Zurück
 

All False Things

© by Meredith Bronwen Mallory (),
übersetzt von Jimaine ()

 

Disclaimer: Nichts gehört dieser armen Autorin, sondern die Besitzer sind und bleiben TPTB von 20th Century Fox. Es sollen weder Rechte noch irgendwelche Gefühle verletzt werden.
Author's Notes: Wie Leigh bin ich total begeistert von der Inspiration, die ich durch dieses Fandom bekomme! Ich habe noch nie so viele Stories so dicht hintereinander geschrieben!
Diese Geschichte ist vielleicht etwas seltsam, aber wer bin ich, daß ich mit den Stimmen in meinem Kopf streite? ^^; Situiert nach dem Ende der Serie, denn wir wissen ja alle, daß B.J und Hawkeye nicht für lange Zeit getrennt bleiben können. ^_^
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der Mash-Seite

 

Vielleicht sollte ich Ihnen all dies nicht schreiben, Mr. Hunnicutt.

Vielleicht, vielleicht sollte ich Sie vollständig aus meinem Gedächtnis streichen. Der Himmel weiß, ich werde Sie nie wiedersehen. Sie werden nur ein Ausdruck auf dem Gesicht meines Sohnes sein, diffus und glücklich und zugleich schmerzvoll; er wird jedoch vergehen, und abgesehen von kurzen Aufenthalten in einem Bostoner Hotel ab und an wird mein Sohn ganz zu Hause sein.

Er ist mein Sohn, verstehen Sie, und deswegen kann diese Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen. Auch wenn ich's gerne täte. Sie haben eine Tochter, sagten Sie - Amy, Tarin...Erin, etwas in der Richtung - also müssen Sie es verstehen, eine Ahnung haben...

Der Gedanke, daß Sie nicht verstehen, daß Sie Ihre Tochter nicht genauso lieben wie ich meinen Sohn, würde mir gefallen, aber da spricht die Selbstsucht aus mir. Ich würde es gerne glauben, gerne das Schlechteste von Ihnen denken und Sie durch den Dreck ziehen. Aber ich halte mich in gleichem Maß für eine ehrliche Person und kann mich nicht allzu lange selbst beschwindeln - ich werde hören, wie Hawkeye mit Ihnen telefoniert, die Art wie er Dinge *sagt*, und die Illusion durchschauen, sie als das sehen, was sie ist. Ein pathetischer Schleier.

Ich würde gerne glauben, daß Sie ein guter Mensch und liebender Vater sind; ich würde gerne denken, daß wir diese Dinge gemeinsam haben.

Manchmal sitze ich nachts ganz still da und frage mich - was denkt Ihre Frau darüber? Welche Worte gingen ihr im Kopf herum, als Sie die ersten Tickets ans andere Ende des Landes kauften? Ins Niemandsland, in eine kleine Stadt, von der sie vermutlich noch nie etwas gehört hatte, um einen Mann zu treffen, den sie nur aus Ihren Briefen kennt? Mir war ein Luxus vergönnt, den sie nicht hat - ich habe Sie kennengelernt, doch sie hat nie mit meinem Sohn gesprochen. Oder vielleicht doch. Vielleicht ist sie der Grund dafür, daß Hawkeye manchmal so verlegen mit dem Hörer hantiert, ihn zwischen Wange und Schulter einklemmt und sagt, 'Ah, könnte ich bitte mit B.J. sprechen?'

Wie ein Kind, so sehr wie seine Mutter, mein Hawkeye. Mein Ben, so wie mit fünf Jahren war, denke ich, und kann ihn sagen hören, 'Kann B.J. zum Spielen rauskommen?' Als ob Mrs. Hunnicutt Ihre Mutter ist und nicht Ihre Frau.

Vielleicht ist es das, was mich stört - die Tatsache, daß Hawkeye über sie *redet*, über Ihre Frau, sie einbringt in einer beiläufigen Einzelsilbe. Peg.

'Peg und B.J. bauen ein neues Haus. Blick auf die Golden Gate und so weiter - das wollten sie schon vor ihrer Hochzeit.'

'B.J. will eine eigene Praxis eröffnen. Peg gefällt die Idee.'

Und ich kann aus seiner Stimme oder seinen Augen nicht erkennen, was er wirklich denkt.

Der Herr ist mein Zeuge, ich bin kein Experte für zwischenmenschliche Beziehungen. Ich habe mein ganzes Leben in dieser einen Stadt gelebt - der Ozean da draußen ist wie mein Blut, dies ist mein Heim, und selbst wenn Jehova höchstpersönlich vom Himmel herunterkäme und mir sagte, ich solle weichen, würde ich es nicht tun. Alles, was ich je hatte, waren meine Frau - möge sie in Frieden ruhen - und mein Sohn. Verstehen Sie das nicht? Können Sie sich vorstellen, wie das ist, wenn der Körper meines Sohnes hier am Küchentisch sitzt und Witze macht, ich aber *weiß*, daß ein Stück von ihm fehlt? Das Stück, das Sie mit sich genommen haben, in Ihrem Koffer, zusammen mit Ihren guten Socken und dem furchtbaren rosa T-Shirt.

Hawkeye war mein Sohn lange bevor die Idioten vom Einberufungsbüro ihn in ein kleines Fleckchen Hölle verfrachteten, und lange bevor er Ihr bester Freund war. Oder Ihr Geliebter.

Da, bitte, ich habe es ausgesprochen.

Oh, Sie wissen, daß ich es weiß. Wie Hawkeye sagen würde, ich weiß, daß du weißt, daß ich weiß, daß du weißt, daß ich weiß.

Ich weiß es.

Nein, nein, nein.

Aber hier steht es, hier auf diesem verfluchten Stück Papier, und dadurch, daß es aufgeschrieben ist, wird es real. Maddoc - meine Frau - glaubte an die Macht der Worte; Worte geben Ideen Gestalt, Worte machen Dinge greifbar. Es gibt keine Möglichkeit, vage zu sein - Sie sind der Geliebte meines Sohnes.

Wissen Sie, was mein erster Gedanke war, als Hawkeye in seinem abgetragenen roten Bademantel die Treppe herunter kam, nein, *rannte*, zwei Stufen auf einmal nehmend, und rief, "Dad, Dad, er kommt!"? Mein erster Gedanke, das allererste, was mir durch den Kopf schoß, als Hawk wieder normal reden konnte, war, "Gottseidank." Diese Mistkerle haben mir noch nicht mal meinen Sohn in einem Stück zurückgegeben. Oh, sicher, alle Finger und Zehen waren vorhanden, Arme und Beine auch, aber Hawkeye war, wie es meine Maddie gewesen war, kurz bevor sie starb. Er war verloren in seinem eigenen Körper, rasselte zwischen seinen Rippen herum, weit entfernt von sich selbst. Er versuchte, so wie Maddie, zu lächeln und sich an alte Gewohnheiten zu erinnern, aber ich konnte es sehen. Und dann, zum ersten Mal, war sein Lächeln breit und ehrlich, als er mir sagte, daß sein Freund aus dem Krieg zu Besuch kommen würde...und dann erst fragte, ob das in Ordnung sei. Vor Ihrer Ankunft hat er eine Woche am Gästezimmer gearbeitet, hat es fertiggemacht, aufgeräumt und geputzt. Wir haben nicht so oft Besuch und nutzen es hauptsächlich als Lagerraum. Aber Hawkeye hat daraus *Ihr* Zimmer gemacht - er nannte es sogar so, 'B.J.s Zimmer'.

Wäre schon gut für ihn, sich daran zu erinnern, daß es in diesem Krieg auch einige Lichtblicke gab, nicht wahr?

Täte ihm gut, einen Kumpel zum Reden zu haben, jemanden, der das gleiche erlebt hat?

Jemanden in seinem Alter, wie ein Bruder.

Oder so etwas.

Mein Gott, ich erinnere mich an das erste Mal, daß Hawk ein Mädchen mit nach Hause brachte. Becky Lynn Miller (mittlerweile verheiratet, wohnt in Pittsburgh, fünf Kinder, ein Ehemann und zwei Hunde) von der Farm am Ende der Straße, so frisch und unschuldig in ihrem blauen Kleid. Meine Maddie hat immer Blau getragen, wissen Sie - es war ihre Lieblingsfarbe, sozusagen ihr Symbol. Maddoc war so klein und doch so stark, ich war mir nicht sicher, daß sie die Geburt überstehen würde, nicht nach den stundenlangen Wehen, wo sie inmitten des großen Bettes saß und schließlich atemlos schrie, daß sie nicht mehr pressen könne. Ich dankte Gott - in den seltsamsten Momenten erinnere ich mich an ihn - daß ich einen Kollegen aus Boston hinzugezogen hatte, um mir bei der Geburt zu assistieren. Meine eigenen zwei Hände, trotz ihres Könnens, hätten sie nicht von ihrem Leid erlösen können. Das Baby, so sagte mein Freund, hatte die Nabelschnur teilweise um den Hals liegen und es - 'Es', er bezeichnete meinen Sohn tatsächlich als ein 'es', versuchte, etwas Distanz zu schaffen - stand kurz davor, sich im Mutterleib zu erhängen.

Und Maddie, als alles gesagt und getan war und sie unseren Jungen sicher an ihre Brust drücken konnte, sagte zu mir, 'Du mußt sterben, um geboren zu werden.'

Dann öffnete mein Kind zum ersten Mal seine Augen, zwei perfekte blaue Kreise, ein Blau, das ich seitdem nirgendwo gefunden habe. Maddies Lieblingsfarbe, außergewöhnlich und einzigartig. Alle Babys werden mit blauen Augen geboren, aber mein Sohn ist so geblieben.

Es vergeht also eine Woche seit Hawkeye die Treppe hinuntergepoltert kam und sein wahres Lächeln zeigte, zum ersten Mal seit vor dem dreimal verfluchten Krieg. Polizeiaktion - was immer es war. Ich öffne die Vordertür, um einen frischrasierten Chorknaben vorzufinden, und *seine* Augen sind blau. Nicht wie Hawkeyes, aber für sich genommen ansehnlich genug, denke ich. Augen sind blau, der Himmel ist blau, der Ozean ebenfalls - Maddie hat das geliebt.

 

(Und was würde *sie* wohl zu Ihnen sagen?)

 

Da sind Sie, auf meiner Veranda, Koffer in der Hand und die Jacke über dem Arm gefaltet, und bevor ich ein Wort sagen kann, höre ich die Stimme meines Sohnes hinter mir, einem Jubelschrei gleich.

"Hey, Beej!" Ich trete beiseite, sehe zu, wie Sie Ihren Koffer auf die staubigen Planken fallen lassen, um meinen Sohn richtig umarmen zu können. Ich sehe zu, wie ihr euch umschlingt - ein kumpelhafter Klaps, na klar, aber vielleicht etwas zu langgezogen - einmal, zweimal. Ihr tretet auseinander, seht euch an, umarmt euch erneut. Das ist das Wort, das ich gebrauchen muß - nicht drücken, sondern umarmen. Ich nenne es so, wie ich es sehe. Hawkeye, einen Arm um Ihre Schulter gelegt, sagt, "Dad, das ist B.J. Hunnicutt, der beste Chirurg in ganz Korea oder sonstwo - abgesehen von dir und mir natürlich." Wir nicken einander höflich zu, Sie und ich - Sie nehmen meine Hand, drücken sie fest, ganz und gar ehrlich, schütteln sie.

"Schön, Sie kennenzulernen", sage ich, doch meine Augen hängen an Ihrer linken Hand, die so unschuldig auf der Hüfte meines Sohnes liegt. Einen Rhythmus dort klopfen.

Dann führt Hawkeye Sie die Treppe hinauf und in Ihr Zimmer, trägt in der einen Hand Ihren Koffer und vollführt mit der anderen Gesten wie ein Touristenführer. Er sagt, "B.J., wenn du gekommen bist, um deine gestohlenen Socken zurückzuholen, bist du zu spät dran. Ich habe sie benutzt, um Nachbars Pudel vom Rasen fernzuhalten."

Sie kontern mit, "Ich habe mit deinen die Kakerlaken im Keller ausgerottet", und dann ist da leises, unterdrücktes Lachen, das mich abrupt kehrtmachen und in die Küche flüchten läßt, um mit dem Abendessen anzufangen.

Abendessen - Muschelsuppe, Hummer, Brot und Butter, wir drei am ohnehin schon zu kleinen Küchentisch. Ihr beide habt euch unaufhörlich den Ball zugespielt, hin und her, mühelos und geübt, nebenbei Worte des Lobes über das Essen und Neuigkeiten in euer beider Leben.

Mag sein, daß Sie dachten, ich würde nicht hinsehen, als Hawkeye sich rüberlehnte und mit einem Finger an Ihre Oberlippe tippte. Und sagte, "Was ist mit dem Schnurrbart passiert, Beej?"

Sie wissen natürlich, daß Sie antworteten, 'Peg mochte ihn nicht.'

Warum sollte es mich stören, daß Sie Ihre Frau erwähnen, wenn Sie am Eßtisch sitzen mit Ihrem Liebhaber und dessen Vater?

Nein, ich habe nicht automatisch angenommen, daß da etwas ist. Welcher Vater würde das schon, welcher Vater tut das? Die Gedanken bewegten sich durch meinen Kopf, flüssige Schemen, eine Ahnung, wie Blätter, die sich vor einem Sturm umdrehen. Ich erinnerte mich an Hawkeyes Anruf, nachdem diese Khaki-Idioten mir gesagt hatten, daß er tot sei, und wie er mir erzählte, daß er seine Flucht schon genau geplant hatte. "B.J.", sagte er am Ende, "hat mich zum Bleiben überredet."

Es ist die *Art*, wie Worte gesagt werden, die ihnen Macht verleiht. Auch das ist Teil von Maddies Weisheit.

Auch dachte ich an jedes Mädchen, das er je zum Essen herbrachte, jede Krankenschwester, von der er je geschwärmt hatte, seine oberflächlichen Flirts mit allen Mädchen in der Stadt. Ich weiß nicht, wo er das herhat - ich kann Scherze machen, ja, aber habe ich keineswegs eine Silberzunge, und Maddoc neigte dazu, Leuten Angst einzujagen mit ihren ernsten Worten und dunklen Augen. Nach Hawkeyes Geburt war sie mit ihm im Arm eingeschlafen und träumte, daß eine graue Frau kam und ihm in die Zunge schnitt, nur ein kleines Bißchen. Maddie sagte, es bedeute, daß er immer wissen würde, was zu sagen sei, daß er jede Sprache sprechen könnte, wenn er es wollte, und den Teufel im Süßholzraspeln übertreffen könnte.

Hier haben Sie Ihre Erklärung.

Ich weiß nicht, ob Hawkeye über seine Mutter spricht, aber bestimmt wissen Sie, daß sie tot ist. Allerdings glaube ich mich zu erinnern, daß Sie mir gegenüber etwas über die Platzangst meines Sohnes sagten. Also wissen Sie vielleicht doch, daß sie wunderbar und fremdartig war, und daß Hawkeye soviel mehr von ihr hat als von mir und gleichzeitig von keinem von uns. Er war da, als sie starb, zitterte und Blut hustete in dem Bett, in dem sie ihn geboren hatte, dem Bett, in dem wir uns geliebt hatten. Dem Bett, in dem ich heute noch schlafe. Hawkeye hielt ihre Hand, hörte zu, wie sie ihm von der Stadt der Toten erzählte, und dann...er kam die Hintertreppe herunter, stand in der Küche, wirkte so klein im Türrahmen, und sagte, "Daddy, Mama atmet nicht mehr. Kannst du kommen und ihr sagen, daß sie wieder anfangen soll?"

Er war gerade erst zehn.

Ich bin schon weitaus länger ein Witwer als daß ich tatsächlich verheiratet war. Jetzt denke ich daran, wie Hawkeye sagte, daß Sie Peg jeden Tag geschrieben haben und bei der Verteilung der Post immer drei oder vier Briefe von ihr bekamen. Wann haben Sie aufgehört, ihr die Wahrheit zu sagen, wann wurden die Worte zwischen den Zeilen, zwischen den wirklichen Worten, nicht zu "Ich vermisse dich Ich hasse diesen Ort Ich vermisse dich", sondern zu "Ich schlafe mit meinem besten Freund, einem anderen Arzt"? Vielleicht war dieser Übergang für Sie nicht besonders mühsam, unter den hellen Lichtern im Lager, zwischen den grünen Armeelaken. Um Hawkeyes willen, seiner Sicherheit willen, ziehe ich es vor zu denken, daß es *nicht* so war, und dennoch...

Nein. Sie berührten ihn mit solcher Leichtigkeit, solchem Wissen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es für einen von euch etwas sonderlich Neues war.

Maddie liebte Spiegel - sie hatte sie überall im Haus aufgehängt, so daß sie sich gegenseitig reflektierten und ihr erlaubten, Leute aus jedem Winkel zu betrachten und herauszufinden, was sie ihr nicht offen zeigen wollten. Ich habe nicht das Herz, sie von den Wänden zu nehmen, konnte es nie, denn wenn es regnet und ich müde genug bin, kann ich manchmal einen Schatten von ihr erkennen, in den Spiegeln. Als ich also durch die Hintertür hereinkam, nach meinem Hausbesuch bei Jim Morgans Sohn, konnte ich es unmöglich übersehen.

Sie wissen, was ich meine. Ich sah Sie, Sie und meinen Sohn, meinen Hawkeye, auf der lächerlichen geblümten Couch, die Maddoc und ich nach unserer Hochzeit gekauft hatten. Ich sah, wie er sich über Sie beugte, Ihre Handgelenke mit nur einer Hand über Ihrem Kopf zusammenhielt. So surreal - denn obwohl ich ihn schon dabei erwischt habe, wie er Mädchen in der Gartenschaukel küßte, hielt er Sie...*anders*. Ich hörte zu, hörte ihn tausend Dinge sagen, an die ich mich nicht erinnern will, weil er sie ernst meinte, das konnte ich klar erkennen. Eine Positionsveränderung und Sie küßten meinen Sohn, hielten ihn still mit einer Hand an seiner Wange. Und in den Spiegeln sah ich tausend Paare das gleiche tun, wieder und wieder, gespiegelt bis ins Endlose.

Mag sein, daß ich hustete, oder daß der Wind sich drehte. Mag sein, daß ein Dielenbrett knarrte, auf jeden Fall saht ihr beide zu mir auf, eure Münder noch aufeinander gepreßt. Es war Hawkeye, der murmelte, "Dies ist nicht gut" - und Sie waren einfach nur still, Ihre Hand noch unter seinem Hemd; Gott sei uns allen gnädig, denn es *war* Hawkeye, den ich sah, echt und unverfälscht, kein verlorenes, zielloses Wesen mit leerem Blick. Er war da und ganz in dem Augenblick, und obgleich sich zweifellos Furcht in ihm regte, war er *glücklich*. Ich wandte mich ab, warf über meine Schulter zurück, daß ich auf der Veranda sein würde, und wartete darauf, herauszufinden, was es war, das ich in mir fühlte.

Ich bin mir sicher, Hawkeye hat Ihnen gesagt, was danach passierte, als er nach draußen kam und sich neben mich auf die Schaukel setzte. Er war so still und leblos, ich glaubte fast, daß sein Herz nicht schlug, also war das erste, was ich sagte (meinen Mund um die Worte bewegte, die so schwerfielen), "Ich habe dich lieb, Ben."

"Das ist gut." Seine Stimme war heiser vor Erleichterung und so einfach zu verstehen wie klares, unbewegtes Wasser. Ich habe sie schon einmal so gehört, nur einmal zuvor, als er mich von der anderen Seite des Planeten anrief, um mir zu sagen, daß er mich vermisse und wie froh er sei, daß meine Operation gut verlaufen sei. Das klingt nach nichts Besonderem und es ist traurig, daß es einfacher war - und immer sein wird - meiner Frau zu sagen, daß ich sie liebte, als meinem Sohn zu sagen, daß ich stolz auf ihn bin und mir Sorgen mache. Diese beiden Dinge werden immer wahr sein.

Da waren Fragen, die ich stellen mußte - sie wollten aus meinem Mund hinaus, ob ich meine Zustimmung gab oder nicht.

Wie lange geht das hier schon so?

Daß mein Sohn ein genaues Datum nannte, sagt einiges aus.

Wer weiß sonst noch davon?

"Nur du", sagt Hawkeye, "und vielleicht unser Zeltgenosse, Charles, obwohl er es niemals zugeben würde. Er ist der König eines gewissen Flusses in Ägypten."

Wußtet ihr nicht, wußte *er* nicht, was für Risiken ihr da eingegangen seid...immer noch eingeht?

"Ja." Einfach und tödlich.

Und dann...natürlich, das "Warum?"

Weil er Sie liebt. Darum.

Mein Sohn ist ein begnadeter Arzt, ein talentierter Chirurg. Meinem Sohn ist es ein Bedürfnis, Medizin zu praktizieren, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, so wie er es seinerzeit nicht konnte, als der Sensenmann an unsere Tür klopfte. Er *fühlt*, er versteht und sorgt sich um menschliches Leben, darum, das Richtige zu tun.

Sie müssen wissen, Sie *müssen* doch wissen, was es in ihm anrichten kann!

Und dennoch... Weil er Sie liebt, darum.

Sie und ich haben in den letzten zwei Tagen Ihres Besuchs nicht viel voneinander gesehen. Wir haben uns bei Ihrer Abreise die Hand geschüttelt, wie um unsere anfängliche, herzliche Begrüßung zurückzunehmen. Sie würden sich so leicht aus dieser Umgebung herausnehmen lassen, dieser Kleinstadt - Crabapple Cove hat für Hawkeye schon lange vor Ihnen existiert, und wird es noch lange später tun.

Aber das Zimmer am Ende des Flurs ist immer noch 'B.J.s Zimmer', und Hawkeye hat wieder Alpträume, die seinen Schlaf erschüttern und bedrohen.

Also sagen Sie mir, Mr. Hunnicutt, was Ihre Frau sagt, wenn Sie heimkommen. Dies ist nicht das Ende, das weiß ich. Sie werden nie wieder hier auf meiner Schwelle stehen, aber bereits jetzt machen Sie und mein Sohn Reisepläne. Nach Boston, oder New York. Da wird es saubere, stickige, unpersönliche Hotelzimmer geben, und Umarmungen, vielleicht als Spiegelbilder. Wie geben Sie sich, wenn Sie nach Hause kommen und den Familienmann spielen - Ihre Tochter umarmen, den Körper Ihrer Frau im Dunkeln berühren? Es bestürzt mich, denn Hawkeye sagte mir, wie treu Sie sind, wie sehr Sie Erin und Peg lieben. Haben Sie Platz genug in sich für all diese Liebe und können trotzdem die Gefühle für meinen Sohn erübrigen, die er von Ihnen zu bekommen verdient?

Wenn Sie sie lieben, wozu brauchen Sie dann meinen Ben?

Nichts ist umsonst, nie und nimmer. Peg hat einen geistesabwesenden, heimgesuchten Ehemann und kann sich nur an ihrer Tochter festhalten, wenn er sich auflöst, um in den Armen eines anderen Mannes real zu werden; ich habe meinen Sohn, der in der Nacht weint, wenn er sich an weißes Licht und Blut erinnert, und dann noch ein leeres Haus, in dem nur das Vermächtnis meiner Frau durch die Flure wandelt. Ein Teil von mir möchte diese Peggy Hunnicutt anrufen, ihr über den unpersönlichen Draht mitteilen - "Hallo, junge Frau. (Dieses Mal in Klammern). In diesem Augenblick ergehen sich Ihr Ehemann und mein Sohn in der Illusion, daß der Rest der Welt nicht real ist. Ich frage mich, macht das aus Ihnen meine Schwiegertochter ersten Grades? Lassen Sie uns einander Gesellschaft leisten in unseren jeweiligen, leeren Häusern, Mrs. Hunnicutt, lassen Sie uns zusammen nicht real sein."

Ich habe die Augen meines Sohnes gesehen, wenn er von Ihnen redet. Und ich weiß, daß er, wenn er barfuß über den kalten Boden läuft, einen Drink in der Hand, an Sie denkt und Sie will. Seine Gefühle für Sie sind echt; ich bin nicht so blind, daß ich etwas anderes denken würde, aber wie steht es mit Ihnen? Ich weiß es nicht, werde es vielleicht nie wissen. Würden Sie solche Risiken eingehen, nur für eine heiße Nummer? Das kann ich ebensowenig glauben, und es übersteigt einfach meinen Erfahrungsschatz. Ich kann meinen Sohn lieben, ohne all dies wirklich zu verstehen, aber ich habe nichts für Sie übrig.

Ich muß glauben, daß Sie ihn lieben. Es muß die Wahrheit sein, singt Maddoc in meiner Erinnerung, denn alle Unwahrheiten zerfallen zu Staub.

Also möchte ich Sie nur eines fragen, Captain, Doktor, Mr. Hunnicutt...

 

Was denken Sie eigentlich, was zur Hölle Sie da tun?

 
Ende

 
Du bist der 1853. Leser dieser Geschichte.