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In Case of Emergency

© by Meredith Bronwen Mallory (),
übersetzt von Jimaine

 

Ich hatte das hier gestern abend nach dem Ansehen von "War of Nerves" ("Infantiler Wahnsinn" - Anm. der Übersetzerin) zwischen Tür und Angel geschrieben. Bin mir nicht sicher, was die Qualität angeht. Ich bin nicht so gut im Schreiben der 1. Person - ich schätze, weil meine Prosa für gewöhnlich sehr blumig ist.
Mir fiel bei der Folge auf, daß B.J. niemals Sidney aufgesucht hat. Hawkeye dagegen sucht des öfteren das Gespräch mit ihm, aus unterschiedlichen Gründen (wir wissen ja alle, was für ein liebenswerter Irrer er ist), und auch der Rest der Belegschaft hat sich ihm irgendwann einmal anvertraut.
Ich habe versucht, Sidneys Stimme richtig hinzukriegen.
Wie immer muß ich den Slash-Angels danken (Iolanthe, Leigh, Dagny, Ra-chan und Raven), einfach nur fürs Dasein. Ihr Ladies seid eine Inspiration - ebenso die ganz mash-slash Liste.
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Manchmal frage ich mich, wie viele von ihnen es gibt.

Man kann sie natürlich nicht zählen, ihrer bloßen Natur wegen schon nicht; wegen dem Bedürfnis nach Unsichtbarkeit, nach Stille und der ständigen Verschlüsselung von Worten und Zuneigungen. Geschöpfe dieser Art, wie Einhörner in der Fabel, sind nur dann wirklich sichtbar, wenn sie es wollen, und das ist nicht der Fall. Eigentlich wollen sie gar nichts sein - außer vielleicht allein.

Kennen Sie das alte Sprichwort, 'Kein Mensch ist eine Insel'? Nun, es ist wahr und es ist falsch, denn wie so viele Dinge geht es nur darum, was man sieht oder nicht sieht. Gelegentlich erinnere ich mich an mein Einführungsgespräch mit dem leitenden Armeepsychiater - komisch, ich kann mich nicht an seine Stimme oder sein Gesicht erinnern, nur an das, was er sagte. Er wollte, daß ich...nun, befahl mir, alle von denen aufzuspüren, die sich in den Reihen der U.S. Army aufhalten. Ich frage mich, ob er weiß, daß die Truppen dann um mindestens zehn Prozent reduziert würden? Wenn ich zwei Armeekumpel sehe, Arm in Arm, oder einen wohlwollenden Blick zwischen einem Sergeant und einem seiner Männer, denke ich an diese Befehle und möchte für gewöhnlich lachen. An anderen Tagen möchte ich nur einen Drink - und wie ich diesen Drink will. Badewannen-Gin, stark genug, jegliches Gefühl in deinem Magen auszulöschen und, ja, am besten ist die sumpfeigene Marke.

Demnach kommen Zahlen, ihrer bloßen Natur wegen, nicht in Frage.

Das ist wohlmöglich so am besten. Wenn wir es nur einrichten könnten, daß auch die Opfer nicht zählbar sind, nur als Individuen gelten, eingerahmt vom Gerüst ihrer Leben - tja, das könnte alle Kriege schlagartig beenden. Ich bin mir sicher, daß Hawkeye Pierce bereits daran arbeitet und die Idee irgendwo in seinem Kopf, dessen Inneres so verzerrt ist wie ein Van-Gogh-Gemälde, herumschubst.

Die meisten Leute, wenn sie mir begegnen, sind etwas abgeschreckt - haben plötzlich Angst, daß ich mit irgendeinem Trick ihre tiefsten Geheimnissen erkennen, ihren jeden Gedanken lesen kann. Jedes 'Aha' und 'Hmm' und 'Ähm' hat nun Bedeutung; sie versuchen, mich zu entschlüsseln, so wie sie glauben, daß ich sie entschlüssele. Leute wie Hawkeye - nein, bitte diesen Kommentar streichen, es gibt niemanden wie Hawkeye. Aber der Chefchirurg der 4077sten ist ein wunderbares Beispiel für die einzige, grundlegende Wahrheit hinter der Psychiatrie, und die lautet: 'Der menschliche Geist ist eine so komplexe Maschine, ein derart feiner Mechanismus, daß niemand ihn wirklich verstehen kann.'

Jemand sagte mir einmal, daß der Krieg ihm etwas gegeben habe, worum er niemals gebeten hatte, niemals dachte, daß er es wollte, wollen könnte - aber etwas, das er dennoch brauchte.

Ich habe in letzter Zeit häufig darüber nachgedacht.

Entgegen dem, was die Army uns gerne glauben machen möchte, ist jeder einzigartig - man nehme eine Person in einer Einheit und ersetze sie durch jemand anderen? Die ganze Dynamik würde verändert. Menschen, die zusammen leben und arbeiten, bilden einen größeren Organismus, von dem jeder ein Teil ist; er ist genauso lebendig wie Sie oder ich. Gestalt, die Bezeichnung habe ich mitunter im Bezug darauf gehört. (Sie verstehen jetzt, daß es hierbei um eine andere Art von Geschöpf geht als die, über die ich noch zuvor redete - unterschiedliche Spezies, Sie verstehen schon...) Die lebendigste, geistig verrückt-gesunde 'Gestalt', die mir je untergekommen ist, ist wohl die 4077ste M*A*S*H. Diese Jungs und Mädchen hatten genug Glück, kommandierende Offiziere zu haben, die ihnen ausreichend Raum zum Atmen gaben - das Ergebnis ist ein florierender Organismus, ein Lebewesen, das aus vielen anderen Lebewesen besteht. Sozusagen ein sprechendes Korallenriff, wenn man es so nennen mag. Wie Menschen, die krank werden, wenn einer oder mehrere ihrer Bestandteile aufhören, richtig zu funktionieren, kann auch eine 'Gestalt' krank oder verletzt werden - durch Spannungen zwischen den 'Zellen'. Gut, es ist eine überstrapazierte Metapher; Teil der Arbeitsplatzbeschreibung.

Alles, was ich zuvor schon gesagt habe, entspricht der Wahrheit, und gleichzeitig auch nicht.

Das sind jetzt mal richtige psychiatrische Doppeldeutigkeiten für Sie!

B.J. Hunnicutt war die letzte Person, die ich bei meiner informellen Sitzung mit der 'Gestalt' der 4077sten erwartet hatte - der bekloppten Logik zufolge, welche die Handlungen von uns Menschen bestimmt, hätte er wohl einer der ersten Namen in meinem Terminkalender sein sollen. Er ist ein guter Kerl, B.J. - auf diese saubere, ehrliche Art und Weise, die einen manchmal in Versuchung führt, sich furchtbar aufzuregen, denn sie ist so NETT. Da ist aber auch diese Spur Schalk in ihm; ein Hang zu Streichen und Wortspielen, der ihn, so meine Vermutung, zu einer guten Ergänzung für Hawkeye macht. Pierce, denke ich, reizt den kleinen Teufel in B.J. und bewirkt, daß er Seite an Seite mit ihm mitläuft.

 

Aber dort, in der Tür meines geborgten 'Büros' stand ein gewisser Captain Hunnicutt, Chirurg der U.S. Army. Er nickte mir mit einem kleinen, flüchtigen Lächeln zu und faltete seinen hochgewachsenen Körper in einem Stuhl zusammen.

"Ist dies ein Freundschaftsbesuch?" fragte ich und lehnte mich etwas vor. "Oder soll ich mir die Fledermäuse in deinem Kirchturm ansehen?"

"Nur, wenn du durch den Guano waten magst, Sidney. Ich würde es begrüßen", meinte B.J. und richtete seinen Blick auf etwas, das irgendwo hinter mir lag. Diese Augen hätten mir nichts preisgegeben, selbst wenn sie den meinen begegnet wären; es waren seine Hände, die mein Augenmerk auf sich zogen, ihre unbewußten Bewegungen. Während die linke Hand hauptsächlich auf seinem Knie lag, benutzte B.J. seine Rechte, um mit dem Goldring an seinem Finger zu spielen. Wie viele Männer, die der Army beitreten, hatte er gewiß anfangs an Gewicht verloren, und was einst exakt paßte, glitt jetzt am Knochen entlang bis zum Fingerknöchel.

Hier wird der Metaphersumpf wohlmöglich etwas dick, Verzeihung bitte.

In meiner besten Couch-Umgangsform antwortete ich, "Ich würde mich glücklich schätzen, helfen zu können." Er hielt den Kopf leicht geneigt, als fände hinter seiner Stirn gerade ein gedanklicher Probelauf statt, oder als lausche er nach etwas, von dem er sich nicht sicher war, daß er es hören konnte. Ich ließ ihm sein Schweigen, denn Patienten zur Preisgabe ihrer Geheimnisse zu drängen, hat für gewöhnlich den gegenteiligen Effekt. Aber ich war nicht überrascht, als seine ersten Worte waren -

"Ich habe das Gefühl, verrückt zu werden." Er blickte auf, lachte. "Ich schätze, das hast du schon oft gehört."

"Einmal oder zweimal", räumte ich mit einem Achselzucken ein.

"Es ist nur - dieser Ort, Sidney", für einen Moment bedeckte er sein Gesicht, damit ich die Person hinter den Händen nicht sehen konnte, "er macht mich verrückt. Jeden Tag denke ich, 'Wenn ich bloß nach Hause könnte...',aber ich kann nicht."

"Eine natürliche Reaktion auf Einberufung", bestätigte ich. "Eine junge Familie zu Hause zu haben, hilft dabei nicht. Du fühlst dich, als würde es für dich keinen Platz mehr geben, wenn du zurückkommst."

"Ja", er hob einen Finger, "genau das ist es, ja, und - es ist dieser verfluchte Krieg."

"Das Töten?" fragte ich. "Ihr Ärzte seid wohlmöglich von allen am schlimmsten dran. Soldaten erledigen bloß das Töten und Verstümmeln. Ihr müßt versuchen, das alles wieder in Ordnung zu bringen."

"Du schießt auf jeden Fisch im Teich", B.J.s Ton war staubtrocken, "bis auf den wirklich großen."

"Würdest du mir dann bitte zur Erleuchtung verhelfen?" Ich nahm einen Schluck Brandy, freundlicherweise gestiftet von Colonel Potter. "Oder soll ich meine Schießübungen fortsetzen?" Aus der Anspannung seiner Muskeln konnte ich sehen, daß er kurz davor war, aufzustehen und zu gehen - vielleicht sendete sein Gehirn sogar den Befehl, aber etwas bewegte ihn zum Bleiben. Allmählich entspannte er sich soweit, daß man wieder von 'Sitzen' sprechen konnte.

"Du wirst nicht...irgendwas von dem, was ich sage, weitergeben, oder?"

Ich nickte in meinen Drink hinein. "Das versteht man unter ärztlicher Schweigepflicht, soviel ich weiß."

Jetzt begegnete er gänzlich meinem Blick - lehnte sich im Stuhl zurück und legte die Fäuste in den Schoß. Seine Stimme war leise, aber ich konnte ihn gut verstehen, trotz der lauter werdenden Freudenfeuer-Party draußen, diesem weiteren Bißchen Selbsttherapie.

"Ich liebe meine Frau", sagte er ohne die kleinste Spur Unehrlichkeit, "aber in letzter Zeit habe ich eine Neigung zu bestimmten... Neigungen... verspürt."

"Menschen neigen dazu, Neigungen zu haben", merkte ich trocken an. Er lächelte, zeigte mir, daß er noch aktiv am Gespräch beteiligt war, obwohl sich sein Blick zum Teil nach innen gekehrt hatte.

"Peg ist... es gibt niemanden wie sie", fuhr er fort, betonte eindringlich jedes Wort. "Als ich herkam, konnte ich an nichts anderes denken als an sie - und zu ihr und Erin zurückzukommen. Mein Leben weiterzuführen." Dann, leiser und auch etwas schleppender - schwer zu sagen. "Nun vergeht manchmal ein ganzer Tag, ohne daß ich an sie denke."

"Da ist nichts Falsches dabei, B.J.." Ich berührte seine Hand, um ihn von den Schuldgefühlen fortzuziehen. "Das ist völlig natürlich. Anfangs war Korea eine Unterbrechung deines Lebens. Jetzt, wo du lang genug hier warst, hast du ein Leben hier und ein Leben, das daheim auf dich wartet. Freunde daheim, Freunde hier. Daheim gibt es jemanden, den du liebst und", ich wählte meine Worte mit Vorsicht, "auch hier steht dir jemand sehr nahe."

"Du wirst allmählich zu gut in diesem Spiel, Doc", meinte B.J. mit einem Halblächeln.

"Wart's ab." Ich hob eine Augenbraue. "Meine nächste Nummer wird sein, ohne technische Hilfsmittel nach Tokio zu fliegen."

"Du solltest bei einer Fluggesellschaft einsteigen." Das Lachen war kurzlebig, aber es brach die unangenehme Stille im Raum.

"Ich fühle mich als hätte ich sie betrogen." Kein Blickkontakt mehr - stattdessen hing sein Blick an der Ritze unter der Tür, und der Freiheit, die sich für ihn dahinter verbarg.

"Hast du aber nicht", stellte ich klar. "Jemandem nahezustehen und Gefühle zu haben, ergibt noch lange keine Affäre."

"Aber was", sagte er mit plötzlicher Vehemenz, die ich bis heute nur in ihm vermutet hatte, "was, wenn ich nun eine hätte?"

Mein Gesicht war betont neutral. "Es wäre nicht das erste Mal, daß so etwas passiert."

"Oh, komm' schon, Sid!" B.J. sog den Atem scharf ein, durch die Hand vor seinem Mund hindurch. "Wie kann ich Platz in mir haben, diese beiden Personen zu lieben - nicht mal auf die gleiche Weise, sondern, so wahr mir Gott helfe, beide gleich stark?"

"Und soviel ich weiß, ist Liebe kein Verbrechen." Ich hielt meine Hände vor mich und spreizte die Finger. Ruhig und frei von Zittern.

In die plötzliche Stille hinein sagte B.J., "Manche Arten der Liebe sind es vielleicht doch."

"Die da wären?" Ich konnte nicht anders, ich mußte zuschlagen - B.J. war einer jener Leute, die mit einer Prise offensiver Arbeit meiner Wenigkeit durchaus umgehen konnten.

"Ich komme mir wie eine andere Person vor! Zu Hause hätte ich niemals daran gedacht, auch nur..." Noch immer waren seine Hände zu Fäusten geballt, doch nicht mehr so verkrampft.

"Soll ich dir mal ein Geschichte erzählen?" stellte ich die beiläufige Frage und nahm den Schatten der Erleichterung wahr, der über B.J.s Gesicht huschte. "Hab' einen Moment Geduld und hör' zu, okay?" Sein zustimmendes Lächeln ließ mich fortfahren. "Meine Eltern kamen etwa zehn Jahre vor dem Holocaust nach Amerika. Während meiner Kindheit erzählte meine Mutter mir immer Geschichten von ihrer Schwester, die sie in Deutschland zurückgelassen hatte. Tante Hadassah und sie standen sich sehr nahe, und dann konnten sie jahrelang nur brieflich miteinander reden. Glücklicherweise gelang Hadassah die Flucht, als das noch relativ problemlos möglich war - ich erinnere mich, wie meine Mutter mich mit zum Hafen nahm, um sie zu begrüßen." Wir beobachteten einander nun sehr genau, B.J. und ich, verfolgten gegenseitig unser Mienenspiel; nicht aus Furcht, sondern auf der Suche nach Verständnis. "Meine Mutter war so aufgeregt. Sie zeigte wieder und wieder auf vereinzelte Leute in der Schlange und sagte, 'Oh, das muß sie sein - Hadassah hat immer dies und das getragen' oder 'da ist Hadassah - ich bin mir sicher, denn sie hat ihre Haare immer so zurechtgemacht'. Aber was ich sagen will", kam ich auf den Punkt, "all diese 'Hadassahs' waren junge Frauen. Als meine Tante schließlich vom Boot kam und hörte, wie meine Mutter ihren Namen rief, kam sie geradewegs auf uns zu. Sie war eine ältere Frau, B.J. - jene Frauen in der Warteschlange sahen bloß aus wie die Erinnerung meiner Mutter an ihre Schwester. In der Zeit ihrer Trennung hatten sie sich verändert; dagegen konnten sie nichts tun. Und das erste, was sie zueinander sagten, war, 'Wie konntest du mir das antun und zu einer alten Frau werden?'" Mit einen Schluck von meinem Drink spülte ich den Gedanken hinunter. "Die Moral von der kleinen Geschichte ist diese: Ja, du wirst dich verändern in der Zeit, die du hier bist, B.J.. Zurück in den Staaten werden du und Peg euch wieder kennenlernen müssen. Aber laß dich dadurch nicht davon abhalten, auch hier Bindungen einzugehen - du wirst dich sonst nur selbst verletzen und das dann vielleicht sogar Peg übelnehmen."

Das ist das Besondere an Menschen, an der 'Gestalt'. Obwohl die Einzelteile untereinander nicht austauschbar sind, können neue 'Gestalten' aus Stücken von alten gebildet werden, aus Leuten, die das Leben zusammengeworfen hat. Wie Sie sich denken können, habe ich das natürlich nicht B.J. erzählt - denn wenn man genau drüber nachdenkt, braucht man nur zwei Personen, um einen neuen Organismus zu erschaffen. Und das ist wahrlich ein beängstigender Gedanke. Ist die Ehe eine 'Gestalt'? Manchmal. Und Freundschaft? Gut möglich.

Wie ich B.J. ansah, versuchte ich, dem Bild etwas mehr Schärfe zu geben, vielleicht zu verstehen. Nach einer Weile schüttelte er den Kopf und nahm den Drink an, den ich ihm einschenkte.

"Ich hasse diesen Ort", sagte er und klang wie ein mürrisches Kind. "Ich habe nie irgendwas von all dem hier gewollt. Warum soll ich mich ändern? Bescheuert, wirklich bescheuert", murmelte er vage. "Wenn ich nie hergekommen wäre, hätte ich nie junge Männer sterben sehen müssen, oder erfahren müssen, wie sich Granatwerfer anhören, und ich..." Er sah aus als gäbe er sich große Mühe, die Worte wieder in seinen Mund zurückzuholen; ich war ehrlich überrascht, als er hinzufügte, "Und ich wäre niemals Hawkeye begegnet."

"Nun", meinte ich und versuchte, jegliche Gefühlsnuance aus meiner Stimme zu verbannen, "ich weiß, daß der Mann deine Socken klaut, aber ich bin mir sicher, daß er es nicht verdient, mit Granatbeschuß in einer Schublade zu landen." Das entlockte ihm ein müdes Lächeln. "Ihr zwei seid sehr unterschiedliche Persönlichkeiten."

"Und dennoch", gab B.J. mit einem Unterton zu, der etwas Andächtiges hatte, "kann ich mir nicht vorstellen, was - oder besser, wie du sagtest, wer ich wäre, wenn ich ihm nie begegnet wäre." Für einen kurzen Moment, die Augen geschlossen und sein Denken allein auf diese eine Sache gerichtet, wirkte er nahezu gelassen.

Und da war es. Es waren nicht die Worte, die mir zu dieser Erkenntnis verhalfen, nicht mal die Art, wie sie gesagt wurden - es war einfach ein unterschwelliges, leises Klicken, mit dem sich die Puzzleteile an der richtigen Stelle einfügten. "Ich denke", begann ich, "ich -"

Er las - oder dachte, daß er es tat - etwas in meinem Gesicht und flüchtete sich in ein, "Ich denke, ich sollte gehen."

"B.J. -"

"Ich will niemanden außer Peg lieben." Damit stand er auf, drehte mir den Rücken zu und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. "Ich sollte eigentlich für nichts hier irgend etwas empfinden. Aber ich kann nicht anders."

Abermals versuchte ich es. "Weißt du, B.J. -"

"Ich will nicht mehr darüber reden." Seine Schultern sackten nach vorne. "Vielleicht kann ich's vergessen, wenn ich's einfach nur wegpacke."

"Alles, was du begräbst", ließ ich ihn wissen, "entwickelt sich zu etwas, das du nicht mehr ignorieren kannst."

Er drehte sich schnell zu mir um. "Findest du diese Unterhaltung nicht irgendwie seltsam?"

"B.J.", erwiderte ich mit einem Stirnrunzeln, "ich bin in New York aufgewachsen. Der Stadt, die für Absonderlichkeiten bekannt ist und für Menschen, die in dem Glauben Auto fahren, daß Grün 'schnell' bedeutet, Gelb 'schneller' und Rot 'am schnellsten'. Mich überrascht nichts."

"Ich verabschiede mich trotzdem", beharrte B.J. auf seiner Entscheidung. "Ich kann's nicht nicht tun...und ich kann auch nicht... Ach, ich weiß nicht." Sein Ton kam einer Entschuldigung gleich. "Ich bin dann wieder im Sumpf."

"In Ordnung." Ich lächelte auf eine, wie ich hoffte, aufmunternde Weise. "Und ich werde hier sein, für den Fall, daß du noch mal reden möchtest. Oder auch nicht reden willst."

"Danke, Sidney." Seine Hand lag schon an der Tür, als er innehielt. "Und nichts hiervon verläßt den Raum, richtig?"

"Kein Wort", nickte ich, obwohl ich immer noch nachhaken wollte, nur um mir sicher zu sein. Ein Gespräch kann eine Million verschiedener Bedeutungen haben. "Du kannst vergessen, daß diese Unterhaltung je stattgefunden hat."

"Oh, jetzt denkst du also, daß ich alles einfach verleugne?" Er grinste.

"Nein", entgegnete ich mit einem Schnauben. "Ich könnte die offizielle Diagnose stellen, daß du anscheinend verliebt bist, aber ich denke, das weißt du bereits."

B.J. verdrehte die Augen, nur halb im Scherz. "Ja, danke, daß du mich daran erinnerst."

 

Also erlauben Sie mir, daß ich abschweife. Hier haben wir Menschen - diese seltene Gattung, die liebt und fürchtet und kämpft und Krieg führt. Menschen, die in Wahrheit für und in sich selbst tausend verschiedene Arten von Lebewesen sind. Zusammen bilden sie eine andere Lebensform, die 'Gestalt'. Wir haben Ärzte, um die Verwundeten zusammenzuflicken, aber was ist mit verwundeten 'Gestalten'? Was ist mit jenen Leuten, die einander brauchen aber einander nie treffen, oder sich zu spät begegnen oder zu früh oder zu unterschiedlich sind? Und im Stillen bilden auch jene anderen, zu Anfang erwähnten unsichtbaren Lebewesen größere Organismen - vielleicht brauchen sie von allen am wenigsten Hilfe.

Jene anderen Kreaturen sind -

Wissen Sie was? Ich werde es nicht sagen. Warum sich mit Namen abgeben? Ich werde ihre Unsichtbarkeit und ihre Existenz respektieren; sie (und ich kann regelrecht hören, wie Sie denken, daß ich in meinem Inneren vielleicht 'wir' sage) bekommen so wenig Anerkennung.

An jenem Abend sah ich B.J. und Hawkeye zusammen - oder ich sah das Wesen, welches aus B.J. und Hawkeye besteht - draußen am Feuer, Arm in Arm. Gemeinsam schöpften sie neue Energie aus den Flammen. Ich sah sie grinsen und Blicke in Major Winchesters Richtung werfen und auf eine Art und Weise kommunizieren, die nur teilweise aus Worten bestand.

B.J. hatte nie direkt etwas gesagt; aber es gibt diese Dinge und es gibt sie nicht, beides zur gleichen Zeit.

Manchmal frage ich mich allerdings...

Man kann nie genau wissen, nicht wahr? Schon aufgrund der bloßen Natur der Dinge.

 
Ende

 
Du bist der 1868. Leser dieser Geschichte.