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Wie würde es wohl sonst anfangen?
Du liegst in deinem schmalen, faulig-grünen Armeefeldbett, die Arme lang an deinen Seiten, und hörst, wie sich Charles im dünnen Schleier eines schweren Traums bewegt. Deine Hände ergreifen die Decken, schließen sich und lassen los, krampfartig, und das Feldbett fünf Fuß zu deiner Linken ist belegt von Schatten und Abwesenheit allein. Unvermeidlich - und das vollwangige, ovale Gesicht deiner Frau schaut dich aus der schwarzweißen Stille hinter dem Glas aus. Erin in ihren Armen, selig und ahnungslos, noch immer eine Mischung aus zwei Geschöpfen und sich ihrer Mutter bewußter als der restlichen Welt; aber Pegs Augen sagen, daß sie es wissen. Sie halten Ausschau, vage und ohne Fokus, nach jenem fernen Morgen, wenn du heimkehrst; sie sieht alles, schweigend -
(Da war Siege, Göttin des Schweigens, ihre Brüste entblößt in einem alten, zerfledderten Lehrbuch damals im College, und ein vorwitziges Kind kritzelte lateinische Worte darunter, die sagten 'Sprich nicht diese verwerflichsten Worte von allen aus, die Wahrheit')
- und fällt kein Urteil von ihrem Standplatz aus, dort in dem Rechteck aus falschem Gold neben der Destille. Unvermeidlich - (du warst von jenem ersten flaschenglasblauen Moment an in ihm verloren) ist nur ein Wort - das 'un' beinhaltet ein Gegenteil, wie unveräußerlich (Rechte) und unbeschreibliche (Angst? Lust? Furcht? Liebe?). Aber es gibt kein Wort wie "vermeidlich" im alltäglichen Sprachgebrauch, das etwas beschreibt, vor dem man fliehen kann, dem man widerstehen kann, dem man vorbeugen kann. Blätter' durch Hawkeyes Wörterbuch ("Jedes andere Buch ist darin enthalten, oder nicht?") und, ja, da ist es. Du hast nicht erwartet, es zu finden. Irgendwie ist es mit der Zeit aus der Umgangssprache verschwunden. Also, du kannst nicht fliehen, und du kannst nicht widerstehen (und willst du es überhaupt?) und obwohl Vorbeugung zu deiner Berufsbeschreibung gehört, gibt es hierfür keine magische Pille, Doc. Gesetze sind so unbeweglich wie die Schwerkraft, so festgelegt wie die Planetenbahnen und das Uhrwerk der Sterne. Man trete beiseite, verlasse den Pfad, aber man wird sofort wieder hineingezogen. Es wird Kismet genannt und Schicksal, *unmei* oder Bestimmung, und - wenn die Blicke im farblosen Meer des Alkohols versinken - auch mal ein gemeines Aas. Also - wie würde es sonst anfangen? Vielleicht hattest du nicht ganz so viel Glück - Papiere werden beim I-Corps umgeschichtet, neusortiert. Am Flughafen vergießt Peg noch mehr Tränen, und sie weiß nicht einmal, daß du nicht zurückkommt, aber du wirst. Von Kimpo aus führt dein Weg zu irgend einem zerschossenen Verbandsplatz, wo deine Hände niemals sauber sein werden, aber dennoch wirst du sie in menschliche Körper tauchen. Junge Männer, Kinder, frisch aus dem Kampfgebiet, und wenn du glaubst, daß eine Menge M*A*S*H-Ärzte daran kaputtgehen, hey, dann hast du noch gar nichts gesehen. Eines Tages schlägt eine Granate zu nahe ein, als du gerade einen Luftröhrenschnitt beendest - gefährlich für und durch sich, und du mußt schnell mit dem Patienten fertigwerden oder gar nicht - und die Umrisse des wackeligen Unterstandes fallen in sich zusammen wie in alten Kinderreimen beschrieben.
(Asche, Asche, wir alle fallen... Humpty-Dumpty fiel von...)
Eine Momentaufnahme vielleicht, unter den hellen Lichtern eines fremden Operationsraumes. Du fühlst die Maske auf deinem Gesicht und der Schlaf streckt seine herrlichen Greifarme nach dir aus, umschlingt dich, aber deine Augen sind trotzdem noch einen Spalt offen, und du siehst diese Augen aus klarem Blau. Der Rest des schönen (du versuchst, den Begriff 'gutaussehend' zu verwenden, doch das klappt nicht) Gesichts ist von Weiß verdeckt...und im nächsten Moment auch schon der Rest der Welt. Seine Hände waren in dir, zwischen deinem Fleisch und deinen Rippen, reparierten, lockerten, veränderten - du siehst ihn mit den anderen Patienten scherzen, als er sich bei der Visite deinem Bett nähert, und fühlst deine gebrochenen Knochen schmerzen...ihn erkennen. Er lehnt sich - mit irgendwie unbeholfener, atypischer Grazie - auf das Fußgestell deines Bettes, lächelt dich an und plaudert ungezwungen über deine Verletzungen. Aber dann scheinen seine Augen dich zu sehen - du fragst nach dem Patienten, den du behandelt hast, als der Treffer kam. Erleichterung und ein stilles, heimliches Gefühl des Stolzes - erstens, weil der Junge es geschafft hat, und zweitens, weil Er zu dir sagt, "Ich habe die Kinder gesehen, die Sie behandelt haben. Ich bin beeindruckt, ganz ehrlich - was Sie da oben leisten, läßt uns Fleischklopschirurgen wie simple Peperoni erscheinen." Du dankst ihm, wartest mit unbewußtem Groll darauf, daß er seine sprunghafte Aufmerksamkeit jemand anderem zuwendet, doch er ist immer noch da, beobachtet dich, und macht keinen Hehl daraus. "Ich bin Hawkeye", sagt er, streckt eine Hand aus und zwinkert dir zu, "berühmt in Lied und Legende. Sie haben echtes Talent, Junge - ich könnte aus Ihnen einen Star machen. Wollen Sie für Frank hier übernehmen? Er ist kein Arzt, aber er tut gerne so." Du kannst nicht anders, du mußt einfach lachen und sagst, "Ich heiße Hunnicutt, B.J. Ehemals einem Verbandsplatz in der Nähe von Hügel 24 zugeteilt, bis sie unseren Arbeitsplatz geradewegs in die Hölle gebombt haben." "Sie haben Glück gehabt, daß Sie nicht selbst eine Fahrkarte gelöst haben, um das alte Ziegenbein zu besuchen." Abermals dieses Zwinkern, und jetzt setzt er sich auf den Rand deines Bettes (Gott, er ist nicht wirklich so nahe, sondern Go-ott...) "Was heißt B.J.?" Und dein Ehering ist schwer an deinem Finger, doch du weißt noch nicht, was das hier ist, noch nicht. Aber du willst es, ergreifst es gierig und hältst es fest, und streckst die Hände nach mehr aus. Also sagst du, so leichtherzig aber zum ersten Mal fast am Rand der Wahrheit, "Was immer Sie wollen." Oder - Auf Urlaub von der 8063sten. Du stehst unter den flackernden, umherhuschenden Lichtern der Ginza und die Kanji-Schriftzeichen im Schaukasten am Fenster bestätigen, daß hier Reiswein serviert wird. Mädchen bevölkern die Straßen und die Bars, exotisch und hübsch wie Porzellanpuppen, die in einer Reihe im Regal über Pegs Bett standen, als es noch jungfräulich rosa war. Du studierst die Mädchen wie ein Künstler Blumen studiert - sie sind wunderschön, jede hat eine andere Farbe, erscheint in einem anderen Licht, aber dir kommt nicht einmal der kleinste Gedanke, auch nur eine von ihnen an die Hand zu nehmen, oder sie überhaupt zu begehren. Dann, jemand rempelt dich an und du spürst die irgendwie vertraute Wärme eines Fremden, drehst dich um. Er lacht, leicht angetrunken, aber völlig ungeniert dabei, und über seinen blauen Augen liegt ein Schleier. Er ist darauf aus, heute Nacht etwas zu verlieren, aber das ist es nicht, von dem du willst, daß er es an dich verliert, und auch nicht das, was du dabei bist, an ihn zu verlieren. Er hört auf zu lachen...fängt wieder an, um seine Ungeschicklichkeit zu überspielen, und bald unterhaltet ihr euch wie langjährige Freunde, während die Mädchen fortschweben, eines nach dem anderen, desinteressiert, jedes ein Fliederhauch von Parfüm. "Kommst du mit auf mein Zimmer für einen Schlummertrunk? Oder einen zum Aufwecken? Oder zum Einwecken?" Nun, die Bar schließt, und was sollte schon dabeisein? Am nächsten Morgen wachst du auf, dein Gesicht vergraben in schwarzgrauschwarzem Haar, vollständig bekleidet, aber dennoch seid ihr miteinander verschmolzen. Nein, ihr habt nichts getan und, nein, ihr redet nicht wirklich miteinander, ihr haltet euch nur fest und laßt eure Köpfe zurücksinken, so als würdet ihr feinen Wein genießen. Die 8063ste ist nicht sonderlich weit von der 40-Doppelsieben entfernt.
(Zahlen, verdammt, immer diese Zahlen. Verwundetenzahlen und Medikamentendosierungen, Milliliter, Viertel, halbe und ganze Liter, militärische Befehlshaber und ihre bescheuerten ein, zwei, drei Zentimeter über dem 38. Breitengrad, der auch nur eine Nummer ist.)
Da sind geflüsterte Worte, Pläne. Wie du zurück auf dein Zimmer gehst, siehst du die schwarzen und weißen Schatten, aus denen Pegs Bildnis besteht, und du kannst nicht einmal in den Spiegel sehen. Doch - Du wirst ihn bei Rosie's treffen, und mit weichen Knien tanzen zur Melodie von (Yeah, I got a girl back in) 'Kalamazoo', seine Hand fest auf deiner Hüfte. Oder - Bei einem Veteranentreffen, du hast einen Arm um Peg gelegt, und jeder trägt Namensschildchen, die sagen, wer und was und wo, aber niemals warum. Und vielleicht siehst du ihn auf der anderen Seite des Raumes, an der Punschschale oder vermischt mit einem Schatten aus schelmischen nußbraunen Augen und lockigem rotblondem Haar. Eure Blicke treffen sich flüchtig, aber das ist alles - manchmal wirst du neben Peg aus einem Traum erwachen, und es werden jene Augen, die du siehst, aber du wirst sie nicht zuordnen können. Oder - Vielleicht ist da gar kein Krieg, etwas andere Politik und Machtverhältnisse - stattdessen ist es eine medizinische Konferenz, einige Jahre später. Du sitzt zusammengesunken auf deinem kalten, schmalen Klappstuhl, während ein alter, verknöcherter Arzt euch belehrt als hätte er es mit einem Haufen Assistenzärzte im ersten Jahr zu tun und nicht mit promovierten Ärzte, die kurz davor stehen, ihre eigenen Praxen zu eröffnen, oder noch besser. Deine Augen schweifen zu dem Mann neben dir, der in spöttischem Halbschlaf dem Vortrag folgt, er dreht sich zur Seite und zwinkert dir zu. Nur ein kurzer Blitz von Himmelblau. Und schon schreibst du in Windeseile auf deinem Block, die Schrift nimmt den Platz deiner Stimme ein, ihr seid wie unartige Jungs im Hausaufgabenraum auf der Junior High. Schnelle Witze, Seitenhiebe gerichtet gegen den Redner und die unchristliche Uhrzeit, zu der sie geweckt werden; ein stetes Hin und Her. Und... Und vielleicht ist dies alles nur - Tonband ab mit Potters Stimme - ein Haufen Büffelbagels. Eine Täuschung, eine Ausflucht, ein Schleier über deinen Augen; der Teufel hat mich dazu verleitet, Peg, ehrlich, ich konnte nicht anders. Oder jene Worte auf dem flackernden Schwarzweißfernseher, fünfminütige Dramen von jungen Frauen und älteren Männern, umschlossen von Seifenwerbung: 'Sie hat mir meinen Mann gestohlen!' Du hast dich schon immer gewundert, wie ein Geliebter gestohlen werden kann, denn Verführung ist billig, und was man nicht hast, mag zwar gut aussehen, aber man kann schließlich nie wissen. Bleib' bei der Zuneigung, die du hast, sicher und vertraut wie ein Haus, in dem du dein ganzes Leben gewohnt hast, abgenutzt und leer und mit Gerümpel an all den richtigen Stellen. Eine Person kann nur 'gestohlen' werden, wenn sie es will. Also könnte 'unvermeidlich' eine Krücke sein, eine andere Art, die Blut-und-Schlachtfeld-Farben von Korea abzublocken, gleichzusetzen mit wilden Streichen und allnächtlichen Pokerrunden, bei denen der Lagerpriester direkt neben dir sitzt. Gleichzusetzen mit Netzen aus schwarzgebranntem Gin, feingesponnen von der Destille, die dort auf so vielen nichtmenschlichen Spinnenbeinen auf dem Tisch hockt - ihr Leib gefüllt mit flüssigem Vergessen. (Manchmal, wenn du Hawkeye betrunken genug bekommst, wagt sich die Seltsamkeit, die sich in seinen Knochen versteckt, zum Spielen hinaus. Meist nur albern; Eichhörnchen, die ihm helfen, bei medizinischen Tests zu mogeln, oder daß er Radar in einer Kiste Katzenstreu gefunden hat. Aber dann ist da auch die Rede von Leichen, die er begraben muß, damit sie leben können, von Städten, die sich bis ins Endlose erstrecken und, ja, natürlich, von dem sich drehenden Rad. Die Spindel, drei Schwestern, und am Steuer die Spinnenmutter; das Rad ist immer in Bewegung und zermalmt menschliche Knochen in seiner mechanischen Bestimmung. Ja, wenn du Hawkeye betrunken genug bekommst, erzählt er dir die seltsamsten Geschichten.) Aber wenn all dies genauso sinnlos ist wie Sumpf-Gin, warum hattest du schon, noch bevor du überhaupt irgendwann Hawkeye berührtest, das Gefühl, untreu zu sein? Wie konntest du für Donovan vom Podest der Treue fallen, obwohl du schon längst neben deinem besten Freund herliefst und dich, wenn er dich von Zeit zu Zeit berührte, wie ein Teil von ihm fühltest? Donovan - oh ja, Carrie, wahrgenommen durch den Schleier von Pegs Gesicht, und deine Hände suchten nach den vertrauten Merkmalen des Körpers deiner Frau, während du und jemand fremdes ineinander Zuflucht fandet. Ihr Haar war duftig und weich in deinen Händen, sie rief 'John, John, warum?', doch anstatt 'Peg' zu sagen, hättest du fast gerufen - Hawkeye, du hast diesen wiederkehrenden Traum von Hawkeye, wie er daliegt in der Mitte des OP, sein Körper aufgerissen. Sie alle sehen es, aber es schert sie nicht - Knäuel chirurgischer Seide nehmen den Platz seiner inneren Organe ein; Margaret und Schwester Baker und Schwester Bigelow nehmen den benötigten Faden aus ihm heraus. Die Ärzte nähen, ziehen und rollen von Hawkeyes Spule ab, während er so laut schreit, daß der Schrei absolut keinen Klang hat. Niemand hat dich hiervor gewarnt. Paß auf diese fremdländischen Mädchen auf, sagten sie, auf allzu willige Krankenschwestern, sei wachsam, falls du in Versuchung kommen solltest, mal ohne Zahnbürste in ein Hotel einzuchecken - (- sagt Hawkeye und beobachtet dich, und du weißt genau, wie Carlye ihn berührt hat, du kannst die Orte spüren, die ihre Finger und Lippen gestreichelt haben, aber du sagst, du seiest niemals in Versuchung gekommen, nein, niemals nie, und das ist eine Lüge). Was sie nicht gesagt haben, war 'Sei vorsichtig mit Kameradschaft und Freundschaft; mißtraue Bindungen, die dich einwickeln mit süßem, sadistischem Verlangen, bis du nicht einfach nur nicht freikommen kannst...du *willst* es auch gar nicht! Und du liebst Peg, und du liebst Hawkeye, und diese beiden Dinge, die sich widersprechen sollten, existieren irgendwie gleichzeitig; es ist wie Schwerkraft, die funktioniert, obwohl Dinge nach oben fallen, wie eine Erde, welche die Sonne umkreist, und die Sonne gleichzeitig den Gefallen erwidert. Unmöglich. Irrational. Verrückt. ("Ach, und unsere bloße Gegenwart in Korea zeugt von geistiger Gesundheit?") Es hätte auf all diese anderen Arten passieren können, aber das tat es nicht. Stattdessen begann es an jenem allerersten Tag, seine Arme lagen um dir, als du dein anderes Leben herauswürgtest, deine Unschuld und all die Plastikträume, die mit einem geordneten Vorstadtleben einhergehen. Eine Hand wanderte über deinen Rücken, ganz sanft - schon gut, schon gut, alles bestens, wir sind alle zum Leben in dieser Hölle verdammt. Und unter der Berührung lagen irgendwie andere Worte - ich vergebe dir dafür, daß du // und ich hasse dich dafür, daß du // und ich will dich, weil du nicht die Person bist, die ich in dir sehen will. Später dann eine andere Umarmung, und dein Körper machte dir klar, wie viel Zeit schon vergangen war zwischen den Momenten, in denen er dich gehalten hatte. In dem Wissen, daß er es dich nicht sagen lassen würde, wanderten deine Lippen an seinem Hals hinunter, ein Kuß auf den klopfenden Puls, um es ihm wenigstens zu zeigen. Korea hätte genauso gut Alpha Centauri sein können und eine Million Sterne von dem Ort entfernt, den du einst dein Zuhause nanntest. (Was wenn ich eines Tages unter dem Druck zerbreche, ein kleiner Sprung im Glas, verursacht von zuviel Hitze oder zuviel Kälte? Extremen. Was wenn ich nach Hause komme und vorgebe, die Person zu sein, aus der ich herausgewachsen bin - wenn ich seine Kleidung trage und seine Frau küsse und seiner Tochter Gute-Nacht-Geschichten vorlese - aber eines Tages anhalte, einen Moment zu lange in den Spiegel schaue, und es alles über mir zusammenbricht? Und wenn die Person, deren Gesicht ich sehe, niemand ist, den ich kenne, und der Staub und das Blut von Korea so überwältigend in meiner Erinnerung sind, daß ich nicht einmal mehr das Zitrone-Vanille-Spray riechen kann, das Peg nach dem Staubsaugen versprüht? Was wenn ich kaputtgehe, wie ein Uhrwerk, und all die Worte nur so hervorquellen und ich sage, daß ich untreu war, daß ich ihn liebte, und Peg dann diese Person sieht, *wirklich* sieht, zu der ich geworden bin? Was wenn der Horror dieses Krieges verborgen bleibt und wartet, bis ich am wenigsten damit rechne, bevor er mich mit stahlharten Klauen packt, und Er wird nicht dasein, also wie soll ich in einem Stück entkommen?) Weil es passiert ist, ob vermeidlich oder 'un' - egal wie sehr du versucht hast, nur das zu nehmen, was ein Freund nehmen würde, hast du letztendlich immer mehr genommen - und es ist folgendermaßen passiert: Vorhang auf, dies war das Bühnenbild: Nacht in Korea; manchmal vergißt das Land zu fortgeschrittener Stunde, welche Jahreszeit herrscht und beschert euch Hitze nach einem Herbsttag oder Frost im späten Frühling - der Wetterbericht eines Irren aus der Gummizelle. Der Mond war rund und gelb, du hast ihn nur beiläufig angesehen, als du zum Offiziersclub hinübergingst, die Farbe so krank und hypnotisch wie das Auge einer Kobra. Auch nicht anders als in anderen Nächten, nicht wirklich, aber der kalte Wind, der deine Wirbelsäule hinaufkroch, behauptete etwas anderes. Deine Hände steckten in den Taschen und dein Inneres war warm mit Gedanken an Feuerwasser. Sinnlos, zurück in den Sumpf zu gehen; auch wenn Frank in der Postoperativen war und sein leeres Bett einem Segen gleichkam, wäre das andere leere Bett gegenüber nicht gewesen. Deine Augen klebten also an dem gelblich-sauren Mond und du warst zu müde, deine Gedanken zu ordnen; statt des Mondes sahst du diese neue Schwester - den Ersatz für Donovan - der Hawkeye den Hof machte. Vor deinem inneren Auge schwamm ihr Bild und du besahst es mit rein akademischem Interesse. Niedrige Wangenknochen und ein rundes Gesicht, mittelgroß und dünn wie ein Stock, mit blaßgrünen Augen; nur ein einziges Mal hatte sie mit dir gesprochen, und ihre Stimme hatte relativ rauh und nicht sonderlich auffällig geklungen. Ein Gedanke flackerte durch deinen Kopf - Hawkeye, wie er sich in einer dunklen Ecke zu ihr hinbeugte, Worte gegen die Haut ihres Halses murmelte, in die glatte Kurve ihrer Schulter hinein. Einmal hattest du die Schwestern tuscheln hören, nach etwas zu viel Punsch auf einer Party, und sie hatten über Sex geredet, also natürlich waren sie beim Thema Hawkeye gelandet. Du hattest einiges aufgeschnappt, als du an ihrem Tisch vorbeigingst, auf das Gesprächsthema selbst zu, das an der Bar lehnte und dich auf einen Drink herüberwinkte. 'Also', sagte eine Krankenschwester, deren Namen und Gesicht bereits vergessen sind - sie schien so prüde, daß ihre beiläufige Offenheit dich überraschte - 'ist Hawkeye nur ein Titten-und-Hintern-Typ?' Du warst stehengeblieben, inmitten des gutgefüllten Raumes, und hast dir diese Frage selbst gestellt. Und dann mußtest du lachen und gingst weiter, um den Drink von Hawkeye entgegenzunehmen, denn, mein Gott, mal ehrlich, was dachtest du da bloß? Nicht das erste Mal, daß du Hawkeye in einem sexuellen Kontext sahst; auch nicht das letzte Mal. Aber es steckte mehr als das dahinter - ein Begehren - mehr als nur Hände, die berühren und dann verschwinden würden. Manchmal lehnte sich Hawkeye auf seinem Feldbett zurück und sah dich an mit blauen Augen, deren Farbton immer in Bewegung war, und alles, was du tun wolltest, war neben ihm zu liegen und dich anzukuscheln. Unter Koreas kränklichem Nachthimmel dachtest du also an Hawkeye im Vorratszelt und wo seine Hände hinwandern könnten. (Ich sollte das nicht denken.) 'Sollte' ist ein wunderbares, schuldeinflößendes Wort. Beim Öffnen der Tür zum Offiziersclub fandest du dich Auge in Auge mit der Fremden im Mond - ein blasses Gesicht umgab Augen wie ausgewaschene Jade. Sie blickte nur kurz von ihrer Fegearbeit auf, führte den Besen mit mürrischem Ungeschick; ihre Augen verengten sich und sie strich sich eine schwarze Haarlocke aus dem Gesicht, bevor sie ihre Tätigkeit wieder aufnahm. "Hallo", meintest du und konntest dich wirklich nicht an ihren Namen erinnern, "ich war der Ansicht, daß Hawkeye heute mit dem Fegen dran sei - und Sie bis ins Vorratszelt kehren wollte. Ist nicht Igor für das Sauberhalten des O-Clubs zuständig?" "Jemand muß es ja machen." Sie ließ ihre Schultern spielen, lockerte die Muskeln und hielt den Kopf gesenkt. "Ja, Hawkeye hat mich von den Füßen gefegt - dann stellte er mich wieder hin und gab mir die Hand." "Ein Händedruck?" wiederholtest du, sahst sie im teilnahmslosen Staub herumstochern. "Das hört sich gar nicht nach ihm an." Sie sagte, "Nun ja", und du gingst hinaus, den Blick am Boden, ein verzweifelter Versuch, nicht nachzudenken. Im Sumpf hatte Hawkeye seinen Körper planlos auf das Feldbett drapiert und schien ihn dort vergessen zu haben. Seine blauen Augen registrierten deine Ankunft, aber sie waren verschwommen und irgendwie abwesend. "Bin in", du machtest eine Handbewegung, immer noch fiel dir der Name der Schwester nicht ein, aber du wolltest auf jeden Fall eine Unterhaltung anfangen, "reingelaufen. Sie sagte, du hättest sie am ausgestreckten Arm verhungern lassen." "Hab' mich entsprechend dafür entschuldigt", er legte den Kopf schief, sah dich fast kopfüber an, "wie ein wahrer Gentleman. Ich sagte ihr, daß sie den Wein behalten könne, aber sie lehnte ab." "Huh", machtest du und tauschtest den schweren Parka gegen den Bademantel, "und warum?" Hawkeye schloß die Augen. "War nicht in Stimmung." "Der große Hawkeye Pierce, nicht in der Stimmung für fleischliche Freuden?" Du konntest dich einer gewissen Sorge nicht erwehren und suchtest Trost im Witz. "Bitte entschuldige mich für einen Moment, ich gehe kurz raus und erwarte die Ankunft der Reiter der Apokalypse." Er hob eine Augenbraue. "Wenn du sie siehst, sag' ihnen, daß ich eine Mitreitgelegenheit zurück nach Maine brauchen könnte. Ich hasse diesen Ort." Und bevor du noch sagen konntest, daß es dir genauso ginge, schlug seine Silberzunge wieder zu, "Sie war nicht, was ich wollte. Verdammt. Außerdem dachte ich mir, bei all den ungeplanten außerhäuslichen Aktivitäten heute Abend sollte jemand hier sein. Die Ratten könnten sonst in Versuchung kommen, den Laden zu renovieren, wenn sie denken, daß sie ihn ganz für sich haben." Deine Hand krampfte sich um das Martiniglas. "Hawk -" Aber deine Gedanken galten Hawkeye, wie er zwischen dir und Donovan saß und eurer beider Blicke auf sich zog; sie und du, ihr saht euch nicht einmal. "War nicht so gemeint", er machte eine schlappe Handbewegung, "ehrlich nicht. Gott, tut mir leid, Beej - ich habe diesen Ort wirklich satt. Er bringt mich dazu, meine schlechte Laune an dir auszulassen." "Ist schon in Ordnung", sagtest du, denn obwohl es nicht in Ordnung war, würde es bald so sein. "Was ist denn in dich gefahren?" Komische Redewendung, fast als würde etwas in seinen Adern herumkriechen, aber Hawkeye war halt manchmal so, schwebte zwischen Himmel und Erde und versuchte sich zu entscheiden, ob es das alles wert war. Du fügtest hinzu, "Danke, daß du mich bei Vernunft gehalten hast - daß du mich nicht an Peg hast schreiben lassen." "Wofür bin ich sonst hier?" fragte Hawkeye, regelrecht philosophisch anstatt nur so aus dem Ärmel geschüttelt. "Kann ich dir eine Frage stellen? Als Entschädigung für den Gefallen?" Zögern. "Ja. Sicherlich." Er rollte sich herum, stützte sich auf den Ellbogen und sah zu, wie du dich bettfertig machtest. "Warum?" "Warum was?" Ein Zittern durchlief dich. "Warum ich Peg betrogen habe?" "Nein - das weiß ich ja", sagte er, und du wolltest ihn nach dem Grund fragen, denn du wußtest ihn nicht. Später würdest du denken, daß er falsch lag - er kannte die ganze Geschichte nicht, wie du den weiblichen Körper wiederentdeckt hast, um aufzuhören, von dem Körper zu träumen, den du nie berührt hast. Wie du Carrie Donovan in Peg Hunnicutt geträumt hast und dann aber *seinen* Namen rufen wolltest. "Warum, Kandidat Nummer Eins?" "Wir waren beide an einem üblen Ort." Einfach und ehrlich gesagt. "Wir sind alle an einem üblen Ort." In Hawkeyes Blick lag etwas schmerzhaft Durchsichtiges. "Margaret ist an einem üblen Ort. Schwester Baker ist an einem üblen Ort. Ich bin -" Aber er hielt inne, warf dir einen Köder hin, versteckte sich aber gleichzeitig voller Angst. "Hat sie dich an Peg erinnert?" "Nicht wirklich - ich dachte es, am Anfang ein bißchen, aber mit der Zeit..." Mit einem Kopfschütteln ließt du dich sehr vorsichtig auf dein Feldbett sinken, welches fünf Fuß zu nahe an und zwei Fuß zu weit weg von Hawkeyes stand. "Nein. Sie war nicht wie Peg." "Aber du liebst nur Peg", gab Hawkeye zu bedenken und studierte die Linien in seinen Handflächen. In dir tat es einen Stich, etwas flammte auf - ein unerwarteter nuklearer Sonnenuntergang, die Zündung einer Rakete am Himmel. Deine Stimme war verärgert. "Was willst du von mir, huh? Schon gut - ich bin nicht perfekt. Ich habe Mist gebaut...ich habe gelogen, als ich sagte, daß ich nie...in Versuchung geführt worden wäre. Ich sagte, ich würde mich um meinen Kram kümmern, aber habe mich in die Sache mit Carlye eingemischt. Bist du jetzt glücklich? Bist du nun ganz und gar begeistert?" Hawkeye streckte kurz eine Hand aus, nach etwas - nach dir - und zog sie dann zurück. "Nein, nein", sagte er, "ich bin glücklich, daß Carlye weg ist, und ich bin glücklich, daß Donovan es hier raus geschafft hat, aber ich bin nicht glücklich, daß du dein Eheversprechen gegenüber Peg gebrochen hast. Du liebst sie." "Könntest du aufhören, das ständig zu sagen?" schriest du, verwundert, daß die Wahrheit so anstößig sein konnte. Du liebst sie, ja, das tust du, du hast es getan und wirst es weiterhin tun, aber da schlägt noch etwas anderes in dir, genauso stark, und teilt das verfluchte Organ, das Herz, genau in der Mitte durch.
(Was wenn ich eines Tages nicht genug Platz in mir habe, diese beiden Leute zu lieben? Was wenn mein Herz stehenbleibt, die Muskeln kollabieren, weil es zuviel ist, das in eine einzelne Person gezwängt wird? Die Aorta zuckt ein letztes, verzweifeltes Mal in deiner Brust, ausgeblutet und aufgeplatzt wie ein Wal am Strand. Was wenn die Todesursache der Versuch ist, zwei Personen gleichzeitig zu sein und an zwei Orten gleichzeitig zu existieren?)
"Ich", du stelltest das Glas neben die Destille, so abrupt, daß es klirrte, "ich werde manchmal einfach nicht schlau aus dir, Hawk. Gerade du hast niemals behauptet, perfekt zu sein! Was willst du von mir?" Finger in den Stoff deiner Hose gekrallt, ruhten deine Hände auf deinen Knien. Plötzlich sahst du ihn lächeln, nicht vor Glück, die Emotion war eine, die zu definieren sich niemand je die Mühe gemacht hatte. "Willst du es wissen?" fragte Hawkeye, wie ein Kind, und winkte dich mit einem Finger näher heran. "Willst du es wirklich, wirklich wissen?" (Manchmal erzählt dir Hawkeye die seltsamsten Dinge.) "Ja, das will ich", entschlossen gesagt - du warst immer noch wütend und die fünf Fuß waren im nächsten Moment überbrückt. Sein einer Arm kam nach oben, eine rasche, geschmeidige Bewegung, er griff nach dir und verschloß deinen Mund mit seinem. Ein Klicken, der letzte Baustein war an seinem Platz und ein Kupferkontakt schloß den Schaltkreis wie noch nie zuvor; Hawkeye zog dich nach unten, löste seine Lippen erst, als er merkte, daß du den Kuß erwidertest. Dann bewegte sich sein Mund an der Seite deines Halses hinunter, zu deinem Ohr, flüsterte Dinge, die du versuchtest nicht zu hören. Hände umfaßten, streichelten, Finger malten Muster. "Hawkeye -" Du wandtest den Kopf ab, um einem weiteren Kuß auszuweichen, wolltest die Worte herausbringen. "Ich...oh Gott, ich habe Donovan nicht geliebt. Tut mir leid." Aber du wußtest nicht warum. "Macht nichts." Hawkeye sah kurz auf, aber in seinen Augen lag ein entfernter Schmerz, als er sagte, "Weißt du denn nicht, daß du alles tun kannst, was du willst?" Irgendwer sagte, "Bitte -" Mit einem Klicken erlosch das Licht, ausgeschaltet von einer ungeschickten, hastigen Hand - du lagst auf dem Rücken mit ihm über dir, und doch schien es, daß die Realität sich verschob zwischen ihm, der dich hielt, und dir, der du ihn hieltst. Seine Stimme flüsterte in dein Ohr, weißglühend, heiß genug, um Fleisch zu verbrennen, "Ich liebe dich." Und hattest schon deinen Mund geöffnet, um dasselbe zu sagen, um die schweigende Göttin zu verspotten, die nie die Wahrheit sprechen wollte, aber sein Kuß verschluckte die Worte vollständig.
(Was wenn ich es eines Tages nicht mehr aushalte und es sagen muß, die Wahrheit, sie laut hinausschreien muß, selbst wenn er Angst hat, sie von mir zu hören?)
Als deine Finger jenen süßen und gefährlichen Rand des Abgrunds berührten, schien es dir, daß sich die Welt mit Spiegeln füllte. Der MASH-Arzt und sein Patient vom Verbandsplatz, die zwei Armeefreunde, der einsame Veteran mit seinen Träumen und die zwei College-Jungen; sie alle waren da, zusammen, gefangen und befreit durch das Glas.
(Was wäre wenn...)
Du kamst in seinen Händen, ohne jedes Geräusch, aber das war ohne Bedeutung. Sie alle hörten es; in jenem wahnsinnigen Moment sah jeder einzelne von ihnen dich an.
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