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Farb-Beratung© by Sam23 ()
Irgendwas war falsch. Er war noch nicht sicher, was es war, aber etwas war falsch. Er drehte sich um und stöhnte leise, während er versuchte sich auf dieses ... etwas zu konzentrieren. Es war ein Geräusch, das hatte er inzwischen herausgefunden, auch wenn er technisch gesehen noch im Tiefschlaf war. Sein müder Körper flüsterte ihm zu, dass er das Geräusch einfach ignorieren solle, denn dann würde es sich sicher bald langweilen und die Ohren einer anderen Person beglücken. Sein Körper war zwar sehr überzeugend, trotzdem kaufte ihm sein Gehirn diese Theorie nicht ab. Mit einem Grummeln öffnete er die Augen und identifizierte das Geräusch als das Klingeln des Telefons. Er griff nach dem Hörer, gähnte und murmelte: "O'Neill" "Blau oder grün?", begrüßte ihn eine fröhliche Stimme. Eine Stimme die unangenehm wach klang um ... er schielte zu seinem Wecker hinüber und fluchte. "Sind Sie verrückt? Wissen Sie wieviel Uhr es ist?" "Ihnen auch einen wunderschönen guten Morgen, Sir", antwortete die fröhliche Stimme. "Carter! Es ist 5:30 Uhr, zum Geier nochmal!", heulte er frustriert auf. "Ich weiß, Sir." Sogar mit seinem etwas eingeschränkten Wissen was die Naturgesetze anging, wusste er dass es eigentlich nicht möglich war, jemanden am anderen Ende der Telefonleitung Lächeln zu sehen. Trotzdem wusste er genau, dass sie in diesem Moment lächelte. Ein großes glückliches Sam-Lächeln, das sogar die schwärzeste Nacht in einen sonnigen Tag verwandeln konnte. Er stöhnte und rieb sich mit der Hand über das Gesicht. Er war einfach noch nicht bereit sich so früh am Morgen mit seiner geheimen romantischen Seite auseinanderzusetzen. "Wir haben eine Besprechung mit General Hammond und Major Davis vor unserer Mission nach P3J764, Sir. Das wissen Sie doch, oder?" "Sicher", antwortete er, während er versuchte herauszufinden, wovon zum Teufel sie eigentlich sprach. "Da gab's ein Memo drüber, oder?" Er hörte seine Stellvertreterin am anderen Ende der Leitung lachen und seufzte. "Carter, es ist verboten über seinen kommandierenden Offizier zu lachen, bevor er nicht mindestens noch fünf Stunden Schlaf und drei Tassen Kaffee hatte, okay?" "Sorry, Sir." "Ja, klar", grummelte Jack beleidigt, aber auf seinem Gesicht begann sich ein Lächeln auszubreiten. Er fuhr sich mit der Hand durch die zerzausten Haare und gähnte. Sam lachte wieder. "Ernsthaft, Sir. Wir haben eine Besprechung in einer Stunde und ich muss mich fertig machen, also welche Farbe soll es sein?" "Schwarz." "Sir!" "Ernsthaft, warum versuchen wir es nicht mal mit einer anderen Farbe? Dieses Blau-Grün-Zeugs wird langsam langweilig." "Vielleicht sollten Sie General Hammond einen entsprechenden Vorschlag machen, Sir." "Oh ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen: Lieber General, die Farben unserer Uniformen sind langweilig, bitte besorgen Sie uns eine etwas fröhlichere Kleidung, möglichst mit einem Wäscheschild auf dem "Armani" steht", schnaubte Jack und löste bei Sam damit einen Kicheranfall aus. Jack schloss die Augen und grinste zufrieden wegen der Leichtigkeit ihrer Unterhaltung. Vielleicht lag es daran, dass der Tag noch jung war und noch keine Möglichkeit gefunden hatte Chaos, Desaster, Schmerz und Angst in ihre Richtung zu schleudern. Vielleicht lag es daran, dass der Teil von ihm, der ganz Soldat war, noch tief und fest schlief. Oder vielleicht lag es auch daran, dass das hier vertrautes Territorium war, ein Ritual, dass sie nicht aufgegeben hatte, auch wenn sie sonst anscheinend fast alles im vergangenen Jahr aufgegeben hatten. Egal aus welchem Grund, Jack liebte diese kleinen Momente, in denen die Dinge zwischen ihnen wieder waren wie sie früher gewesen waren. "Also, warum eigentlich schwarz, Sir?" "Weil es die Farbe der Nacht ist und nachts schlafen die Menschen. Wenigstens tun das "normale" Menschen." "Okay, ich hab den zarten Hinweis verstanden, Sir. Aber darf ich Sie daran erinnern, dass ich diese Besprechung nicht anberaumt habe, sondern Major Davis." "Aber Major Davis hat mich nicht um 5.30 Uhr morgens angerufen." "Soll ich auflegen, damit Sie weiterschlafen und das Meeting versäumen können, Sir?" "Nein!" Ups, das war etwas zu schnell und etwas zu laut aus seinem Mund gekommen. Er räusperte sich. "Eigentlich, Carter, haben Sie gerade meinen Hintern gerettet. Ich wäre nie rechtzeitig aufgewacht." "Gern geschehen, Sir", antwortete Sam fröhlich. Jack gähnte erneut und machte einen halbherzigen Versuch sich aufzusetzen. "Also, wir haben noch immer nichts in Sachen Farb-Auswahl entschieden", fuhr Sam fort. "Schwarz geht also nicht?" "Sorry, Sir." "Gelb?" "Nein." "Vielleicht weiß. Wir könnten Klamotten aus der Krankenstation klauen." "Ich glaube kaum, das Janet Ihre Größe trägt, Sir." "Schade. Also bleibt es bei langweiligem Blau und ödem Grün?" "Leider, Sir." "Okay, wonach ich Ihnen heute?" Sam dachte für einen Moment darüber nach, dann antwortete sie: "Ich denke, Blau." "Warum?" "Warum nicht?" "Das war eine Frage, Carter, keine Antwort. Ich mein, ehrlich, ich möchte es wissen: Warum blau?" Er konnte Sam beinahe mit den Schultern zucken sehen. "Ich weiß nicht, vielleicht weil Blau Frieden symbolisiert und eine gewisse Räumlichkeit." Jack blinzelte. "Hab ich schon erwähnt, dass es 5.30 Uhr morgens ist?" Sam lachte. "Ihre eigene Schuld, Sir, Sie wollten eine ernsthafte Antwort." "Nein, eigentlich wollte ich es *wissen*. Das ist ein großer Unterschied, Carter." "Ja, Sir. Okay, anders ausgedrückt: Was ist blau?" "Die Farbe meiner Lieblingsnachspeise?" "Sehr witzig, Sir. Ich sehe, Sie wachen langsam auf", neckte ihn Sam. Jack grinste. Er nahm sich fest vor, ihr eines Tages zu sagen, wie wunderbar es war, die meisten seiner Tage mit dem Klang ihrer Stimme zu beginnen. "Und ich sehe, dass Sie keine Angst vor dem Militärgericht haben", gab er zurück. Sam lachte, denn sie wusste genau, dass er nur Spaß machte. "Also, wenn es nicht mein Nachtisch ist, was ist es dann?" "Ich dachte an den Ozean oder den Himmel an einem klaren Sommertag. Ich weiß nicht, das gibt einem irgendwie das Gefühl in die Unendlichkeit zu blicken. Aber es ist nicht unangenehm, man fühlt sich irgendwie ... frei." "Frei ist nicht unbedingt der Begriff, den ich im Zusammenhang mit diesen blauen BDUs verwerden würde." "Haben wir etwas zugenommen, Sir?" "Sie sind heute ziemlich mutig, wie viele Tassen Kaffee haben Sie eigentlich schon getrunken?" "Nicht eine, Sir. Ich habe nur gute Laune, das ist alles." "Okay, also ist Blau Freiheit und Frieden. Klingt gut. Aber ich würde heute trotzdem lieber Grün wählen." "Oh, darf man fragen, warum?" "Ist heute einfach richtig, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir heute Jonas auf seine erste Mission mitnehmen. Sie wissen schon: Grün wie "Grünschnabel" oder "Grün hinter den Ohren" oder die Farbe seines Gesichts, wenn er aus dem Stargate stolpert oder..." "Okay, verstanden. Klingt einleuchtend, aber nicht überzeugend. Da muss es noch einen besseren Grund für Grün geben." "Okay, wie wäre es damit: Grün ist die Farbe der Natur." "Und?" "Und ich musste schnell etwas sagen, um mir etwas Zeit zu verschaffen um erstmal darüber nachzudenken, was ich sagen will." "Oh, okay. Natur. Grün. Super. Ein echter Klassiker." Jack grinste und schüttelte den Kopf. "Sie verbringen zu viel Zeit mit mir, Carter." "Nicht annähernd genu...." Sie verstummte und Jack hörte etwas, dass eine Mischung zwischen einem Husten und einem Räuspern war. "Sorry, Frosch im Hals. Soooooo, war das genug Zeit, um über eine kreativere Antwort nachzudenken?" Jack lächelte. Sie fühlte also immer noch genauso wie er. Er war sich in den letzten Monaten nicht mehr sicher gewesen, aber jetzt war alles irgendwie fast schon wieder... normal. Jack beschloss, dass er etwas unternehmen musste, damit dieser Zustand anhielt. "Ehrlich gesagt: Ja." "Okay, raus damit, Sir." "Grün ist die Farbe der Hoffung. Sie wissen schon, wenn im Winter der Boden hart und kalt ist und nicht mehr wächst wegen der Kälte?" "Ja?" "Es scheint immer so weiterzugehen und egal was man versucht, um den Boden von der Kälte zu befreien, er bleibt leblos. Aber dann, eines Tages, wenn man schon denkt, dass an dieser Stelle nie wieder etwas wachsen wird, sieht man sie plötzlich: Kleine grüne Dinge, Gräser, Blumen, die sich langsam ihren Weg an die Oberfläche bahnen und Liebe an einen scheinbar toten Ort zurückbringen." "Sie meinen Leben, oder?" "Hab ich doch gesagt. Leben" Oder hatte er das etwa nicht? Jack war sich nicht sicher, denn Sam schwieg plötzlich. Er wartete auf ihre Antwort und als sie weiter schwieg fühlte er eine leichte Panik in sich aufsteigen. Was hatte er gesagt, dass sie so erschüttert hatte? Es dämmerte ihm langsam und er klatschte sich mit der Hand auf die Stirn. Super gemacht, O'Neill, echt toll. Fall mit der Tür ins Haus. Damit sie sich sofort wieder von dir zurückziehen kann. Wusste gar nicht, dass du diese unangenehme Spannung zwischen euch beiden so genossen hast, schimpfte er sich selbst. "Carter?", fragte er vorsichtig. Sams leise Stimme erschreckte ihn fast, als sie plötzlich die Stille brach. "Ich denke, ich verstehe Ihren Standpunkt, aber ich aber noch einen anderen Grund für Blau." "So?" "Blau bedeutet Loyalität." "Grün bedeutet Mitgefühl." "Blau bedeutet Zuneigung." "Jack schloss die Augen, zählte bis zehn, hoffte, dass seine Stimme halten würde und antwortete: "Grün bedeutet los." Stille. Dann ihre Stimme. Nur ein klein wenig zitternd. "Ja, das tut es." Diesmal wurde die Stille von seiner tiefen Stimme gebrochen, die eine einfache Frage stellte. "Wir entscheiden uns für Grün?" Stille. "Sam?" "Wir entscheiden uns für Grün." Er stieß den Atem aus, von dem er gar nicht gemerkt hatte, dass er ihn angehalten hatte, warf den Kopf zurück ins Kissen und riss triumphierend die Arme hoch. Hastig nahm er sie wieder herunter, als ihm klar wurde, dass er den Telefonhörer mit in die Luft gerissen hatte. "Sir?" "Uh, sorry, ja, ich bin noch da." "Also sehen wir uns in 30 Minuten in der Basis? Wir haben dann vielleicht noch Zeit für einen Kaffee vor der Besprechung." "Klingt gut. 30 Minuten. Wir treffen uns am Parkplatz." "Ja, Sir. .. oh, und Sir?" "Ja?" "Falls Sie jemals mit General Hammond in Sachen Farb-Beratung zur Seite stehen sollten? Ich mag Rot auch ziemlich gerne." "Rot wie die Farbe Ihres Lieblings-Nachtischs?" Gelächter. Freies, fröhliches, ungezügeltes Sam-Gelächter. Er würde ihr definitiv sagen, was es ihm bedeutete ihre Stimme jeden Morgen zu hören. Und zwar bald. "Eigentlich habe ich an etwas anderes gedacht, aber weil Sie schon darauf hingewiesen haben, dass ich heute ziemlich mutig bin, muss ich zugeben, dass ich in diesem Augenblick darüber nachdenke meine Lieblings-Nachspeise in etwas Substanzielleres als Jello zu ändern." Sie lachten beide, aber bald kehrte wieder Stille ein und für einen Moment war nichts weiter zu hören als ihr beider Atem. Als Sam plötzlich sprach war ihre Stimme stiller als zuvor. "Also, was denken Sie über Rot?" Was er über die Farbe der Liebe dachte? Er grinste: "Schaffen Sie es in 20 Minuten zur Basis? Das würde ich Ihnen lieber persönlich sagen." "Brauchen Sie wieder Zeit um über eine Antwort nachzudenken?" "Nein. Um ehrlich zu sein, ich hatte bereits mehr als genug Zeit um über dieses spezielle Thema nachzudenken . . .fast sechs Jahre." Stille. "Sam?" "Ich bin in 15 Minuten da." "Wir entscheiden uns für Grün."
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