlüssel.

Also zwinge ich meine Beine zu einem Sprint und krame nebenbei dank ungesunder Verrenkungen den Autoschlüssel aus dem Rucksack. Angels Gesicht ist schmerzverzerrt und trotz des Schattens beginnt seine Haut an zu rauchen. Buffy scheint es kaum zu bemerken.

Oh Mann.

Meine Lunge scheint mit Säure gefüllt zu sein als ich endlich den Schlüssel ins Türschloss stecke. Buffy sitzt benommen auf dem Boden, während ich Angel in den Wagen helfe. Er verkriecht sich keuchend in die hinterste Ecke und ich gehe in die Knie, um Buffy aufzuhelfen. Sie scheint wieder etwas zu sich zu kommen, als ich ihr die nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht streiche. Sie sieht so müde aus. Ihre Lippen sind blau und ihre Haut ist erschreckend blass. Aber sie nickt mir zu.

"Danke!" haucht sie mir ins Ohr und ich helfe ihr ebenfalls in den Wagen. Drinnen legt sie sich müde neben Angel auf den Boden und er deckt sie liebevoll mit einigen Decken zu. Ich bin neidisch, warum auch nicht? Aber mit Erstaunen stelle ich fest, das meine Eifersucht nicht mehr so groß ist, jetzt da ich Angel versuche zu verstehen. Keiner von beiden hat es je leicht gehabt, und deswegen gönne ich ihnen ihre ... Verbindung... oder was auch immer es ist. Natürlich solange ich nicht meine Freundin verliere.

Innerhalb weniger Sekunden ist Buffy eingeschlafen. Ich höre es an den gleichmäßigen Atemzügen. Angel sieht mich einen Moment lang an.

"Fahr los!"

Ich nicke und lasse den Motor an. Die Reifen drehen auf dem matschigen Boden durch und auf den ersten Metern schleudern wir mehr auf die Straße als dass wir fahren. Aus dem Wald kommen die Commandos gerannt und können nichts weiter tun als uns hinterher sehen.

"Ha!" entfährt es mir euphorisch und ich lasse die fünf Typen hinter mir. Ich sehe im Seitenspiegel, wie sie wütend ihre Waffen auf die Straße schmeißen.

Und ich kann mir ein erleichtertes Lächeln nicht verkneifen.

Die Sonne ist vollends aufgegangen du die Regenwolken, die noch letzte Nacht den Himmel verhüllt haben, sind verflogen. Strahlender Sonnenschein.

 

 
Angel

 

"... Von da aus bin ich aufs Dach geklettert und bin losgerannt." Beendet Buffy ihre Erzählung.

"Und den Rest kennt ihr ja."

Sie gähnte und streckte sich genüsslich. Wir saßen auf dem Fußboden in ihrem Zimmer und stopften Hamburger und Pommes in unsere hungrigen Mägen. Naja, ich eher weniger. Ich hatte eher Heißhunger auf ein Mikrowellenerwärmtes Blutpäckchen. Aber ich unterdrückte das Grummeln meines Magens. Ich schätze, ich wollte Riley einfach noch nicht mit Buffy alleine lassen. Obwohl ich früher oder später sowieso gehen musste. Aber ich war noch nicht so weit, Buffy gehen zu lassen. Andererseits habe ich das schon lange. Ich hatte sie ja verlassen um nach LA zu gehen. Ich hatte es so gewollt. Und ich hatte mir für Buffy eine glückliche Beziehung gewünscht. Die sie jetzt gefunden hat.

Ich hasse Riley noch immer. Und zwar dafür, dass er sie nun in seinen Armen halten kann und dabei auch noch glücklich ist. Aber ich gönne es ihr. Er ist ein feiner Kerl. Und dass er ein Mensch ist, bringt auch Pluspunkte. Ich bemerke, wie sie sich ansehen. Die stummen Unterhaltungen zwischen den beiden und plötzlich fühle ich mich als ungebetener Gast.

Na OK. Besser als gebetener Gast, für den es jetzt Zeit war zu gehen.

"Ich werde gehen."

"Jetzt schon?" fragt sie mich mit fragendem Blick. Sie hätte mich gern noch um sich, aber sie ist auch müde und muß sich erholen. Und ich will nicht stören.

"Ja, ich habe noch was zu erledigen."

Kleine Notlüge, aber effektiv.

"Oh. Ich bring dich noch raus."

Sie erhebt sich und Riley kommt ebenfalls mit an die Tür.

"Kommst du zurecht?" fragt sie.

"Ja, sicher."

Sie umarmt mich ganz fest und wenn ich atmen müsste, wäre ich in arge Schwierigkeiten geraten.

"Bis bald, Angel."

Riley zögert einen Moment, bevor er mir seine Hand anbietet. Und ich ergreife sie.

Oh, ich hasse ihn.

"Pass gut auf sie auf, klar? Wenn ihr was zustößt, mache ich Hackfleisch aus dir!"

Wow! Sehr elegant gelöst.

Aber er lacht nur und drückt meine Hand freundschaftlich.

"Ich weiß!" antwortet er und schließt die Tür. Einen Moment lang stehe ich noch vor der verschlossenen Tür. Ein Student eilt an mir vorbei und beobachtet mich misstrauisch. Ich laufe los und trete in die milde Nachtluft. Ich glaube, es beginnt bald zu regnen.

 

 
Riley

 

Sie schläft jetzt. Ihr Kopf ruht auf der Hauptschlagader meines Oberarmes und ihre Haare kitzeln auf meiner Haut. Ich glaube, morgen früh habe ich keine Finger mehr. Schon jetzt fühlen sich meine Fingerkuppen an wie nasser Sand. Aber das ist mir egal. Ich lasse sie nie wieder los. Ich spüre ihren Atem auf meiner Brust.

Sie ist noch etwas blass aber ansonsten scheint es ihr gut zu gehen. Sie wollte noch nicht darüber reden. Vielleicht frage ich sie morgen.

Oder übermorgen. Vielleicht frage ich sie gar nicht. Ich bin nicht sicher ob ich es wissen will. Wenn sie will, wird sie es schon erzählen. Der Mond steht hoch am Himmel und sein blasses Licht erhellt das dunkle Zimmer um einige Grautöne. Es sieht aus, als fängt es bald wieder an zu regnen. Schon jetzt huscht hin und wieder ein dunkler Schatten über das Licht am Himmel.

Da!

Was habe ich gesagt!

Ein Tropfen platscht auf das Fenster und kullert in krummer Bann bis zum unteren Rand. Hoffentlich ist Angel im Trockenen. Nicht dass er an einer Erkältung sterben könnte oder so.

Aber er hat schon genug in den letzten zwei Tagen durchmachen müssen. Klar ich auch, aber ich halte ja auch die Belohnung in meinen Armen.

Vielleicht hätte ich ihm einen Schirm mitgeben sollen?!

Noch ein Tropfen.

Patsch!

Seine Abschiedsworte schallen noch in meinem Kopf.

"Pass gut auf sie auf, klar? Wenn ihr was zustößt, mache ich Hackfleisch aus dir!"

Klar, das sieht ihm ähnlich.

Ich kann mir ein verräterisches Grinsen nicht verkneifen.

Ich glaube sogar, er würde seine Drohung wahr machen. Ich würde es zumindest. Und ich würde ihn nicht daran hindern.

Klang das jetzt selbstmörderisch?

Ja?

Na dann ist ja gut.

Jedoch wird er keinen Grund dafür bekommen.

Buffy murmelt leise Worte und ich streiche ihr eine Strähne aus dem Gesicht.

Er wird niemals einen Grund dafür bekommen.

 
Ende

 
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