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Romantik? Nein, Danke!

© by Antares ()

 

Disclaimer: Gehört alles Paramount, leider.
Anmerkung: Vielen Dank an Manuela für ihr Beta!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

Blutrot versank der riesige Sonnenball im Meer. Sein Feuer loderte heller als jeder Phontontorpedo, der auf ein feindliches Schiff traf. Die Sterne funkelten am Firmament und die junge Kommandantin konnte eindeutig einen Nebel der Mutara-Klasse bei den Koordinaten 42.38.17 ausmachen. Nichts störte die Stille dieses Abends, als das sanfte Plätschern der Wellen, die sich an den Gestaden des fernen Landes brachen und die einsame Frau an Interferenzstörungen im Gamma-Bereich erinnerten. Müde und traurig wanderten ihre Gedanken umher und glichen dabei einem Elektron, das sein Neutron verloren hatte. Trotz der leuchtenden Farben, die sie umgaben, schien ihr alles grau. Grau, wie der Uniformpulli, den sie trug....

 

Angewidert ließ Kathryn Janeway das Datenpadd sinken. Das war ja .... abscheulich! Und das Schlimmste war, sie war selbst dafür verantwortlich! Nun, ja, vielleicht nicht für jede einzelne Geschmacklosigkeit, aber für die generelle Idee, die dahinter stand.

Alles hatte damit begonnen, dass sie mit Chakotay vor etwa einer Woche eine von Toms Filmvorführungen besucht hatte. Sie hatten einen uralten, schmalzigen Liebesfilm des 20. Jahrhunderts angeschaut. Nicht ganz ernst gemeint, hatte sie dann geklagt, dass in ihrer Beziehung schon seit langem die Romantik fehlen würde.

Chakotay hatte erst einen großen Schreck bekommen - er war schließlich ein Ex-Maquis, Ex-Captain und amtierender Erster Offizier und nicht für Romantik zuständig! Dann hatte er sich entschlossen, sie etwas zu wörtlich zu nehmen. Am nächsten Tag hatte er ihr eine Rose repliziert und sie ihr kniend überreicht. Sie hatte sie dankend angenommen und "wie romantisch" gemurmelt. Irgendwie musste Chakotay aber nicht mitbekommen haben, dass sie eher peinlich berührt als zu Tränen gerührt gewesen war, denn zwei Tage später hatte er es noch einmal versucht.

Diesmal war sein Versuch schon etwas aufwändiger gewesen. Chakotay war nachts in die Kantine geschlichen. Ohne den kritischen Augen von Neelix ausgesetzt sein zu müssen, hatte er sich an einer Torte versucht. Mit rosa Zuckerguss und Marzipanrosen! Sie war ja so erleichtert gewesen, dass er ihr sie noch in derselben Nacht überreicht hatte. Nicht auszumalen, jemand hätte ihn mit dieser Geschmacklosigkeit über die Gänge huschen sehen! Was den Geschmack im wörtlichen Sinne betraf: man konnte sie essen - das war's aber auch schon. Sie hatte großzügig darüber hinweggesehen, dass in dem einen Stück, das sie vor Chakotays Augen mit allen Anzeichen der Verzückung verzehrt hatte, bestimmt die Menge Zucker drin gewesen war, die Chakotay als Wochenration für seinen Kaffee benötigte.

Und dann war da vorgestern dieser "romantische" Ausflug aufs Holodeck gewesen. Tom Paris und er hatten sich wirklich übertroffen in der Programmierung dieses Jungmädchen-Klischees! Blumenwiesen, blauer Himmel, weiße Wolken, gewundene Wege, lauschige Bänke... Als sie dann den ersten rosa Hasen entdeckte, der auf sie zuhoppelte und sich mümmelnd vor ihr aufbaute, ging glücklicherweise das Interkom und setzte dem Ganzen ein Ende. Sie hatte Mr. Kim versprochen in einer Minute auf der Brücke zu sein und hielt Wort.

 

Tja, und jetzt dies hier. Chakotay war unter die Schriftsteller gegangen. Mein Gott, was hatte der Mann nur in seiner Jugend gelesen, um jetzt so einen trivialen Mist verzapfen zu können? Rasch schaute sie das Datenpadd durch. Noch sechs, nein sieben weitere Seiten dieser nobelpreisverdächtigen Geschichte erwarteten sie! Das würde sie nicht überleben, dessen war sie sicher. Rasch scrollte sie bis zum Ende der Story und ... da! Da waren ihre schlimmsten Befürchtungen in Worte gefasst. Die Story endete sogar noch grauenvoller, als der Anfang vermuten ließ. Ihre Augen lasen entsetzt: "... du bist mein Leben, Liebster! Ich werde dich so lange lieben, wie dieser Mond seine Sonne umkreist, so lange, wie die Sterne des Universums noch funkeln." "Ich werde dich auf Händen tragen, meine Angebetete, und immer für dich da sein." Das Raumschiff entfernte sich in die Tiefe des nachtschwarzen Alls. -The End-

Durfte ein Captain eigentlich frustriert seinen Kopf gegen die Wand schlagen? Nun, wahrscheinlich nicht. Jedenfalls nicht mitten auf der Brücke. Warum hatte sie nur nicht die Weitsicht gehabt, dieses... dieses Machwerk in ihrem Bereitschaftsraum zu lesen? Jetzt war es zu spät für solche Überlegungen, jetzt saß der Commander angespannt neben ihr und erwartete ihren Kommentar.

Janeway zwang ihre Lippen zu einem dünnen Lächeln: "Also, Chakotay, ich muss schon sagen, du... du... diese ganze Mühe, die du dir für mich gegeben hast - ich bin überwältigt! Ich..."

Janeway suchte einen Moment nach den passenden Worten, um dem Autoren dieser fürchterlichen Zeilen ein paar nette Worte zu sagen. Und während sie in die wartenden braunen Augen ihres Ersten Offiziers schaute, hatte sie auf einmal eine Schreckensvision von immer neuen Romantik-Attacken. Immer neuen Peinlichkeiten, mit denen er sie freudig überraschen würde. Nein! Sie würde dem Ganzen hier und jetzt ein Ende setzen, ehe etwas geschah, was sie später bereuen müsste. Entschlossen schob sie ihr Kinn vor.

"Chakotay, ich finde es außerordentlich rührend, wie viel Zeit du dir für mich nimmst. Doch wir müssen in den nächsten Tagen alle Warpgondeln überprüfen, den Antrieb des Shuttles reparieren und die Plasmaleitungen reinigen. Ich denke, ich brauche die nächsten Tage, eh... Wochen deshalb nicht ganz so viel Romantik. Du verstehst das doch sicher, oder?"

Chakotay beugte sich noch ein paar Zentimeter näher und entgegnete so leise, dass es niemand auf der Brücke mitbekommen konnte: "Ich verstehe dich bestens, meine Blume. Ich werde es mir für eine spätere Gelegenheit aufheben."

"Uh.... ja. Das ist gut." Resolut erhob sich Janeway. "Ich bin in meinem Bereitschaftsraum. Sie haben die Brücke, Commander."

 

Nachdem sich die Tür hinter Janeway zischend geschlossen hatte, lehnte sie sich erleichtert gegen die Wand. Sie wollte hoffen, dass "meine Blume" der letzte romantische Ausrutscher des Commanders gewesen war! Und dass die spätere Gelegenheit, von der Chakotay gesprochen hatte, nicht so bald kommen würde. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, ergriff mit einer Hand die Kaffeetasse, mit der anderen die Schadensmeldung aus dem Maschinenraum und hoffte, dass alles wieder den gewohnten Gang gehen würde.

 

Im selben Moment, drehte sich Tom Paris in seinem Pilotensessel zu Commander Chakotay um und fragte interessiert: "Nun, wenn sie unser Programm auf dem Holodeck schon nicht überzeugt hat, hat ihr wenigstens der Roman gezeigt, dass zuviel Romantik auch schädlich sein kann?"

Chakotay lachte: "Ja, Tom. Sagen Sie dem Doc noch einmal besten Dank für den tollen Text. Kathryn will die nächsten Wochen nichts mehr von Romantik hören. Wir haben sie hoffnungslos damit überfüttert. Jetzt kann wieder alles so wie immer laufen und sie ist mir sogar noch dankbar, wenn ich keine romantischen Anwandlungen habe."

"Heißt das, ich kann heute Abend wieder die Moto-Cross-Strecke auf Holodeck Zwei laufen lassen?"

"Ganz genau, Tom. Und glauben Sie mir, wir werden mit Sicherheit auch kommen. Etwas weniger Romantisches werden wir schwerlich finden können."

"Es sei denn, ich programmiere hinter der letzten Kurve noch einen riesigen Sonnenball, der blutrot im Meer versinkt....."

 
Ende

 
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