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Unbekannte Freunde© by Sam80853 ()
"Willkommen an Bord", begrüsste Admiral AJ Chegwidden seinen neuen Mitarbeiter und reichte ihm die Hand. Sein Händedruck war fest, aber herzlich. AJ freute sich, einen neuen Anwalt in seinem Team begrüssen zu können. Vor allem einen Anwalt mit einer solch ausgezeichneten Akte. Cmd. Jarod Parker hatte ein hervorragendes Führungszeugnis und seinen Abschluß an der Militärakademie sowie sein Jurastudium als einer der besten abgeschlossen. "Ich freue mich, hier zu sein, Sir", sagte Jarod lächelnd und salutierte vor seinem zukünftigen CO. AJ nickte zufrieden. "Kommen Sie, ich mache Sie mit ihren Kollegen bekannt." Zusammen verließen sie das Büro des Admirals, nur um einen Augenblick später, Zeuge einer heftigen Auseinandersetzung zu werden. Während AJ etwas befremdlich dreinschaute, lächelte Jarod still in sich hinein. Nicht weit von ihnen entfernt, standen ein Commander der US Navy und ein Colonel der Marines, die sich lautstark ein Gefecht lieferten. "Mac, nehmen Sie nicht alles so persönlich", sagte der großgewachsene Commander gerade in versöhnlichem Ton. "Sparen Sie sich das!", rief die Frau entrüstet zurück als ihr Blick an ihrem Gegenüber vorbei auf ihren Vorgesetzen fiel. "Mac, kommen Sie....", setzte der Mann zur Erwiderung an als der Col. ihm wohl ein Zeichen gab, das ihn verstummen ließ. Beide wandten sich jetzt ihrem CO zu. "Probleme?", war alles, was AJ fragte. "Nein, Sir!", antworteten der Cmd. und der Col. gleichzeitig. "Dachte ich mir", AJ schüttelte leicht den Kopf und holte tief Luft. 'Meine Spitzenanwälte.' "Cmd. Harmon Rabb Jr.", AJ deutete auf den Cmd., "und Col. Sarah MacKenzie. Cmd. Jarod Parker." Da AJ die drei nun vorgestellt hatte, sah er seinen Teil der Aufgabe als erfüllt an und ließ sie ohne ein weiteres Wort stehen. Die Bürotür fiel hinter ihm ins Schloß. Etwas verwundert blickte Jarod ihm nach. "Harm", sagte der Cmd. jetzt lächelnd und reichte Jarod die Hand. "Jarod", er ergriff die dargebotene Hand und schüttelte sie. "Mac", stellte der Col. sich nun ebenfalls selbst vor. "Willkommen." "Danke!"
Als Sam begann seine Umgebung wahrzunehmen, befand er sich in der Vorwärtsbewegung. Wie es schien, hielt er auf eine kleine Gruppe von zwei Männern und einer Frau zu als er plötzlich in seinen Schuhen umknickte, das Gleichgewicht verlor und nach vorne fiel.
Aus den Augenwinkeln nahm Jarod eine Bewegung wahr. Ein große blonde Frau im weiß der Navy kam direkt auf ihn zu als sie ins Stolpern geriet und zu fallen drohte.
Um den Aufprall abzufangen, ruderte Sam wie wild mit den Armen doch es nutze nichts. Wären da nicht zwei hilfreiche Arme gewesen, die ihn sanft auffingen, wäre er zu Boden gestürzt. "Danke!", keuchte Sam atmenlos als er zu seinem Retter aufsah. "Gern geschehen", hörte er den Mann sagen als sich ihre Blicke trafen. Sam sah in zwei unergründlich tiefe dunkle Augen, die Geheimnisse kannten und auf der Suche nach Ruhe und Frieden waren. Jarod blickte in ein Augenpaar, das Unruhe in ihm wachrief. Nicht, dass er eine Gefahr spürte, er war sich nur sicher, dass diese Person mehr war als man auf den ersten Blick erkannte. "Entschuldigung! Darf ich auch mal?!", hörte beide jetzt Harms Stimme, der sich lächelnd räusperte. Sam wurde aus den Armen seines Retters gezogen und fand sich einen Moment später in den nächsten wieder. Lächelnde blaue Augen blitzen ihn verschmitzt an. "Meg Austin", sagte Harm, drückte Sam kurz an sich und schob ihn dann etwas von sich. Sein Blick fiel auf Sams Uniform und er verbesserte sich. "Lt. Cmd. Austin". Sam nickte nur. Er war unfähig auch nur ein Wort zu sagen. 'Wo zum Teufel steckt Al', fragte er sich als er sich aus der Umarmung des zweiten Mannes löste. Unschlüssig wanderte sein Blick über seinen eigenen Körper. Zuerst sah er das Paar Schuhe, das seinen Sturz verursacht hatte und jetzt wurde ihm auch klar, warum. Seine Füße steckten in Damenschuhen, hochhackigen Damenschuhen. "Oh Boy!", flüsterte Sam und schloß für einen Augenblich resiginiert die Augen.
"Col. Sarah MacKenzie", Sam wurde von einer Frau, die ihm freundlich ihre Hand entgegenstreckte, aus seiner Betrachtung gerissen. Er erinnerte sich an das, was der zweite Mann gesagt hatte. "Meg Austin.... Lt. Cmd. Austin." "Ich freue mich, Sie endlich kennen zu lernen", sagte Mac. "Harm hat mir schon viel von Ihnen erzählt." Sie lächelte ihren Partner an und Sam hatte den Eindruck als sollte diese Geste mehr ausdrücken als nur die Tatsache, dass die beiden über ihn gesprochen hatten. Er hatte das Gefühl als würde die junge Frau ihren Besitzanspruch geltend machen wollen. Verwundert schüttelte Sam den Kopf. "Meg?", ergriff nun wieder Harm das Wort und deutete auf den Mann, der Sam aufgefangen hatte. "Das ist Cmd. Jarod Parker." "Jarod!" "Danke noch mal für....für...", Sam deutete auf die Stelle an der er ins Stolpern geraten war. "Kein Problem", lächelte Jarod doch Sam sah, dass das Lächeln die Augen des Mannes nicht erreichten. Aufmerksam betrachtete er ihn und Sam begann sich unter den tiefen Blicken langsam Unwohl zu fühlen. Es schien als könne Jarod durch seine Aura hindurch schauen und sehen, dass er nicht Meg Austin war. "Haben sich nun alle bekannt gemacht", donnerte plötzlich die Stimme des Admirals durch den Raum. "Ja, Sir", antworteten Harm, Mac und Jarod wie aus einem Mund. "Gut", grummelte AJ. "Dann an die Arbeit." "Aye, Sir!", riefen wieder alle drei gleichzeitig während Sam verständnislos hin und her sah. Wenn sein Hologramm nicht bald auftauchte, steckte er mächtig in der Klemme. 'Al!' Hilfesuchend blickte Sam zur Decke auf. "Alles in Ordnung, Meg?", fragte Harm und sah ihn fragend an. Sam nickte. Als er seinen Blick von der Decke löste, stellte er fest, dass nur noch Harm bei ihm war. Mac war mit Jarod in ein Büro gegangen und schien ihm irgendetwas zu erklären bevor sie ihn allein ließ und in ihrem eigenen Büro verschwand. "Was führt Dich nach Washington?", wollte Harm wissen. Er freute sich seine ehemalige Partnerin wiederzusehen. Viel zu viel Zeit war seit ihrem letzten Treffen vergangen und er fragte sich, ob sie aus beruflichen oder persönlichen Gründen in der Stadt war. "Washington....", wiederholte Sam langsam. "Ähm....ich...ich...", stotterte er hilflos und sah sich nach seinem Hologramm suchend um. "Entschuldige mich bitte einen Moment", stieß er dann hervor als sein Blick auf das Schild 'Toiletten' fiel. Ohne auf den verblüfften Harm zu achten, lief Sam los und wäre beinahe wieder ins Straucheln geraten, da er für einen kurzen Moment vergessen hatte, dass er in hochhackigen Schuhen steckte. Mit einem erleichterten Seuftzer schloß Sam die Tür hinter sich.
Jarod hielt die Jalousinen seines Büros auseinander und betrachtete die Frau aufmerksam, die jetzt eilig den Commander stehen ließ und hinter der Toilettentür verschwand. Er runzelte die Stirn. Ganz deutlich spürte er, dass hier etwas nicht stimmte. Mit einem Ruck drehte er sich von der Tür weg, nahm hinter seinem Schreibtisch Platz und ließ seinen Computer hochfahren. Mit einem prüfenden Blick zur Tür, öffnete er die Personlakte von Lt. Cmd. Meg Austin. Spezialistin für computergesteurte Waffen... stammt aus Texas... Vater in Vietnam gefallen.... Jarods Augen überflogen die Daten. JAG, Washington D.C.... ehemaliger Parntner: Cmd. Harmon Rabb Jr. 'Interessant', überlegte Jarod und sah zur Tür hinaus auf Harm, der noch immer an Ort und Stelle stand. Er rief jetzt Harms Akte auf. Cmd. Harmon Rabb Jr.... US Navy... Vater in Russland getötet.... Jarod fühlte den Schmerz über den Verlust des Vaters, an den er sich kaum erinnern konnte. Er, Harm, war noch ein Kind gewesen als sein Vater in Vietnam als vermisst galt... erst viel später hatte er erfahren, dass sein Vater nach Russland verschleppt worden war und dort getötet wurde. Jarod schüttelte den Kopf, verscheuchte die Empfindungen, die es ihm als Pretender ermöglichten, zu sein, wer immer er sein wollte. Pilot.... Anwalt beim JAG... Er spürte die Leidenschaft für die Fliegerei, den Schmerz bei seinem Absturz, der es ihm für lange Zeit unmöglich machte, zu fliegen. Partner: Col. Sarah MacKenzie... Ihre Akte las er zum Schluß. Col. Sarah MacKenzie... US Marine Corps... Vater Joseph MacKenzie...verwitwet.... Alkoholikerin... Jaord wollte auf keinen Fall Macs Privatsphäre verletzten, aber er konnte beim Lesen ihrer Akte nicht verhindern, mehr zu erfahren als hier aufgeschrieben stand. Die Fakten und seine Gabe verrieten es ihm. Aber er hatte nicht vor, dies gegen sie zu verwenden, er wollte nur helfen. Er schloß die Akte und holte stattdessen ein rotes Notizbuch aus seiner Tasche. Darin befanden sich ein Zeitungsausschnitt mit einem Foto von Harm und Mac. Der Commander trug seine weiße Galauniform und der Colonel ein blaues enganliegendes Kleid. In dem dazugehörigen Artikel ging es um eine Geiselnahme in der sudanesischen Botschaft doch das war lange her und nicht der Grund, warum Jarod nun als Cmd. Parker - diesen kleinen Scherz hatte er sich erlaubt und hoffte, dass Ms. Parker wenigstens etwas Schmunzeln würde - in Washington D.C. war. Es war das Foto, das seine Aufmerksamkeit erregt hatte.
Sam fragte sich schon, wie lange er sich hier noch verstecken konnte als er endlich das vertraute Geräusch der Imaging Chamber Tür hörte. "Al!", rief er aufgeregt. "Wo hast Du so lange gesteckt?" Das Hologramm sah sich erst einmal in aller Ruhe um, bevor er sich an Sam wandte. "Wo sind wir hier?", fragte er als aus einer der Kabinen ein weiblicher Officer kam und Sam misstrauisch musterte. "Die Damentoilette", seufzte Al und all seine Wünsche waren in Erfüllung gegangen. Sam nickte und hinter vorgehaltener Hand bestätigte er die offensichtliche Tatsache. "Ja, die Damentoilette." Als der Officer an Sam vorbei zur Tür ging, folgte Al ihr und wäre fast aus Sams Reichweite verschwunden als dieser ihn ärgerlich zurück rief. "Al!" "Oh", enttäuscht ließ das Hologramm die Frau von dannen ziehen und wandte sich an seinen Freund. "Warum bin ich hier?", wollte Sam wissen, sah dabei in jeder Kabine nach, ob sie auch wirklich allein waren. Langsam zog Al das Handlink aus der Hosentasche und gab einige Befehle ein. "Dein Name ist...." "...Lt. Cmd. Meg Austin, ich weiß", unterbrach Sam. "...Du bist hier in Washington beim Judge Advocat General..." "Al, was genau soll ich tun?" "Du bist hier, um... harm...harm...harm...", Al schlug mit der Hand gegen das Handlink und schüttelte es ein paar Mal hin und her. "Was....harm..." Sam begann zu schmunzeln. "Was?", fragte das Hologramm, das noch immer das Handlink bearbeitete. "Das ist sein Name - Cmd. Harmon Rabb Jr." "Sein Name? Armer Kerl", Al schüttelte mitleidig den Kopf. "Was ist mit Harm?" "Du sollst ihn und Col. Sarah MacKenzie zusammenbringen." "Zusammenbringen?", fragte Sam nach. Al nickte. "Ja, Du weißt schon. Zusammen. Beieinander....", bei seinen Erläuterungen legte das Hologramm langsam seine Handflächen gegeneinander und sah ihn verschmitzt an. Sam schüttelte ungläubig den Kopf. "Ich weiß, was das heißt, Al", unterbrach er die Ausführungen seines Freundes. Sam dachte an den Blick, den Mac Harm zugeworfen hatte, als er aufgetaucht war. "Warum Meg Austin?", überlegte er laut. "Laut Ziggy war sie, ich meine Du, Harms frühere Partnerin. Ihr habt euch sehr nahe gestanden. Vielleicht....." "Nein", wehrte Sam ab. "Ich glaube nicht, dass...dass...", er fuhr unsicher mit den Händen durch die Luft. "Aber das weißt Du nicht", wandte Al ein, der das Unbehagen seines Freundes spürte. Sam schüttelte den Kopf. Er hasste es, in solche Situationen zu geraten. Und dann noch im Körper einer Frau.
JAG Hauptquartier Falls Church, Virginia
Als Sam zusammen mit Al die Toilette verließ, fiel sein Blick zuerst auf das Büro von Cmd. Jarod Parker und ihm fiel ein, wie dieser ihn gemustert hatte. Hinter vorgehaltener Hand bat er sein Hologramm, Daten über Jarod aufzurufen. "Was gibt es über Cmd. Jarod Parker?" Al folgte dem Blick seines Freundes und befragte dann Ziggy. "Nichts", sagte Al nach ein paar Sekunden. "Nichts?" Al schüttelte den Kopf. "Ziggy sagt, dass es keinen Cmd. Jarod Parker in Washington D.C. gibt, auch nirgendwo sonst", verwundert betrachtete er den Mann, der hinter seinem Schreibtisch saß und tief in seine Arbeit versunken schien. "Sag Ziggy, dass sie sich in den Hauptrechner vom JAG hacken soll." Das Hologramm gab den Befehle an Ziggy weiter als plötzlich eine Stimme nach Sam rief. "Meg?", rief Harm, der seine ehemalige Partnerin auf das Büro des neuen Anwalt starren sah. Ihm gefiel gar nicht, dass sie offenbar Interesse an Jarod hatte. Nicht, dass es seine Angelegenheit gewesen wäre, es gefiel ihm nur nicht und ganz hinten in seinem Kopf stellte er sich zweifelnd die Frage, warum das so war. Langsam ging Sam auf Harm zu, wobei er aus den Augenwinkeln Jarods Büro im Auge behielt. Irgendetwas stimmte hier nicht und er wollte wissen was.
Jarod spürte Blicke auf sich - er kannte dieses Gefühl des Beobachtet werdens seit er ein Junge von 5 Jahren war - und sah von seiner Arbeit auf. Lt. Cmd. Austin ging gerade in das Büro von Cmd. Rabb und ließ ihn dabei nicht aus den Augen. Eilig erhob Jarod sich von seinem Stuhl. Es wurde Zeit, mit seiner Mission zu beginnen.
Mac saß unruhig in ihrem Büro und überlegte, was das Auftauchen von Meg Austin bedeuten konnte. War sie wegen einem Fall in Washington oder aus privaten Gründen? Sie biß sich leicht auf die Unterlippe. Viel wusste sie über Meg nicht, nur dass sie ihre Vorgängerin gewesen war und dass Harm nicht sehr oft über sie sprach. Über ein Jahr lang hatten die beiden zusammengearbeitet, so wie sie jetzt und sie wusste aus eigener Erfahrung, dass es schwer war, dem Cmd. zu widerstehen. Aber wie war das mit Harm? Waren sie nur Freunde gewesen, wie sie und.... Mac unterbrach ihre Gedanken und schüttelte leicht den Kopf. Von reiner Freundschaft konnte bei ihnen nicht die Rede sein. Von Anfang an gab es da ein Band, das weit über Freundschaft hinaus ging. Ein Klopfen an der Tür ließ sie aufblicken. "Darf ich reinkommen?", fragte Jarod und lächelte sie an. Mac nickte und ohne dass es ihr bewusst war, lächelte sie ebenfalls. "Was kann ich für Sie tun, Cmd.?" "Jarod", sagte er und nahm ihr gegenüber Platz, versperrte ihr so den Blick auf das Büro des Cmds. "Ich würde Sie gern zum Essen einladen....", er lächelte schüchtern, "um sie etwas besser kennen zu lernen." "Essen?", zweifelnd sah sie ihn an. "Ja!", Jarod nickte. Er konnte die Abwehr in ihrer Haltung erkennen und fuhr fort. "Sehen Sie, ich bin neu in der Stadt, ich kenne niemanden und wir werden zusammen arbeiten, da dachte ich...." "In Ordnung", lenkte Mac ein als sie sah, dass ihr Partner über irgendetwas lachte, dass Meg zu ihm gesagt hatte. Jarods Blick folgte ihrem. "Ich möchte nicht....", sagte er und deutete auf Harm. "Nein", Mac riß ihren Blick von Harm los und sah jetzt ihren Gegenüber an. "Ich würde mich wirklich freuen", ganz natürlich schlich sich ein Lächeln auf ihr Gesicht als sie Jarod die Hand reichte. Sein Händedruck war sanft und Wärme umfing sie als sie in seine dunklen Augen sah. "Danke, Jarod." Er nickte nur und verließ ihr Büro. Auf dem Weg in seines sah er in das Büro des Cmd.s und sein Blick verfinsterte sich. Harm schien gerade eine Geschichte aus seiner gemeinsamen Vergangenheit mit Meg zu erzählen und er strahlte sie förmlich an. Hatte er sich am Ende doch getäuscht und Meg war die Frau, die Harm wollte?
Der gleiche Gedanken ging Sam durch den Kopf, als er Harm ansah. Seit er das Büro des Cmd.s betreten hatte, war er kaum zu Wort gekommen, was ihm einerseits ganz recht war, da er nicht viel zu einer Unterhaltung beitragen konnte, aber andererseits seinen Verdacht erregte, dass es mehr zwischen Harm und Meg gab als Freundschaft. Etwas unwohl rutschte er auf seinem Stuhl hin und her. "Alles in Ordnung?", fragte Harm, der sah, dass er Megs Aufmerksamkeit verloren hatte. Sam nickte und versuchte sich auf Harm zu konzentrieren. "Was weißt Du über Jarod....ich meine Cmd. Parker?" "Jarod?", Harm runzelte leicht die Stirn. Eben sprachen sie noch über ihre gemeinsame Vergangenheit und jetzt wollte Meg etwas über Jarod wissen? "Ich weiß nicht...", Harm blickte in das Büro seines neuen Kollegen. "Er hat heute hier angefangen. Das ist auch schon alles. Warum?" "Nur so", versuchte Sam abzuwehren, der ganz deutlich sah, dass Harm die Frage nicht gefiel. "Soso", Harm versuchte zu lächeln, was ihm nicht ganz gelang. "Sag mir nicht, dass Du etwas für ihn übrig hast." "Übrig?", Sam verschluckte sich fast, als er erkannte, wie Harm die Frage aufgefasst hatte. "Nein!", er schüttelte entschieden den Kopf. "Ist doch in Ordnung, Meg", sagte Harm und musste sich nun doch zusammreißen, nicht in lautes Lachen auszubrechen. Megs Gesichtsausdruck war köstlich "Ich...also....ich....", stotterte Sam und suchte verzweifelt einen Ausweg aus der jetzigen Situation. Erst schien Harm gar nicht erfreut, dass er sich nach Jarod erkundigte und jetzt hatte er Mühe, sich das Lachen zu verkneifen. "Du solltest ihn nicht so davon kommen lassen", erklang plötzlich Als Stimme, der mit einem Blick auf seinen Freund die ganze Situation erfasst hatte. Fragend sah Sam ihn an. "Mac", sagte Al nur. "Mac?", wiederholte Sam ungläubig und sah von Al auf Harm. "Mac?", augenblicklich verschwand Harms Grinsen. "Was ist mit Mac?" Er setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch und versuchte eine unbeteiligte Miene aufzusetzen. Das letzte, was er wollte, war ein Gespräch mit Meg über Mac. "Was ist mit Mac", wiederholte Al sarkastisch. Sam nickte in Harms Richtung und gab ihm so zu verstehen, dass dieses Thema noch nicht beendet war. "Sie ist meine Partnerin, seit Du versetzt worden bist." Abwehrend verschänkte er die Arme vor der Brust. Mehr wollte er zu diesem Thema nicht sagen. Mehr konnte er auch nicht sagen, weil er es selbst nicht wusste. Natürlich waren Mac und er Partner, aber sie waren auch Freunde, beste Freunde, die mehr zusammen erlebt und durchgestanden hatten als vielleicht gut für sie war. Von Anfang an hatten sie Vertrauen zueinander gehabt, hatten ohne viele Fragen aufeinander zählen können. "Das war vor 4 Jahren", erklärte Al. "Du magst sie", es war eher eine Feststellung denn eine Frage. Ganz deutlich sah Sam, wie es in Harms Gesicht arbeitete. Was sollte er darauf antworten? "Jetzt hast Du ihn", schmunzelte Al, der es genoß, stiller Zuschauer in diesem Spiel zu sein. "Sie ist sehr attraktiv", sagte Sam und sah hinüber zu Macs Büro. "Das bist Du auch", erwiderte Harm. Sofort geriet Sam aus dem Gleichgewicht und er verlor den Vorteil, den er sich bei diesem kleinen Frage und Antwort Spiel verschafft hatte. "Also...ich...ich...", nervös fuhr er sich mit den Händen durch die Haare. Es war ihm unangenehm, auf diese bestimmte Art und Weise angesehen zu werden - von einem Mann. "Saaaam", Al schüttelte ungläubig den Kopf. "Würdest Du heute abend mit mir Essen gehen?", setzte Harm nach und lächelte jetzt wieder entspannter, als er erkannte, dass er Meg verwirrt hatte. Sam wollte so schnell wie möglich Harms Büro verlassen, seinen Blicken entkommen, sich in eine Ecke verkriechen und die ganze Situation in Ruhe überdenken. Warum nur hatte ihn Gott, die Zeit oder wer auch immer ihn springen ließ, im Körper einer Frau hierher geschickt? Hätte es der Admiral nicht auch getan? "Okay", stimmte Sam zu und verließ eilig das Büro. Harm lachte als er Megs schnelle Flucht und ihr Verschwinden auf die Damentoilette sah.
"Das ist nicht komisch!", sagte Sam leicht verärgert, als sein Hologramm neben ihm auftauchte und dieses ganz bestimmte Gesicht zur Schau trug. Er sah aus wie eine Katze, der gerade eine fette Maus in die Falle gegangen war. "Du solltest Dein Gesicht mal sehen", sagte Al und hatte Mühe, sein Lachen zu unterdrücken. "Na, ich möchte Dich mal sehen", erwiderte Sam und sah seinen Freund vorwurfsvoll an. "Ist ja schon gut", wehrte Al ab. "Warum tut er das?", wollte Sam wissen. "Wer?" "Harm. Warum fl...f..fffffff...", er bekam das Wort nicht über die Lippen. "Flirtet?", half Al nach. "....mit mir?" "Weil er sich so sicherer fühlt", antwortete Al. "Als Du ihn auf Mac und seine Gefühle für sie angesprochen hast, hast Du ihn verunsichert. Er hatte den Eindruck, dass Du mehr weißt, als er sich selbst eingestehen will." Sam schüttelte den Kopf. "Hat funktioniert." "Das kannst Du laut sagen". "Was machen wir jetzt?", Sam sah das Hologramm fragend an. "Hmm...", überlegte Al. Da Sam offensichtlich Schwierigkeiten hatte, mit Harm umzugehen, blieb nur ein Ausweg. "Du musst es mit Mac versuchen." "Aber Meg kennt sie nicht", wandte Sam ein. "Aber sie ist eine Frau", gab Al zu bedenken.
10 Minuten waren vergangen, seit Meg sein Büro verlassen und in der Damentoilette verschwunden war. Langsam begann das schlechte Gewissen an Harm zu nagen. Es war unfair von ihm gewesen, sie so in Bedrängnis zu bringen. Er hatte nur keinen anderen Ausweg gesehen, zu sehr hatten ihm ihre Fragen zugesetzt. Warum nur fiel es ihm so schwer über Mac zu sprechen? Weil es hieße über sie und seine Gefühle für sie nachzudenken, beantwortete er seine eigene Frage. Seit ihrer ersten Begegnung im Washington Rose Garden gab es zwischen ihm und Mac eine Verbindung, die stärker war als alles andere, das er bis dahin gekannt hatte. Stärker noch als das Andenken an seinen Vater, an den er sich kaum erinnern konnte. Harm Sen. war tot, war die Vergangenheit, aber Mac war Realität. Jeden Tag sah er in ihre dunklen Augen, spürte er die Wärme, die von ihr ausging. Gott, er hatte sie sogar geküsst, wenn er sich und ihr auch einredete, dass es Diane gewesen war. Harm schüttelte den Kopf, verscheuchte die Gedanken. Genau deswegen will ich nicht über Mac sprechen!
Mac sah von ihrer Arbeit auf als es an der Tür klopfte. Eine etwas unsicher wirkende Meg Austin trat ein. "Kann ich Sie einen Moment sprechen....Mac?" Sie nickte und deutete auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch. Langsam nahm Sam Platz. "Was kann ich für Sie tun?", fragte Mac als sie nach einigen Minuten des Schweigens erkannte, dass Meg nicht den Eindruck machte, zu beginnen. "Ich....ich...", Sam suchte nach den passenden Worten. "Sam, ihr dürft nicht so förmlich sein", sagte Al, der zur Unterstützung neben seinem Freund stand. "Du musst mit ihr als Freundin sprechen nicht als Konkurrentin für die sie Dich sicher hält." Fragend sah Sam Al an und holte dann tief Luft. "Mac, ich...ich...", Sam brach ab. "Könnten wir uns vielleicht irgendwo anders unterhalten? In einem Café?" Misstrauisch musterte Mac ihren Gegenüber. Was wollte Meg von ihr? Sie wusste noch nicht, ob sie diese Frau mochte oder nicht, aber sie war bereit ihr eine faire Chance zu geben und da sie sah, dass sie sich in ihrem Büro nicht Wohl füllte, stimmte sie zu. "Gleich um die Ecke ist ein nettes Restaurant", sagte sie und sah flüchtig auf ihre Uhr. "Es ist fast Mittag." Erleichtert atmete Sam auf. Er würde diesem Büro, dass ihn etwas einschüchterte, entkommen und er würde etwas Zeit gewinnen, um sich die richtigen Worte zu überlegen. "Danke!" Gemeinsam verließen sie das Büro.
Sowohl Jarod als auch Harm sahen, dass die beiden zusammen das Büro verließen. Harm lächelte still in sich hinein während Jarod grübelnd den Kopf schüttelte. Er wusste einfach nicht, was er von Lt. Cmd. Meg Austin halten sollte.
Restaurant
Sam entspannte sich in der gemütlichen Atmosphäre des Restaurants. Es war nicht zu groß und bot den Gästen genug Privatsphäre, um sich ungestört unterhalten zu können. Kaum hatten Mac und Sam Platz genommen als auch schon ein Kellner auftauchte. Freundlich begrüsste er Mac mit Namen, scheinbar kam sie öfter hierher. "Das übliche Frau Anwältin?", fragte er. "Natürlich", lächelte Mac. "Die fast lebende Kuh und fettig tropfende Pommes mit viel Ketchup." Sam schüttelte mit Aussicht auf soviel Cholesterien den Kopf und wählte aus der Speisekarte einen Salatteller und Lasagne. Mac lächelte als der Kellner mit ihrer Bestellung verschwand. "Was?", fragte Sam skeptisch als er Macs Belustigung sah. "Sie essen wie jemand, den wir beide gut kennen." "Und Sie essen wie jemand, der darauf aus ist, sich umzubringen", gab er lächelnd als Antwort. Sam war zwar auf einer Farm aufgewachsen, aber als Arzt wusste er, was solch ein Essen mit dem Körper eines Menschen anstellen konnte. Mac schien seine Gedanken zu lesen und hob abwehrend die Hände. "Fangen Sie nicht damit an, ich weiß das alles", sagte sie und lehnte sich entspannt zurück. "Jedes Mal, wenn ich mit Harm hier bin, muss ich mir einen Vortrag über gesunde Ernährung anhören." "Er möchte nur, dass Sie gesund bleiben." "Naja, Sie werden ihm in dieser Hinsicht keine Probleme bereiten", kaum waren Mac diese Worte über die Lippen gekommen, bereute sie sie bereits. "Mac....", begann Sam und griff nach ihrer Hand. Mac entzog sie ihm und fluchte still in sich hinein. Wie hatte sie es zulassen können, so zu reagieren? Eben noch hatten sie sich locker unterhalten und jetzt schien die Luft um sie herum unter Strom zu stehen, jedenfalls hatte sie das Gefühl, dass es so wäre. "Mac", setzte Sam erneut an, "ich bin nicht wegen Harm hier", sagte er und sah sie ernst an. "Es geht mich nichts an, warum Sie hier sind.", wehrte sie ab. Irgendwie schien die Temperatur im Raum gestiegen zu sein, denn Mac wurde unbehaglich warm. "Das mag sein", stimmte Sam ihr zu. "Aber ich möchte trotzdem, dass Sie es wissen." Mac nickte. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Zuviel schon hatte sie verraten. Sie hatte sich immer für einen Menschen gehalten, der seine Gefühle unter Kontrolle halten konnte, dem es leicht fiel, zu verbergen, was sie wirklich empfand. Warum war es Meg gelungen, diesen Schutzschild zu durchbrechen? "Sie arbeiten schon sehr lang mit ihm zusammen", sagte Sam, der sah, wie es in Mac arbeitete. Wieder nickte Mac nur. "Wie haben Sie sich kennen gelernt?" "Wir wurden uns im Washington Rose Garden vorgestellt", antwortete Mac. Sie dachte an den Augenblich ihrer ersten Begegnung zurück, sah Harm vor sich stehen, wie er sie angestarrt hatte als würde er einen Geist sehen. Die Verwirrung in seinem Gesicht, glaubte er doch, die Frau vor sich zu kennen, auch wenn sie die falsche Uniform trug. Mac lächelte. "Sie haben sich sofort verstanden?" "Nein", Mac schüttelte den Kopf. "Er spielte den arroganten Flieger, versuchte, mich mit seinem Lächeln für sich einzunehmen...." "Und, hat es funktioniert?", Sam beugte sich etwas zu ihr herüber als würden zwei Freundinnen ein vertrauliches Gespräch führen. Mac bemerkte es, aber es störte sie nicht, nicht mehr. Wenn sie ehrlich war, tat es gut, mit jemandem darüber zu sprechen. Außer Harm und Harriett hatte sie nicht viele enge Freunde und mit beiden konnte sie nicht über diese bestimmten Gefühle reden. Einmal hatte sie es getan und hinterher schwer bereut. "Es hat funktioniert", gab sie zu und lächelte. "Haben Sie es ihm je gesagt?" Mac nickte. "Ja, dass habe ich", ihr Gesicht wurde ernst. "Es war ein Fehler." Überrascht sah Sam sie an. "Wie kann es ein Fehler sein, jemandem zu sagen, dass man ihn liebt?" "Wenn dieser jemand nicht dafür bereit ist schon", Mac wirkte niedergeschlagen als würde sie die ganze Situation noch einmal durchleben. Auf einer Fähre in Australien hatte sie Harm ihre Gefühle gestanden. Vielleicht nicht so deutlich, wie Meg es glaubte, aber doch deutlich genug. Und Harm hatte sie zurück gewiesen. Sie war sich so sicher gewesen, dass er ebenso empfand... Sie hatte sich unendlich verletzt gefühlt, war in ein schwarzes Loch gefallen und hatte anschließend den größten Fehler ihres Lebens begangen - Brumby. Er war dagewesen, hatte sie gewollt und sie hatte ja gesagt. Sie hatte ihn nicht geliebt, nicht so wie Harm, ihm weh getan, in dem sie es bis zur Festsetzung des Hochzeitstermins hatte kommen lassen... "Mac", Sam versuchte sie aus ihren trüben Gedanken zu reißen. Ruckartig hob sie den Kopf. "Es hat keinen Sinn", sagte sie entschlossen und wandte sich ihrem Essen zu, das der Kellner gerade brachte. Sie aßen schweigend.
Vor dem Restaurant
Jarod stand auf der anderen Straßenseite und konnte die beiden Frauen, die einen Fensterplatz hatten, sehr gut sehen. Er fragte sich, was die beiden so wichtiges zu besprechen hatten, wo sie doch scheinbar Konkurrenten um die Liebe eines Mannes waren. Statt sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen oder Intrigen zu spinnen, wie er es schon oft in ähnlichen Situationen erlebt hatte, saßen sie friedlich beim Essen und schienen eine entspannte Unterhaltung zu führen. Jedenfalls hatten sie es bis vor ein paar Minuten getan, jetzt schwiegen sie. Zu gern hätte er gewusst, worum es gegangen war. Macs Gesicht war jetzt ernst und verschlossen, mit fester Hand führte sie ihr Essen zum Mund. Meg dagegen wirkte ratlos, immer wieder versuchte sie, erneut ein Gespräch in Gang zu bringen, aber Mac reagierte darauf nicht. Als die beiden Frauen das Restaurant verließen, ging Jarod hinter einer Hausecke in Deckung.
"Ich muss zurück ins Büro", sagte Mac. "Danke für das Essen." Sam nickte resigniert. Es hatte keinen Sinn, weiter auf Mac einzureden, sie hatte sich vor ihm verschlossen. "Wir sehen und sicher noch", Mac wandte sich von Sam ab und ging ohne ein weiteres Wort. Ratlos blickte Sam in die Runde. Was sollte er jetzt tun? Er hatte es mit Harm und mit Mac versucht, ohne Erfolg. "Glück gehabt?", erklang plötzlich die Stimme des Hologramms neben ihm. Erschrocken fuhr Sam zusammen. "Al!" Langsam beruhigte sich sein Herzschlag wieder. Eigentlich müsste er an das plötzliche Auftauchen seines Freundes gewöhnt sein, aber immer wieder erwischte Al ihn in einem ungünstigen Augenblick. "Nein", sagte Sam und ging die Straße entlang. "Nein?" "Sie liebt ihn, aber sie wird nicht den ersten Schritt machen ...oder besser den zweiten.", fügte er an Macs Worte denkend hinzu. "Den zweiten?", Al verstand nicht. "Sie hat mir erzählt, dass Sie Harm gegenüber ihre Gefühle offenbart hat und er sie zurückgewiesen hat." "Was?", Al war erstaunt. Wie konnte man eine Frau wie Mac nicht wollen? "Trottel." "Ja", sagte Sam. "Was jetzt?" "Ich habe keine Ahung", gab Sam leise zu.
Jarod lief auf der anderen Straßenseite neben Meg her, sah sie eine rege Unterhaltung mit jemanden führen, der gar nicht da war. Es schien kein Selbgespräch zu sein, glaubte er. Meg hatte nicht den Kopf gesenkt als würde sie mit sich selbst sprechen, viel mehr schien sie auf eine Person zu blicken, die genau neben ihr war. Zweifelnd schüttelte Jarod den Kopf.
Aufgeregte Geräusche des Handlink rissen Sam und Al aus ihren Grübelein. "Was ist los?", wollte Sam wissen. Al drückte einige Befehle ins Handlink. "Geh einfach weiter, dreh Dich nicht um", sagte er. "Wir werden verfolgt?" "Verfolgt?", Sam unterdrückte den Impuls sich umzusehen. "Von wem?" "Unserem Unbekannten, Cmd. Jarod Parker." "Warum? Was will er von Meg?" Al schüttelte den Kopf. "Ziggy hat keine Daten über ihn. Nicht einen Anhaltspunkt, wer er ist und was er hier tut." "Konnte sie etwas im Computer des JAG finden?" Das Hologramm befragte das Handlink. "Im Computer gibt es einen ausführlichen Lebenslauf und Werdegang über Cmd. Parker", sagte Al. "Alle Informationen halten einer genauen Überprüfung aber nicht stand. Es gibt ihn nicht." "Aber, er muss doch irgendwo geboren worden sein. Eltern. Schule. Irgendetwas", wandte Sam ein. "Nada. Zero. Null", antwortete Al. "Was machen wir jetzt?", nun sah Sam sich doch um, konnte Jarod aber nirgends entdecken. "Such Dir einen öffentlichen Platz und warte ab", schlug das Hologramm vor. "Abwarten? Was, wenn er mich töten will?" "Wenn dem so wäre, wüssten Ziggy das", wandte Al ein. "Wir haben aber keinen Daten über Meg Astins Tod." Beruhigt nickte Sam und steuerte auf einen Park zu, der vor ihm lag. Jarod hatte den Abstand zu Meg vergrößert als ihm aufgefallen war, dass sie sich suchend umgesehen hatte. Als würde sie wissen, dass er da war oder als hätte die Person, mit der sie sich unterhielt, es ihr gesagt. Er schüttelte den Kopf. Es gab keine unsichtbaren Personen, sagte er sich. Andererseits hatte er schon zu viele Dinge gesehen, die es eigentlich nicht gab und auch nie geben sollte. Als Meg sich auf eine Parkbank setzte, blieb er stehen. Was sollte er jetzt tun? Seit er aus dem Center geflohen war, hatte er soviel neues entdeckt, Dinge, die er nie für möglich gehalten hatte. Er hatte Fragen gestellt, erstaunliche Entdeckungen, wie Eisecremé gemacht und all das nachgeholt, was ihm als Kind und Erwachsener vorenthalten worden war. Er würde auch dieses Geheimnis lüften.
Parkbank
Als sich jemand neben Sam auf die Bank setze, sah er sich nicht um, er wusste, wer es war. "Jarod", sagte er. "Meg." Beide schwiegen eine Weile. Still musterte Jarod Sam. Er sah eine attraktive große, blonde Frau in einer Navy-Uniform und doch schien ihm alles irgendwie nicht zusammenzupassen. Sie wirkte nicht auf ihn als würde diese Kleidung zu ihrem Leben gehören; als würde sie mehr sein als nur eine Uniform, ein Kleidungsstück. Als er ihre Akte gelesen hatte, hatte er sich eine Frau vorgestellt, die mit Leib und Seele beim Militär war, die in die Fußstapfen ihren Vaters getreten war, um ihrem Land zu dienen. "Wer sind Sie?", flüsterte er. Sam drehte den Kopf und sah Jarod jetzt direkt ins Gesicht. "Sie wissen, wer ich bin", sagte Sam. "Die Frage ist nur, wer Sie sind." Für den Hauch einer Sekunde hatte Sam das Gefühl, den wunden Punkt seines Gegenübers getroffen zu haben. Jarods Augen verdunkelten sich kurz bevor sie wieder klar wurden. "Cmd. Jarod Parker", antwortete er. Sam schüttelte den Kopf. "Nein." "Hat Ihnen das die Person gesagt, mit der Sie sich vorhin so angeregt unterhalten haben?" Überrascht sah Sam Jarod an. "Ich habe mit mir selbst gesprochen", verteidigte er sich, niemand außer ihm konnte Al sehen oder hören. "Jetzt lügen Sie", lächelte Jarod. Er hatte sich entspannt und genoss das Versteckspiel mit Meg oder wer immer sie auch in Wirklichkeit sein mochte. "Warum legen wir nicht die Karten auf den Tisch?", schlug Jarod vor. "Warum glauben Sie, dass es irgendwelche Karten gibt?" "Ich weiß, dass Sie nicht die sind, für die Sie sich ausgeben. Es gibt sicher einen Grund dafür, vielleicht kann ich helfen." "Helfen?", fragte Sam. "Warum sollte ich Ihnen glauben, wenn ich nicht einmal weiß, wer Sie sind." "Mein Name ist Jarod", er reichte Sam die Hand. "Ich bin hier, um Harm und Mac zu helfen." Aufrichtig blickte er Meg ins Gesicht, hoffte, sie so von seiner Ehrichkeit zu überzeugen. Sam nahm seine Hand und beschloß Jarod einzuweihen. Er wirkte vertrauenswürdig und ihm blieb sowieso keine andere Möglichkeit mehr. Er musste einen Weg finden, Harm und Mac zusammen zu bringen, damit er hieraus springen konnte. "Sam", sagte er. "Samantha?" Sam schüttelte den Kopf und lächelte. Er fragte sich, wie Jarod die Neuigkeit wohl aufnehmen würde. "Nein. Sam, wie... Samuel." Jarod erstarrte für einen Augenblick verblüfft, dann betrachtete er seinen Gegenüber genauer. "Unmöglich!", sagte er kopfschüttelnd. "Mein Name ist Dr. Samuel Beckett", bekräftigte Sam. "Ich habe ein Zeitreisenprojekt namens Quantum Leap entwickelt und springe in die Körper anderer Menschen, um etwas zu korrigieren, was einst schief gelaufen ist." Jarod zuckte bei der Erwähnung des Namens Sam Beckett merklich zusammen. Ganz deutlich konnte er sich an eine Simulation erinnern, die er vor einigen Jahren für das Center durchführen musste. Dabei war es um einen Quantenphysiker des selben Namens gegangen, der mit seiner Theorie über das Reisen durch die Zeit für Aufregung gesorgt hatte. Er hatte die Simulation nie beenden können, da es zu wenig Informationen über Dr. Beckett gegeben hatte. Er erinnerte sich nur noch an eins: "String Theorie(1)", flüsterte er. "Ja", bestätigte Sam erstaunt. "Sie haben davon gehört?" "Vor langer Zeit, in einem anderen Leben", sagte Jarod, verscheuchte die Erinnerungen an das Experiment. Nicht auszudenken, wenn es ihm damals gelungen wäre, hinter Dr. Becketts Theorie zu kommen. Die Macht, die dann in den Händen des Centers gelegen hätte... Sam sah den Schmerz in Jarods Gesicht. "Was ist mit Ihnen passiert?", fragte er leise. Jarod blickte ihn jetzt direkt an. "Ich weiß nicht, wer ich bin", sagte er traurig. Vielleicht konnte es ihm mit Sams Hilfe gelingen, herauszufinden, wer er wirklich war. Fragend hob Sam die Brauen. "Ich wurde meinen Eltern gestohlen als ich noch ein Kind war", erzählte Jarod. "Eine Organisation - das Center - hat mich aufgezogen und für ihre Experimente missbraucht", seine Stimme wurde härter, Wut schwang in ihr mit. "Man hat mich meinen Eltern geraubt und mir meine Kindheit, mein Leben gestohlen." "Warum?", fragte Sam entsetzt. Er konnte sich nicht vorstellen, nicht zu wissen, wer man ist und woher man kommt. Nach seinem ersten Sprung hatte Sam seinen vollen Namen nicht mehr gewusst, konnte sich nicht an seiner Eltern und Geschwister erinnern. Er hatte sich verloren und hilflos gefühlt. "Ich habe eine Gabe, die gleichzeitig ein Fluch ist", sagte Jarod. "Ich bin ein Pretender." "Ein Pretender?", Sam hatte schon davon gehört, aber nicht gewusst, ob es soetwas wirklich gab. "Er ist jemand, der sein kann, wer immer er sein will", erklärte plötzlich Al, der wie aus dem Nichts zu kommen schien. Dabei hatte er schon einige Minuten unbemerkt neben Sam gestanden. Aufmerksam hatte er Jarod gelauscht und empfand tiefes Mitleid für ihm. Er selbst hatte sehr früh seine Eltern verloren, war in einem Waisenhaus aufgewachsen, aber er wusste wenigstens, wer seine Eltern waren und woher er stammte. "Ich weiß", sagte Sam, der viel zu sehr von Jarods Schicksal berührt war als das ihn Als Auftauchen erschreckte. "Ich habe Dinge getan, die anderen Menschen Schaden zugefügt hat", gestand Jarod. "Sie waren noch ein Kind, Sie konnten sich nicht wehren", wandte Sam ein. Jarod nickte. Er hatte sich das selbst schon hunderte Male gesagt und hoffte, durch seine jetzigen Taten vergangenes Unrecht wieder gut zu machen. "Sie sind hinter ihm her", sagte Al leise, der Jarods Gesicht genau studierte. Für jemanden, der nicht wusste, wie es ist, eingesperrt worden sein, war es vielleicht nicht sichtbar, aber er, Al, sah es ganz deutlich. Erschrocken fuhr Sam zusammen und sah sich suchend um. "Wer?", fragte er. "Wer?", Jarod folgte Sams Blicken, verstand nicht, was geschehen war. "Wer ist hinter Ihnen her?" "Woher....", wollte Jarod fragen als er innehielt. "Wer ist noch hier?", fragte er und sah sich um. Sam hatte Jarod schon so viel erzählt, da spielte diese Information keine Rolle mehr. "Al, mein Hologramm", antwortete er. "Bekommen Sie von ihm die Informationen aus der Zukunft?" Sam nickte bestätigend. Also hatte Jarod sich doch nicht geirrt als er annahm, dass Meg...Sam sich mit jemandem unterhalten hatte. "Können Sie....ich meine....ich", Jarod wurde ganz aufgeregt von der Möglichkeit, die sich ihm hier vielleicht bot. Al, der erkannte, worauf Jarod hinaus wollte, schüttelte den Kopf. "Wenn er selbst nicht weiß, wer er ist, wie soll Ziggy es dann herausfinden?", gab er zu bedenken. "Jarod", Sam wandte sich ihm zu, "können Sie mir etwas mehr über sich erzählen? Einen Nachname? Geburtsdatum? Eltern? Irgendetwas!" Jarod schüttelte traurig den Kopf. "Nein....nichts davon", er selbst suchte nach seiner Vergangenheit seit er geflohen war und hatte an Hand der wenigen Informationen kaum etwas herausgefunden. "Mein Vater heißt Major Charles, meine Mutter Margaret. Ich habe.... hatte", verbesserte er sich," einen Bruder, Kyle, und eine Schwester, Emily. Mehr nicht." Fragend sah Sam das Hologramm an. "Wir werden tun, was wir können", sagte Al und gab die Informationen an Ziggy weiter. "Du solltest aber trotzdem nicht vergessen, warum Du hier bist", verdeutlichte er, bevor er durch die Imaging Chamber verschwand. Sam und Jarod schwiegen eine Weile. "Warum sind Sie hier, Sam?", fragte Jarod. Er hatte beschlossen, seine eigenen Probleme für den Moment zu vergessen und sich auf das zu konzentrieren, was er beeinflussen konnte. "Harm und Mac", antwortete Sam. "Unser Hybridcomputer hat berechnet, dass ich hier bin, um sie zusammen zu bringen." Jarod lächelte und holte sein rotes Notizbuch hervor. Er schlug die Seite mit dem Foto auf und reichte es Sam. "Sie sollten zusammen sein", sagte er. Sam nickte. "Das wird gar nicht so einfach", wandte er ein. "Was hat Mac Ihnen erzählt?", wollte Jarod wissen. Sam zögerte, er fühlte sich schon schlecht genug, dass er Macs Vertrauen missbraucht hatte, glaubte sie doch, mit Meg zu sprechen. "Sie liebt ihn, aber Harm muss den Anfang machen", sagte er. "Warum er?" "Weil er derjenige ist, der nicht weiß, was er will." Jarod nickte verstehend. "Ich bin heute abend mit Mac zum Essen verabredet", erklärte er. Sam ließ den Kopf etwas hängen. Wenn Jarod eine Verabredung mit Mac hatte, bedeutete das, dass er doch mit Harm ausgehen musste. "Eifersucht", flüsterte Jarod überlegend. Sam stöhnte leise auf. Derselbe Gedanke war ihm auch gekommen und die Vorstellung gefiel ihm gar nicht. "Alles in Ordnung", fragte Jarod und sah Sam zweifelnd an. Sam nickte. "Es ist nur....", er sah an sich herunter. Jarod verstand. "Oh...." "Genau, oh." Ein kleines Lächeln huschte über Jarods Gesicht. Er konnte zwar sein, wer immer er sein wollte, aber er hatte noch nie im Körper einer Frau gesteckt. Seine Gabe beschränke sich auf das Wissen, das Verstehen. Er brauchte nicht im Sinne des Wortes, die Person werden. "Wie kommen Sie damit klar?", fragte er neugierig. "Man gewöhnt sich mit der Zeit dran", antwortete Sam leicht, obwohl es nicht ganz der Wahrheit entsprach. Es gab da ein paar Dinge, wie Stöckelschuhe und BHs oder eine Schwangerschaft, an die er sich nie gewöhnen würde, aber das brauchte Jarod nicht wissen. "Wirklich?", fragte Jarod als hätte er Sams Gedanken gelesen. "Nein", Sam lachte auf. "Wie sieht Ihr Plan aus?", fügte er dann wieder ernst hinzu. "Ich hab mir folgendes gedacht...."
Harm sah Meg zusammen mit Jarod das Büro betreten und sein Blick wurde ärgerlich. Erst hatte Mac ihm erzählt, dass sie am Abend mit Jarod Essen gehen würde und jetzt schien es auch noch so, als würde Meg dem Charme des neuen Anwalts erliegen. "Harm", grüsste Jarod im vorbeigehen lächelnd und verschwand in seinem Büro. Hinter der Tür blieb er stehen und beobachtete Harm und Sam. Er hoffte, dass ihr Plan funktionierte und sie es schaffen würden, dass der Cmd. erkannte, wer wirklich wichtig für ihn war.
"McMurphy's heute abend?", fragte Sam und übersah absichtlich Harms leicht aufgebrachten Gesichtsausdruck. "Willst Du nicht lieber mit ihm gehen?", Harm deutete auf Jarods geschlossene Bürotür. Sam folgte seinem Blick und lächelte still in sich hinein. "Jarod erzählte mir, dass er heute abend schon etwas vor hat", sagte Sam unschuldig. "Ich wollte ihn bitten, uns zu begleiten, aber....", er ließ den Satz unvollendet. Harm biß ärgerlich die Zähne zusammen. "Er geht mit Mac aus." Sam nickte verstehend. "Er ist neu hier, er will sicher nur seine neue Kollegen etwas besser kennen lernen." "Sicher", sagte Harm sarkastisch. "Ich bin aber nicht eingeladen worden, auch keiner von den anderen." "Oh." Harm nickte verbissen. Ihm gefiel die Sache ganz und gar nicht. Mac war sein bester Freund, er wollte nicht, dass ihr jemand weh tat. Schon gar nicht jemand, der mit ihr zusammen arbeiten würde, den sie Tag für Tag im Büro traf und.... Er schüttelte den Kopf. Das klang genauso, wie die Ausreden, die er für sich selbst erfand, wenn er die Sehnsucht nach ihr zu groß wurde. Das, und ihre Freundschaft, die viel zu teuer war, um sie zu riskieren... Sein Blick wurde traurig. Warum nur war er in Bezug auf Mac so ein Feigling? Brumby hatte sich nicht davon abhalten lassen, dass sie zusammen arbeiteten und auch Jarod würde es nicht tun. Nicht, wenn er genug Verstand hatte, um zu erkennen, was für eine tolle Frau Mac war. "Alles in Orndung?", fragte Sam leise und legte eine Hand auf Harms Arm. Ganz deutlich sah er den Schmerz in Harms Gesicht. Waren sie etwa zu weit gegangen? Harm nickte. "Wir treffen uns um acht dort", sagte er und verschwand in seinem Büro.
Während Sam Mitleid mit Harm hatte, lächelte Jarod. Ihr Plan schien zu funktionieren. Zum ersten Mal, seit er als Cmd. Parker nach Washington gekommen war, griff er zum Telefon und wählte.
Sidney saß in seinem Büro und fragte sich, wo Jarod steckte. Noch nie war soviel Zeit vergangen, ohne dass er sich bei ihm gemeldet hatte. Gedanken daran, dass ihm etwas passiert sein könnte oder das Mr. Lyle ihn vielleicht aufgespürt hatte, beunruhigten ihn, als das Telefon endlich läutete. "Sidney", sagte er und lehnte sich in seinem Stuhl enspannt zurück. <"Gibt es soetwas wie zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind?">, fragte Jarod am anderen Ende der Leitung und betrachtete das Foto von Harm und Mac. Sidney schüttelte den Kopf. "Ich weiß es nicht, Jarod", gab er zu. "Wir allen wünschen uns jemanden, der uns versteht, dem wir vertrauen und lieben und das diese Liebe ewig hält." <"Du glaubst nicht daran?"> "Ich glaube an die Liebe", Sidney lächelte. "Aber es ist schwer, sie zu finden und wenn man sie gefunden hat, sie festzuhalten. Es erfordert viel Arbeit, aber ich denke, dass es sich lohnt." Sidney hörte Schritte hinter sich und drehte sich um. Ms. Parker war hinter ihn getreten, ihr Gesicht schien entspannter als noch vor ein paar Stunden. Auch ihr war es ungewöhnlich erschienen, dass Jarod nichts von sich hatte hören lassen. Jarod war inzwischen zu ihrem Lebensinhalt geworden, besser, die Jagd auf ihn. Er war der Grund, warum sie im Center war, warum sie nicht einfach gehen und ihr eigenes Leben leben konnte. Sie schüttelte den Kopf. Nein, so ganz stimmte das nicht. Sie fühlte sich ihrem Vater gegenüber verpflichtet, deshalb war sie noch hier. Jarod war nur eine Ausrede, aber das gestand sie sich nur selten ein. Ihr war beigebracht worden, ihm zu misstrauen, zu jagen und zu hassen, auch wenn sie wusste, dass es falsch war. Sie hatte viel mit Jarod gemeinsam - so viele Fragen, so viele Lügen... <"Vielleicht gibt es die ewige Liebe nur zwischen Eltern und ihren Kindern">, sagte Jarod und legte auf. Sidney schüttelte traurig den Kopf und legte den Hörer aus der Hand. "Was wollte er diesmal?", wollte Ms. Parker wissen. "Die ewige Liebe", sagte Sidney. Ms. Parker gab einen abfälligen Laut von sich. "Die ewige Liebe ist ein Mythos, eine Lüge. Es gibt sie nicht", sagte sie und wandte Sidney den Rücken zu.
"Ewige Liebe", schüttelte Mr. Lyle spöttisch den Kopf und wandte sich dann an einem Mann, der vor einem Computer saß. "Konnten Sie herausfinden, von wo aus er angerufen hat?" Der Mann nickte. "Washington D.C.", antwortete er. Mr. Lyle sah ihn drohend an. "Eine ziemlich große Stadt. Geht's etwas genauer." "Tut mir leid, Sir", begann der Mann zu stottern, "die Zeit war zu knapp. Ich kann Ihnen nur sagen, dass der Anruf aus einem Regierungsgebäude kam." "Lassen Sie den Jet startklar machen", ordnete er an und stürmte hinaus. Diesmal würde Jarod ihm nicht entkommen. Seine Schwester mochte unfähig sein, ihn zu fangen oder fangen zu wollen, aber er nicht. Und wenn er den Wunderknaben erst wieder im Center hatte, würden ihm hier alle Türen offenstehen. Ein gemeines Grinsen erschien auf seinem Gesicht als er durch die Flure eilte. Einiges würde sich hier ändern, wenn er erst die Kontrolle hatte. Zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt, bemerkte er den Mann nicht, der sich eilig von ihm entfernte.
"Sidney...", stürmte Broots in dessen Büro als er Ms. Parker bemerkte. "Was gibt es, Broots?", ihre Stimme klang drohend, wie sie es immer tat, wenn der Computerspezialist in ihrem Team etwas wusste und nicht schnell genug zum Thema kam. Unsicher sah Broots zwischen Sidney und Ms. Parker hin und her. Sidney lächelte, zu oft hatte er dieses Spiel schon miterlebt. "Mr. Lyle....er..." "Broots", rief Ms. Parker ungeduldig. "....er hat irgendeine Spur....ich meine, er lief mit einem Gesicht durch's Center", er schüttelte sich. "Sie hätten ihn sehen müssen...er..." Ms. Parker ließ Broots nicht bis zum Ende kommen als sie bereits zu ihrem Telefon griff und nachfragte, wohin ihr kleiner Bruder unterwegs war. "Washington D.C.", sagte sie als sie aufgelegt hatte.
Es klingelte an Macs Wohnungstür. Sie brauchte nicht auf die Uhr zu sehen - es war genau 6:57 Uhr, um zu sehen, wie spät es war. Erfreulichweise gab es noch Menschen, die sich an verabredete Zeiten hielten, lächelte sie und schob den Gedanken an Harm gleich wieder beiseite. Sie öffnete Jarod die Tür. Er hatte sich umgezogen, trug nicht mehr die Uniform sondern war ganz in schwarz gekleidet, was ihm außerordentlich gut stand, musste Mac zugeben. "Hallo", grüsste Jarod lächelnd und überreichte ihr einen kleinen Blumenstrauß. "Kommen Sie herein, Jarod", sagte sie und nahm die Blumen entgegen. "Danke!" Jarod nickte nur und streichelte dann den Hund, der schwanzwedelnd auf ihn zu kam. "Jingo", erklärte Mac und lächelte. "Na, mein Alter", flüsterte Jarod und kraulte den Hund hinter den Ohren. "Ich bin gleich soweit", sagte Mac und verschwand in der Küche. Während sie die Blumen ins Wasser stellte, beobachtete sie Jarod aus den Augenwinkeln. Mit der Ausdauer eines kleinen Kindes streichelte er den Hund und flüsterte ihm Worte zu, die sie nicht hören konnte. "Wir können", rief sie als sie aus den Küche kam. Jarod erhob sich, öffnete ihr die Tür und hoffte auf einen erfolgreichen Abend.
"McMurphy's?", fragte Mac verwundert als Jarod vor der Bar hielt. "Ich dachte, dass Sie sich hier vielleicht wohler fühlen würden", sagte Jarod. "Sie kommen doch öfter hierher?" Mac nickte und stieg aus. .... Mac genoß den Abend. Es war eine gute Idee von Jarod gewesen, hierher zu kommen. Sie lächelte. Überhaupt war es eine gute Idee, mit ihm auszugehen. Sie mochte ihn, die Art, wie er mir sprach, wie er mit ihr umging. Es schien, als würde sie ihn länger kennen als diesen einen Tag.
"Sie sind beide drinnen und scheinen sich wunderbar zu verstehen", sagte Al gerade als Sam die Eingangstür öffnen wollte. Erschrocken hielt er inne und holte tief Luft. Er war so schon nervös genug, da brauchte er nicht noch ein Hologramm, das ihm zusätzlich an die Nerven ging. "Du siehst gut aus, Sam", lächelte Al und sah seinen Freund an. Sam hatte die Uniform abgelegt und ein dunkelblaues Kostüm gewählt - natürlich mit einer Hose, auch die Schuhe hatten nur einen ganz kleinen Absatz. "Wo ist Harm?", fragte Sam, als hinter ihm Harms Stimme erklang und die Frage überflüsssig machte. "Meg." Sam drehte sich zu ihm um und schickte ein Stoßgebet gen Himmel, dass dieser Abend möglichst bald vorbei war.
Washington D.C.
Mac lachte gerade über etwas das Jarod gesagt hatte, als sie Harm in der Tür stehen sah. Als sie Meg hinter ihm entdeckte, verschwand ihr Lächeln augenblicklich. "Alles in Ordnung, Mac?", fragte Jarod, der sehr wohl wusste, warum sie erstarrt war.
Harms Blick glitt durch den Raum, gerade war es ihm so vorgekommen, als hätte er Macs Lachen gehört. Und da saß sie, zusammen mit Jarod, der seine Hand über ihre gelegt hatte. Harms Zähne knirschten, als er sich mit Sam einen Weg zu Macs Tisch bahnte.
Erwartungsvoll sah Mac zu Harm auf als dieser an ihren Tisch trat. "Was für ein Zufall, Sie hier zu treffen", sagte Harm und sah Jarod finster an. Als würde Jarod Harms Feindseligkeit nicht bemerken, deutete er auf die beiden leeren Stühle am Tisch. "Setzen Sie sich doch zu uns", sagte er freundlich. "Wir möchten nicht stören", sagte Harm kurz angebunden. "Harm...", setze Mac an, die genau sah, wie es ihm brodelte. "Sie stören ganz und gar nicht", unterbrach Jarod, stand auf und rückte für Sam einen Stuhl zurecht. "Danke!", sagte Sam und setzte sich. Unangenehmes Schweigen entstand am Tisch, als die vier sich gegenüber saßen. Mac war die ganze Sache unangenehm, obwohl es dafür gar keinen Grund gab. Sie war hier mit einem Kollegen, den sie zufällig gern mochte und sie war ungebunden, konnte also tun, was immer sie wollte. Harm hatte kein Recht, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, schließlich war er derjenige, der nicht wusste, was er wollte. Wie lange sollte sie noch auf ihn warten? Harms Blicke wanderten unauffällig zwische Mac und Meg hin und her. Was tat er hier eigentlich? Er sollte mit Mac hier sein, nicht Jarod. Und Meg? Er mochte sie, wirklich, aber wenn er ehrlich war, hatte er seine Gedanken nur an sie geklammert, um nicht über seine Gefühle für Mac nachdenken zu müssen. Sam und Jarod warteten ruhig ab, was passieren würde. Beide sahen, dass sowohl Mac als auch Harm über die Situation nachdachten und hofften, dass es nicht noch mehr Bemühungen von ihrer Seite brauchte, damit sie zu der richtigen Entscheidung kamen. Mac wurde das Schweigen über und es machte sie gleichzeitig wütend. Sie hatte einen netten Abend verbringen wollen, stattdessen saß sie an einem Tisch mit Harm und seiner ehemaligen Partnerin, an der er offensichtlich noch interessiert war. "Jarod,", fragte Mac, "würden Sie mit mir tanzen?" Ohne auf seine Antwort zu warten, erhob sie sich und griff nach seinen Arm. Harm sah wie die beiden auf die Tanzfläche gingen und sich langsam zum Takt der Musik bewegten. Mac legte den Kopf an Jarods Schulter und schloß die Augen. Sie konzentrierte sich auf die Musik, wollte weder an Harm denken noch seine verletzte Blicke sehen, die er ihr vom Tisch aus zuwarf. "Mac?", flüsterte Jarod. "Hmmm?", murmelte sie zurück. "Wer bin ich?", fragte er. Überrascht öffnete Mac die Augen und sah ihn fragend an. "Tanzen Sie mit mir oder...", er deutete mit dem Kopf in Harms Richtung. Mac zögerte. Sie wollte Jarod nicht verletzten, aber sie wollte auch nicht lügen. Jarod nickte verstehend und drückte ihren Kopf sanft zurück an seine Schulter.
"Harm?", räusperte sich Sam. Nur widerwillig riß Harm den Blick von Mac los. Fragend sah er Meg an. Die nächsten Worte kosteten Sam viel Überwindung, aber es musste sein. "Würdest Du...", fragte er und deutete auf die Tanzfläche. Harm erinnerte sich an seine guten Manieren, Meg konnte schließlich nichts dafür, dass er ein Trottel war und sie in diese Situation gebracht hatte. "Natürlich", lächelte er und griff nach ihrer Hand. Sie gesellten sich zu Mac und Jarod auf die Tanzfläche.
Jarod lächelte still sich in hinein als er Sam in Harms Armen an sich vorbei tanzen sah. Um ihn aus der für ihn etwas unangenehmen Situation zu befreien, gab er der LIVE-Band ein vorher abgesprochenes Zeichen und wartete auf den nächsten Song.
I know I stand in line,
until you think you have the time to spend an evening with me. And if we go some place to dance, I know that there's a chance you won't be leaving with me. And afterwards we drop into a quiet little place and have a drink or two. Jarod steuerte mit Mac, die noch immer an seiner Schulter lehnte, langsam auf Sam zu. Als er ihn erreicht hatte, klopfte er Harm leicht auf die Schulter und ehe Harm es sich versah, verschwand Jarod mit Sam und er hielt Mac in den Armen.
And then I go and spoil it all,
by saying something stupid like: "I love you." I can see it in your eyes, that you despise the same old lies you heard the night before. And though it's just a line to you, for me it's true, it never seemed so right before. Beide sahen sich erst überrascht an, bevor Harm sie an sich zog und sich im Takt der Musik bewegte. Mac fühlte sich etwas von Jarod überrumpelt und eigentlich war sie wütend auf Harm. Wütend, dass er hier mit Meg aufgetaucht war, wütend, dass er ihren Abend ruiniert hatte, aber seine Nähe, die Wärme seines Körpers und das stimmungsvolle Lied ließen sie alles vergessen. Jetzt zählte nur, dass Harm sie in den Armen hielt und mit ihr tanzte.
I practice every day
to find some clever lines to say, to make the meaning come true. But then I think I'll wait until the evening gets late, and I'm alone with you. "Du solltest nicht mit ihm hier sein", flüsterte Harm. Als er merkte, dass Macs Körper sich in seinen Armen anspannte, fuhr er fort: "Du solltest überhaupt mit niemandem hier sein", er lächelte. Harms Ton hatte etwas spielerisches und gleichzeitig weiches, dass Mac ganz warm wurde. Ihre Knie zitterten leicht als sie: "Er ist ein gutaussehender und netter Mann", sagte.
The time is right,
your perfume fills my head, the stars get red, and oh, the night's so blue. "Das bin ich auch", flüsterte Harm zurück und begann leise den Refrain zu summen.
And then I go and spoil it all,
by saying something stupid like: "I love you." Die letzten drei Worte sang er laut, nahm dabei Macs Kinn in seine Hände und sah ihr tief in die Augen. "Du weißt doch, dass es so ist, oder?", fragte er etwas unsicher. Mac nickte nur und zog ihn glücklich lächelnd wieder an sich.
Sam und Jarod standen am anderen Ende des Raumes, betrachteten das tanzende Paar. "Gute Arbeit", lobte Jarod und reichte Sam seine Hand. "Wer weiß, ob ich es ohne Sie geschafft hätte", sagte Sam und zusammen verließen sie McMurphy's.
Keine Sekunde zu früh, denn kaum hatten sie die Bar verlassen, traten vier schwarz gekleidete Männer durch die Hintertür ein, ihnen dicht auf dem Fersen zwei weitere Männer und eine Frau. Hektisch suchend sahen sie sich um. "Mist!", fluchte Mr. Lyle, als er Jarod nirgends entdecken konnte. Über Informanten in Regierungskreisen hatte er erfahren, dass ein gewisser Cmd. Jarod Parker vor kurzem beim JAG angefangen hatte und von da an war es ein leichtes gewesen, den Weg ins McMurphy's zu finden. "Kein Glück?", flüsterte ihm seine Schwester von hinten gehässig ins Ohr. Ihr Blick fiel auf die Tanzfläche, wo ein Paar in inniger Umarmung tanzte. Sie schienen die Welt um sich herum, völlig vergessen zu haben als sie sich zärtlich küssten. "Ewige Liebe", flüsterte sie, machte auf dem Absatz kehrt und lief wieder nach draußen.
"Wann springen Sie?", fragte Jarod, der mit Sam langsam die Straße entlang ging. "Ich weiß es nicht", er schüttelte den Kopf als plötzlich Al neben ihm auftauchte. "Gute und schlechte Nachrichten", sagte das Hologramm, hektisch sah er sich nach allen Seiten um.. Sam folgte seinen Blicken, sah ihn dann fragend an. Al zuckte mit Schultern. "Dein Auftrag ist erfüllt", konnte er Sam beruhigen. "Aber die Leute, die hinter Jarod her sind, sind hier." Kaum hatte Al den Satz ausgesprochen, fluchte Jarod leise. Am anderen Ende der Straße erblickte er Ms. Parker, in ihrem Schlepptau Mr. Lyle und drei seiner Männer. "Sweeper!" "Was?" "Sam, ich muss gehen", sagte Jarod. "Es war schön Sie getroffen zu haben", die beiden Männer schüttelten sich herzlich die Hände. "Viel Glück!", Sam bedauerte, dass er nichts für Jarod hatte tun können. Jarod warf noch einen Blick auf seine Verfolger und lief dann los. "Warte!", rief Al als das Handlink plötzlich aufgeregte Geräusche von sich gab. Sam spürte bereits den nahenden Abschied als Al die Information erhielt, dass Jarod noch einen weiteren Bruder hatte. "Sie haben noch einen Bruder..........", rief Sam Jarod hinterher und sprang.
'Bruder....Bruder...Bruder', hallte es in Jarods Kopf wieder während er vor seinen Verfolgern flüchtete.
(1) Das Leben ist wie eine Schnur. Ein Ende steht für die Geburt, das andere für den Tod. Verbindet man beide, erhält man einen Kreis. Knüllt man die Schnur, berühren sich die Tage des Lebens an unterschiedlichen Stellen in der Zeit und man kann innerhalb seiner eigenen Lebenszeit vorwärts und rückwärts springen.)
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