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Der Film in meinem Kopf

© by Jimaine ()

 

Disclaimer: Disclaimer: Alles ist reine Fantasie und Spekulation, ein Werk auf der Basis des 1969er Films von 20th Century Fox mit Paul Newman, Robert Redford und Katharine Ross in den Hauptrollen. Selbiger Filmfirma gehören auch die Rechte; ich verdiene keinen Peso. Es ist absolut nicht meine Absicht, zwei historischen Persönlichkeiten eine derartige Beziehung zu unterstellen; Butch und Sundance sind tot und begraben und können sich dazu nicht mehr äußern. Ich mag einfach nur den Film und füttere meine Musen mit jeglichem Subtext, den ich herausfiltern kann, auch wenn sich nichts davon belegen läßt.
(1) Daten, Wetterbedingungen und die allgemeine Situation des Trios zu jener Zeit sind historisch weitgehend korrekt; in meiner Beschreibung der Personen jedoch tendiere ich dazu, die physischen Charakteristika der Schauspieler als Referenz zu nehmen. Es schreibt sich halt leichter über Dinge, die man wirklich sehen kann.
(2) Der Titel ist ausgeliehen aus dem Musical "Miss Saigon", wenngleich der dt. Titel leicht anders lautet, aber leider völlig blöd klingt. Daher meine eigene, direktere Übersetzung - keine Verletzung von Rechten war beabsichtigt.
Diese Story ist Leigh gewidmet (kmaru1701@hotmail.com). Nun, das heißt, daß du als Nächste dran bist, Mädel!*g*
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de)

 

Das Bett ist zu unbequem und nach einem langen Tag anstrengender Untätigkeit finde ich keine Ruhe. Zuviel überschüssige Energie und keine Möglichkeit, sie loszuwerden, da wir im Moment arbeitslos sind. Wenn man seinen Lebensunterhalt mit Banküberfällen verdient, darf man zwischendurch längere Zeiten sein Gesicht nicht zeigen. Bestimmt noch einen weiteren Monat.

Also liege ich hier in völliger Dunkelheit, starre die Decke an und warte, daß mich der Schlaf endlich findet. Die Tatsache, daß ich noch vollständig angezogen bin, dringt nicht bis ins Innere meines hyperaktiven Gehirns vor.

Denk' du nur weiter, Butch, das kannst du schließlich am besten.

Yeah, ich denke, und ich kann damit nicht aufhören. Und es ist manchmal schon ein wahres Elend, derjenige mit dem Weitblick zu sein. Gedanken und Ideenfragmente wirbeln durch meinen Kopf, prallen von einander ab, ohne Gestalt oder Substanz, verschwommene Formen auf einem Karussell. Erinnerungen an längst vergangene Dinge werfen bedrohliche Schatten über die Zukunft.

Ich sage mir, daß ich mir zu viele Sorgen mache. Ja, vermutlich verschwende ich zuviel Zeit an Was-wäre-wenn-Szenarien, ungenutzte Chancen und Spekulationen über die Ereignisse von morgen. Was ich in der Vergangenheit hätte anders machen können, und wie demzufolge die Gegenwart aussehen würde. Es ist schon seltsam, bis vor einem Jahr habe ich mir über solche Sachen keine Gedanken gemacht. Bis wir die Ranch aufgeben und zu unserem Gesetzlosen-Dasein zurückkehren mußten.

Durch das Fenster kann ich den Himmel sehen; diese Nacht hat keine Sterne, keinen Mond, wir werden schlechtes Wetter bekommen. Hier oben in den Bergen bedeutet schlecht für gewöhnlich sehr schlecht. Speziell jetzt, im späten Juli, mitten im Winter. Vermutlich werden wir einige Tage lang im Haus bleiben müssen, aber das sollte zu ertragen sein.

Ich werde noch mehr Zeit zum Nachdenken haben.

Yeah, es sollte zu ertragen sein...ah, verflucht, wem mache ich hier was vor?

Ein kurzer Schauer läuft mir über den Rücken. Und noch einer. Es wird kalt hier drinnen. Ich sollte wohl aufstehen und etwas Holz auf das heruntergebrannte Feuer legen.

Ich stehe nicht auf.

Natürlich könnte ich mir auch eine zusätzliche Decke holen.

Ich tue es nicht.

Draußen unterhalten sich Leute in der hier üblichen Mischung aus Quechua und Spanisch und sie klingen verärgert, brechen jedoch ab und an in Gelächter aus. Ich verstehe nicht viel, nur ein paar Worte pro Satz, aber anscheinend sind zwei von ihnen Väter, die einige Schwierigkeiten in der bevorstehenden Heirat ihrer Kinder ausdiskutieren müssen.

Kinder...Geschenke Gottes und gleichzeitig eine Belastung. Ich kann mir nicht vorstellen, welche zu haben.

 

- Cuándo estará?

- Estará listo dentro de tres días, Juan, no te preocupas.

 

Vier Jahre, und noch immer habe ich meine Sprachkenntnisse nicht über die Grundlagen ausgeweitet.

Klingt als hätten sie Spaß, lassen vermutlich eine Flasche Wein rumgehen oder das fürchterliche selbstgebrannte Zeug, das die Einheimischen verkaufen.

Sie streiten und lachen, jedoch nicht laut genug, um die Stimmen aus dem Zimmer nebenan zu übertönen.

Nichts könnte das.

Ein Teil von mir möchte dort draußen sein, trinken und lachen in der Gesellschaft von Freunden, und der andere Teil ist zufrieden in dieser Einsamkeit. Ich, allein mit meinen Gedanken, beunruhigend wie sie auch sein mögen.

Dieser andere Teil würde dieses Bett in diesem kalten, dunklen Raum für nichts aufgeben.

Ich kann sie hören. Die Wände sind so dünn, daß sie eigentlich gar nicht existieren bräuchten.

Nur ein frommer Wunsch, ich weiß.

Ich kann alles hören. Ihr leises Stöhnen, die Seufzer, die geflüsterten Worte, mit denen sie ihm sagt, wo er sie berühren soll, und, ja, oh ja, daß er damit weitermachen soll...

Und ich schließe meine Augen, um den bröckelnden Stuck der Decke gegen die Leinwand meiner Gedanken auszutauschen.

Bilder flackern, zunächst noch verzerrt und körnig wie ein Jahrmarktsfilm, der vom zu häufigen Abspielen abgenutzt ist. Automatisch, aus reiner Gewohnheit, kompensiere ich die Verzerrungen und gebe den allzu vertrauten Formen der Schauspieler ihre Konturen.

Gleiche die Körper den Geräuschen an....ah, nicht ganz...

In diesem Film kommt sie nicht vor, ist nicht Bestandteil der Momente, die in Schwarz und Weiß an mir vorbeiziehen.

In meinen Gedanken bin ich es, den er berührt.

Ich, den er küßt, mein Gesicht mit seinen warmen, trockenen Lippen streichelt...dann meinen Hals....meine Schulter...

Ich, den er mit seinem ganzen Körpers in die Matratze drückt.

Ein Atemzug und ein Flüstern an meinem Ohr, "Ist dir kalt?" Der schwache Lufthauch auf meiner Haut ist so real, daß meine Kiefer schmerzen, so angestrengt versuche ich, das erwartungsvolle Stöhnen zu unterdrücken.

Ja, mir ist kalt. Und meine Lippen formen die stummen Worte, unbeeindruckt davon, daß eine Frauenstimme sie ausspricht, "Nur ein bißchen. Willst du mich aufwärmen?"

"Hätte nichts dagegen. Komm' her..."

Ich weiß nicht, wann ich mich in ihn verliebte. Würde man mich fragen, könnte ich nicht einmal mit Sicherheit sagen, wann ich ihn zum ersten Mal wahrgenommen habe. Es geschah einfach. An einem Tag war ich es einfach...

Verliebt.

Ah, da bist du ja endlich. Was hat dich aufgehalten?

Du magst sie ja täuschen, aber ich hab' dich immer durchschauen können. Und auch wenn du mir nicht glauben magst, mir gefällt, was ich in dir sehe. Ich liebe es. Dich.

Ich denke, ich weiß, wie du dich anfühlen würdest, wie glattes, warmes Fleisch meine Hände füllen würde, wie gut dein Körper an den meinen passen würde. Zitternd widerstehe ich der Versuchung, meine Augen zu öffnen. Wenn ich das täte, auch nur den kleinsten Spalt, würde der Film reißen und alles wäre vorbei.

In diesem meinem Film sehe ich nichts außer dir.

Rittlings sitzt du auf meinen Oberschenkeln und lehnst dich herunter, um mir einen Kuß auf die Stirn zu drücken. Sanft, kaum spürbar, und doch liegt in ihm ein Hunger, der meinem gleicht. Ein Beben beginnt in meinem Magen und weitet sich rasch aus, packt erst meine Lungen und dann mein Herz. Oh ja, du willst mich...du brauchst mich, auch wenn ich nicht weiß weshalb. Ich maße mir nicht an, behaupten zu wollen, daß ich deine Beweggründe verstehe, und ich habe meine Zweifel, daß du sie mir nennen würdest. Manche Geheimnisse wirst du einfach nicht aufgeben.

Dies wird gut werden...

"Ich liebe dich...habe dich immer geliebt. Du weißt das doch, oder, Butch?"

Natürlich weiß ich das. Oder zumindest gebe ich das vor. Denn ich bin mir nicht sicher, daß es Liebe ist, was du fühlst, weder für Etta noch für mich. Es ist etwas anderes, etwas dunkleres, und wenn ich mehr Verstand hätte, würde ich ihm - und dir - ausweichen wie einer Kugel, doch hier und jetzt ist es gut genug.

Ich schätze, das macht mich zu einem Narren aus...was immer es ist, das zwischen uns als Liebe gilt.

Dieses 'was immer' hat sich über Jahre hin entwickelt.

Da ist das Vertrauen, das du mir immer gezeigt hast, die Art und Weise, wie du mich unterstützt hast, selbst wenn du wußtest, daß der Plan die blödeste Idee war, die ich je hatte.

Da sind die Blicke, die in meine Richtung wanderten, obwohl du mit Etta getanzt hast, so anmutig in dem langsamen Walzer, ihr Kopf an deiner Schulter. Eine verletzliche Seele, die sich der Führung einer anderen anvertraute.

Die Blicke, die mir erlaubten, über die Weite des Tanzsaales hinweg ihren Platz einzunehmen (nettes Wortspiel, 'den Platz von Etta Place') wann immer sich unsere Augen trafen.

Die Blicke, die eine Sehnsucht ausdrückten...und gleichzeitig eine Entschuldigung. Die Worte 'Ich wünschte ich könnte' verbinden uns trotz der Distanz.

Du und ich, Waffenbrüder. Und meine wichtigste Waffe bist du.

"Würdest du mir glauben, wenn ich dir etwas erzählte?"

Ja, das würdest du. Du würdest mir alles glauben, sogar daß der Mond aus Käse besteht und Schweine tatsächlich fliegen können. Hast du immer getan, wirst es immer tun.

Du mißtraust der ganzen Welt, mißtraust ihr bis an den Rand der Paranoia, aber mir vertraust du blind und uneingeschränkt. Das macht alles nur noch schlimmer.

Es gibt nur eine einzige Sache, die du mir nie glauben wirst. Nicht daß du mich je die Worte sagen hören wirst, aber Tatsachen sind Tatsachen. "Ich liebe dich auch."

"Tust du nicht."

Und ob ich das tue. "Ich denke, daß ich das entscheiden sollte, oder?"

"Ich werde dir wehtun."

Ja, das wirst du. "Vielleicht." Du wirst mich nicht dazu bewegen, dich fortzuschicken.

"Dann muß es mir wohl nur gelingen, daß du mich haßt, hm?"

Das wird nicht passieren. "Du kannst es gerne versuchen." Ich werde es dir nicht leichtmachen. Du bist so warm, so zärtlich...ich wünsche mir, du würdest diese Seite an dir öfters zeigen. Den weniger verbitterten, weniger zernarbten Sundance, an den ich mich so sehr gewöhnt habe...den ich brauche...für den ich mehr empfinde als ich sollte.

Hätte ich gewußt, daß es hierzu kommen würde...und daß ich nach oh-so-vielen Nächten immer noch nicht begreife, wie deine Hände wissen können, wo genau sie mich berühren müssen...was hätte ich getan? "Du kennst mich besser als ich mich selbst kenne, Kid..." Hätte ich mich von dir distanziert? Oder, besser gesagt, hätte ich es gekonnt?

Die einzige Antwort ist ein schiefes Lächeln.

"Gefällt dir das?" fragst du, und ich nicke zustimmend. Oh ja...

Langsam, ganz langsam, bewegst du dich weiter abwärts, öffnest mit geschickten Fingern die vielen lästigen Knöpfe von Hemd und Unterzeug.

Es ist gut...besser...am besten. Mit jedem Mal wird es perfekter. In einer dieser Nächte werde ich mittendrin sterben und keinen einzigen Moment bereuen.

Samtige Lippen küssen einen gewundenen Pfad meine Seite hinauf, folgen dem Auf und Ab jeder einzelnen Rippe. Mit der Zielstrebigkeit eines Spurenlesers erforschst du meinen Körper. Als du an meinem Hals ankommst, verkralle ich meine Finger in den Laken und würde vor Ungeduld vermutlich Stücke aus der Matratze reißen, bis dein langer Kuß die quälende Anspannung endlich mindert.

Ein Kuß, den du mir nicht gibst. Das tust du nie. Denn es wäre zuviel, zu real.

Ich ergebe mich, erwidere das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Gott allein mag wissen, warum ich es tue!!! Ich habe es von Anfang an getan, seit ich zum allerersten Mal einen Schatten von dem Mann sehen durfte, der du hättest sein können, wenn es das Leben besser mit dir gemeint hätte.

An dieser Stelle zögerst du, nur für eine Sekunde. Das tust du immer. Ich brauche dich nicht zu sehen, um den Ausdruck auf deinem Gesicht zu kennen. Die unausgesprochene Frage. Kannst du es tun? Ja, das kannst du. Kannst du von dir auf diese Weise geben? "Ja", murmele ich gegen den regelmäßigen Pulsschlag unter deinem Kinn. "Du kannst. Und du wirst."

Meine Hände sind dir nur um Zentimeter voraus.

Sie gleiten über meine Brust, meinen Bauch, beschäftigen sich mit meiner Gürtelschnalle...und schieben sich in meine offene Hose, finden die harte Länge, die sich unter der feuchten Baumwolle der Unterhosen abzeichnet.

Bei der ersten Berührung sind es nur deine Fingerspitzen, und das reicht fast schon aus, mich kommen zu lassen. Dann beginnst du das langsame Streicheln...oh, ja, der Druck ist genau richtig... Mir entweicht ein leises Stöhnen, als ich den Kopf zurückfallen lasse und die Beine etwas spreize, mich dir hingebe. Du lehnst die wortlose Einladung nicht ab, nein, du hast die Gefahr schon immer etwas zu sehr gemocht.

Der Film läuft immer weiter.

Ah, und jetzt kommt meine Lieblingsstelle. Nackte Haut reibt gegen meine, Schweiß erleichtert die Wanderung der wissenden Hände, Kreis um Kreis...über meinen Bauch, meine Hüften...

Mit einer Alternative wie dieser, wer braucht da noch ein Feuer? Lippen und Zunge setzen ihre Arbeit fort, jeder Kuß gefolgt von einem Hauch kühler Luft. Ich kann das Zittern, das mich beherrscht, nicht länger der Kälte zuschreiben; meine Wahrnehmung beschränkt sich auf den Angriff auf meine empfindlichsten Körperteile. Schon bald bin ich nicht mehr fähig, klar zu denken, die wenigen zusammenhängenden Gedanken, die durch meinen Kopf schießen, blenden mich mit ihrer Logik und Schlüssigkeit. Feuerwerk in der Dunkelheit. Blendend. Lähmend. Da ist kein Platz für mehr.

Es ist schwer, zwischen deinem Mund und deinen Händen zu unterscheiden, inzwischen kannst du das eine genauso kunstvoll einsetzen wie das andere. Endlich nimmst du den Rhythmus auf, anfangs noch zögerlich, dann aber mit zunehmendem Selbstvertrauen.

Ich kann nicht anders, ich muß dich wissen lassen, wie sehr ich das hier genieße. Das leise Geräusch driftet durch den Raum; ich bezweifele, daß irgend jemand es hört. Deine Hände erhöhen das Tempo, die entschlossenen Berührungen so schnell wie mein Atem, geradezu ein Gegensatz zu meiner Wahrnehmung der Zeit...sie verlangsamt sich, dehnt sich, weitet sich, jede Sekunde doppelt so lang wie die vorhergegangene. Die Zärtlichkeit bleibt.

Dem wohlbekannten Muster folgend, treibst du mich unablässig höher...höher...die Klippe hinauf

Du bist so geschickt mit deinen Händen. Karten, Würfel, Waffen...mich. Diese Hände können in weniger als einer Sekunde einen Colt ziehen und jemanden töten können, und doch überraschen sie mich mit ihrer Sanftheit. Du läßt mich nicht denken, nur fühlen.

Es ist das, was ich brauche...was du gibst...

Ich kann dir dafür nicht genug danken.

Nur noch ein paar Minuten.

Hinter meinen geschlossenen Augenlidern kann ich mir für einen Moment vormachen, daß du mich anlächelst, und ich kann die Verzweifelung sehen, die sich in dem Lächeln verbirgt. Ein Lächeln voller Erwartung, ja? Oder wohlmöglich Furcht? Da ist Feuer in deinen Augen, Sundance, aber es kann die ewige Dunkelheit in dir nicht erleuchten. Erwartung oder Angst...?

Bevor ich mich entscheiden kann, wendest du deinen Blick ab, verweigerst mir die Möglichkeit, die Gefühle in deinen Augen zu sehen...das Schöne wie das Häßliche, und letzteres willst du der Welt verheimlichen. Der Welt und mir.

Als ob ich es nicht schon alles kennen würde. Die Wut, die Wunden... alles. Und was ich nicht weiß, kann ich spüren.

Zum Beispiel die Leere, verborgen unter einem Schleier der Verzückung, der Freude, mich zu berühren und mir das zu geben, was du dir selbst verweigerst.

Gerne würde ich den Gefallen erwidern und dich berühren, dann könnte ich leichter mit der Schuld umgehen, die sich in meinem Unterbewußtsein ansammelt.

Schuld. Selbstvorwürfe. Du weißt noch nicht einmal, daß du wie ein Werkzeug benutzt wirst, wie ein Gegenstand, ein Mittel zum Zweck und immer da, wenn ich dich brauche.

Es wäre einfacher für mich, wenn ich sicher sein könnte, daß du mir vergeben würdest, wenn du es wüßtest. Daß du es akzeptieren könntest.

Fast da...

Jetzt keuche ich, atemlos und schwitzend, ich schmelze und erfriere gleichzeitig. Mein jeder Muskel schmerzt in der Anstrengung, das Unmögliche zu erreichen: dieses Rennen in Richtung Abgrund zu beenden und dennoch den ersehnten Rausch hinauszuzögern, deine Gesellschaft noch etwas länger zu genießen.

Bleib...bitte bleib...nicht nur, weil ich es will...sondern weil ich es brauche. Dich brauche. Weißt du, ich kann das hier nicht alleine tun.

Jedes Mal ist wie ein weiterer Sprung von der Klippe.

Und obgleich ich wahnsinnige Angst habe, jedes Mal aufs Neue, kann ich nicht aufhören zu springen.

Der freie Fall ist der Grund, weshalb du Nacht für Nacht zurückkommst.

Mein Körper bäumt sich auf, alle Nerven in einem Schrei vereinigt, und die Vision zerspringt mit gleicher Gewalt, reißt mich zurück in die Realität.

In die Dunkelheit, in die Einsamkeit.

Es gibt niemanden, der mich festhält, niemanden, der meinen Schrei mit einem Kuß erstickt; ich muß es selbst tun und schmecke Blut, wie ich mir auf die Lippe beiße, um still zu bleiben. Um dich zu hören.

Ich muß meine Ohren anstrengen, denn du bist nie sehr gesprächig, schließt es alles tief in dir ein und läßt niemanden sehen, daß du Angst hast zuzugeben, daß auch du Gefühle hast und auch du etwas menschliche Wärme und Aufmerksamkeit brauchst.

Immer ein Rätsel, immer zurückhaltend, immer unabhängig. Immer der Einzelgänger.

Immer Sundance.

Niemals der Liebhaber, den ich in dir sehen will.

Also lausche ich nach der Stimme, nach deinem Schweigen. Die Ausnahme ist dieser eine Laut, den du machst, eine Art Wimmern, das aus allem herauszuhören ich gelernt habe. Und ich höre es deutlich, durch das Gelächter unter meinem Fenster, durch Ettas leisen Schrei, durch das Hämmern meines eigenen Herzens.

Ob sie weiß, daß ich zuhöre? Ich denke schon. Ob sie weiß, warum? Da bin ich mir ziemlich sicher. Manchmal sieht sie mich 'auf diese Art' an, fast entschuldigend. Als ob sie weiß, daß sie einen Platz einnimmt, für den ich alles geben würde.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das erste Mal an dich dachte, während ich mich selbst befriedigte, oder wann das Geschehen in meiner Phantasie so deutlich wie die Realität wurde, mein Höhepunkt so süß und heftig wie durch die Kunst einer sehr talentierten Hure.

Doch die Befriedigung ist nur oberflächlich und schwindet schnell, zusammen mit den Resten der Phantasie.

"Tut mir leid, Kid..."

Schweiß kühlt ab, Atmung wird langsamer und Erfüllung wird abermals zu Leere.

Draußen frischt der Wind auf, füllt die Vorhänge; es ist das gleiche ratternde Geräusch, wie wenn der letzte Meter eines Films durch den Projektor läuft. Die Stille im Nebenraum ist so laut wie der Donner in der Ferne. Ich nehme ihn kaum wahr, es ist bedeutungslos.

Spul' den Film zurück, während ich schlafe.

Ich seh' dich morgen Abend wieder.

 
Ende

 
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