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Alles Käse

© by Jimaine (), Dezember 2003

 

Disclaimer: Die Rechte für die Charaktere gehören Patrick O'Brian, der die Bücher geschrieben hat (welche ich sicher noch alle lesen werde), und ich möchte sie ihm gar nicht streitig machen. Auch beanspruche ich keinerlei Rechte an dem Kinofilm - sollen MIRAMAX und Universal Pictures doch alles behalten! - und möchte klarstellen, daß ich rein gar nichts hiermit verdiene. Wenn sie mir allerdings meine schlaflosen Nächte bezahlen wollen...
Anmerkungen: Sorry, Birgitt. Ich weiß, du wolltest dir den guten Mann vornehmen, dieses Original von Koch/Handyman/Hinterherputzer/Tafelsilberpolierer/Nörgeler/etc..., aber das kannst du ja immer noch. Ich mußte nur diesen Anflug an störendem Humor loswerden, um zu ernsteren Dingen in der Lage zu sein.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de)

 
***Montag***

 

Die Windverhältnisse sind schlecht, wir machen kaum Fahrt trotz voller Segel.

Wohl der Grund für die miese Laune des Captains beim Frühstück.

 

Habe Uniform gebürstet, Schuhe geputzt, Kerzen in der Kajüte erneuert. Und in einer Pfeifenpause den Saum von Doktor Maturins Morgenmantel genäht. Ob der Mann vielleicht besser auf seine Kleidung aufpassen könnte? Bin ja schließlich nicht *sein* Steward! Wenn er nicht der beste Freund des Captains wäre, würde ich keinen Handschlag für ihn tun, aber der Captain wünscht es so.

Bringe frischen Kaffee. Höre den Captain und den Doktor reden. Keine Ahnung worüber. Wie immer benutzt der Doktor Worte, die für einen normalen Menschen unmöglich zu verstehen sind. Mir tut der Captain leid. Wer solche Freunde hat....

Dennoch ist seine Laune spürbar besser.

 

Schildkrötensuppe zum Abendessen. Haben genug von den Tierchen für mindestens zwei Wochen im Laderaum. Den Herren Offizieren schmeckt es jedenfalls.

 

Und hinterher das Unvermeidliche.

Was zwei Männer bloß Abend für Abend dazu bringt, ihre Zeit mit sinnloser Fiedelei zu verbringen und dabei kaum zu reden!

Musik. Bis spät in die Nacht hinein. Kaum zu ertragen. Schätze, das ist der Preis, den man dafür zahlt, Steward des legendären Lucky Jack Aubrey zu sein. Nichts ist umsonst.

Es ist nach Mitternacht, als mich der Captain fortschickt. Sagt, für heute benötige er meine Hilfe nicht mehr.

Black Bill fragt bereits, ob das jetzt jeden Abend so laufen wird.

 

 
***Dienstag***

 

Captain Aubrey und der Doktor sind bester Dinge. Unbegreiflich, so spät wieder gestrige Abend endete. Und der Captain ist für gewöhnlich schlechter gelaunt, wenn sein Schiff beschädigt ist und der Wind gegen ihn.

 

Nach dem Frühstück begeben sich die beiden an Deck und bleiben dank des guten Wetters den ganzen Tag dort, bis auf die Mahlzeiten. Endlich kann ich lang überfällige Arbeiten in der Kajüte erledigen, ohne daß sie mir ständig im Wege stehen.

 

Einige Männer hängen Leinen über Bord, um Fische zu fangen. Ihnen ist kein großer Erfolg beschert. Also vergnügen sie sich mit Kartenspiel, Rauchen und Geschichtenerzählen.

Allein für mich gibt es immer was zu tun.

Wenn nicht für den Captain, dann ist es der Doktor, der irgendwo etwas herumliegen läßt, und ich hinter ihm herräumen darf.

Arbeit, nichts als Arbeit. Und egal was es ist, ich tue es. Dafür könnten sie wenigstens mal etwas spielen, das nicht klingt wie Schlafmusik.

 

 
***Mittwoch***

 

Der gleiche Trott. Frühstück, Mittag, Kaffee an Deck...für den Doktor mit den üblichen drei Stück Zucker. Der Mann hat dahingehend einen erschreckenden Verbrauch. Würfelzucker wächst schließlich nicht auf Bäumen...aber vermutlich steht das nirgendwo in seinen Büchern.

 

Frage mich, weshalb seine Weste im Schlafraum des Captains liegt.

 

Beim Abendessen überhöre ich seine Frage nach Abwechslung auf dem Speiseplan.

Deshalb spielt er sein Cello heute wohl extra laut.

 

 
***Donnerstag***

 

Heute Morgen etwas besserer Wind, doch nicht weiter gut als für einen Knoten mehr.

 

Gegen Mittag setzt Regen ein. Furchtbares Wetter, doch nun wirklich guter Wind.

Einige Fälle von Übelkeit zu vermelden, unter anderem unser Herr Doktor.

Der gewöhnt sich wohl nie daran.

Wäre mir ja auch egal, wenn er bei seinem Ausflug an Deck nicht dem Captain auf die Schuhe gekotzt hätte.

 

Wieder Schildkrötensuppe zum Abendessen. Der Doktor bleibt entschuldigt und ruht sich in seinem Quartier aus. Bill wird geschickt, ihm etwas zu bringen, doch kehrt er samt vollem Tablett zurück. Offenbar ist der Doktor nicht überzeugt von der fürsorglichen Geste des Captains.

Und der Captain ist nicht überzeugt von diesem Nicht-Überzeugtsein.

Zur Feier der Sommersonnenwende gibt es zum Nachtisch Pudding mit Früchten.

Der Captain verläßt den Tisch und überredet den Doktor, aufzustehen und wenigstens davon etwas zu probieren.

 

Pudding. Aha. Ich habe wohl ein Wundermittel entdeckt. Als ich das nächste Mal nachsehe, sitzen sie da wie eh und je und stimmen ihre Instrumente. Kratz, Quietsch...

 

Wird Zeit, daß wir die 'Acheron' einholen und die beiden beschäftigt werden.

So bleibt ihnen viel zu viel Zeit für das elende Geschrammel, das sie Kunst nennen.

Unser Käsevorrat geht zur Neige.

Der Captain zeigt sich unbeeindruckt, als ich ihn davon in Kenntnis setze.

Wollte es ja nur erwähnt haben.

 

 
***Freitag***

 

Regen.

Suppe.

Musik.

Käse.

Alles wie gewohnt.

Aber nicht mehr lange.

 

 
***Samstag***

 

Wieder Regen. Den ganzen Tag lang. Wer kann, bleibt unter Deck.

Diese gemeinsamen Musikabende sind auf Dauer offenbar sehr ermüdend.

Zumindest will der Captain heute früh gar nicht aufstehen.

Dem Doktor scheint es jedoch schon wieder blendend zu gehen. Bereits beim Frühstück leistet er dem Captain Gesellschaft.

 

Wie er sich hinter meinem Rücken in die Kajüte schleichen konnte, ist mir allerdings ein Rätsel. Gibt doch nur die eine Tür.

 

Gegen Ende der Hauptwache sagt der alte Lamb, daß die Reparaturen am Schiff so gut wie beendet seien.

 

Black Bill stürzt auf dem Weg vom Lokus nach achtern und bricht sich den Arm. Was habe ich doch für ein elendes Glück! Er fällt für die nächsten zwei Wochen aus.

Und da ein Unglück selten allein kommt, ist mit dem heutigen Abend -

 

Der Doktor beschwert sich. Mir egal. Kann sich ja selbst was kochen, wenn es ihm nicht paßt!

 

Was ich noch sagen wollte, mit dem heutigen Abend ist -

 

Noch etwas von dem Pudding von vorgestern? Aber gerne doch, Sirs. Soll ja nichts verkommen hier...

 

Und um es gesagt zu haben, mit dem heutigen Abend -

 

Ah, aber dazu morgen mehr. Sollen sie doch nach Lust und Laune fiedeln wie die Grille in der Fabel. Der Ärger kommt früh genug.

Nachdem ich ihnen noch eine Flasche Wein gebracht habe, ziehe ich mich zurück. Irgendwann werden sie schon hoffentlich aufhören und sich Besserem widmen.

 

 
***Sonntag***

Weder der Captain noch der Doktor haben die Suppe angerührt. Statt dessen wünschen sie nach ihrer Musik eine Extraportion gebackenen Käse sowie Brandy und Kaffee.

Wird wohl heute bei Brandy und Kaffee bleiben, die Herren.

Der Käse ist alle!

 
Ende

 
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