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Kaffeehausprosa

(nach Wiener Impressionen im Juni 2004)
© by Clio ()
 
Disclaimer: Nein, nein, nein. Die Rechte liegen bei Davis/Panzer etc. Dies ist lediglich eine Fanfiction für Highlander- Fans und ich will damit keinen lumpigen Cent machen ( - Schilling is' ja nich' mehr - nur der Peter - )!
Vorbemerkung: Dank dem Kulturbeauftragten meines Begehrens für die Beta, den Kaffee und den Rest.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 
[Ein Wiener Kaffeehaus - heute.]

 

Methos legte die Karte zurück auf den kleinen Tisch, auf den sie die Serviererin kurz zuvor mit einem freundlichen Lächeln und einem "Grüß Gott" geworfen hatte. "Ich denke, ich nehme einen Cappuccino."

"Ein Cappuccino? Warum nicht gleich einen Latte Macchiato? - Findest Du nicht, man sollte in einem traditionsreichem Wiener Kaffeehaus wie diesem auch einen entsprechend traditionsreichen Wiener Kaffee trinken?"

"Mach MICH bitte nicht dafür verantwortlich, dass DU nicht zu Starbucks wolltest."

In diesem Moment kehrte die Bedienung an ihren Tisch zurück. "Was wünschen Sie?"

"Ich hätte gern ein Soda Zitron", lautete Methos Bestellung und wurde mit einem kurzen Aufblitzen in den Augen MacLeods quittiert. Methos ließ es mit einem Lächeln an sich abperlen.

Augen und Notizblock der Kellnerin richteten sich nun auf den Highlander, der einen Häferlkaffee bestellte. "Was ist das denn?" fragte Methos, nachdem die Serviererin gegangen war.

"Ein großer Kaffee mit viel Milch", antwortete MacLeod.

"Also ein handelsüblicher CaffÈ latte."

Sein Gegenüber zuckte nur kurz mit den Schultern.

 

Für eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen. Beide genossen den Moment und das Ambiente des Kaffeehauses. Besonders Methos musterte den Raum eingehend. Kurz darauf kamen auch schon die bestellten Getränke.

Unvermittelt wandte der alte Mann sich an seinen weit jüngeren Freund: "Ähm... Was ist das eigentlich für eine Geschichte mit dem Schottenstift?"

"Ach... Das war lange vor meiner Zeit. Irische und schottische Mönche... Du weißt ja." Duncan löffelte etwas Milchschaum von seinem Kaffee.

"Allerdings. Der Haarschnitt war noch weit demütigender als die Tonsur."

 

Methos blickte sich wieder um. Die dunklen Holzstreben, die gepolsterten Sitze und der Blick auf den Platz: "Ich bin mir fast sicher. Ich war hier schon 'mal."

"Ach ja?"

"Hm." Er nippte an seinem Glas.

"Okay, bevor du wieder in stumpfes Schweigen verfällst... Erzähl' schon."

"Ach, da ist schon eine Weile her. Irgendwann in der letzten Dekade des vorletzten Jahrhunderts... Ich habe Byron besucht. Er..."

"Byron?"

"Er hat eine Weile in Wien gelebt... Vermutlich hat ihn Wien an Venedig erinnert... derselbe morbide Charme..." Versonnen beobachtete er das Fruchtfleisch der Zitrone, das auf der Oberfläche des Getränks schwamm.

"Mich erinnert Wien eher an Paris. In seiner hellen klassizistischen Architektur und den Alleen. Es ist allerdings etwas ruhiger hier." MacLeod blickte auf die Uhr. "Es ist erst fünf vor... Also entschuldige mich bitte einen Moment." Er stand auf und schon war er um die Ecke hinter der Theke verschwunden, in deren Vitrine eine Auswahl an Kuchen und Torten auslag.

Methos hob das Glas an und trank es in ein paar kräftigen Schlucken leer. Dann ließ er den Blick aus dem Fenster hinaus über den Platz schweifen.

Die hellen Steine des gegenüberliegenden Gebäudes bildeten einen Kontrast zum bräunlich und grellgrün angelaufenen Marmor der Brunnenskulpturen. Das Wasser lief über das Gesicht und die Gliedmaßen der unteren Skulpturen. Ein Fiaker mit zwei großen braunen Wallachen vor dem Wagen durchquerte sein Blickfeld. Die Hufe der Pferde hallten auf dem Kopfsteinpflaster wieder.

 

***
 

"He, Doktor, träumst du?" riss ihn Byron aus seinen Gedanken. Er saß Methos gegenüber. An Byrons Schulter schmiegte sich ein junges Mädchen mit dunklem gelocktem Haar. Ihren Namen erinnerte Methos nicht mehr. Aber jenen seiner hübschen jungen Begleiterin wusste er noch. Maria Theresia hieß die kecke Rothaarige. Sie lachte wie die junge Sarah Bernhardt und ihre gelenkigen Beine erinnerten ihn an Jane Avril.

Byron und er hatten mit den beiden Damen die Nacht verbracht. Sie hatten die beiden Kokotten in einem Etablissement im Amüsierviertel aufgelesen und seitdem viel Vergnügen gehabt.

Die Rothaarige lachte kehlig auf. Der Absinth der vergangenen Nacht hatte seine Wirkung noch nicht verloren und floss giftgrün durch ihre Venen.

Auch bei ihrer Kollegin schien dies der Fall zu sein. Byron brüstete sich gerade mit vergangenen erotischen Abenteuern: "... Und so wurde es zu einer Melange À quatre, sozusagen... Ich nenne es seitdem 'Wiener Melange'." Die kleine Brünette prustete los und verfiel in lautes und etwas zu schrilles Lachen. Einige kurze Locken lösten sich aus der in Eile zusammengesteckten Frisur. Byron wickelte eine Strähne in ihrem Nacken um seinen Zeigefinger. Hastig presste er seine Lippen in ihren Nacken. Sie quiekte und hob die Schultern ihn von weiteren Überfällen abzuhalten.

Die Vorkommnisse ließen das zuvor recht lebhafte Gespräch der italienischen Gesandten am Nachbartisch verstummen. Die Diplomaten waren nun neugierig erpicht darauf, weitere Fragmente vom Gespräch der beiden Männer einzufangen.

 

Aber Byron sprang unvermittelt auf. "Meine Damen, verzeihen Sie mir bitte unseren spontanen Aufbruch - ich habe eine unaufschiebbare Verabredung. Man erwartet mich noch zu einer Schachpartie. Trinken Sie bitte noch eine heiße Schokolade auf meine Kosten." Er warf einige Scheine auf den Tisch. "Und begleichen Sie doch bitte auch unsere Rechnung. - Komm, Doktor. Die Kutsche wartet." Er verbeugte sich knapp und griff nach seinem Hut. "Auf Wiedersehen, die Damen."

Methos imitierte noch schnell einen Kuss auf den Handrücken seiner nächtlichen Bekanntschaft und folgte seinem Freund hinaus ins helle Tageslicht.

Byron hob den Arm und winkte einen Einspänner herbei. Der große schwarze Wallach, der vorgespannt war, wieherte auf, als plötzlich starker Regen einsetze. Methos beeilte sich zu Byron in die Kutsche zu springen. "Zum Salon Pereira!" rief jener dem Kutscher zu und sofort setzte sich das Pferd in Bewegung.

 

***
 

Mit "Hast du im Flugzeug nicht genug geschlafen?" brachte ihn MacLeod wieder in die Gegenwart zurück.

"Sag 'mal, wann warst du das letzte Mal in Wien?" Methos ließ sein Gegenüber nicht aus den Augen.

"Hm... Das ist schon einige Jahre her. Ich habe damals mit Tessa eine Ausstellung besucht." Duncan senkte den Kopf und rührte in den Resten seines Kaffees.

"Ah." Methos nickte. "Und weshalb sind wir noch 'mal hier?"

"Ich weiß ja nicht, weshalb du meiner überaus freundlichen Einladung gefolgt bist, aber ICH habe eine Verabredung mit einer Kunsthändlerin. Außerdem steht heute Abend die Versteigerung antiker Waffen im Dorotheum auf dem Programm. Vielleicht lohnt es sich ja wieder, eine Antiquitätenhandlung in Paris zu eröffnen."

"Da sind wir hier wohl gerade richtig. Die Antiquitätendichte im Umkreis von hundert Metern ist wirklich unglaublich. Vielleicht finde ich ja Objekte aus meinem Hausstand vergangener Jahrhunderte..."

"Da habe ich wohl bessere Chancen. Wirklich Antikes ist hier eher Mangelware."

"Wie auch immer..." Methos kippte den Sud am Boden des Glases in einem Zug herunter.

 

Die Eingangstür klappte zu und kurz darauf betrat eine zierliche junge Frau das Kaffeehaus. Methos schätzte sie auf um-die-Dreißig. Sie trug einen cremefarbenen Anzug und ihr brünettes Haar berührte die Schultern nur knapp. Auf die kurze Distanz bemerkte Methos, dass die Kleine Gold in Form einer Kaffeebohne an ihren Ohrringen hängen hatte.

Sie schaute sich kurz um und wurde schnell von Duncans schokoladenbraunen Augen und seinem charmanten Lächeln eingefangen und direkt an ihren Tisch geleitet.

MacLeod erhob sich zu voller Größe: "Susanna Kolschitzky, wie ich vermute...?" Er hauchte gekonnt einen Kuss auf ihre feingliedrige Hand. Methos meinte daraufhin sogar ein leichtes Erröten ihrer Wangen erkennen zu können.

"Herr MacLeod? Wie schön. Das hat ja gut geklappt. Hatten Sie einen guten Flug?" antwortete sie auf deutsch mit dem anmutig cremigen Akzent des Wienerischen.

Der Highlander deutete - stets weiterlächelnd - auf seinen Begleiter und fuhr auf Englisch fort: "Darf ich Ihnen Mr. Pierson vorstellen?"

Der angesprochene stand auf: "Angenehm... Frau Kolschitzky, nicht wahr? Ein sehr traditionsreicher Name. Wie schön." Er schmunzelte und griff nach seinem Mantel. "Verzeihen Sie bitte, aber ich habe noch einen Termin in der Papyrussammlung." Er nickte MacLeod zu und verließ das Kaffeehaus.

 
Ende

 
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