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Videos, Lügen und ... Sex?© by Antares ()
Nur eine Minute vor der festgesetzten Zeit betrat Commander Chakotay den Bereitschaftsraum zur Morgenbesprechung und fand dort nur Seven of Nine vor. Gerade, als er sie verblüfft fragen wollte, was das zu bedeuten habe, erschien Tom Paris. Wie immer mit einem unglaublichen Zeitgefühl auf die Sekunde genau. Und er stellte Chakotays Frage: "Wo ist denn der Rest?" In dem Moment, als Chakotay antworten wollte, öffnete sich die Tür erneut und Harry und B'Elanna stürzten um Atem ringend ins Zimmer. Chakotay warf ihnen einen missbilligenden Blick zu und meinte: "Lieutenant! Fähnrich! Das ist nun schon das fünfte Mal in weniger als drei Monaten, dass Sie zu spät zum Dienst erscheinen!" Unausgesprochen blieb, dass es das fünfte Mal war, seit sie sich eine Kabine teilten.
Die ganze Crew hatte die wachsende Entfremdung zwischen Tom und B' Elanna mitverfolgt und es war bei vielen auf Unverständnis gestoßen, dass B'Elanna bereits zwei Wochen nach der Trennung von Paris mit Harry zusammengezogen war. Während Tom und B'Elanna dann trotzdem überraschend schnell wieder zu spannungsfreier Zusammenarbeit gefunden hatten, hatte es zwischen Tom und Harry mehrere unschöne Wortwechsel - auch auf der Brücke - gegeben, und erst seit wenigen Wochen war auch ihr Umgang wieder durch Professionalität geprägt. Privat jedoch hielten sie deutlichen Abstand. Und viele der Abende, die Tom sonst mit Harry verbracht hatte, verbrachte er nun mit Chakotay. Beide Männer waren nach einem klärenden Gespräch, das Chakotay eigentlich in seiner Eigenschaft als Schiffscounselor begonnen und das mit einem übermäßigen Alkoholkonsum geendet hatte, rasch auf gemeinsame Interessen gestoßen, denen sie nun auf dem Holodeck nachgingen.
Die nächste Ausnahme von der Routine bahnte sich an, als nach weiteren zwei Minuten Captain Janeway erschien und Lieutenant Tuvok mit den Worten: "Mr. Tuvok ist die nächsten Tage offiziell beurlaubt", entschuldigte. Ehe noch jemand eine Frage stellen konnte, bat sie B'Elanna mit dem Statusbericht über die Reparaturen am Kommunikationshilfssystem zu beginnen. Die klingonische Chefingenieurin kam der Aufforderung nach, und wie immer, wenn es um ihre geliebten Maschinen ging, brachte sie ausreichend Enthusiasmus auf, um sich genügend zu konzentrieren und sich nicht vom allgemeinen Rätselraten über Tuvoks Abwesenheit anstecken zu lassen. Alle anderen ließen die technischen Spezifikationen an sich vorbeirauschen und hingen ihren eigenen Mutmaßungen nach.
Der Brückencrew waren in letzter Zeit die Nervosität und untypische Launenhaftigkeit des Vulkaniers, seine stundenlangen Meditationspausen und seine häufigen Besuche auf der Krankenstation nicht verborgen geblieben, und alle hatten seit der Begebenheit mit Lieutenant Vorik ein Wort für diese Symptome: Pon-Farr. Doch was hatte es jetzt zu bedeuten, wenn Tuvok beurlaubt war? Hatte der Doktor vielleicht doch einen Durchbruch in der Behandlung erzielen können? Wusste Captain Janeway bereits von einer Lösung?
Aber erst noch mussten sie sich mit Commander Chakotays spannenden Zahlen über die Energieverluste von knapp 1,2% in Frachtraum Zwei und Sevens Vorschlägen zur Verbesserung der Ersatzkonsole im Astrometrischen Labor befassen, ehe Janeway dann noch einmal auf das Thema zurückkam, als es schon keiner mehr so recht erwartete. Betont ruhig und mit ausdrucksloser Miene sagte sie: "Noch eine Sache, bevor Sie auf Ihre Posten zurückgehen: hiermit übergebe ich bis auf weiteres das Kommando über die Voyager an Commander Chakotay. Ich werde in den nächsten Tagen Lieutenant Tuvok bei einem medizinischen Problem behilflich sein. Auch alle Aufgaben von Mr. Tuvok fallen ab sofort in den Zuständigkeitsbereich des Commanders. Und was Begegnungen mit feindlich gesinnten Fremden angeht, so hoffe ich, dass wir solche Zwischenfälle für die nächsten Tage ausschließen können, so dünn wie der Raum hier besiedelt ist. Wenn Sie keine weiteren Fragen mehr haben, sind Sie entlassen."
Stille. Sprachlosigkeit. Für einen Moment hörte man nur das Maschinengeräusch der Voyager, sonst nichts. Keine weiteren Fragen? Dutzende von unausgesprochenen Fragen geisterten durch den Raum, niemand aber hatte angesichts Janeways entschlossener Miene den Mut, sie zu stellen. Kurz. Präzise. Schnörkellos. Das also war die Lösung des Problems, auf die sie alle gewartet hatten. Und sie war typisch Janeway. Ohne ihren Ersten Offizier zu konsultieren, hatte sie wieder einmal eine bindende Entscheidung getroffen.
Tom warf einen schnellen Blick auf Chakotay, um zu sehen, wie dieser die unglaubliche Ankündigung aufgenommen hatte. Äußerlich verriet die Miene des Commanders nichts, aber Tom hatte Chakotay in den letzten Wochen recht gut zu lesen gelernt. Er hatte unablässig versucht, hinter die Maske des stoischen Maquis zu schauen, und immer wieder war es ihm, sei es durch Provokation, sei es durch Albernheiten, gelungen. Und deshalb sah er wohl als einziger deutlich, wie sehr Chakotay um seine Fassung ringen musste, als er nun scheinbar emotionslos zu Captain Janeway sagte: "Keine weiteren Fragen. Das Schiff ist bei mir in guten Händen. Nehmen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen."
Dann waren sie alle auf ihre Posten zurückgekehrt, und es war einer der schweigsamsten Nachmittage auf der Brücke der Voyager gewesen, die es je gegeben hatte.
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Commander Chakotay erschien zum Abendessen nicht im Casino, sondern nutzte eine seiner knappen Replikatorrationen, um sich eines seiner Lieblingsgerichte - eine scharfe Gemüsesuppe - zu bestellen, seine Lieblingsmusik einzulegen und sich auf das Sofa zu fläzen. Ständig musste er daran denken, was in diesem Moment in der Kabine des Captains vor sich ging. Oder waren sie in die Kabine des Vulkaniers gegangen? Es dauerte eine ganze Weile, ehe er den Türsummer wahrnahm. Wer sollte das sein? Mein Gott, die ganze Brückencrew konnte sich doch vorstellen, dass ihm heute mit Sicherheit nicht der Sinn nach Gesellschaft stand! Aber da er zurzeit das Kommando über die Voyager hatte, musste er wohl öffnen und so rief er, ohne die Füße vom Couchtisch zu nehmen, seufzend: "Herein!" Die Tür glitt auf und missmutig musterte Chakotay seinen späten Besucher.
"Was gibt's, Lieutenant?", fragte er wenig begeistert, als Tom Paris seine Kabine betrat. Nicht ausgerechnet heute Abend, musste er denken. Der Pilot fand ständig neue Gründe, um Chakotay mit gewöhnungsbedürftigen Vorschlägen heimzusuchen, aber heute war er mit Sicherheit nicht in der Stimmung dafür. Über soviel Rücksichtnahme sollte doch selbst ein Lieutenant Paris verfügen! " Ich bin nicht dienstlich hier, Chakotay", erwiderte Tom und trat unaufgefordert näher. "Ich habe noch viel zu tun", meinte Chakotay abwehrend. Ganz offensichtlich eine Lüge, denn mehrere Datenpadds lagen achtlos verstreut auf dem Fußboden herum. "Ach ja?" fragte Tom, und konnte einen spöttischen Unterton nicht ganz aus seiner Stimme verbannen. Er stand jetzt direkt vor Chakotay und ehe der reagieren konnte, griff er nach dem Löffel neben dem Teller und bediente sich. "Kalt." Er sah Chakotay an, als hätte er nichts anderes erwartet. Mit mehr Schwung als nötig gewesen wäre, nahm ihm Chakotay den Löffel wieder ab und legte ihn demonstrativ auf den Tisch zurück. "Lieutenant", setzte er an, besann sich dann aber eines besseren. "Paris, wenn Sie was zu sagen haben, sagen Sie's, ansonsten lassen Sie Ihre Finger von meinen Sachen." "Aye, aye, Sir", salutierte der Pilot übertrieben, und ohne einen Kommentar abzuwarten, schob er den Teller beiseite und stellte zwei altertümlich aussehende Flaschen auf den Tisch, bevor er sich neben Chakotay auf die Couch fallen ließ, als wäre er dort zu Hause. Chakotay gab auf. "Was soll das werden?" Er nahm die Füße vom Tisch und setzte sich kerzengerade hin, in einer Haltung als wäre er noch in Uniform. Er deutete auf die Flaschen. "Synthetischer Alkohol?" "Bier." Chakotay sagte nichts. "Chakotay, es gibt im Moment nichts zu tun. Für niemanden. Alles nur Routinetätigkeiten." Als der Commander immer noch schwieg stand Paris noch einmal auf, nahm den Teller und ging damit zum Replikator. Er stellte ihn auf 'erhitzen' und kehrte wenige Augenblicke später wieder an den Tisch zurück. ".... Und bei Neelix' Fraß können wir es uns nicht leisten, so etwas Gutes zu verschwenden. Chakotay, hörst du mir überhaupt zu?" Um jede Diskussion zu vermeiden, aß Chakotay zwei Löffel, dann starrte er wieder den Piloten an. Nach einem Moment nahm Tom ihm den Löffel aus der Hand und begann, sich unter Lauten des Wohlbehagens die Suppe einzuverleiben. Der Mann war irritierend. Egal ob dienstlich oder außerdienstlich. Chakotay lehnte sich zurück. "Tom, warum bist du hier? Doch nicht etwa in der Hoffnung, etwas von meinem Abendessen zu erbeuten, oder?" "Wer weiß?", gab er sich geheimnisvoll, was bei Chakotay immerhin ein kleines Lächeln hervorrief. Dann wurde Paris für einen Moment ernst: "Sie hatte Ihnen vorher nichts gesagt, oder?" "Lieutenant...." "Schon gut, Commander", unterbrach Paris ihn. Er beschloss nicht auf einer Frage zu beharren, deren Antwort er ja eigentlich schon kannte. Stattdessen erkundigte er sich: "Wissen Sie, was mir über B'Elanna hinweggeholfen hat?" "Üppige, blonde, holographische Schönheiten, die alle nur das Eine von Ihnen wollten?", fragte Chakotay prompt. "Hey!", beschwerte sich Tom. "Alles nur Vorurteile!" Chakotay grinste: "Wie heißt der Film, den Sie dabei haben?" "Chakotay?" "Du bist berechenbarer als du glaubst, Tom." "Scheint so", sagte Paris und schaute Chakotay misstrauisch an. Chakotay öffnete die Flaschen und lehnte sich wieder zurück. Der Pilot neben ihm war etwas aus der Bahn geworfen. Gut. Wenn Chakotay eines gelernt hatte in den letzten Wochen bei all ihren gemeinsamen Aktivitäten, dann wie viel Spaß es machte, Tom von Zeit zu Zeit klarzumachen, dass er bei ihm nicht immer darauf bauen konnte, die Oberhand zu behalten. Milde gestimmt durch diesen kleinen Sieg, erkundigte er sich großzügig: "Also, wenn es kein Harem war, was war es dann?" Er prostete Tom stumm zu und nahm einen Schluck aus der Flasche. "Ich..." "Paris! Ist das wirklich synthetisches Bier?", unterbrach ihn der Commander rücksichtslos. "Da du jetzt das Kommando hast, steht ein Besäufnis heute leider außer Frage." "Oh das!" rief Chakotay mit jäher Erkenntnis. "Das B'Elanna- Besäufnis! Oh mein Gott, wenn ich an die höllischen Kopfschmerzen denke..." "Aber etwas Gutes hatte es doch", meinte Tom herausfordernd. "Tatsächlich?" fragte Chakotay erstaunt. "Wären wir nicht so betrunken gewesen, hättest du dann je zugestimmt, mit Captain Proton gegen das Böse zu kämpfen?" "Wer weiß?", meinte Chakotay und legte seine Füße wieder auf den Tisch. Er musste in Erinnerung an dieses verrückte Holoabenteuer schmunzeln, ob er wollte oder nicht. "Und Chaoticas Blick, als wir ihn in den Vulkan verbannten!", grinste Tom. Dann rang er sich zu einem Entschluss durch und fügte noch hinzu: " Siehst du, das hat mir auch über B'Elanna hinweggeholfen." "Captain Proton??" "Quatsch! Gesellschaft. Deine Gesellschaft." "Oh." Chakotay nahm den letzten Schluck aus der Flasche, dann fragte er: "Und wenn ich lieber allein wäre?" "Glaub mir, manchmal wissen Freunde einfach besser, was für jemanden gut ist, als derjenige selbst. Und wir sind doch ... Freunde, oder?" "Klar doch." Chakotay zuckte die Schultern. Auf was wollte Paris jetzt wieder hinaus? Natürlich waren sie Freunde. Hatte zwar ein bisschen gedauert, aber vier Jahre waren ja auch eine genügend lange Zeit um seine Meinung zu revidieren. Chakotay stand auf, brachte den Teller weg und fragte vom Replikator: "Möchtest du auch noch etwas zu trinken?" "Nein danke, ich habe noch." Als sich Chakotay wieder gesetzt hatte, nutzte der Pilot den Moment um leise zu fragen: "Hast du auf New Earth mit ihr geschlafen?" "Nein", entgegnete Chakotay prompt, fing sich aber sofort wieder und schaute Tom wütend an. "Tom! Was ist das für eine Frage!" "Als ihr auf New Earth wart..." "Tom, nicht. Das tut nichts zur Sache." Das tat es wirklich nicht. Das tat es schon lange nicht mehr, wie er sich eingestehen musste. Die Zeiten, in denen er sich romantische Tagträume mit Janeway in der weiblichen Hauptrolle gestattet hatte, waren schon seit langem vorbei. Spätestens, seit sie ihn damals selbst in jener aussichtslos scheinenden Lage deutlich auf Distanz gehalten hatte. Für den Captain würde die Pflicht, Starfleet und die Oberste Direktive immer Vorrang vor allem anderen haben. Und obwohl er diese Erkenntnis eigentlich schon seit Jahren mit sich herumschleppte, tat ihre Realisierung immer noch verdammt weh. Als könnte Paris seine Gedanken lesen fragte er ihn jetzt drängend: "Also macht es dir nichts aus, dass Janeway und Tuvok...?" "Aber Lieutenant, sie hilft doch nur einem unersetzlichen Crew-Mitglied bei ... einem medizinischen Problem", ließ er den Piloten seine Bitterkeit spüren. Paris sah ihn aufmerksam an: "Das tut sie in der Tat." Chakotay schnaubte abfällig. "Das war nett formuliert, nicht wahr? Und sie hätte es nicht einmal selbst machen müssen. Jeder andere hätte Tuvok auch helfen können. Du, B'Elanna, Vorik oder ich. Jeder von uns hätte Tuvok in den nächsten Tagen..." "Wie willst du das wissen?", unterbrach Chakotay Paris aufgebracht. Tom ging auf den Tonfall nicht ein, sondern erklärte ruhig: "Ich habe ihn gefragt und ich habe mich ihm angeboten." Tom schaute Chakotay mit festem Blick direkt in die Augen. "Du hast...?" Er hatte es ... sich ... Tuvok angeboten? Einfach so? Und wie beiläufig er es erwähnte, dachte Chakotay. So als könnte jeder darauf kommen. Nur war da nichts Beiläufiges an dem, was er damit offenbarte. Im Gegenteil. Das hieß... das hieß, dass für Paris auch Männer in Frage kämen. Wow, das war typisch Paris, eine solche Bombe einfach so in einem Nebensatz zu servieren. Ob Paris wohl deshalb mit B'Elanna? Nein, das lag wohl eher an Fähnrich Kim. Aber die ganzen letzten Wochen.... Die Zeit auf den Holodeck ... Er hatte nie den Eindruck gehabt .... Sie waren doch so prächtig wie noch nie miteinander ausgekommen. Ob Paris erwartete, dass er.... ? Ob er ihn....? Oh Mann, ausgerechnet Paris! Ausgerechnet Tom. Immerhin erklärte das manches. Einige seiner Blicke, sein Interesse; das Angebot an Tuvok. Und gab es wohlmöglich noch ein anderes Angebot? Eines, das die ganze Zeit im Raum gestanden hatte, ohne dass er es gesehen hatte? "Tuvok hat natürlich abgelehnt", fuhr Paris ungerührt fort. "Er hatte bereits mit dem Captain gesprochen. Sie sei aufgrund ihrer langjährigen Freundschaft die logische Wahl. Außerdem würde nur beim Captain die Sicherheit bestehen, dass sie die Situation ebenfalls unter rein medizinischem Gesichtspunkten sähe. Dann kam noch etwas über Verantwortung, Vertrauen, seelische Belastbarkeit etc. und natürlich Logik, Logik, Logik. Halt das übliche." Klar, mit vulkanischer Logik konnte man alles beweisen und rechtfertigen. Aber wenn Chakotay es recht bedachte, war dieses Vorgehen nicht nur typisch für den Vulkanier sondern auch für Janeway. Für den Captain würde immer die Voyager an erster Stelle kommen. Immer. Und Tuvok war ein unverzichtbarer Teil dieser Voyager. Die größte Ironie war, dass Tuvok jetzt zum Wohle der Voyager etwas bekam, was sie sich hatte nie überwinden können, ihm freiwillig zu geben. "Wer hätte gedacht, dass ich ein Sicherheitsrisiko für unseren Vulkanier darstellen könnte?" scherzte Tom. Er hatte es Tuvok angeboten. Chakotay war immer noch nicht darüber hinweg. Wenn man ehrlich war, war das eine viel größere Überraschung als das, was Janeway getan hatte. Tom und der Vulkanier. Tom und Männer. Wahnsinn. Nur nichts anmerken lassen. "Das heißt, es war also keine spontane Entscheidung?" "Wann wäre es das bei Janeway je gewesen?", fragte Tom zurück. "Das stimmt. Ich habe es in dem Moment vermutet, aber ich wollte es mir, wie so vieles, nicht eingestehen." Tom legte seinen Arm auf die Lehne hinter Chakotay und meinte sanft: "Chakotay, wenn auf New Earth nichts geschehen ist, dann war es doch sowieso aussichtslos, oder?" "Ja! Und alle wussten es, nur der einfältige Commander, die Lachnummer des Föderationsraumschiffs Voyager, hat es nicht rechtzeitig mitbekommen", stieß Chakotay bitter und mit triefendem Sarkasmus hervor. Oh, er konnte sich die hämischen Kommentare seiner lieben Crew-Mitglieder schon deutlich vorstellen! Toms Finger drückten beruhigend seinen Arm und er meinte: "Du bist nicht die Lachnummer der Voyager. Du hast viele Sympathien auf deiner Seite und der Captain hat durchaus den Ruf ... kaltherzig zu sein. Sieh es mal so, mit Tuvok und Janeway haben sich nun zwei gesucht und gefunden, die wunderbar zueinander passen." Hitzig rief Chakotay: "Nur alle sieben Jahre Sex! Das geschieht ihr Recht!" Paris lachte: "Ich muss dich leider enttäuschen. Tuvok muss alle 7 Jahre, kann aber durchaus öfter, wenn er will." "Schade", seufzte der Commander. Dann wurde er sich bewusst, dass Toms Hand immer noch auf seinem Arm lag und er versuchte sich zu erinnern, ob das schon mal vorgekommen war. Er war sich nicht sicher, er hatte einfach nie darauf geachtet. Besser jetzt nicht drüber nachdenken. So räusperte er sich und fragte: "Tom? Wieso weißt du eigentlich so viel über Vulkanier?" "Ich arbeite bereits seit einigen Jahren auf der Krankenstation, schon vergessen?" Beim Sprechen zog Tom seine Hand zurück und Chakotay lehnte sich entspannter zurück. "Wie könnte ich, wo du dich immer so außerordentlich begeistert darüber äußerst", lachte er. Tom war das unbewusste Aufatmen des Commanders nicht entgangen und er fragte sich, ob er es für heute dabei bewenden lassen sollte. Er stand kurz auf und holte vom Schreibtisch die beiden Videos die er mitgebracht hatte. Gerade als er Chakotay die Titel vorlesen wollte, fiel ihm auf, wie entspannt Chakotay wieder schien. Gut. Zwar war Tom heute wirklich nur mit der Absicht, Chakotay ein wenig abzulenken, in dessen Kabine gegangen, aber da er die Nachricht mit dem Angebot an Tuvok so erfreulich ruhig aufgenommen hatte, entschloss sich Tom noch einen Moment zu bleiben und ihm vielleicht noch etwas zum Nachdenken zu geben. Chakotay deute auf die beiden Filme: "Also, was hast du da wieder ausgegraben?" "Wird dir gefallen." Und wird dir und mir erst einmal ein wenig Zeit zum Nachdenken verschaffen. Tom gab sich jetzt geschäftlich: "Zorros schwarze Peitsche, USA 1944 und John Wayne in Showdown am Adlerpass, ebenfalls 1. Hälfte 20. Jh." "Oh, nein! Kommen da auch wieder verkleidete Indianer mit schwarzen Perücken drin vor?" "Das will ich doch wohl hoffen!", rief Tom begeistert, als Chakotay theatralisch stöhnte. Er sprang auf. "Also, welchen? Sag schon!" Mit vor Vergnügen funkelnden Augen stand er vor Chakotay und lockte: "Zorro oder John Wayne?" "Entscheide du." "Ich weiß schon seit langem was ich will", meinte Tom und warf Chakotay einen unergründlichen Blick zu. Gefährliche Worte. Chakotay spürte ein Kribbeln im Magen und beschloss, sie noch einen Moment bewusst misszuverstehen: "Ich auch. Ich will John Wayne." Ein spöttisches Verziehen der Mundwinkel, dann ging Tom zum Abspielgerät und legte den Film ein. Als er zurückkehrte, setzte er sich so, dass sich ihre Beine berührten. Als er jetzt zum zweiten Mal an diesem Abend seine Hand auf Chakotays Oberschenkel legte, ergriff dieser sie sofort und wollte sie zur Seite legen. Doch Tom ließ seine Hand nicht los. Chakotay befahl: "Computer, Film stoppen." Dann zwang er sich ganz ruhig - viel ruhiger, als er sich fühlte - zu sagen: "Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, Paris." "Warum nicht?" Endlich hatte Chakotay zum ersten Mal laut eingestanden, dass auch er die Idee dahinter sah. Gut. Musste er ihn nur noch dazu bringen, die Idee auch zu akzeptieren. "Was kann schon schief gehen, Chakotay? Nichts Ernstes. Keine feste Bindung, keine Verpflichtungen, keine große Romanze. Damit bin ich erst einmal bedient und du sicher auch. Komm schon, Chakotay." Es ging alles so schnell. Viel zu schnell. Unschlüssig schaute Chakotay Tom an und traf auf einen Blick aus leuchtendblauen Augen, die ihn abwägend aber auch herausfordernd musterten. Noch einmal ersparte es ihm der jüngere Mann eine Frage zu formulieren, die er selber noch nicht wusste, indem er fragte: "Wovor hast du Angst? Komm schon, ich werde dich nie küssen, oder dich anfassen, wenn du es wirklich nicht willst. Ich werde unsere Freundschaft nicht ruinieren - gibt es sonst noch etwas, was ich dir versprechen kann?" "Und was ist das?", fragte Chakotay und schaute demonstrativ auf seine Hand, die der Pilot immer noch umklammert hielt. "Ein kleiner Vorgeschmack?", schlug Paris unschuldig vor. "Worauf?", rutschte Chakotay reflektorisch heraus und sofort wehrte er ab: "Nein, nein, streich die Frage!" "Unmöglich, Commander. Es ist unhöflich, die Frage seines Vorgesetzten nicht zu beantworten", entgegnete Paris mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen und rückte noch ein Stückchen näher. "Lieutenant!" Chakotay fühlte sich überfordert. Er versuchte, Paris wegzustoßen, doch der schaute nur ungerührt auf die Stelle, wo Chakotays Hände ihn jetzt an der Brust berührten. Verdammt, was dachte der Mann, wer er war? Da war sie wieder, die typische Arroganz, die er an Paris so sehr hasste. Dachte der Pilot wirklich, er könnte ihn mit der bloßen Andeutung, er habe Angst vor Berührungen, in die Ecke treiben? Chakotay war dieses Spiel leid. Alle versuchten, ihn zu manipulieren. Janeway, Tom, ja selbst Tuvok. Janeway und Tuvok. Was die konnten, konnte er auch. Er legte Paris eine Hand in den Nacken, doch der wich nicht zurück. Toms Atem beschleunigte sich, aber er hielt dem Blick des Commanders stand, als der jetzt versuchte, in seinen Augen zu lesen. War es das, was Paris schon den ganzen Abend wollte? Schon seit ... Tagen wollte? Nun, Pech, wenn dem nicht so war. Chakotay beugte sich vor und küsste Tom. Endlich! Tom hätte gerne triumphierend "Ja!" geschrieen, begnügte sich aber damit einen Arm um Chakotays Hüfte zu legen und ihn ein wenig enger zu ziehen. Er öffnete seine Lippen und Chakotay schmeckte Bier. Bier und Tom. Verrückt. Jetzt war er schon genauso verrückt wie Paris. Er unterbrach abrupt den Kuss und rutschte auf dem Sofa zurück, bis ihn die Lehne bremste. Schweratmend starrte er Paris an. Den schien das nicht zu stören, und der schien über diesen Kuss auch weit weniger erstaunt als er selber zu sein. Tom seufzte nur kurz, glättete seine Haare, dann sah er Chakotay an und sagte als wenn nichts geschehen wäre: "Du brauchst jetzt nichts zu sagen. Schlaf darüber, und sobald du die Antwort weißt, lass es mich wissen." Ein huldvoller Paris, der ihm Bedenkzeit *gewährte*, das hatte ihm gerade noch gefehlt! "Trink erst dein Bier aus! Denn ... wie war das noch? Wir können es uns nicht leisten, etwas so Gutes zu verschwenden?", meinte er also in einem Tonfall, von dem er wusste, dass Paris gereizt darauf reagierte. Der Lieutenant enttäuschte ihn nicht: "Ach ja? Und wer bist du, dass du meinst, so etwas bestimmen zu können?" Er hatte ihn! Mit schlecht verhohlener Genugtuung antwortete er also: "Dein Vorgesetzter? Zu dem man nicht unhöflich sein darf?" Gerade als Tom aufbrausen wollte, sah er das Lachen in Chakotays Augen, das ihn aufforderte, genau das zu tun, und so erwiderte er nur kopfschüttelnd: "Du bist so ein Miststück, Chakotay." "Sind wir quitt?" "Ist der Abend schon zu Ende?" Beide grinsten sich lauernd an. Chakotay gab als erster nach. Er ließ Toms Hand los, lehnte sich im Sofa zurück, verschränkte die Hände vor der Brust und erkundigte sich sachlich: "Okay, Paris. Wie sieht dein nächster Programmpunkt aus?" Tom hätte zu gerne *Bett* gesagt, nur um Chakotays Reaktion zu sehen, aber er hatte im Moment Mühe, Chakotays Körpersprache zu interpretieren, und so ging er das Risiko lieber nicht ein. Einerseits war der Kuss von Chakotay ausgegangen, der Abbruch aber auch. Und warum hatte er ihn zurückgehalten als er gehen wollte, saß jetzt aber in Abwehrhaltung auf dem Sofa? "Seit wann bin ich für die Gestaltung deiner Abendunterhaltung zuständig?" "Seit etwa 3 Monaten?" fragte Chakotay überraschend ernst. "B'Elanna hat damit gar nichts zu tun, " antwortete Tom so rasch, dass er sich damit selbst Lügen strafte. "Wenn du es sagst ..." "Hat Janeway hiermit etwas zu tun?", erkundigte sich Tom patzig, durchaus in der Absicht Chakotay mit denselben Waffen zu verletzen. "Natürlich nicht", erwiderte Chakotay mit einem winzigen Lächeln. Tom war einen Moment unschlüssig, dann nahm er es als Friedensangebot, als das es auch gemeint war. Er ließ sich wieder neben Chakotay auf das Sofa fallen: "Okay, doch noch John Wayne?" "Wenn du partout nichts besseres zu bieten hast..." Seit wann hatte sich Chakotay eigentlich seinen Part zu Eigen gemacht? Sollte er nicht derjenige sein, der das Tempo bestimmte? Hatte Chakotay nicht noch vor einer halben Stunde gesagt, es ginge ihm zu schnell? Tom musterte den Commander. Was spielte der jetzt gerade mit ihm?
Chakotay hätte auch nicht genau sagen können, woher auf einmal seine Rücksichtslosigkeit kam, aber ihm war klar geworden, dass heute ein Kapitel zu Ende gegangen war, dass ihn schon viel zu lange mit seiner Unsicherheit belastet hatte. Janeway wollte mit Tuvok ins Bett? Schön, wegen ihm. Dann hatte sie wenigstens keinen Grund irgendeine Sternenflottenvorschrift auszugraben, die ihm verbieten würde, dasselbe mit dem Chefpiloten zu tun. Gleiches Recht für alle, nicht wahr, Kathryn? "Zu bieten vielleicht schon, aber..." "Angst, Paris?" "Chakotay, ich habe eine Klingonin überlebt", meinte Tom mit wegwerfender Geste. "Ich hatte mehr Sorgen um dich." "Wirklich fürsorglich von dir. Aber unbegründet. Ich habe eine cardassianische Spionin überlebt." "Was wird das? Narben zählen?" B'Elanna und Harry Kim, Seska und der Anführer der Kazon. Die eigentlichen Narben, die, die viel schwerer wogen als klingonische Bissspuren oder cardassianische Fingernägel, waren nicht unter der Kleidung verborgen und beiden war es bewusst. "Fang an!" "Womit?" "Mit dem Ausziehen natürlich. Für die Bestandsaufnahme." "Chakotay?" War das jetzt ernst gemeint? "Ich sehe schon, bei Captain Proton ist alles bloß Fassade." Chakotay musste sich eingestehen, dass es ihm ausgesprochen gut gefiel, den redegewandten Piloten so auf der Suche nach den richtigen Worten zu sehen. Aber selbst wenn Tom im Moment keine passende Antwort einfiel, war doch Verlass darauf, dass er eine Herausforderung als solche erkannte und entsprechend reagierte. Er stand vom Sofa auf, stellte sich vor Chakotay und begann sein Hemd aufzuknöpfen. "Ich hoffe nur, das überfordert dich jetzt nicht." Chakotay hatte aber eher den Eindruck, dass Tom etwas überfordert war, denn bei einigen Knöpfen zitterten seine Finger so, dass er einen zweiten Anlauf brauchte, um sie zu öffnen. Aber wenn man Tom etwas nicht absprechen konnte, war es Mut und Entschlossenheit und so fiel kurze Zeit später das Hemd auf den Boden. Verdammt, warum ließ er sich von Chakotay so manipulieren? Er hatte mal wieder gehandelt, bevor er gedacht hatte - wie so oft. "Ich stehe nicht zum Verkauf", knurrte er, als Chakotay ihn jetzt betrachtete, ohne sich zu rühren. Tom beendete die Musterung, indem er einen Schritt auf das Sofa zu machte und sein Knie genau zwischen Chakotays Knie auf das Sofa brachte. Dann stützte er sich mit den Händen auf der Rückenlehne ab, direkt neben Chakotays Kopf. Das war schon viel besser. So konnte er fast darüber hinwegsehen, dass er sich im Moment neben dem noch vollständig bekleideten Commander ein wenig ausgezogen vorkam. "Ein reizender Gedanke", versuchte Chakotay zu scherzen, aber Tom spürte, dass die Antwort eher mechanisch war, denn Chakotay starrte gebannt auf Toms Lippen, die seinen in Zeitlupe näher kamen. Als nur noch ein Zentimeter fehlte, schloss er in Erwartung des Kusses die Augen. Tom grinste, wich nach links aus und beugte sich zu Chakotays Ohr vor. "Zu teuer", flüsterte er und richtete sich wieder auf. "In Marseille war das noch anders." Toms Augen verengten sich und der Commander wusste, dass er getroffen hatte. Viel tiefer als beabsichtigt. Eine Entschuldigung stand natürlich außer Frage und so bot er als Wiedergutmachung an: "Küss mich." "Pah!" "Falsche Antwort." Und zum zweiten Mal an diesem Abend zog Chakotay Tom in einen Kuss. Nur hatte Tom dieses Mal Zeit, ihn zu erwidern, denn Chakotay flüchtete nicht gleich wieder ans andere Ende des Sofas. Warme Hände fuhren über seinen Rücken und wenn er nicht nach vorn fallen wollte, hatte er keine Hände frei, um auch auf Erkundung gehen zu können. Das blieb seinen Lippen und seiner Zunge überlassen. Jedenfalls bis zu dem Moment, bis sich Chakotay überlegte, dass das eigentlich auch seine Aufgabe wäre. Wieso wusste Chakotay eigentlich so genau, was er tun musste, um Toms Knie zittrig werden zu lassen?
Tom musste mehr von Chakotay spüren und kniete sich jetzt auch mit seinem anderen Bein auf das Sofa. Der angenehme Nebeneffekt war, dass er seine Hände freibekam. Er musste unbedingt auch Haut spüren. In dem Moment, als Toms Hand unter sein Hemd glitt, hörte er Chakotay kurz aufstöhnen. Tom war erleichtert. Dem Commander schien es zu gefallen .... Oh, Gott, waren das wirklich Zähne, die da sanft in seinem Nacken knabberten? Tom versteifte sich. Seit B'Elanna hatte er eigentlich genug davon, aber dieses Mal schien kein Blut fließen zu müssen, die Bisse wurden nie mehr als Zärtlichkeiten und so murmelte er nach einer Weile erleichtert: "Ja." "Ja?" Tom spürte Chakotays Erheiterung in der Frage, wollte jetzt aber keine Erklärung abgeben und flüsterte: "Mach weiter." Wieder war Chakotays Lachen mehr spürbar als hörbar. Einen Moment gab sich Tom dem bloßen Luxus des Genießens hin. Chakotays Atem strich warm, fast heiß über seinen Hals. Verdammt, er sollte sich nicht so sicher fühlen. Selbst wenn es keine Klingonin war. "Du hast noch zu viel an", sagte er deshalb, bemüht, das Ungleichgewicht, das er fühlte, wieder zu beheben. Er begann, Chakotays Hemd aufzuknöpfen. Als der Pilot sich dazu entschlossen aufrichtete, musste Chakotay leider Toms Halsbeuge aufgeben. Chakotay lehnte sich zurück und ließ Tom gewähren. Seine Hände glitten derweil fest über Toms Oberschenkel und obwohl Tom nicht die dünne Uniformhose trug, so konnte er doch selbst durch die Jeans spüren, wie Tom hart wurde. Mit jedem Drübergleiten mehr.
Als Tom endlich am letzten Knopf angekommen war, atmeten beide schwer. Chakotays Augen trafen auf Toms und während er den Blick des jüngeren Mannes festhielt, fuhr er mit einem Finger einmal zielstrebig Toms Erektion nach. Tom hielt die Luft an und entließ sie erst mit einem Stoßseufzer, als sich die Aktion nicht wiederholte. Nur einmal, und Chakotay hatte sicher genau gemerkt, dass er ihm anschließend die Hüfte auf der Suche nach weiterem Kontakt entgegengereckt hatte. Shit, die Sache drohte, ihm zu entgleiten, Chakotay wusste viel zu genau, was sein Körper wollte. Woher eigentlich? Es kostete ihn alle Kraft, sich nicht noch einmal an Chakotays Bein zu reiben. Chakotay spürte Toms Anspannung und das gab ihm seine ganze Ruhe und Selbstsicherheit zurück. Sie würden nach seinen Spielregeln weiterspielen. Der Pilot war viel zu ausgehungert nach Berührungen, um irgendetwas zu riskieren, was ihn jetzt noch zum Aufhören veranlassen könnte. Seine Selbstgerechtigkeit wurde arg erschüttert, als ihn Tom jetzt mit mehr Kraft, als er ihm zugetraut hätte, schwungvoll auf den Rücken beförderte. Okay, das Überraschungsmoment war auf Paris' Seite gewesen, sonst wäre das nie passiert, redete sich Chakotay gerade in dem Moment ein, als sich der Pilot der Länge nach über ihn legte. Einen erschreckenden Moment lang genoss Chakotay das Gewicht auf ihm. Aber Tom Paris durfte man gar nicht erst auf falsche Gedanken kommen lassen. Er zog ein Bein an und versuchte Tom von sich herunter zu rollen, doch der Schuft nutzte die Gelegenheit Chakotays Beine mit seinem Knie auseinander zu drücken und sich dazwischen zu legen. Eine Hand in Chakotays Haaren, rieb er sich jetzt doch an dem Körper unter ihm. Sollte Chakotay doch denken, was er wollte.
Hitze. Muskeln. Härte. Ja, tatsächlich Härte. Tom musste grinsen. Er hatte definitiv eine weitere Methode gefunden, den sonst so gesetzten Commander aus der Reserve zu locken. Chakotays Hände glitten fiebrig über seinen Rücken, packten fester zu und zogen Toms Hüften jedes Mal mit etwas mehr Kraft auf seine Hüfte. Die Reibung nahm zu und die Hitze nahm zu. Tom versuchte, sich zuerst dem Rhythmus anzupassen, doch dann wurde er schneller, als es ihm nicht genug war. Immer noch nicht genug war. Chakotay atmete heftiger und Tom küsste die leicht geöffneten Lippen. Wie hatte er nur denken können, dass man verrückt sein musste um Tom Paris zu küssen? Okay, vielleicht ein wenig. Aber mitten im Deltaquadranten, mit noch 70 Jahren Heimreise vor sich, war das sicher nicht so schlimm. Und es gab deutlich unangenehmere Arten, verrückt zu werden, als von Toms Zunge, die soeben genüsslich seinen Mund erforschte, in den Wahnsinn getrieben zu werden. Und noch eine weitere überraschende Erkenntnis bot sich ihm: wer hätte je gedacht, dass Paris so lange den Mund halten und auf jede herausfordernde Bemerkung verzichten könnte? Mist, er hätte besser darauf geachtet, nicht ganz so deutlich zu grinsen, denn nun stellte Tom sämtliche Bewegungen ein und musterte ihn kritisch.
"Commander? Irgendetwas, was ich wissen sollte?", erkundigte sich Tom und Chakotay wurde schlagartig deutlich, auf welch dünnem Fundament ihre Beziehung noch stand. "Nein, Tom." "Chakotay?" "Verdammt, Tom, ich habe nur gedacht, dass du jetzt schon ungewöhnlich lange deine Klappe hältst. Das ist alles." "Und deshalb hast..." "Tu's einfach weiter", unterbrach ihn Chakotay, brachte Tom unter sich und verschloss ihm den Mund. Natürlich fiel ihm genau 10 Sekunden zu spät ein, dass das Tom Paris gegenüber ein Kamikazekurs war. Denn nun versuchte sich Tom erst recht von seinem Gewicht zu befreien.
Chakotay war doch wirklich ein selbstgefälliges Miststück! Außerdem hatte er niemals die Absicht gehabt unter Chakotay auf dem Sofa zu liegen! Wie viel wog der Commander eigentlich? Tom setzte seine Hände gegen Chakotays Brust und versuchte ihn wegzudrücken. Aussichtslos. .... Kein Zentimeter! ... Hey, er hatte bestimmt auch niemals die Absicht gehabt, seine Hände jetzt über den Kopf gebogen zu bekommen! ... Nein! ... Chakotay ! ... Eine Hand, die seine Handgelenke umklammert hielt ... Außerdem ...die Lippen, die sein Gesicht herunterwanderten, ... er wollte.... nicht schon wieder den Hals ... Ja, die Kehle... Zärtliche Küsse in deutlichem Gegensatz zu den unerbittlichen Händen. Als hungrige Lippen seine Brustwarzen fanden, konnte Tom nur noch aufstöhnen.
Chakotay kämpfte um seine Beherrschung, jetzt wo Tom den Kampf aufgegeben hatte und sich ihm verlangend entgegenbog. Zitterte, als seine Hand Zentimeter um Zentimeter nach unten wanderte. Erschauderte, als seine Finger begannen, den Reißverschluss aufzuziehen.
Tom wollte die Anspannung endlich beenden. Dieses ganze Hin und Her am heutigen Abend hatte seine Nerven blank gelegt. Chakotay mochte ja die meiste Zeit ein Miststück sein, aber er war ein Miststück, nach dem sein Körper hungerte. Schon seit Tagen. Und so hob er die Hüften an, als Chakotay begann, seine Hose nach unten zu ziehen. Er verschwendete keinen Gedanken daran, dass er schon wieder deutlicher weniger anhatte, als der Commander und zog ihn erneut über sich. Noch einen Kuss und dann wanderten seine Hände unter den Hosenbund von Chakotays Hose und Unterhose und begannen, dessen nackten Hintern zu streicheln.
"Wahnsinn!", keuchte Chakotay. War es bisher mehr Tändelei mit sexuellen Untertönen gewesen, so hatte Paris mit diesem letzten Schritt deutlich die Richtung gewechselt. Zum ersten Mal stand purer Sex im Raum. "Warte, Tom!" Chakotay war unentschlossen. Alle Für und Wider verlangten auf einmal seine Aufmerksamkeit. Ebenso wie Tom. Denn dessen linke Hand wanderte zielstrebig nach vorne, und gerade, als Chakotay ein lautloses "Nein" ausstieß, umschlossen ihn Toms schlanke Finger kraftvoll. Aber nicht zu fest. So perfekt, dass Chakotay im Endeffekt "Ja" murmelte. Als Tom ihn jetzt mit sanftem Druck dazu brachte, sich neben ihn zu rollen, kam er der Aufforderung nach. Eigentlich wollte er nicht. Eigentlich war er der Ansicht, ein Commander müsse einem Lieutenant sagen, wo es lang geht. Aber er hatte da ein Körperteil, das ganz anderer Ansicht war, und das befand sich im wahrsten Sinne des Wortes in Toms Hand. Shit, nur Paris konnte ihn in so eine Situation hereinmanövrieren. Und obwohl er wusste, dass Paris ihn über kurz oder lang wieder zur Weißglut treiben würde, konnte er ihm keinen Einhalt gebieten. Nicht mehr. Das einzige, was er noch tun konnte, war ein Unentschieden herbeiführen. Er zog Toms letztes Kleidungsstück nach unten. Und wurde mit einem Stöhnen belohnt, als seine Finger Toms Erektion zum ersten Mal direkt berührten, ohne Stoff dazwischen. Hitze, samtweiche Haut, jede Bewegung von einem winzigen Seufzer begleitet. Und jede Bewegung wie in einem Spiegel reflektiert. Fast jede. Denn nach einer Weile wurde Tom deutlich schneller und Chakotay brauchte zwei, drei Herzschläge um sich dem anzupassen. Oh Gott, wenn Tom so weiter machte, würde er noch vor ihm... Paris wollte wahrscheinlich, dass er vor ihm kam!
Tom spürte dass Chakotays Bewegungen fordernder wurden. Rauer. Er spürte die Entschlossenheit des Commanders, doch da er keinerlei Lust mehr auf Wettbewerb hatte, rutschte er so nah es ging an Chakotay heran. So nah, dass er seine Stirn an Chakotays Stirn legen konnte, vor allem aber so nah, dass er mit seiner Hand ihre beiden Schwänze gemeinsam umfassen konnte. Chakotays Finger unter seinen in den gleichen Rhythmus ziehen konnte.
Chakotay fühlte Toms raschen Atem auf seinem Gesicht, fast genau im Takt, wie seine - nein, ihrer beider Finger - auf- und abglitten. Zwingend. Hypnotisch. Zum ersten Mal an diesem Abend war er bereit, zu zweit die Sache zu beenden, die sie allein begonnen hatten. In wortlosem Einverständnis koordinierten sie ihre Bewegungen, ließen sich immer schneller vorantreiben, rieben , keuchten, atmeten gemeinsam. Und als Tom mit einem lauten Stöhnen kam, folgte er nur wenige Sekunden später nach.
Ihr Atem beruhigte sich langsam, Chakotay ließ den Kopf in den Nacken sinken und atmete einmal tief durch, dann löste er seine Hand von Toms Hand, und damit auch von ihren klebrigen Schwänzen. Jeder rückte ein paar Zentimeter zur Seite. Es war an Tom, die Situation in Worte zu fassen und das tat er sehr überzeugend mit einem bewundernden aber auch schon wieder leicht spöttischen: "Himmel, Chakotay!" "Komm wieder auf die Erde, Tom." "Bin schon unterwegs." Und Chakotay würde sicher dafür Sorge tragen, dass er dort auch eine Weile bleib, wenn sein extrem rasches Ankleiden ein Indiz dafür war. Tom bückte sich ebenfalls nach seinem Hemd und zog sich ohne Eile an. Chakotay saß unschlüssig auf der Sofalehne, dann meinte er um Leichtigkeit bemüht: "Ich fürchte, für John Wayne ist es jetzt etwas spät geworden." Paris erhob sich und entgegnete ebenso nonchalant: "Ich kann ihn ja mal wieder mitbringen, wenn er so einen Effekt auf dich hat." Er schaute Chakotay abwartend an.
Erst wollte sich Chakotay auf gar keinen Fall festlegen, doch dann musste er daran denken, wie deprimierend dieser Tag begonnen hatte und was dann noch daraus geworden war, und so sagte er zu Toms großer Überraschung: "Bild dir bloß nicht zu viel darauf ein. Aber ich denke, du kannst den Film hier lassen." Allein Toms Gesichtsausdruck war die Antwort wert gewesen.
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