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Ich hätte lieber eine Rose als das ewige Leben

© by Franzi ()

 

Disclaimer: Nein, Scully & Mulderschatz gehören mir nicht. Die Rechte haben sich CC und Fox Networks gesichert und richten die Serie ganz langsam (vorausgesetzt es gibt auch noch eine 12. Staffel) zu Grunde. Verklagt mich nicht! Macht lieber ein gutes Ende!
Dedication: Für Scully & Mulder, die besten Fernsehcharaktere seit ... nun ja .... ewig .... lange jedenfalls ...
Author's Note: Special Thanks to my Beta-Reader Caro for support and criticism.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der AkteX-Sektion

 

Wieder einmal ... ein freier Samstag und ich folge auf Kommando meinem Partner in irgendein Krankenhaus um irgendetwas wie immer "ganz wichtiges" mit ihm zu besprechen.

Vielleicht sollte ich mal mit ihm etwas ganz wichtiges besprechen. Müssen wir denn immer kurz vor dem Tod in einem vor Mottenmenschen nur so wimmelnden Wald sein, dass wir frei über uns reden können? Es wäre so einfach. Diese drei simplen Worte. Ich könnte Montag Morgen in unser Büro stürmen, mich vor ihn stellen und "Ich liebe Dich." sagen.

 

Doch ich kann es nicht. Nicht weil ich mich nicht trauen würde ... jedenfalls nicht ganz. Es ist einfach nur... ich hatte noch nie eine Freundschaft mit einem Mann, um ehrlich zu sein, so eine Freundschaft, wie ich sie mit Mulder habe, hatte ich noch nie mit jemandem. Ich bin mir nicht sicher, welche Gefühle es sind. Natürlich hege ich welche für ihn...schon von Anfang an, aber ob sie von wahrer Liebe stammen?

 

Ich würde für uns beide alles zerstören.

 

Ich weiß ja nicht einmal über mich bescheid, wie soll es dann der Mann, der jede Woche eine neue Erklärung für das Verschwinden seiner Schwester hat, wissen?

Seit Monaten quälen mich schon diese Gedanken, manchmal ist es unerträglich, wenn Mum anruft und mich einlädt doch wieder mal vorbeizukommen und ich sage ab, aus Panik er könne mich brauchen. Wenn das so weiter geht brauch' ich einen Psychiater auf Dauer.

 

Doch ich ertrage es ... die Ungewissheit .... für ihn.

 

Da steht er, mit dem Rücken zu mir und spricht mit einem Arzt. Ich kann seine Worte hören.

"...Wir haben niemals ..., aber sie hat mich oft behandelt wenn ich angeschossen wurde, auch wenn es keine Handschuhe gab..."

"Mulder?"

Er fährt herum und starrt mich an wie ein Gespenst.

Der Arzt zu mir: "Können wir jetzt mit den Tests beginnen?"

"Welche Tests, Mulder?"

Er nimmt mich zur Seite: "Scully, das ist sehr wichtig. Bitte tun Sie es für mich. Ich kann es Ihnen jetzt nicht erklären."

Ich füge mich, ...wieder einmal und lasse mich aufs gründlichste untersuchen, auch wenn man eine Ärztin ist, ist das nicht angenehmer als für jemand anderen. Ganz zu Schweigen davon, dass dieser Arzt sein Diplom anscheinend in einer Metzgerei absolviert hat und er versucht tatsächlich meinen Arm abzustechen.

"Die Testergebnisse bekommen Sie in einer Woche."

Danach kann ich es nicht mehr aushalten. "Mulder, was soll das? Habe ich Alienviren?"

"Scully!"

"Mulder, jetzt hören Sie mal zu. Ich könnte schon Ausstülpungen an den Armen bekommen und Sie würden immer noch so tun, als wäre alles in Ordnung. Sie brauchen mich nicht zu beschützen!"

Die letzten Worte kamen nur so aus mir herausgesprudelt und ich mache eine kurze Atempause.

"Mulder, ich möchte manchmal einfach nur wissen, was mit mir los ist!"

Er blickt mir ihn die Augen, so tief, wie sonst nur bei bestimmten Anlässen und es wird mir ganz bang.

"Scully, ich muss das alles erst einmal mit mir selbst ins Reine bringen. Warten Sie bis morgen, Scully. Bitte! Ich werde Ihnen alles erklären."

Er geht weg und ich stehe wieder da, wie schon so oft.

 

Alleingelassen auf einem einsamen Flur.

 

Nach einer unangenehmen Nacht und einem unvollständigen Frühstück und einem Arbeitstag mit Skinners Tadel,stehe ich vor unserem Treffpunkt. Eine gotische Kirche, diesen Punkt hat Mulder ausgemacht und ich zweifle langsam an seinem Verstand.

Ich gehe hinein. Es ist dunkel, nur der Altar ist erleuchtet und ein kleiner Sockel mit einer Marienstatue. Und dort steht Mulder. Er scheint in Gedanken versunken zu sein. Doch als ich näher komme, sehe ich, dass seine Hände gefaltet sind. Das ist ein harter Schlag, Mulder, FBIs Most Unwanted, der seine eigene kleine Religion erfunden hat und mich immer mit einem abschätzenden und mitleidigem Blick bedenkt, wenn ich von Gott oder Kirche rede, steht hier und betet.

Ich lasse meine Absätze mit Absicht härter als sonst auf den Marmorboden auftreffen und er dreht sich um.

Dieser traurige Ausdruck entsteht wieder auf seinem Gesicht.

Er wartet geduldig bis ich bei ihm bin. Wir schweigen uns eine Weile an und ich betrachte die Figur. Ich war schon ein paar Mal hier, doch ich habe noch nie den Schmerz in ihren Augen betrachtet. Das tue ich jetzt ausgiebig, bis Mulder "Hier ist es nicht so gut. Lassen Sie uns spazieren gehen." sagt.

 

Wir gehen in den Park.

Er läuft schweigend neben mir her. Ich halte es nicht noch länger aus.

"Was ist los, verdammt noch einmal?"

Er bleibt stehen, zieht mich zu einer Bank und zeigt mir, dass ich mich setzen soll.

"Scully ... Ich bin krank."

Er blickt in die sternenreiche Nacht.

" .... sehr krank....."

Sein Blick wird weitschweifender, er schaut mir nicht mehr in die Augen.

"Mulder,....Wie krank?" Ich stehe auf und nehme meine Hand in seine.

Sein Blick wird fest.

"Scully, ich habe AIDS."

Dafür brauche ich einige Sekunden, es ist schon lange in meinem Gehirn angelangt, doch das sagt mir immer wieder: das darf nicht wahr sein, das darf nicht ...

 

Nicht wahr sein...

 

"Mulder ..." meine Stimme kommt langsam wieder zurück.

"Es tut mir ja so leid!"

Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

"Ich werde Ihnen helfen."

Sein Blick ist verletzt.

"Sie sind Ärztin, Scully. Sie müssen es doch besser wissen. Es gibt keine Hilfe."

Die letzten Worte hat er förmlich geschrieen, in seinen Augenwinkeln haben sich Tränen gebildet.

Ich will ihn in den Arm nehmen, doch er löst sich von mir.

"Hören Sie, Scully. Wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, dass Sie es auch haben ... Glauben Sie es mir, ich wäre nach Nevada in die Wüste gefahren, hätte ein großes Loch gegraben und mich hineingelegt."

Erst jetzt wird mir alles klar. Ich kann es auch haben. Wieder eine Krankheit, eine weitere Krankheit, wieder unheilbar.

Noch gestern habe ich über Sachen nachgedacht, die unser Leben verändern würden. Ich müsste nur handeln. Jetzt brauche ich nichts mehr tun, der Teufel hat es für mich getan.

Ich starre auf meine Hände. Werde ich wieder hilflos in einem Krankenbett liegen, meine Liebsten an meiner Seite und zurück zu Gott finden. Ist es das, was Mulder gerade durchmacht?

 

"Ich glaube es ist besser, wenn wir jetzt nach Hause fahren."

 

Das tun wir dann auch. Ich fahre, Mulder starrt auf die Straße.

Ich versuche seinem Blick zu begegnen, doch er blickt starr auf die anderen Autos und die Leuchtreklamen der Häuser.

Endlich an vor seinem Haus angekommen, steigt er sofort aus und wendet sich schon zum gehen.

"Mulder?"

Er dreht sich um, Augenringe ziehen kleine Striche auf seinem Gesicht wie auf einer Landkarte.

"Hm?"

"Was ist denn jetzt?"

"Ich bin müde, Scully. Wir sehen uns morgen."

Ich hätte nie gedacht dass es mich so schocken könnte, aber dieser Satz aus dem Mund meines Partners macht mich ganz elend. Der Mann, der 2 Tage ohne Schlaf auskommt und dann erst mit Widerwillen ins Bett geht, erklärt mir, dass er müde ist. Es tut weh. Weh, da ich nicht weiß, was ich tun soll. Es ist schon lange her, dass ich mich derartig hilflos gefühlt habe.

"Kann ich ... irgendetwas für Sie tun?"

"Nein, danke, Scully."

 

Ich bin zu Hause angelangt. Das, was ich seit Jahren "zu Hause" nenne. In Wahrheit ist es doch nur eine kalte, einsame Wohnung, in der jemand versucht hat es wie "Heim" aussehen zu lassen. Nein, Heim ist etwas anderes, etwas auf das man sich freut, etwas in dem man schöne Dinge erlebt und glücklich ist, doch für mich ist es nur Mittel zum Zweck. Ein Schlafplatz und Aufenthaltsort, wenn mich gerade mal niemand braucht.

Ich stehe vor meinem Bett und betrachte es kritisch. Wie oft habe ich mich in diesem Bett schon in den Schlaf geweint? Ängste ausgestanden, Albträume erlebt? Nächtelang! Wann hab ich schon mal etwas freudiges erlebt?

Ich wurde so gläubig erzogen, ich war jeden Sonntag in der Kirche, war im Religionsunterricht immer die Wachsamste, auch auf die Gefahr hin uncool zu sein. Es war wichtig für mich, ein Teil meines Lebens. Doch dieser feste, so unbeirrbare Glaube ist im Laufe der Jahre zerbröckelt, erst Daddy ... Dann Missy ... und diese weiteren Qualen. Gott prüft uns, oh ja... Aber was habe ich verbrochen, um eine derartige Prüfung über mich vorüber gehen zu lassen?

Jetzt kann mich nichts mehr halten, ich nehme einen Stapel Akten und werfe ihn den Tisch hinunter, meine Dienstmarke und Waffe landen an der Wand, ich werfe die wenigen Gläser die ich habe auf den Fußboden. Schwer atmend finde ich eine Pause.

Doch, verdammt, ich bin in eine Scherbe getreten.

Meine Socken verfärben sich mit Blut und mir wird übel. Im Bad ziehe ich langsam die Socke aus, um meinen Fuß zu begutachten. Es ist nicht mal etwas steckengeblieben, es muss nur ein mehr stumpfes als scharfes Stück gewesen sein. Eine kleine Wunde, und doch rennen jetzt die Tränen an meinen Wangen hinunter. Das darf doch nicht wahr sein, dass ich wegen einer kleinen Schnittwunde weine. Dana! Aber ich weiß es, tief in mir drinnen. Ich weine um Mulder, ein weiterer Mensch, der von mir gehen wird und mich der Grausamkeit des Lebens schutzlos überlassen wird.

Und ich weine meinetwegen, aus Mitleid für mich.

Nach ein paar Tabletten und einem Glas Wein, wenn Bill das wüsste würde er mich killen, liege ich im Bett und bin am Einschlafen.

Der Schmerz lässt mich kurz schaudern, doch ich weiß, dass es nicht der physische ist...

 

Am nächsten Tag sehen wir uns wie jeden Morgen um acht.

Und er tut so, als ob alles normal wäre. Nachdem wir schon zwei Stunden an der Arbeit sind und er noch nichts gesagt hat, mache ich den Anfang.

"Mulder? Wann haben Sie es vor Skinner zu sagen?"

"Warum sollte ich es überhaupt vorhaben?"

"Er ist unsere Vorgesetzter."

"Scully! Es geht mir gut, ja? Ich bin krank, aber die Krankheit ist noch nicht ausgebrochen, das heißt ich kann tun und lassen was ich will. Also spielen Sie nicht meine Mutter, das geht mir nämlich auf den Keks."

Ich habe eine Ablehnung erwartet, aber so barsche Worte, nein! Beleidigt und gekränkt ziehe ich mich bis zur Mittagspause an meinen Schreibtisch zurück.

 

"Mulder, haben Sie vielleicht auch schon daran gedacht, dass ich auch krank sein könnte?" fahre ich ihn an.

"Was wollen Sie denn, Scully? Ich hab Sie zu diesen Tests ins Krankenhaus geschleppt und Ihnen alles erklärt. Und das habe ich nur in der Hoffnung getan, dass Sie mich in Frieden lassen."

"Jetzt hören Sie mal zu, Mulder! Das ist etwas, was uns Beide etwas angeht. Es ist in diesem Fall egal, ob ich es auch habe oder nicht. Es geht um Sie, Mulder! Sie können doch nicht einfach weitermachen, als ob nichts wäre!"

"Ach, ja? Und was soll ich Ihrer Meinung nach tun? Mich in Ihre Arme fallen lassen und 'Oh Scully tun Sie etwas' schreien?" Wäre das etwas für Sie? Turnt Sie das an, Scully? Mich hoffnungslos und verzweifelt zu sehen? Tut mir leid, leider kein Bedarf!"

Mit diesen Worten stürmt er aus dem Aufzug.

"Ich nehme mir für den Rest des Tages frei!" Ruft er zurück.

 

Doch an nächsten Morgen ruft er an, dass er den Rest der Woche nicht kommen wird.

Ich kann es am ersten Tag noch verdrängen und erzähle Skinner beiläufig, dass Mulder die Grippe erwischt hat. Doch am Abend kommt die Einsamkeit wieder zurück. Das Gewohnheitsglas ist schnell aufgestellt.

Die Woche zieht sich endlos dahin.

Kein Wort von Mulder, schon seit drei Tagen.

Ich halte es nicht länger aus, ich befürchte das Schlimmste und fahre wie irr zu ihm.

An seiner Tür angekommen klopfe ich wie wild, doch die Tür geht auf und ein leicht verschlafener Mulder öffnet sie.

"Was gibt es?"

"Uh... ein wichtiger Fall, Mulder ich brauche Sie."

"Okay."

 

Der wichtige Fall, Kornkreise, stellt sich als Bauernbetrug heraus.

Wir sitzen irgendwo in der Mitte und zugleich Einöde der USA fest, da unser Auto den Geist aufgegeben hat und wir bis morgen auf den Ersatzwagen warten müssen. Abends klopft es an meiner Tür. "Wer ist da?"

"Carrie White."

"Kommen Sie rein, Mulder."

"Ich wollte Sie überreden mit mir eine Runde durch den Wald zu drehen."

Ich lasse mich breitschlagen und wir gehen los.

 

Es ist schon düster, doch mit Mulder wird es nicht so schlimm sein.

Wir schweigen wieder, aus Angst den Anderen mit den eignen Worten zu verärgern.

Der Wald ist für mich immer noch unheimlich. Ja, ich bin ein großes Mädchen, aber ich kann sämtliche Fabelgestalten in den Schatten erkennen. Die Zeiten ändern sich, wie oft bin ich früher durch Wald und Wiesen gelaufen, mit Bill und Charles, wir haben sämtliche Geschwisterkriege ausgefochten, später, als Bill sich schon lange zu alt dafür fühlte und auch Charles sich nicht mehr mit seiner Schwester blicken lassen wollte, war auch ich älter geworden, doch der Wald hatte immer eine magische Anziehungskraft auf mich. Wenn meine Eltern gewusst hätten, dass ich anstatt in den Geschichtsunterricht zu gehen mit Jack Carter im Wald gleich in der Nähe der Schule zum ersten Mal rumgeknutscht habe hätten sie mich gelyncht... Der Himmel über den Baumwipfeln und das strahlende grün der Blätter. Doch jetzt ist nichts strahlend, der Winter setzt bald ein und es ist stockfinster. Krankheit hin oder her, Probleme kann man nicht einfach wegschweigen. Ich würde gerne anfangen, doch Mulder wollte mit mir reden, ich bin mir sicher, dass er etwas vorbereitet hat.

Ich blicke ihn von der Seite schief an, doch er reagiert nicht.

Sieben Jahre Partnerschaft. Wir können Über alles reden, nur über Gefühle nicht.

Als mich ein Ast am Arm berührt, kreische ich unvermittelt auf. Mulder, der aus seinen Gedanken schreckt, legt mir sofort seinen Arm um die Taille, doch als er merkt, was mein Geschrei verursacht hat kann er nur grinsen.

"Das ist gar nicht lustig! Ich lauf nun mal nicht gern in dunklen Wäldern rum, nur um meinen Partner anzuschweigen."

Er schaut mich an, nimmt mich an der Hand und meint, "Kommen Sie. Wir gehen in die kleine Bar neben unserem Motel."

 

"Sie sind eingeladen, Scully! Die erste Runde ist gratis. Was wollen Sie?"

"Whiskey."

Der Barkeeper stellt unsere Getränke mit einem falschen Lächeln hin und zieht sich wieder in die Ecke mit den Kartenspielern zurück.

"Heute ganz die Harte?"

Ich weiß nicht was er will, doch als er mit seinem Finger auf mein Glas zeigt, ist es klar. Er ist es nicht gewohnt mich Alkohol trinken zu sehen.

"Irgendwann ist immer das erste Mal." Ich kann ihm nicht davon erzählen.

"Ja. Sagen Sie mal, Scully. Haben Ihnen die Lone Gunmen eigentlich schon von ihrer neuesten Regierungsverschwörungstheorie berichtet?"

"Nein, ich hatte das Glück, dem zu entgehen."

"Das müssen Sie einfach hören. Es ist köstlich!"

Und so reden wir über Gott und die Welt. Über alles ... nur über uns selbst nicht.

 

Er ist da, der Tag meines Testergebnisses.

Mulder und ich haben ausgemacht, dass wir uns im Krankenhaus treffen.

Ich erinnere mich daran, als meine Mutter einmal traurig wegen mir war, doch ich kann mich nicht mehr erinnern weswegen...

Ich bin schon eine halbe Stunde vorher da. Die Anspannung ist unerträglich. Viele Leute fragen mich, wie ich damit umgehen kann, es Tag ein Tag aus mit Toten zu tun zu haben. Wenigstens sind sie es schon, antworte ich dann. Von den meisten Leuten erhalte ich darauf einen mehr als seltsamen Blick, was auch selbstverständlich ist. Doch je mehr ich darüber nachdenke, um so furchtbarer scheint es mir normaler Arzt zu sein. Leute kommen zu einem und man muss ihnen von einem Tag auf den anderen erklären, dass ihr Ende nah ist.

Was soll ich dann tun? Mulder wird keine Hilfe sein. So viel ich auch für ihn empfinden mag, oder auch nicht, er würde kein Verständnis für mich aufbringen können. So lange wir uns kennen, wir haben uns immer gegenseitig wieder hochgezogen, der eine hatte immer Hoffnung und hat dem andern so lange zugeredet bis dieser wieder Lebensmut hatte.

Doch was soll geschehen wenn wir beide krank sind?

Was ist wenn es ihn vor mir erwischt? Wie werde ich erst mit Mulders und denn mit meinem eigenen Tod fertig werden?

Der Gedanke allein macht mich schon wahnsinnig. Wann hört das alles auf? Das ganze Elend, gibt es denn keine anderen Leute auf dieser Welt?

Und wie soll ich es meiner Familie beibringen?

Die Blätter fallen leblos zu Boden. Ich weiß es wieder. Ich muss fünf oder so gewesen sein. Die Kinder in der ganzen Straße haben mit den Blättern gespielt und nach anderen damit geworfen. Doch ich saß im Haus und habe Mum gefragt, warum denn Blätter sterben müssen.

Dad hat gemeint: 'Sei nicht traurig, Maggie. Sie ist eben nur ein ernstes Kind. Das ist eine Gabe.'

Doch dies war das einzige in dem er sich jemals getäuscht hat...

Ich fasse mir ein Herz und gehe wieder die langen Krankenhausflure entlang.

Dort stehen Mulder und der Arzt.

Doch es ist nicht der Mulder, mit dem ich die letzten Tage verbracht habe.

Er läuft mir strahlend, wie ein kleiner Junge entgegen und nimmt mich in den Arm.

So hält er mich eine Weile, bis ich ein Wort ausmachen kann, das er stetig wie ein Gebet immer und immer wiederholt... negativ...negativ...negativ...oh Gott, Scully." Flüstert er in mein Haar. "Ich hätte es mir nie verziehen."

Er schiebt mich von sich weg und blickt mir in die Augen.

Tränen sind auf seinen Wangen und es sind Freudentränen. Doch schon ist seine Stimmung um 180° umgeschwungen. "Ich muss jetzt gehen." "Mulder, ich wünschte ich könnte etwas für Sie tun."

"Das können Sie aber nicht." Und schon ist er verschwunden.

 

Wir sind uns so ähnlich. Wir können unseren Schmerz mit niemand anderem teilen.

 

Geteiltes Leid ist halbes Leid....

 

Doch das gilt nicht für uns. Wir müssen uns gegenseitig beweisen wie stark wir sind. Ich würde so gerne jetzt zu ihm fahren, doch ich muss ihm einfach ein wenig Zeit lassen.

Nach zwei Flaschen Bier melden meine Nieren den Lauf der Natur und ich bewege mich in Richtung Bad. Als ich mir gerade die Hände waschen will fällt mein Blick auf mein Spiegelbild.

Eine fremde Frau sieht mich aus einer anderen Dimension an. Ihr Haar ist furchtbar zerzaust und die Ringe um ihre Augen sind annähernd schwarz. Ich schiebe es auf den Alkoholkonsum und auf die Einschränkung der Sinne und lege mich ins Bett.

 

Am nächsten Tag haben wir eine Besprechung.

 

Ich bin schon fast eingedöst, da kommt Agent Rush, dieser Vollidiot, und muss natürlich von Mulder eine Erklärung für sein Einmischen vor drei Wochen in irgendeinen Fall erklären.

Ich möchte am liebsten Mulder zurückhalten, es geht ihm gut, das weiß ich, aber irgendetwas sagt mir, dass das nicht so ganz stimmt...

Er steht auf und fängt eine seiner langschweifigen Reden an, typisch Mulder, also kann es ihm gar nicht so übel gehen, denk ich mir und lasse mich in meinen Stuhl zurückfallen.

Doch er hat nicht mit Rush gerechnet, dieser hat seine Rede nämlich schon vorbereitet und macht Mulders somit nieder.

Dies zelebriert er minutenlang, bis er mit "Und was sagen Sie dazu, Agent Mulder?" endet.

Ich habe die ganze Zeit nicht auf Mulder geachtet, doch als ich ihn wieder anblicke durchzuckt es mich förmlich. Er steht da, auf einen Stuhl gelehnt und kreidebleich im Gesicht. Doch auch das ist Rush nicht genug. "Wie meinen, Agent Mulder? Ich kann Sie nicht verstehen, ups Sie haben ja noch gar nicht angefangen zu sprechen."

Er hat es geschafft meinen Unmut zu reizen, mich soweit gebracht, dass ich ihn vor versammelter Mannschaft anherrsche: "Halten Sie die Schnauze! Sehen Sie denn nicht, dass ..."

So weit komme ich nicht mehr, Mulders Knie werden weich und ich stürze zu ihm, um ihn im letzten Moment noch aufzufangen, doch es ist zu spät. Er ist auf dem Boden aufgeprallt und er hat eine Blutlacke bildet sich auf dem Fußboden.

Und sofort ist der Gedanke an die kaputten Glässer auf meinem Küchenboden wieder da. Mein Fuß hat geblutet, jetzt blutet sein Kopf. Ich möchte ihn sofort in meinen Schoß legen, ihn wiegen und den Schmerz vergehen lassen. Ich greife schon nach ihm, doch da kommt der Gedanke HIV ... es ist gefährlich, ich schicke alle Lustzuschauer weg und finde glücklicherweise ein paar Handschuhe in meiner Manteltasche. Jetzt sollte man erwarten, dass ich ihm ärztliche Betreuung zukommen lasse, doch ich bin immer noch ganz starr und nicht zu mehr fähig, als ihn auf ein Kissen, das Skinner schnell herbeigezaubert hat, zu betten.

Vor Aufregung weiß ich nicht mal mit wem ich rede, aber ich drohe dieser Person Schmerzen an, wenn sie nicht sofort einen Arzt ruft.

Sein Atem ist normal, doch sein Gesicht ist so blass, so untypisch für den immer gebräunten Agent Mulder. Ich lege ihm das Kissen besser in den Nacken, er kommt wieder langsam zu sich, und blinzelt verwirrt, nur um Sekunden später wieder ohnmächtig zu werden.

Verzweifelt reibe ich seine Hand und starre ihn einfach nur an. Als das Rettungsteam kommt bin ich unfähig ihnen einen korrekten Bericht liefern zu können. Sie wimmeln mich mit einem "Mam, sie können jetzt nicht mitfahren." Ab.

 

Zehn Stunden später auf der Intensivstation.

 

Er hat es für sich behalten. Er musste sich im Wald eine Erkältung geholt haben. Die Krankheit war schon ausgebrochen, der Arzt hatte ihm nur versichert, dass er noch für einige Zeit arbeiten könne. Als ob er jemals einem Arzt vertraut hätte...

 

Es klopft an der Tür.

Skinner. "Agent Scully, Sie sollten jetzt doch besser nach Hause fahren." Da ist es wieder 'nach Hause'. Und meine Gedanken kommen zurück. Ich will ihn gerade anbrüllen, dass ich kein zu Hause habe, besinne mich aber eines besseren und sage höflich: "Nein, danke, Sir. Ich möchte noch bei Agent Mulder bleiben."

"Sie können nicht ewig bei ihm wachen. Kommen Sie, Scully. Sie können ja mit dem Arzt reden, dass er sie anruft wenn er wach ist. Aber Sie brauchen jetzt erst einmal eine Pause."

Er sagt das so bestimmt, dass ich zu meiner eigenen Überraschung nur nicken kann. Dieser Mann versteht, wie man mit Frauen umgeht, nicht dass seine Worte toll ausgewählt gewesen wären, aber es versteht es seine Stimme sanft und doch zugleich bestimmend klingen zu lassen. Also folge ich ihm zu seinem Wagen.

Als wir angekommen ist, sagt er mir zuvorkommend "Ich bring Sie noch nach drinnen."

Das ist mir eigentlich auch ganz lieb, da ich mich nach so vielen Stunden kaum mehr auf den Beinen halten kann. In der Wohnung gehe ich mich sofort umziehen und Skinner macht derweil Kakao.

Als ich zurückkomme, drückt er mir eine Tasse in die Hand. "Zucker ist keiner drin. Ich konnte keinen finden."

Da ich es jetzt nicht angemessen finde, ihm zu erklären, dass der Zucker und ich uns schon lange getrennt haben, dafür ist jetzt die Bitterkeit an seiner Stelle, sage ich gar nichts ich will ihn zu so später Stunde nicht mit meinen Problemen konfrontieren.

Unsere Tassen sind ausgetrunken, er wendet sich zur Tür und dreht sich noch einmal um: "Wenn Sie Hilfe, oder jemanden zum Reden brauchen...." er macht eine Pause und die braucht er auch, da ich ihm in diesem Moment in die Arme falle. Ich weiß selbst nicht warum. Diese Worte haben einfach eine Spontanreaktion ausgelöst.

Er ist so stark und doch hält er mich ganz sanft, ich halte tapfer die Tränen zurück und hauche ein "Danke, Sir." Der überraschte Skinner, murmelt ein "kein Problem" und ist schon zur Tür draußen.

Er ist eben ein Gentleman, ich weiß nicht wie stark ich bei jemand anderem gewesen wäre ...

 

Nach weiteren Schlaftabletten kommt auch zu mir der wohlverdiente Schlaf.

 

Die nächsten Tage verbringe ich damit, mich aus dem Büro zu schleichen um bei Mulder zu sein und dafür auch noch gute Ausreden zu finden.

Es ist einfach trostlos. Wer hat nur diese Krankenhausräume ausgestattet?

Diese kahlen weißen Räume, dazu das stete Piepsen der Geräte macht mich schier wahnsinnig.

Sein Gesicht ist so blaß wie seit seinem Sturz, er hat eine Wunde an der Stirn und nichts scheint wie früher zu sein. Ich habe immer an seinem Bett gewacht, doch es gab immer Hoffnung. Mulder hat Recht, ich bin Ärztin, ich sollte es besser wissen.

 

So geht es eine Woche lang.

Wenn ich zu schwach bin um zu sitzen, kommen Skinner oder die einsamen Schützen vorbei um mich zu überreden ein paar Stunden zu ruhen.

Danach bin ich sofort wieder hier, wie auch heute, es lässt mir keine Ruhe, ich habe das Gefühl, dass ich etwas tun könne, doch wenn ich wieder an seinem Bett sitze und seine Hand halte ist das Gefühl weg.

Es klopft an der Türe und ich erwarte, dass Skinner eintritt und mir eine Standpauke über Arbeitsmoral hält und dass ich nichts ändern kann.

Aber meine Mutter tritt ein.

"Mum? Was machst du denn hier?"

"Dana..."

Schon steht sie neben mir und setzt diesen besorgten Blick auf.

"Ich habe vor fünf Tagen auf deinem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen und du hast dich nicht gemeldet. Ich habe bei dir in der Arbeit angerufen und du warst nicht zu erreichen. Und als ich gestern zu deinem Büro gefahren bin hat mir der nette Mann am Eingang gesagt, was passiert ist..."

Ihr Blick wandert über Mulders kranken Körper und bleibt an den ganzen Geräten hängen.

"Wie geht es ihm?"

"Er ist zusammengebrochen und hat sich mehr oder weniger schwer am Kopf verletzt."

Sie nickt abwesend und ich merke, dass ihr Blick jetzt auf mir ruht.

"Dana, wann hast du zuletzt etwas gegessen?"

"Mum!"

"Du hast abgenommen, das wird ihn auch nicht wieder zum Bewusstsein bringen."

Ich mache gerade den Mund auf um etwas zu erwidern, da kommt Skinner herein.

"Gehen Sie nur, Agent Scully. Ich bleibe ein bisschen hier."

Ich gebe mich geschlagen und ergreife die ausgestreckte Hand meiner Mutter und flüstere in Mulders Richtung ein "Träumen Sie was süßes."

 

Mum benimmt sich als wäre ich sieben und hätte Grippe.

Sie schickt mich ins Bad sobald wir in meinem Apartment angekommen sind, kocht Tomatensuppe aus der Dose und setzt ihr wir-können-über-alles-was-dich-bedrückt-reden Gesicht auf.

Ich würde ihr gerne alles erzählen, doch die Erinnerung kommt zurück. Alles was ich ihr schon angetan habe, wie viel Angst sie schon wegen mir durchstehen musste. Ich darf es mir nicht einmal vorstellen! Also bedanke ich mich lediglich für ihre Kochdienste und frage,ob sie nicht doch das Bett anstatt der Couch haben will, doch sie lehnt ab.

 

Meine erste Nacht seit Mulders Geständnis, in der ich ohne Schlaftabletten im Bett liege.

Die Gedanken schweifen umher und ich kann mich nicht von den verdammten Schuldgefühlen abbringen. Ich hätte nachbohren sollen, ich weiß doch, dass er nicht sofort alles sagt, nur ein kleiner Wink... er hätte mir bestimmt alles erzählt, dann hätte ich es ihm verboten zur Arbeit zu gehen und das wäre nie geschehen. Die Gedanken wollen kein Ende nehmen und als ich es nicht mehr länger aushalte, schleiche ich wie ein Dieb in die Küche um mir wenigstens ein Glas Wein zu genehmigen.

Danach ist es wirklich einfacher.

 

Mulder ... Nein! Das dürfen Sie mir nicht antun!

 

Ein Albtraum, schweißgebadet wache ich auf und sehe meine Mutter an meinem Bett sitzen.

"Du musst mir jetzt alles erzählen."

Also setzen wir uns gemeinsam in die Küche und ich erzähle ihr von Mulders Krankheit, von seinem Sturz und von meinen Schuldgefühlen. Sie sitzt da und hört zu und dafür bin ich ihr dankbar.

Sie schaut mich an und beginnt einen Satz zu formulieren, doch es fällt ihr sichtlich schwer.

"Dana, ... habt ihr beide denn.. ich meine gibt es die Gefahr ..." doch schließlich ringt sie sich doch dazu durch, " ...hast du es denn auch?"

Ihr Gesicht ist von Falten gezeichnet und ich möchte nicht wissen, für wie viele ich allein verantwortlich bin.

"Ich meine ... ich will nicht indiskret sein, aber es ist doch wichtig, oder?"

Ich nehme ihre Hand in meine und schaffe es halbherzig zu lächeln.

"Nein, ich habe einen Test gemacht. Er war negativ. Mulder und ich, wir sind uns anders nahe."

Sie lächelt zurück, doch blickt auf als sie meine Tränen bemerkt.

"Es ist nur... ich fühle mich so hilflos. Ich habe jahrelang Medizin studiert und ich kann ihm nicht helfen. Ich fühle mich so machtlos." Die Tränen werden immer stärker.

"So habe ich mich gefühlt als Melissa im Krankenhaus lag." Sie zögert. "Und auch als du Krebs hattest. Ich war eure Mutter, euer Dad war nicht mehr da, ich wollte euch beschützen, wie damals, als ich klein ward, doch es half nichts."

Sie rutscht von ihrem Stuhl und nimmt mich in den Arm.

"Lass es raus, Schatz. Es tut dir nicht weh, es befreit nur."

So sitzen wir bis zum Morgengrauen. Ich rufe im Büro an und bin froh, dass ich nur Skinners Sekretärin erwische und ihr sage, dass ich heute nicht kommen kann.

Ich lege mich wieder zurück ins Bett, die eine Tablette macht ja nichts...

 

Jemand schüttelt mich am Arm.

"Dana?!"

"Hmm??"

"Das Telefon. Ein Doktor ist dran, er sagt es geht um Fox."

Ich springe auf und reiße ihr das Telefon aus der Hand.

"Ja?"

 

Eine halbe Stunde später renne ich den Krankenhauskorridor entlang. Der Arzt meinte ich sollte sofort kommen.

Eine Schwester kommt auf mich zu. Sein hält mich auf und legt ihre Hände behutsam auf meine Schultern.

"Sie müssen jetzt sehr stark sein."

 

Die Welt um mich herum fängt an zu schwinden...

 

... Sie müssen jetzt sehr stark sein ...

 

Die Worte hallen in meinem Kopf weiter. Was ist jetzt? Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen vor Schuldgefühlen. Was soll ich denn jetzt tun? Wie kann das sein?

Aus einem anderen Winkel meines Kopfes hallte einfach eine ungeheure Leere, oder es war eher mein Herz

 

....Ihr Sohn, Timmy, ist vor 20 Minuten verstorben...

 

"Timmy?"

Ich starre die Frau entgeistert an. Da sehe ich Skinner, wie er winkend an der Tür von Mulders Krankenzimmer steht.

Ich lasse die verdutzte Schwester stehen, spreche einen kurzen Segen für die wahre Mutter dieses Jungens und bin schon bei Skinner angelangt.

 

"Er ist wach."

 

Meine Augen fangen an zu strahlen, obwohl ich es nicht sehen kann, merke ich es an Skinners Reaktion. Er schiebt mich regelrecht in das Zimmer hinein. Dort sitzt Mulder, blass wie zuvor, dafür mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

"Scully! Ich hab meine Lieblingsärztin schon vermisst."

Ich lächle scheu zurück, ergreife sofort seine Hand und lasse mich auf seiner Bettkante nieder. Skinner steht grinsend daneben.

"Mulder" ich muss mich zusammenreißen, dass ich nicht schon wieder losheule, "Ich hab mir Sorgen gemacht." Er reagiert nur mit einem festeren Druck meiner Hand. Skinner macht sich mit einem "Na, ich muss dann mal los" aus dem Staub. Der Mann versteht sogar was von Taktgefühl.

 

Der Arzt kommt herein.

"Schön, dass Sie so schnell gekommen sind, Mrs. Mulder."

Mit einem Blick auf Mulder fügt er "Uns scheint es ja wieder besser zu gehen." hinzu.

Sein Piepser geht los und er verabschiedet sich.

 

"Mrs. Mulder? Haben wir denn endlich geheiratet? Das wäre eine Erklärung für meine schlechten Herzwerte von denen der Arzt geredet hat... die Hochzeitsnacht war ... toll, eh?

Froh darüber, dass der alte Mulder wieder da ist, tätschle ich seinen Kopf.

"Nein, aber sonst hätten sie mich nicht auf ihr Zimmer gelassen, Dummkopf."

"Ich bin aber kein Hund."

"Sie sollten jetzt lieber schlafen."

"Sie wollen mich einschläfern lassen?" Ich erlaube mir das, was ich auf der Arbeit total auf "aus" geschaltet habe, ein Grinsen.

"Ich komme morgen wieder, ja?"

Er nickt zufrieden.

"Und ich muss noch mit Ihrem Arzt reden. Hat er ihre Werte schon mit Ihnen diskutiert?"

Er schüttelt den Kopf.

Ich fahre ihm noch einmal liebevoll über sein volles Haar und gehe dann aus der Tür.

 

Diese Nacht bewältige ich, nachdem ich Mum versichert habe, dass alles in Ordnung ist, ohne irgendwelche Hilfsmittel.

 

Doch das Gespräch mit Mulders Arzt reißt mich aus allen Wolken.

 

Irgendwann drehe ich mich einfach um und renne aus dem Krankenhaus.

Ich hatte wahre Hoffnung für Mulder. Ich hatte nicht einmal gedacht, dass er so übel dran ist.

Ich gehe blind für meine Umgebung durch die Straßen, bis ich nicht mehr weiß, wo ich bin.

Doch ich renne weiter, genauso wie sich meine Tränen den Weg über meine Wangen bahnen, so laufe ich orientierungslos durch Washingtons Straßen.

Irgendwann merke ich, dass meine Kleider nass sind, es muss angefangen haben zu regnen. Ich habe es nicht einmal gemerkt.

Ich ignoriere alle Gesetze, beachte keine Ampeln, bis mich ein Mann am Arm packt. Ich will ihn anherrschen,was das denn soll, da fragt er ob ich denn lebensmüde sei. Jetzt erst bemerke ich, dass ich in Begriff war auf die Fahrbahn zu laufen. Ich möchte ihm ein Wort des Dankes zukommen lassen, doch mein Wortschatz ist auf 0 geschrumpft, ich sehe die grüne Ampel und gehe einfach weiter.

 

Schließlich stehe ich an einer Straßenecke und ein kleines Mädchen starrt mich an.

"Mami, warum schaut den die Frau so seltsam aus?"

Ich sehe an mir hinab. Mein pitschnasser Mantel, zudem mein klatschnasses Haar und mein verwirrtes Gesicht müssen wirklich einen seltsamen Eindruck auf die Kleine zu machen.

Ich will gerade etwas erwidern, doch da zieht die Frau sie schon weiter.

 

Letztendlich stehe ich am anderen Ende der Stadt und versuche vergeblich ein Taxi herzubeordern.

Nachdem mir eine dieser Möchtegernmodels eins weggeschnappt hat und die anderen alle besetzt sind, kommt keines mehr und es beginnt wieder zu gießen.

Was soll ich jetzt tun? Jemanden anrufen... nur wen?

Mum? Nein, ich hab ihr doch schon so viel angetan. Skinner? Vielleicht. Ich lasse es läuten, einmal noch einmal, nach dem 15. Mal nehme ich an, dass er nicht mehr drangehen wird.

Und jetzt? Ich weiß keinen mehr... außer ...

 

10 Minuten später steht Langly mit dem LoneGunmen - Volkswagenbus am Straßenrand und winkt mir aufmunternd zu. Als er erkennt, dass ich total nass bin und auch etwas von Geisteszustand murmelt, weigert er sich mich zu meinem Apartment zu fahren und setzt mich vor der Paranoia - Zentrale ab.

Mit einem Arm um meine Taille und einer einladenden Geste führt er mich ins Reich der Spinner.

"Seht mal, wen ich am Straßenrand gefunden hab."

"Langly! Nicht schon wieder die Nutte, die dir erzählt hat, dass sie Verbindungen in die Regierung hat." Tönt es aus dem Technikverhau von Frohike.

Doch als er mich erblickt wird er ganz kleinlaut. "Ich meine, was verschafft uns die Ehre, Agent Scully?"

"Sie ist klatschnass, siehst du das denn nicht?"

Langly greift nach einem Handtuch und reicht es mir, holt ein paar Klamotten aus einem Regal und schickt mich in ihren ... Raum, der in dem die Sessel stehen, wie immer sie es auch nennen.

 

Ein paar Minuten später, nachdem ich mir das Haar trocken gerubbelt habe, stehe ich vor den Drei in undefinierbaren Klamotten.

"Danke, aber die sind mir irgendwie fünf Nummern zu groß."

"Das liegt wahrscheinlich daran, dass es Mulders Sachen sind. Er hat sie mal hier liegen gelassen."

Bei dem Wort Mulder schalten meine Tränendrüsen ungewollt auf Durchlass.

Nun stehe ich hier, weinend,vor den 3 Top-Paranoikern Amerikas.

Endlich fasst sich Byers ein Herz und meint:

"Na,Scully. Was ist denn los?"

 

Nachdem ich ihnen das erzählt habe, was mir der Arzt gesagt hat, nämlich dass Mulder nur noch wenige Wochen bis zu seinem Ableben hat, schauen sie alle betrübt auf den Boden und Langly meint schließlich: "Vielleicht sollten sie ja mal mit Mulder darüber reden."

 

Da ich durch den starken Tränenverlust nicht mehr ganz da bin, willige ich wieder ein und wir fahren zu viert ins Krankenhaus.

Vor Mulders Krankenzimmer bleiben sie geschlossen stehen und lassen mich alleine hineingehen.

 

Mulder schlägt die Augen auf, als ich hineinkomme.

"Hallo Scully!"

Sein Gesicht scheint abgespannt, seine Stimme ist matt.

"Hallo."

"Was führt Sie hierher?" fragt er und versucht sich mühsam in seinem unwiderstehlichem Lächeln.

"Mulder, wir müssen reden."

"Und worüber?"

"Über Ihre Krankheit."

"Scully, ich habe jetzt wirklich nicht den Nerv mit Ihnen noch einmal alles durchzugehen. Der Arzt hat mir alles erklärt."

"Mir ebenso."

Er schnaubt verächtlich und blickt demonstrativ nicht in meine Richtung.

Ich atme tief durch.

"Mulder, er hat mir gesagt, dass Sie vielleicht nicht das nächste Jahr erleben werden."

Er reagiert nicht.

"Mulder, ... wir haben jetzt Mitte November.... Könnten sie mir vielleicht erklären, was Sie vorhaben zu tun? Was ist mit unserer Zukunft?"

"Jetzt hören Sie mal, Scully! Ich hab keine Ahnung wovon Sie sprechen. Falls Sie sich erinnern, wir ... damit scheinen Sie sich zu meinen. Ich werde in ein paar Wochen tot sein. Ich habe keine Zukunft. Spooky Mulder wird endlich in die ewigen Jagdgründe der Außerirdischen eingehen. Seien Sie froh, Scully! Jetzt kann Ihnen und Ihrer Kariere beim FBI bald keiner mehr im Weg stehen. Sie werden die X- Akten ganz einfach schließen, schon allein dafür wird man Ihnen eine Auszeichnung geben."

Er macht eine Pause, das Atmen fällt ihm sichtlich schwer.

"Mulder, ich will Ihnen doch nur helfen."

"Scully! Verdammt noch mal. So naiv können Sie doch gar nicht sein." Weitere Tränen laufen meine Wangen hinab. "Das wird toll! Glauben Sie mir das. Der lästige Mulder ist weg. Dann können Sie tun und lassen was Sie wollen. Sie werden nicht mehr wegen mir entführt, können vielleicht wieder Kinder bekommen. Alles was Ihnen mit mir versagt war. Aber dann lassen Sie mich wenigstens in Ruhe! Was ich vorhabe zu tun? Scully, ich bin kein Reiseveranstalter. Vielleicht mach ich das, was ich schon immer tun wollte. Eine Kreuzfahrt, aber ohne eine Frau, die jahrelang meine Ideen zerstört und mich so oft für verrückt erklärt hat und jetzt auch noch ankommt und wissen will wie ich unsere Zukunft plane. Merken Sie denn nicht wie lächerlich Sie sind? ...."

Er könnte noch lange weiterreden, es sind die schlimmsten Worte, die ich aus seinem ... überhaupt einem Mund irgendeines Menschen jemals gehört habe . Es tut mir weh und er merkt es nicht einmal.

Durch den angestiegenen Geräuschpegel ist die Schwester hereingekommen, mit ihr die einsamen Schützen.

"Sie sollten ihn nicht so aufregen." sagt sie in meine Richtung.

Da springt Frohike ein: "Na hören Sie mal! Sie haben ja keine Ahnung." Und schiebt die überraschte Schwester aus dem Zimmer. Dann wendet er sich Mulder zu: "Sag mal hast du wirklich einen Schaden am Kopf von deinem Sturz? Du schreist dieses wunderschöne Geschöpf an" und er zeigt auf mich "und du schämst dich nicht einmal? Was hat sie dir denn getan? Warum denkst du denn, dass du fast keine Freunde hast? Ja, du hast der Frau viel angetan, aber das, indem du auf ihren Gefühlen herumgetrampelt bist..."

Mehr höre ich nicht, da ich noch mehr Geschrei heute nicht mehr aushalte und ich gehe wieder in meine Wohnung. Mein erster Weg ist der in die Küche.

Aber, kein Tropfen mehr da.

Irgendwann schlafe ich dann.

Nur um am nächsten Morgen aufzuwachen und mich selbst ins Büro zu schleppen, in dem einige Leute auf mich warten, die eine Erklärung für die letzten Tage fordern.

Nach Stunden von Erklärungen und Bergen von Papierkram, als Bestrafung, sozusagen, komme ich wieder an meiner kleinen Wohnung an.

Der Anrufbeantworter ist voll mit Nachrichten.

Bill, der wissen will, ob ich doch wieder einmal Zeit habe, Mum, die mich Weihnachten bei sich haben will und auf mich wartende Laborberichte.

Es klopft an der Tür.

Ich öffne und fahre erst einmal zusammen.

Dort draußen steht Mulder.

"Mulder! Was machen Sie hier? Warum sind Sie nicht im Krankenhaus?"

"Ich hab es nicht länger ausgehalten. Frohike, der irre Clown... er hat mit tatsächlich die Augen geöffnet. Ich hab mich furchtbar benommen."

"Mulder,... kommen Sie doch rein!"

Er schließt die Tür hinter sich und wir setzen uns an meinen Küchentisch.

"Ich weiß, was Sie gerade durchmachen" ich gestikuliere mit meinen Armen " Ich habe dasselbe durchgemacht, als ich Krebs hatte. Ich habe alle Menschen auf der ganzen Welt gehasst, die gesund waren und bei jedem habe ich mir gedacht: Warum nicht der? Der hätte es verdient. Es sind furchtbare Gedanken, die man nicht aussprechen kann, aber man ist so voller Wut...."

"Scully. Warum haben Sie mir das damals nicht erzählt?"

Ich muss schmunzeln.

"Wir sind eben verschieden. Sie kennen mich, ich wollte es mit mir allein aushandeln."

Er steht auf und nimmt mich liebevoll in den Arm, obwohl ich diesmal an der Reihe bin.

"Verzeihen Sie mir, Scully?"

Wir blicken uns in die Augen.

"Ich habe es nicht so gemeint. Ich musste es an jemandem auslassen. Sie hatten Recht."

"Natürlich, Mulder." Ich würde weinen, wenn ich heute nicht schon alle Tränenflüssigkeit verloren hätte.

Er schaut mich an und meint plötzlich: "Sie sollten schlafen gehen." Und er schaut mir in die rotgeweinten Augen und streicht über mein Haar.

"Ich will nicht von Ihnen getrennt werden."

Er tut so, als würde ich heute Nacht anstatt mein weiteres Leben meinen, er nimmt die Decke aus meinem Schlafzimmer und breitet sie auf der Couch aus. "Wenn wir uns schmal machen müsste es klappen."

Ich zögere, frage mich selbst ob ich das Thema noch einmal ansprechen soll.

"Na kommen Sie, Scully! Ich werde auch ein braver Junge sein."

 

Wir liegen zusammen auf der Couch und ich kuschle mich an seine Brust. So gut wie heute bin ich schon lange nicht mehr eingeschlafen.

 

Am nächsten Morgen brauche ich einige Minuten, bis ich wieder meine Orientierung erlangt habe.

Mulder sitzt Beine baumelnd auf meiner Küchenplatte und kocht Kaffee.

"Guten Morgen, schöne Frau." grinst er.

"Guten Morgen."

"Gehen Sie heute ins Büro?"

"Ja, ich denke schon. Warum?"

"Ich werde mitkommen."

Ich will schon mit meinem Protest beginnen, da wehrt er schon ab.

"Ich muss einfach mit Skinner reden."

 

"Wir treffen uns zum Dienstschluß?"

"Ja, bis später."

 

Er holt mich dann auch tatsächlich ab und wir fahren zu mir.

"Scully" er atmet tief durch "Ich habe mit Skinner ausgemacht, dass ich bis Mitte Dezember arbeiten werde, soweit es meine Gesundheit zulässt."

Ich will etwas einwenden, doch er bringt mich zum Schweigen.

"Sie wissen doch, mindestens so gut wie ich, dass ich es nicht aushalten würde ohne meine Arbeit. Die Arbeit ist mein Leben und so lang ich vielleicht noch jemandem helfen kann, werde ich diesem die Hilfe nicht verweigern.

 

Die Wochen gehen schnell vorüber.

Sie sind anders...

Am Anfang sind wir noch aneinandergeraten, aber nach einer weiteren Standpauke von Frohike und Mulders Arzt und auch von Skinner hört er auf mich.

Wir tun all das, was eigentlich nur verliebten Paaren zusteht.

Wir gehen Sonntags Eisessen, anstatt im Keller verstaubte Dias von Monstern anzusehen, wir gehen ins Kino und laufen durch den mittlerweile verschneiten Park.

Die letzte Woche vor Mulders Dienstschluß geht es ihm schlechter. Ich habe ihm angeboten mit ihm zu fahren, doch er hat mich abgewimmelt.

Zurück in meinem Apartment.

Das Telefon klingelt.

Meine Mutter ist dran: "Schatz, wann kommst du dieses Jahr?"

"Mum, ich weiß nicht, ob ich überhaupt kommen kann."

"Aber ...?"

Und ich erzähle ihr, wie weit es schon ist.

 

Zehn Minuten später, nachdem ich aufgelegt habe, klingelt es wieder. In der Hoffnung, dass es nicht Bill ist, dem Mum gerade alles brühwarm erzählt hat, hebe ich ab.

"Scully."

"Ich bin's . Könnten Sie vielleicht doch vorbeikommen?"

   

Natürlich kann ich und ich stehe schon vor seiner Tür.

Das erste, was mir auffällt, ist die extreme Hitze. Er muss alle Heizkörper aufgedreht haben.

"Mulder wo sind Sie?"

"Im Schlafzimmer."

Dort liegt er, eingemummt in mehrere Decken und zitternd.

"Mulder..." entfährt es mir, geschockt wie ich bin.

"Scully. Mir ist so eisig kalt."

Ich erkenne sofort wieder die Symptome und ich halte ihn schon.

Ich erinnere mich wieder wie nah er doch dem Tod ist.

"Danke, Scully."

"Immer doch."

So schlafen wir ein.

 

Am nächsten Morgen frage ich ihn, ob er mit mir fahren und mit meiner Familie Weihnachten feiern will. Er sagt gerührt, Ja und am 19. Dezember fahren wir los.

Ich fahre und er schläft fast die ganze Zeit. Ich wecke ihn vorsichtig.

"Sind wir denn schon da?"

"Nein, aber ich mache eine Pause für einen Imbiss."

"Was wollen Sie essen."

"Einmal Truthahn mit Preiselbeeren bitte."

"Sind Pommes und Hamburger auch okay?"

"In der Not frisst der Teufel Fliegen."

 

Dankbar stopft er zehn Minuten später das Fastfood Essen in sich hinein.

Kauend fragt er: "Wer kommt denn so alles?"

"Na ja... Mum hat eine Weihnachtsfeier im richtigen Familienkreis geplant, Bill und Tara werden kommen und Charles mit Anhang, wenn er Zeit hat."

"Bill wird mich umbringen,wenn ich mich jetzt auch noch zu Weihnachten bei ihm blicken lasse."

"Mum hat versprochen ihn vorzuwarnen."

 

Als wir ankommen, steht diese schon am Fenster und wartet.

Und als sie endlich mein Auto erkennt, stürmt sie schon aus dem Haus.

"Dana, Fox!" Kaum sind wir ausgestiegen, umarmt sie uns Beide herzlich und fängt schon damit an, wie schön es doch ist, dass wir da sind.

Ich fange ein halbherziges, "Mum, wir sind gerade ein paar Stunden gefahren, wir sind erschöpft" an, doch sie plappert munter weiter, Mulder grinst mich fröhlich an.

Die nächsten Tage verbringen wir Drei damit, das Haus zu schmücken, Geschenke zu kaufen und Essen vorzubereiten.

Am 24. backen wir noch die letzten Plätzchen.

Zu Mums Leidwesen kann ich weder kochen noch backen, letzteres beweise ich gerade wieder indem ich ein ganzes Blech kohlenschwarz hab werden lassen.

Wenn man mit Mulder Plätzchen bäckt, fühlt man sich sofort wieder in seine Kindheit zurückversetzt.

Er nascht mehr von dem Teig, als dass er Formen daraus macht. Ich will ihn schon tadeln, da läutet die Tür. "Sie rühren sich nicht von der Stelle. Und ich möchte in dieser Schüssel noch Teig sehen, wenn ich zurückkomme." knurre ich, doch Mulder kann nur darüber lachen, worüber ich dann wieder froh bin.

An der Tür stehen Charles und Ellen, seine Frau, im Hintergrund die Kinder, die sich gerade mit Schnee einseifen. Das Hallo ist groß, vor allem, da wir uns lange nicht mehr gesehen haben.

Mulder steht im Küchenrahmen und sieht verstohlen her. Ich deute auf ihn und sage, "Das ist Fox Mulder. Und das sind mein Bruder, Charles, meine Schwägerin, Ellen und ihre Kinder, Bob, Claire und Pete. Mulders Teighände winken herüber und die eingeeisten Kinder tun es ihm gleich.

"Kommt, ihr müsst aus euren Klamotten raus." meint Ellen. Ich biete meine Hilfe an und sehe, dass Mulder und Charles miteinander ins Gespräch kommen.

Nachdem wir die drei Kinder von ihren Anziehsachen losgeeist haben und ihnen trockene Sachen verpasst haben gehe ich wieder in die Küche.

"Na, Jungs. Seid ihr schon Freunde geworden?"

Charles dreht sich um und grinst verschmitzt.

"Ja, wir haben kleine Danaplätzchen gebastelt."

Erst denke ich sie wollen mich auf den Arm nehmen, aber als mein Blick auf das Blech fällte sehe ich es. Lauter kleine Männchen, oder besser Weibchen, die auf dem Kopf rote Gelmasse tragen.

Charles und Mulder stehen in der Ecke und lachen sich wie kleine Jungs über mein dummes Gesicht schief. "Na gut. Ihr habt es nicht anders gewollt. Dann backe ich euch auch."

Also beginne ich kleine Charlie und Mulder Figuren zu formen und Claire kommt später noch dazu um mir aus Loyalität zu helfen.

Während Ellen und Mum das Mittagessen vorbereiten und ich so tu, als wäre ich eine gute Küchenhilfe gehen die zwei Männer und die Kinder raus zur Schneeballschlacht.

Nachdem ich mich dreimal verbrannt und dann die Knödel verformt habe, schicken sie mich deutlich zu den Anderen heraus.

Ich entdecke im Schnee einen völlig abgekämpften, aber glücklichen Mulder. Ich will ihm aufhelfen und ins Haus schicken, doch er zieht mich zu sich hinunter und erklärt mir,dass die Eis Aliens ihn angegriffen hätten, Charles' Version ist, dass es Eis Indianer waren. Ich sammle die kriegerischen Kinder ein und schicke alle sofort zum Umziehen und schmunzle über Mulders kameradschaftliche Art mit Kindern umzugehen, die ihn sofort zu ihrem Helden gemacht hat.

Zum Kaffee kommen dann Bill und seine Familie. Als er tatsächlich auf Mulder zugeht und diesem, der sich insgeheim schon auf Flucht eingestellt hat, die Hand gibt und ihm "Frohe Weihnachten" wünscht, trifft mich fast der Schlag.

Am Abend ist Mulder furchtbar müde und ich schicke ihn mit den Kindern ins Bett.

Er murmelt noch ein, "Das ist gut, dann bin ich wach wenn der Weihnachtsmann kommt." Und damit bekommt er einen Jubelruf von den Kindern.

Mum und ich bleiben noch auf.

"Es ist wirklich schön, dass ihr Beide da seid."

"Es ist auch wirklich schön hier, Mum."

"Fox geht sehr gut mit Kindern um, nicht wahr?"

"Oh, ja." Mehr bringe ich nicht raus, da es mit belegter Stimme nicht so einfach ist zu sprechen.

"Dana, vielleicht hat er ja noch eine Chance."

"Mum, wenn er noch eine hätte, dann würde ich jetzt nicht hier sitzen und Trübsal blasen, sondern nach oben gehen und ihn dazu zu überreden mit mir ein paar Kinder zu adoptieren."

"Ich meinte ja nur... Du hattest doch auch Krebs und bist wieder gesund geworden."

"Das war etwas ganz anderes." Und damit beende ich das Thema für heute und wir reden über alltäglichen Tratsch. Eines muss ich ihr jedoch sagen, die Gedanken, die ich hatte, als sie bei mir war. Ich entschuldige mich bei ihr für alles was sie mit mir ausgestanden hat, doch sie lächelt nur.

Als wir dann zu Bett gehen, meint sie noch "Ich liebe dich, egal was du alles tust."

 

Gerade als ich im Bett liege, klopft es an meiner Tür.

Es ist Mulder. "Was gibt es denn? Sie glauben doch nicht wirklich an den Weihnachtsmann und wollen jetzt mit mir auf die Jagd nach ihm gehen?" sage ich in scherzhaften Ton, doch als ich sein Gesicht sehe, wird mir bewusst, dass es ernst ist. Er ist kreidebleich und seine Stimme ist nur ein leises Flüstern. "Kann ich reinkommen?"

"Natürlich."

Ich eile ihm entgegen und stütze ihn. "Mir ist so schlecht." "Sollen wir ins Krankenhaus fahren?"

"Die können doch auch nichts tun. Scully?"

Er sieht mit tief in die Augen. "Es war wunderschön heute. Um die Wahrheit zu sagen" wir müssen beide schmunzeln, doch er wird wieder ernst "war es das schönste Weihnachten, das ich je hatte."

"Aber, Mulder. Weihnachten ist doch noch nicht vorbei. Der Weihnachtsmann muss doch noch kommen!" Er lächelt verzweifelt. "Scully, ich glaube ich mache es nicht mehr lange."

Ich habe Angst, dass er in diesem Moment auf meinem Bett stirbt und drücke mich fest an ihn.

"Mulder, nein!"

"Ich habe eine Bitte, Scully."

"Und die wäre?"

"Ich möchte noch einmal in das Haus meiner Eltern. Ich habe nicht mehr alle Zeit der Welt und es wäre schön wenn wir jetzt fahren könnten."

"Aber, Mulder, wir wollten doch noch gemeinsam die Geschenke auspacken."

"Bitte, Scully. Ich habe die Zeit einfach nicht mehr."

Ich nicke und packe meine Sachen langsam zusammen.

Ich packe die Geschenke für meine Familie unter den Baum stecke ein paar Essensdosen ein und lege einen Zettel an meine Mutter auf das Bett.

Wir fahren los, die Nacht ist sternenklar, doch Mulder scheint dafür keinen Sinn zu haben, er sitzt stöhnend in seinem Sitz und klagt wegen der unerträglichen Hitze, ein weiteres Symptom.

Er fragt, ob er denn das Fenster öffnen dürfe. Ich sage ja und tu so, als ob es wirklich warm wäre, um ihn nicht zu irritieren, doch ich weiß, dass er die Wahrheit weiß.

 

Wir sind endlich angekommen und Mulder zieht einen Schlüssel aus der Manteltasche.

"Ich bin schon so lange nicht mehr hier gewesen."

Die Möbel sind mit Plastikplanen abgedeckt, doch wir ziehen sie ab und ich erkenne die Pracht dieses Hauses.

Mulder hat seinen Temperatursinn wieder gefunden, es wird nicht lange anhalten, und er ist wieder frohen Mutes und schleppt unsere Sachen in das Haus.

Im Keller finde ich eine Flasche Wein und wir lassen uns auf dem Sofa in dem riesigen Wohnzimmer nieder.

Wir trinken unseren Wein, blicken auf das gesetzte Feuer und schweigen aus Verlegenheit.

"Scully?"

"Hm?"

"Vielleicht sollten wir doch ein letztes Mal über meine Krankheit reden, bevor es zu spät ist."

"Mulder!" sage ich entrüstet.

"Scully, ich kann nicht ewig leben. Ich habe es heute eingesehen, Doch ich habe so viel schon erlebt, denken Sie doch einmal an die Kleinkinder, die weder Mummy noch Daddy aussprechen können, sie haben nichts von der Welt gesehen und auch diese sterben. Ich habe so viele Jahre auf diesem Planeten verbringen dürfen und dafür bin ich dankbar, Gott oder Buddha oder wem auch immer. Und"

er zögert, "Ich habe Sie kennen lernen dürfen."

Ich kann nicht mehr als einen erstickten Laut von mir geben, durch seine Worte wurde ich so berührt.

"Scully, ich habe vor einiger Zeit, als ich schon krank war und genug Zeit hatte um Bibliotheken aufzusuchen, dieses Gedicht gefunden, ich fand es so wunderbar. Vielleicht werde ich jetzt in den letzten Stunden oder Tagen auch noch sentimental, aber ..."

Er beginnt mit ernster Stimme:

 

"Ich liebe dich

Für deine kleine, verschreckte, gedankenlose Art,

 

Für deine Grübeleien, wie weiche dunkle Vögel,

Und wenn du sprichst ist's ein plötzliches Sonnenlicht.

 

Ich liebe dich

Für deine großen Kinderaugen, und tänzelnden Hände,

 

Für deine kleinen Gottheiten deiner Fingergelenke,

Und die wunderschönen Mysterien deiner Finger.

 

Ich liebe dich.

Studiert die Blüte ihren Lebenstag?

Ist der Schmetterling böse auf eine Stunde Seele?

 

Ich hätte lieber eine Rose

..."

 

Er nimmt meine Hand in die seine, lächelt

...

 

"als das ewige Leben."

 

 

"Es ist wunderschön."

"Auch wenn vielleicht ein/zwei Stellen nicht auf Sie passen, das Gedicht ist nur für Sie."

Ich möchte etwas erwidern, ich will ihm sagen, was ich für ihn empfinde. Alle Gedanken, die ich im Krankenhaus hatte. Doch ich kann es nicht. Die Ice Queen siegt wieder einmal.

"Ich schau mal, ob ich aus unserer Beute noch etwas essbares machen kann."

"Ist gut."

 

In der Küche steht ein Radio. Ich stelle es an. Nur Pop, doch ich lasse es, lieber verrückte Musik als gar keine.

Als ich es endlich geschafft habe, den Dosendeckel zu öffnen kann ich auf den Text achten.

 

And we've waited for so long

For this moment to come

Was so anxious to be together

Together in death

 

Won't you die tonight for love

Baby join me in death

 

Ich sehe Mulders Gesicht vor mir. Als er mir erklärt, dass er nicht mehr viel Zeit hat, wie er Schüttelfrost hat. Ich erinnere mich, wie es jedes Mal für mich war, als wir getrennt wurden.

Ich kann es nicht ohne ihn aushalten.

Ein Knall aus dem Wohnzimmer lässt mich aus meinen Gedanken auffahren.

Ich renne hinein um zu sehen, was passiert ist. Mulder liegt auf dem Boden und ich beginne unbewusst zu beten.

"Lass ihn leben. So schnell kann es doch gar nicht gehen..."

 

"Mulder?"

"Schon okay, Scully. Ich bin gestolpert. Schon gut."

Wir beide wissen, dass er nicht gestolpert ist. Er ist eindeutig zusammengebrochen, doch ich spiele das Spiel mit um mich selbst vor der Wahrheit zu beschützen.

"Legen Sie sich hin, Mulder."

"Es ist kalt hier, nicht wahr, Scully?"

Seine Augen flehen nach Bestätigung und ich lasse mich ein weiteres mal auf die Lüge ein.

"Ja, natürlich Mulder. Es ist kalt hier. Ich lege gleich mehr Feuer auf."

 

Ich stelle alle Kerzen, die ich finden kann auf und zünde sie an. Mulder liegt zitternd auf der Couch, in Decken gehüllt.

Die Hitze ist unerträglich, doch er friert weiter.

Als ich mich meiner Hose und später meines Oberteils entledige blickt er auf und der alte Mulderglanz ist in seinen Augen.

"Schauen Sie nicht so, Mulder. Ich hab schon nach Schlafsäcken gesucht, keine da. Das muss Schicksal sein."

Er grinst und winkt mich her.

"Sie wollen dieses Weihnachtsfest doch nicht noch toppen?" Doch seine Stimme ist schwach.

Ich streiche über sein Haar und setze mich zu ihm.

"Schließen Sie die Augen, ich bin ja da."

"Wie kann ich bei so einer Pracht die Augen schließen? Die Leute im Jenseits werden mich auslachen, wenn ich diese Chance nicht wahr nehme."

"Reden Sie nicht so, Mulder."

"Ich weiß, Scully, ich bin eine Plage, aber könnten Sie es noch ein bisschen wärmer hier machen?"

"Ich bin Ihnen nicht heiß genug?" frage ich mit gespielter Gekränktheit und stehe auf um noch mehr Kerzen zu suchen.

In der Abstellkammer finde ich noch eine schwarze Kerze.

"Schwarz?"

"Melissa hat gemeint, dass es das Böse abwehrt."

"Das ist gut... das Böse." Er grinst "Wenn der Teufel vorbeikommt, werden Sie ihn dann mit dem Kerzenstumpf verscheuchen?"

Er kann es nicht lassen, sogar in der Stunde seines Todes macht er noch seine Späßchen.

 

Ich stelle die Kerze auf den Tisch und zünde das Streichholz an.

 

Die Kerze brennt, Mulder stöhnt und das Streichholz landet auf dem Boden.

Ich lege mich auf die Couch und kuschle mich an Mulder.

 

Ich habe es immer geleugnet, aber ich habe eine besondere Verbindung zu den Menschen, die mir etwas bedeuten. Ich sehe Mum vor mir, wie sie gerade aufsteht, auch sie hat diese Verbindung zu mir, sie weiß, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Vorhänge haben schon Feuer gefangen. Sie steht auf und geht in die Küche, nimmt eines der Plätzchen, ihr Blick fällt auf das Radio. Sie schaltet es ein. Daraus ertönen moderne Klänge,doch sie stellt keinen anderen Sender ein. Das Feuer greift auf den Teppich über. Sie lauscht den Klängen.

We are so young

Our lives have just begun

Ihre Augen werden größer. Die Erkenntnis trifft sie wie ein Schlag auf die Wange. Ich blicke auf Mulder. Er sieht so friedlich aus. Sie stürmt die Treppe hinauf. Das letzte Mal, das ich über sein wundervolles Haar fahre, seine Gesichtszüge bewundere. Sie reißt die Tür meines Zimmers auf, doch es ist leer. Auf dem Bett liegt ein Zettel. Sie zuckt zusammen. Von unten tönt es,

it's already we are considering

escape from this world

Er schlägt die Augen auf und lächelt. Ein letztes Mal. Mum greift den Zettel auf. Mulder fragt, warum es so verbrannt rieche. Ich antworte ihm, dass er sich das nur einbilde. Ihr laufen Tränen die Wangen hinunter, noch bevor sie den Brief liest. Mulder wird von dem Rauch langsam, aber sicher ohnmächtig. Er wird keine weiteren Schmerzen haben. Sie wischt sich die Tränen ab, insgeheim weiß sie, dass es schon zu spät ist. Das Feuer hat uns umschlossen. Die Couch ist wie eine rettende Insel, doch das wird nicht lange anhalten. Sie ruft nach dem Rest der Familie, ihre Stimme schwankt und Krämpfe schütteln sie. Der Tisch hat Feuer gefangen. Auch mein Bewusstsein ist am schwinden. Ich klammere mich an Mulder fest. Bill kommt in das Zimmer gestürmt und entdeckt Mum weinend auf dem Bett.

Das Feuer ergreift Besitz von der Couch. Bevor das Feuer auch auf uns übergeht, küsse ich Mulder ein letztes Mal. Jetzt ist auch der Rest der Familie in dem kleinen Zimmer versammelt. Bill reißt Mum den Zettel aus der Hand.

Together in dead.

Ich presse meinen Kopf an seine Wange und flüstere die simplen drei Worte, zu denen ich sieben Jahre nicht fähig war.

Bill betrachtet seine Familie, seine Augen sind ausdruckslos.

"Ich liebe sie Mulder."

Er liest den Brief.

 

Meiner Familie,
 
Ich weiß nicht wie ich beginnen soll, doch ich muss es erklären.
Mulder, er ist mein Leben.
Ich weiß, dass er nicht immer für mich da war, doch sein Leben war die Arbeit.
Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Wir gehören zusammen.
Wir sind mehr als Partner, Seelenverwandte...
Ich könnte es nicht ertragen von ihm getrennt zu sein. Der Schmerz würde ewig in meinem Herzen brennen.
So habe ich diesen Weg gewählt.
 
Verzeih mir Mum,
 

Dana

 

Das Lied ist aus.

 
Ende

 
Du bist der 2212. Leser dieser Geschichte.