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Verirrte Gefühle© by Ratgirl ()
"Ich werde dann für heute Schluss machen." "In Ordnung Scully, den restlichen Papierkram können wir morgen auch noch erledigen. Ach ja, bevor ich's vergesse: Würden Sie mir einen großen Gefallen tun?" "Natürlich, worum geht es?" "Wären Sie wohl so freundlich und würden diese Diskette für mich verwahren. Es darf auf keinen Fall bekannt werden, dass sie sich in meinem Besitz befindet." 'Schade, und ich dachte schon er würde einmal von etwas anderem, als ständig von unserer Arbeit sprechen.', dachte Scully "Und darf man fragen, was es mit dieser Diskette auf sich hat?" "Leider bin ich mir derzeit selber noch nicht ganz im Klaren, was ich mit den Informationen, die darauf gespeichert sind, anfangen soll. Ich stehe noch am Anfang meiner Ermittlungen, aber ich befürchte, dass "DIE" zuerst bei mir danach suchen werden. Bei Ihnen wäre sie also besser aufgehoben." "Nun gut, dann geben Sie schon her. Sie und Ihre Verschwörungstheorien...! Bis morgen, Partner." ätzte Scully und machte sich auf den Weg in Richtung Aufzug. "Ihnen auch eine gute Nacht, Partnerin.", rief Mulder ihr nach. Ob sie die Nacht wohl alleine verbringen würde? Fox Mulder, du solltest dich schämen! Das geht dich ja wohl wirklich nichts an. Viel wichtiger ist im Moment ob es eine gute Idee war, die Diskette seiner Kollegin zu geben. Nicht, dass er ihr nicht vertrauen würde. Sie war eine der wenigen Personen - wenn nicht sogar die einzige auf dieser Welt - der Mulder blind vertraute. Nein, er machte sich große Sorgen darüber, wie wohl das Konsortium auf den Diebstahl strenggeheimer Daten, welche durch die Lone Gunman in Mulders Hände geraten waren, reagieren würden...
Sie hatte den ganzen Nachmittag damit verbracht, einzukaufen, ihre Wohnung auf Vordermann zu bringen, zu kochen und den kleinen Esstisch in ihrem Appartement liebevoll zu dekorieren. Alles war perfekt, dennoch hatte sie ein mulmiges Gefühl bei der ganzen Sache. War es richtig, was sie hier tat: Ihrem Arbeitskollegen die Liebe zu gestehen, einfach so, ohne Vorwarnung? Doch es war zu spät sich darüber Gedanken zu machen, denn in diesem Moment klopfte es an ihrer Tür. "Los geht's", sagt sie zu sich selbst, "wird schon schief gehen!"
"Mulder, schön dass Sie es trotz der vielen Arbeit geschafft haben. Kommen Sie herein.", begrüßte Scully ihren Angebeteten. "Für Sie habe ich doch immer Zeit Scully. Also, was wollten Sie denn nun so dringend mit mir besprechen?" Mulder schwenkte automatisch seinen Blick durch den Raum und entdeckte den, für ein romantisches Dinner zu zweit geschmückten Tisch. "Erwarten Sie heute noch Besuch?" "Nein, ich..." "Ach kommen Sie schon Scully, mir können Sie doch von Ihrem heimlichen Lover erzählen!" "Mulder, hören Sie mir zu. Das hier habe ich alles für Sie vorbereitet." "Für mich? Aber ich habe doch gar nicht Geburtstag. Ich habe doch nicht etwa Ihren Geburtstag vergessen, oder? Nein, den haben Sie ja erst nächstes Monat." "Keine Sorge, es handelt sich um etwas ganz anders. Vielleicht sollten Sie sich erst einmal hinsetzen." "Sie machen es aber spannend. Also..." "Ich liebe Sie!" "Wie bitte, entschuldigen Sie Scully, aber mir war so als ob Sie gesagt hätten, dass Sie mich lieben!?"
Mulder war sprachlos - er hatte sich auf dem Weg zu Scullys Wohnung schon auf alle möglichen schlechten Neuigkeiten eingestellt, aber ein Liebesgeständnis? Nein, das hätte er "seiner Ice Queen" nicht zugetraut. Sie wartete ganz offensichtlich auf eine Reaktion von ihm. Wie sollte er sich nun verhalten? Mulder versuchte einen klaren Kopf zu bewahren. Verdammt, natürlich wollte er Scullys Gefühle aus ganzem Herzen erwidern, aber würde ihre Arbeit, die Mulder alles bedeutete, nicht unter einer Beziehung leiden? Jetzt, wo er der Wahrheit näher war, als je zuvor. Konnte ihre bisherige tiefe Freundschaft bestehen bleiben? Und was würde ihr Vorgesetzter Skinner dazu sagen? Wenn es jemand beim FBI herausfinden würde, wäre es so gut wie sicher, dass einer von ihnen versetzt werden würde. Mulder konnte den Gedanken nicht ertragen, Scully auf diese Weise zu verlieren! Und obwohl er seine Worte bereute, bevor er sie überhaupt ausgesprochen hatte, sagte er, "Es tut mir schrecklich Leid Scully, aber wir können keine Beziehung miteinander eingehen. Die Arbeit..." "Die Arbeit, die Arbeit, bei dir dreht sich immer alles um deine gottverdammte Arbeit! Deine grünen Männchen sind dir wohl wichtiger als die Menschen, die dich lieben!" schluchzte Scully und ehe sich Mulder versah, hatte sie auch schon weinend die Wohnung verlassen.
Wie konnte er ihr das nur antun? Scully verstand die Welt nicht mehr. Sie war in ihrem ganzen Leben bisher noch nie so enttäuscht worden. Scully schritt die Straße entlang, ohne dabei ein bestimmtes Ziel anzusteuern. Sie nahm ihre Umgebung nur im Unterbewusstsein wahr. Plötzlich stand sie vor einer schäbigen Bar. Sie wusste weder wo sie war, noch wie lange sie schon unterwegs war - das Einzige, das sie jetzt noch interessierte, war ein doppelter Whiskey. Sie öffnete die Tür und begab sich geradewegs an die Theke. "Einen doppelten Whiskey", bestellte sie beim Barkeeper. "Wohl einen schlechten Tag gehabt, Lady!? Da geht es Ihnen nicht viel besser, als den meisten meiner Kunden hier. Sehen Sie sich nur mal den Typ da drüben an - ich glaube der hat für heute auch schon genügend Alkohol zu sich genommen." Scully kam der Aufforderung des Mannes desinteressiert nach, drehte sich um und blickte in - ein ihr wohlbekanntes Gesicht. "Krycek!?" Alex Krycek erhob sich von seinem Stuhl und wankte zu der Agentin herüber. "Agent Scully, welch angenehme Überraschung! Was treibt Sie denn hierher? "Nun, dieses Rattenloch entspricht nicht ganz meinem Stil. Hauptsache es gibt genügend Alkohol um meinen Kummer zu ertränken." Scully wich Kryceks neugierigen Blicken aus und kippte ihren Drink ex hinunter. "Darf man fragen, was der Grund Ihrer Kneipentour ist? Wenn ich raten dürfte, würde ich sagen, dass es etwas mit meinem Kumpel Agent Mulder zu tun hat." "Ich wüsste nicht, was Sie das etwas angehen sollte", fauchte sie ihn wütend an. 'Bingo!', dachte Alex. "Wenn es Sie tröstet, Sie sind nicht der einzige Mensch auf Erden, der heute eine große Enttäuschung hinnehmen musste. Da wir sozusagen Leidensgenossen sind, darf ich Sie auf einen Drink einladen, Agent Scully?" 'Warum eigentlich nicht', dacht Scully, 'wenn er eine Gefahr für mich wäre, hätte er längst handeln können. Vielleicht will er ja diesmal wirklich nur mit Jemanden reden, der seine Probleme versteht.' "Einverstanden, aber nur wenn es bei einem Drink bleibt. Ich fürchte, ich vertrage nicht so viel wie Sie..." "Selbstverständlich, ich werde Ihnen nichts aufdrängen.", antwortete Krycek und führte sie zu dem eben freigewordenen Tisch gegenüber der Tür. Krycek ging zur Bar und holte ihre Getränke. Zurück bei Scully setzte er sich nicht ihr gegenüber, sondern ganz eng neben sie und legte zärtlich den Arm um sie. Scully wollte schon protestieren, doch dann verzichtete sie darauf, da es sich wirklich gut anfühlte. Krycek schien genau zu wissen, was sie nach diesem aufregenden Tag brauchte. Sie sah in seine wunderschönen, grünen Augen und flüsterte, "Danke! Ich ..." "Sch...", hauchte Krycek und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ich denke es ist besser für dich, jetzt nicht mehr darüber zu sprechen, Dana." 'Er hat mich Dana genannt', dachte Scully, 'Warum ist mir vorher eigentlich nie aufgefallen, was für einen attraktiven, durchtrainierten Body er hat? Jetzt mach aber mal halblang, Dana Catherine Scully, was tust du hier eigentlich? Musst du dich ausgerechnet von Alex Krycek trösten lassen? Mulders Erzfeind, welcher ein Mörder, Lügner und Betrüger ist. Nein, das hier durfte einfach nicht passieren.' Scully wollte sich dagegen wehren, dass Kryceks Lippen die ihren berührten. Jedoch erwiderte sie, entgegen all ihrer Überzeugungen, seinen Kuss. "Lass uns aus diesem Rattenloch verschwinden", flüsterte sie ihm ins Ohr. Kryceks rechte Hand erfasste die ihre und sie flüchteten aus der Kälte, die ihnen draußen auf der Straße entgegenwehte, in Scullys Appartement. Scully kramte die Wohnungsschlüssel aus ihrer Tasche und schloss mit zittrigen Händen die Tür auf. Sie konnte noch immer nicht fassen, was sie hier tat. Wenigstens hatte Mulder nicht auf sie gewartet. Der hätte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Wie sollte sie sich nun verhalten? Es war doch offensichtlich aus welchem Grund sie ihren Widersacher mitgebracht hatte. Sie fühlte sich einsam und genoss es, seine Nähe zu spüren, aber tief in ihrem Herzen wusste sie, dass der einzig relevante Mann in ihrem Leben in diesem Augenblick wahrscheinlich Sonnenblumekerne knabberte.
"Möchtest du mir vielleicht einen Drink anbieten?" Alex versuchte das Eis zu brechen. Er hatte Scully immer schon attraktiv gefunden und durch ihre übliche ablehnende Haltung ihm gegenüber, fühlte er sich noch mehr von ihr angezogen. "Ich denke wir haben heute schon genug Alkohol intus", erwiderte Scully, "wie wäre es stattdessen mit einem Kaffee, oder auch einem Tee, was immer du möchtest ich.... Oh verdammt, ich habe wohl vergessen, Teebeutel vom Einkaufen mitzubringen, ich..." "Keine Panik Dana, eigentlich sehnt sich mein Körper nur nach deiner Nähe, und nicht nach etwas zu trinken." Krycek trat einen Schritt auf sie zu, beugte sich zu ihr herunter und küsste sie leidenschaftlich. Seine anfänglich langsamen, zärtlichen Küsse wurden immer heftiger. Scully wusste nicht, wie ihr geschah. Ihre Gefühle waren in Aufruhr. Sie wusste, dass es falsch war, dennoch packte sie seinen rechten Arm und zog ihn in ihr Schlafzimmer...
Scully erwachte durch das nervtötende Piepsen ihres Weckers. Sie hatte keine Lust jetzt schon aufzustehen. Sie war immer noch todmüde und grässliche Kopfschmerzen plagten sie. "Guten Morgen, Darling. Na, hast du gut geschlafen? Wie wäre es mit einem gemütlichen Frühstück im Bett? Ich bin gerade dabei, Kaffee zu kochen." Scully rieb sich die Augen und blickte verschlafen in die Richtung, aus der die Stimme zu ihr sprach. "Krycek!" entfuhr es ihr, "was zum Teufel haben Sie in meiner Wohnung verloren?" "Aber, aber, sag bloß, du kannst dich an die letzte Nacht nicht mehr erinnern. Wir hatten so viel Spaß zusammen." Dana konnte es nicht fassen. Sie hatte doch nicht etwa die Nacht mit Krycek verbracht? 'Gott, muss ich besoffen gewesen sein.' dachte sie. Wie sollte sie sich jetzt nur verhalten. Sie liebte Mulder, und auch wenn er noch nicht bereit war, ihre grenzenlose Liebe zu erwidern, kam für sie derzeit kein anderer Mann in Frage. Und schon gar kein Mitglied des Syndikats! Was hatte sie sich nur dabei gedacht, ihn mit in ihre Wohnung zu nehmen? "Hören Sie, ich denke es wäre für uns alle das Beste, wenn Sie schnellstens meine Wohnung verlassen würden." "Du schmeißt mich raus Dana-Schätzchen? Einfach so? Wenn du mit allen deinen Männern so umspringst, wundert es mich nicht, dass du seit langem Single bist." "Ich wüsste nicht, was Sie das etwas angehen sollte. Verschwinden Sie endlich aus meiner Wohnung, bevor ich die Polizei rufe!" "Also gut, ich hab's diesmal auf die nette Art probiert, leider ist mein Plan nicht aufgegangen." Krycek griff nach seiner Waffe, entsicherte sie, und richtete den Lauf auf Scullys Stirn. "Wo ist die Diskette? Und keine Tricks, ich werde nicht einen Moment zögern und abdrücken, wenn es die Situation erfordert." Scully saß noch immer auf ihrem Bett und konnte nicht fassen, was sich soeben in ihrem Schlafzimmer abspielte. Die Diskette! Natürlich, es ging ihm die ganze Zeit nur um die Diskette! "Sagen Sie mir die Wahrheit, Krycek. Sie sind einzig und allein wegen der Diskette hier, oder?" "Die Wahrheit, die Wahrheit, es gibt keine Wahrheit, Agent Scully. Das sollten Sie nach all den Jahren ihrer unermüdlichen Arbeit an den X-Akten doch endlich begriffen haben. Ich gebe zu, dass die Beschaffung der Diskette oberste Priorität vor unserem, nun ja, nennen wir es "Zusammentreffen" besaß. Dennoch bin ich sehr zufrieden mit dem Verlauf des gestrigen Abends. Aber genug geplaudert, lassen wir endlich Taten folgen." Scully stand langsam auf. Sie zweifelte keine Sekunde an Kryceks Worten. Vor allem den Teil, in dem er davon sprach, dass er sie gegebenenfalls töten würde, nahm sie sehr ernst. Wie in Trance bewegte sie sich in Richtung Schreibtisch, bückte sich und holte die Diskette, welche sie mit einem Klebeband auf der Unterseite des Tisches befestigt hatte, hervor. "Hier!", rief Scully und warf ihrem Gegner das Teil entgegen. Dieser fing es, trotz seines Handicaps mit der linken Hand, auf. "Sag mir die Wahrheit, du miese, kleine, dreckige Ratte: War das dein einziger Beweggrund, die Nacht mit mir zu verbringen?" "Natürlich, was dachtest du denn, Herzchen?", spottete Krycek, drehte sich um und verließ das Appartement auf Nimmerwiedersehen...
"Scully, da sind Sie ja endlich! Ich habe mir schon die größten Sorgen um Sie gemacht. Ich muss dringend mit Ihnen reden, ich fürchte ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht." "Mir tut es auch Leid, Mulder. Ich habe die Diskette verloren, an einen unserer größten Feinde. Ich habe ihm vertraut und mich von seinen Lügen blenden lassen. Wie konnte mir das nur passieren. Ich..." "Ach schon vergessen, Scully. Die Informationen auf der Diskette sind wertlos. Doch zurück zu meinem Fehler. Ich, ich weiß nicht recht wie ich es sagen soll, also, ich..." "Ich liebe Sie, Mulder." "Ich liebe Sie auch, Scully." "Sehen Sie, so einfach geht das." sprach Scully, stellte sich auf die Zehenspitzen, küsste ihren Traummann und hoffte, dass dieser Augenblick für immer in ihren Erinnerungen erhalten bleiben würde...
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