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Von gekreuzten Wegen und wertvollen Gefälligkeiten

© by Clio ()
 
Disclaimer: Die Rechte der Serie Highlander und ihrer Charaktere liegen bei Davis/Panzer/Anderson etc. Dies ist eine völlig unkommerzielle Fanfiction für Highlander-Fans. Die Rechte der Story an sich liegen allerdings bei mir.
Kommentar/Spoiler: Im Endeffekt wieder eine Episode aus der Reihe "Dr. Adams And The Women". Dass Methos und Rebecca Horne, Amandas Mentorin, sich kannten, ist eine Hypothese, die von Fans in Bezugnahme auf die Watcher Chronicles CD-Rom aufgestellt wurde. Ich schließe mich dem an und öffne mich den Möglichkeiten.(Auch wenn ich die CD-Rom nicht besitze und ich mir des Weiteren einiger Details mangels Videoaufzeichnungen nicht sicher bin - Rebeccas Augenfarbe z.B. und auch die Beziehung zwischen Rebecca und Amanda ist mir nur noch vage in Erinnerung.) Ein weiterer Punkt ist, dass Methos und Amanda sich nicht vorgestellt wurden, warum sollten sie sich also nicht bereits von früher kennen?
Dank dem geduldigen Beta-Leser. - Über Feedback würde ich mich sehr freuen. So enjoy.
Ach, noch 'was: Rauchen schadet Deiner Gesundheit. Nur fiktiven Unsterblichen macht das nichts aus.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

 
[Paris, Methos' Appartement im Herbst 1991]

 

Die Strahlen der frühen Sonne fielen durch das Fenster direkt auf das Kopfende des Bettes. Rebeccas rotes Haar schimmerte auf dem weißen Kissen wie keltisches Gold. Methos hatte einen Arm angewinkelt und den Kopf darauf gestützt. So verweilte er nun schon einige Zeit, hatte die Sonne aufgehen sehen und beobachtete das ruhige und entspannte Heben und Senken von Rebeccas Brustkorb. Im nächsten Augenblick drehte sie sich auf die andere Seite und verwehrte ihm somit, den Blick länger auf ihrem schlafenden Gesicht mit den vollen, verführerisch geschwungenen Lippen, die er noch vor wenigen Stunden geküsst hatte, verweilen zu lassen. So blieb ihm zumindest die Betrachtung ihres weichen Haares. Er atmete tief ein, um ihren süßen Duft auf der Zunge zu schmecken, aber auch jenen Moment festzuhalten und sich an dessen und ihrer Schönheit zu berauschen.

Seit Jahrzehnten hatte er nichts mehr von ihr gehört, da liefen sie sich urplötzlich und unvermittelt bei dieser Kunstbuchhandlung unweit des Centre Pompidou über den Weg. Ein Lachen, dann der Austausch von Begrüßungsküssen, im Anschluss ein Kaffee und wenige Stunden später landeten sie in seiner Wohnung und letztlich auch in seinem Bett.

Natürlich bot dies auch die Gelegenheit, in alten Erinnerungen zu schwelgen. Methos musste sich eingestehen, dass sie nicht viele davon teilten, aber er erinnerte sich noch gut an ihr letztes Zusammentreffen...

 

Es war wohl um das Jahr 1955 herum, als sie sich in Siena in einem CafÉ auf dem Campo gegenüber dem Palazzo Pubblico wieder sahen; nicht zufällig, sondern nachdem sie ihm eine Nachricht hatte zukommen lassen. Sie wusste, dass er in dieser Jahreszeit gern in die Toskana fuhr. Rebecca war elegant wie immer, trug ein dunkelgrünes Kostüm und das rote Haar in diesen Jahren halblang wie Grace Kelly. Ihre atemberaubende Erscheinung hielt ihn aber nicht davon ab, zu bemerken, wie fahrig und zerstreut sie wirkte.

Er setzte sich zu ihr und bestellte ihr zur Beruhigung einen Tee und sich selbst einen Cappuccino.

"Rebecca, Bellissima, was ist los? Du wirkst etwas... angespannt" Er versuchte ihre Hand zu nehmen, aber sie zog sie zurück. Nervös strich sie sich eine Strähne aus der Stirn: "Eine meiner Schülerinnen... Amanda... Erinnerst du dich?"

Er lächelte und zündete sich eine Zigarette an: "Allerdings."

Rebecca nahm sie ihm aus der Hand und inhalierte tief: "Sie steckt in Schwierigkeiten..."

Methos holte eine weitere Zigarette aus dem Etui und entzündete sie: "Sag bloß."

Rebecca ignorierte seine Bemerkung: "Nun, sie hat eine gewisse Schwäche für luxuriöse Güter... die nicht unbedingt ihr gehören..."

"Wenn ich mich recht entsinne, ist das maßlos untertrieben." Er griff nach ihrer Hand und lächelte sie aufmunternd an.

Nachdem sie den Rauch ausgeatmet hatte, umspielte ein leichtes Lächeln ihre Mundwinkel: "In Ordnung. Sie stiehlt."

"Sie ist die diebischste Elster, die mir je begegnet ist!" raunte er ihr eindringlich zu, wohl darauf bedacht, dass die anderen Gäste es nicht verstehen konnten.

"Nun übertreibst du aber!" Ihr strahlendes Lächeln war wiedererwacht.

"Wie auch immer. - Was kann ich nun für sie... oder sagen wir für dich, das höre ich lieber, tun?" Er kam ihr näher, als ihr angenehm war und sie lehnte sich etwas zurück: "Sie muss so schnell wie möglich das Land verlassen und benötigt dringend neue Papiere."

Mit der Unbedarftheit von Tarzan aus dem Urwald sah er sie an: "Und wie kann ICH da helfen?"

"Ich dachte, du kennst einen ach so begnadeten Dokumentenfälscher. Wie war das noch? Anwalt, Arzt, Indianerhäuptling,... alles könntest du ausweisen?"

"Das stimmt, aber..." Der Cameriere brachte die Getränke.

"Bitte, Methos!" Diesem flehenden Blick aus unbeschreiblich schönen braunen Augen konnte er nicht widerstehen - hatte er noch nie gekonnt.

"Und was bekomme ich dafür?"

"Meine ewige Freundschaft." Sie drückte seine Hand.

"Deine ewige Dankbarkeit wäre mir lieber." Er hob im Gegenzug ihre Hand an seine Lippen, aber noch ehe er sie küssen konnte, zog Rebecca sie zurück: "Das wäre ja so, als würde ich meine Seele verkaufen."

"Dieser Vergleich schmerzt mich sehr."

"Du hast schon Schlimmeres überstanden."

"Auch wieder wahr."

"Danke, Methos." Dieser dankbare Blick aus unbeschreiblich schönen braunen Augen gefiel ihm noch besser.

Er trank etwas von seinem Cappuccino, bevor er wie beiläufig fragte: "Benötigt sie auch noch einen Auslandskrankenschein?"

"Nein!" Rebecca schien allmählich doch ihren Humor zu verlieren.

Seufzend und achselzuckend den missverstandenen, selbstlosen Helfer mimend, griff er nach seinem Getränk und nahm einen weiteren Schluck. Rebecca rauchte und beobachtete die Tauben, bis er sie aus ihren Gedanken riss: "Und wohin will sie?"

"Sie fliegt mit einer Privatmaschine nach Ostfriesland."

"Sie hat tatsächlich einen Piloten gefunden, der das mitmacht? Im Frühjahr Siena gegen Emden tauschen? Das grenzt ja an Selbstkasteiung." Er betrachtete die glimmende Zigarette im Aschenbecher.

"Oh, sie fliegt selbst. Seit kurzem hat sie endlich ihren Pilotenschein. Vorher flog sie illegal."

Er hob eine Augenbraue: "Streng genommen wird sie dieses Mal auch nicht viel legaler fliegen..."

"Oh, spiel dich bitte nicht als Moralapostel auf, Methos. Das steht dir nicht", sagte sie mit mahnender Stimme und blickte auf ihre schmale, goldene Armbanduhr: "Es tut mir leid, aber ich muss gehen. Du weißt, wo ich wohne?" Er nickte.

"Gut", sie hauchte Abschiedsküsse auf seine Wangen und sah ihn dann eindringlich an: "Wir... Ich benötige die Dokumente bis spätestens nächsten Mittwoch." Sie senkte den Blick und strich ihm gedankenverloren über die Knopfleiste seines Hemdes: "Danke, Methos... Ich schulde dir etwas."

Er ergriff ihre Hand und küsste sie schnell, bevor Rebecca sie wegziehen konnte. Sie griff nach ihrer Tasche und wandte sich zum Gehen.

"Schon gut, Rebecca", sagte er noch, bevor sie ihn ein letztes Mal ihr Lächeln schenkte und ging. Er folgte ihr mit seinen Augen bis sie in eine Gasse links des Palazzo Pubblico einbog und verschwand.

 

Die Sonne fiel auf seinen Wecker und das Glas reflektierte ihr Licht und blendete ihn. Er streckte sich und gab dem Wecker einen Schubs. Dieser fiel daraufhin um und störte ihn nicht länger.

Rebecca begann sich zu recken und wandte, den hellen Strahlen der Sonne zu entfliehen, wieder ihr Gesicht zu Methos. Verschlafen öffnete sie ihre Augen einen Spalt, erkannte ihn und lächelte. Für solche Momente lebte er, überlebte er. Es fühlte sich an, als wäre sein Herz in einem Schraubstock eingeklemmt gewesen und nun würde für einen kurzen Augenblick der Druck gelöst werden. Das daraus resultierende Glücksgefühl war überwältigend.

Sein Blick fiel auf die Rubinkette um Rebeccas Hals, die in dieser Position nicht länger von ihrem langen lockigen Haar verdeckt wurde. "Guten Morgen, Bellissima."

"Guten Morgen, Methos." Sie richtete sich auf und das Laken rutschte in ihren Schoß. Sie beugte sich zu ihm herüber, als er sich zurück in die Kissen fallen ließ und warf dabei eine Blick auf den gestürzten Wecker: "Ich habe noch ein wenig Zeit."

"Bleib' doch zum Frühstück", entgegnete er mit sonorer Stimme.

"Gern." Rebecca lachte.

Im Augenwinkel sah Methos, wie die Rubine um ihren Hals leuchteten, als er sie küsste.

 

+++
 

 
[Berlin, 67 Jahre zuvor]

 

Es regnete. Schon die ganze Nacht hindurch brachte leichter Nieselregen das Pflaster zum Glänzen. Also hatte man Planen verteilt, damit die kostbaren Automobile der Clubgäste nicht nass würden.

Drinnen, in einem der Salons, leuchtete ein Streichholz auf und Amanda sog an dem beinernen Röhrchen und brachte die daran befestigte Zigarette zum Glühen. Sie bedankte sich mit einem Lächeln, das den edlen Spender auf mehr hoffen ließ. Amanda trug ein schimmerndes dunkles Paillettenkleid und hatte sich effektvoll auf ein rotes CanapÉ drapiert. Der Schweiß perlte auf ihrer Haut. Das Tanzen hatte sie erschöpft. Sie wusste und genoss die Blicke aller Männer im Raum auf sich.

Langsam atmete sie den Rauch aus. Der Qualm stieg auf und verlor sich schnell im Raum. Gerade wollte sie sich dem jungen Mann zu ihrer rechten zuwenden, als sie den "Buzz" spürte. Im selben Moment, vielleicht etwas zu abrupt, riss sie den Kopf zur Tür herum. Für wenige Sekunden sah sie Methos im Rahmen stehen, an seinem Arm hatte sich eine junge Brünette eingehakt. Er wirkte überrascht. Sie nickte ihm zu und er antwortete mit derselben Gebärde, dann war er auch schon wieder fort.

 

"Hast du DAS gesehen? Ihr Lippenstift passt genau zum Bezug des CanapÉs. Ob er wohl abfärbt?" Methos half Phyllis aus dem Mantel: "Mit Sicherheit."

Er lenkte seine Begleiterin in den angrenzenden Salon, wo eine Combo, bestehend aus drei blondierten jungen Damen in sackförmigen Kleidern die neuesten Schlager und Gassenhauer interpretierte.

Phyllis, sichtlich gefesselt von der bizarren Darbietung der drei Grazien, nippte an ihrer Bloody Mary. Methos empfand das Getränk als zu fad und winkte der hübschen Bedienung zu. "Mehr Tabasco!" Sie lächelte und nahm den Drink zurück zur Bar.

 

Gelangweilt lauschte er nun der Sangeskunst der Kartoffelsack-Combo. Als der Drink neben ihn gestellt wurde, wollte er sich eigentlich nur ein "Danke." abringen, aber das Parfüm, das ihm in seine Nase stieg, war zu teuer, als dass es zu der niedlichen Bedienung gehören konnte. Irritiert wandte er seinen Kopf zur Seite: "Amanda!" entfuhr es ihm unwillkürlich.

"Mmmmh... Methos", schnurrte sie und platzierte sich auf der Lehne seines Sessels, nahm einen Schluck Bloody Mary und betrachtete mit gerunzelter Stirn die drei Damen auf der Bühne: "Gold in der Kehle aber kein glückliches Händchen für Kostüme, wenn du mich fragst."

"Ich wüsste nicht, dass ich das getan hätte..."

Sie stand wieder auf und strich ihr Kleid glatt: "Komm, nebenan ist es ruhiger."

Ohne seiner Begleitung weiter Beachtung zu schenken, folgte er ihr. Aber an der Bar blieb Amanda stehen. Die Combo hatte eine Pause eingelegt und die blondeste von ihnen orderte gerade Gin. Amanda fühlte sich zu einem Kommentar genötigt: "Ladies, congratulations! Was für ein Auftritt!... Ähm... versteht mich nicht falsch... ich bin begeistert. Ihr singt nicht schlecht, aber euer Outfit... Ich könnte euch eine wunderbare Kostümbildnerin empfehlen. Wenn also Bedarf besteht...", sie nickte dem Barkeeper zu: "wendet euch an Friedrich, er kennt meine Nummer." Dann hakte sie sich wieder bei Methos ein und sie betraten den Lesesalon mit dem Kamin und vielen Büchern in den hüfthohen Wandregalen. Amanda wartete, bis Methos den Sessel zurückgezogen hatte, damit sie Platz nehmen konnte. Anschließend ließ er sich ihr gegenüber in die Polsterung des Sofas fallen: "Es ist mir eine außergewöhnliche Freude, dich wieder zu sehen, Amanda."

"Oh, Methos, nun tu doch nicht so. Wäre ich nicht auf dich zugegangen, hätten wir doch kein einziges Wort gewechselt."

Er lächelte: "Probably."

Sie schlug ihm sanft gegen den Arm: "Oh, du!"

"Und womit kann ich dir behilflich sein, teuerste Amanda?"

"Das dürfte wohl eher meine Frage sein."

"Bitte? DU bist doch auf MICH zugegangen..."

"Das hast du doch eingeplant! Rebecca hat mich vor dir gewarnt. Du seiest sehr berechnend, hat sie einmal gesagt..."

Methos seufzte. "Ist einmal der Ruf ruiniert, kann man sich nie wieder rehabilitieren..." Er stellte sein Glas auf dem niedrigen Tisch ab. Amanda setzte sich neben ihn: "Also...?"

Einen kurzen Augenblick lang sah er sie verwundert an, dann räusperte er sich und seine Miene wurde ernst: "Gut. Lassen wir die Spielchen. Was willst du?"

Amandas grinsten: "Eine Kette. Ich hätte gern eine Halskette. Eine wunderschöne Rubinkette um genau zu sein." Sie beugte sich näher an sein Ohr: "Präziser gesprochen, handelt es sich hierbei um die Rubinkette der jungen Ehefrau des italienischen Botschafters."

"Und wofür brauchst du die?"

"Sie gefällt mir. Genügt das nicht?"

"Sicher."

"Und was begehrt dein, nun, altes kaltes Herz?"

"Ein Buch."

"Ein Buch?"

"Ja. Ein Buch. Ist das so außergewöhnlich?"

"Für dich nicht, glaube ich." Sie musterte die massive Tischplatte. "Ist es alt?"

"Well... Was ist schon ,alt'... Es ist nicht älter als du, Amanda. Und dich würde ich nie als ,alt' bezeichnen."

Sie bedachte sein holpriges Kompliment mit einem Augenaufschlag: "Und was steht drin? Oder ist es besonders schön illuminiert? Der Einband etwa mit Edelsteinen besetzt...?"

"Es ist ein Tagebuch. Ein einfaches Tagebuch, in Schweinsleder gebunden. Mehr nicht." In seinen Worten schwang deutlich zunehmende Ungehaltenheit mit. Sie beschloss, es dabei zu belassen.

"Gut. Wie auch immer. Wo finde ich es?"

"Nicht weit von hier. In einer Privatsammlung. Ich habe dir alles, was ich weiß, aufgeschrieben." Mit diesen Worten zog er ein gefaltetes Stück Papier aus einer Jackentasche und legte es vor Amanda auf den Tisch. Diese nahm es schnell an sich.

"Trotzdem würden mich deine Beweggründe interessieren." Sie beugte sich etwas vor und formte einen Schmollmund.

"Ich kannte den Autor... recht gut sogar. Leider war ich nicht zugegen, als er starb. Auf eine recht heldenhafte Art und Weise eigentlich, wenn ich es mir so recht überlege..."

"Hört sich spannend an."

"Well... Er war in ein junges besonders hübsches Mädchen verliebt, hatte ihr aber seine Zuneigung noch nicht gestehen können. Eines Tages sah er seine Stunde gekommen. Er sah seine Angebetete in der Stadt, ihre Gouvernante in ein Gespräch verwickelt. Er wollte gerade auf sie zugehen, sie endlich alleine sprechen, da lief sie los. Über die Straße. Sie hatte eine Freundin auf der anderen Seite entdeckt. Und da kam die Kutsche, in einem unangemessen hohen Tempo. Er wollte sie natürlich retten. Gut, das gelang ihm auch. Er stieß sie auf das sichere Trottoir, aber anschließend wurde er selbst von den Pferden niedergetrampelt und von der Kutsche überrollt."

"Niedergetrampelt?"

"Ja. Glaub' mir, Amanda. Um den Helden zu begraben, mussten sie nicht tief buddeln."

"Uh."

Er räusperte sich: "Er starb kinderlos und so machten seine Verwandten seinen gesamten Besitz zu Geld. Darunter auch das Buch. Sehr ärgerlich, wirklich sehr ärgerlich. Ich kam nur knappe zwei Wochen zu spät. Den Käufer konnte ich aber nicht mehr ausfindig machen. Ein Zufall führte mich nun vor wenigen Tagen in das Haus dieses Geschäftsmannes. Du kannst dir vorstellen, wie perplex ich war, als ich das Tagebuch meines Freundes im Regal stehen sah. Aber es ergab sich keine Gelegenheit, es... nun... zu ,entleihen'. Und deshalb, liebste Amanda, bin ich nun auf deine Talente angewiesen. Aber... wie kommst du auf den Gedanken, ich könne dir behilflich sein? Welches Schloss könnte ICH wohl öffnen, das DIR versperrt bliebe?..."

"Nun. Mein Problem ist, dass die Gute ihr Schmuckstück fast nie ablegt. Mit diesen besonderen Rubinen, glaubt sie, sei es ähnlich wie mit Perlen. Wenn sie nicht den Puls pochen hörten, verlören sie ihren Glanz. - Dummes Ding!"

"Und wie dachtest du, könnte ich nun an diese wunderschöne Rubinkette gelangen."

"Lass ein bisschen deinen Charme spielen. Das kannst du doch so gut. Die schöne Frau Botschafter soll sich langweilen, sagt man. Ihr Mann ist sehr ehrgeizig und viel beschäftigt..." Amanda lächelte einen Bekannten an, der vorbeischlenderte. "Da freut sie sich sicher über etwas Abwechslung..."

"Muss das sein?"

"Ja, es muss. Stell dich nicht so an. Sie ist eine schöne junge Frau..."

"Was der Botschafter wohl sagen würde..."

"Skrupel?"

Er sah sie aus kalten Augen entschlossenen an: "Nein."

Für den Bruchteil einer Sekunde bekam nun aber Amanda Skrupel. Ob sie sich da nicht vielleicht mit dem Falschen eingelassen hatte. Aber gerade dieser Nervenkitzel reizte sie ungemein: "Gut. Dann machen wir es so." Sie reichte ihm die Hand und er schlug ein.

 

Wie vereinbart, trafen sie sich eine Woche später wieder. Derselbe Ort, dieselbe Zeit... Im Kamin prasselte das Feuer auf Kosten eines unschuldigen uralten Baumstammes.

"Und? Hast du sie?"

Er sah sie überrascht an, etwa so, als hätte sie ihn nach seinem Geburtsdatum gefragt: "Was meinst du, Amanda?"

Sie hasste diese Verzögerungen: "Na, die Kette!" zischte sie.

Er ergriff ihre rechte Hand und legte sie auf sein Herz, präziser auf die Brusttasche seiner Anzugjacke und gab Amanda so die Möglichkeit, durch den feinen Stoff die geschliffenen und in Gold gefassten Rubine zu ertasten.

Sie standen so nah beieinander, dass seine Nase fast ihre Stirn berührte und er ihren Atmen auf seiner Haut spürte: "Und warst du ebenso erfolgreich?" flüsterte er.

Amanda drehte den Kopf etwas und sah über ihre Schulter zum Bücherregal an der gegenüberliegenden Wand, dann direkt in seine Augen.

Mit einer Mischung aus Anspannung und erregter Vorfreude im Blick entdeckte er in den unteren Reihen den alten Band.

Er hielt ihre Hand weiter fest in seiner, als er sie zu den Sesseln vor jenem Regal mehr zog denn führte. Er wollte den Austausch so früh und so sicher wie möglich vornehmen.

Nachdem sie beide Platz genommen hatten, streckte Amanda sich in einer überaus gelangweilt wirkenden Geste nach besagtem Buch und zog es heraus, um es auf den Tisch vor sich zu legen. Dann schlug sie es auf und Methos bezeugte mit einem Nicken, dass dies das richtige war. Nun war es an ihm, in seine Brusttasche zu greifen und im Schatten des Buches die blutrot glühende Kette auszubreiten. Amanda lächelte und benötigte nur den Bruchteil einer Sekunde, um das Schmuckstück in ihrem DekolletÉ versinken zu lassen.

Das Buch lag noch auf dem Tisch. Methos klappte es zu und legte es mit größter Selbstverständlichkeit in seinen ledernen Arztkoffer. Dann stand er auf, verbeugte sich, küsste Amandas Handrücken und lächelte: "Auf Wiedersehen, gnädige Frau. Beste Grüße an Frau Horne."

Amanda nahm es zur Kenntnis und wandte den Kopf zur Seite, um in ihrer Handtasche nach ihrem perlmutternen Zigarettenetui zu suchen. Als sie es schlussendlich von einem Laut des Triumphs begleitet herauszog, war die Kette längst in die Tasche gerutscht.

 

+++
 

"Es tut mir leid, aber dieser Termin heute Vormittag ist sehr wichtig."

"Hm... Bis zum selbst gekochten Abendessen bist du wahrscheinlich nicht mehr in der Stadt, oder?"

Rebecca seufzte vernehmlich: "Nein, leider nicht." Sie legte in theatralischer Geste eine Hand auf die Brust: "Dabei kochst du so... wunderbar! Ich liebe es." Sie griff nach ihrem Mantel.

"Dann freue ich mich auf unser nächstes Zusammentreffen." Er küsste ihre Wangen.

"À dieu, Methos."

"Au revoir, Rebecca." Leise schloss er die Tür hinter ihr.

Es war wieder still in seiner Wohnung und es erschien ihm, als sei sie gleichzeitig auch etwas dunkler geworden. Er gab dem Sphärenglobus einen leichten Stoss, strich über die Metallskulpturen auf der Empore, und ging die Treppe zum Schlaf- und Wohnraum hinunter. Er war versucht, in seiner Platten- und CD-Sammlung nach etwas Traurigem zu suchen, entschloss sich schließlich aber doch, für etwas Erbaulicheres.

Die alte Schellackplatte drehte sich und er wollte gerade in die Küche gehen, um sich einen Tee zu kochen, als er sah, wie ein Lichtstrahl auf das Regal mit einer Auswahl seiner Tagebücher und "verschollener" Methos-Chroniken fiel. Der Strahl brachte die goldenen Lettern auf den Rücken einiger Bücher zum Leuchten, darunter jenes, das auf zufällige Art und Weise für einen kurzen Moment mit Rebeccas Halskette verbunden gewesen war.

Es beruhigte ihn, es bei sich zu wissen. Es standen Dinge über ihn darin, die niemand lesen sollte, erst recht niemand, dessen Vertrauen er brauchte oder an dem ihm gar etwas lag. Trotzdem hatte er es nie vernichtet. Aus Respekt vor allem Geschriebenen und sicher auch aus einer nicht zu geringen Eitelkeit heraus.

Er sah nach draußen. Wolken schoben sich vor die Sonne und der Lichtstrahl erlosch.

 

"Gib mir den letzten Abschiedskuß, / weil ich dich heut' verlassen muß, / und sage mir auf Wiedersehn, leb wohl. / Wir haben uns so heiß geliebt / und unser Glück war nie betrübt, / drum sag ich dir auf Wiedersehn, auf Wiedersehn, leb wohl./ ... / "

- Commedian Harmonists "Auf Wiedersehn, my Dear"

 
Ende

 
Du bist der 1512. Leser dieser Geschichte.