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Freund und Leid

© by Birgitt ()
 
Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an den Charakteren und den Ereignissen aus *7 Days*. Diese Rechte gehören *Paramount*. Ich beabsichtige in keiner Weise, diese Rechte zu beschneiden. Zwar besitze ich die Rechte an dieser Geschichte, habe aber keine Intention, durch sie materielle Vorteile zu erlangen.
(1) Dies ist eine Antwort auf die April-2004-Challenge der ffp- Mailingliste.
Thema: Das Hochzeitszimmer!
Ort: Das Hochzeitszimmer eines beliebigen Standesamtes eurer Wahl. Heißt es in der Zukunft noch Standesamt? Ach egal, ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Handlung: Egal
Fandom: Egal
Länge: Egal
Jedenfalls, was auch immer ihr schreibt, der Großteil der Handlung MUSS im Hochzeitszimmer stattfinden.
(2) Ich möchte die Geschichte Atti und Wolfgang widmen. Zum einen hat ihre Trauung diese Challenge inspiriert, zum anderen war Atti zugegen, als mich dieses Bunny angesprungen hat. Sie hat da bestimmt ihre Finger im Spiel gehabt!
(3) Mein Dank gilt Aisling für die Beta und ihren Segen!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

*Er hat es tatsächlich getan. Er hat es tatsächlich durchgezogen.* Unbemerkt von den anderen, vor allem unbemerkt von Parker, war Donovan in dieser... Kapelle zurückgeblieben, um sich über das eben Geschehene klarzuwerden. *Dieser verdammte Hurensohn hat es durchgezogen.*

Liebend gern hätte Donovan seine Wut und Verzweiflung herausgeschrien, hätte sich mit Wonne an den Bestandteilen dieser entsetzlichen Dekoration vergriffen. Doch er beherrschte sich. Schließlich war er nicht allein. Die Reinigungskräfte der *Silver Bell Wedding Chapel* hatten ihn bereits verwundert gemustert, als er darum gebeten hatte, noch ein paar Minuten bleiben zu können. Eine der Frauen, die älteste unter ihnen, hatte nach ein paar Augenblicken genickt. "Solange Sie uns nicht im Weg stehen, junger Mann. Überstunden kriegen wir hier nicht bezahlt."

So sehr Donovan sich nach einem ruhigen Platz sehnte, wo er über die vertrackte Situation nachdenken konnte, verbrachte er die nächsten zwanzig Minuten damit, der Reinigungscrew aus dem Weg zu gehen. Er hatte das Gefühl, daß Parkers Heirat zu einer unabänderlichen Tatsache werden würde, sobald er diesen unwirklichen Ort verließe. So blieb er in der Kapelle, stellte sich mal in diese Ecke, lehnte sich an jene Wand und beobachtete die drei Leute, die mit Staubsaugern hantierten, mit Lappen und Staubwedeln die Einrichtung von nicht vorhandenem Schmutz befreiten, mit Routine und Reinigungsmitteln die glänzende und glitzernde Falle für die nächsten Opfer vorbereiteten. Und die ganze Zeit weigerte sich sein Verstand, die Erkenntnis zu akzeptieren, daß Frank B. Parker mit Olga verheiratet und für ihn selbst - Craig Donovan - verloren war. *Bis daß der Tod euch scheidet...*

 

Vor nicht mal einer Stunde hatte er noch mitgespielt. Parker hatte ihn gefragt, ob er sein Trauzeuge sein würde. Schließlich war Donovan sein bester Freund. Und natürlich hatte er zugestimmt, in der entscheidenden Sekunde die Ringe zu präsentieren. Schließlich war Parker sein bester Freund. *Bester Freund, ein wirklich guter Witz.*

Witz war das entscheidende Stichwort. Donovan hatte das Ganze bis zum bitteren Ende für einen Witz gehalten; und eigentlich war es auch einer. Allerdings ein Witz auf seine Kosten. *Frank und Olga... Verdammt, zu welchem Zeitpunkt ist die Sache eigentlich so aus den Fugen geraten?*

Die vielen Monate, die er Angehöriger des Rückreiseprojektes war, hatten sein Denken entscheidend beeinflußt, zumindest wenn es um zeitliche Abläufe und Kausalitäten ging. Wenn man ständig vorgeführt bekam, daß Ereignisse Variablen und nicht länger Parameter waren, analysierte man unweigerlich jedes Geschehen mit dem Ziel, den perfekten Zeitpunkt für ein Eingreifen in die derzeit gültige Realität zu finden. Nichts, was geschah, geschehen war oder geschehen würde, war unantastbar, wenn man eine Maschine, nein, eine Waffe wie die Sphäre kontrollierte. Alles war und wäre möglich.

Und es juckte Donovan viel zu oft in den Fingern und es beschäftigte seine Gedanken viel zu sehr, wie es wohl wäre, die Sphäre nicht nur für Missionen von herausragender Bedeutung für die nationale Sicherheit zu nutzen. Vor ein paar Tagen hatte er um Parkers Leben gefürchtet. *Wärst du gestorben, Frank, wäre ich der Pilot der Sphäre geworden. Und die einzige Mission, die ich mir dann gewünscht hätte, die mir die Schmerzen des Fluges wert gewesen wäre...*

Jetzt stand er hier und dachte wieder nur an eins. *Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen. Und die Ironie des Schicksals ist, daß ich es wirklich kann. Nur jetzt würde Frank es nicht mehr wollen. Denn schließlich hatte er erreicht, was er wollte. Olga war seine Frau geworden. Und ich Idiot habe nicht begriffen, was abging, bevor es zu spät war.*

Die ganze Zeit hatte Donovan sich mit dem Gedanken getröstet, daß Parker ein Spiel spielte, bei dem er Olga dazu bringen würde, einen Rückzieher zu machen. Donovan hatte vollstes Vertrauen in Parkers Fähigkeit zu bluffen gehabt. Hatte solches Vertrauen gehabt, daß er seine eigenen Gefühle für Parker als Einsatz in das Spiel eingebracht hatte. Und er hatte verloren.

Spätestens als Parker in die Tasche seines Jacketts gegriffen und die Miniaturlämpchen an seinem Revers zum Blinken gebracht hatte, hätte Olga in schallendes Gelächter ausbrechen müssen. Oder hätte vor Entsetzen das Weite suchen müssen. Aber nein, sie war begeistert über das amerikanische Ambiente gewesen und hatte jeden Augenblick genossen. Parker hatte sie mit großen Augen angestarrt. Von da an hatte es kein Zurück mehr gegeben. Innerhalb von Minuten war alles vorbei gewesen. *Vorbei? Für mich vielleicht. Olga und Frank haben ausgesehen, als-*

 

"Junger Mann, Sie müssen jetzt raus. Wir sind hier fertig und Sie wollen doch bestimmt nicht, daß wir Sie über Nacht einsperren."

Donovan schüttelte den Kopf, machte aber keine Anstalten, der Aufforderung der Putzfrau zu folgen. Die seufzte schließlich. "Also gut, ich trinke eh noch 'ne Tasse Kaffee da draußen und gönn' mir eine Zigarette. Aber dann werfe ich Sie hier raus!"

Donovan wartete, bis sie aus der Kapelle war. Er fühlte sich, als wäre er gefangen in Zeit und Raum. Selbst wenn er sich wünschte, an den Ereignissen der letzten Tage etwas ändern zu können... *Frank ist ganz bestimmt anderer Meinung. So wie er Olga angesehen hat... sie geküßt hat...*

 

Donovan konnte es nicht über sich bringen, mit den anderen zu feiern. Wie konnte er sich über ein Ereignis freuen, das ihn bis ins Mark erschüttert hatte? Diese verfluchte Heirat hatte ihm klargemacht, was er für Parker empfand. Hatte ihm gezeigt, daß er Parkers Werben um Olga immer als eine Art sportlichen Wettbewerb mißverstanden hatte. Und diese lächerliche Zeremonie hatte dazu beigetragen, ihn bis zum letzten Moment darüber zu täuschen, was wirklich vor sich ging. Bis es zu spät war, sein eigenes Spielchen, das er mit Parker getrieben hatte, aufzugeben.

Bald würde er da hinaus müssen und sich mit dieser neuen Wirklichkeit abfinden, irgendwie damit leben. Würde unzählige Stunden damit verbringen, darauf zu hoffen, daß Parker sich in seinen Gefühlen für Olga-

*Hör endlich auf damit, dich selbst zu belügen!* Donovan ging zum Altar, passierte die unzähligen Blumenarrangements, die Spaliere aus weiß-, bleu- und rosafarbenem Holzimitat, den nahezu überladenen Tisch, auf dem inmitten der Blumenvasen und -schalen immer noch eine Champagnerflasche stand. Donovan kippte sie etwas zur Seite; sie war noch halb voll. Er blickte in Richtung Ausgang, wo der Reinigungstrupp verschwunden war. Er mußte einen tollen Eindruck gemacht haben, wenn man ihm schon solch milde Gaben hinterließ. Nichtsdestotrotz packte er die Magnumflasche am Hals und ging weiter Richtung Altar. Der Teppich verschluckte jedes Geräusch seiner Schritte, die Stille und das gedämpfte Licht schufen eine Atmosphäre, die in Kontrast zu der glitzerndern und aufgedrehten Stimmung während der Trauung stand.

"Hier kommt die Braut", murmelte Donovan und nahm einen Schluck aus der Flasche. Die Kapelle war klein, doch der Weg zum Altar kam ihm jetzt endlos vor. Schließlich stand er wieder dort, wo sich Olga und Parker ihr Eheversprechen gegeben hatten. Er stellte die Flasche auf dem Boden ab und versenkte die Hände in den Hosentaschen. Vor seinem geistigen Auge sah er Parker, der unglaublicherweise selbst in diesem Verbrechen von einem Frack eine unwiderstehlich gute Figur machte. Und in seinem Kopf erklang die wohltönende Stimme des Elvis-Imitators, der leider Gottes mit allen Rechten eines Reverends ausgestattet war. *Willst du, Frank B. Parker-*

"Verdammt!" Donovans Fluch übertönte die Stimme nur kurz und er vernahm Parkers Antwort. *Ich will.*

Donovan zog die Hände aus den Taschen, ballte sie zu Fäusten, schlug auf die Oberfläche des Altars, die mit einem dunkelblauem Seidentuch bedeckt war. Zu spät, um ihm ehrlich zu antworten. *Und trotzdem...* "Und ich will dich, Mann!"

 
Ende

 
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