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Ich weiß um deine Freiheit© by Birgitt (), Februar 2004
"Du weißt wirklich, wie man mit Menschen umgeht."
Und du verbringst zu viel Zeit mit Zynikern, Eure Höchstwohlgeborenheit. Diesmal behielt ich meinen bissigen Kommentar für mich. Vergeblich versuchte ich, mich gegen ihre Fürsorge zu wehren, versuchte, den Schmerz zu ignorieren. Es schmerzten leider zu viele Stellen. Vielleicht würde Reden meinem Hirn etwas zu tun geben, es davon abbringen, all die Muskeln und Nerven aufzuzählen, die Vaders Folter aufgespürt und mit unzähligen Abstufungen von Schmerz zurückgelassen hatte. "Luke wird nicht kommen! Der Junge ist clever!" Es hörte sich in meinen eigenen Ohren falsch an und der Schatten auf Leias Gesicht zeigte mir, daß sie meine Feststellung auch nicht glaubte. Chewie brauchte ich nicht mal anzusehen. Keine Chance, daß ich ihn täuschen konnte. Ich ballte meine Fäuste, um mich davon abzuhalten, auf die metallene Pritsche einzuschlagen, auf der ich lag. Die Prinzessin... nein, Leia! In was bin ich hier nur reingeraten? Ich stöhnte bei dem Gedanken an unsere neue... Beziehung. Offensichtlich mißverstand sie diesen Laut als ein Zeichen einer weiteren Schmerzattacke, denn sie lehnte sich zu mir hinunter und flüsterte, "Ganz ruhig, Han, versuch nur, dich zu entspannen. Der Schmerz wird nachlassen. Irgendwann." Tränen glitzerten in ihren dunklen Augen und ihr Gesicht war verschmiert von bereits vergossenen Tränen, was sie jünger aussehen ließ. Jünger als ich sie jemals gesehen hatte. Ich unterdrückte so eben ein weiteres Stöhnen. Dies hier war purer Wahnsinn. Ich hatte mein ganzes Leben damit angegeben, daß ich Herr meiner eigenen Zukunft wäre. Das Schicksal würde mich keinesfalls unterkriegen. Ich bestimmte, wie ich lebte, wen ich liebte, und vor allen Dingen, wie ich sterben würde. Und ich wollte kämpfend draufgehen. Jetzt war mir diese Entscheidung genommen worden. Ich war zu einer hilflosen Puppe geworden. Und zur entscheidenden Figur für den Untergang eines anderen Mannes. Wann war mir mein Leben derart aus den Händen geglitten? Wann genau hatte ich die Kontrolle verloren? Wahrscheinlich in dem Augenblick, als ich Kenobis allzu verlockendes Angebot akzeptiert hatte. "Warum, Leia? Wie kann Vader so sicher sein, daß Luke hierherkommen wird?" Ich rappelte mich auf, stützte mich auf meine Ellbogen, voller Haß auf meine Hilflosigkeit. "Die Macht, Han. Die Macht ist stark in Luke, vielleicht kann er unser Leid fühlen." Es hörte sich an, als wollte sie noch mehr sagen, aber sie brach ab. Sie hatte leise gesprochen, als teilte sie mir eine Wahrheit mit, die ich nicht akzeptieren würde. Nun, ich mochte diese Idee einer absoluten Machtquelle immer noch nicht, aber ich kannte Luke inzwischen gut genug, um seinen Fähigkeiten zu trauen, wo auch immer sie herkamen. Ich nickte und sie entspannte sich sichtlich. Hatte sie einen Streit erwartet oder befürchtet? Wahrscheinlich. "Dann wären wir besser tot", schlug ich vor. Es sollte wie ein Witz klingen, aber als ich ihre Reaktion sah, begannen sich die ersten unzusammenhängenden Teile eines Planes in meinem Kopf zu formen. Wenn wir drei tot wären, hätte Luke keinen Grund mehr herzukommen. Kein Köder, keine Falle! "Glaubst du, es gibt noch eine Chance?", fragte ich, obwohl ich bereits ihre Antwort kannte. "Was macht das für einen Unterschied? Wir werden ohnehin sterben!" "Du hast recht, was mich angeht. Aber du sollst bei Lando bleiben." "Warum sollten wir seinem Wort vertrauen? Ich würde nicht hierbleiben wollen. Nicht ohne dich." Sie beugte sich vor und ihre Lippen berührten sanft die meinen. Es gab keinen Grund, daß sie ihre Entschlossenheit unter Beweis stellte, aber ich mochte die Art, wie sie ihre Eide bekräftigte. Es war schwer loszulassen. "Chewie?" Der Wookiee hatte eine Art Privatsphäre für Leia und mich aufgebaut, indem er sich in die andere Hälfte der im Halbdunkel liegenden Zelle zurückgezogen hatte. Jetzt kam er zu uns und ragte vor mir auf. Seine Gegenwart allein gab mir etwas Zuversicht zurück. "Wie wäre es mit einem weiteren Selbstmordkommando?" Sein zustimmendes Brüllen war auch Ausdruck seiner Erleichterung, daß er bald wieder würde handeln dürfen. Da uns Waffen und auch andere Mittel fehlten, um uns in dieser Zelle das Leben zu nehmen, wäre ein Ausbruchsversuch der vielversprechendste Ansatz, mit unseren Leben abzuschließen. Und vielleicht ergab sich doch noch eine minimale Chance zur Flucht. "Einen Kampf zu inszenieren ist ein alter Trick, aber wenn wir überzeugend sind..." Leia unterbrach mich einfach. "Wir haben nicht die Zeit, auf eine weitere Gelegenheit zu warten. Luke kann jederzeit eintreffen." "Wahrscheinlich haben sie Anweisungen, daß sie uns am Leben lassen sollen. Ihre Waffen sind dann auf Betäubung eingestellt. Mindestens einer von uns muß solange bei Bewußtsein bleiben, bis er an eine Waffe kommt und es damit beenden kann." Leia und Chewbacca nickten. "Noch was?" Chewbacca schüttelte den Kopf. Seine Körperhaltung zeigte deutlich, daß er bereit für den Kampf war. Leia sagte grimmig, "Laßt uns nur so viele von denen mitnehmen wie möglich. Sterbt nicht, ohne etwas ausgerichtet zu haben." Ich lächelte sie an. "Kein Sorge, Leia, aber es ist egal. Du hast gelebt, um etwas auszurichten." Ihr Lächeln ließ mich meinen Zustand etwas vergessen. "Okay, laßt uns mit der Show anfangen. Und, Chewie? Das muß echt aussehen!" Mit einem Brüllen war der Wookiee über mir, hob mich hoch in die Luft. Ich strampelte mit Armen und Beinen, fühlte mich wahrlich wie eine Puppe. Chewbaccas Schreie und sein Brüllen ließen einen Schauer über meinen Rücken laufen und meine eigenen Schreie - ausgestoßen aus Überraschung und Schmerz - füllten seine - dramatischen? -Pausen. Die Tür glitt zischend auf und drei Trooper stürmten - ihrem Namen alle Ehre machend - mit erhobenen Waffen in die Zelle, starrten auf die Szene, die sich vor ihnen abspielte. Chewbacca tat so, als würde er mich auf sie werfen, und sie duckten sich unwillkürlich, statt den Wookiee einfach niederzuschiessen. Ich landete sicher auf den Füßen, aber der Aufprall machte mich benommen. Als ich wieder klar sah, erkannte ich, daß Leia und Chewbacca mit zwei Troopern kämpften. Chewbacca entriß seinem Gegner die Waffe. Er trat zurück - ob, um die Waffe zu benutzen oder ihre Einstellung zu ändern, konnte ich nicht sagen. Ich stolperte nach vorn, versuchte, den dritten Trooper zu erreichen, der vergeblich nach einer Möglichkeit suchte, auf Leia oder Chewbacca zu zielen. Als ich auf ihn zukam, hob er seine Waffe und schoß. Der Strahl traf mich wie eine Flamme und mein Schmerzensschrei hallte in meinem Kopf wider, als ich das Bewußtsein verlor. Als ich wieder zu mir kam, hätte ich aus schierem Frust aufheulen können. Es schien, als wäre ich verdammt, einen immer wiederkehrenden Alptraum durchzumachen. Ich selbst auf der Pritsche liegend, Leia wie sie sich um meine zu zahlreichen Wunden kümmerte und Chewbacca, der hinter ihr stand und auf uns hinabsah. Deja vu. "Es tut mir leid." Meine Stimme war nur ein Flüstern. "Wenn ich schneller gewesen--" "Shhh, es war ein Versuch und wir haben versagt. Hast du gehört, Han? Wir haben versagt. Tu dir das nicht an!" Klarer Kommandoton. "Ja, Sir!" Das brachte sie zum Lächeln, auch wenn es ein trauriges war. "Was habe ich verpaßt?" "Nichts besonderes. Mein Gegner schlug mich zu Boden und bevor Chewie feuern konnte, traf ihn der Soldat, der auch dich betäubt hatte. Chewie ist kurz vor dir zu Bewußtsein gekommen. Sie haben es nicht mal für nötig gehalten, mich niederzuschießen." "Luke?" Leia zuckte mit den Achseln. "Ich weiß es nicht." Sie zog eine Grimasse. "Wir haben es versucht. Jetzt werden wir warten." Sie lachte, als ich sie entsetzt anstarrte. "Erinnere mich daran, daß ich dir Ras-aldon beibringe, wenn wir im nächsten Hyperflug sind, Captain Solo. Es ist ein Alderaani-Spiel, um kleine Kinder Geduld zu lehren." Ich konnte die Traurigkeit in ihren Augen erkennen. "Oder warte, bis wir selbst Kinder haben. Dann werde ich es euch allen zusammen beibringen." Ihre Stimme zitterte nicht für einen Augenblick. Wie wir die letzten Monate verschwendet hatten. Wie ich mit meinem Leben gespielt hatte. Einmal ein Spieler... Ich begriff erst, daß ich weinte, als Leia die Tränen wegküßte. "Leia, du bist so stark. Falls--" Ich unterbrach mich selbst, versuchte, den Klumpen in meiner Kehle herunterzuschlucken. "Versprich mir eins. Wenn Fett mich holt, laß mich gehen. Wirst du das tun?" Sie schüttelte den Kopf, lächelte immer noch, küßte mich immer noch. Ich nahm ihr Gesicht in meine Hände. "Leia, versprich es mir. Wie kann ich bei Verstand bleiben, wenn--" "Sie sind nicht in der Verfassung, Befehle zu geben, Captain. Rutsch rüber." Ohne nachzudenken machte ich ihr Platz und sie legte sich neben mich, sah mich an. "Wir haben nicht mehr viel Zeit, Han. Laß sie uns nicht verschwenden!" Ich sah Chewbacca an, der knapp nickte und sich bereits in die dunkleren Schatten der Zelle zurückzog. Ich drehte mich zu Leia. "Du bist sicher." Es war eine Feststellung, keine Frage, und ich konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. "Seltsam was ihr Alderaani unter Abwarten und Geduld versteht." Ich konnte das stille Lachen, das durch ihren Körper lief, spüren. Der nächste Schritt kam wie von selbst und ihr Mund öffnete sich willig dem meinem. Ich ließ vollständig los, erinnerte mich nicht mehr, warum ich gezögert hatte, kümmerte mich nicht länger um die Zukunft. Lebe in diesem Augenblick. Unsere Zungen trafen sich. Meine Finger entwickelten ein Eigenleben, erforschten die Kurven ihres schlanken Körpers. Ich zwang sie, ihr Gesicht zu berühren, die fast nicht sichtbaren Falten zu ertasten, die Lachen und Schmerz hinterlassen hatten. Ich brach den Kuss ab. "Ich werde mich an dich erinnern, und ich werde mich hieran erinnern." Irgendwie wurden ihre Gedanken zu meinen. Luke... kam es wie ein Flüstern und dann war es im nächsten Moment vorbei, bevor sich der Gedanke in meinem Hirn einpflanzen konnte. Doch dann war da noch mehr. Han... komm zu mir. Ich liebe dich. Vertrau mir. Ich war nicht überrascht über das, was geschah. Werde ich. Offensichtlich funktionierte es in beide Richtungen, denn sie lächelte strahlend. Für einen Augenblick gehörte uns die Welt. Im nächsten Augenblick brach sie um uns herum zusammen.
***
Ich hatte keine Ahnung, warum sie Chewbacca erlaubten, 3PO mitzunehmen. Aber ich war froh, daß es zuließen. Irgendwie bedeutete es, daß Chewbacca weitermachen würde. Ich fragte mich auch, wohin sie uns gebracht hatten. Ich hatte erwartet, daß sie mich einfach aus der Zelle holen und mich Fett übergeben würden. Aber das hier... Ich war noch niemals in einer solchen Anlage gewesen. "Was geht hier vor... Kumpel?" Ich erwartete keine Antwort von Lando. "Sie werden dich in Karbon einfrieren." Sein Tonfall verriet seinen Ärger, seine kaum kontrollierte Abscheu. Aber in mir war nichts mehr, das sich irgendwie in Mitgefühl für ihn verwandeln konnte. Nicht, nachdem sie uns diesen letzten unschätzbaren Augenblick entrissen hatten. Und jetzt hatten sie einen neuen Alptraum für uns entworfen. Oder war es immer noch derselbe? Es war egal. Es gab nichts und niemanden, der mich aufwecken würde. Vader sprach mit Fett und beendete den kurzen Austausch mit einem Befehl. "Fangt an!" Ich hätte es erwarten sollen. Chewbacca griff die Trooper an, ignorierte völlig den Droiden, der auf seinem Rücken geschnallt war. Sein Brüllen sagte mir, daß er auf Blut aus war. Die Lebensschuld ließ nicht zu, daß er meinen Tod überlebte. 3PO jammerte und wedelte mit seinem einen Arm. "Oh, nein! Nein, nein, nein! Hör auf, Chewbacca, hör auf...!" Er hatte recht. "Hör auf, Chewie, hör auf! Hörst du mich? Aufhören!" Ich griff die Arme des Wookiees und konnte das Muskelspiel unter dem Fell spüren. Für einen Moment überlegte ich, ihn zu bitten, mir das Genick zu brechen. Was vor mir lag, ängstigte mich... zu Tode. 3POs Stimme brachte mich zurück. "Ja, aufhören, bitte! Ich bin noch nicht bereit zu sterben..." Wieder hatte er recht. Ich war auch noch nicht bereit zu sterben. Nun, Goldrute war ein Experte in Kommunikation. War ganz natürlich, daß er zu meiner Stimme wurde. Auch wenn ich lieber gestorben wäre, bevor ich das zugab... "Chewie! Chewie, das wird mir nicht helfen. Hey!" Endlich begegnete er meinem Blick. "Spar dir deine Kraft. Es wird eine andere Zeit geben. Die Prinzessin... du mußt dich um sie kümmern. Hörst du mich?" Als würde sie meine Gedanken lesen, stellte sich Leia neben uns und berührte den Wookiee. Während die Imperialen ihn banden, ergriff ich die letzte Gelegenheit und küßte Leia. Diese Ewigkeit endete, als sie mich von ihr wegzogen und zur Plattform brachten. Ich ignorierte die technische Ausrüstung um mich herum, sah nur sie an. Das Einzige, was ich sah, war sie. Das Einzige, das mich kümmerte. "Ich liebe dich!" Ihre Worte mochten dieselben sein wie bei diesem letzten Gedanken, den sie mir in dieser verdammten Zelle geschickt hatte, aber ihr Ton... Freude hatte sich in völlige Verzweiflung gewandelt. Trotzdem... "Ich weiß." Ich hoffte, sie verstand. Ich konnte sie nicht an mich binden, indem ich ihr sagte, wieviel sie mir bedeutete. Sie mußte weitermachen, egal was mit mir geschah. Ich sah ihre Tränen. Ich hörte Chewies Brüllen. Ich fühlte meine eigene Angst. Ich--
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