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Visionen

© by Sam80853 ()

 

Disclaimer: Die Charaktere der Serie "Quantum Leap"und "Akte X" gehören leider nicht mir. Ihre Existenz haben wir Donald P. Bellisario und Chris Carter zu verdanken.
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Als Sam aus der Ruhe und dem Frieden zwischen seinen Sprünge gerissen wurde, fühlte er Schmerz, unsagbaren Schmerz. Sein Herz zog sich qualvoll zusammen, eine eiskalte Hand schien sich darum gelegt zu haben, er bekam kaum Luft und dann kamen die Bilder.

Grelles Licht hinter seinen geschlossenen Augen und schreckliche Bilder.

Er sah einen Mann mit einem blutverschmierten Messer in der Hand, der auf ihn hinunter zu blicken schien. Seine Lippen bewegten sich als würde er zu ihm sprechen, aber Sam hörte keinen Ton.

Sams Kopf bewegte sich ruckartig hin und her, er versuchte die schrecklichen Bilder zu verscheuchen, aber es gelang ihm nicht.

Dunkelheit, Mondlicht, das durch ein offenes Fenster fiel. Zwei Menschen, die nicht weit von ihm Tod in ihrem eigenen Blut lagen. Der Mann, der ihn anschrie und sich ihm näherte.

Sam ruderte mit dem Armen, verschränkte sie vor seinen Augen als er versuchte, dass Grauen abzuwehren.

Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Und dann nahm er plötzlich noch etwas anderes wahr.

Eine Hand, die sanft auf seiner Schulter ruhte, eine Stimme, die beruhigend auf ihn einredete.

Stöhnend riß Sam die Augen auf.

 

Das grelle Licht und die Bilder waren verschwunden.

Sam blinzelte und seine Augen wanderten ruhelos durch den Raum. Seine Welt drehte sich, es war unmöglich für ihn, sich auf einen bestimmten Punkt zu konzentrieren und seine Gedanken zum Stillstand zu bringen.

"Ben?"

Eine Frau sprach leise zu ihm.

"Ist er in Ordnung, Scully?", hörte Sam einen Mann besorgt fragen.

"Ich weiß es nicht", antwortete die Frau und schüttelte ihren Kopf.

Vor ihr saß Benjamin Ryan, 5 Jahre alt. Sein Gesicht war aschfahl und sein Augen waren leer als würde er sie weder sehen noch erkennen.

"Ben?"

Langsam gelang es Sam, die Kontrolle über sich, über "seinen" Körper zu gewinnen und seine Augen hefteten sich auf die Frau, die ihn sanft beim Namen rief. Die Welt hörte auf sich um ihn zu drehen.

"Ben?"

'Ben? Bin ich das?', fragte Sam sich verwundert.

Er nickte leicht, bedeutete ihr so, dass er sie hören konnte.

"Ist alles in Ordnung?", fragte Scully weiter, ihre Hand lag noch immer auf seiner Schulter und Sam spürte sie Wärme, die von ihr ausging.

Wieder nickte er.

Sein Körper begann sich zu entspannen und Sam sah sich um.

Er saß auf einem Bett und seine Beine baumelte in der Luft. Er schien noch weit davon entfernt zu sein bis sie den Boden erreichen würden. Sams Kopf fuhr hoch und er blickte in das Gesicht der Frau, die irgendwer vorhin mit Scully angesprochen hatte.

Sie hatte grüne Augen, die ihn besorgt musterten und schulterlanges, rötliches Haar. Mehr konnte er von ihr nicht sehen, da sie vor ihm kniete.

Sein Blick wanderte weiter, irgendwo musste noch eine Person sein.

Ein Mann stand nicht weit von der Tür entfernt. Er war riesig, war Sams erster Gedanke.

Ein großer schlanker Mann mit kurzem, dunklem Haar und dunklen Augen, der jetzt auf ihn zukam.

"Was hast Du gesehen, Ben?", fragte er leise.

Sam zuckte zusammen.

Die Bilder kamen wieder - Dunkelheit, Blut und Tod.

Er schüttelte den Kopf.

"Ist schon gut", sagte Scully beruhigend und sah ihren Partner etwas vorwurftsvoll an. "Er braucht jetzt etwas Ruhe, Mulder", sagte sie und drückte Sam sanft ins Bett. Sie zog die Decke über ihn und erhob sich etwas schwerfällig.

Ein Bauch wurde sichtbar.

Ohne darüber nachzudenken, streckte Sam eine Hand aus und legte sie auf Scullys Bauch.

Wieder stiegen Bilder in ihm hoch, doch diesmal war es nicht Kälte, die mit ihnen einher ging sondern ein Gefühl von Geborgenheit.

Sam fühlte Ruhe und Zufriedenheit und einen leichten Tritt als das Baby sich bewegte.

Sein Blick begegnete Scullys und ihre Augen leuchteten freudig als sie ihre Hand über seine legte.

"Schlaf etwas, Ben", sagte Scully und trat von ihm zurück. "Wir sind draußen vor der Tür, falls Du uns brauchst."

Mit diesen Worten wandte sie sich zu Mulder um. Hinter ihnen schloß sie die Tür.

 

Mit einem Ruck setzte Sam sich in seinem Bett auf, er blickte in die Runde.

'Ein Krankenhaus', entschied er bevor er sich an den Kopf griff.

Was war eben passiert? Er hatte Bilder gesehen, die gar nicht da waren, er hatte eine Kälte in seinem Innern gespürt, wie nie zuvor in seinem Leben. Und er hatte noch etwas gespürt, neues Leben, wie es sich unter seiner Hand bewegt hatte.

"Al?", flüsterte Sam und versuchte vom Bett zu klettern.

"Sei vorsichtig", erklang plötzlich die Stimme des Hologramms und Sam zuckte erschrocken zusammen.

"Al!"

Als sein Herzschlag sich etwas beruhigt hatte, sah er seinen Freund vorwurfsvoll an.

"Was?", fragte Al unschuldig und zog genüsslich an seiner Zigarre.

"Du hast mich zu Tode erschreckt", warf Sam ihm vor, setze sich wieder auf's Bett und baumelte erstaunt mit den Beinen. "Wie alt bin ich?", fragte er wie nebenbei.

Al trippte einige Befehle ins Handink.

"Du bist gerade 5 Jahre alt geworden", antwortete Al. "Erstaunlich, oder?", er deutete auf Sams in der Luft hängende Beine.

Sam nickte.

Kaum vorstellbar wie groß die Welt aus der Sicht eines Kindes war.

"Dein Name ist Benjamin Ryan..."

"Ben."

"Ja.", Al betrachtete seinen Freund aufmerksam.

Sam saß scheinbar gedankenverloren auf dem Bett und betrachtete seine Füße.

"Etwas schlimmes wird passieren", flüsterte er und erinnerte sich an die schrecklichen Bilder, die er gesehen hatte..

"Es ist schon passiert", sagte Al und las weitere Informationen vom Handlink ab. "Bens Eltern wurden heute in den frühen Morgenstunden ermordet. Er", Al deutete auf Sam, "Du bist der einzige Zeuge."

"Da war soviel Blut."

Als Augen verengten sich.

"Wovon sprichst Du, Sam?"

"Ich habe alles gesehen", endlich hob Sam den Kopf und sah sein Hologramm an. "Da war ein Mann, er hatte ein Messer in der Hand... soviel Blut..."

"Das kannst Du nicht gesehen haben", widersprach Al. "Ben hat es gesehen, nicht Du."

Sam schüttelte entschieden den Kopf.

"Und ich habe ein Baby gesehen, einen Jungen", er nickte wie um es sich selbst zu bestätigen. Er sah auf die Hand, die Scullys Bauch berührt hatte.

"Was? Sam, was redest Du da. Das ergibt überhaupt keinen Sinn!"

"Ich hab es gesehen, Al", flüsterte Sam.

"Was hast Du gesehen?"

"Dunkelheit. Mondlicht. Blut...", sagte Sam leise und blickte wieder auf seine in der Luft baumelnden Füße.

Auf Als Gesicht zeigte sich eine Sorgenfalte und er gab hektisch Befehle ins Handlink ein.

"Sam, Du bist hier, um zu verhindern, dass Ben getötet wird. Der Mörder hat es auf Dich abgesehen, Du...", Al brach ab als er aus den Augenwinkeln wahrnahm wie Sam zusammen zuckte.

Plötzlich war das Licht wieder da, gleißend hell stach es ihm in die Augen, so dass Sam zum Schutz die Arme hochriß. Er stöhnte auf als eisige Kälte seinen Körper gefangennahm.

"Sam? Sam!", wie aus weiter Ferne hörte Sam die Rufe seines Freundes.

"Al!", versuchte er zu schreien, doch er wusste nicht, ob auch nur ein Ton seinen Mund verlassen hatte.

Sein Atem ging stoßweise. Wieder sah er die schrecklichen Bilder von der Ermordung "seiner" Eltern. Doch diesmal war etwas anders.  

Der Mann mit dem Messer in der Hand kam näher, immer näher. Ein irres Funkeln stand in seinen Augen als er mit dem Messer ausholte.

Sam strampelte wie wild mit den Beinen und schrie.

"Alllllllllllllllllllllllllll!"

 

 
Vor dem Krankenzimmer

 

Mulder und Scully standen vor Bens Zimmer, diskutierten, wie sie den Junge am besten vor dem Irren schützen konnten, der glaubte, dass der Junge von etwas besessen war und versuchte, ihn zu töten als sie Sams Schreie hörten.

Scully zuckte zusammen.

Noch nie hatte sie ein so verzweifeltes Schreien gehört.

Während Scully sich noch fasste, hatte Mulder bereits die Tür geöffnet und war an Sams Bett getreten. Langsam und vorsichtig griff er nach dem Jungen, sprach leise auf ihn ein.

"Ben", flüsterte er. "Ganz ruhig! Hier kann Dir nichts passieren", Mulder wusste nicht, ob es an seiner Berührung oder seinen Worten lag, aber das Schreien des Jungen ging in ein Wimmern über.

"Al, bitte. Bitte, Al", flüsterte er immer wieder und seine glasigen Augen richteten sich auf etwas, das hinter ihm, Mulder, zu sein schien.

"Ich bin hier, Sam", rief Al und Verzweiflung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Er wusste nicht, was mit seinem Freund passierte und er konnte ihm nicht helfen, nicht wirklich.

"Mit wem spricht er?", fragte Scully, die den Blicken des Jungen folgte.

Mulder schüttelte nur den Kopf.

"Ben", mischte sich nun Scully ein. "Ben, wir sind es. Mulder und Scully, keine Angst."

Nur langsam kam Sam wieder zu sich.

Er blinzelte, das helle Licht verschwand und mit ihm die Kälte und die Angst.

Scully sah, dass die Augen des Jungen jetzt wieder klar waren.

"Was ist passiert, Ben?", flüsterte sie und setze sich zu Mulder auf sein Bett.

"Sam", Al stand mit dem Handlink in der Hand am Fußende des Bettes. "Das sind Special Agent Dana Scully und Fox Mulder vom FBI. Du musst ihnen sagen, was Du gesehen hast."

Sams Blick heftete sich auf Scully.

"Da war ein Mann mit einem Messer", flüsterte er und Scully nickte aufmunternd.

"Wie hat er ausgesehen?", fragte sie vorsichtig. "Kannst Du sein Gesicht beschreiben?".

Sam überlegte einen Augenblick, wartete nicht auf Als Informationen, der hektisch Befehle ins Handlink eingab.

"Strähniges dunkles Haar, grüne Augen.... eine kleine Narbe auf der rechte Wange", murmelte Sam, ganz deutlich sah er das Gesicht aus seinen Träumen.

"Ben?", mischte sich nun Mulder ein. "Kennst Du den Mann? Weißt Du, wer er ist?"

Sam schüttelte den Kopf.

"Nein?", Mulders Stimme klang erstaunt, dann nahm er ein Foto aus seiner Jackentasche und hielt es Sam hin. "Ist das der Mann, Ben?"

"Ja", sagte Sam und griff nach dem Bild.

Er hatte ihn ganz genau beschrieben, es war alles genau so, wie er es gesehen hatte.

"Er ist Bens Nachbar", flüsterte Al und schüttelte den Kopf. "Jake Willson."

Al konnte sich nicht vorstellen, woher Sam die Einzelheiten gewusst haben könnte, aber das Detail, dass er sein Nachbar war, war ihm offensichtlich entgangen. Und das sahen auch die Agenten, wie er erkannte.

"Jake Willson?", fragend sah Sam sein Hologramm an.

Al nickte.

"Er wohnt seit genau 5 Monaten neben Ben und seiner Familie", sagte er.

"Warum hat er sie umgebracht?", flüsterte Sam tonlos.

"Er gab später bei der Festnahme an, dass er der Welt damit einen großen Gefallen getan habe, dass Ben besessen gewesen wäre und..."

"Besessen?", Sams Augen wurden groß und er richtete sie fragend auf Scully.

"Nein", sagte sie und schüttelte den Kopf. "Es ist nicht Deine Schuld, Mr. Willson ist krank. Du kannst nichts dafür."

"Ben", mischte sich nun Mulder ein. "Erzähl uns, was Du gesehen hast!"

"Besessen", flüsterte Sam. "Bilder in meinem Kopf", er griff sich mit der Hand an den Kopf. "Habe ich Visonen", fragte er Al.

Das Hologramm sah seinen Freund aufmerksam an und langsam begriff er, was hier passierte. Sams Schmerzen, die Dinge, die er wusste. Es konnte keine andere Erklärung geben und er nickte.

Wie um sich Als Aussage bestätigen zu lassen, blickte Sam erst auf Scully, dann auf Mulder.

Während Scullys Gesicht Zweifel zeigte, schien Mulder sich vollkommen sicher zu sein.

"Du hast eine besondere Gabe", sagte er mit ruhiger Stimme. "Du kannst Dinge sehen, die niemand sonst wahrnehmen kann."

"Ich will das nicht", sagte Sam und schüttelte den Kopf. "Es tut weh."

Er dachte an den Schmerz, die Kälte. Wie sollte ein kleiner Junge damit fertig werden, wenn nicht einmal er es konnte?

"Ich weiß", sagte Mulder sanft.

"Agent Scully?", die Tür wurde geöffnet und eine Krankenschwester trat ein.

Fragend richteten sich 4 Augenpaare auf sie.

"Dem Jungen geht es gut", sagte sie, ohne Sam anzusehen. "Kein Grund, ihn hierzubehalten", mit diesen Worten wandte sie sich ab und verschwand genau so schnell wie sie gekommen war.

Die beiden Agenten sahen sich an, schienen stille Zwiesprache zu halten.

Sam erkannte, wie gut sie sich kennen mussten, um eine solche Verbindung zu entwickeln. Schon die ganze Zeit über hatte er gespürt, dass diese beiden etwas ganz besonderes verbinden musste, zu deutlich war die Vertrautheit im Umgang miteinander.

Sein Blick fiel auf Scullys Bauch und er fragte sich, ob Mulder wohl der Vater ihres Babys war.

Scully begann zu sprechen, als sie den Blick von Mulder löste. Stumm waren sie zu einer Entscheidung gelangt.

"Wie wär's, wenn Du für eine Weile bei mir bleiben würdest?", fragte sie Sam und lächelte sanft.

Der Umgang mit einem Fünfjährigen würde ihr ein Gefühl dafür geben, was es hieß eine Mutter, für jemanden verantwortlich, zu sein.

"Besser als ein Heim", gab Al zu bedenken und Sam nickte bestätigend bevor sein Hologramm durch die Imaging Chamber Tür verschwand.

"Ich warte draußen im Wagen", sagte Mulder und verließ das Zimmer, nicht ohne noch einmal einen Blick auf Scully und den Jungen zu werfen.

Wehmütig dachte er an das Baby, dass in ihr heranwuchs und das zu beschützten er sich geschworen hatte. Ganz egal, was es ihn persönlich kosten würde, er würde alles, wirklich alles für das Glück der beiden tun. Zuviel schon hatte Scully durch ihn und seine Suche verloren, dieses Kind würde sicher sein, so lange er lebte.

Leise schloß er die Tür hinter sich.

 

Langsam kletterte Sam aus dem Bett, suchte nach seiner Kleidung.

"Laß mich das Hemd zu knöpfen", bot Scully an als Sam etwas unbeholfen mit den kleinen Knöpfen hantierte.

"Ich kann das...", wollte er widersprechen, hielt aber inne als er ihrem Blick begegnete.

Ihre Augen musterten ihn zärtlich, ihre Hand strich sanft über sein Haar.

Sam fühlte starke Zuneigung in sich aufsteigen, ohne Frage würde sie eine gute Mutter sein.

"Ein Junge oder ein Mädchen", fragte Sam leise und deutete auf Scullys Bauch.

Scully schüttelte den Kopf.

"Eine Überraschung", kurz lächelte sie.

'Solange es ein Mensch ist', fügte Scully in Gedanken hinzu.

Noch immer wusste sie nicht, wie sie überhaupt schwanger werden konnte. Sie war unfruchtbar, unfähig, ein Baby zu empfangen und hier war sie nun mit einem Bauch so rund, dass sie kaum noch ihre Füße sehen konnte.

Sämtliche Tests hatten ergeben, dass ihr Baby gesund war - und menschlich. Und doch wünschte sie sich, sagen zu können, dass es keinen Zweifel daran gab, dass Mulder der Vater war. Das sie durch den Wunsch, den sie ihm gegenüber geäußert hatte, dieses Wunder empfangen würde...

Sam sah den aufflackernden Schmerz, die Unsicherheit in ihrem Blick.

"Es ist doch alles in Ordnung", fragte er und legte seine Hand auf ihren Bauch.

Scully wunderte sich über die völlig ernst gemeinte Frage - der Junge wirkte viel älter als 5 Jahre wie er jetzt sanft über ihren Bauch strich.

Sam konnte die Bewegungen des Babys unter seiner Hand spüren, er fühlte den Frieden und die Sicherheit, die von ihm ausging.

"Es wird alles gut werden", sagte er und blickte Scully direkt in die Augen. "Haben Sie keine Angst", er nickte leicht.

Scully fuhr etwas überrascht zurück.

Etwas an der Art, wie der Junge das sagte, beruhigte sie, gab ihr das Gefühl, ihm glauben zu können.

Sam griff nach Scullys Hand, zog sie in Richtung Tür.

"Ihr Partner wartet sicher schon."

Scully nickte nur.

 

 
Vor dem Krankenhaus

 

Mulder fragte sich schon, warum das so lange dauerte als er endlich Scully und den Jungen entdeckte.

Sie hielten sich an den Händen und es schien, als würde das Kind Scully führen. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck von Zweifel und Verwunderung und er fragte sich besorgt, was während seiner Abwesenheit vorgefallen war.

Mulder stieg aus, öffnete für beide die hintere Tür.

"Wir haben leider noch keinen Kindersitz", sagte er leicht lächelnd, wobei er Scully einen kurzen fragenden Blick zuwarf.

Sie wich seiner stummen Frage aus und stieg ins Auto.

Mulder zuckte mit den Schultern, er würde sicher noch einen Gelegenheit finden, mit ihr zu sprechen.

 

 
Scullys Apartment
Annapolis

 

Die Fahrt zu Scullys Wohnung verlief schweigend.

Mehrere Male hatte Sam beobachtet wie Mulder seiner Partenerin durch den Rückspiegel fragende Blicke zugeworfen hatte.

Scully hatte nicht reagiert.

Sie saß stumm neben ihm und hielt seine Hand fest umschlossen. Es schien als würde sie Kraft und Geborgenheit bei ihm suchen statt anders herum.

 

Scully öffnete sie Tür zu ihrer Wohnung.

"Hast Du Hunger, Ben?", fragte sie auf dem Weg in die Küche.

Sam nickte, tatsächlich verspürte er eine Leere in seinem Magen, die ihn leise knurren ließ.

Mulder lächelte ihn an.

"Ein kleine Führung gefällig?"

Ohne darauf zu achten, ob Sam ihm auch folgte, ging Mulder durch die Wohnung, erklärte ihm was er wissen mussten und brachte ihn mit kleinen Geschichten zum Lachen.

Vor der Tür eines weiteren Zimmers blieb Mulder unschlüssig stehen, fragend sah Sam ihn an.

Langsam streckte Mulder seine Hand in Richtung Türdrücker, vorsichtig, als könnte er jemanden stören, öffnete er sie.

Der Blick auf ein liebevoll eingerichetes Kinderzimmer wurde frei.

Sam sah sich um.

Als sein Blick auf eine handgemachte Puppe fiel, die im Kinderbett lag, lächelte er.

"Ob ihm das wohl gefallen wird", murmelte er und sein Lächeln wurde breiter bei der Vorstellung.

"Was?", fragte Mulder, der gedankenverloren neben ihm stand.

Er hatte Scully zusammen mit ihrem Baby in dem Zimmer gesehen, hatte sich gefragt, ob eine Zeit kommen würde, in der er zusammen mit ihnen hier spielen und lachen würde.

Schon seit er von dem Baby wusste, hatte er beschlossen, unterzutauchen. Er würde warten, bis das Baby sicher geboren war und dann verschwinden.

Er würde das FBI, die X-Akten, alles zurücklassen, was je von Bedeutung für ihn war, denn jetzt zählte nur noch Scullys Sicherheit, ihre und die des Babys.

Was ihn sorgte, war die Frage, ob Scully seine Entscheidung verstehen würde...

Mulder spürte wie sich eine Hand sanft in seine schob und er sah auf den Jungen, der neben ihm stand.

"Machen Sie sich keine Sorgen", flüsterte Sam. "Es wird Ihnen nichts passieren."

Er konnte nicht genau sagen, warum er sich so sicher war, aber er fühlte es. Tief in seinem Innern - oder in Bens? - wusste er, dass den beiden Agenten und ihrem gemeinsamen Sohn nichts Böses passieren würde.

Mulders Blick flackerte bei der Zuversicht in der Stimme des Jungen.

'Konnte er die Zukunft sehen? Konnte er all seine Fragen beantworten?'

Noch ehe er eine Frage stellen konnte, brach das Kind den Kontakt zu ihm ab und er blieb stumm.

Sam ließ Mulders Hand los als Al durch die Imaging Chamber Tür auftauchte und trat weiter in den Raum.

"Ich werde Scully zur Hand gehen", sagte Mulder und ließ Sam in dem Kinderzimmer zurück.

Auf dem Weg in die Küche hörte er Ben sprechen.

 

"Al!", rief Sam aufgeregt. "Es ist unglaublich. Ich... ich kann... unglaublich."

"Was ist unglaublich?", wollte das Hologramm wissen.

Sam lief aufgeregt im Raum auf und ab.

"Die Visionen, sie sind nicht alles", antwortete er und seine Stimme überschlug sich fast. "Ich kann Dinge spüren, ich kann fühlen, was in jemandem vorgeht....ich...."

"Sam!", unterbrach ihn Al und schüttelte den Kopf.

"Es war unglaublich", redete Sam ungebremst weiter. "All die Gefühle.... und.... Bilder, da waren Bilder", er blickte auf und sah seinem Freund ins Gesicht. "Du glaubst mir nicht?!"

Das Hologramm winkte beschwichtigend ab.

"Frag Ziggy, ob Scully einen Jungen zur Welt bringen wird", forderte er ihn auf.

"Deine Chancen stehen fifty-fifty", wandete Al ein und nickte dann als der Hybridcomputer Sams Aussage bestätigte.

"Sie haben Angst um das Baby", flüsterte Sam. "Sie weiß nicht, ob Mulder der Vater ist, ob es überhaupt ein Mensch ist und er, er wird sie verlassen, um sie zu schützen. Er..."

"Bitte, Sam!", Als Kopf dröhnte von den Informationen, die nur so aus seinem Freund heraussprudelten.

"Ich weiß es, Al", sagte Sam ernst.

"Okay", das Hologramm winkte ab. "Das ändert aber nichts an dem Grund, aus dem Du hier bist."

 

 
Küche

 

Mulder stand in der Tür, blickte auf eine in Gedanken versunkene Scully und wieder überfiel ihn Schmerz über den Abschied, der nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Er wusste nicht, wie er ohne sie, ihre Unterstützung und ihren Glauben an ihn überhaupt weiterleben sollte.

Auch wenn er nicht mehr ein Teil ihres Lebens würde sein können, immer würde sie einen Platz in seinem Herzen haben - er liebte sie und das würde sich niemals ändern.

Seine Entscheidung zu gehen, war richtig, es gab keine andere Möglichkeit.

Mulder atmete tief durch, schreckte Scully aus ihren Gedanken auf.

Sie hob ihren Kopf, sah Mulder in der Tür stehen und ihre Blicke begegneten sich.

Wie Mulder selbst, hatte Scully an ihre Zukunft gedacht - wenigstens hoffte sie, dass es eine Zukunft gab.

Beiden lasen sie Trauer und Zweifel in den Augen des anderen. Langsam gingen sie aufeinander zu und ohne ein Wort nahm Mulder sie in den Arm, zog sie sanft an sich.

Scully nahm seinen Duft auf, spürte die Wärme, die von ihm ausging und ihre Zweifel verflüchtigten sich. So lange er bei ihr war, konnte niemand ihr etwas anhaben. Mulder würde immer an ihrer Seite stehen, er würde für sie und ihr Baby da sein, selbst wenn... Sie kniff die Augen zusammen, verscheuchte den kurzen Gedanken, dass Mulder nicht der Vater sein könnte und stellte sich stattdessen ein kleines Baby mit haselnußbraunen Augen vor.

Mulder merkte, wie Scully sich in seinen Armen entspannte und er schloss für einen Moment die Augen. Dann trat er einen Schritt zurück, fuhr sanft mit seinen Händen über ihre Wangen, dabei hielten seinen Augen die ihren fest.

"Ich werde immer da sein", flüsterte er und als Scully kaum merklich nickte, küsste er sie auf die Stirn.

Eine Träne lief über Scullys Gesicht als er sie wieder an sich drückte. Seine Worte glichen einem Schwur und doch hatte sie so etwas wie einen Abschied aus ihnen herausgehört.

Sie schlang ihre Arme um seine Taille, presste ihren Körper ganz fest an seinen.

Und so fand Sam die beiden als er in die Küche trat.

Er wollte gerade leise zurücktreten, als Scully ihn bemerkte. Langsam löste sie sich von Mulder, ein Lächeln umspielte ihre Lippen.

"Hunger?", fragte sie und Sam nickte.

Mulder blieb und während des Abendessens konnte Sam beobachten, wie er ihn und Scully betrachtete. Seine Miene drückte dabei Freude und gleichzeitig Trauer aus.

Al hatte ihm, so wie er es schon vermutet hatte, gesagt, dass Mulder nach der Geburt des Babys untertauchen würde. Er hatte aber auch gesagt, dass damit die Gefahr für Mutter und Kind nicht gebannt war, sie würden noch immer in Gefahr schweben. Diese Tatsache konnte Sam aber nicht ändern, er war hier, um Bens Leben zu retten - Mulder und Scully würden selbst einen Weg finden, er konnte ihnen nur Mut machen, an sich und ihre gemeinsame Zukunft zu glauben.

Nach dem Abendessen verabschiedete sich Mulder, auf seine Art.

Er blickte Scully lange in die Augen, schien sich mit ihr in einer Sprache zu unterhalten, die Sam nicht verstand, dann zwinkerte er ihm zu und schloss hinter sich die Tür.

"Zeit für's Bett", sagte Scully als Mulder durch die Tür verschwunden war.

 

 
Stunden später

 

Sam warf sich unruhig in seinem Bett hin und her.

Bilder von Scully und ihren Baby tauchten hinter seinen geschlossenen Augen auf.

Er spürte Scullys Freude über die Geburt ihres Sohnes, ihre Trauer als Mulder fortging.

Er sah 3 merkwürdig aussehende Männer, denen Scully ihr Baby übergab, die Sorge auf ihrem Gesicht als sich die Türen eines dunklen Vans vor ihren Augen schlossen und sie ihr Baby nicht mehr sehen konnte.

Er hörte ihre Schreie auf der Suche nach ihrem Sohn, fühlte die Erleichterung als sie ihn endlich wieder in die Arme schließen konnte.

Ein Geräusch riss Sam aus seinen Träumen.

 

 
Mulders Apartment

 

Auch Mulder schlief unruhig.

Er lag auf seiner Couch im Wohnzimmer, der Fernseher lief wie so oft und das flackernde Licht fiel auf sein verspanntes Gesicht. Nicht, dass er oft friedlich schlafen würde, aber nicht Alpträume hielten ihn wach, sondern eine dunkle Vorahnung ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.

Plötzlich spürte er einen kalten Windhauch, der über seine Gesicht fuhr und er setzte sich ruckartig auf.

Etwas verwirrt sah er sich um als sein Blick an seinem Schlüsselbund, der vor ihm auf dem Tisch lag hängen blieb.

Ein kleines Schild mit Scullys Namen drauf "starrte" ihn an und ihm stockte für einen Moment der Atem. Seine Brust zog sich schmerzhaft zusammen und er keuchte auf.

"Scully!", rief er und war mit weniger als 5 Schritten aus seinem Apartment gestürmt.

 

 
Scullys Apartment

 

"Sam! Wach auf!", rief Al wohl schon zum fünften Male ehe sein Freund die Augen öffnete und ihn verschlafen ansah.

"Al?"

"Komm schon Sam, steh auf", das Hologramm blickte sich zur Tür um. "Er ist hier!", flüsterte er völlig unnötig, da niemand außer Sam konnte ihn sehen und hören.

"Hier? Wer?", Sam war noch immer etwas benommen von seinem Traum und verstand nicht, von wem Al sprach.

"Jake Willson!"

Mit einem Satz war Sam aus dem Bett.

"Wo ist Scully?", fragte er.

"Sie schläft", antwortete das Holgramm als sie ein Poltern hörten.

Offensichtlich war der Eindringling im Dunkeln über etwas gestolpert.

 

Scully riss die Augen auf, horchte in die Dunkelheit.

Ihre Hand suchte nach der Waffe, die immer auf dem Nachtischschrank neben ihr lag und griff ins Leere.

Sie hatte die Waffe oben auf den Küchenschrank gelegt, damit Ben sie nicht in die Hände bekam.

Scully fluchte leise.

 

Sam öffnete vorsichtig die Tür und starrte über den Flur.

"Er ist in der Küche", flüsterte Al und Sam wandte sich in Richtung Scullys Schlafzimmer.

Als er ihre Tür öffnen wollte, ging sie von innen auf und zwei Händen griffen fest nach ihm.

Erst wollte Sam sich wehren, erkannte dann aber Scully und blieb ruhig.

"Es ist jemand hier", flüsterte er und Scully nickte stumm.

Sie überlegte, wie sie an ihre Waffe kommen konnte, um sich und den Jungen zu schützen als plötzlich das Licht eingeschaltet und beide für einen Moment geblendet wurden.

"Ich will nur den Jungen", rief Jake Willson und Scully schob Sam hinter sich, deckte ihn mit ihrem Körper.

Langsam drängte sie ihn rückwärts bis sie die Schlafzimmertür zuschlagen und verschließen konnte.

Von außen trommelten Fäuste wild gegen die Tür.

"Er ist ein Monster!", rief Willson und trat gegen die Tür. "Sehen Sie das nicht?"

Scully sah sich suchend in ihrem Schlafzimmer um, aber sie fand nichts, was sie als Waffe benutzen konnte. Sie hatte nicht einmal ein Telefon hier, um Hilfe zu rufen.

"Monster! Monster Monster", dröhnte es von der Tür und Sam zuckte bei jedem Wort zusammen.

Kälte ergriff ihn und er stöhnte auf als Bilder wie Blitze durch sein Hirn schossen.

"Sam!", rief Al, der sah wie sein Freund an der Wand lang auf den Boden rutschte.

Sam sah die Tür splittern, den Wahnsinn in den Augen Jake Willons und er sah Scully, wie sie ihn mit ihrem Körper schützte.

Er fühlte warmes Blut, wie es über seine Finger ran und eine Träne löste sich aus seinem Auge, als Scullys Zukunft und die ihres Babys ausgelöscht wurde.

"Sam!", rief Al noch immer. "Du musste etwas tun", aufgeregt blickte er zwischen seinem Freund und der Tür, die dem Druck nicht mehr lange standhalten würde, hin und her.

"Ben?", Scully beugte sich über ihn, ihre Hand berührte ihn sanft, wischte die einzelne Träne fort.

Auch sie blickte immer wieder zur Tür.

Wie sollte sie den Jungen und sich schützen?

'Mulder!', rief sie stumm und betete stumm, dass es ihm irgendwie möglich war, sie zu hören.

Die Tür brach und das Geräusch aus seiner Vision ließ Sam zu sich kommen.

Er blickte in Scullys Augen, spürte ihre Angst - nicht um ihr eigenes Leben, sondern um ihn und ihr Baby.

"Monster!", brüllte Willson und stürmte mit erhobenen Messer auf sie beide zu.

Noch ehe Scully reagieren konnte, war der Junge auf den Beinen, schob sie hinter sich und versuchte sie mit seinem kleinen Körper zu schützen.

In Willsons Augen stand der pure Wahnsinn als er auf sie zu stürzte.

Fast hatte er sie erreicht als ein einzelner Schuß durch den Raum hallte und Willson zum Stillstand brachte. Das Messer entglitt seiner Hand und er fiel ohne ein weiteres Wort tot zu Boden.

Willson gab den Blick auf Mulder frei, der mit erhobener Waffe schweratmend in der Tür stand.

"Mulder!", flüsterte Scully ungläubig ehe sie hinter Sam auf die Erde rutschte.

Sofort war Mulder bei ihr, zog sie in seine Arme und Scully klammerte sich Halt suchend an ihn.

Ihr Kopf ruhte an seiner Brust während sie leise weinte.

"Es ist alles gut", flüsterte Mulder immer wieder und strich sanft über ihr Haar.

Sam und Al standen schweigend neben dem Paar, für Worte war jetzt kein Platz, zuviel war zu schnell passiert.

"Ben?", Scullys Kopf hob sich und sie streckte eine Hand nach Sam aus.

Sam ergriff sie, ließ sich in die Umarmung der beiden mit einbeziehen.

Als sich Scullys und Mulders Arme um ihn schlossen, fühlte er sich von Wärme und Sicherheit umgeben - nichts und niemand konnte den Schutzwall dieser beiden durchbrechen.

"Sag auf Wiedersehen, Sam!", flüsterte Al gerührt, verstohlen wischte er eine Träne fort.

Sam blickte noch einmal von einem zu anderen und er wusste, dass ihre Zeit kommen würde.

"Bye", flüsterte er lautlos und sprang....

 
Ende

 
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