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Vollmond© by Freya ()
Der Mond sah wunderschön aus. Sein fahles Licht schien durch die dünnen Wolken am Himmel. Es faszinierte Duncan immer wieder, daß in kalten Vollmondnächten in den Wolken, die über den Mond zogen, alle Farben des Regenbogens zu sehen waren. Er war so gebannt von der Schönheit des Himmels, daß er nicht darauf achtete, wo er seine Schritte hinlenkte. Plötzlich stand er vor einem geschwungenen Gartenzaun. Er wußte nicht, was ihn hierher geführt hatte, aber er hatte das Gefühl, daß er hier schon einmal gewesen war. Die kleine Pforte, vor der er stand, war in Hüfthöhe mit kleinen Spitzen verziert, während der Rest des Zaunes mit Kugeln abschloß. Der Garten war schwer zu erkennen im Dunklen der Nacht, was er sehen konnte gefiel ihm allerdings sehr gut. Große Bäume, die viel Platz hatten, und ein paar kleinere Sträucher, die von der Straße aus betrachtet ein symetrisches Muster ergaben. Im Schatten zweier besonders großer Bäume stand ein Jugendstilhaus. Er konnte die Erkerfenster erkennen, aus denen das Licht von Kerzen in den Garten fiel. Es fing an zu schneien und die winzigen Flocken zeichneten Muster auf seinen Mantel und bedeckten sein Haar, aber Duncan stand immer noch wie gebannt vor der Gartenpforte und betrachtete das Haus. Er konnte seinen Blick nicht abwenden. Wenn er sich nur erinnern könnte, was ihn mit diesem Haus verband. Eine Bewegung in dem rechten erleuchteten Zimmer erregte seine Aufmerksamkeit. Eine Frau stand am Fenster und sah in den Garten. Sie sah aus, als ob sie nach jemandem Ausschau halten würde. Im weichen Licht der Kerze, die sie in der Hand hielt, sah ihr Gesicht wunderschön und sehr traurig aus. Plötzlich begegneten sich ihre Blicke und Duncan sah, daß die Frau erschrocken einen Schritt zurücktrat. Auch er ging einen Schritt zurück, unsicher was er jetzt tun sollte. Die Frau verschwand in den Tiefen des Zimmers. Duncan schüttelte den Kopf. Was zum Teufel tat er hier bloß. Er sah sich die Straße genauer an, in der er stand. Nicht besonders auffällig. Ein paar alte Häuser mit großen Grundstücken, das Licht von den wenigen Straßenlaternen schuf kleine Oasen aus vermeintlicher Wärme in ihrem näheren Umkreis. Der mittlerweile stärker werdende Schneefall schluckte fast alle Geräusche und vermittelte ihm das Gefühl, alleine auf der Welt zu sein. Er drehte sich ein letztes Mal zu dem Haus um, in dem er die Frau gesehen hatte. Dann zuckte er leicht die Schultern und wandte sich zum gehen. Wurde Zeit, daß er in sein eigenes zu Hause zurückkehrte. Er kam genau zwei Schritte weit, als er eine die Präsenz eines Unsterblichen bemerkte. Verwundert sah er sich um und sah eine Frau mit einer Kerze durch den dunklen Garten gehen, den er gerade so lange betrachtet hatte. Am Gartentor blieb sie stehen, hoffnungsvoll streckte sie die Hand nach ihm aus, sagte aber kein Wort. "Ich bin Duncan MacLeod vom Clan der MacLeods!" stellte Duncan sich vor, während er die wenigen Meter zu ihr zurückging. "Ich habe so lange gewartet!" Ihre Stimme war melodisch. Warm und weich und voller Sehnsucht. Duncan sah sie neugierig an. "Sie haben auf mich gewartet? Wie kann das sein, wir kennen uns doch gar nicht." Als er jetzt so nahe vor ihr stand, bemerkte er, daß sie ein Kleid trug, das vielleicht vor 100 Jahren modisch gewesen sein mochte. 'Sehr merkwürdig' dachte er aber dann, sprach sie wieder und seine Aufmerksamkeit richtete sich wieder ganz auf diese Stimme, die so magisch wirkte. "Bitte kommen Sie hinein. Bitte!" Sie sah ihm in die Augen und plötzlich war es Duncan egal, woher sie ihn kannte und was ihn hierher geführt hatte. Er öffnete die Pforte und betrat, den Blick nicht von ihren Augen lösend, den Garten. "Schließen Sie die Tür, bitte!" Duncan lief ein kleiner Schauer über den Rücken. Wie viele Menschen sie mit dieser Stimme, aus der Verheißung und Erlösung sprach und die ohne Umwege das Unterbewußtsein anzusprechen schien, wohl schon betört hatte. Er kam ihrer Bitte nach. Sie schien nichts anderes erwartet zu haben, denn sie hatte sich inzwischen umgedreht und ging wieder auf das Haus zu. Duncan folgte ihr ohne eine weitere Frage. Als er die zwei Stufen vor der Eingangstür hinaufschritt, kam ihm plötzlich zu Bewußtsein, daß es aufgehört hatte zu schneien, als er den Garten betreten hatte. Er sah zur Straße zurück und blinzelte, als er die Schneeflocken weiter fallen sah. Außerhalb des Gartens. Keines der kleinen Gebilde schien sich auf dieses Grundstück zu trauen, obwohl auch hier alles zugeschneit war. Dann hörte er wieder ihre Stimme und wie schon vorher schienen sich seine Gedanken im selben Moment zu verflüchtigen. "Mr. MacLeod bitte, kommen sie herein!" Er schloß die Haustür mit einem letzten Blick in den Garten. Da stand er nun in einem engen Flur, von dem drei Türen abgingen und der in einer Art Halle mündete. Er konnte eine breite Treppe sehen, die aus der Halle in den ersten Stock führen mußte. Sich nicht weiter umsehend ging er in die Richtung, aus der ihre Stimme kam. "Bitte legen Sie doch ab, ich habe momentan kein Personal, deshalb geben Sie mir den Mantel." Sie stand in einem großen Zimmer, das er von der Lage her vage als jenes identifizierte, in dem er sie von draußen gesehen hatte, und hielt ihm auffordernd die Hand entgegen. Eher er es bewußt registrierte, hatte er seinen Mantel mitsamt dem Schwert und den Schal in ihre Hand gelegt. Sie deutete auf einen Lehnsessel vor dem Kamin, in dem die Scheite heimelig vor sich hinbrannten. Er setzte sich und sah sich in dem Zimmer um. Gemütlich, wenn auch etwas altertümlich eingerichtet. Die Erkerfenster waren ungefähr ab der Mitte mit geklöppelten Gardinen versehen, die mit einer Stange an dem schön geschnitzten Holz der Rahmen befestigt waren. Eine Chaiselonge stand links unter dem Fenster, davor ein kleiner Tisch und ein zierlicher Stuhl. Der Kamin war an der rechten Zimmerseite und außer seinem Lehnsessel stand noch ein weiterer davor. An den Wänden hingen zwischen Kerzenleuchtern alte Gobelins, auf denen Jagdszenen dargestellt waren. Es war die Jagd auf Menschen, die so zart in die Teppiche eingewebt war. Er glaubte sogar, eine Enthauptung entdeckt zu haben, aber bevor er sich Sorgen machen konnte, betrat die Frau wieder das Zimmer. Diesmal mit einem Tablett in den Händen, auf dem er zwei Gläser und eine Karaffe mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit ausmachen konnte. Sie schenkte beide Gläser voll, gab ihm eines und setzt sich dann mit dem anderen in der Hand ihm gegenüber. Sie hob ihr Glas. "Ich trinke auf Duncan MacLeod und den Clan der MacLeods!" hörte er sie den Trinkspruch sagen. Er hob ebenfalls sein Glas und als der erste Schluck durch seine Kehle rann, seufzte er wohlig auf. Alter Whisky, sehr alter und sehr guter Whisky! Er trank einen weiteren Schluck und sah seine Gastgeberin dann fragend an. "Ich bin Henriette de la Brionies. Ich bin vor 100 Jahren gestorben und lebe dennoch." fing sie an zu erzählen. Sie blickte in ihr Glas, als ob ihr das erzählen leichter fallen würde, wenn sie ihn nicht ansah. Duncan nickte. Er hatte gespürt, daß sie eine Unsterbliche war. Sie hatte seine Kopfbewegung wahrgenommen und sah ihn an. "Sie sind so wie ich." Ihre Feststellung schien sie zu erfreuen. "Ja auch ich bin unsterblich. Seit mittlerweile 407 Jahren." bestätigte er. Sie lächelte und Duncan fühlte, wie sich sein Rückenmark in flüssige Lava verwandelte. 'Mein Gott, was ist das für eine Frau?' War ihre Stimme schon unglaublich, so übertrafen ihre Augen, die von langen dunklen Wimpern umgeben waren und in einem leichten violett schimmerten, diese fast noch. Und dann erst das Lächeln. Strahlend weiße Zähne waren umrahmt von vollen sinnlichen Lippen, die zum küssen geschaffen worden sein mußten, zu sehen. Ein reizendes Grübchen zierte dabei ihre Wange und er konnte sich nicht erinnern, jemals eine schönere Frau gesehen zu haben. Völlig gebannt starrte er sie an. Etwas verunsichert fragte Henriette. "Mr. MacLeod, ist irgend etwas nicht in Ordnung?" Duncan zuckte zusammen, eine leichte Röte überzog sein Gesicht und er fühlte sich wie ein kleiner Junge, den man bei etwas verbotenem erwischt hatte. "Nein, alles in Ordnung. Verraten sie mir, warum es in ihrem Garten nicht schneit? Und warum hier" er zeigte auf den Raum. "die Zeit stehengeblieben ist?" Henriette sah sich ebenfalls um und zuckte dann hilflos mit den Schultern. "Ich weiß es nicht genau. Ich bin nach meiner Ermordung aufgewacht und alles hatte sich verändert. Nun nicht wirklich verändert, denn seit dem Tag meines Todes vor genau einhundert Jahren bin ich auf diesem Grundstück gefangen. Es mag sich merkwürdig anhören, aber ich kann es nicht verlassen. Ich habe es immer wieder versucht, aber es ist unmöglich. Sobald ich den Garten verlasse, kommt starker Nebel auf und egal wie weit ich durch diesen Nebel gehe, ich komme immer wieder zu diesem Haus zurück." Sie hatte ihr Gesicht mit den Händen bedeckt und weinte leise. "Ich hasse dieses Leben. Am Tag nach meiner Wiederauferstehung haben alle meine Dienstboten fluchtartig das Haus verlassen, was ich ihnen nicht übel nehmen kann. Und auch mein Mörder ging ganz normal aus der Tür und aus dem Garten. Das letzte, was ich gesehen habe, war sein gemeines Grinsen. Er rief mir vom Zaun noch zu, daß er dafür sorgen würde, daß ich niemandem meine Geschichte erzählen werde, und dann war auch er verschwunden. Mr. MacLeod, ich habe alles versucht. Ich habe geschrien, ich habe Briefe über den Zaun geworfen, ich habe mich getötet und ich habe Gott angefleht, mich zu befreien, aber ich bin immer noch hier und ich bin gefangen." Das Weinen wurde stärker und Duncan konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er kniete vor ihrem Sessel nieder und nahm ihre Hände in seine. 'Wie zart ihre Haut ist' dachte er, kurz bevor er sich energisch zur Ordnung rief. Er wollte sie trösten, nicht sie verführen. "Henriette, wir werden schon einen Ausweg finden." Sie sah ihn mit tränenassen Augen an. "Ich hoffe es, denn Sie sind seit 100 Jahren der erste Mensch, der mich sehen und hören kann. Bitte Duncan, gehen Sie nicht weg. Lassen Sie mich nicht alleine!" Sie umklammerte seine Hände. Duncan lächelte sie beruhigend an. Er würde diese Frau nicht verlassen, nicht für alles Geld der Welt und wenn er sie nicht befreien konnte, dann würde er bei ihr bleiben. Sie hatte ihn verzaubert und er war bereit, alles für sie zu tun, was sie von ihm verlangte. Sanft löste er eine Hand aus ihrem Griff und legte sie an ihre Wange. Mit seinem Daumen strich er eine Träne fort. "Ich werde bleiben. Solange wie Du mich brauchst!" Dankbar lächelte sie ihn an. "Danke" flüsterte sie und beugte sich zu ihm. Ihre Lippen berührten die seinen nur ganz zart und doch fühlte er sich, als wenn die Sonne nach langem Regen wieder hervorgekommen wäre. Als sie sich wieder von ihm löste, sahen sie sich lange in die Augen und er glaubte in ihren zu ertrinken. Er zog sie zu sich auf den Boden und umschlang sie mit seinen Armen. 'So zart, so wundervoll!' dachte er. Und dann trafen sich ihre Lippen erneut. Ihre Lippen waren süß und er schmeckte noch einen Hauch des Whiskys auf ihnen. Als sich ihre Lippen langsam teilten und seine Zunge in ihren warmen Mund glitt, schmeckte er noch mehr Süße. Als ihre Zungenspitzen sich berührten, war Duncan endgültig verloren. 'So muß Ambrosia schmecken' durchfuhr es ihn. Nie wieder wollte er sich von ihr lösen. Sein Griff wurde stärker und sein Kuß wilder. Plötzlich stieß sie ihn von sich. "Duncan hör auf, Du erdrückst mich ja!" Kurz fragte er sich, ob er zu weit gegangen war. "Henriette nur noch einen Kuß..bitte!" murmelte er leise.
Dann traf ihn ein harter Schlag am Kopf. Jemand schlug auf ihn ein, aber es war doch niemand hier außer ihnen beiden. Er versuchte, seinen Kopf mit den Armen zu schützen "Was zum Teufel..?" aber weiter prasselten Schläge auf ihn ein. Und dann hörte er eine wütende Frauenstimme. "WER ist Henriette? Duncan wach auf, wer ist Henriette?!" Duncan nahm die Arme von den Augen und sah Amanda, die wie eine wilde mit dem Kissen auf ihn einschlug. "Wer ist Henriette?!" Verwirrt sah er sich um. Er lag in seinem Bett. Mit Amanda. Dann fiel es ihm wieder ein. Sie hatten sich vor dem Schlafen lange über die Macht des Mondes unterhalten und darüber, ob es wirklich Magie und Flüche geben würde. Er versuchte Amanda zu erklären, daß er nur geträumt hatte. Daß er Henriette niemals kennengelernt hatte, daß er dabei ein leichtes Bedauern empfand, brauchte sie allerdings nicht zu wissen. Amanda war nicht leicht zu beruhigen, aber schließlich ließ sie sich überzeugen. Sie kam bereitwillig wieder in seine Arme zurück. Aneinander gekuschelt sahen sie aus dem Fenster. Der Vollmond stand in seiner ganzen Pracht am Himmel und ließ die Wolken in den herrlichsten Farben erstrahlen. Duncan lächelte und schlief wieder ein.
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