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Chains of Command© by Jeherion ()
"Sie werden meinen Befehlen folgen, William!" Die Worte hängen regelrecht in der Luft. Diese Unterhaltung ist nicht für meine Ohren bestimmt, aber ich kann mich schließlich nicht unsichtbar machen. Ich weiß nicht genau, was letzte Nacht unter Deck vorgefallen ist, aber es hat dem Captain gründlich die Laune verdorben, soviel steht fest. Eigentlich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Mr. Bush einem Befehl widersetzt haben soll. Ich will dem Gerede der Mannschaft nicht zuviel Gewicht beimessen, doch offenbar ist genau das passiert. Genau genommen sollte Mr. Bush vermutlich froh sein, wenn es bei einer strengen Ermahnung bleibt. "Ich habe das Kommando über die Hotspur, und das ist alles, was für mich zählt!" Captain Hornblowers Stimme klingt ungewohnt schneidend, aber natürlich hat er jedes Recht darauf, wütend zu sein. Die Autorität eines Vorgesetzten muss unantastbar sein. Es darf einfach nicht sein, dass jemand mitten in einer kritischen Situation eine Entscheidung des Captains in Frage stellt, auch nicht der Erste Offizier höchstpersönlich. Ohne die rechte Disziplin ginge es auf jedem Schiff Seiner Majestät zu wie in einem ordinären Irrenhaus. Ich schiebe die höchst unangenehme Vorstellung von einem Schiff in totaler Anarchie rasch wieder beiseite, als der Captain seine neusten Befehle verkündet.
Er nimmt Mr. Bush mit an Land und überlässt mir das Kommando. Ich weiß kaum, wie mir geschieht. Natürlich bin ich stolz darauf; sofort mache ich mich an die Arbeit und koordiniere die Vorbereitungen für die Erkundungsmission. Überall bricht emsige Geschäftigkeit aus. Ausrüstung wird herbeigeschafft, Boote werden beladen, die Leute lachen und schwatzen. Nur Mr. Bush sieht aus, als habe er gerade in eine Zitrone gebissen. Er hat kein Wort mehr gesagt, seit der Captain ihn zurechtgewiesen hat. Normalerweise ist er derjenige, der die Männer zur Rede stellt, wenn irgendetwas nicht glatt läuft, und vermutlich ist er verärgert, weil er diesmal den Kopf hinhalten musste. Und doch sollte gerade er verstehen, dass Rangordnung und Disziplin absolut unerlässlich sind - für einen jungen Captain vielleicht sogar umso mehr.
In den Augen Vieler muss sich Captain Hornblower erst noch beweisen, insbesondere unter dem kritischen Blick der alteingesessenen Seebären. Jeder hat von ihnen hat sich seinen Rang hart erkämpft und verdient. Die Tatsache, dass ein junger Mann mit solcher Geschwindigkeit die Karriereleiter empor klettert, während andere Jahre auf die nächste Beförderung warten, muss ihnen suspekt, um nicht zu sagen ungerecht erscheinen. Mir macht es Hoffnung. Ich habe keine Gönner in der Flotte, die mir unter die Arme greifen könnten, und auch nicht genügend Geld, um an den richtigen Stellen - den wichtigen Stellen - für einen guten Eindruck zu sorgen. Aber Captain Hornblowers Beispiel hat bewiesen, dass auch ein kleiner Niemand vorankommen kann, wenn er nur genug Mumm dazu hat und einen kühlen Kopf bewahrt. Vielleicht klinge ich wie ein schlechter Nachahmer, aber ich kann nicht anders als ihn aufrichtig für das zu bewundern, was er geschafft hat. Intelligenz, Mut und Pflichtbewusstsein haben ihn soweit gebracht, und ich glaube, nein, ich weiß, dass ich es ihm gleichtun kann, wenn man mir die Chance dazu gibt. Zwar lässt der Captain es einen immer wissen, wenn ihm irgendetwas missfällt, aber er geht sparsam mit Lob um. Darum freue ich mich umso mehr, dass er mir das Kommando für die Zeit seiner Abwesenheit anvertraut hat.
Kaum, dass die beiden Boote zu Wasser gelassen worden sind, wird mir plötzlich etwas bewusst. Er ist für diese Mission überhaupt nicht auf Mr. Bush angewiesen. Er hätte jeden anderen aus der Crew auswählen können. Zum Beispiel Styles, oder auch mich. Es wäre viel logischer gewesen, wenn Mr. Bush an Bord geblieben wäre. Warum nimmt der Captain seinen Ersten Offizier mit an Land und übertragt das Kommando statt dessen einem Fähnrich? Weil er einen erneuten Bruch der Befehlskette befürchtet? Weil er sich nicht mehr sicher sein kann, dass Mr. Bush seine Befehle auch wirklich ausführt? Ein scheußlicher Gedanke. Noch eben fühlte ich mich geschmeichelt, doch jetzt hat die Freude über mein erstes Kommando einen bitteren Beigeschmack. Was immer Mr. Bush auch getan hat, es muss wirklich außerordentlich schwerwiegend gewesen sein, um das Vertrauen des Captains dermaßen zu erschüttern. Manchmal könnte man meinen, sie seien die besten Freunde. Ich weiß, was böse Zungen behaupten, doch ich will gar nicht erst darüber spekulieren. Und wenn ich mir überlege, wie sie noch vor kurzem hier an Deck standen. Ich sehe sie vor meinem inneren Auge; Captain Hornblower, der sich offenbar bemüht, seinem Zorn nicht all zu lautstark Luft zu machen, und Lieutenant Bush, der die Strafpredigt mit demütig gesenktem Kopf hinnimmt. Ganz und gar nicht freundschaftlich, aber Bushs Schweigen bestätigt die Anschuldigungen des Kommandanten mehr als ausreichend. Vermutlich wird er die Befehle morgen ganz bewusst laut herausbrüllen, damit niemand auf die Idee kommt, seine Autorität zu untergraben. Ich will mir jetzt nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen. In zwei Stunden werden wir hoffentlich mehr über die seltsamen Vorkommnisse an dieser Küste wissen, und bis dahin gibt es genug zu tun. Bei Gott, ich hoffe, sie kehren alle heil zurück!
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