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Geistes Gegenwart

© by Birgitt ()
 
Disclaimer: Mir gehören keinerlei Rechte an den Charakteren aus der Fernsehserie The Magnificent Seven; die Eigentumsrechte liegen bei MGM, CBS und Trilogy Entertainment und ich beabsichtige keinerlei Beeinträchtigung dieser Rechte. Die Geschichte gehört mir, aber ich habe keine Intention, mir damit materielle Vorteile zu verschafffen..
Anmerkung: Ich nehme mir die Freiheit und gestalte dieses Universum (ATF/Alcohol-Tobacco-Firearms) nach meinen eigenen Vorstellungen (Scar Tissue-AU). Das ATF-Team Seven ist zum Zeitpunkt der Story mit dem Dorian-Fall beauftragt, und Ezra Standish arbeitet seit mehreren Monaten undercover als Frederik Layton.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Ezra Standish trat durch die Glastür auf die weitläufige Terrasse, ließ die Wärme, den Lärm und die Gesellschaft hinter sich.

Heiligabend. Zum ersten Mal seit Jahren machte es ihm etwas aus, wo er die Feiertage verbringen musste. Er war dankbar für die Dunkelheit, die ihn umgab - die einzige Lichtquelle war die Beleuchtung im Innern des Hauses. Die Terrasse und die Gärten des großen Dorian-Anwesens würden nicht vor Mitternacht erhellt werden. Punkt Zwölf würde das Gelände zur Bühne für eine geschätzte Familientradition werden. Dutzende von Landschaftsgestaltern und ihre Armee von Mitarbeitern, Gärtnern und Hilfskräften hatten drei Tage hart gearbeitet, um eine Aufführung von wahrlich außerordentlichen Ausmaßen vorzubereiten.

Ezra hatte unzählige Weihnachtsfeiern miterlebt, doch die der Dorians gehörte in die Top Ten. Was ihn am meisten erstaunte, war die Fähigkeit der Familie, sich eine Art Demut zu bewahren, trotz ihrer Bemühungen, ihre Gäste zu überraschen und zu beeindrucken. Der erste Akt des Abends war eine relativ private Angelegenheit; nur die Familie und die engsten Freunde waren zu dem Abendessen geladen, das in wenigen Minuten beginnen würde.

Wieder und wieder hatte er sich gesagt, dass er erfreut darüber sein sollte, zu diesem Zirkel zu zählen. Es hatte ihn Monate gekostet, in denen er nicht nur seine wahre Identität verborgen hatte - nicht viel mehr als eine Formalie - sondern auch sein wahres Selbst. Ein Selbst, das er erst vor kurzem entdeckt hatte. Um ehrlich zu sein, hatte er gerade mal an der Oberfläche seines Ichs gekratzt, und dieser Prozess der Selbstfindung hatte geendet, als er seinen neuen Auftrag erhielt: sich in das Dorian-Imperium einzuschleusen, um zu beweisen, dass die Familie illegalen Waffenhandel betrieb.

 

Nichts besonderes - Teil seines Jobs als Agent des ATF. Abgesehen davon, dass sich sein Leben in den Wochen, bevor Team Seven den Dorian-Fall zugeteilt bekam, grundlegend geändert hatte. Team Seven, die beste und letzte Hoffnung der Behörde. Mit ihm im Mittelpunkt der Geschehnisse. Wie gesagt, nichts besonderes, abgesehen davon, dass das Leben, das er zurücklassen musste, sich geändert hatte. Dass er sich verändert hatte. Ezra war verliebt. Zum ersten Mal in seinem Leben ohne Angst, ohne Zweifel, voller Hoffnung, voller Lachen und Leidenschaft.

In den letzten Wochen hatte er alle Gedanken an seinen Liebhaber verdrängt. Ignoriert. Hatte sich gezwungen, nicht in Erinnerung an gemeinsame Augenblicke oder in Fantasien zukünftiger glücklicher Momente zu schwelgen. Es hatte bemerkenswert gut funktioniert, aber darin war er halt gut. Der Wahrheit zu trotzen. Sich hinter einer Fassade zu verstecken, die ohne weitere Bedeutung war. Zumindest ohne weitere Bedeutung für ihn selbst.

Diese Nacht war es anders. Vielleicht rührte seine Sehnsucht nach ein paar Minuten des Alleinseins von der Freundschaft und der Liebe, die er bei den Dorians gefunden hatte - die Loyalität und der Zusammenhalt in der Familie war heute Abend leidenschaftlicher und strahlender als sonst.

Nein, das war es nicht allein. Es war der Vertrag und mehr noch der Ausdruck auf Cliffs Gesicht, als er Ezra die Papiere überreicht hatte. Er hatte es geschafft. Das großzügige Angebot - von den Anwälten der Familie akribisch ausgearbeitet auf vielen Seiten, die Ezra in der inneren Tasche seines Smokings verstaut hatte - war der Beweis seines Erfolges. Der innere Kreis. Genau der Ort, wo er die Informationen finden konnte, die das ATF für ihre Operation brauchte.

Konnte. Würde? Es bedeutete noch mehr harte Arbeit, mehr Versteckspiele, mehr Lügen, mehr Einsamkeit. Mehr Zeit ohne... ihn. Ein Opfer, von dem Ezra nicht geglaubt hatte, dass es so schmerzen würde. Ihn so schmerzen konnte. Ja, er war dankbar für die Dunkelheit. Im Moment würde sein berühmtes Pokerface nicht mal den größten Ignoranten in die Irre führen. Er fuhr mit der Hand in die Jacke, befühlte das glatte Papier, zog es aber nicht heraus. Es wäre so einfach. Zerreiß es. Geh fort. Geh dorthin, wo dein Herz ist.

 

Eine leichte Brise berührte sein Haar, streichelte sein Gesicht, ließ ihn schaudern. Ihm war nicht kalt - trotz der Kühle der Nacht. Er fühlte... Aufregung. "Du", flüsterte er. Er fühlte das Lachen mehr, als dass er es hören konnte.

Ezra wusste, dass er nicht träumte oder seinen Verstand verlor. Er fühlte sich geborgen und... ganz. Er ließ den Vertrag los, nickte. "Ich hatte niemals vor, uns zu verraten." Es tat immer noch weh, aber als er sich umdrehte, um wieder hineinzugehen, fiel es ihm das Lächeln leicht.

 

Eine Gestalt trat aus dem Haus, dunkel gegen das Licht. Cliff. "Frederik! Was machst du hier? Komm schon, wollen doch mal sehen, ob wir deinen verwöhnten Gaumen nicht etwas kitzeln können."

Ezra grinste und legte eine Hand auf Cliffs Arm. "Cliff, warte. Da ist etwas-" Er brach ab, zog die Papiere und seinen Federhalter aus der Tasche. Er unterschrieb das Dokument etwas umständlich, balancierte es auf der rechten Handfläche. "Frohe Weihnachten, Cliff!"

Cliff stieß einen Triumphschrei aus und ergriff den Vertrag. "Diesmal sei dir die Verletzung unserer Traditionen vergeben!" Er rannte fast zurück ins Haus.

Ezra lächelte, als die Brise ihn wieder berührte. "Und uns ebenfalls Frohe Weihnachten."

 
Ende

 
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