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Eine Seefahrt, die ist lustig© by Jimaine ()
"Ach, Celeborn, bist du wohl so gut und gibst mir die Schale mit dem Würfelzucker?" Elrond stellte die Kaffeetasse ab. "Sicher." Als der Elb im Sonnenstuhl neben ihm das gewünschte Objekt rüberreichte, setzte sich der Ex-Gebieter von Imladris ruckartig auf, schob die Sonnenbrille hoch auf die Stirn, die, um Galadriels gehässige Worte zu benutzen, ihren Eroberungszug gegen seine Haare erfolgreich fortsetzte. "Hast du bemerkt, daß die Zuckerzange fehlt?" "Ja, schon seit einer Woche. Keine Ahnung, wo sie abgeblieben ist. So ein schönes Stück..." Elrond wußte zu gut, wo sie war, doch hatte er sich vorgenommen, mit der Offenbarung zu warten, bis er damit bei dem anderen Elben die beste Schockwirkung erzielen konnte. Daß Bilbo sie gemopst hatte und sich damit seine Fußbehaarung in Form zupfte, hatte er auch nur durch Zufall herausgefunden. So beförderte er die Zuckerstücke mit den Fingern in seine Tasse, rührte um und blickte aufs Wasser hinaus. Der Wind stand günstig; sie sollten nicht mehr lange bis Valinor brauchen, höchstens noch eine weitere Woche. Hoffentlich, betete er im Stillen, denn länger würde er es nicht aushalten. Hätte er geahnt, wie nervenaufreibend dieser Segeltörn sein würde...
Galadriel wurde von Seekrankheit geplagt und kam nur nach Sonnenuntergang an Deck, um ihre vornehme, seit Jahrtausenden gepflegte Elbenblässe nicht zu riskieren. Gandalf bekam fast niemand zu Gesicht, weil er offenbar vorhatte, seine Post-Mittelerde-Zeit ausschließlich mit der Lektüre von Büchern und Schriftrollen zu verbringen, für die er in all den Jahrhunderten davor keine Zeit gehabt hatte, und damit schon jetzt anfangen wollte. Seine erlaubte Gepäckmenge hatte ausschließlich aus Büchern bestanden. Keine Roben zum Wechseln, nicht mal einen Kamm für die langen Haare... Elrond war überzeugt, daß die Kleidung des Weißen Zauberers allein durch Magie so weiß blieb. Bei all dem Pfeiferauchen sollte aus dem Blütenweiß eigentlich schon lange ein unansehnliches Grau geworden sein! Frodo betreute den mehr und mehr verwirrten Bilbo, paßte auf, daß er keinen Unfug anstellte oder gar über Bord fiel; ein Fulltime-Job, der ihm nur wenige Pausen gestattete und den Schreibprozeß seiner *Reiseerfahrungen nach Mordor* extrem verlangsamte. Und Haldir...Haldir ignorierte die Tatsache, daß er offiziell tot war, und vertrieb sich die Langeweile auf andere Art und Weise. Ein großer weißer Vogel segelte im Tiefflug übers Deck und allein seine Elbenreflexe retteten Elrond davor, von dem Pfeil durchbohrt zu werden, der dem Tier folgte und in der Lehne des Liegestuhls steckenblieb. "Oh, Verzeihung, Lord Elrond...aber ich wollte diesen Albatros fürs Abendessen schießen..." Er biß die Zähne zusammen, rupfte den Pfeil aus dem Holz und schleuderte ihn kommentarlos über die Reling ins Wasser. Sein Blick in Richtung Celeborn hieß 'Der gehört zu deiner Truppe! Dein Problem!' "Haldir", tadelte der ehemalige Mit-Inhaber von Lórien, den es eigentlich immer noch schmerzte, daß er seine preisgekrönte Orchideenzucht hatte zurücklassen müssen, die ihm genauso teuer war, wie Elrond seine stille Teilhaberschaft im 'Rivendell Haarstudio'. "Sei doch bitte vorsichtig! Es könnte jemand verletzt werden!" Unter einem Schwall Entschuldigungen verschwand Haldir unter Deck, und die beiden sonnenbadenden Elben lehnten sich wieder zurück und genossen das sanfte Rauschen der See.
Zumindest eine Stunde lang, denn dann zerriß ein lautes Krachen die harmonische Stille und ließ sie in Panik aufspringen. Natürlich gingen beide Kaffeetassen zu Bruch. "W-w-was war das?" Elrond riß sich die Sonnenbrille herunter und hielt nach allen Seiten Ausschau. Im nächsten Augenblick packte er Celeborn am Arm, drehte ihn nach Steuerbord. "Sieh' doch nur, ein anderes Schiff!" Celeborn kniff die Augen zusammen. "Das sieht nicht gut aus...Piraten, nehme ich an." Soviel also zur gemütlichen Kaffeestunde. Glücklicherweise hatte zumindest die Kanne nichts abbekommen. "Woher willst du das wissen?" "Na, ich weiß es halt." "Sicher, sicher." Elrond klang alles andere als überzeugt, musterte das Schiff genauer, wie es nun längsseits zu ihnen ging; entlang des Schanzkleides reihten sich finster aussehende Gestalten, die ihn von ihrer Körperhygiene entfernt an Orks erinnerten, und soeben warfen sie Enterhaken zu ihnen herüber. Oh weh.... "Hooo, ahoi, ergebt euch", brüllte eine der Gestalten...und zu Elronds unendlichem Bedauern traf eine verirrte Musketenkugel die Kaffeekanne. Wenn sie jetzt wenigstens noch Galadriels Teeservice hätten...na ja, manchmal galt der Spruch 'Hinterher ist man schlauer' selbst für ihresgleichen!
Das Johlen und Gröhlen wurde immer lauter, und das Schiff schwankte stark, als es nunmehr durch zahlreiche Seile mit dem anderen Schiff verbunden war. Ein weiterer Schuß peitschte durch die Luft, riß die Farbe vom Achterdeck. Die Elfen wechselten besorgte Blicke. Wo war Haldir, wenn man ihn brauchte? Binnen weniger Minuten füllten die vorab erwähnten Ork-Lookalikes - mittlerweile war auch Celeborn zu der Überzeugung gekommen, daß es sich dabei um Piraten handelte - das Deck des Elbenschiffs und stoppten seine Fahrt. Aus der Nähe waren die Piraten noch häßlicher als aus der Ferne und doppelt so ungewaschen. Gut, daß jeder Millimeter dieses Schiffes dreckabweisend war, also würden sie sich hinterher nicht tagelang abmühen müssen, die Spuren dieser 'Besucher' zu entfernen. Wenn es ein Hinterher gab. Der Captain, seinem Auftreten nach, trat vor Elrond hin, und unter dem kritischen, von schwarzem Kajalstift dick umrandeten Blick fühlte sich selbst er ganz klein und unbedeutend. Und warum...? "Ey!" rief er empört. Dieser impertinente Mensch hatte sich seinen Kopfschmuck geschnappt und nahm nun den labberigen Hut ab, um das uralte Kunstwerk (Erbstück von Gil-galad und er polierte es Woche für Woche) anzuprobieren. Elrond erschauerte. Verglichen mit dem zerzausten Vogelnest, das wohl als Haare und Bart durchgehen sollte, waren sogar Zwerge gepflegt zu nennen! Selbst Gandalf in seiner Grauen Periode hatte nicht dermaßen verwahrlost ausgesehen. Telepathisch brüllte er nach Galadriel und ob sie sich *vielleicht* bequemen könnte, für fünf Minuten mit dem Schmollen aufzuhören und Haldir raufzuschicken. 'Wenn dir dein restlicher Schmuck nur irgend etwas bedeutet - ach, und dein lieber Celeborn auch, der im Moment ungefähr zehn Degen an seiner Kehle hat - dann komm' gefälligst an Deck! Mit Haldir!' fügte er hinzu und wehrte sich gegen die groben, ungewaschenen Hände, die ihn an den Oberarmen festhielten. Denn dieser...dieser überhebliche Möchtegern-Pirat mit einer Arroganz, die er gehofft hatte, nach dem Fall von Sauron nie wieder zu sehen, hatte sich eben auch seine Sonnenbrille geschnappt. "Wer seid Ihr, daß Ihr es wagt, uns in unserer Reise aufzuhalten und auf solch unverschämte Weise zu behandeln?" Und diese schwarzen Segel...der Captain mußte ein echtes Stimmungsproblem haben. "Mein Name", verkündete der Captain und machte eine spöttische Verbeugung, "ist Captain Jack Sparrow und mein Schiff ist die legendäre 'Black Pearl'. Hey, Will", rief er über die Schulter in die Menge seiner Männer hinein, "komm' mal her und schau' dir an, was für komische Vögel wir hier gefangen haben!"
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Vier Stunden später... "Und was sollte jetzt die ganze Aufregung?" Galadriel, Lockenwickler in den blonden Haaren und Gesicht, Dekolleté und Arme dick mit magischem UV-Blocker beschmiert, saß im Schatten des Sonnensegels und knabberte an einem Stückchen Lembas. Nicht gerade exquisite Küche, aber besser als gar nichts. Das trockene Zeug ließ sich zumindest noch einstippen... "Wir sind noch einmal davongekommen, es wurde niemand verletzt...aber", sie stellte die Tasse fort, tupfte sich den Mund mit der Serviette ab und wandte sich an Celeborn, "was höre ich da von einem Piraten, der aussah wie Legolas?" "Eine verblüffende Ähnlichkeit, wahrhaftig", nickte Gandalf und paffte an seiner Pfeife. Schmunzelnd stand er auf. "Dank seiner Hilfe konnten wir uns mit einigen Fäßchen von dem Hobbit-Kraut freikaufen. Ein guter Handel, würde ich sagen. Oder nicht, Lord Elrond?" Der Angesprochene, wieder komplett mit seinem Schmuck der Gil-galad-Kollektion und Sonnenbrille, murmelte nur eine undeutliche Antwort, dann verfiel er wieder in seligen Schlummer. Mit dem Zeug, das ihm Captain Sparrow zum Abschied geschenkt hatte, ließen sich exzellente Mixgetränke herstellen. Im Rausch könnte er den Rest der Reise vielleicht sogar überstehen, ohne den Verstand zu verlieren. Ob es in Valinor so etwas wie Rum gab...? "Also", brummte Gandalf, "ich werde mir etwas die Beine vertreten. Und dann ist da die eine Sonderausgabe des 'Gondor Guardian' aus dem Zweiten Zeitalter, ein Sammlerstück, das ich unbedingt noch lesen muß...die Kleinanzeigen von damals sind einfach zu köstlich..." Galadriel und Celeborn winkten ab. "In Ordnung, geh' nur. Aber Vorsicht," warnte die seltsamerweise höchst lichtscheue Herrin des Lichts, "Haldir macht wieder Schießübungen auf dem Vorschiff." Der Zauberer strich seinen Bart glatt und nahm seinen Hut und Stock. "Ich werde versuchen, nicht in die Flugbahn seiner Pfeile zu kommen." Als Gandalf langsam bugwärts schlenderte, tunkte Galadriel ihr Lembas in den Tee und meinte nachdenklich zu ihrem Gatten, "Celeborn, mir fällt da gerade etwas ein...nur so am Rande...sag' mal, wer steuert eigentlich unser Schiff?" "Keine Ahnung. Ist das denn so wichtig?" Galadriel schüttelte den Kopf und angelte sich die Flasche, die neben Elronds Sonnenstuhl stand. Ob dieser *Rum* auch in Tee schmeckte? Mit mehr oder weniger geistreicher Konversation, Ideen darüber, wie sie ihre Tage in Valinor verbringen würden, ob hauptsächlich mit Elbenbingo oder Kreuzworträtseln, neigte sich der Tag dem Ende zu.
Die Sonne war halb hinter dem Horizont verschwunden und Elrond schon nicht mehr ansprechbar, da ging ein schrecklicher Ruck durch das Schiff und es neigte sich bedrohlich zur Seite. Prompt ließ die angesäuselte Galadriel Lembas und Kaffeetasse mit Teeinhalt fallen - noch mehr Scherben - und Celeborn fiel vor Schreck aus seinem Sonnenstuhl. Auf dieser Seereise hatten sie wahrlich mehr Streß als während des Ringkrieges! Das Schiff fiel vom Wind ab, von unter Deck kam erst lautes Fluchen und dann bitterliches Weinen; später sollten sie erfahren, daß Frodo beim Illustrieren des Kapitels 'Abreise aus Lothlórien und Boromirs Tod' ein Faß Tinte über eine gerade vollendete, farbige Zeichnung seines lieben Sam gekippt hatte. Was...? Vom Bug her ertönten aufgeregte Schreie. Sie konnten gerade noch rechtzeitig nach vorne rennen, um das andere Schiff in ganzer Pracht zu sehen, das ihr Fahrwasser unter vollen Segeln kreuzte. Na, wenigstens waren die Segel weiß...so weiß wie Gandalf, der in wehenden Roben am Klüverbaum stand, sich so wie möglich vorlehnte und seinen Stab in Richtung des maritimen Verkehrsrowdys schüttelte, sichtlich entzürnt. Milde ausgedrückt. "'Schuldigung vielmals", tönte es vom anderen Achterdeck herüber. "Wir haben es eilig...da is' dieser französische Freibeuter und die haben schon einen Vorsprung!" Der sonst so beherrschte Zauberer wetterte in beachtlicher Lautstärke der Fregatte hinterher. "Fool of a Took! Erst Moria, dann die Sache mit dem Palantír...jetzt das! Ist man denn nirgendwo vor dir sicher? Typisch Hobbits am Steuer! Wer nicht groß genug ist, um übers Lenkrad zu gucken, sollte gefälligst auch kein Schiff steuern!" "Mithrandir", versuchte Galadriel, ihn zu beschwichtigen, doch Gandalf ließ nicht mit sich reden. Von einer Elbin mit Lockenwicklern würde sich wohl niemand etwas sagen lassen. "Warte nur, ich habe mir den Namen eures Schiffes gemerkt! Wenn wir nach Valinor kommen, könnt ihr mit einer Anzeige rechnen! Das gibt mindestens drei Punkte und einen Monat Fahrverbot!" Nur mit Mühe konnten die Elben den aufgebrachten Zauberer dazu bringen, sich umzudrehen und mit ihnen zu kommen, bevor er etwas Unüberlegtes tun konnte, wie das andere Schiff mit irgendwelchen Zaubersprüchen zu belegen. Daß er glaubte, in dem unvorsichtigen Steuermann Peregrin Took erkannt zu haben, schrieben sie natürlich dem Pfeifenkraut zu. So beschäftigt waren sie mit Gandalf, daß sie erst zu spät bemerkten, was Haldir mit seinem Bogen anstellte. Zum Beispiel daß er den stattlichen Albatros wieder erspäht hatte, der am Vormittag nur um Haaresbreite seinem Pfeil entgangen war. Das Tier beschrieb elegante Achterschleifen um den sich zügig entfernenden Dreimaster herum, die Distanz wuchs und auch die Lichtverhältnisse waren nicht mehr die besten. Doch für Haldir, seit fünfhundert Jahren in Folge unangefochtener Schützenkönig von Lórien, kein Problem! Strahlend wie ein Geburtstagselb nahm er Aufstellung, kniff die Augen zusammen, zielte...und als der Vogel im Sturzflug über das Deck des anderen Schiffes sauste, ließ er den Pfeil von der Sehne schnellen. Voller verfrühtem Stolz wartete er darauf, daß sein Ziel ins Wasser fiel und man ihm dankte für den unerwarteten Braten. Doch der Albatros stieg wieder zum Himmel auf. Kein Treffer? Ups, ja, getroffen wohl schon...nur nicht den Vogel, wie der laute Schmerzensschrei bewies, der nun übers Wasser hallte, gerade noch laut genug, um von scharfen Elbenohren gehört zu werden. Nur...was sollte das "Nicht schon wieder" bedeuten, das dem Schrei folgte? Na, egal, würde schon halb so schlimm sein, ein solches Schiff hatte mit Sicherheit einen tüchtigen Arzt an Bord. Dennoch etwas schuldbewußt beeilte er sich, von der Bildfläche zu verschwinden und nahm sich vor, nach Ankunft in Valinor den Bogen gründlich durchchecken zu lassen. Offensichtlich stimmte etwas mit dem Ding nicht, er schoß sonst nie vorbei... Besser er ging zu Bett, bevor noch etwas anderes passierte. Elrond hatte ihm Legolas' Tagebücher geliehen, eine Einschlafhilfe, die effektiver war als jede Droge. Er hoffte nur inständig, daß Galadriel nicht wieder die ganze Nacht schlaflos an Deck auf und ab wandelte. Oder schlimmer, daß Bilbo mehrmals hereingestolpert kam und sich nur schwer überzeugen ließ, daß dies *nicht* die Toilette war, sondern er sich wieder in der Tür geirrt hatte.
Das Elbenschiff setzte seine geräuschlose Fahrt fort, folgte dem silbernen Pfad, den das Licht des Vollmonds auf dem Wasser vorgab...
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