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Freundschaft & Liebe

© by Sam80853 ()
 
Disclaimer: Weder Quantum Leap noch JAG gehören mir.
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Macs Apartment
"The Washington 2812"
Georgetown, Washington D.C.

 

Als der Schleier sich vor Sams Augen lichtete, fand er sich in einem gemütlich eingerichteten Apartment wieder. Er saß auf einer Couch, die Füße unter seinem Körper verschränkt.

"Chloe, möchtest Du Saft oder Cola?", rief eine weibliche Stimme aus einem anderen Raum des Apartments.

Überrascht sah Sam sich um.

Er konnte niemanden entdecken, dem die Frage gegolten haben konnte.

"Chloe?", erscholl die Stimme erneut und eine junge Frau mit dunklem Haar steckte den Kopf zur Tür herein.

Zusammen mit der Frau trottete ein alter Golden Retriever ins Zimmer. Misstrauisch kam der Hund auf Sam zu, schnüffelte an seiner Kleidung und knurrte leise.

"Jingo!", wies die Frau den Hund zurecht.

Jingo hob den Kopf, sah erst sein Frauchen und dann Sam an. Da sein Frauchen scheinbar keine Veränderung erkannte und Sam im Moment keine Gefahr darstellte, lief der Hund zurück in die Küche.

Noch immer sah die Frau Sam fragend an.

"Ähm...", begann Sam zu stottern. "Saft....bitte", presste er mühsam hervor.

Mit der Anwort zufrieden, verschwand die Frau wieder in der Küche.

Sam sah an sich herunter, versuchte zu erkennen, in wen er gesprungen war. Bis auf ein buntes T-Shirt und ein paar Jeans konnte er nicht viel erkennen.

Sein Blick fiel auf den Tisch vor ihm, die Tischplatte war aus Glas und gab sein Spiegelbild wieder.

Frech grinste ihn ein junges Mädchen von 11 oder 12 Jahren entgegen. Sie hatte mittelblondes Haar, das zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war.

"Oh boy", flüsterte Sam.

 

 
Macs Apartment
Georgetown, Washington D.C.

 

Mac stand in der Küche und bereitete das Abendessen für sich und Chloe vor. Sie freute sich, dass ihre kleine Schwester für ein paar Tage in der Stadt war und sie endlich wieder etwas Zeit mit ihr verbringen konnte. Seit ihrem letzten Besuch war viel Zeit vergangen, viel zu viel Zeit.

Mac schüttelte den Gedanken ab, wollte nicht daran denken, wie sehr ihr die Kleine gefehlt hatte und wie schön es war, sie um sich zu haben.

Würde sie selbst irgendwann einmal eine Familie haben? Vielleicht eine Tochter wie Chloe?

"Schluß damit", befahl Mac sich.

Solche Gedanken drückten ihren Stimmung und das wollte sie auf keinen Fall.

Sie nahm das Essen aus dem Ofen.

Chloe hatte sich einen Gemüseauflauf gewünscht, ohne Fleisch natürlich.

'Harm wäre begeistert', schmunzelte Mac und beschloß auch die Gedanken an ihren besten Freund und Partner Commander Harmon Rabb Jr. für diesen Abend zu vergessen. Sie dachte sowieso viel zu oft an ihn.

 

 
Wohnzimmer
Georgetown, Washington D.C.

 

Sam lief unruhig im Wohnzimmer auf und ab.

'Wo steckt Al nur so lange', grübelte er.

"Chloe, das Essen ist fertig", rief die Frau aus der Küche.

Langsam ging Sam in Richtung Küche. Wenn Al nicht gleich auftauchte, steckte er ganz schön in Schwierigkeiten. Ohne sein Hologramm wußte Sam nicht einmal, wer die Frau dort im anderen Zimmer war. War sie seine Mutter oder seine Schwester? Wie sollte er sie ansprechen, wenn er nicht einmal das wußte?

Vorsichtig steckte Sam den Kopf in die Küche. Es roch herrlich.

"Was gibt es?", fragte Sam und zog den Duft geräuschvoll durch die Nase ein.

"Was es gibt?", Mac sah ihn überrascht an.

Zustimmend nickte Sam.

"Gemüseauflauf", antworte Mac, "wie Du es Dir gewünscht hast."

"Oh!", entfuhr es Sam. Beschämt senkte er den Kopf. "Stimmt."

Kaum hatte Sam sich an die Tisch gesetzt, vernahm er das vertraute Geräusch der Imaging Chamber Tür.

Freudig sprang er vom Stuhl auf.

"Al..."

Weiter kam Sam nicht, da Jingo knurrend auf das Hologramm zulief.

Al war wie es seiner Art entsprach in einer wahren Farbexplosion gekleidet - ein buntes Hawaiihemd, gelbe Hosen, dazu rote Schuhe und seinen ebenfalls roten Lieblingshut. Sam fragte sich oft, wie Al nur immer wieder auf diese Kombinationen kam.

Misstrauisch umrundete Jingo Al.

"Verschwinde!", rief dieser und wedelte mit den Händen, worauf der Hund laut zu bellen begann.

"Jingo", rief Mac und wunderte sich, was heute nur in den Hund gefahren war.

Als Jingo das Hologramm angriff, aber nur durch ihn hindurchlief, ging das bellen in ein Winseln über. Mit eingezogenem Schwanz trottete er aus der Küche.

"Ha!", rief Al ihm noch schadenfroh hinterher.

Überrascht sah Mac Sam an, dieser zuckte nur mit den Schultern und wandte sich dann wieder an seinen Freund.

"Al!", zischte er zwischen zusammengebissenen Zähne.

"Chloe, setz Dich", sagte Mac und deutete auf Sams Stuhl.

Gehorsam nahm Sam Platz.

"Das ist Deine große Schwester Sarah MacKenzie", erklärte Al und las die Informationen vom Handlink ab. Als Sam überrascht die Brauen hob, fügte er rasch hinzu.

"Sie ist nicht wirklich Deine Schwester, ihr habt Euch an Weihnachten im JAG-Hauptquartier kennengelernt und seid Freunde geworden."

'JAG?', fragte Sam stumm.

"Judge Advocat General", erläuterte Al. "Sarah ist Anwältin....oh, und außerdem ein Marine." Als Interesse war geweckt. Suchend unrundete er Mac, die ahnungslos auf ihrem Stuhl saß und aß.

Missbilligend schüttelte Sam seinen Kopf. Was hatte das nun schon wieder zu bedeuten?

"Al!", rief er.

"Hm?", Mac hob fragend ihren Kopf.

"Ähm...das schmeckt wirklich sehr gut, Sarah", sagte Sam und warf seinem Hologramm wütende Blicke zu.

"Ich kann's nirgends entdecken", flüsterte Al und setzte zur nächsten Runde an.

"Al!", rief Sam noch einmal und ließ ein Räuspern folgen. Als auch das nicht half, stieß er das Saftglas vor sich um und sprang von seinem Stuhl auf.

"T...tu...tut mir leid, Sarah. Das wollte ich nicht", rief er und wische mit seiner Serviette auf dem Fleck herum.

Mac war aufgestanden und zur Spüle gegangen.

"Das macht doch nichts", sagte sie zu Sam. "Sowas passiert mir ständig", lächelte sie. "Erst neulich hab ich Harm mein Wasser in den Schoß gekippt." Bei der Erinnerungen begann sie zu kichern.

"Harm", fragte Sam und sah zwischen Mac und Al hin und her.

Al war über die Unterbrechung seiner Untersuchung gar nicht begeistert und ließ Sam das auch deutlich wissen, in dem er ohne Eile die nötigen Informationen abfragte.

Nach scheinbar endlosen Sekunden, kam endlich Bewegung ins Handlink und Al teilte ihm die Ergebnisse mit.

"Harm ist Commander Harmon Rabb Jr., er ist ebenfalls Anwalt beim JAG und Macs Partner."

Sarkastisch grinste Sam seinen Freund an.

'Danke!'

 

Nachdem Mac den Schaden soweit wie möglich behoben hatte, setzten sie sich wieder.

"Was wollen wir morgen unternehmen?", fragte Mac und führte ihre Gabel zum Mund..

"Ähm...", Sam wußte nicht wie er darauf reagieren sollte. Al hatte ihm bisher noch nicht gesagt, warum er hier war.

"Wir könnten in den Park gehen. Vielleicht picknicken?", schlug Mac vor.

Unsicher nickte Sam mit dem Kopf.

"Dazu wird es eh nicht kommen", mischte Al sich ein.

Fragend sah Sam ihn an. Er haßte es, wenn Al das tat.

"Sie wird in ein paar Minuten einen Anruf von ihrem Vorgesetzten Admiral AJ Chegwidden bekommen", erklärte Al. "Er wird sie auf einen Fall ansetzen. Angeblich hält sich auf einem Militärstützpunkt hier in der Nähe ein Mann auf, der die weiblichen Offiziere in seinen Bann zieht, die dann später Tod aufgefunden werden. Mac soll das untersuchen."

'Bin ich deshalb hier?', fragte Sam stumm.

Al gab einige Befehle ins Handlink ein.

Als die Antworten nicht schnell genug erschienen, schlug er ein paar Mal gegen das Handlink, was von protestierenden Geräuschen begleitet wurde.

Al nickte.

"Ziggy sagt, dass Du Mac davon abhalten musst, diesen Auftrag anzunehmen. Mit 76% Wahrscheinlichkeit wird sie selbst dem Mann verfallen. Sie wird den Kontakt zu ihren Freunden abbrechen, völlig den Bezug zur Realität verlieren....", erschrocken sah Al Sam an. "In 12 Monaten wird man sie tot aus dem Meer fischen."

"Nein!", flüsterte Sam und schüttelte entschieden den Kopf.

"Nicht in den Park?", Mac sah ihn verwundert an. Normalerweise ging Chloe gern in den Park... ihre Gedanken wurden vom Klingeln des Telefons unterbrochen.

Als Mac den Hörer abnehmen wollte, sah Sam sie flehend an.

"Geh bitte nicht ran", bat er. "Das ist doch unser Abend, bitte Sarah."

"Es könnte aber wichtig sein", wandte Mac ein.

"Bitte!", bettelte Sam doch all seine Bemühungen halfen nichts.

 

"Col. MacKenzie", meldete sich Mac.

<Admiral Chegwidden>

"Admiral."

Sam zuckte zusammen als er hörte, wer dort am anderen Ende der Leitung war.

<Ich muss sie leider aus ihrem wohlverdienten Urlaub holen, Col.>, bedauerte AJ.

"Sir, Chloe ist hier. Wir wollten...."

<Tut mir leid, Col. Es ist wirklich dringend.>

"Verstehe, Sir."

<Melden Sie sich morgen um 8 in meinem Büro!>

"Aye Sir!", sagte Mac und legte dann den Hörer zurück auf die Gabel. Entschuldigend sah sie Sam an.

"Das war der Admiral", erklärte sie, "ich muss leider morgen weg."

"Nein Sarah, bitte", flehte Sam. "Wir wollten doch etwas Zeit zusammen verbringen, wir..."

"Chloe", unterbrach Mac den Redeschwall ihrer kleinen Schwester. Es tat ihr selbst leid, sie nach nur einem Tag schon wieder nach Hause zu schicken.

"Laß Dich nicht wegschicken", sagte Al und deutete auf das Handlink.

"Darf ich trotzdem hierbleiben?", fragte Sam und sah sie aus unschuldigen Augen an. "Ich könnte auf Jingo aufpassen, ich...."

"Chloe, Du bist erst 12, Du kannst nicht alleine in meiner Wohnung bleiben", bedauerte Mac.

"Harm", sagte Al und Sam wiederholte den Namen ihres Partners.

"Harm?", fragte Mac überrascht.

Eifrig nickte Sam.

"Er könnte doch auf mich aufpassen? Ich mache auch ganz sicher keinen Ärger, bitte Sarah.", bettelte Sam.

"Wir müssen ihn erst fragen", wendete Mac ein. Sie wußte, dass Harm Chloe mochte, aber würde er sie auch für ein paar Tage zu sich nehmen? Und wollte sie das überhaupt? Sie erinnerte sich noch genau an die Bemerkungen, die Chloe über sie und Harm gemacht hatte.

Zögernd griff sie zum Telefonhörer. Als sie in das bittende Gesicht des Mädchens sah, wählte sie entschlossen Harms Nummer.

<Rabb.>, erscholl Harms Stimme am anderen Ende der Leitung.

"Ich bin es, Mac."

<Mac!>, erwidert Harm erfreut. <Was gibt es? Alles in Ordnung?>

'Eine typische Harm-Frage', überlegte Mac, sagte dann aber:

"Ja, es geht uns gut, Harm", dabei sah sie Chloe an. "Ich muss Sie um einen Gefallen bitten..."

Sie konnte Harm am anderen Ende der Leitung schmunzeln sehen. Er wußte, dass sie nur sehr ungern, andere um Hilfe bat.

<Was kann ich tun?>

"Es geht um Chloe", begann Mac vorsichtig. "Der Admiral, er hat mir einen Fall übergeben und Chloe, sie..."

<Okay!>, antwortete Harm ohne Mac aussprechen zu lassen.

"Okay?", fragte Mac nach und sah den Hörer ungläubig an. Bisher hatte sie doch noch gar nicht gesagt, worum es ging.

"Okay?", Sam strahlte sie an und streckte Al hinter seinem Rücken den hochgestreckten Daumen entgegen.

"Die erste Runde geht an uns", sagte das Hologramm triumphierend.

<Ich passe auf Chloe auf>, sagte Harm und lächelte. <Darum wollten Sie mich doch bitten, oder?>

Mac nickte.

"Das ist wirklich nett von Ihnen, Harm, aber haben Sie sich das auch gut überlegt? Ich meine...", Mac stockte.

<Mac, trauen Sie mir etwas nicht zu auf eine Zwölfjährige aufzupassen?>, fragte Harm mit sarkastischer Stimme.

Mac konnte sein berühmtes Fliegergrinsen deutlich vor sich sehen und schmunzelte.

"Ich möchte nur, dass Sie das auch lebend überstehen", antwortete sie im gleichen Ton.

<Sie machen sich also Sorgen um mich?>, Harms Lächeln wurde noch breiter.

"Danke, Harm", erwiderte Mac ehrlich dankbar. "Sie haben was gut bei mir."

<Wir treffen und morgen im Büro>, sagte Harm jetzt wieder ernst. <Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Grüßen Sie Chloe von mir!>

"Gute Nacht, Harm."

<Gute Nacht, Mac.>

"Ich darf also bleiben?", wollte Sam wissen, kaum das der Hörer wieder auf der Gabel lag.

Mac nickte.

"Harm wird Dich morgen vom Büro abholen", sagte sie. Dann sah sie Sam ernst an.

"Ich möchte, dass Du mir etwas versprichst, Chloe."

"Alles!" Sam war froh, dieses erste Hindernis überwunden zu haben und hoffte, dass er vielleicht mit Harms Hilfe Mac davon abhalten konnte, überhaupt auf diese Mission zu gehen.

"Hör bitte auf Harm", sagte sie.

"Versprochen."

"Okay, dann laß uns den Abend noch genießen."

 

 
Georgetown, Washington D.C.

 

Sam hatte es sich zusammen mit Mac auf der Couch gemütlich gemacht, beide trugen sie einen Pyjama, eine Schüssel mit Popcorn stand vor ihnen auf dem Tisch und ein Video lag bereit.

"Frauen!", zischte Al verächtlich und verschwand durch die Imaging Chamber Tür.

Sam lächelte nur, schob das Video mit der Aufschrift "While You Were Sleeping" in den Recorder und kuschelte sich an Mac.

 

 
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

 

Kaum hatten Sam und Mac das Büro betreten, kam ein junger Mann auf sie zu.

"Der Admiral möchte Sie sofort in seinem Büro sprechen."

Mac nickte Tiner zu und wandte sich dann an Sam.

"Du wartest so lange in meinem Büro, ja?", sagte sie und deutete auf eine Tür hinter sich.

"Okay", willigte Sam ein und verschwand in Macs Büro.

 

 
Macs Büro
Falls Church, Virginia

 

Aufmerksam sah Sam sich in Macs Büro um, er hoffte etwas zu entdecken, das ihm etwas mehr über sie verriet.

Leider gab es außer einem über und über mit Akten gefüllten Schreibtisch nicht viel zu sehen. Keine Auszeichnungen an der Wänden, keine Bilder.... bis auf einen Schnappschuß von ihr und Chloe. Wie es aussah, hatte Mac keine Familie.

"Etwas interessantes gefunden", erklang Als Stimme

Erschrocken fuhr Sam zusammen.

"Wie oft hab ich Dir schon...", begann Sam, ließ den Satz aber unvollendet, da es sowieso nicht viel nutzen würde.

"Warum", fragte er stattdessen.

"Warum?"

"Warum ist sie diesem Mann verfallen? Wie es aussieht, ist sie eine starke Frau, sie hat Freunde...wie...", verständnislos schüttelte Sam seinen Kopf. Er konnte nicht begreifen, dass die Frau, mit der er den gestrigen Abend verbracht hatte, sich so beeinflussen ließ und ihr Leben einfach wegwarf.

"Sie mag zwar nach außen eine starke Frau sein, aber auch sie hat wie jeder andere von uns Schwachstellen", sagte Al und sah seinen Freund ernst an. Er selbst hätte sich fast zugrunde gerichtet, als Sam damals in sein Leben trat.

"Was ist mit ihr passiert?"

"Ihr Vater hat sie misshandelt, nachdem ihre Mutter sie im Stich gelassen hatte. Sie ließ sie mit einem Alkoholiker allein." Tiefe Verbitterung schwang in seiner Stimme mit.

Al konnte den Schmerz über den Verlust der Mutter nachempfinden. Er selbst musste ohne sie erwachsen werden, sie war fortgelaufen, als ihr die Verantwortung über ein behindertes Kind über den Kopf wuchs. Sie hatte ihn und Trudy im Stich gelassen... Wenn sie geblieben wäre, würde Trudy...

"Al!" Sam konnte deutlich sehen, welche Erinnerungen Macs Schicksal in ihm wachriefen.

"Schon okay", wehrte Al ab und wandte sich wieder an das Handlink.

"Sie ist selbst zur Alkoholikerin geworden, erst der Tod ihren Freundes Eddie hat ihr die Augen geöffnet Mit Hilfe ihres Onkels Matt ist sie trocken geworden, er war es auch, der sie zu den Marines brachte."

"Sie hat soviel durchstehen müssen", flüsterte Sam ergriffen. Trotz all der Dinge, die ihr passiert waren, hatte sie sich ein Leben aufgebaut, hatte sie all die schlimmen Zeiten hinter sich gelassen.

"Man schließt nie ganz damit ab", sagte Al als hätte er Sams Gedanken gelesen. "Die Schuldgefühle, die Zweifel, sie bleiben für immer."

Überrascht sah Sam seinen Freund an. Nie zuvor hatte Al mit ihm darüber gesprochen, dass ihn diese Zeit noch immer bedrückte.

Achselzuckend wandte Al sich ab.

"Jeder hat sein Päckchen zu tragen", sagte er und beendete damit das Thema.

 

 
Büro des Admirals
Falls Chruch, Virginia

 

"Rühren!", sagte Admiral AJ Chegwidden als Mac sein Büro betrat.

Mac folgte der Aufforderung des Admirals und nahm dann auf sein Kopfnicken hin Platz.

"Ich weiß, dass Sie eigentlich Urlaub haben, Mac", begann AJ. "Leider gibt es sehr beunruhigende Nachrichten vom Stützpunkt in Norfolk."

"Norfolk, Sir?", hackte Mac nach.

Die Militärbasis war nicht allzu weit von Washington entfernt, vielleicht musste Chloe gar nicht bei Harm bleiben, überlegte sie.

AJ Chegwidden nickte.

"Auf dem Gelände hält sich ein gewisser Wallace Gray auf", fuhr er fort. "Dieser Mann hat dort eigentlich nichts zu suchen, er ist nicht beim Militär und hat auch sonst keine Funktion, die seine Anwesenheit dort erforderlich macht. Nur scheint es so, dass niemand gegen ihn vorgeht, alle, die diesbezüglich Schritte eingeleitet haben, haben später geleugnet, den Mann überhaupt zu kennen..."

Forschend sah AJ Mac an.

"Was tut der Mann dort?"

"Ich weiß es nicht, Col. Er scheint irgendeine...irgendeine Art Macht über die weiblichen Offiziere auszuüben", der Admiral überlegte einen Augenblick, aber es fiel ihm keine bessere Umschreibung der Tatsache ein, dass niemand auf dem Stützpunkt bereit war, über Wallace Gray zu sprechen.

"Was ist mit den Frauen passiert?"

"Sie sind alle tot", sagte der Admiral und sah Mac direkt an.

"Alle?", fragte Mac.

AJ nickte.

"Es gibt keine Beweise, dass dieser Mann", er schlug eine Akte vor sich auf, "Wallace Gray etwas damit zu tun hat, aber da er der letzte war, der die Frauen lebend gesehen hat und sie von ihm besessen zu sein schienen, liegt der Verdacht nahe, dass er etwas mit ihrem Tod zu tun hat."

Erneut sah der Admiral sie an.

"Ich möchte, dass Sie sich als Ensign Sarah Matthews dort umsehen, versuchen herauszufinden, was dort passiert und mir Bericht erstatten."

Mac nickte, sie war sich des Vertrauens bewusst, das der Admiral in sie setzte. Die Tatsache, dass er sie allein und nicht Harm als ihre Begleitung für diese Aufgabe ausgesucht hatte, erfüllte sie mit Stolz. Natürlich kam der Fall etwas ungünstig, aber vielleicht ließe es sich einrichten, dass die Abends zu Hause bei Chloe sein konnte.

"Wegtreten!", sagte Admiral Chegwidden.

Mac nahm Haltung an und salutierte.

"Aye, Sir!"

Auf dem Weg zur Tür rief AJ sie zurück.

"Passen Sie auf sich auf, Mac!"

Dankbar für die Anteilnahme nickte sie und verließ dann das Büro.

 

 
Macs Büro
Falls Church, Virginia

 

"Ist Harm noch nicht hier?", fragte Mac als sie ihr Büro betrat und Sam dort noch immer alleine saß.

Sam schüttelte den Kopf, niemand hatte sich bisher ihm ihn gekümmert... Oh, nicht ganz fiel ihm ein. Ein etwas kleinerer Mann mit rundem Gesicht hatte kurz vorbeigeschaut und ihn begrüßt. Da der Mann aber nicht erkennen ließ, dass er sich die nächsten Tage um ihn kümmern würde, war Sam davon ausgegangen, dass es sich nicht um Cmd. Harmon Rabb gehandelt hatte. Diese Annahme bestätigte sich als plötzlich die Tür aufging und ein großgewachsener Mann mit kurzem dunklem Haar und einem breiten Lächeln im Gesicht das Büro betrat.

"Da ist ja mein Untermieter", rief Harm und zog Sam in seinen Arme. "Wir werden eine tolle Zeit haben", versprach er, ließ Sam los und strahlte Mac an.

"Guten Morgen, Mac."

"Guten Morgen", grüßte sie zurück und lächelte ebenfalls.

Sie hatte Harms berühmtem Fliegergrinsen noch nie widerstehen können. Sie wußte nicht, wie er es anstellte, aber so schlecht es ihr auch ging, ein Lächeln von ihm ließ sie alles vergessen.

Sam sah zwischen den beiden hin und her, er merkte sofort, dass es da eine Beziehung gab, die weit mehr als nur eine Partnerschaft war.

"Sie sind wie immer zu spät", tadelte Mac kopfschüttelnd.

"Sie kennen mich doch, Mac", erwiderte Harm leicht, wurde dann aber sofort wieder ernst. "Was hat der Admiral für Sie?"

"In Norfolk gehen merkwürdige Dinge vor sich", antwortete Mac. "Ein Wallace Gray scheint die weiblichen Offiziere des Stützpunkts zu beherrschen."

Misstrauisch sah Harm Mac an.

"Wenn Sie wollen, könnte ich den Admiral...", bot er an.

Entschieden schüttelte Mac den Kopf. Sie wollte auf keinen Fall, dass Harm für sie in die Bresche sprang.

"Ich mache das selbst."

 

Harm nickte, er hatte gewußt, dass ihre Antwort so lauten würde. Er kannte Mac zu gut, andere um einen Gefallen zu bitten, kam für sie nicht in Frage. Ihm war etwas unwohl bei dem Gedanken, dass sie ganz allein in Norfolk ermittelte, er beruhigte sich dann aber und redete sich ein, dass der Stützpunkt ganz in der Nähe war und er schnell bei ihr sein konnte, wenn es nötig werden sollte.

"Dann werden wir beide also das Vergnügen haben", sagte er und wandte sich an Sam.

"Ich hab ihre Sachen im Auto", sagte Mac als Sam nicht antwortete.

"Okay, laden wir sie in meinen SUV und dampfen ab", Harm lächelte Sam an. "Wollen wir in den Park?"

Sam schüttelte den Kopf. Warum wollten nur alle mit ihm in den Park? Viel lieber würde er sich einen Moment mit Harm allein unterhalten, ihn bitten, den Auftrag für Mac zu übernehmen auch wenn sie eben dieses Angebot abgelehnt hatte.

Es klopfte an der Tür und der junge Mann von vorhin streckte den Kopf herein.

"Entschuldigen Sie, Col., Cmd", er nickte beiden zu und hielt dann unschlüssig inne. In seinem Gesicht war deutlich zu lesen, dass er nicht wußte, wie er seine Bitte vortragen sollte. Offensichtlich war er in ein privates Gespräch geraten und wollte so schnell wie möglich das Büro wieder verlassen.

"Was gibt's denn, Bud?", eilte Mac ihm zu Hilfe.

"Col...", begann der Lt.

Fragend sahen Harm und Mac ihn an.

"Ähm... Col., es geht um Harriet, sie möchte...sie wollte..."

"Bud", ungeduldig sah Mac ihn an.

"Sie ist am Telefon, Ma'am", sagte er. "Sie können auch später, wenn der Zeitpunkt...."

"Ich geh schon", unterbrach Mac das Gestotter des Lt.'s und eilte mit Bud im Schlepptau aus dem Büro.

Etwas erleichtert atmete Sam aus. Das sich so schnell schon eine Gelegenheit für ein Gespräch unter 4 Augen mit Harm ergeben würde, hatte er schon nicht mehr zu hoffen gewagt.

"Harm?"

Fragend sah Harm ihn an.

"Würdest Du Mac den Fall ausreden? Bitte!"

Überrascht hob Harm die Brauen.

"Ich meine....Mac hat doch Urlaub und ich bin hier....wir wollten eigentlich..."

"Ich weiß", nickte Harm. "Mac hat sich so auf Dich gefreut, sie hat seit Tagen von nichts anderem gesprochen", er sah Sam direkt an.

"Aber?", Sam ahnte, was jetzt kommen würde.

Harm lächelte.

"Aber sie hat ihren Stolz, ich habe ihr angeboten, Sie bei dem Fall zu unterstützen. Wenn Sie das angenommen hätte, wäre ich schon überrascht gewesen, aber ausreden? Nein. Das könnte niemand."

Sam nickte. Er war dabeigewesen, hatten Macs Gesicht gesehen, das für eine kleinen Augenblick enttäuscht gewirkt hatte als würde Harm ihr nicht zutrauen, diese Sache allein meistern zu können. Natürlich hatte Sam auch gesehen, dass das keinesfalls in Harms Absicht gelegen hatte, er hatte einfach nur freundlich sein wollen.

"Was, wenn es gefährlich ist", fragte Sam vorsichtig.

Harm legte beruhigend einen Hand auf seine Schulter.

"Sie ist ein Marine, sie wird mit allem fertig", sagte er völlig überzeugt.

"Aber...", wollte Sam einwenden.

"Kein Aber", unterbrach Harm. "Wenn Mac unsere Hilfe braucht, wird Sie uns darum bitten." Mit diesen Worten war für Harm das Thema erledigt.

Resigniert ließ Sam den Kopf hängen. Bisher sah es nicht gut für ihn aus. Was sollte er nur tun, damit Mac nicht nach Norfolk fuhr?

 

 
Park
Washington D.C.

 

Sam aß gerade einen Hot Dog als Al durch die Imaging Chamber Tür kam. Suchend sah das Hologramm sich um, konnte aber außer Sam und Harm niemanden entdecken.

"Wo ist Mac?", fragte er.

"Weg", antwortete Sam mit vollem Mund.

"Weg?"

Sam nickte.

"Aber....aber...", Al war sprachlos.

"Ich konnte nichts machen", verteidigte sich Sam und sah sich vorsichtig nach Harm um. Dieser beobachtete aufmerksam ein Basketballspiel und hatte nicht bemerkt, dass Sam sich mit jemandem unterhielt, der gar nicht da war.

"Harm?", sagte Sam jetzt und lenkte ihn vom Spiel ab.

"Hm?"

"Ich muss mal zur Toilette", sagte er und ging los als Harm zustimmend mit dem Kopf nickte.

"Was ist passiert?", wollte Al wissen als sie sich von Harm entfernten.

"Sie hat nicht auf mich hören wollen", resigniert sah Sam sein Hologramm an. "Ich bin nur ein Kind, Al."

"Was machen wir jetzt?"

Sam schüttelte seinen Kopf. Er wußte keine Antwort auf diese Frage, er konnte nur hoffen, dass Mac doch stärker war als Ziggy vorausgesagt hatte.

 

 
Norfolk

 

Mac meldete sich bei ihrem Vorgesetzten und nahm ihre Pflichten entgegen. Als Ensign Sarah Matthews hatte sie Zugang zum gesamten Stützpunkt und damit Gelegenheit sich überall gründlich umzusehen. Und genau das hatte sie auch vor. So schnell wie möglich wollte sie dem Geheimnis von Wallace Gray auf die Spur kommen, um den Fall abzuschließen und zurück zu Chloe zu fahren. Chloe, dachte sie. Was sie jetzt wohl macht? Ob Harm sich jetzt schon wünschte, sie nicht aufgenommen zu haben? Sie lächelte als sie das Bild von Harm und Chloe zusammen im Park vor sich sah. Keine Frage, irgendwann würde Harm ein guter Vater sein.

"Ensign!", wurde Mac aus ihren Gedanken gerissen.

Überrascht sah sie hoch und blickte in das Gesicht eines Mannes, der sie mit großen braunen Augen durchdringend ansah. In seinem Blick lag soviel Weisheit und Verständnis, dass es Mac für einen Moment den Atem verschlug. Noch nie hatte sie einen Menschen getroffen, der soviel Charisma und Stärke ausstrahlte.

Mac grüßte nickend zurück. Der Mann trug keine Uniform, sie war also nicht verpflichtet zu salutieren.

Als sie an ihm vorbeigehen wollte, ertönte seine tiefe kräftige Stimme erneut und Mac blieb unvermittelt stehen.

"Sie sind neu hier, nicht?", stellte er fest.

Wieder nickte Mac nur. Ihre Stimme wollte ihr nicht gehorchen und ihr Herz schlug wie wild in ihrer Brust.

'Das muss Wallace Gray sein', überlegte sie.

"Meine Name ist Wallace Gray", sagte der Mann als hätte er ihre Gedanken gelesen.

Freundlich lächelnd streckte er ihr seine Hand entgegen.

"Sarah Matthews", stellte Mac sich mit zitternder Stimme vor und ergriff seine Hand.

Als die Wärme seine Hand sie umfing, zweifelte sie daran, dass der Admiral die richtige Wahl getroffen hatte, ihr diesen Auftrag zu übergeben. Ohne es zu wollen, fühlte sie sich sicher und geborgen als sie in sein Gesicht sah, noch immer seine Hand haltend.

"Ich würde Sie gern auf einen Drink einladen", sagte Wallace und lächelte sie an.

"Ich trinke nicht", sagte Mac leise und senkte ihren Blick. Auf einmal war es ihr peinlich eingestehen zu müssen, dass sie keinen Alkohol trinken durfte.

"Ein Wasser?", fragte er höflich.

"Ich bin im Dienst."

"Wie wäre es danach?", noch immer lächelte er sie. Seine Augen drückten Verständnis und Sicherheit aus als kenne er all ihre dunklen Geheimnisse.

Mac schüttelten ihren Kopf, versuchte sich aus dem Bann seiner Augen zu lösen. Leise fluchte sie sich eine Idiotin, ihn anzustarren als hätte sie nie zuvor einen Mann gesehen. Zugegeben sein Lächeln hatte etwas gewinnendes an sich, aber dass hatten andere auch und sie war schließlich nicht zum Vergnügen hier. Wallace Gray war ein Verdächtiger und so sollte sie ihn auch behandeln.

"Gern", antworte Mac jetzt mit fester Stimme.

"Wie wäre es um acht in Mike's Bar?"

Fragend sah Mac ihn an, von dieser Bar hatte sie noch nie gehört.

"Es ist ein paar Meilen die Straße runter", erklärte Wallace.

"In Ordnung", sagte Mac und wandte sich von ihm ab. Als sie sich bereits ein paar Schritte von ihm entfernt hatte, rief er ihren Namen.

"Sarah?"

Ein wohliger Schauer lief über ihren Rücken als er sie mit ihrem Vornamen ansprach.

Langsam drehte sie sich zu ihm.

"Ich freue mich, Dich kennengelernt zu haben", lächelte er und ging.

Kopfschüttelnd ging Mac in die entgegengesetzte Richtung davon.

 

 
Harms Apartment
North Of Union Station, Washington D.C.

 

Als das Telefon klingelte, fuhren Harm und Sam gleichzeitig hoch. Fragend sahen sie sich an und lächelten dann.

Es konnte nur Mac sein, schienen ihre Blicke zu sagen.

"Rabb", sagte Harm als er den Hörer abnahm.

<Ich bin es, Mac.>

"Wie läuft's", wollte Harm wissen und sah Sam an, der wild mit den Händen gestikulierte.

"Einen Moment", sagte Harm und reichte den Hörer an Sam weiter.

"Sarah?"

<Chloe, mein Schatz, wie geht es Dir?>, fragte Mac und lächelte.

"Gut gut", antwortete Sam ungeduldig. "Wann kommst Du nach Hause? Heute noch?"

<Tut mir leid, Chloe. Das wird leider nicht gehen>, bedauerte Mac.

"Geht es Dir gut? Hast Du ihn getroffen. Hast...."

<Chloe!>, unterbrach Mac den Redeschwall ihrer kleinen Schwester. <Es geht mir gut und JA ich hab ihn getroffen. Und um ehrlich zu sein, bin ich für heute abend mit ihm verabredet.>

"Was?", rief Sam. "Nein, dass darfst Du nicht."

Harm sah überrascht auf als er Chloes aufgebrachte Stimme hörte. Mac musste irgendetwas gesagt haben, dass die Kleine ziemlich aufregte.

<Chloe, mir wird nichts passieren>, beteuerte Mac doch Chloe ließ sich nicht beruhigen. Ununterbrochen redete sie auf sie ein, erst als Harm wieder in der Leitung war, atmete sie auf.

<Was ist mit ihr los?>, wollte Mac von Harm wissen.

"Woher soll ich das wissen? Sie haben sie so aufgeregt. Was haben Sie ihr erzählt?"

Als er diese Frage stellte, sah er Sam aufmerksam an, der dicht neben ihm stand.

"Laß Sie nicht gehen, Harm", flüsterte Sam. "Sie darf ihn nicht allein treffen."

"Sie treffen sich mit Wallace?"

Mac nickte.

<Ja!>

"Allein?", fragte Harm nach.

<Ja allein, Harm>, langsam wurde Mac dieses Verhör zu viel. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie allein ermittelte. Sie war eine gute Anwältin und ein Marine, sie war dieser Situation gewachsen.

"Was haben Sie für einen Eindruck von ihm", erkundigte sich Harm.

Am anderen Ende der Leitung blieb es still. Was sollte sie sagen?

"Mac? Mac, sind Sie noch dran?"

<Ja.>

Stille.

Verwundert betrachtete Harm den Telefonhörer.

<Er ist ein Mann mit sehr viel Ausstrahlung>, sagte Mac endlich. Sie wußte nicht, wie sie es erklären sollte. Sie war fasziniert von Wallace Gray und konnte es nicht erwarten, ihn heute Abend zu treffen und mehr über ihn zu erfahren.

"Mac?"

<Ich muss jetzt auflegen. Grüßen Sie Chloe! Wiedersehen!>, sagte sie schnell und legte auf.

Harm am anderen Ende der Leitung hielt den Hörer fest umklammert. Irgendetwas stimmte nicht, dass spürte er genau. Normalerweise würde Mac ihm alles erzählen, was sie bisher herausgefunden hatte, würde ihn um seine Meinung fragen, würde...

"Harm?", Sam sah in sein verstörtes Gesicht.

"Es wird schon alles gut gehen", sagte Harm, wandte sich von Sam ab und ging aus dem Zimmer.

"Was ist los?", erklang plötzlich Als Stimme hinter ihm.

Sam war nicht überrascht, schüttelte nur ungläubig seinen Kopf. In Harms Gesicht hatte Verstörtheit und Sorge gestanden, irgendetwas lief gar nicht so, wie es sollte oder besser, es lief, wie Ziggy es voraus gesagt hatte.

 

 
Mike's Bar

 

Punkt acht betrat Mac die Bar und mußte zu ihrer Überraschung feststellen, dass Wallace schon auf sie wartete. Lächelnd kam er auf sie zu und nahm ihre Hand.

"Guten Abend, Sarah", sagte er leise und sah sie direkt an.

"Guten Abend", erwiderte Mac ebenso leise und stellte fest, dass sie leicht errötete.

'Was ist nur los mit mir?', fragte sie sich als Wallace sie zu einem Tisch zum hinteren Ende der Bar führte. Hier war die Musik nicht so laut und sie konnten sich ungestört unterhalten. Und das taten sie auch.

Mac war nicht überrascht, festzustellen, dass Wallace ein sehr gewandter Redner war. Er erzählte lockere Anekdoten aus seinem Leben und sparte nicht mit Einzelheiten über seinen persönlichen Werdegang. Mit jeder Minute wurde er ihr symphatischer, hatte sie weniger das Gefühl mit einem Verdächtigen denn mit einem Freund zu plaudern. Wie selbstverständlich erzählte sie ihm ihre Geschichte, keine Minute zögerte sie, die ganze Wahrheit über ihr früheres Leben preiszugeben. Sie war selbst überrascht wie leicht es ihr fiel und wie gut es ihr tat, über all diese Dinge zu sprechen.

"Du bist eine erstaunliche Frau, Sarah", sagte Wallace als sie geendet hatte. Stolz schwang in seiner Stimme und Mac fühlte sich glücklich. Nie zuvor hatte jemand so auf ihre Vergangenheit reagiert. Sie hatte auch nie zuvor so offen darüber gesprochen, auch mit Harm nicht. Natürlich wußte er von ihrem Vater, vom Alkohol und von Chris, aber bei ihm hatte sie immer das Gefühl gehabt, es verstecken zu müssen, zu verheimlichen, dass sie je diese Frau gewesen war. Ihre Schwächen vor ihm einzugestehen, waren schwierig für sie. Aber hier, mit Wallace war es anders. Er vermittelte ihr das Gefühl, unvoreingenommen zuzuhören und sein Verständnis war ihr sicher. Er würde nicht über sie urteilen wie Harm es vielleicht tun würde.

'Unsinn!', schalt sie sich. 'Harm würde nie leichtfertig ein Urteil über sie fällen.'

Wallace, der bemerkte, dass er ihre volle Aufmerksamkeit verloren hatte, griff nach ihrer Hand, drückte sie leicht.

"Sarah?"

Aus ihren Gedanken gerissen, sah sie zu ihm auf. Seine Augen lächelten sie offen an.

"Entschuldige", sagte sie leise und wußte eigentlich gar nicht warum und wofür sie um Entschuldigung bat.

"Da ist doch noch etwas", sagte er und streichelte über ihre Hand.

Mac sah ihn an, wollte eigentlich nicht über Harm und ihre Beziehung zu ihm sprechen doch ein Blick in Wallaces Augen ließen sie alles vergessen.

"Ich habe gerade an Harm gedacht", sagte sie leise. Das Bild eines großgewachsenen Mannes mit kurzen dunklen Haaren und blauen Augen, die sie anlächelten, entstand vor ihrem geistigen Augen. Unwillkürlich mußte sie lächeln.

"Erzähl mir von ihm", forderte Wallace sie auf. Das Lächeln auf ihrem Gesicht war ihm nicht verborgen geblieben.

"Wir arbeiten zusammen", sagte sie. "Wir sind Freunde, ich vertraue ihm."

"So wie Du mir vertraust?", hackte er nach.

"Nein", Mac schüttelte ihren Kopf. "Ich habe nie mit ihm über all diese Dinge gesprochen."

"Warum nicht? Ich denke, er ist Dein Freund."

"Das ist er", sagte sie entschieden. "Der beste, den man sich vorstellen kann, er ist immer da, er...", sie brach unschlüssig ab.

'War er wirklich immer für sie da? Wie war das in der Nacht als Chris starb? Sie hätte ihn so dringend gebraucht, aber... Nein', rief sie sich zur Ordnung. 'Er wußte nicht was passiert war und dann bei der Verhandlung hatte er hinter ihr gestanden, hatte nicht zugelassen, dass man sie wegen Mordes verurteilte. Ohne Fragen zu stellen, war er an ihrer Seite gewesen. Ohne Fragen zu stellen', überlegte sie jetzt. 'Nein, er hatte sie nicht gefragt, ob sie Chris getötet hatte, er hatte es nicht wissen wollen. Warum?' Ein einzelne Träne lief über ihr Gesicht, schnell wischte sie sie fort.

"Sarah", sagte Wallace leise und legte seine Hand an ihr Gesicht. Soviel Trost und Verständnis sprach aus diesem einen Wort, dass Mac ihre Gedanken an Harm abschüttelte.

"Ich möchte gehen", bat sie und legte ihre Hand über seine. Sie war erschöpft und wollte etwas Ruhe, wollte allein über alles nachdenken.

"Okay", stimmte Wallace zu und verließ zusammen mit Mac die Bar.

Als er sie vor ihrem Quartier absetzte, sah er ihr hinterher und grinste.

 

 
Harms Apartment
North Of Union Station, Washington D.C.

 

Harm hatte Chloe zu Bett gebracht. Sie hatte sich geweigert, schlafen zu gehen bis Mac sich gemeldet hatte, aber Harm hatte darauf bestanden. Jetzt lief er unruhig in seinem Apartment auf und ab.

Es war schon weit nach Mitternacht und noch immer hatte Mac nicht angerufen. Er rief sich noch einmal ihr Telefongespräch von vor ein paar Stunden ins Gedächtnis. Irgendetwas stimmte nicht. Mac war so anders gewesen, so abwesend.

Harm versuchte zu ergründen, warum er so empfand. War es etwas das sie gesagt hatte oder war es die Art wie sie ihm von Wallace Gray erzählte hatte? Er wußte es nicht. Er wußte nur, dass tief unten in seinem Bauch ein Gefühl war, dass ihm sagte, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

'Eifersucht?', fragte er sich spöttisch und schüttelte dann den Kopf. Wie kam er nur auf eine solche Idee. Wie konnte er auf einen Mann eifersüchtig sein, den Mac überhaupt nicht kannte, der außerdem ein Verdächtiger in mehreren Mordfällen war. Niemals würde Mac sich in so einen Mann verlieben.

'Verlieben? Hier ging es nicht um Liebe', sagte er sich. 'Der Mann zog die Frauen in seinen Bann und tötete sie.'

Harm bekam plötzlich kaum noch Luft. Allein die Vorstellung, dass Mac etwas passieren konnte, ließ ihn fast seinen Verstand verlieren.

'Warum ruft sie nicht an?', wütend starrte er auf das Telefon. Wußte sie nicht, dass er sich Sorgen machte?

Allein mit seiner puren Willenskraft versuchte er, dass Telefon zum Läuten zu bringen.

Nichts geschah.

Wütend auf Mac und wütend auf sich selbst, legte Harm sich auf die Couch und kniff die Augen zu. Er brauchte kein Hellseher sein, um zu wissen, dass er wenn überhaupt sehr schlecht schlafen würde.

 

 
Norfolk

 

Als die Tür sich hinter Mac schloß, lehnte sie sich erschöpft gegen die Wand. Das Gespräch mit Wallace hatte sie viel Kraft gekostet, Kraft, die sie sonst zu ihrem Schutz einsetzte. Noch nie hatte sie jemanden gestattet so tief in ihre Seele vorzudringen.

'Warum er?', frage sie sich. 'Was hat er an sich, dass ich ihm alles erzähle, ihm, dem Fremden und nicht Harm, dem Freund?...Harm', sie sah das Telefon neben dem Bett an. Langsam nahm sie den Hörer in die Hand.

'Was soll ich ihm sagen?'

Unschlüssig legte sie ohne zu wählen wieder auf. Ihre innere Uhr sagte ihr, dass es schon sehr spät war und Harm sicher schon schlafen würde.

Mac redete sich ein, Harm nicht wecken zu wollen, er sollte ungestört schlafen. Morgen würde sie ihn anrufen, sagte sie sich und ging zu Bett.

 

 
Harms Apartment
North Of Union Station, Washington D.C.

 

Sam wurde von lauten Rufen, die aus dem Wohnzimmer kamen geweckt. Verschlafen setzte er sich auf, schlich leise ins Nebenzimmer.

Harm lag zusammengerollt auf der Couch, die viel zu kurz für ihn war.

Ein Lächeln wollte sich auf Sams Lippen schleichen, als er wieder Harms verzweifelte Rufe hörte.

"Sarah. Sarah. Bitte Sarah, komm zurück!"

Ein Schweißfilm lag auf Harms Stirn und er wälzte sich unruhig auf der Couch herum.

Vorsichtig ging Sam auf ihn zu, legte seine Hand auf seine Schulter.

"Harm", rief er leise.

"Sarah", stöhnte Harm erneut und ein gequälter Ausdruck lag auf seinem Gesicht.

"Wach auf, Harm", Sam begann ihn leicht zu schütteln. Als auch das nicht half, griff er mit beiden Händen zu und rüttelte kräftig.

Mit einem Satz setzte Harm sich auf. Suchend sah er sich im Raum um, bis sein Blick sich klärte er und er in Sams besorgtes Gesicht sah.

"Chloe", sagte er leise. Seine Stimme war belegt, seine Stimmbänder fühlten sich an als hätte er stundenlang geschrien.

'Ein Traum', sagte er sich. 'Nur ein Traum.'

Er konnte sich schon nicht mehr genau erinnern, was ihn so geängstigt hatte.

"Du hast schlecht geträumt", sagte Sam und sah ihn aufmerksam an.

Harm nickte nur.

"Du hast nach Sarah gerufen."

Erstaunt und etwas verlegen sah er Sam an.

"Wirklich?"

"Ja. Ich hab Dich nie vorher ihren Vornamen sagen hören", Sams und Harms Blicke trafen sich.

"Ich...ich...", hilflos blickte Harm sich um, wußte nicht wie er den fragenden Augen ausweichen sollte.

"Du liebst sie, stimmt's?", fragte Sam.

"Was?", Harm sprang von der Couch hoch.

'Wie kam die Kleine nur auf sowas? Weil er im Traum nach Mac gerufen hatte? Das war doch einfach lächerlich!'

Er schüttelte entschieden seinen Kopf.

"Ich hab geträumt", sagte er. "Ich hatte einen Alptraum, ich..."

"Harm", unterbrach Sam ihn und stellte sich ihm in den Weg.

Natürlich hatte Harm schlecht geträumt, aber die Art wie er nach Sarah gerufen hatte, die Panik in seiner Stimme hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er mehr für sie empfand als er sich selbst eingestand.

"Du solltest wieder schlafen gehen", sagte Harm und wich Sams Blicken aus. Er wollte sich jetzt nicht mit den Fragen eines kleinen Mädchens auseinandersetzen und schon gar nicht, wenn sie Macs kleine Schwester war.

'Mac', er erinnerte sich an Bruchstücke aus seinem Traum.

Mac hatte vor ihm gestanden mit blanker Wut in ihren Augen. Sie hatte ihn nie zuvor so angesehen. Sie hatte ihn angesehen als würde sie ihn hassen. Dann hatte sie sich umgedreht und war gegangen. Sie hatte kein Wort gesagt, hatte ihn nur angesehen und war dann gegangen.

"Sie ist einfach gegangen", flüsterte er und in seinen Augen schimmerten Tränen.

"Was?", Sam sah in fragend an.

Um seine feuchten Augen vor den neugierigen Blicken des Mädchens zu schützen, rieb er kräftig mit den Händen in seinem Gesicht als würde er den Schlaf vertreiben wollen.

"Nichts", antwortete er. "Geh jetzt besser wieder ins Bett."

"Harm..."

"Bitte, Chloe", sagte er und Sam kam widerwillig seiner Aufforderung nach.

Als er das Schlafzimmer betrat, erwartete ihn sein Hologramm.

"Warum bist Du noch auf?". fragte das Hologramm.

"Bist Du doch auch", erwiderte Sam und setzte sich auch die Bettkante.

"Da, wo ich bin, ist auch nicht 4 Uhr morgens", sagte Al sarkastisch. "Was ist passiert?"

"Das würde ich gern von Dir wissen."

Al tippte einige Befehle ins Handlink ein und wartete ungeduldig auf Ziggys Antworten.

"Nichts, Sam", sagte er als endlich die gewünschten Informationen erschienen. "Es hat sich nichts verändert, Mac wird immer noch sterben."

Erschöpft schlug Sam sie Hände vor's Gesicht, schloß die Augen.

"Was ist mit Harm", seine Stimme klang gedämpft.

"Harm?", Al war überrascht. Was hatte der Commander mit der Sache zu tun? Ohne nähere Ausführungen zu verlangen, befragte Al das Handlink.

"Oho, Sam", sagte Al nach ein paar Sekunden. "Es sieht nicht gut für ihn aus. Nach Macs Tod hat er sich gehen lassen, der Admiral hielt noch zu ihm, aber als er sich nicht wieder fing...", Al stockte. "Er hat seinen Job verloren, seine Wohnung..."

"Das Licht ist aus seinem Leben verschwunden", flüsterte Sam.

Fragend hob Al seinen Brauen.

"Mac", sagte Sam als er seinen Freund ansah. "Er liebt sie."

"Du meinst...?", Al deutete zur Tür hinter der Harm noch immer auf und ab lief.

Sam nickte.

"Er gesteht es sich nicht ein, aber ich konnte es in seinem Gesicht sehen, als er aus dem Alptraum erwacht ist."

Ungläubig schüttelte Al seinen Kopf. Da er selbst beim Militär war, wußte er, was es bedeutete, wenn ein Mann und eine Frau unter dem selben Kommando dienten und sich verliebten. Er wußte aber auch, was es bedeutete, die Liebe seines Lebens zu verlieren. Seine erste Frau Beth hatte die Hoffnung auf seine Rückkehr aus Vietnam aufgegeben und sich scheiden lassen als er in Gefangenenschaft war... Seither hatte keine seiner 4 Ehen mehr funktioniert. Sie große wahre Liebe begegnete einem nur einmal und das auch nur, wenn man Glück hatte.

"Was wirst Du tun?"

"Ich weiß es nicht, Al", verzweifelt sah er seinen Freund an. "Was kann ich denn tun?"

Grübelnd wanderte Al im Zimmer umher.

"Ganz einfach", sagte er schließlich. "Du und Harm, ihr fahrt zu ihr."

"Was?"

"Ihr besucht sie einfach."

"Besuchen?"

"Genau", Al nickte. So schwer konnte das doch wirklich nicht sein.

 

 
Norfolk

 

Mac erwachte am nächsten mit Kopfschmerzen. Sie fühlte sich noch immer erschöpft, ihr Schlaf war von Träumen begleitet gewesen, von Streitereien zwischen ihr und Harm.

'Was hat das zu bedeuten', fragte sie sich und sah zum Telefon.

Unsicher wie sie sich ihrem besten Freund gegenüber verhalten sollte, griff sie zum Telefonhörer und wählte Harms Nummer.

Es hatte kaum einmal geläutet als Harm sich meldete.

<Mac?>

"Guten Morgen, Harm. Wie....", begann sie, wurde aber von Harms wütender Stimme unterbrochen.

<Warum haben Sie gestern nicht mehr angerufen>, rief er und Mac zuckte zusammen. Nur selten hatte sie Harm in diesem Ton mit ihr sprechen hören.

Ihre Stimme zitterte leicht.

"Harm..."

<Warum nicht, Mac?>, rief er erneut. <Wir haben uns Sorgen gemacht, wir...>

"Harm", unterbrach diesmal Mac. "Ich habe nicht gesagt, dass ich noch einmal anrufen werde", verteidigte sie sich ebenfalls wütend. Irgendwie lief das Gespräch nicht, wie sie es sich gedacht hatte. Warum nur mußte sie ihr Handeln vor ihm immer rechtfertigen?

"Ist Chloe schon auf?", wechselte sie das Thema.

<Mac...>

"Ich bin nicht bereit mir ihre Vorwürfe anzuhören, Harm. Kann ich Chloe sprechen?"

Wütend reicht Harm den Hörer an Sam weiter, der neben ihm stand.

<Sarah?>

"Hallo, mein Schatz", sagte Mac und lächelte.

<Geht es Dir gut? Wir haben uns wirklich Sorgen um Dich gemacht. Harm, er...>

"Es geht mir gut, Chloe", unterbrach Mac ungeduldig. Ihre Kopfschmerzen verschlimmerten sich. Sie hatte nicht damit gerechnet, schon am frühen Morgen mit Vorwürfen kämpfen zu müssen.

"Tut mir leid, ich wollte nicht...", fuhr sie fort als Chloe am anderen Ende der Leitung nicht mehr antwortete. "Chloe?"

<Ich bin noch dran>, sagte Sam und sah sich nach Harm um. Der lief wütend in der Küche hin und her und räumte Geschirr aus den Schränken. <Du hättest wirklich anrufen sollen. Harm hat kein Augen zugetan und mir ging er auch nicht viel besser.>

'Schon wieder Vorwürfe und Anschuldigungen', dachte Mac.

Seit wann war sie so empfindlich? Doch diese Frage stellte sie sich nicht.

"Hör zu Chloe, ich muss los. Ich wünsch Dir einen schönen Tag."

<Sarah?>, es klickte in der Leitung und das Freizeichen erklang.

<Sarah?>, rief Sam noch einmal und sah den Hörer ungläubig an.

Konnte der Mann schon nach kurzer Zeit, soviel Einfluß über Mac gewonnen haben oder spielten bei ihrer Reaktion auf die Sorgen von Harm und Chloe noch andere Dinge eine Rolle?

"Sie hat aufgelegt", sagte Sam und sah Harm an.

"Aufgelegt", flüsterte Harm. Er konnte nicht glauben, dass Mac sich so gleichgültig gegenüber ihm und Chloe verhielt. Sie hatten sich Sorgen um sie gemacht und was tat Mac? Sie legte einfach auf.

"Wir sollten zu ihr fahren", schlug Sam vor.

Überrascht sah Harm ihn an.

Sam nickte.

"Irgendetwas stimmt mir ihr nicht", sagte er. "Ich weiß es. Wir müssen ihr helfen."

"Sie will unsere Hilfe nicht", Harm war noch immer wütend und ließ diese Wut nun an Sam aus. "Sie will weder meine noch Deinen Unterstützung. 'Ich bin ein Marine, Harm. Ich kann das allein'", sagte er sarkastisch. Als die Worte aus seinem Mund kamen, bereute er sie bereits. Er sah in Chloes verständnisloses Gesicht und fühlte sich schuldig.

"Tut mir leid, Chloe. Das wollte ich nicht", entschuldige er sich und ging auf Sam zu. "Ich war nur wütend, deshalb...", hilflos zuckte er mit den Schultern.

"Ich verstehe schon", sagte Sam. Er hatte deutlich gesehen, wie sehr es Harm verletzt hatte, dass Mac so gedankenlos gewesen war. "Wir sollten zu ihr fahren", wiederholte er.

Harm nickte. Vielleicht war es wirklich besser, wenn er sich diesen Wallace Gray mal aus der Nähe ansah.

 

 
Norfolk

 

Als Mac Wallace Gray begegnete, war sie noch immer mit ihren Gedanken bei ihrem Gespräch mit Harm und Chloe.

Hatte sie überreagiert? Die beiden hatten sich Sorgen um sie gemacht, sollte sie nicht dankbar dafür sein, dass es Menschen in ihrem Leben gab, denen sie wichtig war? Aber wie wichtig war sie ihnen wirklich? Chloe würde schon bald erwachsen sein, ihre eigenen Wege gehen und Harm? Was er für sie empfand, wußte sie nicht. Er war immer so selbstgerecht, so... Wütend schlug sie mit der Faust in ihre Handfläche. Was bildete er sich ein? Sie war ihm keine Rechenschaft über ihr Leben schuldig!

"Sarah?"

"Wallace", Mac schüttelte ihre Gedanken an Harm ab und sah in das lächelnde Gesicht ihres Gegenübers. Bei ihm hatte sie das Gefühl, nicht für alles eine Erklärung abgeben zu müssen. Bei ihm konnte sie so sein, wie sie wirklich war.

"Du siehst müde aus", stellte er fest.

"Ich habe nicht gut geschlafen", erklärte Mac.

"Schlechte Träume?"

Mac nickte.

"Willst Du mir davon erzählen?"

"Es war nur ein Traum", wiegelte Mac ab. Als Wallace sie aber weiterhin freundlich auffordernd ansah, fuhr sie fort. "Es ging um Harm, wir haben uns furchtbar gestritten und am Telefon heute morgen, da...ich weiß auch nicht... Ich fühlte mich angegriffen, in die Ecke gedrängt...", hilflos brach sie ab.

"Hat er Dich verletzt?"

"Nein", antwortete Mac und lächelte. "Nein, Harm würde mir nie wehtun."

"Warum habt ihr euch gestritten?"

"Ich hatte gestern abend nicht mehr angerufen, sie haben sich Sorgen gemacht."

"Sie?"

"Harm und Chloe."

"Chloe? Du hast eine Tochter?" Überrascht sah er sie an. Er dachte, dass er schon gestern abend alles wichtige von ihr erfahren hatte.

"Nein", bedauerte Mac. "Sie ist eine Art kleine Schwester."

Wallace nickte.

"Sie haben Dir Vorwürfe gemacht, Dich fühlen lassen, dass Du ohne sie nicht zurecht kommst."

Mac schüttelte zweifelnd den Kopf.

'Nein. So war es nicht. Sie bedeutete ihnen etwas, deshalb...'

"Vielleicht hast Du Recht", meinte sie dann und sah ihn an.

"Sie erkennen Dein Potential nicht, Deine Stärke." Aufmunternd legte er seinen Arm um sie und zog sie an sich.

Mac nickte.

"Er gibt mir das Gefühl ganz klein zu sein. Als wäre ich unfähig etwas allein richtig zu machen."

"Du brauchst ihn nicht, Sarah", bestätigte Wallace lächelnd. "Du kannst alles erreichen, was Du willst."

"Ja", flüsterte Mac und rückte näher an ihn.

'Ja, ich kann erreichen, was ich will. Ohne Harm. Ohne irgend jemanden...'

 

 
Norfolk

 

Sam saß allein im Auto als Al durch die Imaging Chamber Tür kam.

"Hallo, Sam", grüßte das Hologramm.

Sam nickte nur und sah aufmerksam aus dem Fenster. Al tat es ihm gleich.

"Wo ist sie?", fragte Sam.

Suchend sah Al sich um, dann wurde ihm klar, was Sam gemeint hatte und er wendete sich ans Handlink.

"Ziggy weiß es nicht", er schüttelte bedauernd den Kopf.

"Sieh nach ihr, Al", forderte Sam ihn auf. Er machte sich unendliche Sorgen, dass sie vielleicht schon zu spät kamen. Dass die Macht oder was auch immer dieser Mann über Mac ausübte schon zu stark war.

"In Ordnung", Al nickte. "Ziggy, zentrier mich auf Mac!" Mit diesen Worten verschwand er, gerade rechtzeitig, denn Harm öffnete im gleichen Augenblick die Fahrertür.

"Und?", Sam sah ihn ungeduldig an.

"Sie ist nicht zum Dienst erschienen", resigniert lehnte Harm den Kopf aufs Lenkrad. Er begriff einfach nicht, was vor sich ging. Wo war die pflichtbewußte Mac geblieben, die er kannte, die er...liebte.

"Wir müssen sie suchen", sagte Sam und sprang aus dem Auto.

"Sam, sie ist mit ihm zusammen", erklang Als Stimme. "Mit diesem Wallace", er spuckte die Worte förmlich aus.

"Wo?"

"Mike's Bar."

"Harm", rief Sam und stieg wieder ins Auto. "Wir müssen zu 'Mike's Bar'".

"Was? Wie kommst Du...", fragend sah er Sam an.

"Wir haben keine Zeit für Fragen, fahr schon", forderte Sam ungeduldig und schnallte sich an.

Unschlüssig, was er tun sollte, startete Harm den Motor.

"Es ist die Straße runter", dirigierte Al und Sam gab die Wegbeschreibung an Harm weiter.

 

 
Mike's Bar

 

Vor der Bar angekommen, stieg Harm aus dem Auto. Als Sam ihm folgen wollte, hielt er ihn zurück.

"Chloe, Du wartest im Wagen."

"Was?", verneinend schüttelte Sam seinen Kopf und wollte sich an ihm vorbei schieben.

"Chloe", Harm griff nach Sams Schultern.

Harm wußte nicht, was Mac dort drinnen tat, vielleicht war sie betrunken, vielleicht....er wollte gar nicht daran denken, was alles passiert sein konnte. Auf keinen Fall wollte er, dass Chloe Mac so sah.

"Komm schon, Sam", mischte sich jetzt auch Al ein. "Laß ihn allein gehen."

"Okay", willigte Sam leise ein und stieg wieder ins Auto.

 

Als Harm die Bar betrat, war er angenehm überrascht. Es war sauber und es gab auch keine Betrunkenen, die schon am frühen Nachmittag durch das Lokal torkelten.

Am hinteren Ende entdeckte er Mac. Zusammen mit einem Mann saß sie an einem der Tische, vor ihr ein Glas mit einer durchsichtigen Flüssigkeit.

"Wasser", flüsterte Harm und atmete erleichtert auf.

Langsam ging er auf die beiden zu, die in ein Gespräch vertieft zu sein schienen. Vertraut hielt der Mann Macs Hand, tätschelte sie leicht.

Harm spürte Eifersucht und Wut in sich hochsteigen. Nur mühsam brachte er ein Wort heraus.

"Mac?"

Ruckartig hob Mac den Kopf und sah Harm vor sich stehen. Seine Augen waren zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen, seine Hände zu Fäusten geballt. Sie konnte sehen, dass er um Fassung rang.

"Harm", sie stand nicht auf, sah nur unsicher zwischen Wallace und Harm hin und her.

Wallace Gray stand langsam auf und lächelte höflich.

"Mein Name ist...", begann er und streckte Harm seine Hand entgegen.

"Ich weiß, wer sie sind und was sie vorhaben", unterbrach Harm wütend.

"Harm", Mac fühlte ebenfalls Wut in sich aufsteigen.

"Was ist los mit Ihnen?", er sah Mac vorwurfsvoll an, ignorierte Wallace, dessen Lächeln mit jeder Sekunde breiter wurde.

"Warum sind sie nicht im Dienst? Wie können Sie sich...", er blickte Wallace an, sah das Grinsen in seinem Gesicht.

"Wie können Sie es wagen?", schoß Mac zurück. Ihr Ton war fast genauso laut wie Harms. Wütend standen sie sich gegenüber.

"Ich werde euch einen Moment allein lassen", sagte Wallace und wollte sich vom Tisch entfernen.

"Wallace?", sagte Mac und sah ihn um Unterstützung bittend an.

Beruhigend legte er eine Hand auf Macs Schulter.

"Du bist stark", sagte er leise. "Du brauchst mich dafür nicht."

Mac nickte.

Zuversichtlich sah sie Wallace davongehen und wandte sich dann an Harm.

Harm konnte seine Wut kaum noch zügeln. Die Vertrautheit, mit der die beiden miteinander umgingen, verschlug ihm den Atem. Und der Ton, in dem er mit ihr sprach...so gönnerhaft...so...

"Mac", sagte er und wollte nach ihr greifen. Er mußte sie berühren, um zu wissen, dass sie wirklich da war, dass das alles wirklich passierte.

Mac wich zurück, aus zornigen Augen sah sie ihn an.

"Was wollen Sie hier, Harm?", ihr Ton war eisig.

"Ich wollte nach Ihnen sehen, ich...", begann er.

"Sie wollen mich kontrollieren! Sie denken, dass die arme kleine Mac ohne den großen starken Harm nicht zurecht kommt. Sie glauben, dass ich unfähig bin, diesen Fall allein zu lösen."

"Mac, sehen Sie denn nicht, was hier vor sich geht?" Verzweifelt sah er sie an. "Er beeinflusst Sie, er bringt Sie gegen ihre Freunde auf, er..."

"Hören Sie auf!", schrie Mac. "Hören Sie endlich auf! Ich brauche niemanden, der mich beschützt", sie war völlig außer sich. "Ich brauche SIE nicht", herausfordernd sah sie ihn an. Ihre sonst so sanft blickenden Augen funkelten ihn zornig an.

Harm sackte in sich zusammen. Ihre Worte drangen nur langsam zu ihm vor.

"Gehen Sie", forderte sie ihn auf und deutete zur Tür. "Verschwinden Sie aus meinem Leben! Ich brauche Sie nicht, ich brauche niemanden."

Ihre Worte trafen Harm tief.

Langsam drehte er sich um, er schien um Zentimeter kleiner geworden zu sein.

Dann fiel ihm ein, dass Chloe, ihre kleine Schwester im Auto wartete. Mit einem letzten Hoffnungsschimmer wandte er sich nochmals an Mac.

"Chloe wartet im Wagen. Sie würde Sie gern sehen", sagte er leise, hoffte, dass die Erwähnung des Mädchens Mac erreichen würde.

Trotzig hob Mac ihr Kinn.

Ohne auf ihre Antwort zu warten, verließ Harm die Bar.

 

Als Sam Harm aus der Bar kommen sah, sprang er aus dem Wagen, eilte auf ihn zu.

"Steig wieder ein", sagte Harm, noch eher Sam ein Wort sagen konnte.

An Harms Stimme erkannte Sam, dass etwas furchtbares passiert sein mußte. Ohne Widerrede stieg er wieder ein.

 

 
Mike's Bar

 

Erschöpft ließ Mac sich auf ihren Stuhl fallen, schlug die Hände vor's Gesicht.

'Was hab ich getan?', ungläubig schüttelte sie den Kopf, konnte nicht glauben, dass das alles eben wirklich passiert war.

"Sarah?"

Wallace stand am anderen Ende des Tisches, sah sie mitfühlend an.

Ohne zu überlegen, griff sie nach ihm, zog ihn an sich und begann zu weinen.

"Schsch...", tröstend sprach er auf sie ein während ein Lächeln seine Mundwinkel umspielte.

"Was hab ich getan", rief sie und vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter.

"Es war sicher schwer", flüsterte er, "aber Du hast das Richtige getan", beschwor er sie.

Mac schloß die Augen, sah ganz deutlich Harms Gesichtsausdruck vor sich als sie ihm all diese Worte an den Kopf warf. Worte, die ihn tief verletzt hatten, die ihn von ihr wegtrieben.

'Nein', rief sie stumm. 'Geh nicht weg!'

Sie löste sich aus Wallaces Umarmung, wischte die Tränen fort.

"Ich muss zu ihm gehen", sagte sie und drehte sich um.

Noch ehe sie zwei Schritte getan hatte, legte sich Wallaces Hände um ihre Oberarme wie Schraubstöcke.

"Nein, Sarah", sagte er. "Du darfst nicht nachgeben. Wenn Du jetzt zu ihm gehst, wird er glauben, im Recht zu sein. Er wird Dich nie anders behandeln. Du wirst immer hinter ihm, in seinem Schatten stehen."

Mac zögerte, dachte über Wallaces Worte nach.

'Hatte er Recht? Ging er Harm nur darum, die Vorherrschaft in ihrer Partnerschaft zu behalten?'

"Nein", flüsterte sie. So war Harm nicht, er war ihr Freund, er würde alles für sie tun und sie für ihn.

"Laß mich gehen!", forderte sie und versuchte seine Hände abzuschütteln.

"Sarah", versuchte Wallace erneut, erkannte aber, dass er begann, die Kontrolle zu verlieren. "Du brauchst ihn nicht, Du musst jetzt stark sein - für Dich!"

Macs Widerstand bröckelte.

Hatte Wallace Recht? Würde Sie nie auf eigenen Beinen stehen, wenn Sie jetzt nachgab?

 

 
Hotel
Norfolk

 

Harm wollte nicht zurück nach Washington, wollte nicht akzeptieren, dass Mac ihn aus ihrem Leben warf, dass alles aus und vorbei war.

"Harm?", Sam sah ihn an, konnte jede Regung in seinem Gesicht erkennen. "Was ist passiert?"

Harm hob den Kopf, blickte in die fragenden Augen des Mädchens.

Was sollte er ihr sagen?

"Harm", Sam setzte sich zu ihm auf's Bett.

"Wir haben sie verloren", sagte Harm leise. Eine Träne löste sich aus seinem Auge und lief seine Wange hinab.

Sam schüttelte entschieden den Kopf.

"Nein, Harm. Du darfst nicht aufgeben. Erzähl mir, was passiert ist."

"Chloe, nein", erwiderte Harm. Er wollte Macs Worte nicht wiederholen, wollte nicht, dass sie genauso verletzt wurde wie er.

"Bitte, Harm. Erzähl's mir!"

"Sie hatten Streit", erklang Als Stimme aus der anderen Ecke des Raumes.

"Streit?", wiederholte Sam und sah zwischen Harm und Al hin und her.

Al nickte als Harm nicht antwortete.

"Mac warf ihm vor, dass er kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten habe, in ihre Menschenkenntnis... eins führte zum anderen und sie schickte ihn fort", Al sah vom Handlink auf. "Wallace war die ganze Zeit dabei und hat sich diebisch gefreut."

"Harm, es ist noch nicht vorbei", sagte Sam und wendete sich wieder an den zusammengesunkenen Mann an seiner Seite. "Sie braucht uns jetzt, ganz besonders Dich", aufmunternd sah er Harm an. "Deine Liebe und Freundschaft wird ihr den richtigen Weg weisen."

Überrascht sah Harm auf, konnte nicht glauben, dass diese weisen Worte aus dem Mund einer Zwölfjährigen kamen. Hatte sie vielleicht Recht? Konnte er Mac erreichen, sie zurück in sein Leben holen?

Hoffnung schimmerte in seinen Augen.

"Aber Sie will meine Hilfe nicht", an Macs Worte denkend, sackte er wieder zusammen. Wenn er jetzt als der weiße Ritter zu ihr eilte, würde sie ihn abblocken, die Situation würde nur noch schlimmer werden.

Sam nickte. Genau wie Harm dachte er, dass Mac allein erkennen musste, was richtig und was falsch war.

"Sam, alles was Sie braucht, sind ein paar Erinnerungen", warf Al ein, der das Dilemma der beiden verfolgte.

Sam sprang vom Bett auf und lief zur Tür.

"Chloe!", rief Harm.

"Ich bin gleich zurück", sagte Sam und war schon verschwunden.

 

 
Militärbasis
Norfolk

 

Mac lief unruhig in ihrem Zimmer auf und ab.

Wallace hatte sie zwar überreden können, nicht zu Harm zu gehen, aber es war ihm nicht möglich gewesen, den Streit mit Harm aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Immer und immer wieder hallten ihre verletzenden Worte in ihrem Kopf wieder.

Mac schüttelte ihren Kopf, versuchte sich einzureden, richtig gehandelt zu haben.

'Harm. Es ging immer nur um Harm', flüsterte sie leise. 'Niemals um Mac - Harm, der nicht mehr fliegen darf, Harm, der nach seinem Vater sucht....Harm, Harm, Harm. Was ist mit mir? Bin ich nicht auch wichtig?'

Ein Klopfen an der Tür ließ sie innehalten.

Vorsichtig öffnete sie sie und sah Chloe draußen stehen.

Überrascht sah sie das Mädchen an. Sie hatte Harm nicht geglaubt, als er sagte, dass sie auch in Norfolk war, sie hatte es für einen Trick gehalten.

"Sarah?", Sam sah sie an.

Mac stieß die Tür weiter auf, ließ ihn herein.

"Hat ER Dich geschickt?", ihre Stimme klang ungewollt herausfordernd.

"Sarah", Sam ging auf sie zu, blieb direkt vor ihr stehen. "Wir sind Deine Freunde, wir machen uns Sorgen um Dich."

"Das braucht ihr nicht, ich kann selbst auf mich aufpassen", erwiderte Mac und spürte, wie erneut Wut in ihr aufstieg.

"Das wissen wir doch, Sarah. Wir machen und Sorgen, weil wir Deine Freunde sind, nicht, weil wir denken, dass Du nicht alles schaffst, was Du Dir vorgenommen hast", eindringlich hielt Sam Augenkontakt mit ihr, versuchte zu erkennen, was sie dachte. "Bitte Sarah, erinnere Dich ", sagte Sam und versuchte dabei Mac die ganze Zeit in die Augen zu sehen um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.

Mac konnte dem Blick nicht standhalten, ging ein paar Schritte zurück.

Sie schüttelte ihren Kopf. Alles drehte sich... da war Chloe, als sie sich verlaufen hatte, Harm in Rußland auf der Suche nach seinem Vater... Wallace, sein Stolz, sein Vertrauen... Chloe, Harm, Wallace, Bud, Harriet... Sie fuhr mit der Hand über ihren Schläfen.

"Sarah", Sam sah, wie es in ihrem Innern arbeitete, erkannte, das jetzt der richtige Augenblick gekommen war. "Ich brauche Dich, Harm braucht Dich! Was sollen wir ohne Dich tun?"

Mac ließ sich auf's Bett sinken, schlug ihre Hände vors Gesicht.

Sam blieb, wo er war, beobachte stumm ihren Kampf.

Mac schloß erschöpft die Augen.

Bilder von Harm kamen in ihr Gedächtnis.

Ihre erste Begegnung im Washington Rose Garden, der erste Fall. Gleich zu Beginn ihrer Partnerschaft hatte sie ihm erzählt, dass sie Alkoholikerin war - hatte er mit Abscheu reagiert, sie für ihre Schwäche verurteilt?

'Nein', Mac schüttelte ihren Kopf. 'Nie hatte er sich erlaubt über ihr Leben zu urteilen. Er war ihr Freund, ihr allerbester und einziger Freund, er kannte all ihre dunkeln Geheimnisse. Sie konnte immer auf ihn zählen, ganz egal worum es ging.'

Wie hatte sie vergessen können, wie groß das Vertrauen in ihren Freund und Partner war, wie hatte sie vergessen können, dass er immer zur Stelle war und half, wenn es ihm möglich war? Wie hatte sie vergessen können, dass auch er sie brauchte, das er vielleicht nie das Schicksal seines Vaters erfahren hätte, wenn sie, Mac, nicht gewesen wäre? Wie hatte sie vergessen können, wie sie sich im Gerichtssaal als gleichberechtigt gegenüberstanden? Wie hatte sie sein Lächeln vergessen können und die Wirkung, die es jedesmal auf sie hatte auch, wenn sie sich noch so sehr dagegen wehrte? Wie...

"Harm", flüsterte sie leise.

"Er liebt Dich", sagte Sam und ging auf sie zu, setzte sich neben sie und legte seine Hand tröstend auf ihre Schulter.

Gerade wollte Mac etwas erwidern, als vor der Tür Wallaces Stimme erklang.

"Sarah?"

"Wallace", rief Mac und öffnete ihm die Tür.

Er trat ein, sah Sam misstrauisch an.

"Alles in Ordnung?", fragte er Mac besorgt und blickte dann von Mac auf Sam.

Irgendwie musste er einen Weg finden, das Balg loszuwerden. Schon in der Bar war ihm aufgefallen, dass Macs Bindung an diesen Harm und das Mädchen stärker war, als er anfangs gedacht hatte. Sie begann zu zweifeln und wenn sie das tat, war der Weg nicht weit, bis sie ihm widersprach und er die Kontrolle über sie verlor.

Mac schüttelte den Kopf, sah dann unschlüssig zwischen Sam und Wallace hin und her.

Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte. Da war Chloe, die versuchte sie an ihre Vergangenheit, an das, was sie bisher so geliebt hatte, zu erinnern und auf der anderen Seite Wallace, der mit seiner Unterstützung und seinem Verständnis versuchte, ihr eine neue, bessere Zukunft zu zeigen.

Mac bekam langsam Kopfschmerzen, alles drehte sich und sie ließ sich erschöpft neben Sam nieder. Sofort griff Sam nach ihr, drückte sie an sich, wollte sie vor Wallace schützen.

"Bring sie hier weg!", Al kam durch die Imaging Chamber Tür und sah seinen Freund eindringlich an.

'Was?', fragte Sam stumm, hielt Mac weiter fest an sich gedrückt.

"Harm wird in wenigen Minuten hier sein", sagte Al. "Es kommt zum Streit und Mac wird ihn erschießen..."

"Was?", entfuhr es Sam laut und Mac sah ihn fragend an.

"Sarah...", wollte Wallace sich einmischen als Sam ihn unterbrach.

"Laß uns gehen", sagte er und zog Mac auf die Beine.

Wallace stellten sich ihnen in den Weg, als plötzlich Harm in der Tür stand.

"Lassen Sie sie gehen", forderte er und streckte seine Hand nach Mac und Sam aus.

"Sarah", Wallaces Stimme wurde sanft und leise. "Siehst Du nicht was hier passiert? Er will die Kontrolle über Dich, über Dich und Dein Leben", sagte er und trat zurück, gab den Weg frei.

Sam ging auf Harm zu, zog Mac mit sich.

"Sarah", rief Wallace noch einmal und sah sie bittend an. "Er kann Dir nicht geben, was Du brauchst."

"Lassen Sie sie in Ruhe", schrie Harm aufgebracht, versuchte seine Wut zu zügeln. Wenn er jetzt die Nerven verlor, konnte er Mac für immer verlieren.

Sam hatte Harm fast erreicht als Mac stehenblieb, ihre Hand aus seiner löste.

Unschlüssig blieb sie stehen, sah zwischen Harm und Wallace hin und her.

"Sarah."

Macs Augen hefteten sich auf Harms. Nur sehr selten sprach er sie mit ihrem Vornamen an und jedes Mal lief ihr ein warmer Schauer über den Rücken, wenn er es tat.

"Sarah", Wallace versuchte ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. "Du darfst ihm nicht trauen", sagte er. "Du kennst ihn, weißt, was er Dir angetan hat. Er ist wie Dein Vater, so lange Du tust, was er Dir sagt, wirst Du sicher sein, aber was, wenn Du beginnst Deine eigenen Entscheidungen zu fällen, was..."

"Hören Sie auf!", schrie Harm Wallace an und Mac zuckte zusammen, ging ein paar Schritte auf Wallace zu.

"Er muss ruhig bleiben", Al stand am anderen Ende des Zimmers und verfolgte das Geschehen. "Sam, er muss sich beruhigen. Er darf ihr keine Angst einjagen."

"Harm", sagte Sam leise und drückte leicht seine Hand.

Harm verstand und versuchte seine Stimme ruhig und beherrscht klingen zu lassen, auch wenn in seinem Innern ein Sturm tobte.

"Ich würde Dir nie weh tun", Harm sprach nur zu Mac, seine Augen bohrten sich in ihre, versuchten sie von der Wahrheit zu überzeugen. "Sarah, Du weißt, dass ich das gar nicht könnte."

Wieder streckte er seine Hand nach ihr aus, bat sie stumm, sie zu ergreifen.

Mac biß sich unsicher auf die Unterlippe. Was geschah hier? Wie sollte sie eine Entscheidung treffen, wenn sie ihren Gefühlen nicht mehr trauen konnte? Gefühlen, denen sie bisher blind wie Harm vertraut hatte? Konnte sie sich so getäuscht haben?

"Sarah", Wallace verlor langsam die Geduld. Je länger sich ihre Entscheidung heraus zögerte desto wahrscheinlicher war es, dass er den kürzeren zog. "Ich werde Dich nicht zwingen, bei mir zu bleiben", er spielte seine letzte Karte geschickt aus. "Geh mit ihm, wenn Dein Gefühl Dir sagt, dass es das richtige ist. Ich werde Deine Entscheidung akzeptieren."

Langsam ging er an Mac vorbei, näherte sich Harm, als er ihre Hand in seiner spürte.

"Geh nicht weg" murmelte sie und sah ihn flehend an.

Sams Augen richteten sich resigniert auf den Boden, die Würfel waren gefallen.

"Mac", rief Harm aufgebracht und stürzte sich auf Wallace.

Zusammen gingen die beiden Männer zu Boden. Doch statt sich gegen Harm zu wehren, blieb Wallace reglos liegen und grinste ihn an. Sofort erkannte Harm, dass er einen Fehler begangen hatte und richtete sich auf als er in den Lauf einer Pistole blickte.

"Mac", erschrocken weiteten sich seine Augen.

"Laß ihn in Ruhe", forderte Mac mit eisiger Stimme, ihre Hand hielt die Waffe fest umklammert.

"Sarah", rief Sam und versuchte sich vor Harm zu schieben doch dieser hielt ihn zurück.

Entschlossen blickte Mac Harm an, ihren Finger am Abzug.

Harms Welt brach zusammen, nie im Leben hätte er damit gerechnet, dass Mac einmal eine Waffe auf ihn richten würde.

"Sarah!", Wallace rappelte sich auf, stellte sich an ihre Seite. Blut tropfte von seiner aufgeplatzten Lippe.

"Alles in Ordnung?", fragte Mac besorgt, ihr Blick war weiter auf Harm entsetztes Gesicht gerichtet.

Wallace nickte, tiefe Befriedigung machte sich in ihm breit.

"Sarah", rief Sam noch einmal und endlich gelang es ihm, sich an Harm vorbei in ihr Blickfeld zu schieben.

"Was tust Du?", Sam konnte nur mühsam die Wut aus seiner Stimme fernhalten. "Was tust Du Dir an? Was tust Du uns an?", er forderte sie auf, einen Blick auf ihn und Harm zu werfen.

Mac schüttelte ihren Kopf, wollte nicht sehen, was in ihren Gesichtern geschrieben stand.

"Sieh ihn Dir genau an!", schrie Sam fast und deutete auf Harm. "Sieh in sein Gesicht?"

"Sam, beruhige Dich", Al an seiner Seite warf im beunruhigte Blicke zu. Selten hatte er seinen Freund so entrüstet gesehen.

Sam schüttelte Als Worte ab.

"Sieh in sein Gesicht, in seinen Augen! Was sieht Du dort?"

Sam sah, dass er Mac mit seinen Worte erreichte, dass sie begann, nachzudenken.

Mac tauchte in Harms blaue Augen, drohte zu versinken in der Intensität seines Blickes. Sie sah sich in seinen Augen, die Mac, die er kannte, die er...

Harm legte seinen Kopf leicht auf die Seite und lächelte zaghaft als er erkannte, dass sie seine Gefühle für sie in seinen Augen gesehen hatte.

Mac verschlug es den Atem.

'Er liebt mich?'

Ungläubig starrte sie ihn an, konnte nicht glauben, was so offensichtlich in seinen Augen und in seinem Gesicht geschrieben stand.

"Sarah!", Wallace sprach leise auf sie ein, sanft legte er seine Hand über ihre, die die Waffe hielt.

"Komm schon, Sarah", rief Sam, dem die Veränderung aufgefallen war. "Wir sind Deine Freunde, wir lieben Dich, wir brauchen Dich!"

Mac nickte.

'Ja. Sie sind meine Familie, sie lieben mich und ich liebe sie.'

"Sarah", Wallaces Stimme klang nicht mehr so leise und seine Hand schloss sich fester um Macs.

'Nein!'

Mac versuchte ihm abzuschütteln, seine Berührung schmerzte sie. Wie hatte sie je denken können, dass er...

'Nein!'

Entschieden setzte sie sich zur Wehr, riss sich von ihm los und richtete nun die Waffe auf Wallace.

"Sarah, was tust Du?", Wallace sah sie fragend an. "Du vertraust mir doch, wir sind Freunde", versuchte er sich einzuschmeicheln und hob die Hände.

Als Harm sich an Macs Seite stellen wollte, um ihr beizustehen, hielt Sam ihn zurück. Diese Situation musste sie allein meistern, wenn sie sich je wieder selbst respektieren wollte.

"Sarah, Du bist durcheinander. Gib mir die Waffe", Wallace sprach mit leiser sanfter Stimme auf sie ein.

Mac schüttelte ihren Kopf.

"Ich war noch nie so klar, wie jetzt, in diesem Augenblick", ihre Stimme war fest. "Ich weiß nicht, wie Du es angestellt hast, aber ich weiß, dass es nicht funktioniert, nicht mehr." Sie warf einen Seitenblick auf Harm und Sam und wandte sich dann wieder an Wallace. "Du hast verloren."

In ihrem Blick konnte Wallace sehen, dass er die Kontrolle verloren hatte. Wut über seine unerwartete Niederlage machte sich in ihm breit.

"Nicht ich habe verloren, sondern Du", höhnisch grinste er sie an. "Du wirst Dein sinnloses Leben so weiter leben wie bisher, Du..."

"Halten Sie den Mund", herrschte Harm ihn an und stellte sich neben Mac. Seine Hand legte er um ihre Taille, zog sie sanft an sich.

Mac lächelte.

Wallaces Worte konnten sie nicht verletzten, keine Worte der Welt würden das je wieder können. Sie hatte nicht verloren, im Gegenteil, sie hatte alles gewonnen. Ihr bester Freund und Partner stand an ihrer Seite und er hatte ihr seine Gefühle gestanden. Wenn auch nicht mit Worten, so hatte sie es doch deutlich in seinem Gesicht sehen können.

Sie lehnte sich kurz an Harm, genoss seine Nähe und Wärme bevor sie sich von ihm löste und auf Wallace zuging.

Hart schlug sie ihm ins Gesicht, dann lächelte sie und sagte: "Danke!"

Verwundert sah Wallace sie an, er hatte mit Beschimpfung und Wut gerechnet, darauf hätte er eine Antwort gewusst, aber Dank?

Widerwillig musste er sich eingestehen, dass er sie falsch eingeschätzt hatte, dass sie stärker war als er und auch sie selbst gedacht hatte. Resigniert ließ er den Kopf sinken.

 

Sam stand mit Al hinter Harm und beobachtete die Szene, ein glückliches Lächeln schlich sich auf sein Gesicht als Mac sich Wallace stellte.

Harm ging an Mac vorbei zu Wallace, griff fest nach seinen Oberarmen und schob ihn zur Tür hinaus.

Bevor er mit ihm aus Macs Blickfeld verschwand, wandte er sich noch einmal um und lächelte Mac an.

"Wow!", sagte Al. Er war so verblüfft über die Wendung gewesen, dass er kein Wort herausgebracht hatte, was wirklich selten war.

Sam nickte.

"Du warst toll", sagte er und ging auf Mac zu, die noch immer die Waffe in der Hand hielt und auf die Tür durch die Harm verschwunden war, schaute.

Endlich sah Mac ihn an. Sie breitete ihre Arme aus und umarmte ihn.

"Ich danke Dir", sagte Mac und eine Träne lief ihr Gesicht entlang. Wenn Chloe sie nicht wachgerüttelt, sie zur Vernunft gebracht hätte, wer weiß, was dann passiert wäre. Vielleicht hätte sie....

Sam schüttelte seinen Kopf an ihrer Schulter.

"Das bist Du ganz allein gewesen" Sam hob den Kopf und sah sie eindringlich an. "Ich bin sehr stolz auf Dich, Sarah."

Mac drückte ihn noch etwas fester.

"Ich bin stolz auf Dich, Chloe!"

 

 
Harms Apartment
North Of Union Station, Washington D.C.
1 Tag später

 

Sam saß zusammen mit Harm im Wohnzimmer, sie warteten auf Mac. Sie hatte sie gebeten, ihr etwas Zeit zu geben, um zu sich selbst zu finden.

Vor ein paar Minuten hatte sie angerufen und gesagt, dass sie vorbeischauen würde.

Es klingelte.

Unsicheren Schrittes ging Harm zur Tür.

"Mac!", sagte er und ließ sie herein.

"Harm", Mac nickte ihm zu, lächelte zaghaft und ging dann direkt ins Wohnzimmer, bat Harm sich zu Chloe zu setzen.

Unruhig rutschte Mac auf ihrem Platz hin und her, sie wußte nicht, wie und wo sie beginnen sollte.

Sie sah die beiden wichtigsten Personen in ihrem Leben an, ein Kloß bildete sich in ihrem Hals als sie zu sprechen begann.

"Ich habe in den letzten Tagen furchtbare Dinge getan, für die es keine Entschuldigung gibt", als Mac sah, dass Harm und auch Sam widersprechen wollten, wehrte sie ihre Einwände mit einer Handbewegung ab. "Es stimmt! Ich habe euch sehr weh getan und ich möchte euch sagen, dass mir das sehr leid tut."

Sie hob ihren Kopf und sah die beiden nacheinander fest an.

"Ihr beide seid die wichtigsten Menschen in meinem Leben, ich möchte das ihr das wisst."

"Mac...", versuchte Harm sie zu unterbrechen. Er sah in ihren Augen, wie unendlich leid ihr ihr Verhalten tat und er konnte nicht mit ansehen, dass sie sich so quälte.

"Bitte, Harm", sagte Mac und sah ihn an. "Das ist sehr schwer für mich...", sie schluckte "aber ich möchte versuchen, mein Verhalten zu erklären."

Sie machte eine kleine Pause.

"Ich weiß nicht, warum ich Wallace vertraute und euch nicht, warum er mich glauben lassen konnte, dass ich euch nichts bedeute...", Mac schüttelte bedauernd ihren Kopf. Sie konnte selbst kaum glauben, dass auch nur irgendjemand sie hatte glauben lassen können, dass diese beiden Menschen vor ihr, die sie jetzt voller Verständnis und Liebe ansahen, nichts für sie emfpanden. Sie war so blind gewesen, so voller Wut...

"Vielleicht lag es daran, dass meine eigene Mutter mich nicht wollte... Das sie mir das Gefühl gab, dass ich es nicht Wert bin, geliebt zu werden...Vielleicht bin ich unfähig, Liebe zu empfinden, vielleicht..."

"Mac...Sarah...", Harm sah die Tränen, die langsam ihre Wangen hinunterliefen und es brach ihm schier das Herz, sie so zu sehen.

Mac sprang von ihrem Platz auf.

"Ich verdiene euch nicht", sagte sie und schüttelte entschieden ihren Kopf. "Ich bin es nicht Wert geliebt zu werden....ich..." Ungehindert strömten die Tränen über ihr Gesicht.

Angesichts ihrer harten Worte waren Harm und Sam aufgesprungen, zusammen nahmen sie Mac in den Arm und drückten sie an sich.

"Tu Dir das nicht an, Sarah", sagte Harm, seine Augen waren ebenfalls feucht. Sie war ihm immer so stark erschienen, so voller Selbstbewußtsein. Wenn er geahnt hätte, wie es wirklich in ihr aussah, hätte er das alles vielleicht verhindern können, irgendwie.

"Aber es stimmt", schluchtzte Mac und hielt die beiden ganz fest. "Meine Mom, mein Dad, Chris... sie alle wollten mich nicht, sie..."

"Sarah!", Harm schob sie etwas von sich, sah ihr in die Augen. "WIR wollen Dich! Wir brauchen Dich! Du bist ein wundervoller Mensch, ein Freund wie man sich ihn nicht besser wünschen kann..."

Mac schüttelte verneinend ihren Kopf. 'Wie konnte er so etwas sagen, wo sie sich so furchtbar ihm gegenüber verhalten hatte?'

"Sieh mich an!", forderte Harm sie auf. "Wo wäre ich heute ohne Dich?! Ohne Dich, ohne Deine Freundschaft wäre ich in Russland gestorben, entweder hätten die Russen mich getötet oder ich wäre am Tod meines Vaters zerbrochen."

Etwas erschrocken sah Mac ihn an.

Sie hatte nicht geahnt, dass es damals so schlimm um ihn gestanden hatte. Was hatte sie noch alles übersehen?

Harm nickte.

"Du warst mein Fels in der Brandung, Sarah. Und das gleich möchte ich...", er sah auf Sam neben sich, "möchten wir jetzt für Dich sein."

Zustimmend nickte Sam an Harms Seite. Schweigend hatte er das Gespräch verfolgt, unfähig sich einzumischen, aber das war auch gar nicht nötig.

Erneut schossen Mac Tränen in die Augen. Sie wußte nicht, womit sie so viel Liebe und Vertrauen verdient hatte, aber sie schwor sich, von jetzt an, nie mehr daran zu zweifeln.

"Komm her", flüsterte Harm und streckte sie Arme nach ihr aus.

Langsam ging Mac auf ihn zu, legte den Kopf an seine Schulter und schmiegte sich an ihn.

Als seine Wärme sie umfing, schloß Mac die Augen.

"Läuft doch gut", erklang plötzlich Als Stimme und Sam fuhr überrascht zusammen.

"Al!", flüsterte er und winkte das Hologramm von dem Paar fort. "Wie geht es weiter?"

"Das wirst Du gleich sehen", lächelte Al und zusammen mit Sam beobachtete er das engumschlungene Paar.

 
"Warum?", flüsterte Mac an Harms Schulter.

Von der Frage etwas überrascht, hob Harm den Kopf und sah sie an.

"Nach all dem...", Mac sprach den Satz nicht zu Ende, sie wich seinem Blick aus.

Vorsichtig nahm Harm ihr Kinn in seine Hände, zwang sie sanft, ihn anzusehen.

"Warum ich Dich liebe?", stellte er die Frage für sie.

Mac nickte.

"Ich weiß es nicht", gab Harm sanft lächelnd zu. "Ich weiß nur, das es so ist. Das war von Anfang an so", gestand er leise. "Wie Du vor mir gestanden hast im Washington Rose Garden und mich angesehen hast... Dein Vertrauen in mich als Du mir von Deiner Vergangenheit erzählt hast, Deine Stärke, mit all dem fertig zu werden, Deine Freundschaft... all das", sagte er und sah sie liebevoll an. "Das alles bist Du, Sarah, es macht Dich zu dem, was Du bist..."

Leise begann Mac zu weinen, Tränen liefen über ihr Gesicht und hinterließen feuchte Spuren auf ihren Wangen.

"Ich liebe Dich!", sagte Harm und küsste sie sanft auf den Mund.

"Ich liebe Dich auch", flüsterte Mac und erwiderte seinen Kuss.

"Das war's", flüsterte Sam, der nun lächelnd auf der Couch saß. Er betrachtete zufrieden das glückliche Paar und sah sich dann nach seinem Freund um.

Al stand direkt neben ihm, Tränen der Rührung waren in seinen Augen zu sehen. Verstohlen wischte er sie fort.

"Verabschiede Dich, Al", flüsterte Sam und sprang...

 
Überrascht riß Chloe die Augen auf, sie glaubte zu träumen als sie Harm und Mac küssend vor sich sah. Dann begann sie zu lachen und ein Lied entschlüpfte ihren Lippen

"Harm und Mac sitzen in der Linde, küssen sich im Winde..."

 
Ende

 
Du bist der 2002. Leser dieser Geschichte.