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Erinnerungen und Versprechen

© by Sam23 ()
 
Disclaimer: Gehören mir nicht. Nehm sie nur mit raus zum spielen, bringe sie zum Abendessen wieder zurück.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Die Frau ließ sich auf die Bank sinken und lächelte. Das Rascheln der Blätter, die der Wind am Boden aufwirbelte, war eine stiller Hinweis, dass der Sommer vorüber war, aber es störte sie nicht. Es war ein wunderbarer Tag Ende September, an dem die Sonne noch immer warm und kräftig schien. Die Frau blickte auf ihre Uhr und runzelte die Stirn. Er verspätete sich. Wie immer. Einige Dinge änderten sich wohl nie, dachte sie. Sie blickte auf zur Sonne, dann hinüber zu den Bäumen, der Wiese und der alten Kirche von Coopers Cove. Das Lächeln, von dem sie nicht einmal bemerkte hatte, dass es noch da war, wurde breiter. Sie liebte Maine im Herbst. Die meisten Touristen waren bereits wieder dorthin verschwunden wo sie hergekommen waren, nur noch ein paar einzelne Besucher verweilten in der Stadt und die meisten von ihnen versuchten sich den Einheimischen anzupassen und nicht aufzufallen, da sie hergekommen waren um zu enspannen und sich zu erholen.

Sie blickte wieder auf ihre Uhr. Sie waren zwar hier an dieser Bank verabredet, aber plötzlich hatte sie das Verlangen einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Während sie den kleinen Pfand entlang blickte, wurde ihr klar, dass sie die Bank weiterhin sehen konnte, wenn sie dem Pfad folgte. Also stand sie auf und begann zu schlendern, während ihre Augen über die wunderbare Landschaft wanderten. Alles war so friedlich hier. Vielleicht war das der Grund, warum sie sich entschieden hatte, den Rest ihres Lebens hier zu verbringen. Kein Kämpfen mehr, keine toten Freunde, keine Kriege mehr, keine Feinde mehr. Die schwerste Entscheidung, die sie nun jeden Tag treffen musste, war ob sie eine weiße oder rote Jacke anziehen sollte. Probleme, wie sie jede andere Frau auch hatte. Sie seufzte, als sie an die Zeit zurückdachte, als alle ihre Jacken grün oder blau waren. Erinnerungen, schmerzhaft, bizarr und angsteinflößend versuchen sich einen Weg aus dem dunklen Teil ihrer Seele an die Oberfläche zu erkämpfen. Kurz bevor sie die Kontrolle erreichen konnten, hörte sie Gelächter und die Erinnerungen verschwanden wieder, neutralisiert von einem einfachen Geräusch der Freude, das von irgendwo hinter ihr zu kommen schien.

Neugierig drehte sie sich um. Eine Frau rannte über die Wiese, dicht gefolgt von einem Mann. Sie war schnell, aber nicht schnell genug. Er streckte die Arme aus und schaffte es ihren Pullover zu fassen zu bekommen. Quietschend und lachend purzelten sie auf den Boden und rollten durch das Gras. Sie rangen regelrecht miteinander, die ganze Zeit immer noch lachend und rufend.

Die Frau auf dem Pfad lächelte erneut. Solch Glück. Es war lange her, seit sie so etwas gesehen hatte.

Die beiden Fremden stoppten ihren Ringkampf. Sie hatte ihn gerade auf den Boden gedrückt, als er plötzlich aufgab und die Arme hinter dem Kopf verschränkte und bequem im Gras liegenblieb. Sie lächelte und ließ ihren Körper auf seinem zur Ruhe kommen. Eine seiner Hände löste sich von seinem Nacken und begann ihren Rücken zu streicheln, während sie die Augen schloss und ihr Gesicht in seinem Shirt vergrub. Sie blieben einfach so liegen für eine Weile und die Frau auf dem Pfad war nicht in der Lage ihre Augen von ihnen zu nehmen. Sie fühlte wie ihr Herz schwer wurde, als sie sich daran erinnerte, dass genau das ihr Wunsch für so lange Zeit gewesen war. Mit dem zusammen zu sein, den man liebte. Einfach seine Wange zu streicheln, wenn er traurig war. Ihn einfach umarmen, wenn er etwas wahnsinnig charmantes gesagt hatte, aber auch ihn anzuschreien, wenn er sich wieder wie ein Idiot benommen hatte. Aber es war ihr nie erlaubt gewesen und die intensive Erinnerung an ihre verlorene Liebe trieb ihr die Tränen in die Augen.

Das Paar unten im Gras hatte sie noch nicht bemerkt, aber die beiden hätten sie vielleicht sogar dann nicht bemerkt, wenn sie eine Alarmsirene auf dem Kopf getragen hätte. Die Hand, die den Rücken der Frau gestreichelt hatte, lag jetzt an ihrer Wange. Die Frau sagte etwas und der Mann runzelte die Stirn. Sie lachte über den verwirrten Ausdruck in seinem Gesicht, ein Ausdruck der unglaublich charmant war, wie die Frau auf dem Pfad bemerkte. Sie konnte verstehen warum die andere Frau sich zu diesem Mann hingezogen fühlte, er erinnerte sie an jemanden, den sie einst gut gekannt hatte. Plötzlich wurde die Verwirrung in seinem Gesicht durch einen nicht weniger charmanten Ausdruck ersetzt: Er grinste, lehnte sich vor und küsste ihre Stirn. Er sagte etwas und deutete in Richtung der Stadt. Sie nickte, stand auf und zog ihn dabei mit auf die Beine. Für einen Moment standen sie nur da und sahen einander an, ihre Gesichter nur Millimeter von einander entfernt.

Die Frau auf dem Pfad drehte sich um, wissend und respektierend, dass der Moment, der nun folgen würde den beiden allein gehörte. Sie blinzelte die Tränen weg, die sich in ihre Augen gestohlen hatten. Als sie wieder sehen konnte, blickte sie hinüber zur Bank, gerade rechtzeitig, um den Mann zu sehen, auf den sie gewartet hatte. Als sich ihre Augen trafen, breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus und sie fühlte das gleiche Lächeln auf ihrem Gesicht formen, als sie langsam auf ihn zuging. Sie standen einen Moment schweigend vor einander, dann setzten sie sich auf die Bank.

"Ich dachte schon, du würdest nicht kommen."

"Ich hatte versprochen zu kommen und ich halte meine Versprechen, das weißt du."

"Also hier bist du."

"Also hier bin ich."

"Es ist eine Weile her."

"Ja."

Er sah sie an und Besorgnis legte sich über seine Züge.

"Hast du geweint?"

Sie wurde rot auf seine Frage hin, denn sie schämte sich, dass er sah, wie schwach sie jetzt war. Er hatte sie fast nie vorher weinen gesehen. Aber früher waren die Dinge auch anders gewesen. Sie war eine Soldatin gewesen. Es war ihre Pflicht gewesen stark zu sein, professionell zu handeln und ihre Emotionen im Zaum zu halten - besonders wenn er in der Nähe war. Aber jetzt entschied sie, dass sie sich der Frau, die sie heute war, nicht schämen musste, nur weil sie ein paar Tränen vergoss.

"Ja, ein wenig, ich habe mich nur ... an ein paar Dinge erinnert. Oder besser gesagt an Träume und Hoffnungen, die nie wahr geworden sind.

Er zuckte bei ihren Worten zusammen.

"Du weißt, wir ...

"Ich weiß", unterbrach sie ihn. "Wir haben damals das richtige getan."

"Aber?"

Sie zuckte mit den Schultern und wollte nicht weitersprechen. Dieser Moment war zu kostbar, um ihn mit Trauer und Verzweiflung zu verbringen. Er war hier. An ihrer Seite. Wie früher. Das war alles, was zählte. Das war alles, was sie wissen musste. Sie lächelte ihn an und versuchte ihn aufzumuntern.

"Kein aber. Es ist nur so, dass meine lang unterdrückte romantische Seite im Moment zum Vorschein kommt."

Er lachte. Sie lächelte, glücklich, dieses Geräusch nach so langen Jahren endlich wieder zu hören.

"Was hast du dir angesehen?"

Sie legte den Kopf schief. Er grinste. "Ich war schon mindestens fünf Minuten hier, bevor du mich bemerkt hast.

"Oh. Das."

Sie lächelte und deutete in die Richtung, in der sie das Pärchen entdeckt hatte.

"Nur ein junges Paar, dass einen herrlichen Herbsttag zusammen genießt. Es ist wirklich verblüffend. Man konnte regelrecht die Liebe, die sie füreinander empfinden spüren. Ich konnte mich einfach nicht dazu bringen wegzusehen."

Sie war einen Moment lang still und fügte dann leise hinzu. "Sie haben mich an uns erinnert. An das, was aus uns hätte werden können."

Er griff nach ihrer Hand und drückte sie, wohl wissend, dass das der einzige Trost war, den er ihr geben konnte und dass sie es verstehen würde. Gelächter ließ ihn aufsehen. Er sah sie über die Wiese schlendern, eng aneinandergeschmiegt und er musste ihr recht geben: Sie waren ihnen ähnlich. Sehr ähnlich sogar. Die blonde Frau lachte über etwas, dass der Mann gesagt hatte. Letzterer fuhr sich mit der Hand durch sein kurzes angegrautes Haar und grinste. Dann blickte er plötzlich hinüber zur Bank. Der Mann auf der Wiese runzelte die Stirn, schüttelte dann jedoch den Kopf, als schien er einen abwegigen Gedanken aus seinem Geist zu verbannen und drehte sich dann wieder zu der Frau an seiner Seite um. Der Mann auf der Bank sah die beiden an und sah alles ihnen, dass er und die Frau neben ihm gehabt haben könnten.

"Ich hoffe sie werden glücklich und können ihr Leben gemeinsam genießen", flüsterte die Frau neben ihm.

Er beobachtete, wie das Paar hinter einigen Bäumen verschwand, das Gelächter immer noch deutlich hörbar. Er lächelte.

"Oh das werden sie, das kann ich dir versprechen."

Sie runzelte die Stirn, denn sie verstand nicht, was er damit meinte.

"George?"

"Nicht so wichtig. Würden Sie mit mir gerne einen kleinen Spaziergang unternehmen, Colonel Matthews?"

"Aber gerne, General Hammond."

 
Ende

 
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