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Ich bin ja nur der Freund© by Aisling ()
Florian wurde wach, als Nina sich umdrehte. Es war nicht die Bewegung, die ihn aufweckte, sondern die Tatsache, dass ihm der warme, anschmiegsame Körper an seiner Seite fehlte. Er blinzelte, dann drehte er den Kopf zu Seite und schaute auf die Uhr. Gerade mal halb sechs. Draußen war es bereits hell, doch die Vorhänge ließen gerade mal soviel Licht durch, dass er lediglich Umrisse erkennen konnte. Normaler Weise würde er sich einfach noch einmal umdrehen und weiterschlafen, bis sein Wecker klingelte, aber heute ging es nicht mehr. Er war immer noch sehr müde - sechsunddreißig Stunden nonstop auf den Beinen forderten auch bei Florian seinen Tribut - doch in seinem Kopf tauchte wieder die Bemerkung auf, die er gestern gegenüber Ninas Vater gemacht hatte: "Ich bin ja nur ihr Freund." War es wirklich so? War Leo ihr wirklich wichtiger als ihre Beziehung? Ja, er war es. Darüber brauchte Florian gar nicht erst nachzudenken. Sollte er es jemals wagen, Nina vor die Entscheidung zu stellen "Leo oder ich", dann würde sie sich für Leo entscheiden. Leo war der ruhende Pol in ihrem Leben. Hatte sie irgendwelche Probleme, dann fragte Nina garantiert zuerst ihren Partner/Mitbewohner/besten Freund, Leo Kraft. Er selber, Florian, spielte da eher die zweite Geige. Es fing schon damit an, dass sie nicht mit ihm zusammen ziehen wollte. Nein, stattdessen lebte sie bei Leo und kam häufig zum Übernachten vorbei. Es bestand zwar auch die Möglichkeit, dass Florian die eine oder andere Nacht bei Nina verbrachte, aber dort fühlte er sich so... Nach längerem Nachdenken entschied er sich für den Ausdruck 'gehemmt'. Er wusste auch ganz genau, woran das lag. Leo war in dieser Wohnung einfach so präsent, dass es Florian erdrückte. Und im Bett lief dann schon mal gar nichts mehr. Doch darüber wollte er gar nicht weiter grübeln, um zehn Uhr hatte er wieder einen Termin, der sich um Nina drehte.
Man hatte ein Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet. Schließlich hatte sie ermittelt, obwohl sie ausdrücklich ausgeschlossen worden war. Florian wusste schon jetzt, wie es ausgehen würde. Da sie trotz allem nicht den Kopf verloren hatte und ihr Handeln mehrere Leben gerettet hatte, würde man sich auf den Eintrag eines Tadels in ihrer Personalakte beschränken. Und da Florian wusste, wie viele Tadel Nina in den letzten Jahren kassiert hatte, war ihm auch klar, dass seine Freundin darüber nur mit den Schultern zucken würde. Sie hatte als Ausgleich genügend Belobigungen, um sich keine Gedanken um eine mögliche Degradierung zu machen.
Florian drehte sich um und beobachtet Nina beim Schlafen. Sie wirkte so unschuldig. Auch wenn sie es nicht glaubte: Für Florian war sie die Frau, mit der er alt werden wollte. Ganz sachte strich er ihr über die Haare und hatte den Eindruck, dass sie im Schlaf die Berührung mitbekam. Sie drehte sich um und kuschelte sich wieder an Florian. Dies brachte ihn zum träumen. Wenn Nina sich irgendwann dafür entscheiden würde, ein oder zwei Kinder zu bekommen... Er unterdrückte einen Seufzer. Nina und Kinder war etwas, was einfach nicht zusammen passte. Auch wenn sie im Dienst sehr engagiert und verantwortungsbewusst war, ihr Privatleben war chaotisch. Sie brauchte ja selbst regelmäßig einen Babysitter. Und da war er wieder bei seinem Problem angelangt. Leo. Schwul und trotzdem der Fixpunkt in Ninas Leben. Vielleicht sogar gerade deswegen, wer verstand schon die Frauen? Ja, Florian war eifersüchtig auf Leo. Auf die Vertrautheit im Umgang mit Nina, die Art, wie sie Leo umarmte, alles tat weh. Wenn Leo doch kein Mann wäre, sondern eine Frau, dann hätte Florian weniger Probleme mit dieser innigen Freundschaft. Auch wenn Leo schwul war und nicht wirklich als Konkurrenz zählte, so strahlte er doch eine Attraktivität aus, die selbst Florian spürte.
Was war, wenn Leo irgendwann merkte, dass er sich für Nina interessierte? Und das nicht nur als Freund. Darauf hatte Florian keine Antwort. Er konnte nur hoffen, dass die Tatsache, dass er 'nur der Freund' war, für Nina mehr zählte, als er dachte. Denn im Gegensatz zu Leo hatte er die Nächte, in denen er Nina für sich hatte. Angefüllt mit Liebe und Leidenschaft. Liebevoll stupste Florian an Ninas vorwitzige Nasenspitze und als sie darauf eine Grimasse zog, musste er grinsen. Dann zog er die Bettdecke über sich und die Frau, die 'nur' seine Freundin war und versuchte noch etwas zu schlafen. Es gelang ihm sogar.
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