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Feierabend

© by Sam23 ()
 
Disclaimer: nix meins, alles MGM seins
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Menschen hasten durch die zu dieser Uhrzeit nur spärlich beleuchteten Korridore der SGC. Sie laufen schnell, zielstrebig, doch nicht wie so oft in diesen Tagen auf eine Katastrophe zu, sondern im Gegenteil von ihr und der Erinnerung an sie davon. Sie werden von einer Energie getrieben, von deren Existenz sie bisher nichts wussten, einer Energie, die ihre müden Beine drängt schneller zu gehen, weg von den Akten, den Waffen, weg von blauen und grünen Uniformen, schwarz-gelben Warnstreifen, Befehlen und dem schlechten Kantinenessen. Kurz gesagt: Wieder ein Tag überstanden, wieder eine Schicht beendet, wieder Feierabend.

Grüne Uniformen werden gegen Jeans und Sweat-Shirt getauscht und es geht nach Hause. Nach Hause zu Freund/Freundin, Ehefrau/Ehemann und/oder Kindern. Vielleicht erwartet diese Männer und Frauen auch nur einfach ein ruhiger Abend mit einem guten Buch, den Play-Offs im Fernsehen, einem Bier, einer Tasse Tee oder einem heißen Bad. Vielleicht irre ich mich auch und das ist alles nur reines Wunschdenken meinerseits, eine verklärte Vorstellung eines schrulligen Archäologen, der schon mehr gesehen hat, als vielleicht für ihn gut ist.

Und der zuviel redet. Definitiv. Ich meine, das alles ist eigentlich nicht mehr als eine Einleitung, denn eigentlich geht es mir nicht um diese Männer und Frauen, auch wenn ich viele von ihnen kenne und schätze und .. ich verliere schon wieder den Faden.

Entschuldigung.

Eigentlich geht es mir um einen bestimmten Mann in der Menge. Eigentlich müsste ihn das Gleiche erwarten, wie diese Männer und Frauen, gerade was die Play-Offs und das Bier angeht, denke ich, *muss* man bei ihm mit dieser Einschätzung einfach richtig liegen. In manchen Dingen ist er sehr leicht zu durchschauen, selbst für Menschen, die ihn nicht besonders gut kennen. Wie gesagt. Eigentlich. Denn der Haken an der Sache ist: Auch wenn er Bier und Play-Offs lautstark als ideale Feierabend- Beschäftigung propagiert, sieht man ihm an, dass er sich selbst dabei etwas vormacht. Okay *ich* sehe es ihm an.

Es hat nichts damit zu tun, dass er bereits länger als die meisten hier beim Militär ist, es hat auch nichts damit zu tun, dass er eine Kommandoposition inne hat und sich von den ihm Untergebenen abgrenzen muss. Es hat einfach damit zu tun, dass er, anders als eben diese Männer und Frauen, ein notorischer Feierabend-Lügner ist.

 

"Colonel? Alles okay?"

"Hm? Oh, klar Doc, alles bestens."

Ein Feierabend-Lügner und ein verdammt guter Schauspieler noch dazu. Janet blickt mit einem kritischen Blick an ihrem Patienten hinauf und sieht ihm mit gesunder Skepsis in die Augen. Er hält ihrem Blick stand und grinst schief, rammt die Hände in die Hosentaschen und zuckt mit den Schultern.

"Ehrlich! Darf ich jetzt bitte, bitte endlich nach Hause gehen? Die Play-Offs fangen in einer halben Stunde an und ich hab vor unserer Abreise vergessen den Videorecorder zu programmieren."

Aha, da haben wir's, was hab ich vorhin gesagt? Janet mustert ihn weiter skeptisch, seufzt dann aber resignierend und nickt.

"Okay, Colonel, Sie können gehen, aber ich möchte, dass sie die nächsten Tage langsam angehen, okay?"

"Klar, Doc."

Janet runzelt die Stirn. Alles andere hätte mich auch gewundert, sie kennt ihn fast so gut wie ich.

"Colonel?!

"Sorry, Doc, Play-offs? In einer halben Stunde?"

"Schon gut, schon gut"

Wie gesagt: *fast* so gut wie ich.

Janet scheucht ihn mit einer ungeduldigen Bewegung weg. "Wir sehen uns am Montag, Sir."

"Yo ho, Doc."

Janet rollt mit den Augen, dreht sich um und braust mit wehendem Kittel davon. In dem Moment, verschwindet das Lächeln aus seinem Gesicht und weicht einer Mischung aus Erschöpfung und Erleichterung.

 

Er ist ein Feierabend-Lügner und ein *phänomenaler* Schauspieler.

Wenn jemand Jack O Neill nach einer Definition von "Feierabend-Lügner" fragen würde und - rein hypothetisch - eine klare, ernste und ehrliche Antwort auf jene Frage erhalten würde, würde sie wohl so lauten: Ein Feierabend-Lügner ist eine Person, die am Ende einer Schicht/Arbeitstages/Krankenstationsaufenthaltes mit einem breiten Grinsen von den unglaublichen Vorhaben kündet, die ihn nach Beendigung des Dienstes erwarten. Eine Person, die groß und breit erklärt, dass sie sich ihre Freizeit redlich verdient hat, sofort das Diensthandy und den Piepser ausstellen wird und bis zum Dienstbeginn am nächsten Morgen fröhlich frei Entspannung, Ruhe, Party oder Sport genießen wird. Kurz gesagt; eine Person, die vorgibt ein Privatleben zu haben, in Wahrheit aber nichts dergleichen besitzt und eigentlich froh ist, wenn der neue Morgen anbricht und die Arbeit wieder beginnt.

Ein Feierabend-Lügner wie Jack O'Neill eben.

 

Und was den phänomenalen Schauspieler angeht, hier noch ein weiteres Beispiel: Kaum jemand beherrscht die Kunst des humpelfreien Humpelns so gut wie Jack O'Neill. Er geht humpelt nicht, er schleicht. Und damit meine ich nicht die Lautstärke seiner Fortbewegungsmethode, sondern die Geschwindigkeit und die Bodenhaftung. Er tut es nicht immer, eigentlich eher selten, wenn ich darüber nachdenke. Meistens, wenn sein Knie verletzt wird, hüpft er wirklich wie ein verwundeter Elefant durch die Gegend - und berührt mit dem Kopf dann regelmäßig fast die Gewitterwolke über seinem Haupt. Doch manchmal schleicht er.

Und dann mache ich mir wirklich Sorgen.

So wie jetzt. Wir alle haben bei dieser Mission Schrammen abbekommen - ich nehme mich da nicht aus, wie sollte es auch anders sein? *seufz* Aber das ist ein anderes Thema. Was ich faszinierend finde, in all der Zeit, die ich nun mal im Laufe der letzten Jahren in der Krankenstation verbracht habe, ist, wie der Instinkt dafür trainiert wird, wie einzelne Menschen mit Schmerz und Krankheit umgehen. Jack ist da ein Paradebeispiel. Er kann Zeter und Mordio schreien, wenn er sich an einem Blatt Papier schneidet (okay, blödes Beispiel, wann hat Jack schon mal Papier in der Hand?) und dann wieder vollkommen still und ohne Regung zu zeigen die schlimmsten Schmerzen ertragen.

Er sieht mich nicht, obwohl ich mich nicht wirklich bemühe mich zu verstecken, aber es macht nichts, denn ich weiß, dass er im Moment all seine Konzentration darauf verwendet, nicht aufzufallen. Okay, Jack O'Neill fällt immer und überall auf, aber im Moment bemüht er sich nicht einem medizinischen Personal aufzufallen. Er will raus hier. Jetzt sofort, das sehe ich in seinem Blick. Das wirklich beunruhigende ist, er denkt wirklich, dass es ihm besser gehen wird, wenn er erstmal hier raus und auf dem Nachhauseweg ist. Wenn er zuhause ankommt und sich mit einer Flasche Bier auf das Sofa fallen lassen kann. Aber dem ist nicht so. Denn er wird allein auf diesem Sofa sitzen und niemand und nichts kann daran etwas ändern. Er ist ein Feierabend-Lügner und ehe er sich das nicht eingesteht, wird er weiterhin alleine auf diesem Sofa sitzen.

 

Genau wie ich, wenn ich mich jetzt nicht endlich vom Fleck löse und dem Fraiserschen Schuhgeklapper folge, ehe es den Aufzug erreicht. Aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag. Jetzt ist erstmal Feierabend....

 
Ende

 
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