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Track him down!© by Kitty ()
Director Kersh ordnete leise vor sich hinfluchend Papiere. Langsam aber sicher begann er diesen Job zu hassen, und er überlegte, ob es besser wäre, zu verschwinden und irgendwo anders ein neues Leben zu beginnen. Vor Allem jetzt. Der Cirronaner war hier. Hier in Washington, D. C. Und das bedeutete für Kersh ein Katz-und-Maus Spiel. Es gab für ihn nur zwei Alternativen zur Flucht: Seinen Jäger töten oder selbst getötet werden. Und Kersh war Willens, zu töten. Er war geschaffen worden, um mächtig zu sein. Um andere zu beherrschen. So war es immer gewesen. Vor seinem inneren Auge erschienen sie wieder, die Truppen der Varda-Miliz. Ausgebildete Vertreter einer künstlich geschaffenen Unterspezies, die den Auftrag hatte, die eigentlichen Einwohner des Planeten zu bewachen und zu unterdrücken - auf dass diese nicht selbst herrschten und Kriege führten, wie in den Jahrtausenden davor. Ein Volk, das sich in seiner Not und dem Druck der Migar-Allianz selbst versklavt hatte. Kersh konnte nur den Kopf schütteln über so viel Dummheit, und für ihn gab es keinen größeren Abschaum, als die Bewohner seines Heimatplaneten, die er gelernt hatte, wie Tiere zu behandeln. Er war ein guter Soldat gewesen. Zu gut. Zu effektiv. Wegen erhöhter Brutalität hatte man ihn abgezogen und eingesperrt. Doch jetzt war er hier auf der Erde, fern von den Fängen der heimischen Justiz. Und er konnte wieder das tun, was er am Besten konnte: Befehlen. Betrügen. Beherrschen. Und verhindern. Verhindern, dass man ihn entdeckte. Dass man irgendeinen seiner Art entdeckte. Und so behagte es ihm in keinster Weise, dass man Agent Mulder wieder den X-Akten zugeteilt hatte. Zu nah war man seinem Geheimnis schon gewesen...
Ein Lufthauch durch das geöffnete Fenster strich ihm über die Schultern und ließ ihn schaudern, während er Papiere aus dem Schreibtisch zog und in den neben den Tisch befindlichen Aktenvernichter stopfte. Ein Bericht über einen Menschen, der Dinge allein durch Gedanken bewegen konnte. Ein Mensch, der behauptete, den verlorenen NASA-Satelliten, den man letzte Woche in der Wüste Arabiens geborgen hatte, per Telekinese aus seiner Bahn gehoben zu haben. Kersh wusste, dass es sich dabei um keinen Menschen handelte. Und niemand, vor Allem nicht Mulder, sollte dem auf die Spur kommen. Mit einem Ruck wurde das Fenster zugeschoben. Kersh schoss alarmiert in die Höhe und starrte direkt auf 'ihn'. Der Jäger war hier. Panik ergriff ihn. Das Verlangen, zu fliehen wurde urplötzlich wieder erschreckend stark. Doch die einzige Tür, die aus seinem Büro führte, war verstellt. Sein Verfolger versperrte ihm den Weg. Der hochgewachsene, dunkelhaarige Mann starrte Kersh eindringlich und abschätzend an, während sich seine Rechte auf den Türknauf legte. Energie, heißer als Feuer, begann das Metall zu schmelzen - und machte das Büro zu einem tödlichen Gefängnis. Kersh wusste von der Macht der Cirronaner. Ihre Fähigkeit, große Energien aufzubringen, war bekannt. Allerdings auch ihre eigentliche Gutmütigkeit, die ihren unverdorbenen Seelen anheim war. Doch dieser Cirronaner war anders. Er lebte unter Menschen. Und er hatte den Auftrag, ihn - Kersh - zu finden. Auf Cirron bearbeitete man Aufträge sehr gewissenhaft und entsprechend der Gesetze, die einmal als richtig anerkannt worden waren und nach denen jede Lebensform der Allianz zu leben hatte. Und wenn es um Gesetze ging, konnte auch der gutmütigste Cirronaner für diese Überzeugung töten. Sein Jäger sprach kein Wort, als er einen handtellergroßen metallischen Gegenstand aus der Jackentasche zog und auf Kersh zutrat...
"Wir mussten die Tür aufbrechen." Agent Clavier sammelte Metallsplitter auf. "Das Schloss war zugeschweißt." "Das sehe ich." Scully musterte eingehend den undefinierbaren Klumpen Metalls, der einmal eine Türklinke gewesen war, während Mulder sichtlich aufgeregt durch das Büro schlich. So lange sie beide an den X-Akten arbeiteten - im FBI-Gebäude selbst hatten sie bisher keine gehabt. Alle Fenster waren fest verschlossen. Die einzige Tür nach draußen von innen verschweißt. Und Director Kersh tot. Die ersten Vermutungen waren auf Selbstmord hinausgelaufen, doch bei der Obduktion hatte man nichts feststellen können. Keine Gifte. Keine Wunde... Und keine Antwort auf die zugeschweißte Tür. Nirgendwo im Büro befand sich ein Gerät, mit dem man so etwas hätte bewerkstelligen können. Kurzum: Man stand vor einem Rätsel.
Kopfschüttelnd verließ Scully mit Mulder das Büro. Schweigend gingen sie den Gang entlang. Während ihr Partner abstruse Theorien in seinem Kopf zusammenspann, um etwaige Erklärungen für den Vorfall zu finden, dachte Scully darüber nach, wie sie ihm diese wieder ausreden konnte. Am Ausgang waren beide für das bevorstehende Wortduell gewappnet. "Haben Sie schon einmal von unerklärlichen Geistererscheinungen gehört, die speziell in den Räumen ihrer Mörder auftauchen? Ruhelose Seelen, die Rache üben wollen?" Scully stieß einen entnervten Seufzer aus. "Mulder, von allen Theorien, mit denen Sie mir jemals angekommen sind, ist das wirklich die verrückteste. Selbst wenn es Geister gibt, sie können keinen Menschen töten." "Sicherlich können sie", erwiderte Mulder ungerührt und steuerte auf eine Imbissbude zu, die "Lenard's Shooting Star" hieß und sämtliche Snacks nur in Stars-and-Stripes Pappbechern und Tellern anbot. "Ach ja?" Scully folgte ihm missmutig. "Können sie auch Türen zuschweißen?" Der Agent runzelte die Stirn. Tata! Sie hatte ihn. Mulder bestellte missmutig Hot Dogs und lehnte sich an einen der Stehtische vor der Bude. Neben ihnen biss ein Mann gerade in seinen Hamburger, musterte beide Agenten allerdings aufmerksam. "Wenn es also keine Geister waren, Mulder..." Scully lächelte süffisant und nahm ihren Hot Dog entgegen. "Dann vielleicht eines Ihrer kleinen grauen Aliens, das sich mal eben in das Zimmer gebeamt hat und..." "Sie sind nicht grau", unterbrach sie eine Stimme und sie blickte sich nach dem Mann mit dem Hamburger um. "Was sagten Sie da?" "Ihre Aliens..." Er zwinkerte den Agenten zu. "Sie sind nicht grau." Seelenruhig aß er weiter, als sei die Sache damit erledigt. Mulder runzelte die Stirn. "Wenn Sie glauben, dass sie grün sind..." Bevor Scully ihm dafür auf den Fuß treten konnte, lachte der Fremde schon. "Nein, Sir, auch grün sind sie nicht." Er schob sich den letzten Bissen seines Burgers in den Mund und wischte sich die Hände an einer Serviette ab. "Was sind sie denn Ihrer Meinung nach?", stichelte Mulder. Der Mann wandte sich zum Gehen. "Nun, ich würde sagen sie sind... verschieden." Scully starrte dem Fremden nach und beschloss, dass "Spooky" Mulder kein Einzelfall mehr war. Es gab offensichtlich noch mehr Verrückte auf dieser Welt.
***
Mel trommelte ungeduldig mit den Fingernägeln auf dem blank polierten Marmor der Hotelbar herum. Langsam aber sicher wurde es ihr doch zu spät. Sie warf einen Blick auf die Uhr. Wo blieb er denn nur? "Immer so nervös?" Sie zuckte zusammen, und als sie sich umdrehte, blickte Mel in sein amüsiertes Gesicht. Beruhigt atmete sie aus. "Musst du dich immer so anschleichen, Cole?", rügte sie. "Sorry." Er setzte sich neben sie. "Wo, zum Teufel, warst du?", fuhr sie ihn nun an. "Warum hast du dich nicht gemeldet?" Er runzelte die Stirn. "Was hat der Teufel damit zu tun, wo ich war?" Diese merkwürdigen Phrasen der menschlichen Sprache machten ihm immer noch zu schaffen. Mel seufzte resignierend. "Warum konnte ich dich nicht erreichen?" "Mir ist das Handy runtergefallen", erwiderte Cole entschuldigend. "Da ging es nicht mehr... irgendwie." "Nur vom Runterfallen?" Mel runzelte die Stirn. Cole spielte mit der Getränkekarte. "Nun... so aus etwa... sieben, acht Metern Höhe..." Sie verbiss sich einen Kommentar dazu und beschloss, besser das Thema zu wechseln. "Hast du diesen... Rahm erwischt?" "Er heißt Rahn", korrigierte Cole sie. "Und ja, ich hab ihn. Ich glaube, er mochte kein Papier. Er hat es in Massen zerschnitten, als ich ihn gefunden habe..." Auf ihr erneutes Stirnrunzeln hin erhielt Mel keine Antwort. Manchmal drückte er sich wahrlich komisch aus und sie hatte Mühe, ihn zu verstehen. Aber das würde sich auch noch geben - mit der Zeit. Achselzuckend winkte sie den Barkeeper heran und bestellte zwei Drinks. Sie würde schon Genaueres über diese Angelegenheit mit dem Vardaner erfahren. Später.
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