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Hexentanz

© by Danny-Girl ()

 

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an SG-1 gehören MGM/UA, World Gekko Corp. Und Double Secret Production. Diese Fanfiction wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu Lebenden oder Toten Personen, ist zufällig und nicht beabsichtigt.
Bei dieser FanFiction habe ich die Geschichte der Hexenverfolgung von Amerika, England, Deutschland und Frankreich mit einfließen lassen. Die Art und Weise Hexen, oder generell Ungeständige, zum Sprechen zu bringen, entspringt auch nicht meiner Phantasie, sondern es sind die wirklich angewandten Methoden.
- Erschreckt Euch nicht über Jacks Verhalten. Er ist am Anfang ein wahres Scheusal, doch er hat seine Gründe...
- Jacks und Daniels Freundschaft ist in dieser FF erst am Entstehen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Stargate-Sektion

 

Mit einem lauten Tosen erwachte der massive Ring, der so lange Zeit schweigend auf einer kleinen Lichtung gestanden hatte, zum Leben und wirbelte eine Fontäne aus purer Energie heraus. Dann formte sie sich zu einer wasserähnlichen Oberfläche innerhalb des Ringes und verharrte dort lautlos. Wenig später schob sich die M.A.L.P. durch das Gate, sammelte die wichtigsten Daten, filmte die nähere Umgebung und sendete die Informationen an die Basis des SGC.

 

* * *

 

Im Kontrollraum stand das komplette SG-1 Team um General Hammond herum und blickte gespannt auf den flackernden Monitor.

"Oh General, bitte..." O'Neill verschränkte die Arme vor der Brust und schüttelte abwertend den Kopf.

"Haben Sie ein Problem Colonel?"

"Bitte Sir,... nicht schon wieder ein Planet voller... Bäume! Warum müssen ausgerechnet wir, immer die Planeten mit den Bäu..." Weiter kam Jack nicht, denn plötzlich wurde er von Daniels erstauntem Aufschrei unterbrochen. Mit einem verständnislosen Blick sah er zu dem jungen Mann herüber und war nicht verwundert, als er diesen völlig aufgeregt vor dem Bildschirm stehen sah. "Oh bitte Daniel!" Seufzte O'Neill missmutig. "Bitte sag nicht, dass Du dort etwas interessantes entdeckt hast..." O'Neill seufzte abermals auf, senkte kurz den Blick und sah Daniel dann mit zusammengekniffenen Augen an.

"Sieh' Dir das an Jack..." Begann Daniel unbeirrt und richtete dann seine Aufmerksamkeit auf die hübsche blonde Frau, die neben ihm stand. "Sam sieh' doch..." Er deutete mit dem Finger auf eine Steintafel, die auf dem kleinen Monitor zu sehen war und schaute erwartungsvoll in die Runde. Sam Carter beugte sich vor und betrachtete das flackernde Bild.

"General,... Sir!" Begann Daniel mit aufgeregter Stimme. "Ich würde mir das gerne aus der Nähe ansehen."

Der kahlköpfige Mann warf einen kurzen Blick zu O'Neill, der sich mürrisch abgewandt und ein paar Schritte entfernt hatte, und nickte schließlich. "Okay. Ich denke, das ist keine schlechte Idee Dr. Jackson. ...SG-1" Hammond sah in die Runde. "Sie werden in einer Stunde aufbrechen."

Ein mürrisches Grummeln kam aus der Ecke, in der Jack mittlerweile stand und teilte nur allzu deutlich seinen Missmut über die bevorstehende Mission mit. "Wie lange sollen wir auf diesem Planeten bleiben und Daniel dabei zusehen, wie er mit Steinchen spielt?" Brummte O'Neill und heftete seinen grimmigen Blick an Daniel.

"Dr. Jackson?" Leitete General Hammond die Frage an Daniel weiter. "Was denken Sie,... wie lange werden Sie brauchen?"

"Nun,..." Daniel räusperte sich und trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. Die Blicke, mit denen Jack ihn ansah, sprachen nur allzu deutlich aus, was der Colonel gerade dachte und sendeten Daniel eine Verwarnung, dass er die Zeitangabe so kurz wie möglich angeben sollte. "Nun General," Sagte Daniel ohne den Blick von Jack zu nehmen. "Ich denke zwei bis drei Tage sind ausreichend."

General Hammond nickte nachdenklich. "Sie sollten sich das ruhig genauer ansehen Dr. Jackson." Der General holte tief Luft und wandte sich wieder an das gesamte Team. "SG-1!... Die Missionsdauer beträgt sieben Tage. Wegtreten!"

"Ja Sir!" Murmelte O'Neill und verließ eilig den Raum.

 

* * *

 

Das StarGate war bereits aktiviert, als Jack als letzter den StarGateraum betrat. "Ich weiß schon, warum ich keine Wissenschaftler mag." Zischte O'Neill und warf Daniel einen verächtlichen Blick zu. Der junge Mann nickte stumm und sah bedrückt zu Boden.

"Ich hätte ab morgen ein paar freie Tage gehabt Daniel!" O'Neill positionierte sich ihm gegenüber und fixierte ihn wütend. "Warum in aller Welt, musst Du bei jedem, noch so kleinen, Hinweis auf eine Kultur völlig ausflippen?... Warum, kannst Du nicht einfach eine Steintafel, Steintafel sein lassen?!"

"Sir!" Meldete sich plötzlich Sam zu Wort.

"Was ist Carter?" Fragte O'Neill schroff.

"Wir haben die Erlaubnis das..."

O'Neill drehte sich abrupt zurück zu Daniel. "Was ist?... Ich dachte, du hast es eilig?!" Mit diesen Worten tat Jack einen Schritt zur Seite und gab Daniel den Weg zum Gate frei. Der Wissenschaftler zögerte kurz, dann schulterte er seinen Rucksack, ging auf das Gate zu und verschwand in dem Ereignishorizont.

Sam musterte ihren Vorgesetzten mit einem verständnislosen Blick.

"Carter?" O'Neill legte den Kopf schräg und sah die blonde Frau an.

"Warum verhalten Sie sich Daniel gegenüber so?" Fragte sie, während sie mit Jack langsam auf das Gate zuging.

"Ich weiß nicht, was Sie meinen, Carter."

"Oh-doch, Sie wissen ganz genau, was ich meine Sir!"

"Ach ja?!" O'Neill starrte sie mit funkelnden Augen an, dann machte er einen Schritt nach vorne und war somit ebenfalls im Wurmloch verschwunden.

 

* * *

 

Daniel kniete vor der Steintafel und war eifrig damit beschäftigt seine Notizen niederzuschreiben. Sam überlegte kurz, ob sie zunächst mit ihm sprechen sollte, doch dann entschied sie sich zu O'Neill zu gehen, der am Ende der Lichtung stand und in den Wald starrte.

"Mein Gott! Das kann doch nicht wahr sein!" Rief Jack in einer übertriebenen Überraschung. "Das müsst ihr Euch ansehen! Carter, Teal'c! Ihr glaubt nicht, was ich gefunden habe!"

"Sir!" Sam stellte sich neben ihren Vorgesetzten und spähte neugierig in den Wald.

"Sehen Sie,..." O'Neill deutete in den Wald. "Da ist einer..." Sein Finger wanderte ein Stückchen weiter nach rechts. "...und dort ist noch einer! Wow! Das ist faszinierend!"

"Sir?"

"Sehen Sie sie denn nicht Carter?! Da sind, ich kann es gar nicht fassen, BÄUME! Hunderte, ach was red' ich,... Tausende von ihnen."

"Was ist mit Ihnen los, Sir? Sie verhalten sich..." Sam brach ab.

"Was mit mir los ist?" Jack begann wieder Daniel zu fixieren. "NICHTS! Ich kann nun mal keine Anthropologen ausstehen,... das ist los!" Damit wandte er sich ruckartig ab und steuerte auf Daniel zu. "Ich hoffe Du bist bald fertig Jackson!" Er stellte sich hinter den jungen Mann und sah ihm desinteressiert über die Schulter. "Ich habe nicht vor, morgen noch auf diesem gottverdammten Planeten zu sein. Verstanden?"

Daniel antwortete nicht. Dem äußeren Anschein nach, war er völlig auf seine Notizen konzentriert, doch innerlich nahm er jedes Wort von Jack in sich auf und wurde immer bedrückter.

"Hast Du mich verstanden Jackson?"

Daniel sah kurz auf und nickte stumm, dann senkte er wieder den Blick und arbeitete weiter.

"Glaubst Du, dass Du bis bald fertig bist?" Fragte O'Neill schroff.

"Ich..." Daniel zögerte, denn er wusste, das, was er zu sagen hatte, würde Jack nicht gefallen.

"Oh nein Jackson..." O'Neill lachte verächtlich auf. "Sag jetzt nicht, dass du Dich hier ein wenig in der Gegend umsehen willst."

Daniel stand entschieden auf und klopfte sich etwas Dreck von der Hose. "Doch Jack. Ich..."

"Das kann doch wohl nicht wahr sein!" Stieß O'Neill hervor und starrte Daniel grimmig an. "Ich will zurück zur Erde,... ist das so schwer zu verstehen?"

"Du kannst gerne gehen, Jack. Ich..." Daniels Stimme klang entschuldigend. "Ich komm hier schon ganz gut allein klar."

"Ich lass Dich hier garantiert nicht allein! Das könnte Dir so passen."

"Jack..."

"Von mir aus würde ich Dich gerne hier lassen, glaub mir..., aber dem General würde das nicht gefallen. Deshalb gehen wir zusammen zurück, ob Du nun willst, oder nicht!"

"So war das nicht gemeint, Jack! Was ich sagen wollte ist, dass ihr wegen mir nicht hier bleiben müsst..."

"Falsch Jackson, denn wegen Dir sind wir nur hier."

Daniel öffnete den Mund um etwas zu erwidern, doch dann nickte er und ließ sich wieder auf die Knie sinken. "Ich habe noch jede Menge zu tun."

"Richtig! Gut erkannt Doktor!" O'Neill wandte sich ab und ging auf Carter zu.

"Sir..."

"Arg." O'Neill hob warnend den Finger. "Was?"

"Was haben Sie eigentlich gegen Daniel?"

"Nichts!"

"Mit allem gebührlichen Respekt, Sir, aber das hört sich anders an."

"Ich kann nun mal Wissenschaftler und Zivilisten in meinem Team nicht ausstehen."

"Ich bin ebenfalls Wissenschaftlerin, Sir."

"Das ist etwas völlig anderes."

"Das seh' ich anders!"

"Sie sind nun mal keine Zivilistin. Sie sind Militär." O'Neill richtete seine Augen wieder auf Daniel. "Er ist Wissenschaftler,... und das mit Leib und Seele. Er ist ein zu großes Risiko für das Team."

"Weil er ein Wissenschaftler ist?" Fragte Sam verständnislos.

"Nein, weil..." O'Neill riss abwährend die Hände hoch. "Arg! Verdammt Carter, ich habe keine Lust darüber zu diskutieren, warum ich ein Problem mit Daniel habe."

"Sir."

"Schluss Carter. Gehen Sie und kümmern Sie sich um ihn, wenn er Ihnen so am Herzen liegt."

Sam sah Jack nachdenklich an, dann wandte sie sich von dem Colonel ab und ging zu den jungen Wissenschaftler. "Na, wie weit bist Du?" Fragte sie, als sie neben ihm stand. Daniel sah mit einem resignierten Lächeln auf. "Ich denke, das hier wird doch mehr Zeit benötigen, als mir,... als Jack lieb ist. Hoffentlich hat er es sich doch anders überlegt und wir sehen uns hier ein wenig um, denn ich vermute, dass hier noch eine alte Kultur existiert." Er richtete sich erneut auf und wischte sich die Handflächen an der Hose sauber.

"Der Colonel meint es sicher nicht so Daniel." Kam Sam auf das eigentliche Problem zu sprechen.

"Oh doch Sam,... er meint es so. Da kannst Du Dir sicher sein. Jack mochte mich noch nie sonderlich gern." Daniel lachte verbittert auf. "Außerdem hat er Recht, ich bin eine Belastung für das Team."

"Das ist nicht wahr Daniel... und das weißt Du auch..."

"Carter! Jackson!" O'Neill war plötzlich hinter den Beiden aufgetaucht.

"Sir?" Sam wandte sich um und sah den Colonel mit großen blauen Augen an.

"Entschuldige Jack!" Sagte Daniel schnell. "Ich werde noch etwas Zeit hierfür benötigen."

"Teal'c und ich werden jetzt das Lager aufschlagen."

"Hier?" Stieß Daniel hervor.

"Hast Du was dagegen?"

"Nein, aber..." Daniel sah Jack an.

"Aber was?"

"Ich dachte wir könnten uns hier ein wenig umsehen. Bei allem, was ich bisher herausgefunden habe, handelt es sich bei der Bevölkerung dieses Planeten um Menschen, die sich, nach unserer Zeitrechnung, im Entwicklungstand des 16. Jahrhunderts befinden. Ich..."

"Endlich mal eine gute Nachricht." fiel O'Neill Daniel ins Wort.

"Wie meinst Du das?"

"Nun, ganz einfach. Unser Job ist es neue Technologien für die Erde zu finden. Da das 16. Jahrhundert mit dem ganzen technischem Kram noch lange nicht so weit war wie wir..." Jack brach ab und sah Daniel auffordernd an. "Klingelt es bei Dir Jackson?"

"Jack!"

"Nein Daniel!" Sagte O'Neill mit einem zufriedenen Grinsen.

"Gib mir zwei Tage! Bitte! Ich,... wer weiß wann wir das nächste Mal die Möglichkeit haben, diese Zeitepoche so genau zu untersuchen. Denk doch nur an all die Theorien, die ich bestätigen oder widerlegen könnte..."

"Daniel!"

"Sir!" Meldete sich nun auch Sam zu Wort. "Ich denke Daniel hat recht!"

"Okay!" Antwortete Jack und starrte die Beiden wütend an. "Wir werden uns hier ein wenig umsehen. ...Aber denk nur nicht, dass ich mir Dein langweiliges Gequatschte die ganze Zeit antun werde Daniel... Carter! Wir teilen uns auf. Da Sie Daniels Wissenschaft ja so brennend interessiert, werden Sie der Babysitter für ihn sein."

Daniel drehte sich ruckartig um und entfernte sich ein paar Schritte. Er hatte im Moment genug von Jacks Diskriminierungen und er wollte und konnte sie sich im Moment nicht weiter anhören. Langsam begann er seine Sachen zusammenzusuchen und verstaute alles wieder in seinem Rucksack, dann drehte er sich zu Sam und nickte ihr auffordernd zu. "Ich bin soweit!" Sagte er schließlich, ohne weiter auf Jack einzugehen.

"Zwei Tage Jackson! Hast Du das verstanden?"

Daniel hob den Rucksack an und schnallte ihn auf den Rücken. "Bist Du soweit Sam?"

"Ob Du mich verstanden hast Daniel?" O'Neill schob sich wütend vor den jungen Mann.

"Ja Sir!" Antwortete Daniel scharf. O'Neill sah Daniel mit zusammengekniffenen Augen an. "Okay, dann solltet Ihr die Zeit wohl besser sinnvoll nutzen."

 

* * *

 

Einen Tag später waren Daniel und Sam noch immer von Bäumen umgeben. Der Wald schien von Minute zu Minute dichter zu werden. Zunächst kamen Daniel und Sam noch gut voran, doch schließlich wurde der Weg immer beschwerlicher. Immer mehr Äste hingen tief von den Bäumen herab und machten ein Durchkommen nahezu unmöglich.

"Daniel?"

Der junge Mann blieb stehen und drehte sich um. "Ja?"

"Meinst Du, wir werden wirklich etwas finden?"

"Ich denke schon." Nickte Daniel, dann wurde er nachdenklich. "Kann ich Dich etwas fragen Sam?"

"Natürlich,... schieß los..."

"Was mach' ich falsch?"

Sam blickte Daniel fragend an. "Was meinst Du?"

"Jack!... Er... Warum kann er mich nicht ausstehen?... Ich mein,... es gibt Tage, da denk' ich mir: He! Vielleicht wird er mich ja doch irgendwann respektieren. ..Nur respektieren Sam,... mehr verlang' ich doch gar nicht..."

"Daniel!" Sam legte eine Hand auf die Schulter des Wissenschaftlers.

"Wenn,..." Er schluckte hart. "Wenn ich Sha're gefunden hab', dann..." Daniels Augen wurden glasig. "...dann werd' ich eh das Team verlassen..."

"Daniel..."

"Ich denke, damit werde ich Jack einen großen Wunsch erfüllen." Daniel verzog die Mundwinkel zu einem gequälten Lächeln. "Meinst Du, ich werde Sha're finden?... Ich vermisse sie so sehr, Sam! Ich..." Wieder schluckte Daniel hart. "Ich wache nachts auf und denke, dass sie neben mir liegt, doch,... doch wenn ich sie dann in den Arm nehmen möchte, dann... dann ist sie fort."

"Das tut mir leid Danny!"

Der junge Mann blickte Sam erstaunt an.

"Hab ich etwas Falsches gesagt?" Fragte Sam irritiert.

"Nein,... aber... aber Du hast mich Danny genannt,... das" Daniel Atmete tief durch. "Es ist schon lange her, dass mich jemand so genannt hat." Fuhr er mit einer plötzlichen Distanz in seiner Stimme fort.

"Es tut mir leid, wenn ich..."

"Nein-nein. Ist schon in Ordnung,... es hat mich nur an etwas erinnert."

"Und an was?"

"Oh, das tut jetzt nichts zur Sache..." Daniel spähte zwischen den Ästen hindurch. "Dort vorne scheint ein Weg zu sein." Damit wandte sich Daniel ab und verschwand zwischen den Ästen. Sam blieb noch einige Sekunden nachdenklich stehen, dann folgte sie dem jungen Mann.

 

Etwa drei Stunden später hatten Daniel und Sam den Wald hinter sich gelassen. Der schmale Weg, den Daniel gefunden hatte, schlängelte sich nun zwischen einigen Wiesen hindurch, gradewegs auf eine kleine Siedlung zu. "Wow!" Daniel Schritte wurden schneller. "Sam! Sieh' Dir das an! Das ist ja..."

"Warte! Ich möchte mich erst kurz mit dem Colonel in Verbindung setzten und ihn darüber informieren, dass wir auf eine Siedlung gestoßen sind."

Daniel nickte kurz und kam wieder auf die junge Frau zu.

"Captain Carter an Colonel O'Neill, bitte kommen!"

Das Funkgeräte rauschte noch einige Sekunden, dann erklang die Stimme des Colonels. >Hier O'Neill, was ist Carter?"<

"Daniel und ich haben eben eine Siedlung gefunden. Wir werden jetzt Kontakt mit den Bewohnern aufnehmen."

>Okay ab...< Ein lautes Rauschen unterbrach die Stimme. >..und sagen Sie Dan..el, dass er... ...sonst rasseln wir beide wirklich noch zusammen.>

"Sir! Die Verbindung ist zu schlecht, Sie brechen immer wieder ab. Ich melde mich, nachdem wir Kontakt aufgenommen haben. Carter-Ende."

>"Over and out."<

Daniel sah Sam ungeduldig an. "Wollen wir?"

Sam musste über die kindliche Freude in Daniels Augen lächeln. "Lass Dich nicht aufhalten Daniel."

Daniel nickte, zog die Schnallen seines Rucksackes fest und ging auf das Dorf zu. "Riechst Du das auch, Sam?" Fragte Daniel, kurz bevor sie die ersten Häuser erreicht hatten.

"Es riecht verbrannt..." Sams Stirn legte sich in Falten.

"Ja, Du hast recht." Daniel blieb nachdenklich stehen. "Seltsam."

Plötzlich kam ein kleines blondes Mädchen von etwa 10 Jahren auf den Weg gerannt. Sie trug ein Kleid und eine Kopfhaube, die beide einst weiß gewesen waren, doch jetzt unzähligen Rußflecke trugen. Das Mädchen zögerte und starrte die Fremden einen Augenblick verwirrt an, dann wirbelte sie herum und lief, laut schreiend, ins Dorfinnere. Im gleichen Moment erkannte Sam die ersten Rauchschwaden, die hinter einem Haus aufstiegen und rannte, ohne zu zögern, los. Sie brauchte sich nicht umzusehen, um zu wissen, dass Daniel sich genau hinter ihr befand.

Als Sam um die Ecke bog, konnte sie das Knacken des Feuers hören und sah, wie sich die Flammen gierig durch das Holz fraßen.

Ein Mann und eine Frau standen vor einem brennendem Haus und reichten einander Wassereimer, um das Feuer zu löschen.

"Ist noch jemand im Haus?" Fragte Sam und blieb atemlos vor der jungen Frau stehen.

"Nein! ...Dem Herren sei Dank, es ist niemand mehr drin."

"Habt Ihr noch Eimer oder Gefäße, so dass wir euch beim Löschen helfen können?" Daniel blickte die Frau fragend an.

"Ja!" Sie deutete auf einen Brunnen. "Dort haben wir noch Krüge..."

Ohne ein weiteres Wort drehten sich Sam und Daniel um und rannten zu dem Brunnen. "Wir müssen eine Kette bilden, so kommen wir besser voran!" Schrie Sam und gab Daniel ein Zeichen sich aufzustellen.

Aufgeregte Stimmen und schnelle Schritte nährten sich und im nächsten Moment kam etwa zwölf Männer um die Ecke gerannt. Jeder von ihnen trug ein, oder mehrere Eimer und reihte sich sofort in die Kette ein. Doch trotz der schnellen Hilfe, konnte das Haus nicht mehr gerettet werden und irgendwann gab man die Löschversuche auf und beschränkte sich darauf, ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Erst als es dunkel wurde, war das Feuer erloschen und alle Dorfbewohner saßen müde um das niedergebrannte Haus herum. Die junge Frau, hatte Daniel und Sam schon einige Zeit beobachtet, jetzt endlich fand sie den Mut und kam langsam auf Daniel zu. "Mein Name ist Elisabeth McKellen." Dann deutete sie auf den Mann, der das kleine blonde Mädchen auf dem Schoss hatte. "Dies ist mein Gatte Nefarja und unsere Tochter Abigail. Wer seid Ihr? Und was macht Ihr in unserer Gegend?"

Daniel erhob sich mit einem müden Lächeln und deutete zunächst auf sich und dann auf Sam, die einige Meter von ihm entfernt hockte und eine kleine Katze liebkoste. "Ich bin Daniel und das ist Sam. Wir sind friedliche Forscher vom Planeten Erde und wir würden gerne etwas über Eure Kultur und über Eurer Volk lernen."

"Deine Worte sind sehr verwirrend für mich." Elisabeth überlegte kurz, dann fuhr sie fort. "Ich verstehe nicht,... was meinst Du mit >der Erde< und wo ist es?"

Daniel musste lächeln. "Die Erde ist unser Heimatplanet und er liegt sehr, sehr weit weg von hier."  

Misstrauisch schob sich Nefarja neben Elisabeth. "Was erzählst Du da für seltsame Dinge? Willst Du uns zum Narren halten?"

Daniel öffnete den Mund um zu antworten, doch im nächsten Moment zerriss ein lauter, greller Schrei die Luft.

"Hilfe! Hilfe! Sie will mich verhexen!" Schrie Abigail und stolperte entsetzt von Sam weg. Daniel richtete seinen Blick auf Sam und musste entsetzt feststellen, das zwei kräftige Männer sie gepackt und hochgerissen hatten. "Lasst sie los!" Ein Ruck ging durch Daniels Körper, als er versuchte zu Sam zu gelangen, doch ebenfalls durch ein paar Hände aufgehalten wurde.

"Was hat sie getan Abigail,... rede doch Liebes!" Elisabeth kniete sich vor das weinende Mädchen und strich ihr besorgt die Tränen aus dem Gesicht.

"Sie hat die Katze dort zum Sprechen gebracht!" Anklagend hob Abigail die Hand und deutete auf Sam. "Dann wollte sie, dass ich das Tier streichele ... sie ist eine HEXE!... Sie hat den Blick... Genau wie Sarah Good... und sie war eine Hexe!"

Ruckartig wandten sich die Blicke auf Sam. Einen Moment herrschte Schweigen, dann wurde ein Murmeln laut. Zunächst sprachen alle leise und durcheinander, doch dann schien das Gemurmel einen einzigen lauten Sprechchor zu bilden, der immer lauter wurde. "Hexe! Hexe! HEXE! HEXE!..."

"Nein Verdammt!" Schrie Daniel plötzlich wütend auf und ließ die Stimmen abrupt ersterben. Alle Augen ruhten nun auf dem jungen Mann. "Sam ist keine Hexe! Das ist doch völliger Schwachsinn. Sie kann weder zaubern, noch Tiere zum Sprechen bringen... Seid doch vernünftig!"

"Ich habe es gehört!... Ich hörte, wie sie mit dem Tier sprach und wie es ihr antwortete..." Schrie Abigail hysterisch auf.

"Das ist nicht wahr!" Sam sah in die Runde, doch keines der Gesichter schien ihr zu glauben.

"Schweig Hexe!" Donnerte eine männliche Stimme aus dem Hintergrund. Die Dorfbewohner teilten sich und gaben den Weg für einen älteren, streng wirkenden Mann frei, der mit einem verächtlichen Gesichtausdruck und überlegendem Gang auf Sam zuschritt.

"Ich bin keine..." Weiter kam Sam nicht, denn im nächsten Moment holte der Mann weit aus und schmetterte seine Faust in Sams Gesicht. Die junge Frau strauchelte und taumelte zurück, dann hob sie trotzig den Blick und sah dem schwarzhaarigen Mann, trotzig in die kalten blauen Augen. "Ich - bin - keine - Hexe!" Sagte sie und betonte dabei jedes Wort.

"Schafft sie aus meinen Augen und bringt sie in den Kerker,... wir werden sie bei Morgengrauen der Hexenprüfung unterziehen!"

"NEIN! Lasst sie los...!" Daniel stemmte sich gegen den festen Griff um sich zu befreien, doch im nächsten Moment fand er sich auf seinen Knien wieder. Der ältere Mann trat an ihn heran und sah ihn mitleidig an. "Er steht sicher unter ihren Bann... Bringt die Hexe endlich weg, damit seine arme Seele wieder befreit ist."

"Wie Ihr es wünscht, Sir Reginald Scouts." Einer der Männer, der Sam hielt, machte eine leichte Verbeugung und gab Sam dann einen Ruck, um sie abzuführen.

 

* * *

 

Der Kerker war dunkel, feucht und kalt.

Ein unbeschreiblicher Gestank lag in der Luft, der wohl aus einer Mischung von getrocknetem Blut, Schweiß, Fäkalien, feuchten Wänden und wer weiß was sonst noch resultierte. Von überallher schien ein Jammern und Wehklagen zu kommen und machte es Sam dadurch unmöglich auf andere Gedanken zu kommen. Nicht dass es ihr anders leichter gefallen wäre, (schon allein die kalten eisernen Ringe, mit denen man sie an die Wand gekettet hatte, erinnerten sie ständig an ihre missliche Lage), aber durch die unbestreitbare Präsenz des Leidens, wurde sie ständig aufs Neue auf die Ausweglosigkeit ihrer Situation hingewiesen. Sam saß an die Wand gelehnt, sie hatte die Hände über ihrem Kopf und die Beide an die Brust gezogen, um so wenigstens ihren Kopf auf den Knien abzulegen. Ihre Haare hingen ihr strähnig im schmutzigen Gesicht und ihr Körper war in ein schäbiges, altes Kleid, das fast nur aus Löchern und Schmutz zu bestehen schien, gehüllt. Wärme spendete dieses Kleid kaum und so war es nicht verwunderlich, dass Sam am ganzen Körper zitterte.

Sam vermutete, dass es noch immer Nacht war, aber sicher war sie sich dessen nicht. Man hatte ihr alles abgenommen, was sie ursprünglich trug, noch nicht mal ihre eigene Unterwäsche hatte man ihr gelassen...

Plötzlich waren leise, schleichende Schritte zu hören und im nächsten Moment blitze das Licht einer Taschenlampe auf und Daniel schob sich um die Ecke. Auch er war völlig neu eingekleidet, doch im Gegensatz zu Sam, trug er beinahe die Kleidung eines Edelmannes.

"Wie geht es Dir?" Fragte Daniel besorgt und kniete sich neben Sam.

"Wie soll es mir mit den Dingern schon gehen...?!" Sam bewegte demonstrativ ihre Handgelenke.

"Es tut mir so leid Sam..." Flüsterte der junge Wissenschaftler leise und senkte den Blick.

"Es ist doch nicht Deine Schuld, Daniel!"

"Doch! Denn nur wegen mir sind wir hier. Hätte ich nicht darauf bestanden auf diesen Planeten zu gehen..." Daniel sah für einen Augenblick auf und musterte Sam, dann fixierte er eine Fliege, die sich in ein Spinnennetz verfangen hatte und nun um ihr Leben kämpfte. "Hätte ich nur auf Jack gehört, dann wärst Du jetzt nicht hier,... wenn ich nur nicht so stur gewesen wäre,... dann würden wir jetzt wahrscheinlich in der Kantine sitzen und einen Kaffee trinken." Er holte tief Luft und fuhr dann mit tonloser Stimme fort. "Sie werden dich foltern Sam..."

"Oh!" Sam beobachtete jetzt ebenfalls die Fliege, deren Bewegungen immer schwerfälliger und kraftloser wurden.

"Sie...." Daniel brach ab, verzweifelt versuchte er seine Fassung zu behalten. "Sie werden Dich den Hexenproben unterziehen und versuchen ein Geständnis von Dir zu bekommen."

"Wie sehen diese Proben denn aus?" Fragte Sam vorsichtig und starrte die Spinne an, die soeben damit begonnen hatte ihr Opfer einzuspinnen.

"Nun,..." Daniel holte abermals tief Luft und löste mit einem Ruck seinen Blick von der Spinne. "...zum einen haben wir da die Wasserprobe." Begann er in seinem Wissenschaftlerton. "Der oder die Beschuldigte, wird mit dem rechten Daumen an den linken Zeh gebunden und in ein tiefes Gewässer geworfen..." Der junge Mann zögerte und sah Sam prüfend an, dann senkte er den Blick und verzog gequält das Gesicht. "Treibt der Beschuldigte oben, so hieß es: Das gesegnete Wasser habe den bösen Leib abgewiesen. Ging man unter, so war man zwar unschuldig, aber dennoch tot..." Daniel zuckte nervös mit den Mundwinkeln und sah Sam an. "Dummerweise treibt man, aufgrund der seltsamen Körperhaltung jedoch wirklich an der Oberfläche..." Daniel fuhr sich nervös durchs Haar. "Sie,... sie werden Dich auf einen Stuhl fesseln und... befragen,... es heißt: Hexen besäßen einen Schutzgeist - einen Dämonen - der in Tiergestalt auftritt. Sollte bei der Befragung also ein Käfer, eine Maus, eine Ratte, oder wer weiß was sonst noch, in Deine Zelle kommen und sich Dir nähern, dann hat man einen weiteren Beweis, dass Du eine Hexe bist..."

"Das ist doch lächerlich!" fiel Sam Daniel ins Wort und lachte verächtlich auf. "Sieh Dich doch um,... hier wimmelt es von Ungeziefer jeglicher Art!"

"Ich weiß." Nickte der Anthropologe bestürzt, dann senkte er entgültig den Blick. Er konnte Sam nicht mehr ansehen, er konnte und wollte ihre Augen nicht sehen, wenn er ihr die letzte Prüfung erklärte . "Sie werden,..." Er brach ab, suchte verzweifelt einen Punkt, den er ansehen konnte und schluckte hart, dann richtete er sich auf, ging zwei Schritte weg und kam wieder zurück. Sam sah die Blässe, die plötzlich im Gesicht ihres Freundes war. Daniel presste die Lippen fest aufeinander und suchte verzweifelt nach den richtigen Worten. "Sie werden Dich ausziehen und..." Eine Träne floss über sein Gesicht und Daniel wandte sich ruckartig ab, so dass die junge Frau nur noch seinen Rücken sehen konnte.

"Es ist okay Daniel..." Versuchte sie ihn zu beruhigen.

"Nein ist es nicht Sam!" Daniels Stimme war von einer Verbitterung erfasst, die Sam noch nie bei dem blonden Mann gehört hatte. "Sie werden Dich völlig nackt ausziehen, Sam! Gott-weiß, was sie mit Dir anstellen werden!... Es heißt, dass sie Dich nach Narben oder einem Muttermal, sogenannte Hexenzeichen, absuchen werden,... aber wer sagt, dass sie nicht mehr tun werden, als nach diesen Malen zu suchen?! Wenn sie keine Narben finden,.. dann heißt es, dass sie unsichtbar sind." Daniel zögerte. "Sie werden ein Messer nehmen und damit,... in das sogenannte Hexenmal stechen, denn Hexenmale sind unverwundbar und schmerzunempfindlich. Sollte es, wider Erwarten, nicht bluten, so bist Du unschuldig. Aber,... SAM! Ich... ich werd' das nicht zulassen! Ich kann nicht zulassen, dass..."

Sam lachte gequält auf. "Wie willst Du das denn machen?!" Sie haben uns alles weggenommen,... bis auf Deine Taschenlampe..."

"Und das...!" Daniel lächelte kurz auf und ließ ein Funkgerät aus seinem weitem Ärmel gleiten. "Das konnte ich auch retten... Aber ich bekomme keinen Empfang! Ich habe es bis jetzt versucht..."

"Sei vorsichtig damit, denn nur wegen dem Ding stecken wir in dem ganzen Schlamassel!"

Daniel blickte Sam fragend an. "Was meinst Du?"

"Erinnerst Du Dich als Abigail zu mir kam?"

Daniel nickte.

"Ich habe zu dem Zeitpunkt gerade versucht dem Colonel unsere Position durchzugeben..."

"Oh!"

"Abigail muss wohl geglaubt haben, dass ich mit der Katze spreche..." Sam frustriert lachte auf. "wahrscheinlich glaubte sie, als der Colonel unklar reinkam, dass mir die Katze geantwortet hätte..."

"Ich muss so schnell wie möglich versuchen Jack zu erreichen, denn er ist der Einzige der Dich hier rausholen kann, aber..." Daniel ballte seine Hand zu einer Faust. "Ich habe hier einfach keinen Empfang! Sobald ich das Dorf verlassen würde, hätte ich einen Aufpasser hinter mir..."

"Wie kommt es überhaupt, dass Du ohne Aufsicht rumläufst?" Wollte Sam wissen.

"Sie glauben, dass ich schlafe!" Daniel sah Sam an und zuckte mit den Schultern.

"Daniel!" Sams Stimme klang eindringlich. "Du musst versuchen den Colonel und Teal'c zu finden,... Du musst sie suchen!"

"Und Dich hier allein lassen? Niemals, Sam!

"Daniel! Das ist die einzige Chance!"

"Falsch Sam! Stell Dir doch mal vor, wenn ich morgen früh verschwunden wäre,... meinst Du nicht auch, sie würden Dich dafür verantwortlich machen?!"

"Wie sollte ich denn das machen?"

"Vergessen?! Sie halten Dich für eine Hexe!"

Plötzlich waren von weitem schnelle, energische Schritte zu hören. Daniel zuckte zusammen und knipste seine Taschenlampe aus, dann spähte er in den langen dunklen Gang, der jetzt spärlich von herankommenden Fackeln erleuchtet wurde.

"Ich muss gehen, wenn sie mich hier bei Dir finden,... wer weiß, was sie dann mit Dir machen."

Der junge Mann zögerte einen Moment, dann beugte er sich zu Sam herunter und legte eine Hand auf ihre Schulter. "Halte durch Sam! Ich werde Dich hier nicht sterben lassen. Ich werde sicher bald Jack über Funk erreichen und er wird Dich hier rausholen." Daniel lächelte schwach um seinen Worte mehr Zuversicht zu verleihen, dann wandte er sich schnell ab und verschwand in der Dunkelheit.

 

* * *

 

Der Nebel hing in einem dicken Mantel über dem Dorf und schien alles um sich herum zu verschlucken. Die schwache, trübe Morgensonne, war in ein Grau aus Wolken gehüllt und kündigte einen regnerischen Tag an. Sam fröstelte. Erst die Nacht in diesem kalten Kerker und jetzt das,... konnte es noch schlimmer kommen?

Der bullige Mann, der Sam von ihren Ketten befreit und in die Morgensonne geschoben hatte, drängte Sam erbarmungslos und mit groben Griffen auf den Marktplatz, dort blieb er stehen und wartete auf seine Freunde.

 

Daniel, gefolgt von seinen zwei Bewachern, kam aus einer kleinen Hütte, die direkt am Markplatz stand und streckte sich betont verschlafen. Doch Sam wusste, dass der junge Mann, genau wie sie, die ganze Nacht kein Auge zugemacht hatte. Die beiden Männer hinter ihm tauschten kurze Blicke aus, dann dirigierten sie zögernd in Sams Richtung.

 

Reginald Scouts war mittlerweile an die blonde Frau herangetreten und beäugte sie mit gierigem Blick. "Es ist schade um Dich..." Sagte er mit einem sabbernden Grinsen und beugte sich an Sams Ohr. "Wenn Du ein wenig nett zu mir bist,... dann werde ich Dich verschonen." Seine Augen wanderten über Sams Körper, er streckte einen Finger aus und fuhr damit an Sams Ausschnitt entlang. Ruckartig wandte sich die blonde Frau ab. "Lieber sterbe ich!" Zischte sie und sah den Älteren verächtlich an.

"Das kannst Du gerne haben!" Reginalds Stimme klang nun noch schärfer als zuvor. Mit einer schnellen Bewegung trat er zur Seite und gab Daniel den Blick auf seine Freundin frei. "Ist das die Frau, die Dich unter ihren Bann stellte und verhext hat?"

"Sie ist keine Hexe!" Antwortete Daniel und sah Reginald zornig an. "Ich stehe auch unter keinen Bann und Sam hat mich auch nicht verhext! Warum glaubt ihr uns denn nicht?"

"Der arme Kerl, steht noch immer unter ihrer Macht!" Seufzte Scouts und wandte sich wieder an Sam. "Wir werden sie nun der Wasserprobe unterziehen."

"Nein!" Schrie Daniel auf und versuchte auf den Älteren zu zustürzten, im gleichen Moment musste er jedoch feststellen, das seine Arme gepackt und auf seinen Rücken verdreht wurde. Daniel schrie kurz auf und fiel dann auf seine Knie. Verzweifelt blickte er Sam hinterher, die bereits abgeführt wurde. "Seid doch vernünftig! BITTE! Sam - ist - keine - Hexe!"

"Das werden wir ja gleich sehen,... wenn sie wirklich unschuldig sein sollte, dann..."

"Dann wird sie doch auch sterben!" Fiel Daniel ihm ins Wort. "Ihr wisst genauso gut, wie ich, dass Sam die Prüfung bestehen wird."

"Also gibst Du doch zu, dass sie eine Hexe ist?"

"Nein verdammt!" Donnerte Daniels Stimme voller Frustration und Ärger. "Aber diese Prüfung ist so gelegt, dass jeder sie besteht! Auch Ihr Reginald!"

Der Angesprochene trat langsam auf Daniel zu und sah ihn verächtlich an. "Dieser armen Seele ist nicht mehr zu helfen."

"Was?!" Daniel versuchte aufzustehen, wurde jedoch durch eine weiteren Drehung Verdrehung seines Armes, daran gehindert.

"Bringt ihn zum Fluss, er soll sehen wie es der Hexe ergeht und dann wird das Gericht entscheiden, wie er stirbt!"

"Verdammt!" Schrie Daniel als man ihn die Arme noch ein Stück mehr verdrehte und daran hochzog. "Lasst sie doch gehen!" Flehte er. "Sie ist doch unschuldig!"

 

* * *

 

"Wir sollten uns auf den Weg zum StarGate machen, O'Neill." Teal'c's Stimme klang, wie immer, tonlos, als er sich hinter Jack aufstellte und seine Arme hinter seinen Rücken verschränkte.

"Wir sind erst heute Abend mit Jackson und Carter verabredet. Wir haben somit also genug Zeit,... außerdem kenne ich Daniel!" Jack blickte Teal'c kurz an, dann begann er einen Köder an seiner provisorischen Angel zu befestigen und setzte sich an das Ufer eines riesigen Sees. "Er wird sicher die Zeit vergessen und wird zu spät kommen,... Du kennst ihn doch auch Teal'c." Damit holte Jack weit aus und warf die Angel in den See.

"Ich verstehe den Sinn dieser Tätigkeit nicht O'Neill."

"Oh-Mann Teal'c!" Stöhnte Jack und sah den Jaffa genervt an. "Das habe ich Dir doch schon ein paar Mal erklärt."

"Das ist korrekt, O'Neill. Dennoch sehe ich keinen Sinn bei diesem Ritual. Wir sollten uns auf den Weg zu Daniel Jackson und Captain Carter machen"

Jack schüttelte verständnislos den Kopf, dann warf er einen Blick auf seine Uhr. "Gib mir noch zwei Stunden, dann werde ich, sofern sich die Beiden noch nicht gemeldet haben, versuchen Carter über Funk zu erreichen. Aber ich denke nicht, dass ich durchkomme, denn die beiden sind in einem Funkloch gewesen, als wir das letzte Mal versucht haben Kontakt aufzunehmen." O'Neill seufzte, zog seine Angel ein und warf sie wieder ins Wasser. "Außerdem werden die Beiden eh' froh sein, wenn ich sie allein lasse,.. besonders Jackson... er wird wieder mit seinen Steinchen spielen und Carter darum bitten, noch nicht zurück zum Gate zu gehen. Ich werde ihn mir eh vorknöpfen und ihn über seine Pflichten hier aufklären. Es wird Zeit, dass ich ihn mal richtig in den Arsch trete, er muss lernen meine Befehle zu befolgen und sich an unsere Abmachungen zu halten." Murmelte der Colonel und verzog die Mundwinkel.

"Du scheinst Daniel Jackson nicht sehr zu mögen, O'Neill."

"Er ist ein Wissenschaftler!" War Jacks knappe Antwort.

"Hegst Du deshalb eine Abneigung gegen ihn?"

"Gott-Teal'c!" Stieß O'Neill hervor. "Ich habe doch keine Abneigung Daniel gegenüber. Es ist nur..." O'Neill brach ab. Zum erstenmal wurde ihm etwas bewusst. Sein Verhalten musste auf Daniel oftmals so wirken, als wäre eine große Last für ihn, doch im großen ganzen mochte Jack seinen jungen Kollegen.

 

Sicher: Daniel und er waren grundverschieden, doch sie hatten auch einiges Gemein. So zum Beispiel die Familie. Weder er, noch Daniel, hatten Jemanden, der sich freute, wenn sie nach Hause kamen. Sie waren beide allein...

 

"...Daniel hat seine Finger immer dort, wo sie nicht hingehören." Fuhr O'Neill schließlich fort. "Er muss alles anfassen, alles berühren und erforschen... Wie ein kleines Kind... Charly, mein Sohn, er war genauso. Er hat seine Finger auch immer überall gehabt." O'Neill brach bei der Erinnerung an seinen Sohn verbittert ab.

"Glaubst Du, dass jeder Mensch, dem Du zeigst, dass er Dein Freund ist, sterben wird?"

"Quatsch!" Stieß O'Neill plötzlich so heftig hervor, dass sowohl er als auch der Jaffa wussten, dass Teal'c recht hatte.

"Daniel Jackson wird nicht sterben, nur weil Du sein Freund bist, O'Neill."

"Das habe ich auch nicht behauptet, Teal'c, aber..." O'Neill zögerte und begann mit der Angel zu spielen. "Manchmal,... da... da erinnert mich Daniel wirklich an Charly! Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber..." Jack brach ab und überlegte kurz. "Weißt Du Teal'c? Die beiden sind sich in einigen Dingen ähnlich! Sie haben beide dieses,... dieses Leuchten in den Augen, wenn sie etwas tun, das sie fasziniert oder das sie lieben." O'Neill seufzte. "Teal'c." Er blickte auf und sah den Jaffa durchdringend an. "Ich habe Carter mit Daniel losgeschickt, weil..." Jack wandte sich wieder ab und starrte auf den See, dann schluckte er hart und begann von vorn. "Ich wollte nicht auf diese Mission, weil ich eigentlich ein paar freie Tage gehabt hätte."

"Das weiß ich O'Neill."

"Oh-Teal'c... Ich weiß, dass Du das weißt..." Jack sah den Jaffa für einen Moment genervt an, dann holte er tief Luft und betrachtete seine Angelrute. "In zwei Tagen ist Charlys Todestag... Ich habe diesen Tag immer allein verbracht,... ich..." Jack brach erneut ab und senkte seinen Blick. "Ich könnte es nicht ertragen, wenn ich an diesem Tag mit Euch auf Mission wäre und einer von Euch sterben würde." O'Neill zog die Angel ein und starrte angewidert ein schwarz glänzendes Tier an, das wild zappelnd an der Leine hing. Für einen Augenblick schien er mit sich selbst zu ringen, dann gab er sich einen Ruck und befreite das laut quietschende, glibberige Tier und warf es zurück in das Wasser.

 

Jack wunderte sich über sich selbst.

Es war das erste Mal, dass ihm wirklich bewusst wurde, dass sein Team nicht einfach nur sein Team war. Vielmehr waren sie,... seine Freunde,... seine Familie. Sie waren alles, was er hatte. Was die Sache mit Daniel betraf, so wurde ihm auf einmal bewusst, wie sich der junge Mann vorkommen musste. Er hatte ihm wirklich einige Male vor den Kopf gestoßen, um dadurch nicht zuzulassen, dass Daniel ihm auf irgendeine Art zu nahe kam und das nur, um nicht betroffen zu sein, sollte Daniel mal etwas zustoßen sollte. Nicht dass er sich keine Gedanken um Sam oder Teal'c machte, doch bei den Beiden war es anders, sie konnten auf sich selbst aufpassen. Sam war Militär, sie wusste, was sie zu tun hatte und sie war gut in ihrem Job. Sie war nicht so schnell aus der Fassung zu bringen und sie war hart im Nehmen.

Teal'c war von frühster Jungend darauf vorbereitet worden, dass er eines Tages ein Jaffa werden würde. Er wurde früh mit Kriegs- und Kampftechniken vertraut gemacht und so zu einem perfekten Kämpfer ausgebildet. Doch Daniel war weder ein guter Krieger, noch ein guter Kämpfer.

Er war Wissenschaftler.

Er war ein Optimist, der in jeder Situation glaubte, ein paar einfache Worte würden alles zum Besseren wenden. Er glaubte an das Gute. Egal ob bei einem Menschen, oder bei einem Außerirdischen. Daniel schien der festen Überzeugung zu sein, dass in jedem Wesen etwas Gutes steckte. Durch diese Einstellung, hatte er das Team schon des öfteren in brennzliche Situationen gebracht, aber auch oft aus gerade diesen wieder herausgeholt. Aber dadurch war Daniel auch ein leichtes Ziel für ihre Feinde.

 

O'Neill stieß erneut einen tiefen Seufzer aus, dann richtete er sich auf und sah Teal'c nachdenklich an. "Räumen wir hier alles zusammen und machen uns auf den Weg zum Gate. Aber ich wette mit Dir, dass Dannyboy noch immer völlig mit seinen Steinen beschäftigt ist und noch nicht mal im Traum daran denkt zum Gate zurück zu gehen.

 

* * *

 

Doch der Optimist stand in diesem Augenblick fassungslos am Ufer des Flusses und musste hilflos mit ansehen, wie Sam in das Wasser gestoßen wurde und unter dem Geschrei der Dorfbewohner wieder auftauchte.

In diesem Moment, wünschte sich der Optimist nicht sehnlicher, als dass Jack wutentbrannt auftauchte, ihn für seinen Leichtsinn tadelte und Sam und ihn hier rausholte.

Daniel verfluchte sich selbst. Er hätte nicht darauf drängen dürfen auf diesen Planeten zu gehen und er hätte auch nicht auf diese Erkundungstour bestehen dürfen. Es war seine Schuld, dass Sam jetzt sterben musste.

"Holt sie da raus und bringt sie wieder in den Kerker... und nehmt ihn auch gleich mit." Donnerte Reginalds Stimme und ließ Daniel zusammenzucken.

 

* * *

 

Es war später Nachmittag als Jack das Funkgerät abermals hob und mit eindringlicher Stimme hineinsprach. "Carter bitte kommen!" O'Neill ließ den Sprechknopf los und wartete auf eine Antwort, die nicht kam.

"Hattest Du diesmal Erfolg, O'Neill?" Tauchte Teal'c's Stimme plötzlich hinter Jack auf.

"Nein." O'Neill klang erschöpft, er zuckte müde mit den Schultern und hob abermals das Funkgerät an den Mund. "Daniel? Kannst Du mich hören?"

Nichts.

"Wir sollten uns auf die Suche nach ihnen machen."

"Du hast recht Teal'c."

 

* * *

 

An den Gestank des Kerkers, hatte man sich auch nach stundenlangem Aufenthalt noch nicht gewöhnt.

Sam zitterte am ganzem Körper. Man hatte es nicht für nötig gehalten ihr trockene Sachen zu geben und in diesem feuchten, kalten Kerker wurde die Kleidung, die sie trug, einfach nicht trocken.

Sie warf einen Blick zu Daniel hinüber, der nun auch in Lumpen gekleidet war und mit ihr eine Zelle teilte. Mehrmals hatte er ihr seine trockenen Sachen angeboten, doch Sam hatte jedes Mal abgelehnt. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Daniel wurde von zwei kräftigen Männern gepackt. Sie fesselten ihm die Hände auf den Rücken und drängten ihn in Richtung Tür. "Ah! Wie ich sehe, wird mein Typ verlangt!" Sprach Daniel mit einem Zynismus, der selbst ihn überraschte. Eine Faust donnerte in seinen Magen und ließ ihn jeden weiteren Kommentar hinunterschlucken.

"Du wirst vor das ehrenwerte Gericht gebracht, um Dein Urteil zu empfangen."

Ein Hoffnungsschimmer flackerte in Daniel auf.

Gerichtsverhandlung!

Vielleicht konnte er ja doch noch irgendwas an dieser Situation ändern.

 

"Erhebt Euch vor dem ehrenwerten Sir Reginald Scouts. Hexenjäger und Ehrenmann." Die Gemeinde erhob sich stumm und sah den Eintreffenden erwartungsvoll an. Daniel saß müde auf seinem Stuhl und zeigte keine Reaktion. Im nächsten Moment wurde er jedoch von zwei kräftigen Händen gepackt und brutal auf seine Beine gerissen. "Hast Du nicht gehört? Du sollst Dich erheben!"

Reginald blieb kurz neben Daniel stehen und musterte ihn abwertend. "Führt ihn vor."

Die Hände drängten Daniel vorwärts und dirigierten ihn vor das Richterpult, hinter dem sich in der Zwischenzeit Reginald positioniert hatte. "Nenne Deinen vollständigen Namen." Forderte er und sah Daniel finster an. Der junge Wissenschaftler, war bemüht sich wach zu halten. "Daniel Jackson." Antwortete er müde und konnte ein Gähnen nur schwer unterdrücken.

"Daniel Jackson, Du wirst beschuldigt unter dem Bann einer Hexe zu stehen und dieses zu genießen."

"Das ist nicht wahr!"

"Schweig, Du bist nicht gefragt worden."

"Ich dachte, das wäre hier meine Verhandlung, also habe ich doch das Recht, mich Euren Anschuldigungen gegenüber zu verteidigen."

"Du hast keinerlei Rechte! Denn Du bist nicht im Besitz eines klaren Geistes."

"Oh!" Daniel zog überrascht eine Augenbraue hoch. "Das ist fair!"

"Schweig! Sonst wirst Du einen langsamen und qualvollen Tod sterben."

"Sam ist keine Hexe!"

"Die erste Probe hat bereits für sich gesprochen... und nun Schweig!"

"Ihr seit doch alles verbohrte Narren!"

"SCHWEIG!"

"Nein VERDAMMT!" Stieß Daniel laut hervor. Dann begann er fieberhaft zu überlegen. "Sam ist keine Hexe!... Sie kann es nicht sein, denn ich bin es, der die Kunst der Zauberei beherrscht,..."

 

* * *

 

Sam fror erbärmlich.

Ihr Kleid war noch immer feucht und ihre Füße waren nackt. Sam hatte die Arme fest um sich geschlungen und sich zitternd in die Ecke gedrückt. Ein eisiger Wind zog durch die Gänge und veranlasste sie, ihre Beine noch näher an sich zu ziehen.

Plötzlich nährten sich Schritte und die gleichen Männer, die auch schon Daniel geholt hatten, blieben vor der Zelle stehen und grinsten sie verächtlich an. "Willst Du sie holen, Kenneth?" Wandte sich der lockenköpfige Blonde an seinen, dunkelhaarigen Freund.

"Was ist Timothy Brown? Hast Du Angst der Hexe zu begegnen?"

"Kenneth Fletcher! Der Teufel soll Dich holen, ich hab keine Angst vor einem Weib,... auch wenn sie eine Hexe ist!" Timothy schüttelte den Kopf und betrat die Zelle.

"Hi Leute!" Sam stand und lächelte sarkastisch. "Nett, dass ihr mir ein wenig Gesellschaft leistet."

"Schweig, Hexe! Du wurdest nicht aufgefordert zu sprechen." Timothy versetzte Sam einen Stoss in den Rücken und drängte sie so in Richtung Zellentür.

"Was habt ihr mit Daniel gemacht?"

"Er bekommt gerade sein gerechtes Urteil zugesprochen... und nun schweig!" Kenneth packte Sam am Arm und riss sie aus der Zelle.

"Heee-heeee!" Sagte Sam beschwichtigend. " Immer langsam mit den jungen Pferden!" Sie hob die Hände in die Luft, wirbelte plötzlich herum, packte dabei Kenneth am Arm und schleuderte ihn gegen die Wand. Mit einem dumpfen Aufprall ging er zu Boden und blieb stöhnend liegen. Timothy brauchte einige Sekunden, um zu begreifen, was gerade vor sich ging. Verzweifelt schaute er sich nach einer Waffe um, doch im nächsten Augenblick spürte er einen kräftigen Tritt in seiner Magengegend und taumelte zurück. Ein weiterer Schlag, der direkt in sein Gesicht platziert war, ließ seine Nase explodieren und ihn rückwärts in die Zelle stolpern. Sam zögerte nicht lange. Sie packte Kenneth und zog ihn ebenfalls in die Zelle, dann verriegelte sie die Tür und rannte in Richtung Ausgang.

 

* * *

 

"DAS IST EINE LÜGE!"

"Nein VERDAMMT!" Daniel ließ verzweifelt seinen Kopf in den Nacken fallen und presste die Augen zusammen.

"Sie hat Dir gesagt, dass Du die Schuld auf Dich nehmen sollst! Ist es nicht so?"

"NEIN VERDAMMT!" Zischte Daniel zwischen zusammengebissenen Zähnen. "Ihr seid so verbohrt!"

"Für Deine Respektlosigkeit wirst Du bestraft werden!"

"Was?!" Daniel sah erstaunt auf. "Ich denke das hier ist meine Verhandlung!... Ich dachte..."

"SCHWEIG!"

"Nein! Ich dachte... ich kann hier etwas zu meiner Sache sagen?"

"Du bist nicht gefragt worden... UND... NUN ... SCHWEIG!" Reginald starrte Daniel mit rotem Gesicht an. "Geh auf die Knie und empfange nun Dein gnädiges Urteil!" Scouts beobachtete mit Genugtuung, wie Daniel sich dagegen wehrte auf die Knie zu gehen, doch letzten Endes den Kampf gegen die Hände des stärkeren Mannes verlor. "Daniel Jackson. Ich verkünde für Dich die 'peine et dure' Dass man Dich in den Kerker zurück führt, woher Du kamst, in ein niedriges Verlies, wohin kein Licht dringt; dass man Dich mit dem Rücken auf den Boden legt, mit einem Tuch um die Lenden, sonst aber nackt; dass man auf Deinem Leib ein Gewicht oder ein Eisen setzt, so groß Du zu tragen vermögst, und noch größer. Ferner verhänge ich, für Dein untragbares Verhalten, eine zusätzliche Strafe. Dir wird es nicht mehr vergönnt sein Deine Augen zu schließen und Deinen Körper mit Schlaf zu beglücken; Du wirst wach bleiben, bis Dein Geist dem Wahnsinn verfallen ist, oder aber Du durch die Gewichte zu Tode gepresst wurdest."

Kaum war das Urteil ausgesprochen, wurde Daniel brutal auf die Beine gerissen und abgeführt.

 

* * *

 

Sam eilte durch die Gänge. Immer wieder blieb sie stehen und lauschte auf herankommende Schritte, doch die anderen Gefangenen stöhnten und jammerten so laut, dass es Sam unmöglich war irgendetwas anderes, außer ihr Wehklagen, zu hören.

Endlich lag der Ausgang vor ihr. Sam beschleunigte ihre Schritte und fühlte sich im nächsten Moment zurückgerissen und brutal gegen die Wand gedrückt.

"So!" Stieß der fette Mann mit fauligen Zähnen höhnisch hervor. "Du dachtest also, Du könntest uns so einfach entwischen?" Er zerrte Sam hinter sich her und drängte sie in eine kleine Zelle, in deren Mitte ein Stuhl stand. "SETZ DICH!" Die speckige Hand schupste Sam grob auf den Stuhl und fesselte sie dann erstaunlich flink an die Lehnen. "Es ist schade um Dich!" Säuselte er und fuhr Sam durch das Gesicht und am Kinn entlang. "Gib dem guten Adalmar einen Kuss."

"Niemals!" Sam wandte sich angewidert ab.

"Sei doch nicht so unfreundlich Süße. Willst Du denn nicht vor Deinem Tod noch ein wenig Freunde empfinden?" Adalmar legte seine Hand auf Sams Knie und ließ sie langsam höher wandern.

"Du dreckiger Mistkerl!" Ein fester Tritt traf den Mann zwischen den Beinen und ließ ihn fluchend und stöhnend zurückfangen. Es dauerte einige Sekunden, bis er sich wieder unter Kontrolle hatte. "Verdammte Hexenbrut!" Er sprang auf Sam zu und donnerte ihr mit voller Wucht seine Faust ins Gesicht.

 

Als Sam wieder zu Bewusstsein kam, dröhnte ihr Kopf noch immer.

Langsam öffnete sie die Augen und blinzelte in ein helles Fackellicht. Der Schein der Fackel ließ den Schmerz noch stärker in ihrem Kopf pochen. Mit einem leisen Stöhnen schloss sie sie wieder und hoffte so, das ihr Schmerz gelindert werden würde.

"Sie verschließt ihre Augen vor der Wahrheit und kann es wohl nicht mit ansehen, wie sie nun auch die zweite Probe besteht." Lachte eine unbekannte Stimme vor ihr auf.

"Du hast wohl Recht, Noah! Sieh nur,... da hinten kommt schon die erste Ratte, um sie zu beschützen."

Sam öffnete gequält die Augen und blickte in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Vier Männer standen dort. Ein jüngerer, kaum älter als zwanzig, mit braunem längerem Haar und großen blauen Augen, stand etwas abseits und beobachtete das ganze Treiben skeptisch. Von der Frisur und seiner Körperhaltung, erinnerte er Sam an Daniel. Bei den Gedanken an den jungen Anthropologen kam in Sam ein ungutes Gefühl auf. Sie fragte sich, ob Daniel überhaupt noch am Leben war, oder ob diese Irren ihn bereits getötet hatten.

Die drei Anderen waren älter. Sam schätzte sie auf Anfang bis Mitte Dreißig. Der Mann in der Mitte war, unverkennbar, Adalmar. Er starrte sie voller Hass an und schien ihr noch immer sämtliche Krankheiten an den Hals zu wünschen. Rechts neben ihm, stand ein schwarzhaariger Mann, mit schulterlangem gelocktem, filzigem Haar. Er schien wohl Noah zu sein. Auf der anderen Seite stand ein kräftiger Mann, mit kurzem blondem Haar und einer riesigen Nase.

"Eustachius, was starrst du die Hexe so an." Noah schaute seinen Freund besorgt an und sah dann schnell zu Sam, deren Blick auf Eustachius ruhte. "Sie will dich in ihren Bann ziehen, löse Dich von ihrem Blick." Im nächsten Moment sprang Noah auf Sam zu und holte erneut aus, doch seine Faust wurde von dem jungen Mann aufgehalten. "Hör damit auf, Noah Jenkins!"

"Du stellst dich auf ihre Seite, Wolfger Mathew Calm?"

"Wir sollen sie beobachten und sehen, ob sie ihren dämonischen Schutzgeist ruft! Wenn wir uns aufführen wie die Irren, dann werden sich ihre Schutzgeister wohl kaum hierher wagen, oder?" Zischte der junge Mann und zog den Älteren zurück.

"Du hast Recht. Lasst uns, uns nun ruhig verhalten und abwarten."

Die Männer zogen sich wieder zurück und verharrten still auf ihren Plätzen. Nach wenigen Minuten war ein leises Quietschen zu hören und kurz darauf kam eine Ratte zum Vorschein. Sie streckte ihre Nase in die Luft und schnüffelte. Dann lief sie zielstrebig auf Sam zu und schnüffelte an ihren Fußgelenken. Sam verzog angewidert die Mundwinkel und versetzte der Ratte einen Tritt.

"Das war also Test Nummer zwei!" Reginald trat plötzlich aus der Dunkelheit und schritt, beinahe majestätisch auf Sam drauf zu. Er fuhr ihr durchs Haar und zog, mit einem plötzlichem Ruck, ihren Kopf in den Nacken. "Den nächsten Test lass ich mir nicht entgehen,... es wird mir eine Freunde sein ihn an Dir vollziehen zu dürfen!" Er wandte sich an Noah und Adalmar. "Zieht sie aus,... wir werden ihren Körper jetzt auf Hexenmale untersuchen!"

 

* * *

 

Daniel stöhnte unter den schweren Gewichten auf und versuchte angestrengt Luft in seine Lungen zu bekommen. Doch die Gewichte, die man auf seinem Oberkörper verteilt hatte, ließen kaum eine Bewegung seines Brustkorbes zu.

Das Wissen, nicht richtig Luft holen zu können, ließ Panik in Daniel aufsteigen. Seine Atmung wurde schneller, aber als das auch nicht die gewünschte Menge von Sauerstoff in seine Lungen bringen konnte, hielt er es nicht mehr aus. Verzweifelt begann er an seinen Fesseln zu ziehen und versuchte mit alles Kraft seinen Brustkorb mehr zu heben. Doch die hektischen Bewegungen führten lediglich dazu, dass sein Körper nach noch mehr Sauerstoff verlangte. Ein erneuter Versuch, seinen Oberkörper aufzubäumen, hatte einen stechenden Schmerz in der unteren Rippengegend zu folge. Daniel kniff die Augen zusammen und presste die Zähne zusammen. "Oh Verdammt!" Flüsterte er mit angehaltenen Atem. "Ich glaub, das war eine Rippe!" Er stieß ein wenig Luft aus. "Ruhig bleiben Jackson. Schön ruhig atmen." Murmelte er zu sich selbst und fuhr im nächsten Moment mit einem lauten Schrei zusammen. Der Mann, der ihm aus dem Gerichtssaal abgeführt hatte, hatte ihm einen kalten Eimer Wasser über das Gesicht gegossen und grinste ihn nun spöttisch an. "Dir ist es nicht gestattet zu schlafen!"

"Oh ich... ha-tte... nich'... vor zu-zu..." Daniel rang nach Luft. "Scheiße. ...i-ich gl... glaub' da-da-a-sss war Rip...p...e Num..m'r zw...ei." Stöhnte Daniel unter Schmerzen, presste die Augen zusammen und versuchte seine Atmung wider ruhiger zu bekommen. Im nächsten Moment traf ihn ein harter Tritt in die Seite und ließ ihn erneut aufschreien. "Halte Deine Augen auf. Oder ich werde Dir noch mehr Gewichte auflegen..."

"Oh BITTE.." Daniel verzog gequält das Gesicht, dann sprach er mit schwacher Stimme weiter. "Tu Dir keinen Zwang an,... ich gewöhne mich langsam an die Dinger..."

Der Mann wandte sich ruckartig ab und verschwand in einer dunklen Ecke, wo Daniel hörte, wie er ein schweres Gewicht bewegte.

"Oh-toll, Jackson! Du bist ja so brillant. Du hättest Deinen Mund halten sollen,... Du... hörst dich schon wie Jack an." Fluchte Daniel kaum hörbar. Ein Schatten fiel über sein Gesicht, als der Mann zurückkehrte und mit einem hinterhältigem Lächeln vor Daniel stehen blieb. Seine Mundwinkel zuckten und im nächsten Moment beförderte er das Gewicht mit leichtem Schwung auf Daniels Oberkörper.

 

* * *

 

Reginalds Blicke wanderten gierig über Sams nackten Körper. Er überlegte kurz, dann drehte er sich zu den Anderen. "Wartet kurz außerhalb der Zelle, ich möchte kurz allein mit der Hexe reden." Mit Entsetzten sah Sam, wie die Männer nickten, sich anwandten und die Zelle verließen. "Was willst Du von mir?" Fragte Sam, auch wenn sie glaubte die Antwort bereits zu kennen. "Das weißt Du doch." Säuselte Reginald und kam langsam auf sie zu. Er musterte Sam, legte die Hand auf ihre Schulter und ließ sie langsam zu ihre Brust heruntergleiten. "Sei lieb zu mir... und ich werde dafür sorgen, dass Dein Tod kurz und schmerzlos sein wird."

"Nimm Deine dreckigen Finger von mir!" Fauchte Sam und versuchte sich der Berührung zu entziehen. Reginald erstarrte. Seine Augen verengten sich zu zwei schmalen Schlitzen und er wandte sich ruckartig ab. "Noah Jenkins. Eustachius Lake. Adalmar Hopkins und Wolfger Mathew Calm. Kommt wieder rein und helft mir hier."

Wortlos betraten die Männer den Raum und machten sich schweigend auf die Suche nach Hexenmalen auf ihrem Körper. Lediglich Wolfger war an der Tür stehen geblieben und starrte die Männer verächtlich an. Ein Hoffnungsschimmer kam in Sam auf, sie warf den jungen Mann einen bittenden Blick zu, doch dieser wandte sich nur ab und verließ eilig den Kerker.

"Hier ist ein Mal!" Eustachius trat einen Schritt zurück und deutete auf eine kleine Narbe unterhalb Sams Bauchnabel. Reginald grinste hämisch und fuhr mit dem Finger über die kleine Narbe.

"Sehr schön!" Er hob den Blick und sah Sam fest in die Augen. "Bringt mir das Messer."  

Noah nickte und legte das Messer in die ausgestreckte Hand von Reginald. "Wenn Du eine Hexe bist, dann wird Dir der Schnitt auf Deinem Mal kein Schmerz bereiten und Du wirst auch nicht bluten." Reginald lächelte, setzte das Messer an und drückte fest zu. Sam biss die Zähne zusammen und wartete auf den Schmerz. Doch zu ihrer Verwunderung, spürte sie keinen. Sie richtete ihren Blick auf die Schneide und musste mit Entsetzen feststellen, das sie sich in den Griff geschoben hatte. Sie hob ihren Blick und sah genau in die verspottenden Augen von Reginald. "Morgen zur Mittagsstunde wird sie brennen!"

 

* * *

 

Der Schmerz schien Daniel die Sinne zu rauben und für einige Sekunden glaubte er, oder besser hoffte er, das Bewusstsein zu verlieren. Doch soviel Glück schien er nicht zu haben.

Verzweifelt rang er nach Luft. Doch die Gewichte drückten zu schwer, als das er genug Luft in seine Lungen bringen konnte, damit er sich besser fühlte. Die Schmerzen, die seine gebrochenen Rippen verursachten, wurden mit jedem Atemzug unerträglicher und machten es so noch schwerer Luft zu holen.

 

Daniel war müde und zitterte vor Erschöpfung und Kälte. Das eisige Wasser und die kalte Luft hatten seinen Kreislauf zwar für kurze Zeit in die Höhe getrieben, doch jetzt kehrte seine Müdigkeit in voller Stärke zurück.

Daniel musste an Jack denken. Er wusste, dass der Colonel Sam und ihn, niemals im Stich lassen würde. Doch was war, wenn Jack nichts Schlimmes vermutete und sich noch nicht auf die Suche gemacht hatte?

Was, wenn er in die falsche Richtung ging?

Was, wenn er selbst such in Gefangenschaft geraten war?

 

Wieder ergoss sich ein Schwall von kaltem Wasser über Daniel und ließ ihn erschrocken zusammenfahren. Er riss die Augen auf, die er unbewusst geschlossen hatte, und schnappte nach Luft.

Luft...

Verdammt, er bekam keine Luft...

Ruhig atmen...

Ruhig

Panik stieg in dem jungen Mann auf. Nur mit Mühe gelang es ihm, sie wieder zu unterdrücken. "Oh bitte, Ja'k! Du musst uns helfen. BITTE,... beeil Dich..." Flüsterte Daniel und schloss gequält die Augen.

 

* * *

 

"Okay! Wir wissen jetzt zumindest, daas sie hier waren." O'Neill runzelte die Stirn und ging noch mal die Stelle ab, an der Daniel und Sam, allem Anschein nach, ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten. "Wie es aussieht, sind sie in südliche Richtung weitergegangen." Jack rückte seine Schirmmütze zurecht und sah Teal'c mit zusammengekniffenen Augen an. "Es wird schon dunkel. Für die Nacht bleiben wir hier, morgen früh werden wir dann weitersuchen. Vielleicht sind sie ja auch bis dahin wieder hier." Der letzte Satz klang mehr wie eine schwache Hoffnung, als wie eine feste Annahme. O'Neill senkte müde den Blick. "Lass uns das Lager aufschlagen, Teal'c!"

 

* * *

 

"Mach Deine Augen auf!" Donnerte die Stimme der Wache und ein weiterer Tritt traf Daniel in die Seite. Er zuckte zusammen und hob langsam seine Augenlieder. Sein Blick war starr an die Decke gerichtet. "Ist es Tag, oder ist es Nacht!" Fragte er tonlos.

"Was spielt das für eine Rolle?"

"Ich würde es gern wissen..."

Die Wache schien einen Augenblick zu überlegen. "Es ist Nacht!"

Daniel nickte und schloss für einige Sekunden die Augen. "Danke." Flüsterte er schwach und sah seine Wache müde an. "Wie heißt Du?"

"Willst Du mich verfluchen, oder weshalb willst du meinen Namen wissen?"

"Verdammt! Ich..." Daniel brach ab und rang nach Luft. "Bitte glaub mir doch, wir... sind keine... Hexen ...o-oder Zauberer."

Der große Mann trat zögernd an Daniel heran und ging in die Hocke. "Ach nein?!"

"Nein." Daniel versuchte zu lächeln. "Wir..."

Ein weiterer Tritt traf ihn und ließ ihn gequält die Augen schließen.

"Öffne Deine Augen. Dir ist es nicht gestattet zu..."

"...Schlafen." Ergänzte Daniel den Satz kraftlos.

Daniel überlegte, wann er das letzte mal geschlafen hatte.

Die letzte Nacht hatte er damit verbracht, über eine Fluchtmöglichkeit für Sam nachzudenken und dann war er bei ihr im Kerker gewesen. Also hatte er da, auch schon nicht geschlafen...

Mal sehen,...

okay, die Nacht, als Sam und er ihr Lager in dem Wald aufgeschlagen hatten...

ja...

das dürften da etwa vier Stunden gewesen sein, denn er hatte sich seinen Kopf über Jack und über seine eigene Stellung im Team zermartert... Er war zwar zu keinem Schluss gekommen, aber es hatte ihn trotzdem fast die ganze Nacht wachgehalten.

Wieder ergoss sich ein Eimer mit kaltem Wasser über Daniel. "Lass Deine Augen offen!" Donnerte die Stimme seiner Wache wieder. Daniel blickte den kräftigen Mann verwirrt an, dann richtete er seinen Blick wieder starr an die Decke. Er spürte die Kälte schon fast nicht mehr, die Gewichte schienen momentan auch beinah nebensächlich zu sein (wenn da nicht die kleine Sache gewesen währe, dass er kaum Luft bekam). Übelkeit kroch in Daniel hoch und in seinem Kopf hämmerte ein pochender Schmerz. Seine Augen brannten und er hatte größte Mühe sie offen zu halten.

 

* * *

 

Die ersten Sonnenstrahlen kamen beinah schüchtern zwischen den Bäumen hindurch und erhellten das Lager, von Jack und Teal'c, nur schwach. O'Neill öffnete das Zelt und spähte in den Wald, doch zu seiner Enttäuschung konnte er keinerlei Zeichen dafür sehen, dass Sam und Daniel diese Nacht zurückgekehrt waren. "Teal'c!"

"Was ist O'Neill?"

"Lass uns alles zusammenräumen. Bis wir fertig sind, ist es hell genug, dass wir weiter gehen können."

Der Jaffa nickte stumm und machte sich zügig an die Arbeit.

 

* * *

 

"Nehm' ihm die Gewichte ab, Markward!" Reginald trat in die Zelle und blieb mit einem herablassenden Lächeln, neben Daniel stehen. Markward nickte und machte sich daran, Daniel die Gewichte abzunehmen. Als alle Gewichte von seinem Oberkörper entfernt waren, zeigte Daniel noch immer keine Reaktion. Sein Blick war starr an die Decke gerichtet und sein Atem kam in flachen, kurzen Stößen.

"Steh auf und folge mir, Daniel Jackson!"

Wieder zeigte der junge Mann keine Reaktion.

"Steh auf!" Schrie Reginald wütend und trat Daniel in die Seite. Der Anthropologe zuckte zusammen und sein Blick wanderte verwirrt durch den Raum.

"Sieh mich an, Daniel Jackson."

Daniel versuchte Reginald zu fixieren, doch er war zu müde, um den Blick lange zu halten.

"Steh' jetzt auf!"

"Würd' ich ja gern, aber ich hab da ein kleines Problem mit meinen Rip..."

Auf ein Kopfnicken von Reginald, wurde Daniel von Markward brutal auf die Beine gerissen. Daniel schrie gequält auf und begann zu husten. "... Danke! Sehr freundlich... Das erleichtert die Sache." Keuchte er und wischte sich das ausgehustete Blut von den Lippen. "Zieh das an." Reginald deutete auf ein Bündel Kleider, das am Boden lag und verließ dann eilig die Zelle. Markward blickte ihm einige Sekunden hinterher, dann versetzte er Daniel einen Stoss gegen die Schulter und lächelte ihn finster an. "So wie es aussieht, wird Deine Hexe gleich brennen. Beeil Dich, oder willst Du es verpassen?"

"Sam ist kei.." Ein Hieb in seine Rippen, ließ Daniel abbrechen und hustend auf seine Knie' fallen. Verzweifelt rang er nach Luft, wieder hatte er Blut ausgehustet. Mit zitternden Finger tastete Daniel nach der Steinwand und versuchte sich daran hochzuziehen. Doch Markward hielt ihn an den Haaren fest und drückte Daniels Kopf nach unten. "Es wird mir eine Ehre sein, den Scheiterhaufen zu entzünden und zu sehen wie sie brennt, anschließend werde ich Dich töten,... ganz langsam. Der Tod ist eine Gnade,... die Dich nicht so schnell ereilen wird." Mit einem Ruck ließ er Daniels Haar los und beförderte das Bündel Kleider mit einem Fußtritt zu Daniel. "Zieh das jetzt an und dann steh auf!"

 

* * *

 

"Ich hoffe wir sind den Weg in die richtige Richtung gefolgt." Seufzte O'Neill und drehte sich um, um einen Blick zurückzuwerfen.

Vor zirka einer Stunde hatten sie diesen kleinen Weg gefunden. Doch statt sie aus den Wald heraus zu bringen, schien er sie nur immer tiefer hinein zu führen. O'Neill nahm seine Schirmmütze vom Kopf und ruffelte sich das Haar, dann setze er sie wieder auf und sah Teal'c durchdringend an. "Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir in die falsche Richtung gegangen sind."

"Sollen wir umkehren O'Neill?"

"Ich weiß nicht Teal'c" Sagte O'Neill nachdenklich und kniff die Augen zusammen. "Was, wenn wir doch auf dem richtigem Weg sind?"

"Das werden wir niemals erfahren, wenn wir uns nicht für eine Richtung entscheiden."

"Du hast recht Teal'c, aber..." O'Neill brach ab und blickte den Weg hinunter, den sie gerade gekommen waren. Eine Kutsche, mit zwei Pferden davor, kam langsam näher. O'Neill erstarrte. "Verdammt! Sieh Dir das an Teal'c." Er hob die Hand und deutete auf die Kutsche. "Da ist... DANIEL!" Mit schnellen Schritten ging er auf die Kutsche zu. "DANIEL JACKSON! Was tust du hier? Und wo zum Teufel steckt Carter?"

Der junge Mann auf der Kutsche zügelte seine Pferde und verlangsamte das Tempo der Tiere von Trab zum Schritt. Sein Gesicht lag im Schatten der Bäume, so dass Jack es nicht sehen konnte. "WAS IST?!" schrie Jack weiter. "Warum antwortest Du mir nicht?" Jack erreichte das Gespann, das in der Zwischenzeit zum Stehen gekommen war, und griff nach den Zügeln. "Dan..." Jack brach ab und sah in das erschrockene Gesicht von Wolfger Mathew Calm. "Oh! Ich dachte..."

"Seid ihr Freunde von Samantha Carter und Daniel Jackson?"

"Ja!" Antwortete O'Neill kurz und schaute Wolfger auffordernd an. "Wo...?"

"Samantha Carter schickt mich,... sie braucht Eure Hilfe!"

"Was ist passiert?" Fragte O'Neill mit aufgeregter Stimme.

"Wir haben keine Zeit,... ich werde es Euch auf der Fahrt erklären... und nun kommt!" Wolfger schnalzte leicht mit der Zunge und wendete seine Pferde. Jack kletterte neben Wolfger und gab Teal'c ein Zeichen, sich auf die Ladefläche zu setzten. Wolfger schnalzte abermals, doch diesmal lauter und fordernder. Die Zügel schnellten auf die Pferderücken herab und mit einem Ruck setzte sich die Kutsche in Bewegung. Im gestrecktem Galopp jagten die beiden Pferde, Seite an Seite, über den schmalen Waldweg. O'Neill zog den Kopf ein und betrachtete besorgt die niedrigen Äste, die von den Bäumen hangen. "Was ist passiert?" Schrie er gegen das laute metallische Klappern der Kutsche und den lauten Hufgetrappel.

"Sie sagen, sie ist eine Hexe!" Antwortete der Junge kurz.

"WAS?" Schrie O'Neill entsetzt auf und warf einen besorgten Blick zu Teal'c.

"Sie half uns, als ein Haus in unseren Dorf brannte..."

"Und zum Dank... macht ihr sie zu einer Hexe?"

"Abigail, will gehört haben, wie sie mit einer Katze sprach... und wie die Katze ihr antwortete."

"Und das ist schlecht?" Ein Ast peitsche O'Neill in das Gesicht und hinterließ einen blutigen Streifen. "VERDAMMT!"

"Nur Hexen sprechen mit Tieren,... erst recht mit Katzen."

"Oh!" Jack wich hastig einem weiteren Ast aus. "Wieso hast Du uns gesucht?"

"Ich glaube nicht an Hexen! Doch ich konnte meine Freunde nicht überzeugen, dass Samantha unschuldig ist." Wieder schnellten die Zügel auf die dampfenden Körper der Pferde und ließen ihr Tempo noch schneller werden.

"Was haben sie mit ihr vor?"

"Sie wird heute brennen!"

O'Neill starrte Wolfger fassungslos an. "Können die Pferde denn nicht noch schneller?"

"Wir sind bald da,... ich hoffe nur, dass wir nicht zu spät kommen!"

"Wann hat Dich Sam... wann hat Dich Carter darum gebeten uns zu suchen und woher wusste sie, dass..."

"Sie wusste es halt!... Man sah es mir halt an,... denke ich." Wolfger zuckte mit den Schulter und schnalzte dann wieder mit der Zunge. "Letzte Nacht, bevor die Sonne aufging hatte ich die letzte Wache. Sie fragte mich, ob ich den großen steinernen Ring kenne. Als ich ihr sagte, dass ich dort als kleiner Junge oft, verbotener Weise, gespielt hatte, bat sie mich, Euch dort zu suchen. Sie beschrieb mir, wie ihr ausseht und sagte, dass ich Euch holen solle. Sie sagte, dass wäre die einzige Möglichkeit, diese Ungerechtigkeit zu verhindern." Wolfger nahm das Tempo ein wenig zurück und lenkte die Pferde nun den gewundenen Weg ins Dorf herab. Dicker Qualm stieg zwischen den Häusern auf und verriet, dass der Scheiterhaufen bereits entzündet war. O'Neill hielt geschockt den Atem an. Dann begann er innerlich zu beten, dass es noch nicht zu spät war.

 

* * *

 

Sam zog verzweifelt an ihren Fesseln. Das Feuer fraß sich immer gieriger durch das Holz und ließ die Flammen immer näher kommen. Eine sengende Hitze umgab Sam und stechender Qualm brachte ihre Augen zum Tränen und ihre Lungen zum Husten. "Daniel!" Verzweifelt wandte sich die junge Frau an ihren leichenblassen Kollegen und Freund. Doch Daniel schien durch sie hindurch zu sehen und sie gar nicht wahrzunehmen. Stattdessen ging er mit leerem Blick in engen Kreisen um Markward herum, der hinter ihm stand und ihm bei jedem Zögern einen Stoß in den Rücken versetzte.

"Daniel!" Sams Schrei endete in einem keuchenden Hustanfall und riss den Anthropologen aus seinem tranceähnlichen Zustand. Daniel blieb stehen und versuchte angestrengt, sich auf Sam zu konzentrieren. Ein weiterer Schlag traf ihn in den Kniekehlen, doch ein fester Griff verhinderte, dass er zu Boden ging. "Geh weiter!" Sagte Markward scharf und verdrehte Daniel den Arm.

Eine Kutsche kam die Dorfstraße heruntergejagt und blieb zwischen Daniel und dem Scheiterhaufen stehen. O'Neill feuerte eine paar Schüsse in die Luft und schwang sich von der Kutsche. "Sam! VERDAMMT!" Er sprang durch die Flammen durch, zog sein Messer raus und schnitt hastig die Fesseln durch. Sam gab ein schwaches Röcheln von sich, verdrehte dann die Augen und verlor das Bewusstsein. O'Neill nahm sie auf den Arm und sprang hastig über die Flammen. Mit Entsetzen stelle er fest, das ein Teil von Sams Kleid bereits Feuer gefangen hatte, laut fluchend legte er Sam auf den Boden und riss sich seine Jacke vom Körper. "TEAL'C!" Schrie er, während er die Flammen mit seiner Jacke erstickte. "Ich brauch Dich hier!"

Teal'c, der bis eben die Dorfbewohner mit seiner Stabwaffe in Schacht gehalten hatte, war mit ein paar Schritten neben O'Neill und richtete seinen Blick auf Sam. "Leg sie auf die Ladefläche der Kutsche und sorg dafür, dass sie warm bleibt. Jack zog Sam in eine sitzende Position und wickelte seine Jacke um sie. Dann nickte er Teal'c zu und sah zu, wie er die blonde Frau auf die Kutsche hob.

"DANIEL!" Schrie er jetzt voller Zorn auf und rannte wütend um die Kutsche herum. Er blieb vor dem jungen Mann stehen.

Daniel hatte Probleme Jack wirklich zu erkennen. Seine Augen sagten ihm, dass sein Freund vor ihm stand, doch sein Verstand leugnete das Gesehene und tat es als eingebildete Wunschvorstellung ab. "Was zum Teufel, hast Du Dir dabei gedacht?" Brüllte O'Neill Daniel nun ins Gesicht. Der Blick des jungen Mannes flackerte und er zuckte erschrocken zusammen, dann wandte er sich ab und fuhr fort, im Kreis zu laufen. "DANIEL VERDAMMT!" Schrie O'Neill wieder und riss Daniel an der Schulter zu sich herum. "Was hast Du Dir dabei gedacht? Was?! Du hättest Sam fast auf Deinem Gewissen gehabt,... und was machst Du?!" O'Neill schnappt nach Luft. "Rennst seelenruhig im Kreis und denkst nicht mal daran Sam zu helfen. ...Sie hätte STERBEN können Jackson,... STERBEN! Ist das Deine Vorstellung von Teamarbeit?!" Jack packte Daniel nun an beiden Schultern und begann ihn zu schütteln. "Antworte mir JACKSON!"

"Die Dorfbewohner werden gleich ihren Schrecken überwunden haben und zurückkommen, O'Neill!" Kam Teal'c's Stimme von der Kutsche.

Jack blickte kurz zu Teal'c, dann fixierte er wieder Daniel. "DU SOLLST MIR ANTWORTEN!"

"Sie ist unschuldig.." Stammelte Daniel völlig ohne Zusammenhang und senkte seinen Blick.

"Was?" O'Neill sah den Anthropologen verwirrt an.

"Sie ist kei-ne Hex'e,... i-iich....." Daniel stöhnte auf und wollte sich wieder abwenden, um seine Kreise zu ziehen, doch Jack hielt ihn zurück. "Daniel!"

"Daniel?" Fragte O'Neill besorgt.

"Bitte hilf uns Ja'k... Du... wir brauchen Dich hier..." Daniel brach ab und sank auf die Knie. "Bitte Ja'k. Wo auch immer Du bist,... hilf uns... Sam braucht Dich..."

"O'Neill!" Grollte Teal'c's Stimme wieder von der Kutsche. "Sie kommen zurück... und sie sind bewaffnet"

Jack beobachtete wie Daniel, jetzt auf den Knien und eine Hand auf seine Rippen gepresst, auf dem Boden weiter im Kreis krabbelte. "Daniel? Was ist passiert?" O'Neills Stimme zitterte, denn zu ersten Mal, schien er zu ahnen, was hier passiert war. Er starrte Daniel besorgt an, dann sah er sich suchend um. "Wolfger! Ich brauch Deine Hilfe."

Wolfger nickte und war mit einem Satz neben O'Neill. Gemeinsam packten sie Daniel unter den Armen und beförderten ihn ebenfalls in die Kutsche, dann sprangen auch sie hinein und Wolfger wendete hastig die Pferde und trieb sie mit lautem Geschrei an.

 

O'Neill saß diesmal hinten. Zwischen seinen beiden verletzten Freunden. Seine Stirn hatte sich in tiefe Sorgenfalten gelegt und er kontrollierte stumm die Körperfunktionen. Sams Atmung schien wieder einigermaßen normal zu sein, auch wenn ihre Lunge noch immer rasselnde Geräusche von sich gab und sie noch immer bewusstlos war. Soweit O'Neill es erkennen konnte, hatte sie einige blaue Flecke und Schrammen im Gesicht und an den Armen und eine "nette" Brandwunde an ihrem linken Bein. Aber ernstere äußere Verletzungen, schien sie nicht zu haben. Jack betrachtete Daniel. Der junge Mann war bei Bewusstsein,... wenn man das so nennen konnte, denn er schien nichts um sich herum wirklich wahr zu nehmen. Er stammelte hin und wieder etwas vor sich hin und hatte offensichtlich große Probleme bei der Atmung. O'Neill zögerte. Doch schließlich öffnete er doch das Hemd von Daniel und erstarrte. Daniels Oberkörper sah seltsam angeschwollen und blau aus und ließ ein paar gebrochene Rippen vermuten. "Was haben sie mit den Beiden gemacht?" Fragte er tonlos und sah zu Wolfger auf. Dieser überreichte Teal'c wortlos die Zügel und kletterte geschickt nach hinten in die Kutsche. "Sie haben sie gefoltert." Antwortete er und sah O'Neill reumütig an.

"Warum?" Jack sah blass von Sam zu Daniel. "Warum?"

"Weil sie von ihr ein Hexengeständnis haben wollten und... weil sie sich Reginald verweigert hat."

"Was?!" O'Neill sah geschockt auf Sam hinab. "Verdammt... Was ist mit ihm? Warum er?"

"Nun." Wolfger strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Er wollte verhindern, dass sie verurteilt wird... Er wollte den Anderen weismachen, dass er der Hexer ist... und dass er auf den Scheiterhaufen muss, nicht sie."

Jack zuckte innerlich zusammen. "Aber warum haben sie ihn dann gefoltert?"

"Weil sie sie haben wollten, nicht ihn. Außerdem glaubten sie, Samantha hätte Daniel verhext und ihn so zu dem Geständnis gebracht."

"Das versteh' ich nicht." O'Neill schüttelte den Kopf. "Aber warum foltern sie ihn dann?"

"Weil er kein Zeichen der Reue, oder der Einsicht zeigte. Sie glaubten, er würde gerne einer Hexe dienen und deshalb sollte auch er sterben."

"Wie?" Wollte Jack wissen. Wolfger holte tief Luft. "Er sollte zu Tode gepresst werden,... außerdem verbot man ihm zu schlafen. Er sollte langsam sterben."

"Zu Tode gepresst?" Wiederholte Jack und sah Wolfger fragend an.

"Ja. Man hatte ihm Gewichte aufgelegt, die ihn langsam erdrücken sollten."

"Verdammt" Flüsterte O'Neill und ballte eine Faust. "Wie,... wie wollten sie sie zum Reden bringen?"

Wolfger seufzte und erklärte nun auch die Prozedur der Hexenprobe. Jack hörte schweigend zu, nickte hin und wieder, aber sagte kein Wort. Zu sehr tat ihm die Vorstellung weh, was Daniel und Sam passiert war, und zu sehr machte ihm der Gedanke Angst, dass er sie beinah heute verloren hatte.

Heute...

am Todestag seines Sohnes.

 

Endlich hielt die Kutsche.

Wolfger sprang vom Kutschbock und half die Verletzten abzuladen.

"Ihr müsst jetzt noch etwa 20 Meter in die Richtung gehen, dann seid ihr am steinernen Ring."

"Danke Wolfger, aber... was wird jetzt aus Dir?"

Wolfger zuckte mit den Schulter. "Ich wollte sowieso das Dorf verlassen und ein neues Leben beginnen.... Jetzt bin ich zwar gezwungen es früher zu tun, aber... damit kann ich leben. Ich habe gehört, ein paar Tagesritte entfernt liegt ein kleiner Ort, an dem die Menschen nicht so verbohrt sind, wie in Salem."

"Salem?" Wiederholte O'Neill, als wäre er sich nicht sicher richtig gehört zu haben.

"Ja, so heißt unser Dorf."

Jack lächelte.

Salem.

Aus irgend einen Grund mussten alle Menschen, die an einem Ort mit Namen Salem lebten, dem Hexenwahn verfallen sein. "Ohne Dich würden Daniel und Carter nicht mehr leben."

"Es war mir eine Ehre." Lächelte Wolfger und schwang sich wieder auf die Kutsche. "Ich hätte Samantha nicht einfach sterben lassen können. Sie ist die hübscheste Frau, die ich je gesehen hab. Ein so hübsches Gesicht kann keiner Hexe gehören." Wolfger schnalzte leise und mit einem müden Schnauben setzten sich die Pferde in Bewegung. "Lebt wohl und gute Besserung für Deine Freunde!"

 

* * *

 

"Wie sieht es aus, Doc?" Jack erhob sich steif von seinem Suhl vor der Krankenstation, auf dem er jetzt schon seit drei Stunden gesessen hatte. Dr. Fraiser, blätterte die Krankenblätter auf ihrem Klemmbrett durch und lächelte O'Neill müde an. "Captain Carter ist wieder bei Bewusstsein. Sie hat eine Entzündung in der Lunge, einige Abschürfungen und Prellungen. Die Verbrennung an ihrem Bein wird auch bald wieder verheilt sein. Aber sie braucht noch viel Ruhe. Die ganze Sache hat sie sehr mitgenommen." Janet, blätterte zum nächsten Krankenblatt.

"Und was ist mit Daniel?" Fragte Jack tonlos und sah wieder vor sich, wie Daniel kurz bevor sie das Tor betreten hatten zusammengebrochen und bewusstlos am Boden liegen geblieben war. Als sie dann, die andere Seite erreicht hatten, hatte Daniel kaum noch geatmet und Blut war aus seinem Mund geflossen.

"Nun." Janet holte tief Luft. "Dr. Jackson ist noch immer bewusstlos, aber er atmet selbständig. Er hat drei gebrochene und zwei angebrochene Rippen. Mehrere Innere Organe sind gequetscht und er hat innere Blutungen. Seine Lunge hat ebenfalls etwas abbekommen, aber er wird es überstehen. Er ist jung und in guter Kondition."

"Darf ich zu ihm?"

"Jetzt noch nicht Colonel."

"Bitte! Janet! Ich muss Daniel etwas sagen..."

"Er ist bewusstlos, er kann Sie nicht hören."

"Oh, ich bin mir sicher, dass er mich hören kann." O'Neill lächelte Janet bittend an. "Kommen Sie Janet, geben Sie sich einen Ruck..."

"Nicht länger als eine halbe Stunde Colonel."

"Danke Doc!"

 

Jack öffnete leise die Tür und betrat lautlos den Raum. Er sah sich kurz um und nahm dann einen Stuhl, den er an Daniels Bett zog und sich dann verkehrt herum draufsetzte. "Hi Danny." Begann er zögert. "Ich weiß, ich war ein ziemlicher Idiot und ich habe Dich ziemlich mies behandelt, aber..." O'Neill senkte den Blick. "Es ist nur so,... ich mach' mir Sorgen um Dich. Weißt Du, Du hast Deine Finger immer überall und löst in Deiner Unbedachtheit oft totales Chaos aus. Du bist so mit Deiner Arbeit beschäftigt, dass Du die Gefahr nicht siehst... Du..." O'Neill brach ab und betrachtete den gleichmäßig piependen Monitor. "Also ich könnte bei dem Krach nicht schlafen, Danny." Überlegte er laut. Er lachte nervös auf und fuhr sich durchs Haar. "Ich will nicht, dass Dir was passiert, denn,... auch wenn es nicht so aussieht, ich schätze Dich,... Deine Freundschaft sehr. Ich bin nicht gut in diesem Freundschaftskram, aber ich kann daran arbeiten, was sagst Du?" O'Neill machte eine Pause, obwohl er eigentlich nicht mit einer Antwort rechnete.

"Ich denke, das hört sich gut an." Flüsterte Daniel mit schwacher Stimme. O'Neill zuckte zusammen und sah Daniel erschrocken an. "Wie lange bist Du schon wach?"

"Lang genug!" Daniel verzog die Mundwinkel zu einem kurzem Lächeln.

"Hättest Du mir das nicht sagen können?"

"Ich wollte lieber Deiner Entschuldigung zuhören." Das Lächeln auf Daniels Gesicht wurde breiter.

"Ich hab mich nicht entschuldigt..." Stritt O'Neill jetzt seine Worte ab.

"Für mich hörte sich das aber so an."

"Ja?"

"Ja." Entgegnete Daniel. "Danke Jack!"

"Für was?" Fragte O'Neill verwirrt.

"Dafür dass,... Du uns gerettet hast,... dafür, dass ich in Deinem Team sein darf und dafür, dass Du mich als einen Deiner Freunde bezeichnest,... das bedeutet mir wirklich sehr viel. Es ist schwer Freunde zu finden und... ich hatte bisher nur sehr wenige." Daniel sah O'Neill durchdringend an. Jack löste sich unbehaglich von dem Blick und sah wieder auf den Monitor.

"Ist Sam in Ordnung?" Wechselte Daniel das Thema.

"Ihr seid beide bald wieder fit." Jack begann mit einem Kabel zu spielen, das von dem Monitor hing.

"Wieso hast Du mich Danny genannt?" Fragte Daniel jetzt völlig ohne Zusammenhang.

"Wieso? Magst Du es nicht?"

"Doch, es ist nur so..." Daniel brach ab, das Piepen des Monitors wurde etwas schneller.

"He Danny,... das solltest Du lieber nicht tun." Jack sah besorgt zum Monitor. "Wenn Du so weiter machst, dann ist Janet ganz schnell hier und schmeißt mich raus."

"Es ist nur so lange her, dass mich jemand Danny nannte."

"Mhm,... und wer hat Dich Danny genannt?"

"Meine Eltern!..."

"Was ist eigentlich aus ihnen geworden? Ich weiß, dass Du..."

"Sie starben als ich acht war."

"Oh, das tut mir leid."

"Ist schon okay. Es gut zu wissen, dass... dass man wieder Jemanden hat... SG-1 ist jetzt meine Familie,... jetzt wo auch noch Sha're fort ist."

"Ja." O'Neill nickte. "SG-1 ist auch meine Familie,..." Jack grinste breit und klopfte Daniel auf die Schulter. "Dann werd' ich jetzt mal unsere Schwester, die kleine Sam, besuchen gehen."

Daniel nickte. "Grüß sie von mir."

"Mach ich kleiner Bruder." Grinste O'Neill und ging zur Tür.

 
Ende

 
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