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Raum und Zeit

© by Sam80853 ()

 

Disclaimer: Weder Quantum Leap noch JAG gehören mir.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der Serien-Seite

 
Gerichtsgebäude
Washington D.C.

 

Als Sam seine Umgebung wahrnahm, lief er den Flur eines riesigen Gebäudes entlang, seine Schritte hallten vom Boden wider. Neben ihm ging eine Frau in einer grünen Uniform, die auf ihn einredete.

"...wir müssen.... der Admiral...", war alles, was Sam verstand.

Als er sich zu ihr drehte, um ihr seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, stieß er unsanft mit einer entgegenkommenden Person zusammen.

"Tut mir leid!", sagte Sam schnell und sah dann in das Gesicht einer Frau.

Sein Atem stockte und sein Herz begann wie wild zu rasen.

Wie versteinert blieb Sam stehen, betrachtete die Frau versunken. Sie hatte mittelblondes langes Haar, blaue Augen, die ihn verwundert ansahen.

Ihre Blicke trafen sich und Sam konnte sehen, dass es der Frau vor ihm ebenso ging wie ihm. Ihr Atem wurde flacher und eine leichte Blässe überzog ihre eben noch rosigen Wangen.

"Harm?", verwundert schaute Col. Sarah "Mac" MacKenzie ihren Partner von der Seite an.

"Kennen wir uns?", fragte jetzt die Frau, ihr Blick ruhte noch immer auf Sam.

Stumm schüttelte Sam den Kopf.

"Ja."

Als er bemerkte, wie unsinnig seine Anwort war, errötete er leicht, schüttelte erneut den Kopf und sagte: "Nein."

Sein Gefühl aber sagte ihm etwas völlig anderes. Wenn er es hätte beschreiben sollen, hätte er "zu Hause" gesagt.

Verständnislos sah die Frau ihn an. Sie war sich sicher, den Commander vor ihr, noch nie im Leben gesehen zu haben und doch war da etwas, ein Gefühl des Vertrauten, dass ihr sagte, dass sie ihn kannte, dass er...

"Harm?", unterbrach Mac in dem Moment die Gedanken der Frau und berührte Sam am Arm.

Ruckartig wandte Sam sich jetzt an seine Begleiterin.

"Tut mir leid... ich wollte nicht... ich....", stammelte er und sah hilflos zwischen den beiden hin und her.

Da sein Hologramm bisher noch nicht erschienen war, wußte er weder, wer er, noch wer seine Begleiterin war.

Mac wurde die ganze Angelegenheit etwas unbehaglich, die tiefen und intensiven Blicke, die die beiden austauschten und die offensichtliche Tatsache, dass sie sich nicht kannten oder zumindest vorgaben sich nicht zu kennen, verunsicherten sie.

"Der Admiral wartet", sagte Mac kurz angebunden und lief weiter.

"Es tut mir leid", sagte Sam und meinte sowohl den Zusammenstoß als auch den abrupten Weggang seiner Begleiterin.

"Sie sollten lieber gehen", sagte die Frau und lächelte. "Admiräle lässt man nicht warten."

Sam nickte zustimmend, blieb aber trotzdem weiterhin vor ihr stehen.

"Ich muss gehen", sagte sie und sah auf ihre Uhr. "Wichtige Termine."

Mit diesem Worten schob sie sich an Sam vorbei, warf noch einen letzten Blick in sein Gesicht und entfernte sich dann von ihm.

"Auf Wiedersehen", flüsterte Sam und wandte sich langsam in die Richtung, in die seine Begleiterin verschwunden war.

Als Sam das Gebäude verließ, war von der Frau in der grünen Uniform nichts mehr zu sehen.

"Oh Boy!"

 

 
Vor dem Gerichtsgebäude
Washington D.C.

 

"Verlaufen?", erklang plötzlich neben ihm die Stimme seines Hologramms.

"Al", rief Sam ungehalten. Wie oft hatte er seinem Freund eigentlich schon gesagt, dass er sich nicht so anschleichen sollte.

"Wo ist sie?", fragte Sam und sah sich suchend um.

"Sie?" Auch Als Blick wanderte in die Runde. "Wen meinst Du, Sam?"

"Die Frau in der grünen Uniform", antwortete er ohne sein Hologramm anzusehen. "Sie sagte, der Admiral würde auf uns warten und dann..... Al", fiel Sam plötzlich ein, "wer bin ich eigentlich?".

Al kramte das Handlink aus seiner Hosentasche hervor und drückte einige Knöpfe. Als die gewünschten Informationen nicht schnell genug erschienen, schlug er ein paar Mal mit der flachen Hand dagegen.

"Dein Name ist Harmon Rabb Jr., Du bist Commander in der Navy.....oh, und die Frau, die Du suchst, ist sicher Deine Partnerin Col. Sarah MacKenzie."

"Partnerin?", fragte Sam ungläubig.

Al nickte.

"Du bist beim Judge Advocat General, also ein Anwalt", Al verzog angewidert das Gesicht. Durch seine 3 gescheiterten Ehen kannte er sich bestens mit diesem Berufszweig aus.

"Anwalt? Aber ich....", wollte Sam fragen, dachte dann aber an die Frau, der er eben begegnet war. Er kannte sie von irgendwo her, vielleicht war er ihretwegen hier?

"Warum bin ich hier?"

"Ziggy ist noch dabei, einige Szenarien zu überprüfen", sagte Al. "Du bist nur 6 Stunden in die Vergangenheit gesprungen, es könnte also schwierig werden."

"Ich bin nur 6 Stunden von Euch entfernt?", fragte Sam nach, vergessen war die fremde Frau, vergessen war seine Begleiterin und auch der Grund seiner Anwesenheit hier.

'6 Stunden. 6 Stunden entfernt von Al, von seiner Familie, von seinem eigenen Leben...Nur 6 Stunden...'

"Sam", unterbrach Al die offensichtlichen Gedanken seines Freundes, "Dein CO Admiral AJ Chegwidden erwartet Dich und Du solltest nicht zu spät kommen", mahnte er.

Sam nickte nur und machte sich dann nachdenklich auf den Weg.

 

 
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

 

Als er das Büro betrat, kam Col. Sarah MacKenzie auf ihn zu.

"Sind Sie in Ordnung, Harm", fragte sie besorgt Ganz deutlich sah sie ihren Partner im Gerichtsgebäude vor sich, wie er die fremde Frau anstarrte als hätte er einen Geist gesehen. Nur das es sich diesmal nicht um Diane Schonke handelte.

Sam nickte.

"Es geht mir gut. Danke, Sarah!", antwortete er.

Den verwunderten Blick, den Mac ihm zuwarf, sah er nicht mehr, da ein junger Mann auf sie zukam.

"Der Admiral möchte sie sofort in seinem Büro sprechen."

 

 
Büro des Admirals
Falls Church, Virginia

 

Von der Besprechung mit dem Admiral bekam Sam nur sehr wenig mit. Er überließ seiner Partnerin das Reden und nickte nur ab und an zustimmend.

"Keine Kommentare, Commander?", fragte Admiral AJ Chegwidden am Ende skeptisch. Er hatte Harm noch nie so schweigsam und in Gedanken versunken erlebt.

"Nein, Sir!", antwortete Sam.

"Sie können wegtreten", sagte AJ und schickte die beiden mit einer Handbewegung aus dem Zimmer.

 

Als die Tür hinter ihnen ins Schloß fiel, wollte Mac gerade zum Sprechen ansetzen als sie verdutzt innehielt. Ihr Partner war ohne ein Wort in sein Büro gegangen und hatte die Tür hinter sich geschlossen.

Verwundert schüttelte Mac ihren Kopf, zuckte mit den Schulter und ging dann ebenfalls in ihr Büro

 

 
Harms Büro
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

 

Sam ließ sich hinter seinem Schreibtisch nieder, schob einige Akten beiseite. Er ließ seine Gedanken kreisen und wie von selbst stieg vor seinem Auge das Bild der Frau aus dem Gerichtsgebäude auf.

'Ich kenne sie....ihre Augen, ihr Haar, die Art, wie sie mich angesehen hat. Ich kenne sie.'

Sam überlegte angestrengt.

Da er sich an nicht viel aus seinem eigenen Leben erinnern konnte und auch nach jedem Sprung vergaß, wo er gewesen war und was er getan hatte, kam er zu keinem Ergebnis.

Unmutig rieb er seinen Schläfen, irgendwo in seinem Kopf mussten die Erinnerungen an diese Frau sein. Er hielt inne. Warum musste sie in seinem Kopf sein? So, wie er auf sie reagiert hatte, konnte nur sein Herz wissen, wer sie war und was sie ihm bedeutete.

Sam schloß die Augen, lehnte sich in seinen Sessel zurück und versuchte, sich zu entspannen.

Bilder stiegen in ihm hoch.

Seine erste Begegnung mit Al auf den Fluren des Star Bride Projektes.

Wie von Sinnen hatte Al auf einen Getränkeautomaten eingeschlagen, sein Atem hatte nach Alkohol gerochen und auch seine Reaktion auf den neuen jungen Wissenschaftler hätte nicht vermuten lassen, dass sich daraus einmal eine tiefe Freundschaft entwickeln würde....

Eine Geburtstagsparty....

'Wer?', überlegte Sam noch als er plötzlich die fremde Frau vor sich sah. Es war ihr Geburtstag, ihr 30igster, wie er später erfuhr.

Sams Atem stockte.

Er sah in seinen Gedanken, wie er auf sie zuging, ihr die Hand reichte und viel Glück wünschte. Schon bei der ersten Berührung hatte er gespürt, dass sie etwas ganz besonderes war....Donna. Donna Elessee, war ihr Name.

Sam atmete jetzt heftig und sein Herz schlug wie wild in seiner Brust.

Er sah eine Kapelle, sah sich vor dem Altar stehen, aber ..... keine Braut, die Braut war nicht gekommen...

Moment, neue Erinnerungen tauchten auf. Diesmal gab es eine Hochzeit, Donna trug ein langes weißes Kleid, sie sah wunderschön aus und lächelte ihn glücklich an.

Ganz deutlich konnte Sam ihr "Ja, ich will" hören.

"Donna ist meine Frau!", flüsterte Sam und riß seine Augen auf.

Von dem Gedanken getrieben, sie zu finden, sprang Sam aus seinem Sessel und stürmte aus dem Büro, vorbei an Mac, die vor der Tür gestanden und ihn beobachtet hatte.

"Donna!", rief Sam und lief zur Tür hinaus.

Mac blieb wie erstarrt stehen. Sie hatte Harm noch nie so gesehen, der Ausdruck in seinem Gesicht hatte so gequält gewirkt, so verzweifelt und verloren.

'Was ist nur los', fragte Mac sich. 'Warum spricht er nicht mit mir?'

Von Sorge getrieben, beschloss sie, ihrem Partener zu folgen.

 

 
Washington D.C.

 

Ziellos lief Sam durch die Straßen. Er sah an jedem Ort nach, an den er sich erinnern konnte und mit jeder ausgeschlossenen Möglichkeit wuchs seine Verzweiflung.

'Ich muss sie finden', Tränen traten in seine Augen. Mit dem Handrücken wischte er sie fort und lief weiter, immer weiter.

"Donna! Donna!", rief er leise als könne sie ihn hören.

Völlig erschöpft, ließ er sich auf einer Parkbank nieder. Er legte den Kopf in seine Hände, Tränen der Verzweiflung liefen seine Wangen hinunter.

'Donna!'

Er hatte direkt vor ihr gestanden und sie trotzdem nicht erkannt. Er hätte sie berühren können, sie... Sam schüttelte seinen Kopf.

'Warum musste ER ihm das antun? Warum...?'

"Al!", rief Sam jetzt nach seinem Hologramm. "Wo bist Du? Hilf mir! Al!"

 

Mac stand völlig außer Puste hinter einem Baum, kaum 50 Meter von ihrem Partner entfernt. Ihre Sorge war mit jedem zurückgelegten Kilometer gewachsen.

Sie schüttelte ihren Kopf, konnte nicht glauben, was mit Harm passierte als plötzlich ein Ruck durch seinen Körper ging und er von der Bank, auf der eben noch zusammengesunken gesessen hatte, aufsprang.

 

Sam ließ seinen Blick über den Park schweifen.

Auf einem Spielplatz tollten Kinder, ihre Mütter immer in ihrer Nähe als plötzlich seine Augen an einer Frau hängeblieben.

Sein Herz machte einen Satz und er sprang auf.

"Donna!", rief Sam und lief auf sie zu.

Kurz vor ihr blieb er stehen.

"Donna", sagte er noch einmal und Tränen rannen ungehindert seine Wangen hinunter. Er wollte nach ihr greifen, sie in den Arm nehmen, sie ganz fest an sich drücken, aber er war nicht Sam, jedenfalls nicht so wie sie ihn kannte.

"Commander?", verwundert blickte Donna den Mann vor sich an, sah in sein in Tränen aufgelöstes Gesicht und die gleichen Gefühle wie bei ihrer ersten Begegnung stiegen in ihr hoch. Irgendetwas in seinem Blick, in seine Augen...

"Ich bin es Donna. Sam.", flüsterte er und griff nach ihnen Händen. Tief sah er in ihre Augen, versuchte durch seine Blicke zu erklären, wer er wirklich war.

"Sam?", zuerst Verwunderung, dann Erschrecken waren auf ihrem Gesicht zu sehen.

Ganz langsam nahm sie sein Gesicht in ihre Hände, fuhr leicht mit den Fingern über seine Wangen, wischte die Tränen fort, die ihr jetzt selbst das Gesicht entlang liefen.

Vor ihr stand nicht ihr Ehemann, jedenfalls nicht so, wie sie ihn kannte, sich an ihn erinnerte. Der Mann sah ganz anders aus, war größer, jünger. Sam hatte nie eine Uniform getragen und doch sagte ihr ihr Herz, dass er es war, dass er es wirklich war.

"Sam?", sagte sie noch einmal.

Er nickte, berührte ihr Gesicht zärtlich mit seinen Händen.

"Donna."

Sam breitete seine Arme aus, drückte sie an sich und sie schmiegte sich an seine Schulter, schloß die Augen und genoss den Augenblick. Vielleicht war er in einer Minute oder einer Sekunde schon wieder fort. Vielleicht würde sie wieder 2 Jahre warten müssen. Vielleicht....

"Donna", flüsterte Sam immer wieder, konnte sein Glück kaum fassen, während er sie in den Armen hielt.

Es kam ihm vor wie Stunden, wie sie so dastanden als plötzlich jemand an seinem Hosenbein zog und eine Kinderstimme nach seiner Mutter rief.

"Mommy?"

Erschrocken fuhr Donna zusammen und rückte von Sam ab.

Überrascht sah Sam an sich herunter.

Ein kleiner Junge stand neben ihm und sah Donna fragend an. Ganz offensichtlich war Donna seine Mutter.

Sam war viel zu verblüfft über die Tatsache, dass Donna ihm untreu geworden war als das ihm auffiel wie viel Ähnlichkeit der Kleine mit ihm, Sam Beckett, hatte. Dieselben grünen Augen, das dunkle dichte Haar, in dem schon jetzt eine kleine weiße Strähne zu erkennen war.

"Sam?", Donna konnte ganz deutlich die Ungläubigkeit und auch das Entsetzen im Blick ihres Mannes sehen. Einen Moment lang war sie enttäuscht, entäuscht darüber, dass er auch nur daran denken konnte, dass sie sich je einem anderen zugewandt hatte.

"Sam", sie hob den Jungen hoch, brachte ihn auf Augenhöhe mit seinem Vater, "das ist Dein Sohn, John Albert Beckett", sagte sie und lächelte das Kind an.

"Jo", widersprach der Kleine trotzig und begann auf dem Arm seiner Mutter zu zappeln.

Ungläubig schüttelte Sam seinen Kopf.

'Ich habe einen Sohn? Ich habe einen Sohn!'

"Donna...", Sam hatte es die Sprache verschlagen. Erst die unverhoffte Begegnung mit seiner Frau und dann auch noch...?

"Jo", flüsterte er und sah seinen Sohn aufmerksam an, langsam fuhren seine Finger am Gesicht des Kindes entlang.

"Ich habe einen Sohn", sagte er glücklich und gleichzeitig voller Erstaunen.

Donna nickte.

"Wir haben einen Sohn", sagte Sam erneut und schloß die beiden in seine Arme. Ganz fest drückte er seine kleine Famlie an sich, Tränen der Freude standen in seinen Augen.

 

Mac hatte die ganze Szene beobachtet und ihr wurde immer unbehaglicher zu mute. Wer waren diese Frau und der Junge? Was hatten sie mit Harm zu tun?

Ganz offensichtlich kannte er sie und die Art, wie er mit der Frau umging, sagte ihr, dass er sie nicht nur kannte, sondern liebte. Das sie alles für ihn war.

Ein Stich fuhr durch Macs Magen und sie wischte verstohlen eine Träne fort, die sich in ihrem Auge gebildet hatte.

Als Harm das Kind auf den Arm nahm und es zu kichern begann, drehte Mac sich weg. Sie wollte und konnte nicht mit ansehen, wie glücklich ihr Partner in diesem Augenblick wirkte.

In ihrem Träumen war sie diese Frau dort und es war ihr gemeinsames Kind, dass in seinen Armen lachte....

 

"Sam, wir müssen....", sagte Al als er durch die Imaging Chamber Tür trat.

Völlig verblüfft, blieb er wie angewurzelt stehen als er die drei in inniger Umarmung sah.

"Onkl Al", rief Jo undeutlich und breitete die Arme nach ihm aus, wollte von ihm gehalten werden.

"Sam", entschuldigend sah er seinen Freund an, achtete nicht auf die ausgestreckten Arme seinen Patenkindes.

"Warum Al? Warum hast Du mir nie von Ihnen erzählt?"

"Gib ihm nicht die Schuld", mischte Donna sich ein. "Ich habe ihm gesagt, dass er es Dir nicht erzählen soll."

"Du?....Warum?" Verständnislos sah er sie an.

Donna lächelte jetzt.

"Was hättest Du getan, wenn Du es gewusst hättest?", fragte sie.

"Ich....", setzte Sam an.

"Hättest Du all die Dinge, die Du getan hast, die Du tun MUSSTEST, machen können, wenn Du gewusst hättest, dass zu Hause eine Frau und ein Kind auf Dich warten?"

"Ich.....Donna.....", verzweifelt sah er sie an. "Hab ich Dir je.....hab ich....?"

"Nein, Sam! Niemals", sagte sie ernst und drückte ihn an sich.

"Ich liebe Dich, Sam", flüsterte sie, nahm sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn.

"Ich liebe Dich auch", sagte Sam und drückte sie fester an sich, wollte sie nie wieder gehen lassen.

Als Jo in seinen Armen unruhig zu werden begann, löste er sich von Donna, sah erneut seinen Sohn an.

"John Albert Beckett", murmelte er leise und berührte leicht sein Gesicht, konnte nicht glauben, dass er und Donna dieses Wunder geschaffen hatten.

"Nach Deinem Vater", sagte Donna, "und Deinem besten Freund", sie lächelte in Als Richtung. Sie konnte ihn zwar nicht sehen, wusste aber, dass er in Sams Nähe sein musste.

Sam nickte.

"Sam, wir müssen uns unterhalten", sagte Al entschuldigend und deutete auf das Handlink.

Fragend sah Sam ihn an.

"Allein!"

"Ist schon in Ordnung", Donna merkte, dass Al mit Sam sprechen wollte und griff nach ihrem Sohn, "wir gehen noch etwas spielen, nicht wahr, Jo?"

Lächelnd griff der Junge nach der Hand seiner Mutter.

Sam wollte sie aufhalten als sie sich von ihm entfernten doch Donna lächelte ihm aufmunternd zu.

"Wir sind nur dort drüben", sagte sie und ging mit Jo zum Spielplatz.

Lange sah Sam ihnen nach.

'Mein Sohn.'

Er lächelte als Jo die Arme nach seiner Mutter ausstreckte, damit sie ihn auf die Rutsche setzte.

"Er ist ein tolles Kind"; sagte Al, der dem Blick seines Freundes gefolgt war.

"Er ist mein Sohn."

Al nickte.

"Wie alt ist er? 2?" Fragend sah Sam sein Hologramm an.

"Warum hat sie mir nie gesagt, dass sie schwanger war, Al?"

Überrascht sah Al ihn an.

"Wie meinst Du das...?"

"Ich wäre nie in diesen verflixten Accelerator gestiegen, wenn...", Sam war wütend, wütend darüber, dass Donna es ihm nicht erzählt hatte, dass er nicht bei ihr war als Jo geboren wurde, dass...

"Sam", unterbrach ihn Al und schüttelte den Kopf. "Donna war nicht schwanger, als Du gesprungen bist."

'Nicht!'

"Du bist zu Hause gewesen, Sam."

"Zu Hause?"

Al nickte.

"Du erinnerst Dich nicht", traurig schüttelte er den Kopf, "wir sind über Kreuz gesprungen und Du bist zu Hause bei Donna gewesen. Um mein Leben zu retten, bist Du wieder gesprungen, Du...."

"Al!", unterbrach Sam, wollte eine Hand auf seinen Schulter legen als ihm einfiel, dass er sein Hologramm nicht berühren konnte.

"Es tut mir leid, Sam!"

"Ich werde nach Hause kommen", sagte Sam feierlich. "Ich werde nach Hause kommen."

Al nickte. Er wusste, dass das Sams größter Wunsch war, jetzt noch mehr denn je. Leider machten sie bei PQL nicht die Fortschritte, um einen Versuch zu wagen.

 

Mac hatte sich abgewandt als Harm die fremde Frau geküsste hatte.

Jetzt drehte sie sich wieder zu ihm, wischte die Tränen fort, die ihre Wangen hinunter liefen. Sie erwartete, Harm zusammen mit der Frau und dem Kind zu sehen, doch stattdessen stand er allein an seinem Platz und sprach aufgeregt mit jemandem, der gar nicht da war. Die Frau und den Jungen konnte sie auf dem naheliegenden Spielplatz entdecken.

'Was?', fraget sich Mac als sie ihren Partner genauer beobachtete.

Sie stockte.

Die Art wie er sprach, wie er mit den Armen und Händen gestikulierte, seine Haltung, alles war völlig falsch.

'Harm bewegt sich nicht so', sie schüttelte ihren Kopf. Warum war ihr das nicht schon früher aufgefallen?

 

"Was hat Ziggy herausgefunden?", fragte Sam gerade.

"Es wird Dir nicht gefallen...", Al schüttelte traurig den Kopf.

"Donna?", aufgeregt suchend, sah er sich nach seiner Frau und seinem Sohn um. Als er sie nicht weit von sich entdeckte, wurde er etwas ruhiger.

"Nein, Sam. Es geht nicht um die beiden, es ist Harm."

"Harm?", verständnislos blickte Sam sein Hologramm an.

"Commander Harmon Rabb, Jr", erklärte Al nachsichtig. "Du bist jetzt er."

"Oh!", entfuhr es Sam. Er hatte fast völlig vergessen, dass er nicht er selbst war. Alles, was im Moment wichtig war, waren seine Frau und sein Kind.

"Du musst Abstand von ihnen halten", sagte Al und deutete auf die beiden, die lachend über den Spielplatz liefen.

"Nein!", sagte Sam entschieden. "Niemals!"

"Sam...."

"Nein!" Sams Stimme wurde lauter, er wollte nicht hören, was Al ihm zu sagen hatte. Er wollte nicht hören, dass er wieder hier raus sprang, wenn seine Mission erfüllt war, dass es vielleicht Jahre dauern konnte bis er seine Familie wieder sah.

"Harms Leben, DEIN Leben ist in Gefahr", sagte Al schnell bevor Sam ihn erneut unterbrechen konnte.

Erschrocken sah Sam seinen Freund an.

"Ziggy sagt, dass Harm in den nächsten 12 Stunden erschossen wird. Du bist hier, um das zu verhindern."

"Erschossen", wiederholte Sam leise. "Wo?"

Al schüttelte den Kopf.

"Ziggy weiß es nicht. Deshalb darfst Du Dich nicht in Donnas und Jos Nähe aufhalten. Es ist zu gefährlich für die beiden." Traurig senkte Al seinen Kopf. Er konnte sich vorstellen, was diese Neuigkeiten in Sam auslösen mussten.

"Al....ich...ich kann nicht....", flehend sah er sein Hologramm an. "Ich hab sie eben erst gefunden, ich kann..." Sein Blick wanderte weiter zu seiner Frau und seinem Sohn.

'Warum?', fragte er sich immer wieder.

'Warum hatte man ihn mit seiner Familie zusammengeführt, nur, um sie gleich wieder zu trennen? Warum...?'

"Es tut mir leid, Sam!"

Ohne ein Wort zu sagen, ließ Sam sein Hologramm stehen, ging zu Donna und schloß sie in die Arme, drückte sie fest an sich.

Donna spürte seine Verzweiflung und stellte keine Fragen, hielt ihn nur fest.

"Ich muss gehen", flüsterte Sam, Tränen traten in seine Augen während er sie noch immer in seinen Armen hielt.

Donna nickt. Sie hatte gewusst, dass es früher oder später passieren würde, sie hatte nur gehofft, dass Sam etwas mehr Zeit hatte, Zeit, um seinen Sohn kennenzulernen.

"Du wirst zu uns zurück kommen", sagte sie, machte sich von ihm los und sah ihm in die Augen. "Du bist einmal zu mir zurück gekommen und Du wirst es wieder." Ihre Augen schimmerten ebenfalls feucht.

"Wir lieben Dich", sagte sie bevor ihre Lippe leicht seinen Mund berührten.

Um den Augenblick des Abschieds nicht unnötig und schmerzhaft für sie beide hinauszuzögern, machte sich Donna von ihm los, nahm ihren Sohn auf den Arm und ging ohne sich noch einmal umzudrehen.

 

Mac brach es fast das Herz als sie die Abschiedsszene beobachtete, denn daß es ein Abschied war, konnte sie ganz deutlich sehen. Wenn sie auch wusste, dass der Mann, der aussah wie Harm, ihr völlig unbekannt war, konnte sie doch in seinem Gesicht lesen wie in einem offenen Buch.

Schmerz und tiefe Trauer drückte sein Gesicht aus, leise Tränen liefen seine Wangen hinunter. Er versuchte nicht, sie zu verstecken, er stand nur da, sah den beiden nach und weinte.

 

"Sam...", sagte Al an seiner Seite. Noch bevor er weitersprechen konnte, winkte Sam ab und verließ ohne ein Wort den Park.

 

Es stand noch jemand im Park und wischte verstohlen seine Tränen fort.

Eine Frau in einem weißen Kleid, das vielleicht in den 30iger Jahren mal in Mode gewesen war, ein Hut auf dem Kopf und eine kleine Tasche in der Hand beobachtete still wie Sam den Park verließ.

Sie schüttelte traurig den Kopf und sah zum Himmel.

"Madre de dios", flüsterte sie, schlug dann ihre Hand vor den Mund und entschuldigte sich lächelnd.

 

 
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

 
Sam schloß die Tür von Harms Büro und ließ sich in dessen Sessel sinken. Er legte den Kopf in seine Hände und schloss die Augen.

'Was soll ich jetzt tun?', grübelte er und dachte an Donna und Jo, die zusammen mit ihm in derselben Stadt waren, die er aber nicht besuchen konnte, wenn er ihr Leben nicht in Gefahr bringen wollte....

Konnte er Harms Leben retten und sie dann noch einmal sehen? Würde ihm soviel Zeit bleiben?

Es klopfte leise an der Tür und Sam hob den Kopf.

Colonel Sarah MacKenzie betrat sein Büro. Aufmerksam sah sie ihn an, sagte kein Wort, schaute nur in sein Gesicht.

Ganz langsam setzte sie sich ihm gegenüber.

"Wer sind Sie?", fragte sie.

Sam war verblüfft. Mit einer solchen Frage hatte er nicht gerechnet.

"Sarah...ich...." begann er.

"Mac", sagte sie. "Meine Freunde nennen mich Mac."

Still fluchte Sam auf sein Hologramm. Nie war Al zur Stelle, wenn er ihn brauchte.

"Wer sind Sie?", wiederholte Mac ihre Frage. "Und wo ist Harm?"

Sam konnte in ihren Augen sehen, dass sie ihre Fragen sehr ernst meinte, dass sie völlig überzeugt war, dass er nicht Commander Harmon Rabb war.

"Warum glauben Sie, dass ich nicht Harm bin, Mac?", stellte Sam als Gegenfrage.

Noch immer sah Mac ihm in die Augen und je länger sie den Mann vor sich betrachtete, um so sicherer war sie sich, dass er nicht Harm war. Sie konnte sich zwar nicht vorstellen, wie das überhaupt möglich sein sollte, aber....

"Ich sehe Sie an", begann Mac langsam, "und sehe Harm, ich sehe seine Gestalt, seine Augen, aber wenn ich IN ihre Augen sehe, dann erkenne ich Sie nicht...." Sie schüttelte ihren Kopf. "Ich weiß nicht wie, aber Sie sind NICHT Harm."

Sam nickte bestätigend.

Er war jetzt seit über 2 Jahren in die Körper anderer Menschen gesprungen, hatte ihr Leben gelebt und noch nie hatte jemand an seiner Identität gezweifelt. Mac und Harm musste ein ganz besonderes Band verbinden, wenn sie spüren konnte, dass er nicht der war, der er zu sein vorgab.

"Geht es ihm gut?", fragte Mac leise und riß Sam aus seinen Gedanken.

"Ja, machen Sie sich keine Sorgen", er lehnte sich über den Tisch und griff nach ihrer Hand, wollte ihr durch den Kontakt mit ihm Sicherheit und Zuversicht geben.

Als er ihre Hand berührte, zuckte sie zurück.

"Nicht", sagte sie und rückte von ihm ab.

Sie hatte keine Angst vor ihm, dass sah Sam deutlich. In ihrem Gesicht erkannte er ihre Gedanken - wenn sie ihn ansah, dachte sie an Harm, dachte, dass er sie berührte, aber er war nicht Harm.

"Es tut mir leid", sagte er und zog seine Hand zurück.

Mac schüttelte ihren Kopf.

"Wo ist er?"

"Es geht ihm gut", wiederholte Sam. "Er ist an einem Ort, den wir den Waitingroom nennen...."

Verständnislos sah Mac ihn an, formte still das Wort 'Waitingrom'.

"Mac, was ich Ihnen jetzt erzählen werde, wird schwer zu begreifen sein....", begann Sam.

"Schwerer als das, dass Sie aussehen wie Harm, es aber nicht sind?", sie lächelte und zum ersten Mal konnte Sam sehen, wie sich ihr ganzes Gesicht aufhellte.

'Wenn sie wollte, könnte sie einen ganzen Raum zum Strahlen bringen', dachte er bei sich.

Ebenfalls lächelnd, nickte Sam.

"Mein Name ist Dr. Samuel Beckett und ich habe eine Zeitreisenprogramm entwickelt, in dessen Verlauf ich in die Körper anderer Menschen springe, um in ihrem Leben etwas zu korrigieren, was nicht hätte passieren dürfen", erklärte Sam. "Dass ich so aussehe, wie die Person, liegt an einer physischen Aura, die mich umgibt... es ist schwer zu erklären...", er zuckte etwas unbeholfen mit den Schultern.

Mac hatte nur bis 'etwas korrigieren, was nicht hätte passieren dürfen' zugehört.

"Was wird passieren?"

"Passieren? Sam...?", erklang plötzlich Als Stimme. Wie aus dem Nichts war er neben Sam aufgetaucht.

"Al", erschrocken fuhr Sam in seinen Sitz zusammen.

"Sam, was hast Du ihr erzählt?", wollte das Hologramm wissen.

"Wer ist Al?", fragte Mac.

"Al ist ein Hologramm", beantwortete Sam ihre Frage ohne auf Al zu achten. "Er ist mit meinen Gehirnströmen verbunden", sagte er als er sah, dass Mac sich suchend im Raum umblickte. "Nur ich kann ihn sehen und hören...naja Tiere und kleine Kinder können ihn auch sehen", er lächelte als er seinen Sohn vor sich sah, wie er seine Arme nach Al ausstreckte.

"Al", flüsterte Mac und schüttelte den Kopf.

'Zeitreisen, Hologramme', konnte sie das alles glauben?

"Sie wird Dir niemals glauben, Sam", sagte Al gerade.

"Sie weiß, dass ich nicht Harm bin."

Verblüfft sah Al ihn an.

"Wie? Warum? Ich meine....", stotterte er.

"Sie weiß es einfach. Hat Ziggy schon neue Informationen", wechselte Sam das Thema.

Mac horchte auf, konnte aber nur eine Seite des Gesprächs hören.

Al schüttelte den Kopf.

'Nein. Nichts neues.'

"Was wird passieren", fragte Mac erneut als das Handlink aufgeregte Geräusche von sich gab.

"Was ist los?", Sam war alarmiert aufgesprungen.

Ungläubig schüttelte Al seinen Kopf, er konnte nicht glauben, was er sah. Nach Ziggys Informationen wurde Harm getötet, während gleichzeit am anderen Ende der Stadt Sams Sohn von einem Auto angefahren wurde.

"Nein", flüsterte er. "Nein. Nein. Nein..."

"Al, was ist los?", erschrocken starrte Sam seinen Freund an. "Es sind Donna und Jo, nicht wahr", fragte er und ihm wurde Übel. Wenn den beiden etwas passiert war, was er hätte verhindern können, würde er sich das nie verzeihen.

Al nickte stumm. Er fühlte sich plötzlich matt und alt, sehr sehr alt.

"Donna? Jo?", fragte Mac und sah Sam an. "Sind das die Frau und der Junge aus dem Park?"

Erstaunt wandte Sam seinen Blick auf sie.

"Ich bin Ihnen gefolgt", gab Mac schuldbewusst zu und senkte ihren Kopf. "Ich dachte, dass Harm... dass Sie vielleicht meine Hilfe brauchen....ich..."

"Ist schon in Ordnung", sagte Sam und ließ sich wieder in seinen Sessel sinken. "Al, was wird passieren?"

Das Hologramm schüttelte seinen Kopf. Was sollte er Sam erzählen? Das sein Sohn getötet werden würde und er nichts, überhaupt nichts dagegen tun konnte?

"Al...", begann Sam als auf dem Flur vor dem Büro Unruhe entstand. Die laute Stimme einer Frau schallte durch den Raum.

Überrascht sahen Al, Sam und Mac auf.

 

"Ich suche Commander Harmon Rabb Jr.", rief die Frau aus dem Park aufgeregt und sah sich suchend um. Vor ihr stand Gunnery Seargant Victor Galindez und versperrte ihr den Weg.

"Ma'am....haben Sie einen Termin mit dem Commander?", zweifelnd sah er an der Frau herunter. Noch nie in seinem Leben hatte er eine solche Person gesehen. Sie sah aus als entstamme sie einem alten Schwarz-weiß-Film.

"Ich brauche keinen Termin", rief sie entrüstet. "Ich bin ein Engel."

"Ein Engel?", Gunnys Stimme wurde leiser, sanfter.

"Si", bestätigte die Frau ernst. "Meine Name ist Angela Carmen Cecilia Guadelupe Jimenez..." als ihr Blick auf Harms Büro fiel, rief sie erfreut. "Dort ist er ja!", und lief los.

Sie stürmte ins Büro noch bevor Gunny sie aufhalten konnte.

Al stöhnte an Sams Seite auf.

"Nicht sie auch noch", flüsterte er und bedeckte seine Augen mit den Händen.

"Du kennst sie?", Sam sah ihn fragend an.

"Entschuldigen Sie, Sir, Ma'am", sagte Gunny und versuchte die Frau aus dem Büro zu zerren.

"Tun Sie etwas", rief Angela an Al gewandt und setzte sich heftig zur Wehr.

"Ich bin nur ein Hologramm", gab Al bissig zurück.

"Lassen Sie sie", sagte Sam und sofort ließ Gunny die Frau los.

"Gracias!" Angela rückte ihr Kleid zurecht und strahlte Sam an.

Als der Gunny das Büro verließ, wandte Sam sich an die Frau.

"Wer sind Sie?"

Angela lächelte. Sie wusste, dass Sam sich nicht an sie erinnerte, sie hatte es ihm gesagt als sie sich damals ins New York begegnet waren.

"Ich bin Angela, ein Engel!"

Al rollte mit den Augen und stöhnte auf. Was er jetzt am allerwenigsten gebrauchen konnte, war ein Engel, der Sam noch zusätzlich durcheinanderbrachte.

"Ein Engel?", fragten Sam und Mac gleichzeitig.

"Si", bestätigte sie. "Angela bedeutet....

"...Engel auf spanisch", beendete Sam den Satz. Er stockte, irgendwie rief das ein Deja Vu in ihm wach.

"Si."

Mac schüttelte ungläubig ihren Kopf. Die ganze Situation kam ihr völlig absurd vor. Ein Mann, der aussah wie Harm, es aber nicht war, ein Hologramm, das sie nicht sehen konnte und eine Frau, die behauptete ein Engel zu sein....

"Ein Engel also", sagte Sam und sah sein Hologramm fragend an. Wie es schien, war Al kein bisschen überrascht.

Al zuckte mit den Schulter.

"Es stimmt", gab er kleinlaut zu.

"Was?"

"Es stimmt", sagte Al etwas lauter. "Sie ist ein Engel."

Triumphierend blickte Angela in die Runde.

"Al, es gibt keine Engel", behauptete Sam.

"Es gibt sie sehr wohl", widersprach Angela. "ICH bin ein Engel", sie tippte sich mit dem Finger auf die Brust um ihren Worten mehr Ausdruck zu geben.

Sam schüttelte seinen Kopf, er wollte sich jetzt nicht mit der Frau, dem Engel, oder was auch immer beschäftigen. Was in diesem Augenblick zählte, waren Donna und Jo.

"Was passiert mit ihnen?", fragte Sam seinen Freund. Flehend sah er ihn an, bat still, dass mit ihnen alles in Ordnung war.

Al antwortete nicht.

"Es wird etwas passieren...", mischte Angela sich ein.

"Halten Sie den Mund", rief Al.

Erschrocken über seinen Ausbruch, fuhr Sam herum, Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben.

"Al..."

"Ihr kleiner Junge...", sprach Angela weiter.

"Jo", flüsterte Sam. Deutlich sah er das Gesicht seines Sohnes vor sich, sah das Lächeln auf seinem Gesicht.

Die Ahnung, dass etwas schreckliches passieren würde, schnürrte ihm die Kehle zu.

Mac war aufgesprungen, sie griff nach Sams Hand. Sie verstand zwar nicht, was vor sich ging, aber der Ausdruck in Sams Gesicht berührte sie tief.

"Er ist ihr Sohn?", es klang mehr nach einer Feststellung denn nach einer Frage. Sie hatte die drei zusammen im Park gesehen, hatte die Freude und Liebe in den Gesichtern von Sam und Donna gesehen, sie würde alles tun, um zu verhindern, dass dieses Glück zerstörrt wurde.

Sam nickte stumm.

"Was....?

"Ein Autounfall", flüsterte Al jetzt.

Fragend sah Sam sein Hologramm an.

"Es passiert als auf Dich geschossen wird....Jo, er.... Jo....", Al war unfähig den Satz zu beenden. Er fühlte sich hilflos, nutzlos. Er konnte nichts tun, um Sam oder Jo zu helfen.

"Ich werde ihn beschützen", sagte Angela und drei überraschte Augenpaare sahen sie an. "Si", sie nickte ernst, "ich bin ein Engel."

"Ich gehe zu ihnen", sagte Sam entschlossen und fuhr von seinem Sessel hoch.

"Sam, Du kannst nicht....", wollte Al ihn zurückhalten als Sam ihn wütend ansah.

"Sie sind meine Familie", schrie er fast. "Ich habe sie eben erst gefunden, ich werde nicht zulassen, dass ihnen etwas passiert. Eher sterbe ich!"

Mac wurde blaß.

'Sterben? Was passiert mit Harm, wenn Sam tot war?'

"Harm", flüsterte Mac und ihre Hand fuhr zum Mund.

Sam hielt inne, sah in Macs Gesicht und ihm wurde klar, was seine Entscheidung für sie bedeuten konnte. Wenn ihm etwas passierte, würde Harm nicht zurückkehren können.

"Oh mein Gott", verzweifelt ließ Sam sich auf die Erde sinken.

Schnell eilte Mac an seine Seite, versucht ihn zu trösten, in dem sie ihm ihre Hand auf die Schulter legte und leicht drückte.

"Sam", zum ersten Mal sprach sie ihn mit seinem richtigen Namen an, sie sah in Harms Gesicht und akzeptierte doch, dass er es nicht war.

"Sam, ich werde auf ihn aufpassen", sagte Mac und sah ihn eindringlich an. "Vertrauen Sie mir!"

Sam schüttelte seinen Kopf. Er war Jos Vater, er musste sich um ihn kümmen und niemand sonst.

"Sam", mischte sich nun auch Al ein. "Sie hat recht, es gibt keinen anderen Weg, wenn Du Dein Leben und das von Harm nicht riskieren willst."

"Ich würde alles für meinen Sohn opfern", erwiderte Sam. "Alles!"

Mac trat von Sam zurück. Die Entschlossenheit in seiner Stimme machte ihr Angst,Angst um Harm und auch um Sam.

"Was passiert, wenn....wenn....", Mac konnte ihre Frage nicht beenden, zu schmerzhaft war der Gedanken, dass sie ihren Freund und Partner vielleicht niemals wiedersehen würde.

"Mac....", Sam stand von der Erde auf, ging auf sie zu.

"Was?", Mac entfernte sich von ihm, wollte seine Berührung nicht spüren. Wollte nicht in Harms Gesicht sehen und wissen, dass er es nicht war, dass er vielleicht niemals wieder.....

"Sag es ihr, Sam", forderte Al. "Sag ihr, dass Harm nie zurückkehren wird, wenn Dir etwas passiert. Sie hat ein Recht, es zu wissen."

Sam war hin und her gerissen.

Er sah Macs Gesicht, sah die Trauer und Verzweiflung darin und er sah Jo, wie er lachend mit Donna über den Spielplatz lief. Sollte er wirklich einer Entscheidung zwischen diesen beiden Leben treffen?

Wie er Mac gesagt hatte, er würde alles für seinen Sohn riskieren, aber durfte er dabei auch Harms Leben opfern?

Resigniert ließ Sam seine Kopf hängen.

"Okay, ich bringe Sie zu ihm", flüsterte er so leise, dass Mac ihn nicht verstand.

Sie konnte sehen, dass sich sein Mund bewegte, doch den Sinn er Worte hörte sie nicht. Das brauchte sie auch nicht. Der Ausdruck in Sams Gesicht sagte ihr alles.

Entschlossen ging sie auf ihn zu, nahm ihn in den Arm und drückte ihn fest an sich.

"Jo wird nichts passieren. Das verspreche ich", sagte sie an seine Schulter gelehnt.

Sam nickte stumm und schloß die Augen.

"Wir versprechen es", sagte Angela, die gegen ihre Natur die ganze Zeit über still im Raum gestanden hatte.

Ohne ein Wort zu sagen, löste Sam sich von Mac und verließ das Büro.

Al tauchte an einer Seite auf.

"Du hast die richtige Entscheidung getroffen", sagte er, aber Sam reagierte nicht. Ohne auf ihn oder Mac und Angela zu achten, ging er weiter.

 

 
Hotel
Washington D.C.

 

Vorsichtig klopfte Sam an die Tür zu Donnas Zimmer. Er fieberte ihrer erneuten Begegnung entgegen und er fühlte sich schuldig. Schuldig, dass er das Leben seines Sohnes einem anderen als sich selbst anvertrauen musste.

Aber Al hatte Recht, er konnte und durfte Harms Leben nicht für seine eigene Zwecke ausnutzen.

"Sam!", überrascht öffnete Donna ihm die Tür, hielt dann inne als sie hinter ihrem Mann, Mac und Angela entdeckte.

"Das sind Col. Sarah MacKenzie und ... Angela", stellte Sam die beiden vor.

"Ich bin ein Engel", sagte Angela und lächlte breit.

"Mac", Mac streckte der Frau, auf die sie heute morgen noch mit Eifersucht reagiert hatte, ihre Hand entgegen.

Donna erwiderte den Händedruck, sah Mac dabei aber nicht an. Sie hatte nur Augen für Sam und was sie dort sah, erschreckte sie zu tiefst.

Als sie die Tür hinter sich schloß, griff sie nach Sams Arm, zog ihn etwas von den anderen fort.

"Sag mir, was passiert ist", forderte Donna ihn auf.

"Nichts!", erwiderte Sam.

"Nichts? Bitte Sam, sag es mir."

"Es ist nichts passiert, es WIRD", sagte er und sah ihr in die Augen.

Alles, was sie wissen musste, sah sie dort. Erschrocken fuhr sie herum, rief nach Jo, der lachend ins Zimmer gelaufen kam.

Sie nahm ihrem Sohn in den Arm, drückte ihn fest an sich.

"Nicht Jo!", bat sie Sam leise und schüttelte entschieden ihren Kopf.

"Donna", Sam wollte auf sie zugehen, sie trösten, doch Donna wich zurück.

"Ich habe Dich verloren", Tränen liefen jetzt ihre Wangen hinunter. "Er ist alles, was ich noch habe. Ich kann ihn nicht...", sie schüttelte ihren Kopf.

"Donna", diesmal war Sam schneller, er erreichte sie, bevor sie sich seiner Nähe entziehen konnte.

"Ihm wird nichts passieren", sagte er mit mehr Überzeugung als er wirklich empfand.

Er deutet auf Mac und Angela, die sich still auf dem Sofa niedergelassen hatten.

"Sie werden alles tun, um das zu verhindern", fragend sah er die beiden an.

Mac nickte und Angela wiederholte, dass sie ein Engel sei.

Donna achtete nicht auf sie, sie hielt weiter ihren Sohn fest umklammert und sah Sam an.

"Warum nicht Du? Warum nicht?", wollte sie wissen.

Mac hatte die Frage gehört, ging auf Donna zu.

"Lassen Sie ihn erklären", bat sie und streckte die Hände nach Jo aus, der mit weit geöffneten Augen das Geschehen verfolgte.

Donna nickte stumm und überließ Mac ihren Sohn.

 

Während Sam seine Frau in den Armen hielt und ihr leise erklärte, was passieren würde, betrachtete Jo Angela. Neugierig zupfte er an ihrem Kleid herum.

 

Mac beobachtet abwechselnd den Jungen und das Paar am anderen Ende des Raumes. Sie sah wie Jo lachend auf Angelas Schoß hüpfte und seine kleine Arme um ihren Hals schlang, sie sah aber auch Donnas Reaktion als Sam ihr erzählte, was mit ihrem Sohn passieren sollte. Sie sah das Entsetzen und die Verzweiflung in ihrem Gesicht

 

Donna legte ihre Hände über ihren Mund, um einen lauten Aufschrei zu verhindern. Fest drückte sie Sam an sich, der weiter leise auf sie einsprach, ihr versicherte, dass jetzt, wo sie wußten, was passieren sollte, es ganz sicher verhindern würden. Sie nickte, wollte glauben, dass alles gut werden würde.

"Was ist mit Dir", fragte sie jetzt und sah Sam an.

"Auch mir wird nichts passieren", versuchte er sie zu beruhigen, drückte sie erneut an sich und hoffte, dass es die Wahrheit war.

"Ich muss gehen", flüsterte Sam, erinnerte sich an Als Worte, dass sie nicht wußten, wann der Angriff auf ihn stattfinden sollte.

Donnas nickte, wischte ihren Tränen fort.

Sam nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie zärtlich.

"Ich liebe Euch", sagte er. "Vergiß das nicht."

Mit diesen Worten löste er sich von seiner Frau, ging zu seinem Sohn und nahm ihn in den Arm.

"Jo", flüsterte er und wünschte, mehr Zeit mit ihm hätte verbringen können. Wünschte, seinem Sohn zu erklären, wer er war.

"Daddy", sagte Jo undeutlich und lachte Sam an.

Überrascht sah Sam auf.

Donna war hinter ihn getreten, lehnte jetzt mit dem Kopf an seinem Rücken.

"Er weiß, wer sein Vater ist", sagte sie.

In Sams Hals hatte sich ein Kloß gebildet, er nickte glücklich.

Er drükcte Jo einen Kuß auf die Stirn und reichte ihn dann seiner Mutter. Mit Tränen in den Augen wandte er sich zur Tür.

"Wir werden auf Dich warten", rief Donna.

Sam nickte nur und ging.

 

Als Mac und Angela sich ebenfalls verabschieden wollten, hielt Donna Mac zurück.

"Würden Sie bleiben? Bitte!", fragte sie Mac.

Über die Frage überrascht, hielt Mac inne, nickte dann aber und lächelte Donna zaghaft an.

 

Da Angela nicht zum Bleiben gebeten wurde, zog sie hinter sich die Tür ins Schloß. Sie war nicht böse, sie wußte, dass die beiden Frauen einander brauchten. Sie war hier, um auf Sams Sohn aufzupassen und diese Aufgabe würde sie erfüllen.

 

 
Hotel
Washington D.C.

 

Als Donna Jo zu Bett gebracht hatte, setzte sie sich zu Mac auf die Couch.

"Erzählen Sie mir von ihm", forderte sie Mac auf.

"Von ihm?", fragte Mac und sah sie verständnislos an.

Donna nickte.

"Ihrem Partner. Wie lange kennen Sie sich schon?"

"Harm... 4 Jahre", antwortete sie kurz.

"Eine lange Zeit", sagte Donna und sah die Frau vor sich eine Weile schweigend an. Sie wußte, dass es äußerst ungewöhnlich war, dass Sams Identität aufgedeckt wurde. Harm und Mac musste mehr als nur reine Freundschaft verbinden.

"Und Sie?", fragte Mac.

"1982", antwortete sie und ihr Blick schweifte ab. "Es war an meinem 30. Geburtstag..... Sam stand plötzlich in der Tür und wir wussten es sofort", Donna lächelte. "Wenn es nach Sam gegangen wäre, hätten wir noch in derselben Woche geheiratet."

Sie erinnerte sich deutlich wie er vor ihr gestanden hatte, wie er ihre Hand hielt und sie ansah. Es hatte nur eine Sekunde gedauert und sie beiden wussten, dass sie für einander bestimmt waren.

Verdutzt sah Mac sie an.

Donna nickte.

"Er hat noch in derselben Nacht um meine Hand angehalten."

"Was haben Sie gesagt?" Mac konnte sich nicht vorstellen, wie sie reagiert hätte. Eine solche Entscheidung musste wohl überlegt sein, konnte nicht übereilt getroffen werden.

"Ja!"

"Ja?"

Bestätigend nickte Donna. "Wenn Ihnen der Richtige begegnet, zögern Sie nicht lange."

Mac schwieg.

Sie sah ihre erste Begegnung mit Harm im Washington Rose Garden, sah, wie er erblasste bis er endlich ihre Hand nahm. Der ersten Fall gegen ihn, wie er sie überlistet hatte.... Nein, mit Harm war es nie so gewesen. Sie mochte ihn von Anfang an, dass konnte sie nicht leugnen, aber erst durch ihre tiefe Freundschaft mit ihm hatte sich mehr entwickelt.

Mac starrte vor sich hin, sah Harms breites Lächeln, seine Augen, die sie spöttisch musterten.

"Es muss schwer für Sie gewesen sein, mich und Sam zusammen zu sehen", unterbrach Donna ihre Gedanken.

Überrascht blickte Mac sie an.

"Ich hab sie im Park gesehen", gestand Mac leise. "Ich hab gesehen, wie er Sie in den Armen hielt....Jo...."

Donna nickte verständnisvoll. Sie konnte gut verstehen, was Mac in diesen Augenblicken empfunden haben musste. Der Mann, den sie liebte, hatte eine andere Frau in den Armen gehalten. Sie wusste, dass Sam das auch getan hatte, dass er sogar verliebt gewesen war.... Manchmal schmerzte es, daran zu denken und dann rief sie sich in Erinnerung, dass er nichts von ihr wusste, nichts von ihrer Liebe, nichts von ihrem gemeinsamen Kind....

"Wie schaffen Sie das", fragte Mac, der der Schmerz auf Donnas Gesicht nicht entgangen war.

"Ich liebe ihn", antwortete Donna schlicht. "Und ich habe Jo, ohne ihn....", sie hielt inne, wollte nicht daran denken, was morgen passieren konnte.

"Es tut mir leid" sagte Mac, "ich wollte nicht...."

"Ist schon gut", wehrte Donna ab. "Ihm wird nichts passieren."

Mac nickte.

"Donna, was passiert mit Harm, wenn Sam....wenn er...." Mac fühlte sich unbehaglich, in diesem Augenblick an sich und ihrem Schmerz zu denken. Auch für Donna stand am morgigen Tag eine Menge auf dem Spiel.

Donna griff nach Macs Hand, drückte sie fest.

"Sam wird nichts passieren!", sagte sie überzeugt. "Er wird zu mir und Jo zurückehren... Ihm wird nichts passieren", flüsterte sie erneut, wandte dann die Augen von Mac und senkte ihren Kopf.

Donnas Körpersprache hatte Mac ihre Frage beantwortet. Eigentlich hatte sie es schon vorher geahnt, aber jetzt wusste sie es ganz sicher. Wenn Sams Leben in Gefahr war, dann war es auch Harms, wenn Sam starb, dann....

Leise liefen Tränen Macs Wangen hinunter. Noch gestern hatte sie mit Harm über einen Fall diskutiert, hatten sie Pläne für ein gemeinsames Abendessen gemacht.

"Sie lieben Harm", stellte Donna fest als sie jetzt in Macs Gesicht sah.

Mac nickte stumm. Es hatte keinen Sinn, es zu leugnen.

Donna legte beide Arme um Mac, drückte sie fest an sich, sanft wiegte sie die junge Frau, wie sie es oft mit Jo tat.

"Ihnen wird nichts passieren!", sagte sie leise. "Sam und Harm, sie werden gesund zu uns zurückkommen."

Macs Kopf ruhte an Donnas Schulter. Sie wollte ihr glauben, wünschte ihre Zuversicht wäre ebenso groß wie Donnas. Sie hatte die beiden zusammengesehen, die Liebe in ihren Augen und hoffte, um ihrer beider Willen, dass sie Recht hatte.

"Es ist schon spät", sagte Donna. "Wir sollten jetzt schlafen."

Mit diesen Worten erhob sie sich, reichte Mac Laken und Kissen aus dem Schlafzimmer und ließ sie allein.

 

Mac wälzte sich noch eine Weile auf der Couch hin und her bis sie in einen tiefen, ruhelosen Schlaf fiel.

Sie lief über eine Straße in einen Park. Ein Mann lag keine 10 Meter von ihr entfern regungslos auf dem Boden. Ihr Atem stockte, unsicher setzte sie einen Fuß vor den anderen.

Je näher sie der Gestalt kam, desto mehr konnte sie erkennen. Eine blaue Uniform... Schulterabzeichen eines Commanders...Gold Wings, die das Sonnenlicht reflektierten.... Ihre Hand fuhr zum Mund, hielten einen Schrei zurück.

Neben dem Mann ging sie in die Knie, drehte seinen Kopf, damit sie sein Gesicht sehen konnte. Erleichert atmete sie auf. Es war nicht Harm... Trotzdem fühlte sie unendlichen Schmerz als sie vorsichtig sein Gesicht mit ihren Händen berührte. Langsam glitten sie sein Haut entlang, fuhren über seine freundlichen, weichen Gesichtzüge, die völlig entspannt waren als würde er friedlich schlafen...

'SAM...', hörte sie eine Frau schreien.

Überrascht sah sie sich nach der Stimme um.

Donna kam auf sie zugelaufen, Tränen und Entsetzen schimmerten in ihren Augen.

'Sam?', flüsterte Mac und drehte sich wieder zu der Leiche.

Eben noch hatte sie in ein ihr fremdes Gesicht gesehen, doch jetzt, nur Sekunden später verwandelte sich Sams Gesicht in das von Harm. Sie sah seine kurzen dunklen Haare, seine Lachfältchen um Augen und Mund...

'Nein.....nein....nein!', schrie sie und rüttelte an Harm. 'Bitte nicht! Harm....bitte, bitte.', flehte sie. Ihr Kopf ruhte jetzt an seiner Brust und sie weinte verzweifelt....

"HARM", schrie Mac und erwachte erschöpft und tränenüberströmt aus ihrem Traum.

 

 
Waitingroom
Stallions Gate, New Mexico

 

Verbeena Beeks, die Psychologin des Projekt, stand schon seit Stunden auf der anderen Seite des Waitingrooms und beobachtete ihren Gast. Seit seiner Ankunft hier, schlief er. Das war nicht ungewöhlich, viele waren von dem Sprung in einer andere Zeit in eine Art Schockzustand gefallen und hatten gar nicht mitbekommen, was mit ihnen passiert war.

Jetzt regte er sich.

Sein Atem wurde flacher und Schweiß stand auf seiner Stirn.

Gerade wollte Verbeena zu ihm gehen, als er sich mit einem Aufschrei aufsetzte.

"MAC!!!!!!!!!!!!!!!"

 

Harm fuhr von der Liege hoch, völlig orientierungslos sah er sich im Raum um.

Kahle weiße Wände umgaben ihn, ein Tisch, zwei Stühle und die Liege, auf der er gelegen hatte - mehr gab es nicht.

Harm schüttelte den Kopf.

'Wo bin ich?'

Dann erinnerte er sich, warum er so plötzlich aufgewacht war.

Seine Hand fuhr an sein Gesicht, ganz deutlich hatte er Macs Hände gespürt, ihre heißen Tränen waren auf seine Wangen gefallen.

Sie hatte geweint und seinen Namen gerufen.

'Blut', er hatte Blut gesehen.

Nach einer Wunde suchend, sah Harm an sich herunter, er konnte aber nichts entdecken außer einem merkwürdigen weißem Anzug, den er trug und der sich wie eine zweite Haut an ihn schmiegte.

'Merkwürdig', er hätte schwören können, dass er Blut, sein Blut an Macs Händen gesehen hatte.

"Mac?", rief er jetzt in den Raum.

Der Traum war ihm so wirklich erschienen, Macs Schmerz so deutlich...

"Mac?"

Als hinter Harm die Tür aufging, drehte er sich in Richtung des Geräusches.

Eine große dunkelhäutige Frau betrat den Raum. Freundlich lächelte sie ihn an.

"Wer sind Sie?", fragte Harm noch ehe sie etwas sagen konnte.

"Meine Name ist Dr. Verbeena Beeks", sagte sie.

"Doktor?"

"Ich bin Psychologin."

"Psychologin? Bin ich....", verwirrt sah Harm sich um. Die Kühle des Raums gab ihm tatsächlich das Gefühl in einem Krankenhaus zu sein.

'Was?'

Vereenba schüttelte den Kopf und lächelte. Ganz deutlich hatte sie die Gedanken des jungen Mannes in seinem Gesicht lesen können.

"Es geht Ihnen gut", sagte sie. "Sie sind in keinem Sanatorium."

Erleichtert atmete Harm auf.

"Wo bin ich dann?", erneut blickte er sich im Raum um.

"Wir nennen das hier den Waitingroom", erklärte Verbeena. "Sie werden eine kurze Zeit hier sein und dann dorthin zurückehren, wo sie hergekommen sind."

"Zurückkehren?"

Verbeena nickte. Jetzt kam der schwierige Teil ihrer Unterhaltung. Bisher hatte Harm einen vernünftigen Eindruck gemacht und sie hoffte, dass er auch dementsprechend reagieren würde.

"Setzen wir uns", forderte sie ihn auf.

Als Harm ihr gegenüber Platz genommen hatte, begann sie mit ihren Erläuterungen.

"Sie sind Teil eines Zeitreisenexpimentes, in dessen Verlauf Dr. Sam Beckett ihren Platz eingenommen hat. Er ist jetzt sie und wird versuchen, einen Fehler in ihrem Leben zu korrigieren."

"Fehler?", Harm fuhr erneut mit den Händen über seinen Körper. 'Blut', er hatte sein Blut an Macs Händen gesehen.

Er wurde blaß.

"Bin ich tot?"

Entschieden schüttelte Verbeena ihren Kopf.

"Nein, Harm. Das sind Sie nicht."

'Blut... Wenn es nicht mein Blut gewesen ist, dann... Mac!'

Harm sprang von seinem Stuhl hoch.

"Mac, ich muss zu Mac", rief er und sah sich nach einem Ausgang suchend im Raum um.

Beruhigend legte Verbeena ihre Hand auf seinen Arm.

"Bitte", flehte er. "Ich muss zu Mac, muss sehen, dass es ihr gut geht..."

"Harm, es geht ihr gut. Sam passt auf sie auf", beschwor sie.

"Blut", flüsterte Harm. "Ich habe Blut gesehen."

Verständnislos sah Verbeena ihn an.

Harm nickte.

"Da war Blut an ihren Händen....sie hat geweint und meinen Namen gerufen.....ich...oder sie, ich weiß es nicht....", verweifelt suchte er nach einem Ausweg. Das Bild einer trauernden Mac ging ihm nicht aus dem Kopf.

"Sie haben geträumt", stellte Verbeena sanft fest.

Zögernd nickte Harm.

"Ihr ist nichts passiert und auch Ihnen wird nichts passieren", sagte Verbeena und versuchte ihm in die Augen zu sehen, um ihre Aussage zu bekräftigen.

"Warum ist Sam dann dort?", fragte Harm plötzlich. Sein Blick hielt den ihren fest, gab ihr keine Gelegenheit, ihm auszuweichen.

"Ich.....", Harm hatte sie mit seiner Frage überrascht.

"Warum ist er dort", fragte er noch einmal. "Was wird passieren?"

"Sam ist ihretwegen dort", gab Verbeena zu. "In der Originalgeschichte sind sie gestorben."

"Gestorben?", flüsterte Harm und wich von ihr zurück.

'Nein! Er konnte nicht gestorben sein. Er hatte noch so viel vor, so viele Pläne....', ungläubig schüttelte Harm seinen Kopf. 'Nein. Das durfte nicht passieren. Nicht bevor er mit Mac gesprochen hatte, nicht, bevor sie wusste, was er wirklich für sie empfand. Er konnte nicht tot sein.'

"Harm", unterbrach Verbeena seine Gedanken.

Er schüttelte abwehrend seinen Kopf.

"Ich kann nicht sterben", sagte er und begriff im gleichen Augenblich, wie unsinnig diese Aussage klang.

"Das werden Sie auch nicht", beteuerte Verbeena.

Hoffnungsvoll sah er sie an.

"Sie werden nicht sterben", sagte Verbeena mit mehr Nachdruck. "Sam gibt Ihnen einen zweite Chance, nutzen Sie sie!"

Harm nickte bejahend.

Der Traum und das Wissen, dass es jederzeit vorbei sein konnte, ließen ihn erkennen, was wirklich wichtg war in seinem Leben. Nicht die Fliegerei oder die Navy, sein Beruf als Anwalt. Das alles bedeutet nichts, gar nichts, wenn er Mac verlieren sollte.

"Ich liebe sie", flüsterte Harm.

Überrascht sah Verbeena ihn an, erkannte aber sofort, dass Harm mit seinen Gedanken ganz woanders war und sie nicht gemeint hatte. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.

"Dann sagen Sie ihr das auch".

Harm nickte.

Ja, er würde ihr nicht mehr ausweichen, wie er es sooft getan hatte, sich nicht mehr vor seinen Gefühlen verstecken, er würde das Risiko eingehen.

"Ruhen Sie sich etwas aus", sagte Verbeena und geleitete den noch immer gedankenverlorenen Harm zu seiner Liege.

Noch ehe sie den Raum verließ, war Harm eingeschlafen.

 

 
Hotel
Washington D.C.

 

Mac hatte Angst, wieder einzuschlafen, Angst, der furchtbare Traum könnte zurückkehren.

Ganz deutlich sah sie Sams Gesicht, das sich in Harms verwandelte.

Langsam stand Mac auf, schlich sich leise an das Kinderbett, in dem Jo friedlich zusammengerollt schlief. Sie betrachtete ihn genau, jetzt, wo sie wusste, wie sein Vater aussah.

Sanft berührte Mac die kleine weiße Strähne, strich sie ihm aus der Stirn.

"Ich werde gut auf ihn aufpassen, Sam", flüsterte sie während sie das schlafende Kind beobachtete.

"Mac?", hörte sie hinter sich Donnas Stimme.

"Er ist das Abbild seines Vaters", sagte Mac leise ohne sich zu Donna umzudrehen.

Überrascht weiteten sich Donnas Augen.

"Woher...?"

"Ich habe Sam in meinem Traum gesehen", langsam drehte sie sich zu ihr. "Ich habe gesehen, wie er sich vor meinen Augen in Harm verwandelt hat, ich...", Tränen begannen ihre Wangen hinunter zu laufen.

"Schsch....Mac", Donna breitete ihre Arme aus, zog sie an sich. "Es war nur ein Traum", sagte sie leise. "Ein Traum, weiter nichts."

Schluchzend nickte Mac, dann straffte sie ihre Schulter und rückte von Donna ab.

"Sie sollten wieder schlafen gehen", sagte sie und versuchte zu lächeln.

"'Du'", bot Donna an. "Unter diesen Umständen sollten wir nicht so förmlich sein." Sie lächelte.

Mac griff nach Donnas Hand und drückte sie.

"Danke!"

Donna nickte.

"Gute Nacht", flüsterte sie, warf noch einen Blick auf das schlafende Kind und ging in ihr Schlafzimmer.

Mac stand noch eine Weile am Kinderbett. Bilder von der Zukunft, die sie sich oft vorgestellt hatte, kamen ihn ihr hoch.

Sie und Harm. Ein kleines Haus. Ein kleiner Junge mit dem unwiederstehlichen Lächeln seines Vaters, der durch den Garten tobte. Vielleicht irgendwann ein Schwesterchen...

Mac wischte ihre Tränen fort. Sie würde nicht zulassen, dass diese Zukunft in Gefahr geriet. Sie wollte ein Haus mit Garten, ein Kind und sie wollte es zusammen mit Harm und nur mit Harm. Dafür würde sie kämpfen.

 

 
Harms Apartment
North Of Union Station, Washington D.C.

 

Auch Sam fand in dieser Nach keinen Schlaf. Soviel war passiert und die Ereignisse des morgigen Tages konnten sein Leben für immer verändern.

Es stand so viel auf dem Spiel: sein Sohn Jo, Harms Leben und Macs Glück.

Sam schüttelte seinen Kopf, versuchte die Gedanken an das 'was wäre wenn' zu vertreiben. Er hatte Al an seiner Seite, zusammen würden sie, wie schon hundert Mal vorher, die Situation meistern. Mac würde auf Jo achten. Sie hatte es versprochen und Sam vertraute ihr, wie sie ihm vertrauen musste. Sie hielten jeder das Glück des anderen in den Händen.

Anfangs war er zu beschäftigt gewesen, um auf Mac zu achten. Seine Freunde, Donna und Jo in den Armen zu halten, war zu groß gewesen als das ihm aufgefallen wäre, wie Mac sie beobachtet hatte. Der Anblick im Park musste ihr das Herz gebrochen haben, dachte Sam jetzt.

"Sam?", erklang plötzlich Als Stimme.

"Wie spät ist es?", fragte Sam und erhob sich vom Bett.

"Bei mir oder hier?", Al lächelte ihn verschmitzt an.

"Al!"

"7 Uhr."

Unter Als Anleitung zog Sam sich Harms Uniform an. Vor dem Spiegel blieb Sam stehen und betrachtete sich, versuchte zu erkennen, was Mac sah, wenn sie ihn anschaute.

Ein Mann, größer als er selbst, mit blau-grünen Augen starrte ihm ernst entgegen. Um seine Augen- und Mundwinkel zogen sich kleine Lachfältchen. Sam versuchte zu lächeln, es gelang ihm nicht ganz, aber das kurze Aufblitzen eines Grinsens ließen ihn erkennen, welche Wirkung es haben musste.

"Was ist?", fragte Al misstrauisch.

Sam schüttelte seinen Kopf.

"Ich habe an Mac und Harm gedacht", sagte Sam. "Sie hat erkannt, dass ich nicht er bin... Al", Sam drehte sich zu ihm um, "was sagt Ziggy über ihre Zukunft? Werden sie je zusammenfinden?"

Das Hologramm drückte einige Tasten auf dem Handlink, schüttelte dann bedauernd den Kopf.

"Tut mir leid Sam, Ziggy weiß es nicht. Es wird vom heutigen Tag abhängen."

Zustimmend nickte Sam. So viel würde von diesem einen Tag abhängen...

"Was tun wir jetzt?"

"Du solltest Harms normalen Tagesablauf folgen."

Fragend sah Sam ihn an.

"Als erstes hast Du ein Treffen mit einem Klienten im Büro."

"Klienten? Al, ich bin doch kein Anwalt", wandte Sam ein.

"Keine Sorge, Sam", beruhigte ihn Al. "Ziggy sagt, dass Du in diesem Fall nur zweiter Anwalt bist. Dein Freund und Kollege Lt. Bud Roberts führt die Verteidigung."

Erleichtert nickte Sam und machte sie dann au den Weg.

 

 
Hotel
Washington D.C.

 

Zusammen mit Donna und dem kleinen Jo hatte Mac ausgiebig gefrühstückt.

Sie genoss die Gesellschaft der beiden, freute sich über Jo, der aufgeweckt durch Zimmer lief, sie in die Arme nahm und drückte und sie genoss Donnas Nähe. Schon nach so kurzer Zeit bezeichnete sie sie als Freundin.

"Draußen", rief Jo gerade und zeigte zur Tür.

Erschrocken hob Donna ihren Kopf.

"Wir bleiben heute hier", sagte sie und holte Spielzeug aus dem Nebenraum.

Dafür interessierte sich Jo aber überhaupt nicht. Er nahm seine Schuhe, hielt sie erst seiner Mutter und dann Mac hin.

"Draußen", wiederholte er.

"Jo..."

"Donna", unterbrach Mac sie. "Wir können doch in den Park gehen", schlug sie vor. "Dort gibt es weit und breit keine Straße", fügte sie hinzu als sie Donnas besorgtes Gesicht sah.

Langsam nickte Donna.

Am liebsten würde sie sich und ihren Sohn den ganzen Tag im Hotelzimmer einschließen, aber sie wußte, dass das auch keine Lösung war.

"Gut", sagte sie und strahlte Jo an. "Wir gehen in den Park."

Aufgeregt hüpfte der Junge durchs Zimmer und zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der beiden Frauen.

 

 
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

 

Die Besprechung mit einem jungen Petty Officer verlief gut, fand wenigstens Sam. Er saß stumm neben Lt. Bud Roberts, der ernst und sachlich seine Fragen an den Petty Officer stellte. Konzentriert machte sich der junge Mann Notizen, Sam hatte das Gefühl, dass er ganz genau wusste, was er tat.

"Das wars auch schon, Petty Officer Jones", sagte Lt. Roberts und erhob sich. "Wir sehen und dann am Montag bei der Verhandlung."

Ängstlich sah der Petty Officer ihn an.

"Machen Sie sich keine Sorgen", Bud legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. "Es wird alles gut werden."

Petty Officer Jones nickte zögernd und verließ dann das Büro.

"Gute Arbeit", lobte Sam und hoffte, dass dem so war. Er war schließlich kein Anwalt.

"Danke, Sir!"

Sam nickte.

"Wo ist der Col.", wollte Bud von ihm wissen.

"Der Col.?", fragend hob Sam die Brauen.

"Col. MacKenzie, Sir."

"Oh...natürlich....Mac sie ist... sie hat heute Urlaub."

"Es geht ihr doch gut?"

"Ja Lt, machen Sie sich keine Sorgen." Mit diesem Worten ging Sam in sein Büro und schloß die Tür hinter sich. Er hoffte, dass das, was er eben dem Lt gesagt hatte, wirklich die Wahrheit war. Das es Mac und damit auch seiner Familie gut ging.

"Wie läuft's", fragte Al, der plötzlich neben ihm auftauchte.

"Wo sind Donna und Jo", fragte Sam statt auf Als Frage zu antworten.

Al zog das Handlink aus der Hosentasche und holte die Informationen von Ziggy ein.

"Sie sind im Park", sagte er.

"Im Park?"; Sam war aufgesprungen. "Warum sind sie nicht ihm Hotel? Sie...."

"Sam, sie können sich doch nicht den ganzen Tag im Hotelzimmer einsperren" sagte Al. "Außerdem, was soll im Park schon passieren, dort gibt es keine Straßen."

"Frag Ziggy, Al. Frag sie, ob sich irgendetwas verändert hat!", forderte Sam auf dem Weg zur Tür.

"Oh, nein", Als Gesicht wurde blaß als er die Daten vom Handlink ablas.

"Was?" Erschrocken blieb Sam stehen, sah in das bleiche Gesicht seines Freundes.

"Sie haben die Geschichte verändert", flüsterte er. "Jo, er wird nicht mehr von einem Auto angefahren. Er fällt...."

"..Fällt?"

"...vom Klettergerüst."

Sam rannte aus dem Gebäude zu Harms Auto.

 

 
Park
Washington D.C.

 

Es war ein wunderschöner Tag und noch andere waren auf den Gedanken gekommen, mit ihren Kindern in den Park zu gehen.

Wähend Mac und Donna, die sich allmählich entspannte, auf einer Parkbank saßen, spielte Jo mit anderen Kindern seines Alters.

Mac lachte laut auf als Jo einem kleinen Mädchen ihre Schippe gab, die ein anderer Junge ihr gerade weggenommen hatte.

"Er ist phantastisch", sagte sie.

Donna nickte.

"Ein Geschenk Gottes. Wer weiß, wo ich ohne ihn heute wäre."

Überrascht sah Mac ihre neue Freundin an.

"Sam ist seit 2 Jahren fort", erklärte sie leise, "niemand weiß, wann und ob er überhaupt zurückkehren wird."

Mac nahm Donnas Hand, drückte sie leicht.

"Es war so schwer, ihn wieder gehen zu lassen", eine Träne lief ihre Wange hinunter. Sie dachte an die kurze Zeit, die Sam zu Hause gewesen war. Sie hatte gehofft, dass er für immer bei ihr bleiben würde, aber als dann Ziggy sagte, dass Al sterben würde, wenn Sam nicht wieder sprang, hatte sie gewusst, dass er es tun würde. Sie hatte es verstanden und doch...

"Ich wollte aufgeben", gestand sie und sah Mac in die Augen. "Ich konnte nicht dort bleiben....ich...," sie schüttelte ihren Kopf. "...als ich erfuhr, dass ich schwanger war und Jo dann auf die Welt kam... Ein Teil von Sam war nun immer bei mir...Er gab mir die Kraft, weiterzumachen, zu warten..."

"Sam hat wahnsinniges Glück, Dich zu haben", sagte Mac.

Donna lächelte.

"Harm hat auch Glück..."

 

 
Washington D.C.

 

Sam fuhr ohne besonders auf den Verkehr zu achten durch die Straßen Washingtons.

"Wann, Al?", rief er und schlug mit den Händen aufs Lenkrad als vor ihm eine Ampel auf rot umschaltete.

"10 Minuten", flüsterte das Hologramm.

Sam gab Gas...

"Noch was, Sam", sagte Al und sah seinen Freund von der Seite an. "Ziggy sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Du im Park getötet wirst, bei 79% liegt."

Erschrocken fuhr Sam herum, minderte aber nicht die Geschwindigkeit des Autos.

"Sam..."

Er schüttelte abwehrend seinen Kopf.

"Nein", sagte Sam. "Sie wissen nicht, was passiert. Ich kann nicht zulassen, dass Jo ...ich..."

"Was wird aus Harm und Mac?", wandte Al ein. "Sie werden keine Zukunft haben, wenn Dir etwas passiert."

Sam wischte sich mit den Händen über die Augen.

'Was soll ich tun?'

"Sieh Dich im Park um", forderte Sam sein Hologramm auf. "Vielleicht kannst Du den Täter entdecken...vielleicht können wir so..."

Unschlüssig schüttelte Al seinen Kopf.

"Tu es einfach", schrie Sam fast und trat aufs Gas.

 

 
Park
Washington D.C.

 

Mit quietschenden Reifen brachte Sam den Wagen auf dem Parkplatz zum Stehen.

Er sprang aus dem Auto, sah sich suchend um.

Donna und Mac konnte er undeutlich auf einer Bank sitzend erkennen. Jo musste auf dem Spielplatz sein.

Er lief los.

 

Mac und Donna sahen zum Spielplatz als dort Tumult entstand.

Der Junge, dem Jo vorher die Schippe abgenommen hatte, kletterte jetzt hinter ihm am Gerüst empor, zog an Jos Hose.

Noch ehe Donna oder Mac auch nur einen Ton von sich geben konnten, sahen sie Jo fallen.

Wie in Zeitlupe ruderten seine kleine Arme in der Luft....

 

"JO!", schrie Sam, der seinen Sohn stürzen sah.

"Sam, RUNTER!", rief Al, der aus dem Nichts neben Sam auftauchte.

Ohne zu zögern warf Sam sich auf den Boden. Noch im Fallen hörte er das zischende Geräusch einer Kugel, die Nahe an seinem Ohr vorbeiflog. Doch das kümmerte ihn nicht. Nur den Bruchteil einer Sekunde später, war er wieder auf den Beinen.

"Jo!", rief er erneut, erkannte aber, dass er nicht mehr rechtzeitig ankommen würde, um seinen Sohn aufzufangen. Von purer Verzweiflung getrieben, rannte er auf den Spielplatz zu.

 

Für Donna und Mac schien der Sturz Stunden zu dauern.

Der Moment des gelähmtes Entsetzens war vorbei und sie liefen auf den Jungen zu.

 

"Ma...", hilflos ruderte Jo mit den Armen als kurz vor seinem Aufprall zwei Hände wie aus dem Nichts auftauchten und ihn sicher auffingen.

Angela drückte das erschreckte Kind an ihre Brust, sprach sanft und leise auf ihn ein als Donna, Mac und Sam endlich den Spielplatz erreichten.

"Jo!", riefen Sam und Donna gleichzeitig. Ihre Hände glitten am Körper des Kindes entlang, um sich zu überzeugen, dass ihm nichts passiert war.

Donna drückte ihn an sich, immer wieder küsste sie sein Gesicht während Tränen ihre Wange entlangliefen.

Sam nahm sie beide in den Arm, drückte sie fest an sich, er konnte sein Glück nicht fassen als er dankbar zu Angela sah.

"Danke!", flüsterte er und seinen Augen schimmerten feucht.

Angela nickte glücklich.

"Ich bin Dein Engel", sagte sie sanft lächelnd und fuhr mit einer Hand über Sams Gesicht.

"Auf wiedersehen, Sam", sagte sie und entfernte sich.

Sam sah ihr nach bis sie unter den Bäumen des Parks verschwand.

 

Mac stand etwas abseits von den dreien.

Tränen der Schuld bildeten sich in ihren Augen. Sie hatte Sam versprochen, auf seinen Sohn aufzupassen und sie hatte versagt. Wenn Angela nicht gewese wäre, wer weiß, was passiert wäre.

Sie wollte sich abwenden als sie Sam nach ihr rufen hörte.

"Mac!"

Langsam drehte sie sich zu ihm, sah in sein Gesicht. Er strahlte vor Glück und Erleichterung, in seinen Armen hielt er noch immer seine Frau und seinen Sohn.

Sam streckte eine Hand nach ihr aus.

Mac ging auf ihn zu, ergriff seine ausgestreckte Hand.

"Es tut mir leid", flüsterte sie und senkte ihren Kopf.

"Es geht ihm gut", sagte Sam und lächelte sie an.

Plötzlich erinnerte er sich an die Kugel, die nahe an ihm vorbeigeflogen war, er wurde blaß. Suchend sah er sich um während er Donna, Jo und Mac mit seinem Körper zu schützen versuchte.

"Al", rief er. "Al!"

Er drehte sich im Kreis, die Frauen und seinem Sohn immer hinter sich.

"Es ist in Ordnung, Sam", beruhigte ihn Al. "Er ist weg."

"Weg?"

Al nickte.

Erleichtert atmete Sam aus.

"Was ist passiert?"

"Ich weiß es nicht", Al zuckte mit den Schulter. "Harm lebt ziemlich gefährlich und auch Feinde hat er nicht gerade wenige... Ich weiß nur, dass es diesmal nicht geklappt hat und das sollte uns reichen."

"Aber Al....", wollte Sam einwenden.

"Er hat ein langes Leben vor sich", beruhigte ihn Al. "Sie wird schon auf ihn aufpassen", sagte Al und deutete auf Mac. "Deine Mission ist erfüllt."

"Nein", erschrocken sah Sam seinen Freund an.

"Sam", Donna nahm sein Gesicht in ihre Hände und drehte es zu sich.

"Ich weiß nicht...", verzweifelt sah er seine Frau und seinen Sohn an. Er wußte nicht, wie lange ihm noch für seinen Abschied bleiben würde.

Donna nickte. Schon einmal hatte sie diese Situation erleben müssen, aber diesmal würde sie nicht allein zurückbleiben müssen. Sie hatte Jo, Sams Sohn und das würde ihr die Kraft geben, auf ihn zu warten.

"Ich liebe euch", sagte Sam, küsste erst Jo und dann Donna.

 

Sam hielt noch immer Macs Hand, die ihren Abschied gerührt beobachtete. Wie groß musste die Liebe der beiden sein, dass sie solch eine Trennung überstehen konnten. Sie hoffte, dass auch ihr und Harm soviel Glück beschieden sein würde.

Als hätte Sam ihre Gedanken gelesen, wandte er sich erneut an sein Hologramm.

"Was wird aus Mac und Harm?", fragte er während er in Macs Augen sah.

"Sie werden heiraten", sagte Al und lächelte.

Plötzlich gab das Handlink aufgeregte Geräusche von sich.

"Was...?". wollte Sam fragen als er Als glückliches Gesicht sah.

"Sam.... Du und Donna... ihr werdet ihre Trautzeugen sein".

Hoffnungsvoll fuhr Sams Kopf hoch. Abwechselnd betrachtete er Donna und Mac, Tränen der Freude liefen seine Wangen hinab.

"Wann, Al? Wann....?, fagte er als er den plötzlichen Abschied spürte.

"Bald!", flüsterte Al doch Sam konnte seine Worte nicht mehr hören....

 
Ende

 
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