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The Road not Taken

© by Kitty ()

 

Disclaimer: Die Charaktere der Serie "Akte X" sind Eigentum von Chris Carter, 1013 Productions und 20th Century FOX. Keine Verletzung des Copyrights ist hiermit beabsichtigt. Der einbezogene Text entstammt dem Lied "Toscana" aus dem Album "Pleasure and Pain" von Chamber - l'orchestre de chambre noir.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

Er wandelte wie ein Schlaftrunkener zwischen Watergate und Lincoln Memorial, die Brücke über den Potomac River zu seiner Rechten. Alle Schleusen des Himmels schienen offen zu stehen, der diesjährige November war verregneter, als jemals zuvor. Zu nass und zu warm war es für die Boten des Winters, und so bedeckte nirgendwo weißer Flaum den verwässerten Boden. Der wolkenverhangene, dunkelgraue Himmel spiegelte sich matt in schlackigen, braunen Pfützen.

Ein kurzes, dumpfes Platschen, als er in das Wasser trat. Das beständige Klopfen und Trommeln des Regens auf Asphalt, Blattwerk und anwachsende Wasserströme, die der Straße in Richtung Fluss folgten, bildete eine benebelnde Monotonie.

Er hatte weder einen Regenschirm bei sich, noch eine Kapuze über seinen Kopf gezogen. Sein dunkelbraunes Haar klebte nun fast schwarz an Kopfhaut und Stirn, die Wassertropfen perlten von den Haarspitzen zu Boden oder - über Umwege - auf seine durchweichte Jacke.

Er sah es nicht für notwendig an, dem Unwillen der Natur auszuweichen, die sich um ihn herum in ein einziges, großes Schlammloch zu verwandeln schien.

Er selbst fühlte sich in dieses Loch hineingezogen, tiefer und tiefer, bis es ihn verschluckte.

Es war vorbei.

Er hätte es erahnen sollen, hätte nicht so blind darauf vertrauen sollen, dass sie noch die Gleiche sein würde, wie früher.

Denn das war sie nicht.

Es hatte eine Zeit gegeben, in der er sie geliebt hatte. Ihr Vertrauen geschenkt hatte. Und gutgläubig und stur zugleich, wie er war, hatte er nicht wahrhaben können und wollen, dass viele Jahre vergangen waren. Jahre, in denen sich vieles veränderte. Auch Menschen.

Auch sie.

Und nun hatte sie ihn verraten und verkauft. Die X-Akten waren geschlossen, vernichtet - unwiederbringlich. Und es hatte nichts gegeben, was ihn gehalten hätte. Das FBI brauchte ihn nicht. Und er hatte es nie gebraucht. Es war nur seinem persönlichen Kreuzzug dienlich gewesen, für eine kleine Zeit...

 

 

I close gently in my hand
What I intend to keep
And let fall the rest
From basements backrooms and these cruel extremes
Take these thoughts from my head
In the morning I see clearly
I was wrong
And I'm just another going down
 

Er blinzelte die Regentropfen aus seinen Lidern und folgte dem Ohio Drive nach Südosten. Ab heute waren all die vergangenen Jahre Geschichte. Beinahe unbedeutend.

Auch sie.

Warum hatte er sich auch eingebildet, Diana hätte ihn wirklich, so wie früher, unterstützen wollen? Nach all dem, was vorgefallen war? Dem Streit, den ewigen Diskrepanzen und diesem Charles, der sie in seine Firma geholt hatte? Kompetent und zuverlässig, hieß es damals.

Damit war der Schlussstrich zwischen ihnen gezogen gewesen und er hatte allein die Arbeit an den X-Akten weitergeführt, bis Scully auf ihn gestoßen war.

Er hatte gleich gewusst, dass man sie ihm nur zugeteilt hatte, um seiner Arbeit zu schaden. Darum hatte man damals ja auch ihn und Diana voneinander getrennt. Und inzwischen sah er - mit Abstand - alles viel klarer. Das Erkennen der Wahrheit tat weh. Er hätte schreien mögen, so blind war er gewesen, eine Marionette in den Fängen dieser Menschen, die ihn beobachteten und kontrollierten. Auch wenn er es sich eingebildet hatte, nie hatte er frei entscheiden können.

Sein ganzes, gottverdammtes Leben bestand aus Lügen, Manipulationen und einer großen, dunklen Hand, die ihn hielt, dirigierte... durch ein Labyrinth, das ihm verwehrt war, wirklich erkundet zu werden.

Sie hatte versucht, es ihm zu erklären. Hatte versucht, ihn zu treiben, in eine Entscheidung, die er nicht fällen wollte. Arbeiten für ihn oder nie, nie wieder der Wahrheit so nahe zu kommen. Wer verlangte, alles zu wissen, musste auch kooperieren und bereit sein, die Seiten zu wechseln.

Doch entgegen all seines Verlangens hatte er dennoch seinen Stolz nicht verloren.

Es war die erste, wirklich freie Entscheidung, bei der die Folgen nur von ihm, wirklich ihm, abhängig waren.

"Sie werden dich töten, Fox", hatte sie geflüstert in dieser Nacht. "Geh zu ihnen, und dir wird alles offen. Wenn du dich weiter gegen sie stellst, werden sie nicht zögern. Sie haben dich schon offiziell ausgeschaltet. Jetzt können sie dich töten, ohne Konsequenzen dafür tragen zu müssen..."

Er hatte nur stumm den Kopf geschüttelt, und auch ihre flehenden Küsse hatten ihn nicht umstimmen können.

Niemals würde er sich kaufen lassen. Auch nicht für die Wahrheit!

 

 

The perfume from the cut
Makes me ache
Whiskey clouds thought
Drive reason away
Your love is as twisted as the world I see
And all your touch is apology
And in the morning I see clearly
I was wrong
And I'm just another going down...
 

Er verharrte am Flussufer, als er den dunklen Wagen bemerkte, der durch die sonst leere Straße langsam auf ihn zufuhr. Er wandte sich um und kickte Kiesel über den Rand in das Wasser des träge dahinströmenden Flusses.

Der Motor erstarb neben ihm, eine Tür klappte. Durch den Regen hindurch erkannte er den altbekannten Zigarettengeruch der Morley.

"Sie hatten genug Zeit, sich zu entscheiden", sagte der Raucher, und seine Stimme war - wie immer - ruhig und gemessen. So ruhig, dass es schon wie Hohn anmutete.

Er schwieg und kickte einen weiteren Stein in das Wasser.

"Und, Mulder? Was sagen Sie?"

Rauch trieb durch den prasselnden Regen.

Der ehemalige Agent hob den Kopf und sah dem alten Mann direkt in die Augen. Sein Blick war ungewohnt fest.

"Ich sage nein", antwortete er, ebenso leise, ruhig und gemessen, wie sein Gegenüber.

Eine freie Entscheidung.

Er hatte gewählt. Und es gab kein Zurück für ihn.

Die Augen des Rauchers blitzten kurz auf, und in einer Geste kontrollierten Zorns warf er seine Zigarette zu Boden. Beinahe brutal langsam trat er sie aus, und ein zweiter Mann stieg aus dem Wagen, die schwarz glänzende Waffe entsichernd.

"Wie Sie wünschen", nickte Charles Spender und gab das Zeichen.

 

 

And in the morning I see clearly
That all was wrong
And I'm just another, just another going down...
 

Der gedämpfte Schuss war im Rauschen des Regens nicht zu hören. Und das Platschen, als der reglose Körper in das Wasser des Flusses eintauchte, nur ein weiterer Teil der Geräusche der hereinbrechenden Nacht...

 
Ende

 
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