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Allein© by Ratgirl ()
Sie war in ihrer Wohnung. Allein. Sie saß in der Küche und stocherte lustlos in ihrem Mittagessen, einem Mikrowellenfertiggericht, herum. Allein. Dicke Regentropfen prasselten an ihr Fenster. Sie ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Sie war allein! Und sie fühlte sich unendlich einsam. Es war Samstag Mittag. Wochenende. Eigentlich ein Grund fröhlich zu sein. Man konnte die Arbeit Arbeit sein lassen und mal richtig abschalten. Den Stress der vergangenen Woche vergessen und das Leben in vollen Zügen genießen. Doch ihr Leben verlief offensichtlich anders...
Nun, sie war eine intelligente, attraktive Frau, die streng nach ihren Prinzipien lebte. Vielleicht war das ihr Problem. Sie war immer schon ehrgeizig gewesen; früher in der Schule, später in ihrem Studium, das sie mit Auszeichnung abschloss. Nach dem Medizinstudium wurde sie lieber FBI-Agentin als Ärztin, weil sie an ihr Land glaubte. Sie wollte die Gesetze aufrechterhalten um die Schuldigen zu richten und die Unschuldigen zu schützen. Für ihre Arbeit, die sie sehr ernst nahm, reiste sie mit ihrem Partner quer durch die USA. Doch sie kam nicht umhin festzustellen, dass sie bei ihrer Arbeit ständig sabotiert und getäuscht wurden. Sie glaubte auch jetzt noch an dieses, an ihr Land. Sie glaubte jedoch auch, dass es mächtige Männer in der Regierung gab, die genau dies nicht taten. Männer, die die Gesetze nicht respektierten und überhaupt nicht an Gerechtigkeit interessiert waren. Und dennoch kämpften sie und ihr Kollege unermüdlich weiter, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Es war eine wichtige Sache, wofür sie kämpften. Manchmal fragte sie sich, ob ihr Privatleben dabei nicht zu kurz kam.
Sie war Single. Nicht aus Überzeugung - es hatte sich einfach so ergeben. Natürlich hatte sie auch Freunde, mit denen sie hin und wieder etwas unternehmen konnte. Doch wie es der Zufall so will, wohnten ihre besten Freunde weit weg von ihr.
Draußen blitzte und donnerte es. Der Regen peitschte auf die Erde hernieder. Sie hatte das Mittagessen beendet und machte sich nun an den Abwasch. Eigentlich sollte sie an diesem Wochenende beruflich nach Savannah, Georgia fliegen. Doch die von dort gemeldete Entführung eines Jugendlichen durch Außerirdische hatte sich als dummer Jungenstreich entpuppt. Und so saß sie nun zu Hause. Allein. Den Vormittag hatte sie damit verbracht, ihre Wohnung zu putzen und einkaufen zu gehen. All diese Tätigkeiten liefen so automatisch ab. So ganz ohne Highlight. Das konnte doch nicht alles gewesen sein!? Nein, so konnte es nicht weitergehen. Sie musste etwas ändern. Sollte sie jemanden anrufen? Vielleicht ihn? Diesen Gedanken verwarf sie schnell wieder und wandte sich ihrem Schoko-Pudding zu. Sie blickte nach draußen. Weder der Sturm, noch der Regen wollte nachlassen. Eigentlich war sie bestrebt, das Thema abzuhaken, doch plötzlich drehten sich all ihre Gedankenströme nur um ihn... Ganz automatisch griff sie nach dem Telefonhörer und wählte seine Nummer. Doch sie erwachte rechtzeitig aus ihrem Tagtraum bevor er sich meldete.
Einen Moment später klingelte ihr Telefon. "Scully..." "Hallo Scully! Haben Sie eben bei mir angerufen? Ich habe Ihre Nummer auf dem Display gesehen. Ist alles in Ordnung?" fragte eine besorgte Stimme. "Ja, danke. Es ist alles in Ordnung. Ich wollte nur..." [Ja, was wollte sie eigentlich?] "Ich wollte nur nachfragen, ob sich die Agents aus Savannah noch einmal bei Ihnen gemeldet haben." brachte Scully hervor. "Nein." antwortete Mulder. "Die Sache hat sich nach dem Geständnis der beiden jungen Schulschwänzer, die sich einen Scherz mit uns erlaubt haben, endgültig erledigt. Wirklich schade, ich dachte diesmal wären wir auf etwas gestoßen." fügte er deprimiert hinzu. Scully spürte, wie Mulders Gedanken um eine mögliche Verschwörungstheorie kreisten. Doch dafür gab es nun wirklich keinen einzigen Beweis, und so beschloss sie, das Thema zu beenden. Dana machte einen Versuch, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken: "Und, was haben Sie noch so alles vor an diesem Wochenende?" "Nun, ehrlich gesagt habe ich gerade vorhin einen heißen Tipp von den Lone Gunman bekommen, dem ich umgehend nachgehen möchte. Stellen Sie sich vor Scully, in Kalifornien, genauer gesagt in ..." "Stopp Mulder!" unterbrach ihn eine Stimme, aus der deutlich ein enttäuschter Unterton herauszuhören war. "Sie wollen doch nicht allen Ernstes nach dieser Pleite schon wieder dem nächsten x-beliebigen Hinweis nachjagen, ohne die Fakten eingehend geprüft zu haben. Sie haben wirklich nur ihre verdammte Arbeit im Kopf." "Ach ja!? Und was haben Sie so alles für Ihr Wochenende geplant, Scully?" erwiderte Mulder. "Sie hetzen wohl wieder von einer Party zur nächsten!" fügte er sarkastisch hinzu. Scully schluckte und wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. "Er hat recht!" kam es ihr die traurige Wahrheit in den Sinn. "Ich werde jetzt auflegen Mulder. Wir sehen uns am Montag in der Arbeit." antwortete Scully.
Da stand sie nun, mitten in ihrem Wohnzimmer. Draußen blitzte und krachte es unermüdlich weiter. "Er hat recht." murmelte sie vor sich hin. "Mein Leben verläuft nicht anderes als das Seine. Auch in meinem Leben dreht sich im Grunde alles um die Arbeit." Scully setzte sich auf die Fensterbank in ihrem Wohnzimmer und starrte trübsinnig auf die Straße. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie schon so dagesessen hatte, als sie plötzlich ein Klopfen an der Tür aus ihren dunklen Gedanken riss. Langsam stand sie auf und bewegte sich in Richtung Tür. Währenddessen wurde das Klopfen heftiger. "Scully! Ich bin's. Machen Sie auf. Ich weiß, dass Sie zu Hause sind." Vernahm sie eine wohlbekannte Stimme von der anderen Seite ihrer Wohnungstür. Dana öffnete die Tür. Da stand er nun. Ihr Arbeitskollege. Der Mann, der in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Personen in ihrem Leben geworden war. Derjenige, mit dem sie gerade vorhin ein nicht sehr schönes Telefongespräch hatte. Scully blickte in seine wunderschönen Augen und sagte: "Kommen Sie herein, Mulder." Mulder betrat die Wohnung. Er zog sich seine nasse Jacke aus und fuhr sich durch seine ebenfalls nassgewordenen Haare. "Scully, ich bin gekommen um mich zu entschuldigen. Vorhin am Telefon. Das hab ich nicht so gemeint. Ich..." "Lassen Sie es Mulder." unterbrach ihn seine Partnerin "Sie hatten ja so recht mit Ihrer Aussage. Und es tut mir sehr leid, wie ich darauf reagiert habe." Eine peinliche Stille durchflutete den Raum. Keiner der beiden wollte als erster wieder das Wort ergreifen. Wie sollten sie sich nun verhalten?
Mulder sprach schließlich aus, was sie beide dachten: "Wir haben heute wohl beide Dinge zueinander gesagt, die wir jetzt bereuen. Was halten Sie davon, wenn wir die heutige Diskussion ruhen lassen und gemeinsam Abendessen gehen?" Scully blickte an ihrem Körper hinunter. Sie trug eine bequeme Jogginghose und ein T-Shirt im Schlabberlook. "Geben Sie mir fünf Minuten." sagte sie und lächelte ihrem Gegenüber zu. Sie ging in ihr Schlafzimmer und durchsuchte ihren Schrank nach etwas passendem zum Anziehen. Wer weiß, was an diesem Abend noch alles passieren würde.
Draußen hatte es aufgehört zu regnen. Vereinzelt brachen erste Sonnenstrahlen durch die dicken Regenwolken und erhellten den Himmel. Ebenso wie Scullys Herz...
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