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Meister, schlafend© by Tem-ve H'syan ()
Er riecht. Und ich kann nicht schlafen. Wenn ich das Bant erzähle, lacht sie mich aus bis übermorgen früh. Der kleine Obi-Wan kann nicht schlafen, Meister! Hat Sehnsucht nach seinem sauberen kleinen Bettchen im Initiatenschlafsaal, Meister! Meister ist ja gerade der Grund, warum der ach so kleine Obi-Wan nicht schläft. Mann, wenn ich größer wäre, könnte ich erst recht nicht schlafen hier... und ich fürchte, es war eh schon Meister Jinns ungewöhnliche Größe, die uns überhaupt so eine Notunterkunft verschafft hat. Er wäre wirklich groß genug, um ohne Weiteres noch so ein Erdbeben auszulösen, wenn er nur mit dem Fuß aufstampft... also haben sie uns eins von den Biwaks gegeben, damit's keine diplomatischen Verstimmungen gibt. Eins von den Ein-Personen-Biwaks. Nein, eins von den Ein-Erwari-Biwaks. Ein Erwari ist ungefähr so groß wie ich. Meister ist zweimal so groß. Und er riecht. Nicht dass er stinken würde - klar, richtig gewaschen haben wir uns beide nicht, seit wir hier angekommen sind - aber... so ein Riesenstück Mensch direkt vor der Nase zu haben ist... na ja, es hält mich jedenfalls vom Schlafen ab, fertig. Ich muss mich jetzt nicht rechtfertigen. Meister schläft schließlich.
Warum müssen Meister so lange Haare haben? Überall sind die. Ich kann mich doch nicht einfach auf seine Haare legen. Was, wenn er sich nachts umdrehen will? Ich würde durch die Gegend fliegen... wenn's denn hier drin genug Gegend zum Fliegen gäbe. Eigentlich gibt's hier drin nur zwei Sachen: Haare, und das warme Riesending, das nach Meister Jinn riecht.
Wenigstens ist er warm. Und er schnarcht nicht.
Er schnarcht doch. Laut und deutlich. Mit jedem knarzenden Atemzug traue ich mich einen Schritt näher heran. Nicht zu nah. Nur nah genug. So nah, dass ich immer sagen kann, ich wollte ihn nur aufwecken, weil mich sein Schnarchen beim Einschlafen stört. Meine Kammer hat Papierwände... und immer wenn Meister anfängt zu schnarchen, ist mein Moment gekommen. Wenn diese Augen zugefallen sind. Ich meine, ich liebe seine Augen. Die einzigen wirklich blauen Augen, die mir bei einem Humanoiden bisher untergekommen sind, Mythologie oder nicht. Spektral blaue Augen sind einfach nicht vorgesehen für Humanoide - nicht dass das meinen Meister in irgendeiner Weise kümmert. Aber wenn diese Augen geschlossen sind, dann gehört er mir. Dann darf ich mich satt trinken an ihm. Ohne dass er mich komisch anguckt und die Frage wiederholt. Oder, noch schlimmer, mich auf die Nase stupst und fragt, ob ich schon wieder von duschenden Twi'leks träume. Wenn Ihr wüsstet, Meister.
Fast jede Nacht stehe ich hier, neben seinem Matratzenlager auf dem Boden. Kein Standardbett ist lang genug für ihn, sagt er. Das Bettzeug ist verwüstet, wie immer, und wie immer bin ich versucht, die vielen dünnen Lagen Leinen Schicht für Schicht abzutragen, vom Bett, von ihm, und mich satt zu sehen.
Man sieht sich ja, als Meister und Padawan. Man arbeitet zusammen, man trainiert zusammen. Man... duscht zusammen, manchmal. Aber man hat... nein, auch Obi-Wan Kenobi hat nie die Frechheit, den Blick _so_ lang wandern zu lassen. Nicht in diese Richtung.
Macht nochmal, er ist alt! Sagt er. Manchmal möchte ich ihm eine reinhauen, wenn er das sagt. Hat er irgendeine Idee, was für ein Unsinn das ist? Wenn er so daliegt, vergraben in zerwühlten Laken, dieser lange mächtige Körper so entspannt, dass meine Fingerspitzen kribbeln vor lauter Lust, ihn anzufassen? Überall anzufassen, meine Hände diese langen Beine hinaufgleiten lassen... und weiter. Seine Haare sind immer noch überall. Er kriegt die ersten grauen Strähnen, und alles ist natürlich meine Schuld, klar. Wenn er dabei so grinst, so schief und gar nicht hübsch und sein brummeliges Lachen lacht dazu, dann will ich wieder dreizehn sein und diese Haare im Gesicht haben. Aufregen würde ich mich darüber ganz bestimmt nicht...
Es kitzelt in der Nase, und ich bin absolut nicht mehr im Stande, etwas dagegen zu unternehmen. Ich rümpfe die Nase ein bisschen, verziehe den Mund, und es kitzelt noch mehr. Außerdem ist da eine Brustwarze unter meinen Lippen, klein und hart und umgeben von lauter kitzligen Haaren. Qui-Gon hat immer noch überall Haare, das hat sich auch nach Jahren nicht geändert. Ich drücke einen schläfrigen Kuss auf die Brustwarze. Er schnurrt und macht keinerlei Anstalten, sich zu bewegen. Sekunden später vibriert das mittlerweile legendäre Jinnsche Schnarchen durch meinen Kopf. Er ist wieder eingeschlafen. Und diesmal habe auch ich nicht mehr die Energie, ihn aufzuwecken. Dreimal an einem Abend ist selbst für einen fast fertigen Jedi-Ritter in den besten Jugendjahren einfach zu viel. Dreimal mit Meister Jinn ist für die meisten Humanoiden lebensgefährlich, würde ich wagen zu behaupten. Für mich ist es schon die Grenze der Belastbarkeit, und die Grenze zum Paradies. Ich bin vollkommen zermalmt, zerlegt, zerliebt, in Stücke geliebt von diesem unmöglichen Menschen. Ich rieche, schmecke nach ihm, überall, innen und außen und ganz tief drinnen. Irgendwann werde ich ihn auffressen, mit Haut und Haar, dieser Haut, die nach Salz schmeckt und nach ihm riecht und nach Schweiß, Haut, die immer weicher wird und dünner, auch wenn die Muskeln darunter immer noch Stahlseile sind. Er kann mich immer noch überwältigen, nicht nur mit seinen hungrigen bartkitzligen Küssen. Diese Hände, diese Riesenpranken haben mir schon ungezählte blaue Flecken verpasst in der Hitze des Gefechts, haben mich eisenhart festgehalten, wenn ich nur noch zucken und schmelzen konnte. Mir den Mund zugehalten, wenn ich nur noch schreien konnte von all der Lust, die er in mich reingepumpt hat, Stoß für Stoß für Stoß bis ich übergelaufen bin vor Glück. Dieser Mann um mich, in mir, bei mir. Bei mir. Der die blauen Flecken streicheln wird, morgen früh, wenn er wieder vor mir wach ist und trotzdem liegen bleibt, weil ich wieder auf seinen Haaren liege. Er sagt, er findet es schön, wenn er morgens die Abdrücke seiner grauen Strähnen auf meiner Wange findet. Und nein, ich werde ihm nicht widersprechen. Nicht, weil er mein Meister wäre. Weil er mein Geliebter ist.
Meister, warum sind Deine Haare so rot? So rot und so wild... sie verdecken Dein Gesicht, Meister. Qui-Gon. Ich sehe Dich nicht mehr klar, nicht mehr klar genug. Ich sollte die Tränen verschlucken, die nicht fallen wollen, nicht hier in aller Öffentlichkeit.
Meister, ich sollte bei Dir sein auf Deinem Lager. Den Kopf auf das harte Kissen legen. Auf Deine warme, heiße Haut. In die Asche. Schlaf, Meister. Du bist immer vor mir eingeschlafen. Wenn du erwachst, bin ich da. Und liege auf Deinen Haaren...
Schlaf, Meister. Auch ich bin müde, sehr müde. Schlaf, Meister. Ich folge Dir.
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