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Eines Nachmittags in einer Loft irgendwo in Seacouver© by Eva (), 2001
"Duncan?" "Ja, Methos?" "Wußtest Du eigentlich, daß die erste Pfadfindergruppe 1908 in Glasgow gegründet wurde?" Methos blickte mit Unschuldsmine von seiner Lektüre auf. "Hmm... die Initiative ging von einem Sir Robert Baden-Powell aus... hört sich ja nicht gerade typisch schottisch an. Und ich hätte schwören können, daß irgendeiner Deiner Vorfahren seine Finger mit im Spiel hatte..." Duncan MacLeod von Clan der MacLeod konnte ein genervtes Aufstöhnen nicht unterdrücken. Immer wieder mußte Methos auf diesem Thema herumreiten. Nun, zwei konnten dieses Spiel spielen. "Um genau zu sein war Bobby ein sehr entfernter Cousin mütterlicherseits. Ich war damals gerade in Glasgow, um der alljährlichen Weltmeisterschaft im Kampfdekorieren des Schottischen Feng Shui-Vereins beizuwohnen, als mir ein junger Gentleman mit einem aussergwöhlichen - hmm - Organ auffiel..."
MacLeod hatte den Nachmittag im Clubhaus des
Feng-Shui-Vereins verbracht. Vor dem eigentlichen
Höhepunkt am Abend, dem Kampfdekorieren, fanden noch
einige andere angeblich von der japanischen Kultur
übernommene Veranstaltungen statt. Auf eine Darbietung
mit der Bengalischen Wurfzitter folgte ein etwas
ungleicher Sumokampf Mann gegen Zuchtstier. Duncan
konnte nur den Kopf schütteln als der zweibeinige
Teilnehmer mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Saal
getragen wurde. 'Mit einem Schaf wäre das nicht
passiert'. Als nächstes wurde Eßstäbchen-Weitwurf
angekündigt. Duncan fragte sich langsam, ob sich seit
seinem letzten Aufenthalt in Japan wirklich so viel in
den Sitten geändert haben konnte, als er pl&oulm;tzlich aus
seinen Gedanken gerissen wurde. Der Sprecher war Reverend Hewitt, der schon seit Stunden ein perverses Gefallen daran fand, MacLeod immer wieder mit irgendwelchen Fragen zu nerven und der sich partout nicht abschütteln lassen wollte. "Worum ging es doch gleich? Ach ja, Eßstäbchen als Wurfgeschosse." MacLeod stöhnte innerlich. Wie konnte man nur auf solche abstrusen Ideen kommen. 'Irgendwie muß ich diesen Kerl loswerden. Wie sag ich es dem Priester, ohne allzu unhöflich zu werden...' Selbst Duncans Moralvorstellungen hatten irgendwo ihre Grenzen. Wenn er einen Mann Gottes auch nicht direkt anlügen konnte, stand schließlich nirgendwo geschrieben, daß es eine Sünde war seine Phantasie zu benutzen. "Wie schon der berühmte Asien-Reisende Tan Te Groenhoff berichtete, wurden Eßstäbchen in früheren Jahrhunderten weitaus vielseitiger genutzt, als heute bekannt ist. Es gibt zum Beispiel die bruchstückhafte Überlieferung eines irreführenderweise "Chinesische Kerzenfolter" genannten Rituals, welches dazu diente eine höhere Geistesebene zu erreichen: Aus einigen Dutzend Eßstäbchen wurde eine Art Scheiterhaufen gebildet, auf denen die Maden der heute ausgestorbenen Damoklesmotte verbrannt wurden. Wer den daraus entstehenden stechenden Qualm einatmete, verbrachte die nächtsen Stunden in einem Zustand höchster geistiger und körperlicher ... ähh ... Zufriedenheit." Mit einem unschuldigen Augenaufschlag fügte er hinzu "Sie verstehen, was ich meine? Ein weiterer interessanter Fakt ist, daß diese unschuldig anmutenden Holzstöckchen schon vor Jahrhunderten von Geishas den Beinamen "Luststäbchen" erhielten..." Die Erzählung wurde durch ein hastig hervorgestossenes "Das ist ja mystisch!" des rot angelaufenen Priesters unterbrochen, der, einige Entschuldigungen murmelnd, Richtung Ausgang verschwand. Duncan atmete auf und begann, nun da er seinen störenden Begleiter endlich losgeworden war, seiner Umgebung mehr Aufmerksamkeit zu zollen. Gerade zum rechten Zeitpunkt wie es schien, denn eben schlenderte ein gutaussehender Mann in seine Richtung, der dem Highlander schon vorher aufgefallen war. Endlich bot sich die Gelegenheit der Kontaktaufnahme. "Mein Name ist Duncan MacLeod, entschuldigen Sie bitte, daß ich sie einfach so anspreche. Bei der Einführungsveranstaltung habe ich ihren Vortrag bewundert. Ich habe viel über ihre Stimme nachgedacht! Diese Art der Betonung japanischer Poesie ist wirklich innovativ." "Robert Baden-Powell. Sehr erfreut, ihre Bekanntschaft zu machen. Sie sind nicht zufällig mit dem Clan MacLeod aus Glenfinnan verwandt?"
Mit einem verklärten Lächeln auf den Lippen, kehrte Duncan in die Gegenwart zurück. Methos, der sich gerade am Kühlschrank mit neuem Bier versorgt hatte und mit Okapi-gleicher Grazie zur Couch zurückschlenderte, gefiel die letzte Entwicklung der Dinge gar nicht mehr. Skeptisch beobachtete er das Gesicht des Highlanders, während dieser fortfuhr. "Nun, das eine führte zum anderen. Wir verbrachten einige amüsante Tage damit, unsere Verwandtschaftsverhältnisse zu klären und uns auch sonst näher kennenzulernen... AAAAAHHHH!!! Methos, bist Du verrückt geworden?" "Ups! Wie konnte ich nur das eiskalte Bier genau über deinem Kragen ausschütten..." Mit Unschuldsmine blickte Methos dem in Richtung Bad enteilenden Schotten hinterher und zuckte zusammen, als die Tür mit einem lauten Knall zuflog. Vielleicht hatte er doch etwas überreagiert? Sarkastisch meldete sich seine innere Stimme. 'Mit Elektroschockern zu arbeiten, oder MacLeods geliebtes Katana unter den Kartoffeln zu verstecken, das wäre vielleicht übertrieben gewesen. Aber nein, Du hast ihm ja nur ohne Vorwarung eine kleine Bierdusche verpaßt. Und daß MacLeods Lieblings-Wollpulli und die sündhaft teure Ledercouch auch ihren Teil abbekommen haben wird den Highlander sicher nicht weiter stören.' 'Halte die Klappe.' Methos seufzte und ging zur Badezimmertür um festzustellen, daß diese verschlossen war. "Duncan?" Keine Regung. "Duncan, es tut mir leid. Bitte mach die Tür auf." "Vergiß es." "Komm heraus, damit ich Dir zeigen kann, wie sehr es mir leid tut." Die abwartende Stille aus dem Bad gab Methos Hoffnung. Anscheinend wollte MacLeod überredet werden. "Oder noch besser, laß mich herein und ich werde jede noch so kleine Spur von Bier von Deiner Haut waschen." "Hmmm?" "Mit meiner Zunge. Überall." Das gab den Ausschlag. Die Tür wurde geöffnet und Methos mußte schlucken bei dem Anblick, der sich ihm bot. Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod, in allerbester Laune und nur mit einem breiten Grinsen bekleidet. Und ungeduldig. "Worauf wartest Du noch?"
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