|
Nur ein anderes Ding© by Shiun ()
"Großer Gott, Meister, was ist das?" Obi-Wan kannte seinen Meister mittlerweile ziemlich gut, und hatte schon alle möglichen und unmöglichen erbärmliche Lebensformen durch ihr Wohnzimmer marschieren sehen, aber das war ... einfach ... "Ist es nicht süß?" Sein Meister kniete neben einem Korb in dem sich eine blaue Decke langsam hob und senkte. Zwei Hörner und eine lange Zunge piekten darunter hervor. "Meister ... " Obi-Wan räusperte sich und überlegte, wie er seinem Meister wohl schonend beibringen konnte, das er das Ding ganz und gar nicht süß fand, zumal es offensichtlich ziemlich groß war. "Ja, Padawan?" "Meister, es hat Hörner!" "Genau wie dein Freund Shi." "Ja, aber Meister ..." Hilflos starrte er auf Qui-Gon und versuchte, die beginnenden Kopfschmerzen hinter seiner Stirn zu unterdrücken. "Es ist fellig." Er massierte sich die Schläfen. "Fellig?" Qui-Gon hob eine Augenbraue und sah seinen Padawan skeptisch an. "Ich meine ... es hat Fell ... " Obi-Wan winkte wage mit seiner linken Hand. "Rotes Fell und ...und es hat eine Zunge. Eine lange Zunge", hörte er lahm auf. "Ich bin mir sicher, du hast auch eine Zunge, Padawan", sagte Qui-Gon und kraulte dem Tier das Fell. Obi-Wan schluckte. "Das ist nicht ganz dasselbe, Meister." "Oh? Inwiefern?" Obi-Wan hob die Hände und warf sich resigniert auf das Sofa. "Meister, ich hasse es, Euch zu enttäuschen, aber das hier ist kein Zoo ..." "Oh. Nein. Natürlich nicht." Obi-Wan seufzte und rieb sich die Augen mit den Fäusten. "Und warum habe ich dann das Gefühl, in einem zu leben?" "Findest du es wirklich so schlimm hier?" fragte Qui-Gon leise, seine Stimme dünn. "Kaum auszuhalten." Obi-Wan grinste, aber sein Meister hatte sich abgewandt. "Oh ... ich schätze, wenn du willst ..." Er räusperte sich. "Du bist alt genug, deine eigenen Zimmer zu haben..." "Meister! So habe ich das nicht gemeint..." Er seufzte, und rollte sich mit Bedauern von der Couch. "Ich schätzte?.es ist nicht so übel." Er kniete sich neben Qui-Gon und strich vorsichtig über das Fell des Tieres. Das ?Ding? grunzte ein bisschen und schnarchte weiter. "Es mag dich!" Obi-Wan sah in das erfreute Gesicht seines Meisters und zuckte mit den Schultern. "Es schläft, was soll es schon groß machen." "Aber das es nicht aufspringt und quiekend davonrennt ist doch schon mal ein gutes Zeichen." "Meister, wirklich!" Er schüttelte lächelnd den Kopf und versuchte sich mit ihrem neuen Mitbewohner anzufreunden.
~*~
Interkulturelle Beziehungen war ein interessantes Fach, aber Obi-Wan hätte liebend gerne ohne das Wissen über das Paarungsverhalten der X'srl leben können. Wie sein Lehrer dazu in der Lage war, so etwas ?ahumanes? so liebevoll und ausführlich zu beschreiben würde ihm für immer schleierhaft bleiben. Er war grün um die Nase und wünschte sich nichts mehr, als sich in seinem Zimmer zu verkriechen und die neueste Folge von "MacGeuvre" zu sehen - zur Reinigung, gewissermaßen.
Als er in den Gang zu ihren Zimmern einbog hörte er ein seltsames Quieken, schnelle Schritte und dann ein Panikausbruch von sämtlichen herumstehenden Jedis - und auf einmal stand Qui-Gon vor ihm, Haare offen und Augen groß und im nächsten Augenblick griff er ihn fest an den Schultern und zog ihn fort, gefolgt von einem seltsamen Trippeln. Das Ding. Oh nein. Irgendwie schaffte Obi-Wan es, sein Laserschwert zu ziehen und aktivieren, aber Qui-Gons Tempo war schnell und sein Handgriff fest, und Obi-Wan ließ sich in die weiten Meditationsgärten im Inneren des Tempels zerren. Qui-Gon warf einen letzten Blick über seine Schulter - das Ding war außer Sichtweite, aber trotzdem konnte Obi-Wan seine Anwesenheit spüren - und warf sich und Obi-Wan hinter einen Busch. "Uff!" "Steck das weg!" Qui-Gon legte seine Hand auf Obi-Wans, und der schaltete gehorsam sein Laserschwert aus. "Was ist in das Ding gefahren?" "Es ... ähm ...." Sein sonst so stoischer Meister war knallrot, und sein rechtes Augenlied zuckte. "Meister?" "Also..." Ein Schnüffeln, das langsam näher kam, während Obi-Wans Geduld zu Ende ging. "Meister, bitte, wir werden hier von einem großen roten Ding mit Hörnern verfolgt und ich darf nicht mein Laserschwert benutzen und würdet Ihr mir jetzt bitte sagen was los ist?" Qui-Gons Gesicht verfinsterte sich, und Obi-Wan wurde sich plötzlich bewusst, das er sich im Ton vergriffen hatte. Er neigte seinen Kopf, mit roten Wangen. "Verzeihung Meister, ich wollte nicht respektlos erscheinen, aber-" "Schon gut, Padawan. Es ... ähm ... ist läufig." "Es ... was? Heißt das, es will jemanden fi-" "Padawan!" Er schlug sich die Hände vor den Mund und versuchte die in ihm aufkeimende Hysterie zu unterdrücken. Irgendwo gab es sicher eine Regel dafür: Jedis werden nicht hysterisch, wenn sie von läufigen Tieren verfolgt werden. Oder so ähnlich. "Padawan, ist ...? Ist alles in Ordnung?" Qui-Gon ging einen Schritt auf ihn zu und legte ihm die Hände auf die zitternden Schultern, und Obi-Wan fühlte einen leichten, besorgten Stupser in seine Gedanken. "Alles bestens, Meister", brachte er erstickt unter seinen Fingern hervor. Hinter ihnen ein erneutes Schnaufen, und dann auf einmal das schnelle Trippeln von Pfoten. Qui-Gon sprang auf, seine Hand um Obi-Wans geklammert. "Renn, Obi-Wan, renn!" Das Trippeln entfernte sich plötzlich wieder. "Meister, es ..." Obi-Wan krallte seine freie Hand in Qui-Gons Umhang fest und beide starrten entsetzt auf das Drama, das sich vor ihnen entfaltete. Ein großer Jedi, eingehüllt in seinem Umhang wurde von dem ... Ding angesprungen, eine große rote nasse Zunge leckte über das Gesicht des Jedis, und alle Umstehenden versteinerten. "Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeein!" erklang ein verzweifelter Schrei von dem Jedi. "Nein ... nimm deine Zunge da weg ... nein... nicht... aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!" Oh...oh...oh Gott. Das war schlimmer als das Paarungsverhalten der X'srl. "Padawan? Alles in Ordnung?" Schließlich besiegte Obi-Wans Neugier seine Abscheu, und er starrte vorsichtig aus gespreizten Fingern in den Garten. Ein Wirbel aus rotem Fell und braunem Umhang, Sabber und anderen undefinierbaren Dingen rollte durch den Garten. "Meister? Warum machen wir nichts?" Qui-Gon hatte sich ebenfalls die Hände vor die Augen gehalten, und sein ganzer Körper war schmerzhaft verkrampft. "Meister?" "Das...das ist Meister Windu." Seine Augen waren riesig und sein Mund formte ein großes 'o' und seine Augen wanderten zurück zu Knäuel aus Jedi und...Ding. "Lass uns hier verschwinden, Padawan." Qui-Gon griff nach seinem Arm, und Obi-Wan tat wie ihm geheißen, auch wenn es schwer war, gegen das hysterische Gelächter, das aus ihm herausblubbern wollte anzukämpfen. Qui-Gon rannte mit seinen Padawan im Schlepptau durch die Meditationsgärten, und schließlich fanden sie in einer kleinen Nische fernab von allem Tempelverkehr. Ihre Nische. In Sicherheit.
Obi-Wan rang nach Atem, stützte seine Hände auf seine Knie, und als er in das versteinerte Gesicht seines Meisters starrte, konnte er sich nicht mehr zusammenreißen. Er brach zusammen, lachte wie er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelacht hatte, und ein grummeliger Qui-Gon faltete seine langen Beine unter sich und sank neben ihn nieder. "Padawan, wirklich?" "Oh Meister, Euer Gesicht! Und...und das Ding...und überhaupt? Und das war wirklich Meister Windu?" Qui-Gon verbarg sein Gesicht in seinen Händen und nickte. Obi-Wan wischte sich die Lachtränen von den Wangen und lehnte sich vertraulich zu seinem Meister. "Ich denke, das wird Euch in naher Zukunft effektiv vor einem Sitz im Rat bewahren." Qui-Gon starrte Obi-Wan mit offenem Mund an, und dann wurden seine Augen weich und er lächelte sein schiefes Lächeln, Qui-Gon-Lächeln, wie Obi-Wan heimlich für sich dachte. "Mace wird mich umbringen", sagte Qui-Gon mit Nachdruck. "Keine Angst Meister, ich beschütze Euch." Impulsiv griff er nach Qui-Gons Hand und sein Herz setzte einen Schlag aus, als Qui-Gon ihn anlächelte, diesmal offen und voller Zuneigung. "Wie gut, dass ich dich habe, Obi-Wan." Und ich Euch, Meister, auch wenn Ihr manchmal so stur und starrköpfig seid, das es mich zur Verzweiflung bringt... Der Satz blieb ungesagt, aber irgendwie wussten sie beide, das er zwischen ihnen hing. "Da wir schon einmal da sind..." "Ja Meister?" "Vielleicht sollten wir uns eine Weile verstecken." Ein Kichern. "Ja Meister."
Sie lagen im Gras, duftende Wiese und gluckerndes Wasser von den Springbrunnen um sie herum, und warme Sonnenstrahlen und weitentfernte Entsetzensschreie... ...und die Welt versank und sie waren eingeschlossen in einer Seifenblase zwischen einem Moment und dem nächsten, ein Atempause in der Zeit, die Obi-Wan in sein Herz einschloss wie einen Edelstein. Er rollte sich zusammen und presste sein Gesicht in Qui-Gons Seite, und Qui-Gon legte einen Arm um seine Schultern. "Ich werde Euch immer beschützen, Meister", schwor er leise. "Immer."
|