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You have the bravest heart

© by Birgitt (), Februar 2004

 

Disclaimer: Das Copyright für Star Wars liegt bei Lucas-Film. Ich besitze zwar die Rechte an dieser Story, habe aber keine Intention, damit materielle Vorteile zu erlangen. Der Titel entstammt dem Lied Turn the Tide von Sylver.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der Star-Wars-Seite

 

Die Gelegenheit war zu gut, um wahr zu sein. Zu gut, um sie verstreichen zu lassen. Leia hatte nicht erwartet, so bald und so leicht Han befreien und aus Jabbas Reich fliehen zu können. Denn schließlich hatte sie den Gerüchten und hanebüchenden Geschichten, die in der Galaxis kursierten, nie getraut. Gerüchte über Jabbas Dekadenz und Geschichten über seine rauschenden und berauschenden Feste, mit denen er seinen Hofstaat regelmäßig unterhielt. Regelmäßig? Nach dem, was man ihr über die Gepflogenheiten im Palast zugetragen hatte, resultierten diese Feiern täglich - oder besser nächtlich - in einem totalen Kollaps von Herr und Untertanen, nachdem der Lichtzyklus des Palastes längst geendet hatte. Selbst die diensthabenden Wächter sicherten sich ihren Anteil an Speisen, Getränken und allen möglichen und unmöglichen Ablenkungen. Ihre Wachsamkeit ließ entsprechend zu wünschen übrig und die Sicherheit im Palast war nichts, was man bei einem so verhaßten Wesen wie Jabba erwarten würde. Und ginge man allein nach den Gefühlen seiner Feinde, müßte Jabba sein Dasein in einen Hochsicherheitstresor gequetscht fristen, um einigermaßen sicher zu sein.

Ich frage mich, wie er so lang überleben konnte. Vielleicht ist genau das der Grund - seine Vorherrschaft auf diesem Planeten und im gesamten Randgebiet der Galaxie ist so umfassend, daß die Geschichten über die Uneinnehmbarkeit seiner Festung allein ausreichen, Attentäter abzuschrecken. Wahrscheinlich bin ich die erste, die einen Angriff von innen wagt. Zudem habe ich es nicht auf Seine Ekligkeit selbst abgesehen.

Du klingst immer mehr wie Han. Leia lächelte unter der scheußlichen Maske des Kopfgeldjägers, mit deren Hilfe sie in Jabbas Nähe hatte gelangen können. Dennoch wäre die Kostümierung sinnlos gewesen ohne den Köder in Gestalt eines tapferen Wookiees, der sein Leben für das seines Partners und Freundes riskierte. Der Gedanke an Chewie holte sie aus ihren Überlegungen. Ein Schritt nach dem anderen. Wenn wir alle hier raus sind, haben wir genug Zeit für Scherze und Albernheiten.

Ihr Plan war sehr einfach und in gleichem Maße verzweifelt. Es waren zu viele Wenns involviert und die Chancen waren minimal, daß all diese Wenns ihre vorgesehene Rolle spielen würden. Aber Leia entschlossen, auch die geringste Gelegenheit zu ergreifen, wie es auch der Mann getan hätte, zu dessen Befreiung sie diesen Plan entworfen hatten. Außerdem gibt es da ja noch jemanden...

Leia schob diesen letzten Gedanken beiseite. Lukes Plan B würde vielleicht gar nicht gebraucht. Sie hatte jetzt nicht die Zeit, über einen Mißerfolg nachzudenken. Die Aufgabe, die vor ihr lag, war schwer genug, daß sie sich allein darauf konzentrieren sollte. Nachdem sie Han befreit hatte, würden sie Lando suchen, und mit seiner Hilfe konnten sie dann den Wookiee rausholen. Und gemeinsam würden sie diese Verdammnis auf Erden verlassen.

 

Langsam, lautlos, ging sie zu dem Alkoven, wo die erstarrte Gestalt ihres Geliebten blinde Wache über den Thronsaal des Hutten hielt. Leia stahl sich wertvolle Sekunden, um die vor ihr liegende Szenerie mit ihren Augen und ihren Gedanken in sich aufzunehmen. Die Wand selbst war ein Ehrenplatz hier im Palast; doch dort zu hängen, unbeweglich, passiv und machtlos, spottete dem Wesen Han Solos, brachte ihn so dicht an den Tod heran wie es möglich war, ohne ihn wirklich zu töten. Sie überwand die Distanz zu diesem Objekt, das ihre Alpträume in den letzten Monaten dominiert hatte, und streckte ihre behandschuhte Rechte aus. Jede ihrer Tränen, jedes Gefühl der Verzweiflung, seitdem Han in Karbonit gegossen worden war, verschwand in dieser kleinen Geste, ließ nur Dankbarkeit und endlose Liebe für den Mann, der in diesem perfektionierten Kerker gefangen war, zurück. Die seitlichen Kontrolllampen blinkten, zeigten an, daß alles normal war.

Normal! Nichts von dieser Winterschlaftechnik, angewendet auf ein fühlendes Wesen, war auch nur annähernd normal. Das regelmäßige Blinken war nur eine grauenhafte Imitation des Herzschlags, dem sie gelauscht hatte, als Han ihr tröstend über das Haar gestrichen hatte, damals auf Bespin. Und nun war dieses tapferste Herz von allen gefangen, sein Schlag transformiert in eine technische Charakteristik, die nicht länger einen Lebensrhythmus widerspiegelte, sondern nur noch ein Beweis von Verzweiflung und letzten Endes ein Todesversprechen war.

Leias diplomatische Ausbildung hatte sie befähigt, jedes Verlangen nach Rache zu kontrollieren. Bis jetzt. Jetzt fand ihre Wut den nötigen Fokus, um zu Haß zu werden. Haß, der mit ihrer Liebe zu Han im Streit lag, als sie versuchte, den nächsten Schritt zu entscheiden. Nach einer scheinbaren Ewigkeit siegte die Liebe, ließ Leia in einer Art Automatismus handeln. Sie deaktivierte das Kraftfeld und Boba Fetts faszinierendste Beute rutschte mit einem deutlich vernehmbaren Knall auf den Palastboden. Nach einem weiteren Moment des Zögerns startete Leia die Prozedur der Entfrostens.

 

In den Augenblicken, als das strahlende Licht und der stetig zunehmende Lärm den Raum erfüllten, wurde ihr klar, daß ihnen der Fluchtweg versperrt werden würde. Die Risiken, die sie eingegangen war, waren zu groß gewesen, und sie konnte nur hoffen, daß sie die Konsequenzen ihres Handelns lange genug überlebte, um ihre Entscheidung zu bedauern. Aber das Schicksal ließ ihr keinen Raum, um sich mit philosophischen Überlegungen abzugeben. Han fiel aus der Umhüllung, zuckend. Leia brauchte ein paar schmerzvolle Momente, bevor sie den Schrecken überwand, Han so verletzlich zu sehen. Die gequälte Kreatur hatte wenig Ähnlichkeit mit dem Mann, an den sie sich in ihrem Herzen und mit ihrer Seele erinnerte. Zitternd und hustend schien Han nach etwas... nach jemanden zu greifen. Das brachte sie schließlich zur Besinnung und sie zog ihren Geliebten in die Arme. Der Augenblick, auf den sie so lange gewartet und gehofft hatte, wurde zu einer automatischen Reaktion. Ähnelte nicht mehr im Geringsten ihren Träumen.

"Ruh dich für einen Moment aus. Du bist aus dem Karbonit befreit." Die Stimme, verzerrt durch die Maske, weckte Hans Aufmerksamkeit und er berührte ihr Gesicht. "Shhh, du leidest unter den Folgen des Winterschlafs."

"Ich kann nichts sehen." Niemals zuvor hatte sie solche Verzweiflung in der geliebten Stimme wahrgenommen. Trotzdem, allein sie zu hören, brachte ihr Herz zum Singen.

"Du wirst bald wieder sehen können." Die ganze Zeit fragte sich Leia, warum sie die Maske des Kopfgeldjägers nicht abnahm. Zwar konnte Han den Unterschied nicht sehen, aber er würde ihn hören... Irgendwie wartete sie auf den idealen Moment. Wartete auf den Augenblick, wo ihre Worte den Unterschied bedeutsam machen würden...

"Wo bin ich?"

"Jabbas Palast." Der Augenblick würde kommen, bald...

"Wer bist du?", kam heiser die nächste Frage. Der Augenblick war da und sie zog die Maske vom Kopf, entblößte Gesicht und Haare. Sie vernichtete ihre Angst vor Entdeckung mit dieser einzigen Bewegung. Sollen sie uns jetzt töten. Jetzt wo ich bei ihm bin, ist es mir gleich.

"Jemand, der dich liebt", sagte sie und besiegelte es mit einem Kuss.

"Leia!" Er griff nach ihr, wie er es in all ihren Träumen getan hatte, und trotzdem war es völlig anders. Es gab nur eines, dessen sie sicher war, als sie das grauenhafte Gelächter hinter sich vernahm. Sie hatte das tapferste aller Herzen befreit und nichts anderes zählte.

 
Ende

 
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